Mai

Sonntag, 1.5.

Dón war sichtlich ungehalten darüber, dass ich mit Nacariño den ganzen Tag weg war und sich um ihn niemand – niemand!! – kümmerte. Ohnehin hat ihn ja niemand – niemand!! – lieb. Genau. 
Und dann stand ihm auch noch eine mehr als einwöchige Pause bevor, da ich am Montag in Richtung Lissabon entschwebte.

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Dienstag, 10.5.

Angefüllt mit schönen inneren Bildern bin ich zurückgekehrt und war sehr heiß drauf, mich wieder auf meine Pferde zu setzen. Ein bisschen mehr Freude hatte ich schon erwartet, aber beide sahen mich und sagten einfach nur „Hallo“, als wäre ich gestern da gewesen. Pfff…

Mir war nach einfach nur locker flockig, kein großes Programm, ich war ziemlich krank wieder gekommen (Lissabon bei 9 Grad und Dauerregen, während hier die Sonne vom Himmel knallte – verkehrte Welt…). Dón fing ungeheuer ruhig an, fast schon triebig – bis er das Zelt in Nachbars Garten entdeckte. Das leuchtete und blau entgegen und er fand das extrem gefährlich. Ich beschäftigte ihn also ein wenig, indem ich seine Haltung veränderte, während mir schon diverse Sätze für den kommenden Samstag durch den Kopf schossen (Themen-Tag zum Thema Anlehnung, Aufrichtung, Dehnung – da kann er einiges zu beitragen!). Dem Trab mangelte es wieder an Grundspannung, die wurde jedoch nach den ersten Galopps deutlich besser. Der Galopp half hier wirklich, auch wenn er sich durch das Galoppieren aufladen wollte. Es war also ein Spiel mit Millimetern, um mehr Spannung zu bitten, aber zugleich zum Loslassen und zum Treiben zu kommen.

Das machte richtig Spaß, er ist einfach so toll empfindsam (manchmal zu sehr, aber lieber so als faul…), er machte super mit und hatte Freude am Gerittenwerden. Ich frage mich ein bisschen, warum er im Moment im Galopp so ungeheuer empfindlich am Bein ist, da fühlt er sich ganz oft nach sehr kurz vor’m Abhauen an, aber ich habe zum Glück nicht mehr das Gefühl, dass der Sattel nicht liegt.

A pro pos Sattel… 🙂

Ich habe doch tatsächlich in Portugal einen Sattel gekauft!! Diese Marke war mir vor einem Jahr bei unserem Urlaub aufgefallen, im Internet waren die nicht zu finden. Nun sah ich sie wieder – und gleich einen ganzen Laden voll davon, die meisten in Art eines Portuguesa, aber auch einige, wie ich sie so gerne haben möchte: „unten rum“ praktisch Portuguesa, also eckig, „oben rum“ jedoch eine normale Sitzfläche ohne Galerien.
Hier hing nun einer, schwarzes Leder, abgesetzt mit beigem Wildleder, das in sich gemustert ist.

Wir waren vier Mal in diesem Laden, den man problemlos hätte leerkaufen können. Zu diesen Preisen ist diese Lederqualität bei uns nicht zu kriegen. Jedes Mal stand ich vor diesem Sattel und sabberte. Am ersten Tag fühlte ich die Polsterung (super weich), sah mir den von allen Seiten an (gute Widerristfreiheit, breiter Wirbelkanal, keine störenden Pauschen), versuchte mir vorzustellen, ob der passen könnte (hab genug Pferde…) und sah den tatsächlich schließlich am ehesten auf Dón. Das wäre natürlich großartig.
Ich dachte wie verrückt darauf herum und träumte vermutlich auch von dem Sattel.

Am zweiten Tag setzte ich mich drauf (hach… Seufz…) und fragte nach dem Preis – so in der Art hatte ich es vor einem Jahr schon gehört, die liegen so um und bei 700,- Euro.
Für den Preis sähen die bei uns aber mal anders (billiger!) aus…! Es war zu sehen, dass dieser Sattel schon mal angegurtet war und da, wo die Stiefel liegen, sieht man auch, dass da schon mal jemand drauf saß. Ich meinte also, der sei ja nicht mehr ganz neu… Dazu sagte sie allerdings leider gar nichts.

Ich fotografierte den Sattel und sah mir das ungefähr stündlich an.

Ich dachte weiter darauf herum, fand, dass das Risiko sich arg in Grenzen hält (für den Preis kriegt man den doch immer verkauft, wenn er denn nun gar nicht passen sollte), ich haderte allerdings mit der Farbe. Ich fand die Homepage und sah, dass man sich aus 12 Farben alles nach Wunsch zusammenstellen lassen kann…
Da war er im Prinzip schon gekauft, denn wenn er passen sollte oder sich vielleicht sogar verändern ließe, dann würde ich mir den ja auch nochmal irgendwann in Wunschfarbe bestellen können…

Beim dritten Besuch machte ich ernst und sagte, ich wolle den kaufen. Die (so süße!) Verkäuferin sagte, sie telefoniere mal eben wegen des Preises (ich hätte ihn auch für 700,- genommen, sie hätte das nicht machen müssen. Dass sie es tat, rechnete ich ihr hoch an) und kam wieder mit der frohen Botschaft, dass sie ihn mir für 500,- geben könne.

Drei – zwei – eins – meins!!!

Ich räumte einen Geldautomaten aus und kaufte diesen Sattel, der nun hoffentlich in den nächsten Tagen hier eintrifft. Bin ich gespannt! Daumen drücken, dass er Dón passt!

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Samstag, 14.5.

Ich stoße gerade ein wenig an Grenzen. Dón zu spannen, fühlt sich zwar richtig, aber nicht gut an. Ihn so gehen zu lassen, wie er kann, fühlt weder wirklich gut noch richtig an, tut seiner Psyche aber gut und macht ihn zufrieden. Es tut seiner Grundspannung gut, die Stuten neben dem Platz laufen zu lassen, die nehmen mir einiges an Arbeit ab 🙂

Ich bin gerade in einem ziemlichen Zwiespalt, wie ich ihm am besten reiterlich weiterhelfen kann. Wir haben Bilder gemacht und ich war hinterher nicht so glücklich über das, was ich sah, weil er auf vielen Bildern zwar positiv konzentriert, aber teilweise auch angestrengt aussieht. Also in einer Form angestrengt, wie das ja mal vorkommen kann, aber das war für mein Empfinden auf zu vielen Bildern der Fall. Ich muss etwas ändern und weiß nicht so richtig, wie es für ihn am besten ist…

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Gebe ich den Rahmen so vor, dass ich eine einigermaßen gute Grundspannung aufbauen kann, wird er mir zu eng, lasse ich ihn so weit vor, wie ich gerne möchte, kann er die Form und die „Brücke“ der Oberlinie nicht halten. 

Als ich einmal wirklich anforderte, dass er aus sich herausgeht, so nach dem Motto „schmeiß einfach mal Deine Beine durch die Luft, aber beweg Dich!“, machte er zu. Ein Pferd, das im Freilauf und beim Toben so beweglich ist, wie ich es noch nie gesehen habe, muss doch in der Lage sein, unter dem Reiter mal zu explodieren (im positiven Sinne), aber das kommt einfach nicht… Das ist auch nicht einfach nur guter Gehorsam, denn lange unter dem Sattel war er nicht, bevor er zu mir kam und ich schränke meine Pferde in ihrer Beweglichkeit, wenn es irgend geht, überhaupt nicht ein. Er ist also (in meiner Zeit) niemals für ein Buckeln oder Abhauen bestraft worden, kommt ja auch kaum vor bei ihm.

In Stellung und Biegung ist er toll, er ist auf beiden Händen fast identisch inzwischen. Er fühlt sich für mich aber im Gang immer schlaksig und spannungslos an und ich grübel darüber nach…

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Ich ritt also nicht lange und nahm ihn danach noch kurz an die Hand, um vor dem blühenden Flieder ein Steige-Bild zu machen. Sofort war Dón total in seinem Element und schenkte mir ein großartiges Steigen nach dem anderen. Mit Freude, mit Dynamik, mit Respekt. Das ist echt toll geworden!

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Und ich bekam auch noch ein wunderbar ruhiges Kompliment – so lange hatte er das Röhrbein noch nie am Boden gelassen. Dafür gab es den einzigen Keks des Tages – ich hatte tatsächlich auch nur diesen einen in der Tasche. Zum Runterlocken war der sehr brauchbar, er bekam ihn jedoch erst, als er schon wieder oben war. Und dann wurde ich gefragt, wie ich das mache – und so erklärte und zeigte ich, worauf zu achten ist, und dabei machte Dón in Zeitlupe und völlig ohne Keks-Verlockung ein zweites, noch ruhigeres Kompliment. Das war das mit Abstand beste, das er je gezeigt hat! Großartig!!

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Der tolle Junge mit Sturm-Frisur 🙂

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Sonntag, 15.5.

Der neue Sattel ist das! Das ging ja schnell! Natürlich musste ich ihn ausprobieren… Und ich freute mich wie verrückt – er liegt gut auf Dón, ist an der Schulter grenzwertig knapp, allerdings ist die Polsterung so weich und dick, dass die sich noch setzen wird. Ich sollte den also vielleicht nicht auf mehrere Pferde legen, der möchte sich vermutlich einem Pferd anpassen dürfen. Hoffentlich wird der im selben Maße weiter wie Dón breiter 🙂

Noch lag kein Sattel so gut auf Dón, dass ich ohne Unterpolsterung geritten wäre. Diesen Sattel nun testete ich blank für eine kleine Hofrunde, die sich gut anfühlte, und dann ritt ich nur mit normaler Schabracke, aber ohne weitere Polsterung. Ich war gespannt, wie Dón sich damit anfühlen würde.

Fazit: gut! Meine Grübeleien und das Unglücklichsein über einen Teil der letzten Fotos hatten mich dazu veranlasst, das vermehrte Spannung-aufbauen erst einmal sein zu lassen und Dón so gehen zu lassen, dass er zufrieden aussieht. Damit möchte ich mich nach und nach neu an das Thema Spannung herantasten und ihn sich weiter entwickeln lassen.

Nic sagt ja immer, er sieht überhaupt nicht spannungslos aus. Kann der Unterschied zwischen dem, was man sieht, und dem, was man fühlt, so groß sein?

Toll auf jeden Fall – ich darf inzwischen überall nachgurten und Bügel verstellen. Es gab Zeiten, da war das nicht möglich… 

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Die Bügel, die unter dem Sattelblatt angebracht sind, kann man ja nur verstellen, wenn man das Bein nach vorne legt. Das konnte Dón noch vor ein paar Monaten maßlos erschrecken, so dass ich immer zusehe, dass ich nicht mehr allzu viel verstellen muss, wenn ich einmal oben bin.

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Die Kandare hatte ich drauf, weil das gerade die einzige, zum Sattel passende, schwarz/silberne Zäumung war – und Dón fühlte sich einfach nur gut an. Ich gab ihm einen Rahmen, ließ ihn aber ansonsten so gehen, dass er im Rhythmus blieb, sich aber nicht von mir gespannt fühlte. 
Ich ritt Übergänge und bekam ein paar wunderbare Trab – Galopp – Trab – Übergänge.

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Nic sah wieder nicht die Schlaksigkeit, die ich fühlte. Sie machte Fotos, die so viel schöner wurden, als die letzten, einfach weil Dón auf fast allen völlig zufrieden aussah.

Und da Nic natürlich sofort gefragt hatte, ob sie auch mal auf den Sattel dürfe, saß ich ab und ließ sie rauf. Sie hatte lange nicht mehr auf Dón gesessen, und auch ja ohnehin noch nicht oft (zwei, drei Mal), und so spürte sie Veränderungen zu früher natürlich viel klarer.

Sie sagte nach einer Runde staunend „Ich weiß, was Du meinst…“ – auch sie fühlte die Schlaksigkeit und meinte, er fühlt sich ganz anders an, als er aussieht. Für mich war total interessant, ihn zu sehen – er wirkt tatsächlich nicht so schlaksig, wie er sich anfühlt.

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So lehne ich mich nun also entspannt zurück und nehme gelassen Spannung raus.

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Montag, 16.5.

Ein Jahr ist er nun bei mir… Vor einem Jahr haben wir uns kennengelernt!
Ach witzig – ich sehe gerade, ich hatte dieselbe Hose und dieselben Stiefel an…

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Es stürmte und ich fühlte mich wieder etwas kranker als an den Tagen davor – ich war ziemlich krank aus Lissabon wiedergekommen und hatte kaum Stimme. Und so durfte Dón unseren Jubiläumstag auf der Weide verbringen, und zum ersten Mal stellte ich Fàscino dazu. Das Gefühl war auf einmal so, dass das passt, bis dahin war ich mir nie sicher gewesen, dass Fàsci sich im Zweifel adäquat gegen einen vielleicht aufdringlichen Dòn würde wehren können.
Heute sah ich kein Problem – und so stellte ich erst Fàsci raus und holte die Schimmel dazu. Dón stratzte sofort zu Fàsci hin in seiner typisch neugierigen Freundlichkeit – und es passierte überhaupt nichts. Freunde werden das vermutlich nicht, aber Fàsci hat offenbar klar gestellt, dass er hier immer noch der Chef ist. Und Dón hat sofort brav genickt und das akzeptiert. Und nun können alle zusammen raus – ist das schön!!

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Das sind die Momente, da finde ich so ein Mähnenwunder schon toll…!!

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Meine beiden wunderbaren Schimmel…

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Donnerstag, 19.5.

Ok. Ganz leichte Verbindung zur Hand, jegliche Schlaksigkeit und das Gefühl von „total auseinandergefallen…“ ignorieren und Dón nur Rhythmus finden lassen.
Er wirkte zufrieden, verlor hier und da mal ein wenig den Takt, war ansonsten aber so leicht und fein, dass diese Variante richtiger wirkte als die, ihm mehr Halt zu geben.

Und so fragte ich nach Übergängen. Und bekam ein paar geradezu grandiose – Dón ließ sich alleine auf ein Schließen der Knie und Oberschenkel zurücknehmen und schließlich aus jeder Gangart zum Halten durchparieren. Ich musste nur das Maß des Schließens und Aushaltens ein wenig variieren, dementsprechend variierte er den Übergang. In der Haltung blieb er natürlich nicht immer, aber das war jetzt ja auch nicht mein Fokus.

Die tollen Übergänge veranlassten mich, im Galopp ganz behutsam zu probieren, was er aus einem Schließen der Knie und Oberschenkel und gleichzeitigem noch viel behutsamerem Nachtreiben machen würde. Und die Hinterkopf-Hoffnung erfüllte sich -da war es plötzlich! Erste ansatzweise versammelte Galoppsprünge! Mal einer, mal zwei, immer daraus wieder vor, bevor er’s merkt, aber es gelang mehrmals hintereinander.

Was mir das ungeheuer gute Gefühl gibt, damit jetzt auf dem richtigen Weg zu sein. Denn der Rhythmus verbesserte sich automatisch, als ich ihn über das Bein mehr rahmen durfte. Da war im Prinzip keinerlei Zügeleinsatz mehr erforderlich. Großartig!!

Damit hörten wir auf und gingen noch eine höchst zufriedene kleine Hofrunde.

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Freitag, 20.5.

Nochmal! Nochmal!
Hmm, nö.

Das Quartett lief auf dem Platz, als ich mit Dón dorthin kam, also ging ich eine Runde raus. Kleine Schrittrunde durch’s Dorf. Autos machen Dón nichts aus, aber vor etwas größeren Fahrzeugen hat er leider tatsächlich Angst. Ein UPS-Wagen machte ihm Angst, ebenso ein (stehender) Gärtnerei-Lkw. An das Thema müssen wir also wohl ein bisschen ran.

Auf dem Platz waren uns nicht allzu viele schöne Minuten vergönnt – die Stute mit Fohlen kam auf die Weide. Die beiden tobten da rum – zu süß anzuschauen und Dón achtete sorgsam darauf, dass ihm auch ja nichts entging. Dieses Abgelenktsein ist manchmal ziemlich schlimm – das war als Hengst noch viel schlimmer und in manchen Dingen ist bei ihm noch nicht angekommen, dass er gar keiner mehr ist. Ansonsten allerdings hat ihm die Kastration nur und nur gut getan!! Aber dieses Abgelenktsein kann schon nerven, heute war es extrem. Und so kamen wir leider nicht zu dieser herrlichen Harmonie von gestern. Ich ritt ihn trotzdem genau so und musste mich nur ein einziges Mal kurz zusammenreißen, nicht ungeduldig zu werden, als er gar zu sehr glotzte. Ich wollte unbedingt darüber wegreiten, ohne ihn mehr anzufassen, und so bekam ich wieder ein paar tolle Galoppsprünge und herrliche Trab – Schritt – Übergänge, aber an das super Gefühl von gestern reichte das nicht heran. Egal!! Der Weg stimmt, die Idee stimmt!
So machen wir jetzt erstmal weiter – bis er sich etwas Neues einfallen lässt 🙂

Später durfte er noch mit Nacariño, Merlin und Fàsci auf dem Platz laufen und machte die irrsinnigsten Verrenkungen. Diese Beweglichkeit ist echt der Hammer. Das geborene Stierkampf-Pferd… Wie schön, dass er keines werden muss!

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Sonntag, 22.5.

Mir war wieder sehr nach harmonisch, leicht, fein… Und einem Hauch Versammlung im Galopp. Dón erfüllte alle meine Wünsche incl. mehrfachem gesetztem Anspringen, was die ersten Male auf jeder Hand noch nach wenigen Sprüngen sein typisch kraftvoller Galopp wurde, der doch sehr nach vorne geht, aber jeweils nach dem dritten, vierten Anspringen blieb er tatsächlich gesetzt. Und so fragte ich auch jedes Mal nur eine ganz kurze Strecke an, vielleicht fünf bis acht Sprünge, und ließ ihn dann an ganz leichter Hand über den Sitz zurückkommen, und als er damit rechnete, gelangen ihm mehrere gesetzte Sprünge hintereinander. Also – gesetzt für seine Verhältnisse, da ist noch Luft nach oben, aber jetzt kommt das immerhin überhaupt mal! Super…

Also Übergänge machen mit Dón einfach nur Spaß. Das ist so leicht, so fein… Und nun war auch phasenweise das fühlbar, worauf ich hoffte, seit ich beschlossen hatte, ihn über spürbare Anlehnung nicht mehr zu unterstützen (sondern nur noch maximal über das Zügelgewicht in der Hand): er trabte immer wieder mal für ein paar Tritte kadenziert. 
Er blieb in einem schönen Rhythmus, ich sorgte nur für Takt und Gleichmaß und behielt ihn zwischen den Beinen. Gefühlt liegt das komplette Bein um ihn herum, aber ohne Druck, sondern nur angeschmiegt. Schließen sich Knie und Oberschenkel mehr, soll ihn das auffangen, schließt sich die Wade mehr, gibt es mehrere Möglichkeiten: eine Wade mehr angelegt und die andere geöffnet heißt für ihn, zur geöffneten Wade hin seitwärts zu gehen, beide Waden leicht zurückgenommen geschlossen heißt Versammlung, das wird später noch mehr; beide Waden geöffnet und leicht nach vorne genommen heißt zulegen.
Das fühlt sich nie nach „Druck“ an, sondern nur nach „Anlegen“, außer manchmal, wenn ich nach seitwärts frage, da muss ich dann doch schon mal fühlbaren Druck anlegen. Den setze ich dann impulsartig immer in dem Moment ein, in dem das jeweilige Hinterbein abfußt. Da kommt mir, gerade für ein derart bewegliches Pferd, noch immer viel zu wenig Reaktion, aber auch das lasse ich jetzt einfach mal gelassen auf uns zukommen. Das wird schon kommen. Ich lasse es immer wieder mit einfließen, und wenn er sich in der Art, wie wir es jetzt machen, so gut weiter entwickelt und so zufrieden bleibt und immer sicherer wird, dann wird er, ohne dass es ihm groß auffällt, nach und nach auch immer freier übertreten können.

Im Stall ist Dón einfach nur süß – er küsst zu gerne 🙂
Wir halten uns unsere Oberlippen entgegen und berühren uns damit, dabei ist er total vorsichtig und scheint das richtig zu genießen.
Wenn ich ihn mal anbinde zum Putzen und Satteln (meistens mache ich das in der Box und lasse ihn unangebunden), steht er viel ruhiger als früher, er gibt total lässig alle vier Hufe, er nimmt nach wie vor mit Begeisterung von selbst jedes Gebiss ins Maul und dem Thema Aufsitzen habe ich jetzt auch wieder etwas mehr Aufmerksamkeit gewidmet.
Widmen müssen – das wurde wieder schlechter. Er hampelte rum, konnte nicht stehen, da musste ich wieder ran. Das ist jetzt jedes Mal ein Moment, in dem ich etwas tue, was mir sonst nicht liegt – ich nötige ihn zur Ruhe. Kaum bin ich oben, will er los, ich halte ihn so ruhig wie möglich, aber beharrlich am Platz und warte. Ihn nervt das sichtlich, er hat noch nicht ganz raus, dass er für ein paar Sekunden Stehen dann gelobt wird. Mit dem Aufsitzen muss bei ihm ganz am Anfang irgendwas schief gegangen sein, da hängt echt etwas in ihm drin. Also ruhig bleiben, warten, immer wieder warten. Auch das wird schon mit der Zeit!

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Samstag, 28.5.

Ich hatte den Infekt, den ich aus Lissabon mitgebracht hatte, nicht auskuriert („Geht schon…“), und so hatte ich diese Woche Zwangspause. Dón somit auch, fand er doof.

Ich wollte zum Themen-Tag fit sein, das gelang auch, weil ich mich nun wirklich mal geschont hatte, und so trug Dón seinen Teil zum Thema „Anlehnung, Aufrichtung, Dehnung“ bei, der viel größer ausfiel als gedacht. Mehr dazu hier!

Später kamen alle Wallache zusammen auf die Weide, und hier traf er nun zum ersten Mal auf Haflinger Sterni. Um genau zu sein, traf Sterni auf Dón – der knallte ihm nämlich mit lautem Gebrüll herzhaft einen vor den Bug, was Dón ziemlich überraschte. Danach wurde er etwas vorsichtiger, Sterni stellte unmissverständlich klar, wer hier das Sagen hat. Ich guckte mir erstmal die Beine an, weil das echt geknallt hatte, aber zum Glück waren da nur Grasflecken dran, alles war heil. Die Gruppe vertrug sich und wir sahen zu, genossen in netter Runde die Sonne und ließen den schönen Tag ausklingen.

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