September

Samstag, 3.9.

Dón war natürlich beim Themen-Tag „Vertrauensbildung & Motivation“ dabei!
Hier sind der Bericht und viele Bilder.

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Montag, 5.9.

Aus dem geplanten entspannten Ritt wurde ein ziemlich schweißtreibender Akt – Dón konnte den Blick nicht von der Stutenweide abwenden und seine Konzentration auch nicht. Als ich ihn dann, nachdem ich das einige Runden zu ignorieren versucht hatte, etwas deutlicher zur Räson rief, bewies er mal wieder, dass er Feuer hat – „wolltest Du haben!“ meinte er nur und wurde ernstlich unhandlich. Ich hatte rechts keine Lenkung mehr, konnte nicht einmal stellen, der Schenkel kam überhaupt nicht durch. Links ging es ansatzweise, aber rechts schoss Dón mir mehrfach davon und brach über die Schulter weg, den Blick immer auf der Stutenweide. Wir wurden gegenseitig frecher zueinander und ich wünschte mir in dem Moment nur, ich hätte schon eine Passage daraus machen können – die Spannung passte, die Energie auch, aber Dón war mehr nach Tölt als nach Passage.
Er ließ mich diese Energie also nicht in groß umwandeln, sondern wandelte sie in schnell um. Ich blieb beharrlich dabei, den Trab größer und größer zu machen, ignorierte sein Abgelenktsein, lenkte ihn meinerseits über Energie und Traben! Traben! Traben! ab.

Es dauerte gar nicht mal lange, da kam der Trabgedanke bei ihm an. Ich hatte anfangs zusehen müssen, oben zu bleiben bei seinen Ausbrüchen, da fasste ich auch schon mal zu, aber in dem Sinne gestraft habe ich ihn für nichts, ich sah nur zu, dass ich umlenke, mir seine Energie zu Nutze mache. Und so kamen auf einmal mehrere einzelne große Tritte, der Takt wurde immer sicherer, und dann fing ich an, den Trab ernsthaft zu versammeln.
Dón wurde größer, ließ den Trab auf einmal durch den Körper, fing an, zuzuhören, vergaß über immer weitere Strecken die Stuten. Der Trab wurde immer besser, immer ausdrucksvoller, immer versammelter. Noch keine Passage-Idee, aber tatsächlich schließlich aus dem Schritt heraus einige Male ein paar schöne halbe Tritte.

Dón schwitzte ganz schön, gab sich aber ungeheure Mühe und behielt diese tolle Energie und Grundspannung bei. Ich galoppierte an und der erste Rechtsgalopp wurde sehr dynamisch und ich kam noch nicht zum Loslassen, danach im Linksgalopp durfte ich treiben und loslassen. Dón wurde immer entspannter, schnaubte, war in Dehnungsbereitschaft, ließ sich immer mehr los, fiel aber nicht auseinander. Da waren wirklich tolle Momente bei. Die Stuten waren vergessen, Dón war bei mir.

Und dann ließ die Kraft nach und damit die positive Spannung und ich fand einen schönen Abschluss. Dieser Ritt war zwar extrem anders als erwartet, aber ziemlich großartig.
Mit „ho ho, bravi bravi“ hätte ich anfangs keinesfalls auf meine Seite bekommen. Ihn über die Arbeit zu mir zu holen führte zu tollen Momenten. Wir gingen noch eine ruhige Schrittrunde um’s Feld und dann durfte Dón zurück auf die Weide.

Da spätestens fielen ihm prompt die Stuten wieder ein. Ich nahm Nacariño mit Richtung Tor und für Dóns Geschmack ging er wohl etwas zu dicht am Zaun der Stuten entlang. Dón griff an, ich spürte es mehr, als ich es sah, Nacariño ergriff die Flucht und ich drehte mich zu Dón um, es war verdammt knapp zwischen den beiden Pferden, und brüllte ihn zusammen, dass er das gefälligst nie wieder!! macht, wenn ich dazwischen stehe. Dón machte ich einer traumhaften Vaquerowendung kehrt und keilte nochmal aus, allerdings ohne mich zu gefährden. Sonst hätte ich ihm was hinterhergeschmissen. Hatte nur grad nichts. Aber brauchte ich ja auch nicht.

Wow, ist er also gerade absolut Herdenchef. Zwischen Nacariño und ihm wechselt das wohl immer mal, aber das hier war – zumindest für diesen Tag – eindeutig.
Diese jungen Temperamente, puh…!

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Mittwoch, 7.9.

Wie vorgenommen: nicht noch einmal so viel Grundspannung, keine große Versammlung, eine lässige, locker flockige Runde. Das gelang, Dón machte zufrieden mit und hatte eine ungeheuer positive Grundeinstellung, die es mir vermutlich erlaubt, nächstes Mal wieder mehr anzufragen. Wichtig für beide Pferde sind diese Wechsel. Auch das ist Abwechslung, auch wenn sie auf dem Viereck stattfindet. Dass mit Spannungsgraden gespielt wird, dass immer wieder mal deutlich (!) weniger abgefragt wird, als eigentlich oder vielleicht schon möglich ist. Immer wieder zufrieden machen, immer wieder für Durchlässigkeit und Losgelassenheit sorgen, immer wieder für ein harmonisches Miteinander sorgen, um sich dann mit größerer Anforderung keine Motivation, keine Freude kaputt zu machen.

Auf der Weide war Dón wieder der große Macker, kein Wallach durfte an den Zaun, aber die hielten sich auch alle brav dran. Das Verhalten ist, wenn auch noch so natürlich, nicht nur schön, aber es scheint ihm gerade ein Selbstbewusstsein zu geben, das ihm gut tut.

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Freitag, 9.9.

Nic und ich fotografierten uns gegenseitig und na klar wollte ich sehen, wie unsere Piaffe-Ansätze aussehen. Dón war so extremst gehfreudig und kernig, als er merkte, dass heute „wieder das dran ist“, so dass ich zeitweise deutlich mehr in der Hand hatte, als mir lieb war. Aber zum ersten Mal durfte ich direkt aus dem Schritt erste verkürzte Tritte anfragen und er setzte sie sofort um, und – noch viel besser – ebenfalls zum ersten Mal gab er mir das Gefühl, dass er großkotzig und mutig wird und mit der neuen Idee von Versammlung so ein bisschen macho-mäßig umgeht. Er versteckt sich nicht mehr und meint „das kann ich doch alles noch gar nicht“, zum ersten Mal plusterte er sich auf und spielte mit Kraft in den Bewegungen. Das war in dieser Form neu – und es war toll! Ich schätze, es hat mit seinem Verhalten auf der Weide zu tun, das Selbstbewusstsein, das er da gerade bekommt, nimmt er in das Gerittenwerden mit. Und auch wenn er dann ein ganz schöner Kraftprotz ist und nicht immer ganz leicht zu händeln, so ist mir das dennoch sehr Recht! Händeln kann ich den später wieder, Hauptsache, er wird erstmal mutig und frech und traut sich was!

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Dazwischen musste Dón sich immer mal ein wenig frei galoppieren und war dabei tatsächlich auch buckelfreudig – das ist er selten, aber wenn er buckeln möchte, darf er das natürlich. Allerdings geriet er ein paar Mal ziemlich in Schräglage. Er war echt gut drauf!

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Ich fühlte viel Hinterbein, aber nicht viel Vorderbein. Nicht so schlimm, hinten ist wichtiger, aber ich warf einfach mal einen Spanischen Schritt dazwischen, damit Dón eine Idee für vorne bekommt. An der Hand geht er ja inwzsichen einen tollen Spanischen Schritt, unter dem Reiter eher noch gar nicht. Und so zog er sich dadurch auch wieder in sich zusammen und machte sich klein, also verwarf ich die Idee wieder.

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Da Dón sich in den Piaffe-Ansätzen so sehr zusammenzog und mir zu eng und zu aufgerichtet wurde, entließ ich diese viele Energie, die er da mitbrachte, mehr nach vorne, um so vielleicht an eine Passage-Idee ranzukommen. Musste er ja nicht mitkriegen.
Tatsächlich entwickelte er mit mehr Raumgewinn schöne Bewegungen, die waren zwar weder Piaffe noch Passage, aber für Trab sehr schön. Alles Weitere kommt dann, wenn die Grundspannung verschiebbarer wird. Immerhin traut sich Dón schon mal solche dynamischen Tritte zu, das ist neu. Nun muss ihm das nur noch selbst gefallen 🙂

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Ich nahm ihn mal raus aus dem Zweitakt und verschob einen Vier- in einen Dreitakt – aus dem Kurzkehrt bat ich ihn so anzuspringen, dass ein, zwei Sprünge pirouettenartig wurden. Das hatte ich vorgestern zum ersten Mal so im Ansatz probiert und ganz schnell wieder aufgehört, als in ihm die richtige Idee fühlbar wurde. Eigentlich hatte ich aufgehört, bevor er wirklich erkennen konnte, worum es ging 🙂

Hier nun wurde ich konkret. Kurzkehrt, über den Doppelschnalzer um eine Taktveränderung bitten und dann zusehen, dass er dass zwei, drei Sprünge hält. Und dann nicht rauslassen nach vorne, damit er nicht im Anspringen nach vorne denkt, sondern am Platz wieder durchparieren und ganz doll loben, damit er im Anspringen an die Wendung denkt. Da waren verblüffend gute Momente bei, für die er sich großes Lob verdiente.

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Das tolle an dem Übergang Kurzkehrt – Pirouette ist ja, dass man dazwischen immer mal einen Piaff-Tritt geschenkt bekommt. Den bekam ich hier nun auch und Nic hat ihn auch noch erwischt! Da dachte Dón auch nicht eine Sekunde darüber nach, was nun schwieriger ist – Piaffe oder Pirouette. Beides nicht, das weiß er nur noch nicht so genau 🙂

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Und da er gerade so schön im Seitwärts-Gedanken war, nahm ich nochmal den Trab dazu und bekam ein tolles Travers und eine ziemlich gute Traversale. Und dann merkte er, dass er eine Traversale geht und zog sich wieder in sich zurück. Also wieder vorwärts!

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Aus dieser geballten Kraft unter mir versuchte ich nachher, eine erste Idee von einer Trabverstärkung rauszulassen. Das war bislang noch kein Thema, weil dabei bislang einfach zu wenig Grundspannung in einem bergab-Gelaufe endete.
Dón galoppierte etliche Male an, weil er hinten mit so viel mehr „Go“ unterwegs war als vorne, aber dann kam mir die zündende Idee.

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„Schulter! Vorne groß! Greif vorne aus! Vorne hoch!“ waren so die Ansagen, mit denen ich ausprobierte, welche ihm die beste Idee gibt, und tatsächlich war es dann nachher „Schulter!“ bzw. „Schulter hoch!“ und „Vorne hoch!“, was die bislang größten Tritte verursachte, die ich je von ihm bekommen habe.

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Als ich es schaffte, vier, fünf dieser Tritte rauszulassen und danach verhindern konnte, dass er anspringt, hörte ich direkt auf, parierte durch und lobte wie verrückt. Und auch hier – nicht wie sonst manchmal sein Nachdenken und Überlegen und sich-zurückziehen von wegen „Hmmm, eigentlich kann ich das noch nicht… Irgendwie ist mir das noch zu hoch…“, nein, zum ersten Mal ein wirklich großer, stolzer Dón unter mir, der sich anfühlte wie 1,70 m. Meine Güte, wirkte er groß und mächtig! Keines der Bilder gibt dieses Gefühl wieder, aber das war schon gigantisch. Und gut war auch, dass ich nicht mit Versammlung aufgehört habe, so kann er jetzt ein bisschen über Trabverstärkungen und mutiges aus-sich-rausgehen nachdenken.

Ich saß ab, reichte Nic meine Kappe und sie wusste auch sofort, was ich meine und grinste. Wir machten die Bügel kürzer und dann durfte sie nochmal ein bisschen fühlen. Das ist ja nun auch schon wieder eine ganze Weile her, dass sie auf ihm saß, und das erste, was sie ausrief, war „Was für ein Schritt!“. Und ihr fiel auf, dass er deutlich weniger schwankt.

Er nutzte sofort aus, dass sie keinen klaren Rahmen vorgab, sein Kopf geriet immer mehr in Bewegung, er versuchte, ihr den Zügel nach unten wegzuziehen, als sie aber mutiger wurde und mit klarerer Anlehnung den Rahmen genauer vorgab, wurde das sofort besser.

Sie fühlte sich sehr wohl auf ihm und fand ihn in allen Gangarten schön zu sitzen.
Hach ja, das finde ich auch 🙂

Dón nahm völlig gelassen hin, das jemand anderes reitet, also auch er auf dem besten Weg zu einem guten Lehrpferd! Ihr Bericht mit Foto(s) folgt, wird dann hier noch eingefügt!

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Ich bekam von Dón noch nach dem Wälzen spontan ein neues, tolles Angebot. Er war noch so kernig und witzig und albern und ich hatte gerade die Gerte in der Hand, weil ich die wegräumen wollte, und da guckte er mich so an… Und dann stieg er frei! Zum ersten Mal! Und mehrere Male hintereinander! Und dann hörten wir aber wirklich auf 🙂

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Samstag, 10.9.

Nach der ganzen Power von gestern war mir wieder nach locker-flockig, und so entschied ich mich relativ spontan für eine Premiere – in meinem reich gefüllten Keller fand ich eine gebisslose Zäumung, die dem LG-Zaum nachempfunden ist, aber in „barock“.

Ich ahnte schon, dass ich kein Kopfstück haben würde, was kurz genug verschnallbar wäre für Dóns zartes Köpfchen, und so malträtierte ich schließlich ein älteres Kopfstück mit Messer und Lochzange. Ich werde mir wohl eines vom Sattler umnähen lassen, denn etwas höher möchte ich es schon noch plazieren – und mit Stirnriemen wäre ja auch hübsch, der musste nun wegbleiben, weil da die Schnallen hingewandert waren.

Aber – ich hätte ja gedacht, dass Dón mehr nach unten ziehen würde. Tat er kaum. Er ging ganz prima damit, viel besser als erwartet, und vor allem auf beiden Händen sehr gleich. Bei solchen Zäumungen bekommt man ja gerne eine Quittung für nicht behobene Schiefe, und da war ich doch freudig überrascht, wie gleichmäßig in sich gerade Dón sich anfühlte.

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Das nutzen wir jetzt auf jeden Fall häufiger!

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Sonntag, 11.9.

War
das
schön!!!!

Ganz Hamburg war dicht wegen teilgesperrter A7 und und und – aber Nic und ich waren ja nun auf einen Pferdesonntag eingestellt, denn eigentlich wären wir heute nach Tarmstedt gefahren für ein iberisches Schaubild. Nach vielen Dingen gab uns schließlich die A7 den Rest und wir sagten die unvorhersehbar lange Tour zum Wohle der Pferde ab. Nicht ahnend, dass Nacariño ja dann auch noch einen gelben Schein einreichte, so dass wir im so ziemlich letzten Moment ohnehin hätten absagen müssen.

Wir überlegten also, was man tun könne mit so viel nun freier Zeit und ohne sich auf zu viel Verkehr oder Autobahn einzulassen – und fuhren spontan mit Dón und Navarre nach Heist. Das war so toll!

Dón sprang hier nun erst zum zweiten Mal, wirkte aber schon viel sicherer, griff das Holz an, und ein paar Mal ließ er mich fühlen, dass er meinem Blick folgte und den nächsten Sprung suchte. Ich konnte fünf Sprünge in Folge reiten, er griff alles an. Allerdings machte er teilweise wieder Sätze, meine Güte! Und ich hatte phasenweise ganz schön was in der Hand, er war echt ein Powerpaket.

Nic und ich wechselten uns mit fotografieren ab, so dass die Pferde auch Pausen hatten.
Dón machte eine Menge Sprünge, wieder versuchte er nicht ein einziges Mal, stehen zu bleiben oder vorbei zu laufen. Alter Schwede, kann der springen…!

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Es passte nicht immer, aber Dón weiß inzwischen, dass hier nichts fällt und kommt immer irgendwie auf der anderen Seite an. Und meine alte Geschicklichkeit über solchen Sprüngen kommt zurück, mein Körper reagiert oft viel schneller als mein Kopf. Finde ich großartig, ich lasse ihn machen. Fühlt sich toll an! Das Military-Herz schlägt…

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Ein irrer Moment im Gegenlicht…
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Den kleinen Graben sprang er völlig unbekümmert, und dieses Mal ging er auch nach kurzem Zögern in den Teich, ohne dass ich absitzen und vorweg laufen musste.

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Der brave, brave Junge durfte am Hänger frei laufen – ich hatte einfach das Gefühl, dass er bei uns bleibt und überhaupt keine Sorge. Er genoss es sichtlich.

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Nic und Navarre gingen nochmal zu Fuß über das Billard und Dón lief fröhlich mit.

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Dann guckte er sich aus maximal entspannter Position an, wie Navarre rauf und runter sprang. Über das Bild könnte ich mich schlapp lachen, das ist doch zu niedlich!!

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Mir ging echt das Herz auf. Und mir kam eine Idee…
Ich drückte Nic die Kamera in die Hand und bat Dón, mitzukommen.
Und dann echt der Hammer: er sprang frei mit mir mit!

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Was für ein Nachmittag! Die Jungs waren rechtschaffen müde, sahen aber genauso zufrieden aus wie wir. Wir waren pur begeistert. Bald wieder!!
♥ ♥ ♥

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Donnerstag, 15.9.

Die letzten Tage waren einfach zu heiß zum Reiten. Zumindest, da ich Frühschicht hatte und somit erst nachmittags zum Stall kam, und nach ein paar Stunden Weide bei mehr als 30 Grad tat ich meinen Jungs nicht mehr als eine Kuscheleinheit an.

Am Donnerstag hatte ich jedoch wieder Spätschicht und konnte früh in den Stall, und da es ja nur noch wenige Tage bis zum VFD-Turnier in Hohenlockstedt sind, dachte ich, probiere ich mal ein paar Dinge, die ich in der Kür unterbringen könnte.

Dachte ich.
Irgendeine Stute zwinkerte und Dón vergaß wieder völlig, dass er kastriert ist. Er war bis dahin schön gegangen, an die Geschmeidigkeit der Übergänge muss ich mal wieder ein bisschen ran und ich tue mich ja immer schwer, ihn in der Haltung konstanter zu machen, weil ich einfach denke, das kommt mit der Zeit, wenn er in der Oberlinie kräftiger wird.

Nun jedenfalls glotzte er sich von jetzt auf gleich an der Stutenweide fest, ich fasste ihn ein wenig an, er brach über die äußere Schulter weg und fing an zu rennen, ich hielt noch einen Moment gegen und versuchte ihn, zu parieren, kam aber nicht mehr durch, er wurde massiv unhandlich und dann kann er sich sehr unangenehm anfühlen. Dann kann er so in Schräglage geraten und schnell werden, dass ich Angst habe, es zieht ihm die Füße weg.
Tat es nicht, aber ich kam so einfach nicht an ihn ran.
Also ließ ich los, so viel ich loslassen konnte, ohne dass ich sein (bzw. unser) Gleichgewicht in Gefahr brachte. Je mehr ich zum Loslassen kam, um so mehr beruhigte er sich wieder, aber nicht so weit, dass ich reell zum Treiben gekommen wäre. Mit dieser Glotzerei kann er mich echt ärgern. Bringt bloß überhaupt nichts, ihn das in dem Moment merken zu lassen. Mit „hoho bravi bravi“ werde ich dann gar nichts bei ihm, ist auch nicht mein Stil, also habe ich ihn arbeiten lassen. Und siehe da – nach einiger Zeit gerieten die Stuten in Vergessenheit und ich bekam richtig große Trabbewegungen. Die waren echt gut. Großer Trab ist ja noch nicht so seins, aber da kommt gerade was. Ein gewisser Erregungszustand hilft ihm ganz offensichtlich, mehr aus sich rauszugehen. Im Gegensatz zum letzten Mal galoppierte er nur ein einziges Mal ganz kurz an, was sich sofort ausbremsen ließ, ansonsten ließ er den Trab schön raus und blieb gut im Rhythmus. Da ist auf jeden Fall etwas bei ihm angekommen. Und es fängt an, ihm Spaß zu machen, aus sich herauszugehen. Endlich!

Aber nun hätte ich schon gerne demnächst mal wieder einen locker-flockig entspannten Ritt… In der Stimmung möchte ich ihn nicht am Wochenende mit nach Hohenlockstedt nehmen.

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Freitag, 16.9.

Nächster Versuch mit einem locker-flockig harmonischen ruhigen Ritt. Dieses Mal hat’s geklappt 🙂

Obwohl durchaus Ablenkung da war, hat Dón sich schön auf mich konzentriert. Er war zwar mir der einen oder anderen Wimper auf der Stutenweide, hat aber toll mitgemacht und sich auch nicht hochgeschaukelt. Ich durfte später ein paar halbe Tritte anfragen und den Trab ein wenig rauslassen – beides so im Mittelmaß, aber das war toll, weil die Idee erkennbar da war, er sich aber davon nicht hat stressen lassen.

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Mir gefiel auf den Bildern insbesondere, dass mein Vorhaben gelungen war, ihn im Hals länger zu lassen. Zudem war er ruhig im Maul. Das kann er in dieser Form aber auch nur, wenn seine Stimmung dazu passt. Und das tat sie heute. In diese Stimmung muss ich ihn bringen können, wenn er in einer zu aufgekratzten ist. Er wird mir sicher noch oft genug Gelegenheit bieten, genau das zu üben…

Meine Idee, in der Kür das verlangte Rückwärtsrichten in eine Seitwärts-Tour einzubinden, gelang einmal wunderbar flüssig. So muss es allerdings auch gelingen, sonst denkt vermutlich jeder, er hätte sich mitten im Seitwärts entzogen… UPS 🙂

Und da ich gerade so schön mit dem seitlichen Übertreten rumspielte, fiel ihm plötzlich einmal gar nicht auf, dass er nach rechts übertrat. Kann er eigentlich nicht, macht er auch nicht, hatte er in dem Moment aber mal kurz vergessen.

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Zuvor hatte ich mal wieder mit meiner Bügellänge gehadert, wie so oft, und Steffi und Tanja meinte, säße total schief. Ich weiß im Moment nicht, was ich machen soll – wenn der Sattel mittig liegt und ich mich von den beiden so habe hinsetzen lassen, dass ich „gerade“ saß (in der Hüfte), fühlte es sich grauenhaft schief an. Mein linkes Bein hatte ja lange Zeit große Probleme gemacht – das tut es nicht mehr, aber ich habe mir da offenbar eine Ausweichhaltung angewöhnt, für die ich jetzt eine Quittung bekommen könnte. Da frage ich mich natürlich, wie weit das damit zu tun hat, dass Dón nach rechts nicht übertreten mag. Ich tue mich generell mit allen Seitengängen nach links leichter als nach rechts, aber bei Dón ist das schon krass. Obwohl – bei Nacariño ist es nicht so…
Also, mal zusehen, dass ich Termine bekomme bei Sattler und Physiotherapeut…

Das Gefühl ist also eigentlich gerade nicht nach Turnier – zumindest nicht, wenn man gewinnen will, aber da es mir darum nicht geht, fahre ich und wir machen das Beste draus! 🙂

Flamenco lag und Dón stellte sich dazu, das war zu niedlich. Dón machte noch ein sehr schönes Kompliment und durfte dann wieder auf die Weide. Wir waren sehr zufrieden miteinander und kuschelten noch eine Weile. Ach, mein feiner Junge!!

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Samstag, 17.9.

Wir hatten unsere Trail- bzw. GHP-Hindernisse aufgebaut. Es hatte nachts mächtig geregnet und so sahen die Sachen nach kürzester Zeit aus wie Sau, vor allem die Plane war nach einigen Malen rüberreiten dem Erdboden gleich. Dón störte es nicht, auch die Bälle, die Alex ihm vor und zwischen die Beine kickte, kratzten ihn nicht. Er ging auch durch den reichlich in alle Richtungen wehenden Flattervorhang, anfangs zwar mit eingezogenem Hintern und Speed, später (viel später…) konnte ich ihn sogar unter den wehenden Bändern anhalten. Sein Gesicht drückte Ekel aus, aber er war gehorsam.

Das Becher umsetzen gelang mal gut, mal unruhig; die Rückwärtsgasse war super – ich hatte als „Klingel“ eine Kinnkette an den Ständer gebunden, mit der konnten wir klimpern. Da guckte er beim ersten Mal, dann war das kein Thema mehr.

Groß mit ernsthaftem Reiten hatte das alles nichts zu tun heute, musste es aber ja auch nicht, was er jetzt nicht kann lernt er bis morgen auch nicht mehr 🙂
Die verschiedenen Hindernisse nochmal zu sehen war im Zweifel wichtiger, von Routine können wir da ja bei Weitem noch nicht reden. Wir hörten sehr entspannt und zufrieden auf. Auch wenn reiterlich vielleicht gerade nicht der beste Zeitpunkt für eine Kür war, freute ich mich doch sehr auf morgen. Die Jungs würden einiges Neue zu sehen bekommen und wir würden wieder um eine Menge Erfahrungen reicher nach Hause kommen!

Danach setzte ich Kimi noch einmal rauf. Wir hatten in einer meiner typischen Spontan-Aktionen beschlossen, dass sie morgen mit Dón den Führzügel-Trail reiten durfte. Dón würde den Trail dann mit mir schon einmal gesehen haben und ich rechnete nicht damit, dass er irgendwo ernsthaft scheuen würde – schon gar nicht in der zweiten Runde.

Was ich mache, das mache ich ganz, zumindest meistens – und so wurde Kimi ein kleiner Vaquero. Mit echt spanischer Jacke und Hose, ich wollte mich farblich passend ebenso anziehen, Dón natürlich schick iberisch. Wir gingen eine Runde um’s Feld, da ließ ich Kimi einige Male anhalten und wieder anreiten, was immer besser und immer unaufwendiger gelang. Danach ritt sie Dón mehrfach über die (inzwischen abgewaschene) Plane und dann setzte sie noch ein paar Mal den Becher um. Es ging mir immer wieder darum, dass sie ein Gefühl dafür bekommt, wie sie anhalten und anreiten soll, und das mit möglichst feiner und unsichtbarer Einwirkung. Wir trabten noch ein kleines Stück, alles klappte, Kimi strahlte, Dón fand’s ok, und so freuten wir uns alle Drei morgen auf unseren ersten Führzügelwettbewerb!

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Sonntag, 18.9.

Mehr zu meinem Goldjungen beim VFD-Turnier in Hohenlockstedt hier!

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Montag, 19.9.

So sehr ich ihm einen freien Tag gegönnt hätte – da musste er jetzt durch 🙂

Die Kostüme, die wir für kommenden Samstag bestellt haben, kamen mittags, und Ines hatte Zeit, zum Fotografieren zu kommen. Und so warf ich Dón und mich in Schale und wir gingen auf die Wiese. Tanja, Nic und ich haben Kostüme bei Dr. Susann Hennessy geliehen (www.reitkostuemverleih.de) für den „Vogeltag“, aber natürlich wollten wir damit auch „einfach so“ Bilder machen. Das Wetter spielte mit und Dón erst Recht – er zeigte teilweise großartige Bewegungen! Der gestrige Tag hatte ihn keinerlei Kraft gekostet, eher hatte ihn das noch stolzer und größer gemacht und er hatte richtig Lust, zu gehen.
Mit dem langen Rock kam er gut zurecht, das störte ihn überhaupt nicht.
Ines hielt drauf und ihr gelangen ein paar wunderbare Bilder:

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Mir war nicht klar, dass er schon so aussehen kann… 
Schmelz…!!!  

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Samstag, 24.9.

Am Samstag war Klaudia Brommund mit ihren wunderbaren Vögeln bei uns. 
Dieser Tag hat natürlich einen extra Bericht, und der ist hier zu lesen.

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In der Ausgabe 4-2016 (Dez./Jan./Feb.) der Zeitschrift „Pferde im Visier“ erschien ein wunderbarer Artikel über diesen Tag. Zum Vergrößern einfach auf die einzelnen Bilder klicken:

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Donnerstag, 30.9.

Ich ritt auf Trense und fühlte wieder mal meinen „Diesel“ – der schlaksige, wackelige, fast triebige Dón, der dann plötzlich, wenn die Grundspannung irgendwann endlich stimmt, sich so ganz anders anfühlen kann. Mein Fokus lag auf Takt, Takt, Takt, und darüber wollte ich behutsam das Gangmaß verschieben.

Das gelang im Trab nachher für Dóns Verhältnisse echt großartig. Für seine Verhältnisse heißt, dass der Trab ja nun noch nicht so sehr verschiebbar ist – noch keine echte Versammlung, noch keine echte Verstärkung, aber doch schon erste Möglichkeiten in beide Richtungen. Und genau diese fühlten sich nachher richtig gut an. Dón machte hochmotiviert und eifrig mit, wie das ja immer so seine Art ist, wenn er nicht zuuuu abgelenkt ist. Der Shettyhengst auf der Nachbarweide tat zwar sein Bestes, um ihn abzulenken, aber Dón entschied sich doch immer wieder für Mitarbeit. Feiner Junge!

Ich ließ ihn danach noch aus der Schritt-Pirouette angaloppieren, was sich links wieder super anfühlte, rechts fällt ihm das schwerer, die Idee ist aber spürbar bei ihm angekommen und so war er ganz Sturm und Drang, das Richtige zu tun, hier stand ihm aber sein Eifer ein wenig im Weg. Aber ganz klar – eine allererste Idee von Pirouettensprüngen ist da. Ich bin sehr gespannt, was sich da in den nächsten Monaten draus machen lässt!

Wir gingen noch eine höchst zufriedene Hofrunde und dann durfte Dón wieder auf die Weide. Er ging nicht weg, blieb noch eine ganze Weile bei mir und ließ sich an allen möglichen Stellen kratzen. Hochgenuss mit halb geschlossenen Augen und langer Lippe! 🙂

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