Juni

Mittwoch, 1.6.

Ich hatte eine Weile darauf herum überlegt – und es dann tatsächlich getan.
Ich habe Dóns erste Turnier-Nennung weggeschickt 🙂

In Heist findet am Sonntag ein Working-Equitation-Turnier statt, hier waren verschiedene Prüfungen ausgeschrieben und ich habe vor, Dón in der Vaquero-Dressur und im Einsteiger-Gelände-Trail vorzustellen. Ich las mir die Aufgabe, die als Kür zu reiten ist, etwas halbherzig durch und dachte, das meiste kriegen wir hin. Allerdings sind ein paar Sachen verlangt, von denen (mir) klar ist, dass sie nicht zu den Highlights gehören werden, allem voran der starke Trab, lach… Und mit dem Schluss-Halt bei X aus dem Galopp haben wir uns auch ein wenig befasst und das ist Dón überhaupt nicht geheuer. Mal komme ich gut auf die Mittellinie, mal umfahren wir die relativ weiträumig. 
Gut gelingt aber tatsächlich (zumindest zu Hause) das Zirkel verkleinern und vergrößern im Galopp. 
Schulterherein im Schritt ist kein Thema, Travers ist sehr tagesformabhängig.
Aber egal, ich will ihn mit der Atmosphäre vertraut machen und damit, sich auf einem Abreiteplatz zwischen fremden Pferden zu bewegen (das wird für mich das spannendste…), und dafür halte ich dieses Turnier für sinnvoller als jedes andere, weil nicht mit riesigen Starterzahlen zu rechnen ist, ich zudem das Gelände kenne und somit weiß, wohin ich zur Not ausweichen könnte. So ich das denn dann überhaupt darf.

Nachdem ich die Nennung weggeschickt hatte, las ich mir die Aufgabenteile der Dressur nochmal genauer durch. UPS… Wer (gleich richtig) lesen kann, ist klar im Vorteil. Travers ist im Trab auf beiden Händen verlangt. Schritt in zwei Tempi – na gut, das sollte sich machen lassen, im Galopp hatte ich auf verschiedene Tempi gehofft, mich da aber vertan. Schade, denn da gelingt ein Zulegen und Aufnehmen jetzt tatsächlich sichtbar. Im Trab werde ich das vermutlich so ganz aus Versehen vergessen. Übergänge zwischen den Gangarten sind unser geringstes Problem, Rückwärtsrichten habe ich  nochmal ein wenig aufgefrischt und vertieft, damit befasse ich mich eher selten. So richtig schön sieht das noch nicht aus und ich sollte es auf der linken Hand zeigen, da ist die Chance größer, dass es gerade wird. Ich werde mir also einiges merken müssen, da ich keine genaue Choreographie planen werde, sondern so weit möglich auf Dón und das, was er gerade anbietet, eingehen und daraus die verlangten Dinge entstehen lassen will.

Die Dressur soll wohl in der Halle stattfinden, da ist ohnehin fraglich, ob ich überhaupt an der Bande außen herum komme, wenn er da zum ersten Mal drin ist. Spannend!

Noch viel spannender könnte der Gelände-Trail werden. Dón hat so ungefähr nichts davon je in seinem Leben gesehen. Mal sehen, wie weit unser Vertrauen geht. Wir werden wohl mit sowas wie einer Tonnen-Acht, Slalom und dem Durchreiten einer Senke konfrontiert. Da sehe ich keine großen Probleme. Interessant werden könnte die Brücke, das Umreiten eines Gänse-Pferchs, die Rückwärts-Gasse und das Versetzen eines Bechers von der einen Seite zur anderen. Dón kann ja nicht immer stehen bleiben, und machmal schon gar nicht, wenn er merkt, dass es mir um einen bestimmten Punkt geht.

So richtig Lust habe ich natürlich darauf, uns hübsch zu machen, hier darf (soll) man Vaquero-Tracht tragen. Jippie! Allerdings muss für die Dressur jedes Haar, das länger ist als 10 cm, eingeflochten sein. Sprich: auch der Schweif. Nun packt mich einerseits der Ehrgeiz, den echten Vaquero-Knoten noch zu lernen (wofür mir ungefähr ein Tag Zeit bleibt), andererseits suchte ich mich gestern quer durch’s Internet nach Schweiftaschen, wie die Kaprioleure sie tragen. Die gibt es tatsächlich käuflich zu erwerben, aber nicht mehr bis Sonntag. Ich immer mit meiner wohlüberlegten Spontanität!!

In der Vorfreude auf Sonntag passte ich Dón also mal das Outfit an, mit dem ich die Dressur zu reiten gedenke. Da stand er, mein wunderschöner Iberer, mit vollem, farblich passenden Equipment incl. Vorderzeug und Schweifriemen, und sah so schick aus…
Ich hatte etwas Sorge wegen des Schweifriemens, weil Dón an der Schweifrübe sehr empfindlich ist. Anfassen schätzt er hier gar nicht. Also zog ich den Schweifriemen natürlich nicht auf Spannung, und tatsächlich störte der ihn auch überhaupt nicht!
Eingeflochten habe ich den Schweif noch nicht, nicht alles auf einmal…

Ich ritt Aufgabenteile durch (noch nicht wissend, dass Travers im Trab verlangt ist), und im Prinzip gelang alles, wenn eben auch in Dón-Manier. Manches toll, manches nicht so, wie das eben so sein darf mit einem jungen Pferd. Zirkel verkleinern und vergrößern muss ich in allen Varianten einbauen, das klappt einfach super. Damit müssen wir punkten – wenn ich schon den starken Trab aus Versehen total vergesse…

Danach ging ich noch eine Runde ins Gelände. Hilfe, was ist denn mit Dón los? Mit ihm will ich mich einem ihm völlig unbekannten Gelände-Trail stellen? Super Idee…
Warum auch immer – er wird schreckhafter. Da muss ich dringend etwas gegen tun.
Er zuckte an jeder Ecke, sprang im Galopp nur so hin und her, und als uns ein Trecker entgegen kam, verlor er die Contenance vollständig. Ich habe mir mit Fàscino schon vor vielen Jahren angewöhnt, frontal drauf zuzuhalten und die zum Bremsen zu zwingen, was im Zweifel immer die bessere Wahl war als mich in den Graben zu verkrümeln und die vorbei donnern zu lassen. Ich konnte den Weg zum Möschenhof, auf den ich abbiegen wollte, schon sehen, aber der Trecker war schnell. Verdammt schnell. Ich machte wie wild Zeichen, dass er bremsen soll und ich da gleich rechts rein will und versuchte, Dón mittig auf der Straße zu halten. Dón wollte kehrt machen und abhauen und bekam es richtig mit der Angst zu tun. Ich wurde sehr deutlich und sehr energisch, und so bekam ich den Trecker langsamer und Dón in der gewünschten Richtung mehr rückwärts als vorwärts weiter geradeaus. Der Trecker bremste dann auch tatsächlich, ich konnte in den Weg einbiegen und Dón umdrehen, damit er dem vorbeifahrenden Trecker zuschauen konnte.
Puh, das war nicht witzig, aber zum Glück hatte es so geklappt, denn die Alternative wäre sonst nur umdrehen gewesen und vor dem Trecker flüchten, und das war das Letzte, was ich wollte. Dón prustete und hatte Kulleraugen, beruhigte sich aber langsam wieder. Was ist da bloß los, dass er solche Angst vor großen Fahrzeugen hat?

Ich ließ ihn den Weg galoppieren und zwar einhändig, weil die andere Hand auf der Westentasche mit dem Handy lag, ich hatte Angst, das fällt raus. Die Tasche ist blöd an dieser Weste. Dón schlug Haken wie ein Karnickel und ich war ziemlich froh, den Portuguesa drauf zu haben, der mir guten Halt gab. Er galoppierte ohne Zügelkontakt in gleichmäßigem Tempo vor sich hin, aber nicht drei Sprünge hintereinander geradeaus.
Es war ein bisschen anstrengend auf meinem Schleudersitz.

Zurück ließ ich ihn den Weg entspannt traben, er war warm, beruhigte sich nun aber immer mehr, und so gingen wir im Schritt nach Hause. Dón blieb aufmerksam, glotzte aber immer weniger, und überholende Autos waren überhaupt kein Thema. Kurz vor dem Stall sah ich einen Tanklaster, der stand da einfach rum, ganz nah am Bürgersteig. Ha, wie für uns gemacht! Ich ritt da hin und bat Dón, auf dem Bürgersteig daran vorbei zu gehen. Das Riesending war etliche Meter lang und der Bürgersteig bot wirklich gerade mal Platz für Dón, der versuchte, sich so dünn zu machen wie möglich. Immerhin stellte er meinen Wunsch aber nicht lange in Frage und ging daran vorbei. Ich drehte um, ließ ihn mehrere Male vorbei gehen und schließlich auch in beiden Richtungen zwischen Hecke und Laster stehen bleiben. Das klappte, wenn auch nicht völlig entspannt, und so ließ ich Dón nach Hause gehen. Da fuhr hinter uns noch das Postauto auf den Hof, das ließ ihn völlig kalt.
Also auf jeden Fall ein Thema, an dem ich dranbleiben muss, diese Guckigkeit draußen ist wieder schlimmer geworden. Ich bin natürlich auch selten draußen, zu selten, wie ich nun sehe, also muss ich wieder viel häufiger kleine Dorfrunden einbauen.
Dem Gelände-Trail verleiht das allerdings nun erstmal einen besonderen Reiz 🙂

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Freitag, 3.6.

Nachdem ich die halbe Nacht auf youtube Videos gesehen hatte vom „Nudo Vaquero“, der hier in ähnlichen, aber doch in Details unterschiedlichen Varianten gezeigt wird, nahm ich nach dem Putzen Dóns Schweif in die Hand und zauberte meinen ersten Vaqueroknoten. Der Anfang war viel leichter als gedacht, das Ende viel schwieriger…

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Aber – nicht schön, aber selten – er hielt! Und noch viel besser: Dón störte das überhaupt gar nicht. Ich zog ihm also „Vollausstattung“ an, und so sah er dann aus:

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Tanja hatte ein Slalom und ein Stangen-L aufgebaut und saß schon auf Flami. Ich holte noch meine beiden Springblöcke dazu, damit wir einen Becher umsetzen konnten. Flami setzte allerdings erstmal einen der Springblöcke um 🙂

Dón war wackelig und albern, ich fragte Travers an, was auf der linken Hand relativ gut gelang, auf der rechten dafür gar nicht. Ach, wat soll’s, was er jetzt nicht kann lernt er auch nicht mehr, also befasste ich mich mit unseren „Trail-Hindernissen“.

Dón ging zwischen den Stangen verblüffend gut rückwärts:5

Zwischen den Blöcken halten und Becher umsetzen war auch überhaupt kein Problem:
3 – 4

Und auch das Slalom war unproblematisch:
6  7  8

Ich galoppierte heute gar nicht, spielte nur ein wenig mit den Hindernissen und ging dann mit Dón raus. Es war nur eine ganz kleine Runde, aber die war so, wie ich mir das wünsche: Dón war total entspannt, ließ sich von keinem Auto und keinem Motorrad stören, ging brav an einem Container vorbei, wenn auch mit Schlenker, auf dem Rückweg ignorierte er den fast. Ein Kleinbus kam angefahren, auch der störte ihn überhaupt nicht und dann waren wir auch schon wieder zu Hause. Nanu…? Was war jetzt die Ausnahme, heute oder vorgestern? Egal, so war es toll, so kriegen wir das wieder dauerhaft hin!

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Sonntag, 5.6.

Unser erstes Turnier liegt hinter uns – war das toll!!

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Mittwoch, 8.6.

Nach zwei hochverdient freien Kuscheltagen wollte ich Dón reiten, hatte aber das ganze Equipment noch zu Hause und stellte nun fest, dass die einzig verfügbare Zäumung im Stall die Vaquerokandare war. Naja, warum nicht mal wieder einhändig blank?

Dón fühlte sich total entspannt an, ich kam sofort zum Treiben und zum Loslassen, gefühlt hat unser Ausflug, wie das ja oft so ist, uns ein ganzes Stück näher zusammengebracht und ihn noch feiner und sicherer gemacht. Man darf nicht unterschätzen, wie sehr das der Beziehung gut tun und Aufschwung geben kann, zusammen loszufahren und einfach mal woanders etwas zusammen zu machen. Das muss nicht Reiten sein und das muss auch kein Turnier oder eine Show sein, aber man kommt normalerweise noch zusammengeschweißter nach Hause. Bei uns war das nun auch deutlich, und es fühlte sich toll an. Ich hatte kaum Lenkungsprobleme, die es bis dahin einhändig ja doch immer nochmal gab – heute gab es sie nicht, ich konnte Schlangenlinien reiten und im Ansatz auch Seitengänge, die Übergänge waren wie immer fein und leicht – das ist wirklich seine ganz große Stärke, Übergänge von einer Gangart in die andere, noch nicht so in’s Halten, aber super Schritt / Trab / Schritt und auch das aus dem Schritt angaloppieren wird immer besser.

Wir hörten nach ziemlich kurzer Zeit sehr zufrieden auf.

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Freitag, 10.6.

Noch einmal, weil es so schön war 🙂

Wieder einhändig blank, und dieses Mal war Dón noch besser. So gut war er wirklich noch nie gegangen auf blanker Kandare, das war echt toll. Er war so leicht in der Hand und ließ sich so leicht und sicher führen – incl. Schulterherein, „kleiner“ Traversale, Übergänge Schritt / Galopp vom Feinsten, dass ich dachte, nun gucke ich doch mal, wie sich das mit Halsring anfühlt. Den hatte ich erst einmal drauf gehabt, im Juni letzten Jahres, als er gerade drei Wochen bei mir war. Da hatte ich die Trense natürlich drauf gelassen und mit dem Halsring auch keine nennenswerte Einwirkung, ich ließ also auch heute vorsichtshalber die Zäumung drauf (zumal Navarre mit auf dem Platz war und keiner den Ausgang zumachen konnte), machte einen Knoten in die Zügel und ritt mal los.

Hammer. Ich konnte schlicht alles reiten. Alle Übergänge, alle Wendungen. Dón wurde immer feiner am Halsring und war absolut gehorsam und zufrieden entspannt. Was für ein tolles Gefühl! Danach stand er noch rum, genoss die Sonne, ich half Nic ein bisschen mit Navarre, und das konnte Dón früher nicht gut aushalten, jetzt konnte er es. Er war völlig entspannt, stand da mit halb geschlossenen Augen und genoss es sichtlich, hier einfach dabei sein und rumstehen zu dürfen.

Ich würde ja gerne das Aufsitz-Thema noch mehr entspannen, dann wäre einfach alles toll. Nach Heist, wo ich mir ja drei Mal hatte gegenhalten und ihn am Kopf hatte festhalten lassen mangels Aufsitzhocker, war das jetzt wieder mit nicht-stillstehen-können behaftet. Und heute scheute er auch ganz kurz in dem Moment, als mein rechtes Bein über den Sattel kam – also das hatten wir aber doch eigentlich schon lange abgelegt…
Komisch, das Thema Aufsitzen holt uns immer wieder ein, aber gut, da bringe ich schon auch noch Ruhe rein. Alles andere ist wie gesagt großartig – er kommt auf der Weide an, egal wann, und freut sich, wenn ich ihn mitnehme, er nimmt immer das Gebiss (oder die Gebisse) selbst ins Maul, geiert da richtiggehend nach, er ist unkompliziert mit verschiedenen Sätteln, er kann beim Putzen inzwischen besser warten und muss nicht mehr ständig wandern und scharren, auch wenn er ganz alleine im Stall ist; er lässt sich auf fremde Umgebungen ein und – das Größte – zwischen fremden Pferden bewegen, siehe Heist. Ich bin also gerade rauf und runter glücklich mit meinem Schönen, der auch tatsächlich immer schöner wird. Seine Schlaksigkeit kann ich gut hinnehmen und so sein lassen mit dem Gefühl, diese Entwicklung in Richtung Versammlung braucht einfach Zeit und wir sind auf dem richtigen Weg. Seine Zufriedenheit und Vertrautheit ist der beste Beweis dafür.

Er ist so völlig anders als Nacariño, und das macht es so spannend und wertvoll und es ist gut, dass sie so sind, weil mir jeder die richtigen Impulse für den anderen gibt, aber auch die Geduld, Dinge, die noch nicht klappen so hinzunehmen, weil der andere sie schon macht oder kann. Gefühlt habe ich da für mich die zwei perfekten Pferde!

Nebst dem dritten ohnehin perfekten Pferd, meinem großartigen Fàscino, der sich vor wenigen Tagen beim Reiten wieder so unheimlich gut anfühlte. Ihm bin ich so dankbar, dass er mich noch immer mit einer solchen Freude echte, wahre Versammlung in höchstem Maße spüren lässt, so dass ich immer wieder weiß, wo ich mit den Jungs irgendwann sein werde. Fast zwanzig (!) Jahre liegen zwischen ihnen… 
Also haben die „Kleinen“ noch Zeit! 
🙂

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Sonntag, 12.6.

So langsam stehen alle Zeichen auf „Team-Turnier“ – am 2. und 3. Juli richtet das Team Légèreté sein fünftes (!) Turnier aus. Und natürlich will ich mit den Jungspunden die Gelegenheit nutzen, sie mit Prüfungssituationen vertraut zu machen. Die Ausschreibung hat einiges zu bieten, und so fragte ich bei Dón doch mal die Aufgabe für die Arbeit an der Hand an.

Oh. Auf seiner Nennung strich ich das dann auch am selben Abend noch wieder raus.
Er ist ja eh kein großer Freund von Arbeit an der Hand, und ich muss es mir ja nicht gleich in der voraussichtlich ersten Prüfung des Turniers mit ihm verderben. Arbeit an der Hand wird total überbewertet. Findet er. Ihm war das wieder alles zu eng, also ließ ich das ziemlich schnell sein und bestand auf nichts. Dafür bekam ich den bislang besten Spanischen Schritt – vermutlich, weil er jetzt aufgekratzt und griffig war. Zudem stieg er sehr schön und kontrolliert, und damit ließ ich es gut sein.

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Montag, 13.6.

UPS… Naja, man muss ja auch nicht jeden Tag reiten. Hauptsache, sie fühlen sich wohl!
🙂

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Dienstag, 14.6.

Ich ritt unsere „klassisch-barocke Aufgabe“ zwei Mal durch und ließ diese Prüfung danach sehr zufrieden auf der Nennung stehen.
Dón ging die Aufgabe gehorsam und zuverlässig, wenn auch mit sehr beweglichem Hals und hier und da schwankend, aber er ging alle Übergänge an den gewünschten Punkten und ich konnte alle Bahnfiguren sehr genau anlegen. Zwischendurch fing ich an zu lachen, weil mir einfiel, wie er vor einem Jahr ging… Ich könnte mich jetzt ärgern, weil er für die Aufgabe eigentlich noch zu schlaksig und zu unstet in der Anlehnung ist – oder ich könnte mich freuen, weil ich das Jahr habe Revue passieren lassen und dabei klar wurde, wie rittig Dón bereits ist. Na, nehme ich doch letzteres!!

Die Aufgabe (und der Rest der Ausschreibung) ist hier zu sehen!

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Mittwoch, 15.6.

Ich wollte für Dón morgens „mal eben“ eine Kür schneiden, einfach ohne Plan Musik aneinanderschneiden und dann sehen, was sich dazu reiten lässt, aber die Zeit wurde zu knapp – ich fand keine Musik, die vom Hören her für ihn passte. Da muss ich mir nochmal Zeit nehmen bzw. es so machen, wie es sich gehört und nicht in einer „Mal-eben-Aktion“: die geplante Kür filmen und anhand des Videos zu den Bewegungen passende Musik suchen und diese dann entsprechend schneiden. So macht man das eigentlich 🙂

Für die Offene Kür dachte ich so an Garrocha, da er gerade einhändig blank so schön geht. Ich ließ also einfach so Musik laufen, was ihn überhaupt nicht störte. Die Garrocha allerdings störte ihn verblüffenderweise schon, damit hatte ich nun nicht gerechnet, und als ich unter ihr drehen wollte und er sie plötzlich vor sich sah bekam er Angst, fing an, rückwärts zu gehen, ich versuchte noch, die Garrocha wieder an eine Seite zu bekommen, aber zu spät. Dón rollte mit den Augen und wurde rückwärts sehr schnell, ich musste loslassen. Schade! Da lag sie nun, ich war alleine, hatte keine Lust, abzusitzen, ließ sie also liegen und ritt drüber. Dón machte zwei sehr schöne Sprünge über die Garrocha, woraufhin mir direkt einfiel, dass ich ihm schon längst wieder Springen versprochen – und das noch nicht eingelöst hatte… Bald! Ganz bald!

Er ging einhändig super Übergänge Galopp und Schritt und ich dachte auf einer neuen Reitweise für die Offene Kür herum. Halsring!!

Prompt hatte ich doch Lust, abzusitzen, und holte den Halsring. Dieses Mal machte ich die Zäumung direkt ab. Oha! Das fand er schon komisch. Er setzte ein paar Mal zum Abhauen an, und wenn Dón das macht, dann aus Angst, und das wäre mit Halsring mal echt blöd.
Er fand das komisch, wenn der sich an der Seite bewegte (vor einem Jahr hat er nicht mal eine Zügelbewegung am Hals ausgehalten…). Ich hielt den Ring also möglichst ruhig und ritt einfach ein paar der Linien nochmal, die eben schon so gut geklappt hatten. Und plötzlich durfte ich im Galopp mit einfachem Wechsel aus dem Zirkel wechseln, und der Schritt dazwischen kam prompt und war echt gut!

Hmm, würde ich ihn da mit Halsring halten können? Wenn die Grundspannung ein paar Oktaven höher ist? Ein paar Tage habe ich ja noch Zeit, aber das juckt mich gerade sehr, insbesondere, weil er so tolle Galopp / Schritt / Galopp Übergänge geht und zum Schluss auch auf Stimme aus dem Galopp lässig angehalten hat. Das ein bisschen mit der Fahne kombinieren… Da muss doch was Hübsches möglich sein!?

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Freitag, 17.6.

Der Schmied war da und für mehr war leider auch keine Zeit – aber Dón stand wie eine Eins. Das ist echt absolut großartig geworden! Noch ein wenig kuscheln, dann zurück auf die Weide – Dón schien es zu bedauern. Ihm war nach mehr. Sonntag!

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Sonntag, 19.6.

Nun wollte ich mir aber eine Kür ausdenken und die filmen lassen und dann Musik dazu schneiden, also der übliche Weg, so wie man’s halt macht 🙂

Nic und ich filmten unsere Küren gegenseitig. Dón ging ganz prima, tatsächlich ist seit Heist eine Trabverstärkung da, der ich ja zuvor überhaupt noch keine Beachtung geschenkt hatte. Nutze ich die also doch und baue eine halbe Diagonale Zulegen ein.

Die Übergänge zum Halten sind im Moment nicht so schön, da muss ich nochmal ein bisschen ran. Galopp – Schritt kann großartig sein oder völlig daneben gehen, das ist sehr tagesformabhängig und noch schwer steuerbar. Die Übergänge zwischen den Gangarten sind ansonsten super weich und durchlässig, aber an diesen beiden muss ich arbeiten.

Zu Hause suchte und fand ich dann Musik, die wunderbar passte, als ich schließlich die fertig geschnitten Musik und das Video zusammen laufen ließ. Das wird was!

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Montag, 20.6.

Es stürmte und mir war nicht nach Reiten, auch wenn ich gerne unsere Kür ausprobiert hätte, aber das ergibt sich schon noch. Wir haben ja noch andere Spielwiesen, und da ich noch unschlüssig bin, was ich beim „Jungen Pferd“ zeige – die Halsring-Kür werde ich nun in der Offenen Kür der Reitweisen zeigen, da alle Pferde beim „Jungen Pferd“ offenbar am Boden vorgestellt werden. An der Hand geht er nicht so gerne, viel Zirzensik kann er noch nicht (sein Kompliment dauert ja schon alleine vier Minuten, da ist die Kür rum…), was also zeigen am Boden?

Mir fiel die blaue Plastikplane ein. Und das Podest gibt es ja. Und die große spanische Fahne. Und den Ball…
Ich sammelte mal alles zusammen und verteilte das auf dem Platz. Also, um genau zu sein, verteilte der Wind das auf dem Platz. Ich schaffte es kaum, die Plane mit Steinen am Platz zu halten und holte schließlich eine Stange, um damit eine ganze Seite der Plane zu befestigen. Die knatterte und wehte und brachte die Stutenherde auf der Weide in Aufruhr.

Ich holte Dón, der sich alles kurz anschaute und dann gespannt war, was wir nun tun. So richtig Ball spielen tat er nicht, er wollte wenn überhaupt drauf und nicht dagegen treten, eigentlich aber auch das lieber nicht. Der Ball rollte immer mal wieder gegen seine Beine, das nahm er gut hin, unter seinem Bauch durch fand er aber nicht so witzig. Insgesamt hielt er den aber ganz schön gut aus! Für den war es aber schlicht zu windig, der verselbständigte sich dauernd.

Ich peilte also die Plane an. Die hatte Dón ja überhaupt erst ein oder zwei Mal gesehen und das war im letzten Jahr. Er zögerte kurz – und ging drüber! Kurz darauf kratzte er mit dem Huf drauf rum und ließ sich weder von dem Geraschel stören, noch davon, dass die Plane ja nun ihre Form veränderte. Schließlich longierte ich ihn über die Plane, er ging auf beiden Händen in allen Gangarten drüber. Na, das ist doch schon mal was für die Prüfung!

Die große Fahne war aber ja auch noch da. Ich stellte Dón auf das Podest und hüllte ihn ein. Der Wind riss und zerrte an der Fahne und Dón ließ sich komplett einwickeln! Ich passte immer auf, dass er keine Angst bekam, gab ihm Sicht, wenn er unruhig wurde und nahm ihm die Sicht, wenn er entspannt war. Und so standen wir schließlich beide „im Zelt“ und der Wind versuchte, es uns wegzuziehen. Unglaublich. Ich muss die Prüfung draußen machen – bei Sturm! 🙂

Das war toll. Damit lässt sich etwas machen – und ganz sicher beweisen, zu welcher Coolness man ein junges Pferd erziehen kann. Als ich ihm die Plane über die Ohren zog, küsste er mich etliche Sekunden lang – ich hoffe, das macht er dann beim Turnier auch, das wäre zu süß!

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Dienstag, 21.6.

Der Anreiz für eine Halsring-Kür hat sich noch einmal massiv vergrößert. Die Ausschreibung für Eutin-Fissau am 24. Juli ist draußen und zum ersten Mal fand ich dort eine reine Halsring-Kür! Wie genial ist das denn! Und wie schaaade, dass Joya das nicht mehr erlebt… Ob er den Anreiz dazu (mit) gegeben hat?
Aber da steht ja jemand in den Startlöchern…!

Ich machte zwar die Trense noch drauf, hatte den Halsring aber schon gleich dabei. Die Trense war nur so ein Sicherheit-Geber für den ersten Galopp, sollte Dón da cool bleiben und sich gut lenken lassen, wäre die Trense weg.

Dón war cool und ließ sich super lenken, zwei kleine Schrecksekunden gab es, die ihn aber nicht zum Abhauen veranlassten, und so nahm ich die Trense ab. Von oben, das fand er ja schon merkwürdig, aber ich ließ ihn die anschauen und durfte die auch vom Pferd aus an die Wand hängen. Super!

Nebenbei bemerkt war er auch beim Aufsitzen sehr ruhig geblieben, ein kleiner Schritt nach vorne und dann konnte er warten. Das wurde sehr, sehr gelobt. Das muss doch mal besser werden…! Auf dem  Hof vor dem Platz klappt es ja meist ganz gut, von da aus reite ich dann auf dem Platz und der Hocker steht uns dann nicht im Weg, aber nun stand der Hocker auf dem Platz, weil ich ja – wegen des Halsrings – lieber noch zugemacht hatte.

Die Musik wollte allerdings nicht so, wie ich wollte, und so musste ich doch nochmal absitzen. Da war die Trense aber schon weg. Ich konnte allerdings dann tatsächlich auch nur mit Halsring genau so aufsitzen wie zuvor mit Trense. Dón ist ein wahrer Held!

Das stellte er nicht nur mit dem Halsring unter Beweis, sondern auch später mit der Fahne. Ich ritt erst einmal diverse gebogene Linien, Schlangenlinien, Mittellinie mit einer Acht bei X, Diagonale mit Volte rechts / Volte links vor und nach X – alles klappte.
Im Trab ließ sich Dón großartig lenken. In den Schlangenlinien muss ich ein wenig aufpassen, wenn ich auf die Bande zu reite, da legt er ab und zu noch den Schleudergang ein, das kann in der einen oder anderen Volte auch passieren, aber meine Güte, ein sechsjähriges Pferd, seit etwas mehr als einem Jahr unter dem Sattel, vor einem Jahr hat er keine Bewegungen am Hals und am Kopf ausgehalten und jetzt trabte er da mit einer Selbstverständlichkeit und Zufriedenheit kreuz und quer über den Platz – toll, einfach toll!
Ich muss bei ihm (noch) den Halsring ganz oben lassen, er kann es nicht gut ab, wenn ich den in der Höhe variiere, aber auch das ist ja kein Problem. Muss ich nur dran denken.

Der Galopp fühlte sich ebenfalls gut und sicher an, Dón war motiviert, aber hatte auch genügend innere Ruhe – die perfekte Mischung. Eine Mischung, von der ich nicht zu hoffen wage, sie in fremder Umgebung zu bekommen. Ich favorisiere die Halsring-Kür am Ende des Tages, wenn er schon andere Prüfungen gegangen ist und den Platz kennt! 🙂

Ich holte die Fahne dazu. Einen Moment war Dón etwas scheu, ich rollte die ganz langsam aus, und nach zwei Minuten streicheln und gucken lassen und ganz behutsam bewegen schnuffelte Dón an der Fahne rum und hielt – zu süß! – im Trab ständig seine Nase gegen die Fahne gedrückt. So konnte ich fast mit der Fahne lenken – mal eine neue Variante 🙂

Ich trabte, galoppierte, ritt alle möglichen Figuren, bewegte die Fahne, legte sie ihm über den Kopf – alles war gut. Und dann galoppierte ich die lange Seite hoch, hielt die Fahne senkrecht hoch und der Wind griff rein. Die Fahne knatterte über Dón los und da gab er aber Hackengas! Hossa! Der Moment, den ich mit Halsring vermeiden wollte…
Fahne runter, an seinen Hals legen, ihm gut zureden, auf Sicherheit sitzen (also Knie zu!!) und den einen oder anderen spürbaren Zug am Halsring, und tatsächlich kam Dón wenige Meter später wieder runter. Merke: keine knatternde Fahne über ihm. Später!

Das war der einzige echte Schreckmoment. Und wie ich ja so bin, provozierte ich genau den danach noch etliche Male, allerdings wach- und behutsam. Er hielt die Fahne wieder gut aus, ich ließ sie aber nicht nochmal so laut knattern. Dón fühlt sich echt übel an, wenn er mit Angst abhaut. Der kann derartig schnell schleudern, da wäre ich im Zweifel weg. Muss ja nicht sein. Will heißen: wenn er in Eutin die Halsring-Kür geht (lechz…), dann kommt die Trense erst direkt am Prüfungsplatz runter. Mit Halsring abreiten traue ich uns beiden dann doch noch nicht zu – nicht in Eutin, wo einem alle Nase lang irgendwelche Ponys zwischen den Beinen durchflitzen. Hier müssen die Pferde schon etwas härter im Nehmen sein als anderswo. Aber ich freu mich! Zwei Turniere haben wir vor uns! 

Ich reite deswegen so gerne Prüfungen, weil sie mir für das, was ich zu Hause mache, gute Einschätzungen liefern. So wäre mir nicht unbedingt aufgefallen, dass mir Dón bei den Übergängen zum Halten so auf die Hand kommt, sich da noch so wenig setzt.
Und natürlich fällt schlampiges, ungenaues Reiten dann mal richtig auf. Das ist allerdings weniger mein Problem – hier merke ich eine ungeheure Routine von so, so vielen Dressuren aus meiner FN-Zeit. Ich kann mit einem jungen Pferde gefühlt immer nur Kringel reiten, jetzt mit dem Augenmerk auf einer Aufgabe oder einer Kür reite ich schöne Ecken und runde Zirkel und Übergänge am Punkt und bekomme dabei natürlich eine ausgezeichnete Rückmeldung darüber, wie durchlässig sie wirklich schon sind, wie genau sie sich steuern lassen, wie gleichmäßig (oder auch nicht) Stellung und Biegung schon sind. Dón hat in dem einen Jahr wirklich ungeheure Fortschritte gemacht.

Ich lege also im Moment etwas mehr Wert auf saubere Übergänge zum Halten, sprich, ich will die in der Hand leichter haben, er soll sich hier mehr tragen, mehr setzen, besser ausbalancieren. Alles andere ist für das jetzige Stadium gut genug bis sehr gut, da will ich noch nicht mehr, weil ich ihn vorrangig an ganz leichter Hand und schön vor mir und – ganz wichtig – dabei zufrieden und motiviert haben möchte.
Seit ich nicht mehr auf mehr Grundspannung bestehe, ist Dón jedes Mal losgelassen und zufrieden. Es war also genau richtig, darauf im Moment mal zu verzichten.
Das Thema kommt wieder, aber er wird anzeigen, wann.
So sind wir gerade sehr glücklich miteinander. Auf der Weide kommt Dón immer an, er dreht sich nie weg, freut sich immer, mich zu sehen.
Und ich passe sehr auf, das zu erhalten!

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Mittwoch, 22.6.

Ich wollte die neu geschnittene Kür durchreiten. Dón fühlte sich – nach einem großartigen, völlig relaxten Aufsitzen! – einfach gut an, ich ritt so wenig wie möglich ab, ein paar Übergänge, ein paar Wendungen, ein paar Mal aus dem Trab halten – und da überraschte er mich. Er hielt großartig an. Nicht ein einziges Mal auf der Hand, immer mit ruhigem, getragenem Hals. Großartig! Genau so durchlässig ging er auch zwei einfache Galoppwechsel. Er hat also sehr wohl gemerkt, worauf mein Fokus lag und sich sehr darum bemüht, es mir Recht zu machen. Toll! Mein guter Junge!

Ich knuddelte ihn gebührend und startete schließlich seine Kür-Musik.
War
das
schön!
Besser kann er nicht gehen und ich streiche gleich meine Hoffnung, er würde so in der Prüfung gehen. Da wird es schon etwas geben, was sein bestmögliches Gehen verhindern wird, aber dass er es bereits in dieser Form können könnte, war einfach großartig.

Ich saß vielleicht erst 15 Minuten drauf, aber mehr wollte ich nach dieser schönen Kür nun auch nicht mehr machen. Das war einfach zu toll!
Da ich gerade mehr reite, als mir lieb ist (ein Pferd in diesem Alter würde ich normalerweise drei, vielleicht mal vier Mal pro Woche reiten, eher noch weniger. Mehr ist es zwar auch nicht, aber es ist fokussierter und kommt mir im Moment mehr vor, weil es eben auch mal drei Tage hintereinander sind, das würde ich normalerweise nicht machen, hört aber ja auch bald wieder auf), passe ich sehr genau auf, wie Dón mir entgegen kommt und wie er auf das Satteln reagiert. Ein Anzeichen von ihm „och nö, heute nicht“ und ich würde den Sattel sofort wieder runternehmen und Quatsch mit ihm machen. Oder gar nichts. Aber noch ist alles gut und wir haben beide jedes Mal Spaß an- und miteinander.
Ach, mein Grauer ist schon ein wunderbares Pferd! Das „schon“ in dem Satz klingt irgendwie gerade wie ein „eigentlich“ 🙂
Also nochmal: Mein Grauer ist ein wunderbares Pferd!!

Mir ist gerade extrem danach, mit ihm an die Nordsee zu fahren. Wind um die Nase (haha, haben wir täglich, aber ich meine einen anderen Wind, eben den Nordsee-Wind!), Strand und Wasser mit ihm erkunden und ihn das kennenlernen lassen, ich habe da so Lust zu…
Am Sonntag wäre um 17.30 Uhr Hochwasser, aber keiner, den ich gefragt habe, hat Zeit, mitzukommen, und das allererste Mal möchte ich nicht ganz alleine fahren. So ein Restrisiko ist da ja durchaus gegeben. Aber ich merke, dass es mich extrem juckt und ich nicht mehr lange warten kann.

Und da diese Gelände-Idee nun gerade so übermächtig wird holte ich schnell Nacariño von der Weide und ging mit beiden eine kleine Runde raus. Ab jetzt gleichen sich die Texte dieses Tages bei beiden Pferden in einigen Teilen. Aber eben nur in einigen Teilen 🙂

Es ist ja nun gut drei Monate her, dass ich zuletzt mit Handpferd geritten bin, und das war ja auch nur kurz zum Test, was ich am 1. Mai mit den beiden würde zeigen können. Die hatten ihren großartigen Krämer-Auftakt offensichtlich vergessen und benahmen sich unmöglich, so dass ich zum Thema Handpferd mal kurzentschlossen gar nichts zeigte. Und auch sonst hatten wir das Thema nicht mehr aufgegriffen. Dennoch gingen beide sofort entspannt los. An der Straße kein Thema, auch Dón war völlig entspannt.
Dann ging es in den einen Weg rein und da sah Dón jemanden im Vorgarten. Er riss den Kopf hoch, Nacariño versuchte zu erkennen, was denn los ist, hörte hinter sich irgendwas, was für mich einfach nur nach einem Roller und einem Auto klang, ich hatte aber keine Zeit mehr, mich umzudrehen, um das herauszufinden, weil in der nächsten Zehntelsekunde unter und vor mir zu viel los war, was meine volle Aufmerksamkeit beanspruchte.

Nacariño schoss unhaltbar los. Diese Reaktion fand ich völlig übertrieben. Dón fand sie unverschämt und setzte an zu ein paar großartigen Bewegungen (huch? Was der alles kann…!) und wollte – sofort! – hinterher. Ich sammelte mal schnell eine Menge Zügel ein und machte ihm sehr entschlossen klar, dass hinterher rennen überhaupt nicht in Frage kommt. Unter mir waren Ideen von Terre á Terre und Passage zu erahnen. Für mein sonst typisches „Fördern! Fördern! Fördern!“ war gerade leider kein geeigneter Zeitpunkt.
Nacariño hatte inzwischen den Kopf im Gras, war aber sichtbar unter Strom.

Ich trabte mit Dón an Nacariño vorbei und rief ihn mit meinem typischen Sing-Sang „Komm mal her! Ja, komm!“ – und Dón war noch keine zehn Meter vor ihm, da kam er aber angedonnert! Ha, sehr gut! Allerdings mit Speed an uns vorbei.
Macht nix, loben, wieder Sing-Sang, Dón unter Kontrolle halten (der kann sich auf dem Platz anfühlen wie eine Schlaftablette. Der lügt doch! Hier war er Sturm und Drang!), an Nacariño ranschleichen, pah, so schlau ist der schon lange, weg war er wieder.
Aber er blieb immer in der Nähe. Nacariño macht aber genau den gleichen Eindruck wie Fàsci am Anfang, deshalb bin ich ja so sicher, dass das mein nächster „Freiläufer“ wird. Er will seine Freiheit, zu weit vom anderen weg sein will er dabei aber nicht. Das ist es, was ich dafür brauche.

Und so ritt ich einfach weiter. Dón behielt Nacariño im Auge, beruhigte sich aber. Irgendwann ging Nacariño relativ nah neben uns und ich konnte den Strick greifen. Ich hielt an, knuddelte beide und lobte ausgiebig. Großartig!

Test, Test, die Zweite: Auf dem Weg zum Möschenhof ließ ich beide traben, beide wichen den Pfützen aus (albern!), waren ansonsten aber super zu händeln. Vorne sah ich eine Frau mit Hund, aber bis dahin war noch eine Menge Weg. An irgendeiner Pfütze wurde es Nacariño zu eng, er sprang drüber und Dón galoppierte im selben Moment an.
Ich war höchst wachsam, ließ die beiden aber machen und passte nur sehr genau auf, was sich da entwickelt. Und dann fing ich an zu grinsen und zu genießen – unser erster gemeinsamer Galopp! Und so lässig, so leicht! Sie zogen sich nicht aneinander hoch, auch wenn beide sehr kraftvoll waren, aber kein Gedanke daran, ausfallend zu werden. Sie waren relativ schnell, aber gut regulierbar. War das schön!!
Bevor die beiden merkten, was sie da taten, dachte ich, pariere ich doch mal durch. Das gelang, auch wenn ich ein bisschen zufassen musste, aber nicht übermäßig. Hammer!
Da war ja nun die Frau mit Hund, also Schritt. Die starrte uns an und prustete plötzlich los vor Lachen: „Ich dachte, da kommt eine Kutsche!“ Wir lachten uns scheckig und stellten uns eine unsichtbare Kutsche vor. Ihr Hund machte den großen Macker, was meine beiden Jungs nicht interessierte, wir wünschten uns lachend noch einen schönen Tag und ich ritt weiter. Noch ein Galopp…? Später.
Die Herde sah uns kommen und machte Wallung, meine Jungs staunten, blieben aber cool. Und dann spürte ich ein paar Tropfen, die schnell mehr wurden, und so ritt ich an der Weide hoch zum Stall und kam aber gerade noch in die Stallgasse, als der Guss runterkam. Glück gehabt!

Ich stand mit meinen beiden in der Stallgasse, wir quatschten und lachten, während es draußen wie aus Kübeln schüttete. Ich drehte ein paar Runden in der Halle und wartete auf das Ende des Schauers. Das waren mehrere, aber irgendwann hörte sich das alles nicht mehr so dramatisch an. Wir machten uns auf den Nach-Hause-Weg, da kam dann auch die Sonne wieder hervor. Na, das war ja mal Timing!

Auf dem Rückweg ließ ich beide noch einmal traben und hätte auch einen Galopp zugelassen. Dón galoppierte gleichmäßig vor sich hin, Nacariño hatte es nicht nötig und hielt lässig im Trab mit. Tut seinem Trab ja durchaus gut, also ließ ich ihn traben. Beide ließen sich super entspannt durchparieren.
Jippie! Wir können zu dritt galoppieren! Also „können“ ist vielleicht ein bisschen hochgegriffen, aber wir haben es getan!

Hinterher auf der Weide blieben beide noch eine ganze Weile bei mir und kuschelten. Hach, schön…!

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Freitag, 24.6.

Gestern hatte Dón hochverdient frei. Wir kuschelten nur auf der Weide. Er kommt immer an, wenn er mich sieht, freut sich sichtlich und sucht Nähe.

Heute wollte ich dann noch einmal Halsring und Fahne hervorholen und gucken, wie und ob die Musik dazu passt.
Die passte nicht ganz so gut wie erhofft, die Übergänge sind schwerer zu hören, als ich dachte, vielleicht muss ich da nochmal tüfteln.

Aber Dón! Mal wieder wunderbarer Dón! Ich hatte gar nicht erst eine Trense drauf und ich machte auch den Platz nicht zu, ich saß draußen auf und er blieb brav stehen. 
Er war rittig und hörte super zu, und ich nahm die Fahne dazu. Kein Problem.
Als ich die etwas weiter ausrollte wurde Dón etwas eiliger und die Lenkung war nicht mehr ganz so servo, aber ich konnte traben und galoppieren mit Fahne über seinem Kopf, er ließ sich blind lenken, er hielt sogar nachher gut aus, dass die Fahne über ihm war, auch wenn ich dabei extrem auf den Wind achtete, damit der die Fahne nicht knattern ließ.

Das war einfach großartig! Dass er so schnell so toll mit Halsring gehen würde, hätte ich nie gedacht. Er fühlt sich total wohl damit, schnaubte nachher auch vor sich, und er ist nicht der, der beim Reiten viel schnaubt. Aber da klang er wirklich rundum zufrieden.
Der großartige Junge…!

Ich habe mal eben nachgezählt und bin selbst sehr überrascht – das heute war das fünfte Mal mit Halsring! Erst das fünfte Mal! Wahnsinn… Freu freu freu 

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Sonntag, 26.6.

Ich war mit Dón auf der Wiese und war nach den Regenmassen überrascht und erfreut, wie gut der Boden war. Dón musste wieder aushalten lernen – er war zum ersten Mal an allen vier Beinen bandagiert und hatte noch dazu die spanischen Troddeln in der Mähne. Joya konnte die ja überhaupt nicht ab, die bewegen sich am Hals und das mochte er überhaupt nicht, und so dachte ich, gebe ich Dón doch die Chance, sich dazu zu äußern, bevor ich die „im Ernstfall“ reinflechte. Ich habe sie extra lang gelassen, die bewegten sich also richtig – Dón ließ sich davon überhaupt nicht stören. Großartig!

Von den Bandagen auch nicht, auch wenn er hinterher ganz froh war, als die wieder runter kamen. Beim Bandagieren hätte ich mit mehr Gehampel gerechnet, aber – nichts! Irgendwann guckte Dón dann aber nach hinten und sah sein rotes Bein. Er starrte das an, nahm das Bein hoch und hielt es in der Luft, um es besser betrachten zu können. Das war so urkomisch, ich hätte es zu gerne fotografiert…!

Ich hatte nicht so die Lenkung, die ich gerne gehabt hätte, erst Recht mal nicht im Galopp, aber Dóns Grundspannung wurde mit jeder Runde (und mit jedem Galopp) besser, so dass ich schließlich immer wieder kurze Galoppreprisen einlegte, um ihn daraus in einen möglichst großrahmigen Trab zu entlassen. Noch längst nicht dass, was ich unter einer guten Grundspannung verstehe, aber viel mehr als noch vor ein paar Wochen! 
Und Dón hatte sichtlich Spaß und Energie.

Dann kam Navarre mit auf die Wiese. Dón starrte ihm entgegen, um dann zehn Meter vor ihm Reißaus zu nehmen. Das konnte ich mir nun nicht wirklich erklären, aber er mochte an den nicht ran. Also ritten wir eine Weile nebeneinander, Dón fühlte sich ganz komisch an. Mit anderen Pferden ausreiten könnte noch unterhaltsam sein. Sollte ich vielleicht mal tun.

Schließlich trennten wir uns und ich spielte noch ein bisschen mit der nun noch mehr gewordenen Grundspannung herum und hörte dann sehr zufrieden auf. Dón konnte rumstehen, Navarre entspannt zugucken und die Sonne genießen.

Das freut mich sehr, dass Dón sowohl mit den Bandagen wie auch mit den Troddeln kein Problem hat – meine Ideen für die Offene Kür der Reitweisen nehmen sehr konkrete Formen an 🙂

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Mittwoch, 29.6.

Ich ritt die Kür noch einmal (um genau zu sein, zwei Mal) mit Musik durch, das passte und fühlte sich gut an. Dón fühlte sich leichtfüßig und eifrig an.

Danach nahm ich die Kandare ab und legte den Halsring um (also ihm…) und ritt auch diese Kür noch einmal durch, nun mit der neu geschnittenen Musik. Bei der sind die Übergänge viel besser zu hören, so dass ich im zweiten Durchgang etwas einigermaßen ansehnliches zustande brachte, was, wenn es gelang, den Eindruck vermitteln konnte, das sei so geplant. Dón war sowas von Mr. Cool – es wehte ganz schön und ich war vorsichtig damit, die nicht ganz ausgerollte Fahne über ihm zu haben, aber auch wenn sie knatterte, störte ihn das überhaupt nicht. Und wenn er doch mal kurz schneller wurde, ließ er sich auf Stimme zurücknehmen. Es ist allerdings schöner, gleich mit Halsring anzufangen, dann ist er rittiger, als jetzt nach dem Wechsel. Ich hatte doch manchmal ziemlich Zug auf dem Halsring, vor allem in den Links-Wendungen. Aber gut, das ist dann eben so, zum Abreiten unter anderen Pferden werde ich auf jeden Fall eine Zäumung drauf lassen. Dafür reicht die Trense und vielleicht sogar Halfter und Strick, und das muss ich dann ja auch nicht einsetzen, aber ich merkte schon einen Unterschied zum letzten Mal, als ich direkt mit Halsring angefangen hatte. Das fühlte sich besser an. Egal, wird schon!

Danach ging ich zum ersten Mal mit Halsring die kleine Hofrunde, die Fahne behielt ich in der Hand und machte damit auf der Weide die Pferde wuschig, obwohl die den Anblick doch nun aber langsam gewöhnt sein sollten. Dón störte sich an gar nichts, ging brav die Runde, war so wunderbar zu händeln, es war eine Wonne. Mit Halsring ausreiten rückt in greifbare Nähe… Vielleicht aber auch lieber anfangs noch mit „was um den Kopf“ 🙂

Morgen soll ganz ekliges Wetter werden, aber wenn nicht, werden wir springen!
Das ist ja nun reichlich lange her, dieses Jahr noch gar nicht!!
Da ich aber vorhabe, Sonntag Sportstafette zu reiten, zeige ich Dón doch nochmal ein paar bunte Stangen. Habe ich ihm schon so lange versprochen!

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Donnerstag, 30.6.

Also „wir“ sind nicht gesprungen, aber er 🙂

Mir war nicht nach reiten, aber Dón sollte ja nun doch nochmal bunte Stangen sehen, und so nahm ich ihn kurzerhand an die Longe und ließ ihn über die beiden V-förmig aufgebauten Sprünge gehen. Er machte das großartig, er zog, wenn er die Wahl hatte und es knapp wurde, jedes Mal eher zum Sprung als vorbei. Super!
Hier und da trümmerte auch mal nachlässig alles zusammen, dann musste er bei der nächsten Runde über die Trümmer springen – da passte er dann besser auf 🙂

Spanischer Schritt ging so, Steigen war komischerweise mal wieder kaputt. Ging nicht. Keine Chance. Er tat wieder, als dürfe er das nicht (das habe ich ihm ganz bestimmt nicht gesagt). Ich fragte noch ein Kompliment an, das dauerte wie immer ein bisschen, aber wenn er einmal unten ist, bleibt er da auch ziemlich lange und sicher.

Er durfte wieder auf die Weide, das Turnier kann kommen, geübt wird dafür nichts mehr, was wir jetzt nicht können, das lernen wir auch nicht mehr!

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