Juli

Freitag, 1.7.

Der letzte Tag vor unserem Turnier, und da Dón bislang alles, was ich zeigen möchte, brav gemacht hat, und ich ihn ohnehin nicht so oft reiten möchte, hatte er so gut wie frei – so gut wie, weil ich ihn nur kurz von der Weide holte, ein wenig kuschelte und rumalberte, er durfte auf das Podest und stand nachher sogar mit drei Beinen drauf, wobei er das Hinterbein aber noch nicht belastete. Aber immerhin ließ er es ziemlich lange oben.

An ein Kompliment dachte er so gar nicht, er konnte den Blick nicht von der gerade kollektiv rossenden Stutengruppe abwenden. Die quiekten da rum und er brummelte vor sich hin und nahm mich nur am Rande wahr. Meine Ablenkungsmanöver schlugen allesamt fehl – Spanischer Schritt äußerst halbherzig, Steigen ging so ein kleines bisschen, immerhin, das ging gestern, warum auch immer, gar nicht. Ich bekam noch ein (sehr gutes) Kompliment, aber es dauerte eine gefühlte halbe Stunde, bis er sich endlich sinken ließ. Gefühlt ging heute irgendwie mal so gar nichts. Das erlebe ich bei ihm ja echt selten.
Na, das kann ja lustig werden morgen… Entweder geht nix oder er wird sehr gut.
Mein Gefühl sagt letzteres.
 Ich bin (sehr…) gespannt!

Ein heftiger Schauer erledigte die Vorwäsche, um die Hauptwäsche kam Dón nicht drumrum. Danach war er wieder so wunderbar dunkel… Nass sieht er einfach zu toll aus!

Die Sachen sind gepackt, alles (ich hoffe…?) ist fertig, es kann losgehen! Freu freu freu!!

.

Samstag, 2.7.

Der Bericht zu unserem schönen Turniertag ist hier zu lesen!

p1900144

.

Montag, 4.7.

Die beiden tollen Jungs haben frei. Das Wetter wäre zwar so, dass man etwas machen könnte, aber sie auf der Weide besuchen und kuscheln ist auch etwas, was man bei so einem Wetter gut machen kann – machen wir im Moment also das – sie haben es sich verdient! 

.

Freitag, 8.7.

Ich ritt Dón ca. 20 Minuten und war hocherfreut über seine beginnende Versammlungsbereitschaft. Ich ließ ihn im Trab in ganz feinen Nuancen die Spannung wechseln, und da ich das kurz und einfach hielt, bot er schließlich von sich aus mehr davon an. Das war klasse und ich nahm mir vor, das am nächsten Tag beim Themen-Tag zu zeigen. Er ließ sich gut darauf ein, auf Gerte das Hinterbein zu winkeln und dabei relativ wenig Raum zu gewinnen, so dass wir erste erkennbare (also, fühlbare) halbe Tritte bekamen. Ich muss damit sicherlich auch weiterhin sehr behutsam umgehen, aber toll war einfach, dass er sich jetzt überhaupt keinen Stress damit machte, sondern einfach versuchte, meine Bitte zu erfüllen. Ich ging nicht an seine Grenzen, das kann er irgendwann selbst machen 🙂

Dón war sehr kuschelig und anhänglich, was für mich immer ein schönes Zeichen ist, dass das Reiten für ihn gut war. Der leichte Niesel hatte uns nicht interessiert.
Ich freue mich auf morgen!

.

Samstag, 9.7.

Der Bericht zum Themen-Tag ist hier zu lesen!

9

.

Dienstag, 12.7.

Na klar hatte Dón erstmal wieder frei nach dem Tag, er genoss nur Streicheleinheiten auf der Weide.

Am Dienstag stellte ich die Garrocha bereit – kann doch nicht sein, dass er davor jetzt Manschetten hat! Und so ritt ich ein paar Minuten locker flockig vor mich hin und versuchte, mich von zwei Dingen nicht nerven zu lassen – Dón schleicht, wenn ich ihn von der Weide hole, hinter mir her, und genau so schleicht er auch die ersten paar Runden im Viereck. Hier ist dem mit Gerte leicht entgegen zu wirken, zur Weide habe ich noch nie eine mitgenommen. Genau das provoziert er aber gerade, denn es so gar überhaupt nicht, dass ich ein Pferd hinter mir herziehen muss. Am Temperament liegt’s nicht, sobald eine der Stuten zwinkert, ist er hellwach und spielt den Macker. Arbeitsunlust ist es auch keineswegs, er zeigt sich jedes Mal begeistert, wenn ich komme, guckt immer hoch, hält mir immer den Kopf entgegen, kommt immer sofort willig mit. Auf dem Weg jedoch lässt er sich mehr und mehr tragen. Hmm, einfach mal drauf achten und nicht einreißen lassen. Ich habe heute ein wenig mit dem Strick nachgetrieben, dann war’s sofort ok. Er hat da irgendeine Idee, die er gut findet, und die ich nicht rechtzeitig mitbekommen habe.

Beim Reiten schön wie immer, und so nahm ich nach relativ kurzer die Zeit die Garrocha zur Hand – und es war so überhaupt kein Problem! Einfach toll! Ich konnte drehen und wenden und sie ziehen und machen, was ich wollte – er ist immer mal guckig und schreckhaft, wenn sich etwas über ihm bewegt, da muss ich aufpassen, aber mit ruhigen Bewegungen, ihn immer im Auge behaltend, war es überhaupt kein Thema. Das war ja schon mal prima!

Kleine Hofrunde, Feierabend. Super! Geht doch 🙂

.

Donnerstag, 14.7.

Mir war mal wieder nach Reiten mit Handpferd. Und so holte ich beide Jungs von der Weide. Dón ging links und ließ sich richtig ziehen. So, und das hört jetzt auf!
Ich nahm ihn nach rechts und trieb sehr rotzig mit dem Strick nach. Huch! meinte er und ging los. Ach! Huch! meinte allerdings auch Nacariño und wollte bitte nicht daneben gehen, wenn Dón angeblafft wird. Ich trieb Dón also etwas behutsamer nach und bat Nacariño sehr eindringlich, doch daneben zu bleiben, und dann kamen beide mit. Nicht so flotten Schrittes, wie ich das gerne hätte, aber immerhin musste ich keinen tragen 🙂

Ich sattelte Dón, trenste auf. Dón zog wiederholt den Kopf weg und wurde richtig quengelig. Was war das denn nun wieder?? Jedes Mal, wenn ich die Trense über das linke Ohr ziehen wollte, zog er weg. Und das immer massiver. Ich ziehe Zäumungen schon nicht, wie ich es bei vielen sehe, nach hinten über die Ohren, sondern lege eine Hand von hinten auf das Ohr und halte es nach vorne und hebe die Trense drüber. So kann ich auch gleichzeitig bei meinen Mähnenwundern den Schopf vorne halten und muss hinterher nicht an den Haaren rumziehen. Das finde ich fürchterlich, und so habe ich mir mit den Jahren eine etwas andere Art des Auftrensens zugelegt.
Dennoch – die gefiel Dón heute überhaupt nicht. Und endlich ließ er mich mal einen Blick werfen – er hatte einen Stich abgekriegt, der angeschwollen war. Das tat mit Sicherheit bei Berührung weh, er wollte mich da auf keinen Fall ranlassen. Also Trick 17, Trense ganz hoch gehoben und schräg erst über das rechte Ohr und dann schnell und unauffällig über das linke und dann war alles gut. Nun war Dón aber krawallig und wollte los. Sofort!

Nacariño bekam den Kappzaum auf, weil ich heute ernsthaft mit beiden galoppieren wollte, wenn der Weg das nach den Regenfällen zuließ. Wovon ich aber ausging. Mit dem Kappzaum habe ich den Zug von vorne, wenn Nacariño sich zurückfallen lässt, und nicht so blöd von hinten, womit ich dann auch noch das Halfter verziehe. Wenn der Galopp abgesichert ist, nehme ich wieder das Halfter.

Nacariño war an der Straße entspannter als Dón, der doch immer wieder mal guckte und deutlich erkennen ließ, dass ihm große Fahrzeuge nicht geheuer sind. Davon kamen nicht viele, im Gelände selbst kam uns gar kein Auto entgegen. Also freie Bahn!

Der Weg hatte etliche Pfützen, meine albernen Pferde waren nicht in der Lage, da rein zu treten, aber der Weg war auf jeden Fall gut genug für schnelleres Tempo. Dón schlug Haken, Nacariño sah zu, dass ja keiner seiner Füße nass (oder dreckig) wurde und so machten die beiden mich da oben mal wieder höchst gelenkig.
Aber – trotz meines fortgeschrittenen Alters doch lernfähig! – ich hatte die Bügel mal ein Loch kürzer gemacht. Und das zahlte sich sehr aus. Fühlte sich viel besser an so.

Mir kam wieder die Frau mit Hund entgegen, die uns letztes Mal für eine Kutsche gehalten hatte und sagte lachend „Immer dieselben hier!“. Kaum an ihr vorbei ließ ich Dón angaloppieren. Eine Hand an Dóns Trense, eine an Nacariños Kappzaum, ich war auf alles gefasst – und nichts passierte. Nacariño galoppierte einfach so mit an und so galoppierten sie brav nebeneinander her. Wie genial ist das denn!!

Der Bremsweg wurde allerdings lang. Es war die Trense vom Themen-Tag, und auch wenn ich sie nun korrekt verschnallt hatte, so hatte Dón die Zieh-Idee nicht vergessen. Er zog dermaßen nach vorne/unten, dass ich einhändig kaum eine Chance hatte. Auf Stimme reagierte er gerade mal gar nicht. Nacariño wunderte sich – er hörte mein Stimmsignal und wollte durchparieren, aber Dón rennt weiter…? Hmmm, dann rennt er halt mal brav mit.

Ich griff in beide Zügel, da Nacariño ja so fein mitlief und parierte mit relativ deutlicher Handeinwirkung durch. Dón war kernig und stellte das auch noch in Frage. Sag mal!!!

Ernsthaft durchpariert (da waren wir schon auf dem Asphalt), ihn kurz zur Räson gebracht, Nacariño gelobt und Dón einen Moment später auch, nachdem er sich einigermaßen wieder eingekriegt hatte.

Wir gingen das Stück an der Weide entlang und ich wollte kurz auf dem Möschenhof gucken, ob Sabine da ist und ihr Hallo sagen. Als ich um die Ecke kam sah ich hellen Rauch über den Hof wabern – da wurden in einer Tonne gerade Strohbänder verbrannt. Ich wollte gerade umkehren und dachte fast im selben Moment „bist Du irre? NUTZEN!“
Also mussten die Jungs da durch. Fanden sie beide in höchstem Maße erstaunlich und ein wenig beunruhigend, aber sie gingen sofort durch diesen sich bewegenden Rauch. Und das roch ganz schön. Ich ritt in die Stallgasse und durch die Halle durch, keine Sabine, ritt am anderen Ende wieder raus und kam nun von der anderen Seite auf den Rauch zu. Wie Rauch das so macht – er dreht sich immer denen zu, die’s nicht riechen mögen 🙂

Dieser roch nicht so schlecht, nicht wie Zigarettenrauch (der immer zu mir kommt…), aber eben schon sehr intensiv. Die Pferde gingen brav hindurch, wir drehten nochmal, ich ritt etwas näher an die Tonne heran, beide Jungs staunten, näher wollten sie nun auch nicht, aber das reichte auch. Na, das war ja mal eine tolle Gelegenheit für etwas Neues…

Auf dem Rückweg war na klar wieder ein Galopp angesagt, ich schnalzte Dón an, der sprang nicht gleich an, ich schnalzte nochmal etwas deutlicher, und da sprangen beide Pferde gleichzeitig auf den Schnalzer an. Was für ein tolles Gefühl! Lob Lob Lob!!!

Wir galoppierten ein ganzes Stück, der Bremsweg war so, wie er sein soll, wir gingen noch durch ein paar Pfützen. Im Schritt gingen jetzt beide durch, Dón trabte mit großen Tritten durch ein paar. Das fühlte sich toll an. Einmal dachte ich, er springt ab, aber er riss nur die Füße hoch, die nächste sprang er dann 🙂

Nacariño blieb immer brav daneben, nie ein Zug von mir weg, mal ein Zurückfallen, aber dann konnte ich ihn immer wieder nach vorne holen. Dafür war der Kappzaum echt super.
Er ertrug es mit Leidensmine, dass ich immer wieder in seiner Mähne rumwuschelte.
Der Arme!

Wir kamen sehr entspannt und zufrieden nach Hause.
Ich behaupte einfach mal, Nordsee mit beiden ist kein Problem!
(haha, sage ich, bevor eines der Pferde überhaupt schon mal da war…)

.

Freitag, 15.7.

Am nächsten Sonntag geht es nach Eutin. Dón ist in der leichten Kür genannt, und die wollte ich nun nochmal ein wenig umstellen, weil mir in der vom Team-Turnier der Galopp zu lang ist. Ich ließ den Anfang identisch, der ist schön und stimmig, aber die Galopptour stellte ich um. Das Ganze filmte ich mit meinem auf dem Hocker platzierten Smartphone und nun schneide ich mir dafür gleich mal eine neue Musik, damit ich das mit Musik noch ein-, zwei Mal durchreiten kann.

Dón ging schön, sehr leichtfüßig und konzentriert, obwohl zum ersten Mal das Fohlen direkt auf der Nachbarweide lief und ständig angefetzt kam und ihn anwieherte. Sehr süß! Das hielt er sehr brav aus.

Ich hatte sehr aufgepasst, die Stelle am Ohr nicht zu berühren, er war sehr auf Hab Acht, merkte aber, dass ich aufpasse und so war das Aufzäumen kein Problem.

Danach hatte ich eigentlich noch einen Moment mit Halsring reiten wollen, den hatte ich aber oben im Stall vergessen und so machte ich Feierabend mit Dón. Wir gingen noch die kleine Hofrunde und dann durfte er zurück auf die Weide. 

Irgendwann muss ich auch mal für Kondition sorgen! Mit den kurzen Reprisen wird das nichts! Egal, Hauptsache, er ist zufrieden und hat Spaß am Gerittenwerden. Und das Mittel der Wahl dafür bei ihm sind ganz klar die kurzen Reprisen…

.

Samstag, 16.7.

So viel zum Thema kurze Reprisen. Das hat heute mal nicht hingehauen. Ich hatte gestern die Kürmusik neu geschnitten und wollte sie heute durchreiten. Passte ab Galopp wie die Faust auf’s Auge, aber der Trab davor war – warum auch immer, ich verstehe nicht, wo ich mich derart verrechnet haben kann – viel zu lang. Das muss ich kürzen. Um zu wissen, um wieviel ich es kürzen sollte, damit der Rest aber noch da passt, wo ich ihn reiten will, kam also wieder das Smartphone zum Filmen zum Einsatz.

Dón ging die Kür also sehr brav ein zweites Mal, ich saß ab, guckte, ob alles drauf ist – nicht genug Speicherplatz. Hä? Ich hatte doch so ungefähr alles gelöscht…
Na gut, noch die beiden Videos von gestern löschen und nochmal.

Dón ging die Kür sehr brav ein drittes Mal. Negócio und Joya hätten jetzt alles auswendig vorweg genommen – Dón nicht. Ich hoffe, das bleibt so, dann kann man auch mal was üben 🙂

Ich saß ab, guckte auf’s Handy – und dachte, ich kriege einen Rappel! Die ersten zwei Minuten waren drauf, die kannte ich nun schon zu Genüge, mehr passte nicht. Ich muss mich also zu Hause mal mit dem Thema „löschen gelöschter Dateien“ befassen. Ich mochte Dón keinen vierten Durchgang zumuten. Nic stand am Rand und hatte den Rest gesehen und meinte, er sähe so schön aus… Und wieder einmal scheint das Gefühl total zu täuschen, denn ich fand ihn wieder schwankend und schlaksig. Verrückt…

Der tolle Junge durfte auf die Weide zurück und ich schneide jetzt einfach auf Verdacht einiges an Trab wieder raus und reite das nächste Woche nochmal durch.
Wer keine Sorgen hat, macht sich welche!
🙂

.

Montag, 18.7.

Eine schöne Runde mit Handpferd im Gelände! Zuerst mit Nic und Navarre ein kleines Stück durch den Ort zu dem Weg, den ich im Winter entdeckt hatte. Der war nun allerdings schlammig und glitschig, so dass wir da nicht galoppieren mochten. Zudem fielen hier heftig viele Bremsen über uns her. Der arme Nacariño wusste gar nicht, wohin mit sich. Wir kehrten also um, trabten noch ein ganzes Stück auf Asphalt und genossen das Geräusch von zwölf, manchmal im selben Rhythmus klappernden Hufen.

Dón war es nicht so geheuer, in der Mitte zwischen Nacariño und Navarre zu gehen, er arrangierte sich aber schließlich damit. Auch das müssen sie lernen – an jeder Position zu gehen. Einmal wurde er unhandlich, ansonsten konnte ich ihn fast durchweg einhändig an leichter Hand reiten. Wir genossen sehr unsere Pferde und deren schönen Fleiß im Schritt.
Nacariño warf in jeden Feldeingang einen sehnsüchtigen Blick und wäre sehr gerne gerannt. Er wurde einmal kurz ein wenig unhandlich, ansonsten benahm er sich tadellos. Wir trabten relativ viel, Gelegenheit zu einem Galopp ergab sich hier leider nicht.

Wieder im Stall sprühte ich meine Jungs mit Fliegenspray ein, machte die Bügel kürzer und ritt nochmal los. Nic kam ohne Navarre, nun aber mit der Kamera hinterher und fotografierte einmal unseren Galopp zu dritt. Nacariño ließ sich anfangs sehr bitten, schließlich galoppierten sie aber großartig zusammen. Das machte richtig Spaß!

35

.

Mittwoch, 20.7. 

Auf dieser Kür liegt ein Fluch. Ich nehme jetzt dieselbe Musik für beide Pferde, ändere noch ein wenig die Linienführung, und dann sollte es wohl irgendwie gehen. Dón ließ sich beim vom-Platz-gehen ein wenig nach links schaukeln und riss damit den Recorder runter, der über den Asphalt klöterte. Das Batteriefach sprang auf, 8 Batterien kullerten über den Hof, und ich wagte nicht zu hoffen, meinen Stick heil wiederzufinden, der ja vorne rausguckte. Noch weniger wagte ich zu hoffen, dass der Recorder das übersteht…

Alle waren hart im Nehmen – Dón, den das nicht weiter störte, der sich nur sofort in sich zurückzog, als ich da nun doch mal fluchte; der Batteriedeckel, der sich anstandslos wieder in seine Position schieben ließ; der Stick, der tatsächlich in Gänze rausgesprungen war; und der Recorder, der einwandfrei weiterlief. Unglaublich. Das nenne ich mal echte – äh, taiwanische?? – Wertarbeit!

Dón ging aber die Kür sehr brav, er konnte nichts dafür, dass die (neue) Musik irgendwie schon wieder nicht passen wollte – also sowas habe ich echt noch nicht erlebt. Irgendwie kriege ich es gerade nicht hin. Das kann interessant werden, zumal ich noch nicht abschätzen kann, ob die Musik eher zu früh wechselt, wenn meine Jungs glotzen in nicht in Gang kommen oder ob die Wechsel zu spät kommen, wenn sie kernig vorwärts gehen und sich nicht bremsen lassen. Ist das wirklich soooo lange her, dass ich ein unerfahrenes Pferd in seinen ersten Küren vorgestellt habe? Bin ich wirklich soooo verwöhnt von Fàscino und Joya? Beides wohl. Bewusst wird mir jedenfalls gerade, wie wenig variierbar das Tempo noch ist, und es ist ja auch noch keine echte Lektionenvielfalt. Bei Joya mal eben eine doppelte Pirouette statt einer einfachen, und schon war die Musik 6 Sekunden weiter. Bei Fàsci die Passage mehr oben halten und so konnte ich auch gut Zeit schinden. Das geht jetzt alles noch nicht. Ich gebe zu: ich bin so langsam ein wenig aufgeregt, zumal Eutin ja auch echt ein Hardcore-Turnier für unroutinierte Pferde ist. So viel zu gucken!!

Ich bin also sehr gespannt – die Kür beginnt Sonntag um 13.35 Uhr und hat 10 Nennungen. Die Ausschreibung kam sehr spät raus dieses Jahr, vielleicht hat das ein paar Nennungen gekostet, denn die beiden Schwierigkeitsgrade wurden auch noch zusammengelegt. In den Vorjahren waren es deutlich mehr Nennungen…
Das Pas de deux hat nur 3 Paare, das sollten wir nächstes Jahr unbedingt mal wieder nennen, bevor diese Prüfung gar nicht mehr ausgeschrieben wird!
Die Halsring-Kür hat bei ihrer Premiere stolze 7 Nennungen, wobei ich schon mal zwei Pferde kenne, die sie nicht mitgehen werden 🙂
Das wäre die erste Prüfung, ich ahnte es, und das mache ich natürlich nicht. Ein bisschen mehr Einfluss hätte ich in der ersten Prüfung dann doch gerne. Die fällt für mich also aus.
Die Offene Kür beginnt um 16.00 (frühestens, würde ich sagen…) und hat 9 Nennungen.

Gestern kam das tolle Angebot von Gerda Blochwitz, dass sie und die 11jährige Malou meine Küren mit Kastagnetten begleiten werden! FREU!!!!! Mal sehen, wie das ankommt – und sich anfühlt! Ich wollte mit beiden Pferden mit Garrocha starten und die dann nach ca. 2,5 Minuten ablegen und mit Flagge weitermachen. So der Plan. Mal sehen, wie viel davon übrig bleibt 🙂

Auf jeden Fall an ganz viel Fliegenspray denken!!!! Es wird warm…
Ich glaube, ich bin mit 2 Prüfungen und 4 Starts gut beraten.
Oh, Kopfnummern raussuchen!! Wie lange habe ich die denn nicht mehr gebraucht…
Hihi…

Dón durfte heute seine neue Fliegendecke eintragen auf der Weide, das hat mit Sicherheit einige Plagegeister abgehalten. Vor allem Navarre starrte ihn entgeistert an – die Decke glänzt ganz stark. NOCH. Das wird Dón schon relativ schnell abstellen 🙂 

.

Freitag, 22.7.

Ich spielte noch einmal ein wenig mit Garrocha und Flagge herum, beides machte Dón sehr brav, obwohl ich Flagge ein paar Mal ganz schön knattern ließ. Das hielt er gut aus. An der Garrocha ging er gute Wendungen im Schritt, ich konnte auch mehrfach hintereinander unter der Garrocha drehen. Im Galopp kann ich die immer noch nicht stehen lassen, da muss ich sie noch mitziehen.
Dón ging aber mit beiden Dingen vertraut, so dass ich nur ganz wenig machte und das Ganze sehr verspielt hielt. Er hörte frisch und motiviert auf, mit ihm mache ich vor dem Turnier nicht mehr. Vorhaben für die Kür: Musik in- und auswendig lernen und alles lieber etwas größer reiten (so er mich lässt) und den Galopp-Mittelzirkel bei Bedarf in die andere Richtung verlassen. Wenn ich das mit dem zweiten Mittelzirkel auch mache, haut am Ende alles wieder hin, und so müsste ich es mit der Musik schon passend kriegen.
Ich freue mich!!

.

Samstag, 23.7.

www: Weide-, Wasch- und Wohlfühltag!

.

Sonntag, 24.7.

Was für ein Tag…!!
Mehr dazu hier!

5

.

Mittwoch, 27.7.

Nur Weide und kuscheln, das haben sie sich verdient. Heute dachte ich, mal gucken, ob Kompliment auch auf der Weide geht – geht 🙂

Dón guckte Nacariño zu, der lässig eins links und eins rechts machte und ließ sich dann so schnell wie noch nie ins Kompliment (links) sinken, als ich ihn dann – endlich! – auch mal fragte. Er lässt sich, wenn seine normalerweise fünf Gedenkminuten rum sind, ungeheuer tief sinken und bleibt dann da i.d.R. auch eine Weile. So auch heute, aber dieses ganz tiefe ist mir gar nicht so Recht. Zum Einen zieht das natürlich enorm, muss es ja gar nicht, zum Anderen verhindert das ein Knien oder Ablegen daraus. Aber was soll’s, jeder auf seine Art. Wenn er damit weiterhin immer sicherer wird, frage ich demnächst mal rechts an!

Das war’s dann auch für heute, ansonsten ließ ich die beiden in Ruhe.
Dón, der auf manchen Eutin-Fotos schon so mächtig wirkt, sieht jetzt, wenn ich von vorne auf ihn zukomme, wieder wie ein schmales Hemd aus. Komisch, wie unterschiedlich er aussehen kann! Mein Lieblingsbild, trotz leider abgeschnittener Füße, ist, was das „mächtig-wirken“ angeht, dieses hier:

3

Grün/braun steht ihm absolut fantastisch, finde ich. Auf jeden Fall, so lange er noch grau ist… Ach, der Schöne… Mein Kür-Sieger! Drei Turniere hinter sich und schon alle Schleifenfarben zusammen! Unfassbar! 

.

Donnerstag, 28.7.

War
das 
schön…!!!

So schön das Turnier und die Siege auch waren, das ist nur ein Teil im großen Ganzen. Ein mir nicht unwichtiger, weil sich in der Fremde so schön prüfen lässt, wie sehr man ein Team ist mit dem Pferd, aber tolle Momente zu Hause sind im Zweifel noch wichtiger und legen ja den Grundstein dafür, solche überhaupt auch woanders erleben zu können.
Und heute bekam ich zu Hause Momente, die mal wieder „ein Stück Himmel“ waren…
Und mir so gut bestätigt haben, dass Eutin für uns richtig war und uns wieder ein ganz großes Stück nähergebracht hat. Für sowas muss man eben auch mal weg von zu Hause!

Ich wollte mal wieder reiten, Fokus auf einem feinen, entspannten Zusammenspiel ohne Forderungen von Seitengängen oder ähnlichem, losgelassen und durchlässig.

Es war gigantisch. Ich ritt auf Trense auf der großen Wiese hinter unserer Weide, weil ich keine Lust auf Platz hatte und mich die Weite lockte. Hier bekam ich so tolle Momente – ich durfte den Trab im Raumgewinn verschieben und schließlich auch den Schritt. Ich hatte das Gefühl einer ungeheuer feinen Zügelverbindung, brauchte kein Bein – außer mal, um es außen anzulegen, wenn ein Bogen ausufern wollte – hatte ein sowas von durchlässiges, losgelassenes, eifriges Pferd unter mir, das auf feinste Stimm- und Gertensignale reagierte. Es war die pure Wonne. Völlig beseelt ritt ich zum Stall zurück. Hin- und Rückweg gingen an der Straße lang – überhaupt kein Problem.

Wer jetzt zuerst Nacariños Text gelesen hat, wird denken, das hört sich ja verdammt ähnlich an… So ist es. Das eben gesagte traf auf beide absolut gleichermaßen zu.
Ein paar Unterschiede gab es aber natürlich doch!
Dóns Raumgewinn im Schritt habe ich in dieser Form zum ersten Mal überhaupt verschoben. Ich wünsche mir ja irgendwann wieder ein Pferd, dass im Schritt so ungeheuer verschiebbar ist wie Fàscino. Dóns Schritt bringt das von der Qualität her mit, und heute durfte ich zum ersten Mal ein wenig vorlassen, zurücknehmen, vorlassen, zurücknehmen… Rein auf ein Öffnen oder Schließen meines Beckens und etwas stiller oder „offener“ sitzen. Unglaublich. Er hörte so fein zu, war so aufmerksam, ließ meinen Wunsch so toll durch, dass ich nachher innerhalb weniger Schritte vor und zurück durfte.

Im Trab fragte ich das dann natürlich auch an. Die ersten Male vorlassen waren laufend, flach, nicht von hinten getragen, aber immerhin im Takt und an leichter Hand steuerbar. Ich wartete darauf, dass Dón von sich aus mehr Grundspannung anbot, um ein Vorlassen mehr bergauf tragen und rauslassen zu können. Dafür ist Galopp bekanntlich das Mittel der Wahl – der Trab nach dem Galopp ist i.d.R. der beste und wird von den meisten Reitern schlicht verschenkt. Ich ließ Dón also einige Male angaloppieren – und dabei konnte ich mir kaum vorstellen, wie wenig Hilfe man noch geben könnte, es war nur noch aus dem Becken heraus, ein minimales Schließen und Öffnen mit dem Gedanken an die gewünschte Gangart, und Dón ließ das durch. Das war gefühlt weniger als ein Hauch und hatte mit Zügel oder Schenkel überhaupt nichts mehr zu tun. Nur noch Stimme und Becken. Ich wurde süchtig danach und konnte nicht aufhören und Dón sah das offenbar genau so und legte Übergänge in einer Feinheit hin, die mir so neu waren. Lechz…!

Aus dem Galopp ließ ich in den Trab zurück kommen und bat sofort nach vorne/oben.
Beim dritten, vierten Übergang kam es plötzlich – er zog spürbar von hinten über den Rücken in die Aufrichtung und ließ aus einer freien Schulter das Vorderbein nach vorne raus. Mal zwei Tritte, mal drei, mal nur einer – aber die Idee kam. Er fing von selbst an, seine Spannung zu verändern und hielt sie immer länger, ohne dass ich dafür einen anderen Einfluss als vorher genommen hätte. Nur über diese Übergänge und die klare Idee der Tritte, die ich haben wollte.

Pause, kuscheln, Sonne genießen, loben, loben, loben. Dón wirkte total zufrieden und schaute eine Weile den Pferden auf der Weide zu.

Nochmal. Und da waren die Tritte da. Zum ersten Mal in dieser unglaublichen Qualität. So hatte er sich noch nie angefühlt. Ich durfte verschieben – erst minimal, später ein klein wenig mehr, ich nahm keinen Galopp mehr dazu, spielte nur mit den Trabbewegungen, ließ alles raus, was Dón geben konnte, fragte über Stimme und Gerte super vorsichtig nach Versammlung, und bei jedem Angebot, was von ihm kam „meinst Du so?“ entließ ich ihn wieder in das andere. Und so steigerte sich beides von Mal zu Mal, bis eine echte erste Idee von Zulegen und Versammeln da war und alles, jeder einzelne Tritt, aus dem Hinterbein und dem Rücken kam. Die Schulter wurde immer leichter, Dón immer kürzer und größer, er fühlte sich – sorry – einfach nur noch geil an. Ich strahlte vor mich hin, lobte, motivierte, versuchte, mit einem so elastischen Körper zu sitzen, dass ich ihn bei nichts störte, hatte einen federleichten Zügel in der Hand, der in der Versammlung noch leichter wurde und mit im Vorlassen einen angenehmen Zug bot – genau das, was es sein soll und muss, wenn Versammlung ehrlich von hinten kommt. Eine „Versammlung“, bei der der Zügelkontakt schwerer wird, ist keine. Ein Zulegen ohne Zug in die Hand ist nichts wert, weil es auf der Vorhand enden wird. Wenn auch wirklich erst in den ersten Ansätzen, aber genau das bekam ich jetzt von Dón, der selbst süchtig zu werden schien und eine ungeheure Mühe gab.

Das war einfach unglaublich schön gewesen. Wir ritten entspannt und zufrieden nach Hause, Dón genoss die wohlverdiente Dusche und kam wieder auf die Weide.

.

Samstag, 29.7.

Heute kam Rieke mit auf die Wiese zum Fotografieren. Mir war schon klar, dass es vermessen ist, einen guten – sehr guten – Tag wiederholen zu wollen, aber den Versuch konnte ich ja zumindest wagen. Natürlich wurde es ganz anders, aber die eine oder andere Idee von gestern ließ sich wiederholen. Dón war viel greller, längst nicht so in Kuschelstimmung wie gestern, er hatte gut Strom und bot dadurch eine positive Grundspannung nahezu von selbst an. Und so ließ ich ihn mal rennen, was ihm ausgesprochen gut gefiel. Im Galopp war er dann auf einmal so variabel wie noch nie, ich konnte ihn richtig vorschicken, und dann kam auch was von hinten!
Einmal fühlte ich, dass – oh oh! – gleich ein Buckler kommen würde, und dann kam ein herzhaftes Auskeilen von Dón. Das war aber auch das einzige. Ansonsten war er klasse. Ganz abgesehen davon, dass sie so etwas bei mir dürfen und sollen – auskeilen macht den Rücken frei 🙂

Vor lauter Lauffreude vergaß ich fast, warum ich eigentlich hier war, und so fragte ich wieder die Verschiebbarkeit im Trab an. Und bekam sie. Alles nicht so federleicht wie gestern, heute mit viel mehr Sturm und Drang und Kraft, aber das war mir auch sehr Recht, zeigte es doch, wie viel Lust Dón hatte. Er machte großartig mit, und so lasse ich jetzt mal Bilder sprechen:

Der Sechsjährige in Remontehaltung:
39

Der Sechsjährige in relativer Aufrichtung:
42

Und der Sechsjährige beim Herauslassen des Trabes:
43

Ein federleichtes Angaloppieren mit wunderbarer Bergauftendenz:
41

Und jetzt spielen wir mal ein bisschen mit dem Trab…
4050 51

Und zwischendurch immer wieder ein frischer Galopp!44  455246

484947

Danach noch ein Kompliment auf dem Platz, auf der Wiese war er dafür zu abgelenkt. Hier bekam ich es in großartiger Qualität – und dann auch das erste Kompliment rechts!

53  5455

*******************************************************************************