Oktober

Sonntag, 2.10.

Heute durfte Dón mit in dieses wunderschöne Feld aus lila/weißen Blüten!
Im letzten Jahr hatte er das schon kennengelernt, und so galoppierte er sehr lässig da durch. Ich ließ dann die Zügel fallen – Hoppla, da drehte er aber auf!
Er wurde sehr buckelfreudig und albern und der Bremsweg wurde etwas länger, aber wir hatten so richtig unseren Spaß.
Als ich hinterher die Fotos durchsah, dachte ich etliche Male (mal wieder), wie schön er doch ist… Wunderbarer Dón!!

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Montag, 10.10.

Am Wochenende war ich in Bückeburg – Samstag zum Seminar „Piaffe & Co.“ und Sonntag genoss ich die exclusive Morgenarbeit.
Wolfgang Krischke zeigte einen fünfjährigen Cartujano an der Hand in den ersten Piaff-Tritten, und dieses Pferd zu sehen half mir enorm für Dón. Die beiden sehen sich ähnlich und Wolfgangs Jungspund war ähnlich unstet in der Anlehnung und hibbelig – Ähnlichkeiten waren unübersehbar.

Und so nahm ich heute als erstes Dón an die Hand und fragte, angefüllt mit frischen inneren Bildern, immer wieder einige wenige Tritte bzw. Ansätze an. 
Und die gelangen so gut wie noch nie!
Da waren super gute Ansätze bei, ich machte genau zwei Runden und nahm ihn dann nach einem dicken Lob wieder mit in den Stall, sattelte und ritt ihn noch.

Und auch das Reiten fühlte sich klasse an, zumal der Spannungsaufbau vorab ihm sehr gut tat. Dón blieb sogar phasenweise relativ stabil im Hals, am schönsten aber war die Grundspannung, die er hatte. Und die spürbare Gehfreude und Lust, mir zuzuhören und das Gewünschte umzusetzen. Schöne Übergänge, und ein sehr gut gehaltener Takt gegen Ende in einem für Dóns Verhältnisse relativ ausdruckssvollem Trab.
Wir hatten wunderbare Momente dabei, ich saß selig ab.

Es tut einfach gut, schönes Reiten und gut gerittene Pferde wieder und wieder zu sehen. Und wir haben so viele Pferde gesehen, sie haben so ungefähr alles in die Halle geholt, was sie im Stall haben und scheuten sich auch nicht, noch nicht gefestigte Dinge vorzustellen und zu zeigen (oder gar das Publikum nach Ideen zu fragen), wie man danach weiter vorgehen kann oder sollte.

Es war ein wunderbares Wochenende und meinen Jungspunden taten die aufgefrischten inneren Bilder kolossal gut. Was für ein herrliches Gefühl heute mit den beiden!
Suchtfaktor!

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Donnerstag, 13.10.

Dienstag hatten die Jungs frei, gestern war ähnlich (gut) wie gestern, zudem sprang Dón ein paar Mal in gute Pirouetten-Ansätze hinein. Er war griffig und temperamentvoll, aber diese Spannung wollte er nicht entladen, indem er z. B. im Galopp unhandlich wurde, sondern er versuchte, genau das mit dieser Grundspannung zu machen, was ich mir wünsche – sie dafür einzusetzen, dass die Bewegungen kraftvoll und leicht werden.
Noch nie hatte er im ausdrucksvolleren Trab so lange den Takt sicher halten können, etliche Übergänge waren wirklich butterweich, der Galopp war immer händelbar mit genügend „Go“, aber eben nicht so unhandlich Sturm und Drang nach vorne, wie er das dann manchmal macht.

Vor dem Reiten hatte ich ihn wieder an der Hand anpiaffiert, nur eine Runde, er reagierte leichter als Montag und es waren einige schöne Tritte mit der richtigen Idee dabei.
Daraus Spanischen Schritt zu machen ist ein Leichtes, den bietet er von selbst an, wenn er ein wenig hochgefahren ist. Das ist an der Hand richtig gut geworden!

Auf jeden Fall tat ihm die Runde an der Hand wieder gut, dadurch bekommt er die Spannung, die ich schon mal nicht mehr unter dem Reiter entwickeln oder gar einfordern muss.

Das Reiten machte wieder den gleichen Spaß – nein, eigentlich war es noch schöner, weil Dón insgesamt lässiger, leichter, und dennoch in so toller Spannung war. Schwärm…!!

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Freitag, 14.10.

Chance auf Fotos! Und so ritt ich heute gar nicht, sondern nahm Dón nur an die Hand in der Hoffnung, mal Bilder zu bekommen, auf denen sein Piaffe-Ansatz zu erkennen ist.
Bekam ich 🙂

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Dón machte toll mit und wurde wieder und wieder gelobt.
Er hatte Spaß und bot natürlich wieder irgendwann Spanischen Schritt an.

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Den so kraftvoll und energiegeladen, dass ich zum ersten Mal ernsthaft Spanischen Trab anfragte. Dón, der ja anfangs so überhaupt gar keine Idee von Spanischem Schritt hatte und sich damit anfangs ungeheuer schwer tat, wurde immer mutiger und ließ sich drauf ein. Ein paar Mal brach er in dem Moment, als er das Bein hob, ab und fiel in den Schritt, aber so richtig zögerlich wurde er nicht, er traute sich immer wieder ran.
Ich lobte und motivierte und lockte und machte ihn frech, und siehe da…:

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Wahnsinn!! Das hatte er so noch nie gewagt. Ich freute mich riesig. Dón wurde immer niedlicher und verspielter und alberner. Hmmm, was noch…? Kompliment!

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Rechts war es das längste, ruhigste und sicherste Kompliment, das er je gemacht hat.
Er braucht zwar immer eine Weile, bis er genug in der Gegend rumgeguckt hat und sich irgendwann endlich bequemt, sich sinken zu lassen, aber wenn er einmal unten ist, bleibt er da auch locker lässig. Das Bild vom Kompliment rechts finde ich großartig…

Ich dachte, kreuzen wir doch mal wieder die Beine.
Ich wurde fast irre – Dón war nur noch albern und schlaksig und witzig und ließ sich ständig auf das Bein fallen, das er eigentlich gerade gar nicht belasten sollte.
Er fiel immer wieder halb um, ich fiel hinterher.
Es dauerte eine ganze Weile, während er nebenbei mit dem Maul überall, aber auch
ü-ber-all war, was es nicht leichter machte!!, aber schließlich standen wir doch mal einen Moment in purer Lässigkeit da rum 🙂

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Da er heute so heiß auf Spanischen Schritt war, dachte ich, probiere ich das doch mal frei.
Noch eine Premiere!

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Ob er wohl auch…?? Ja, macht er auch – frei!

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Und noch eine Premiere – zum ersten Mal lag Dóns Kopf auf meinem Schoß…

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Dann hob er noch von sich aus die Gerte auf.
Gerte ins Maul nehmen oder gar aufheben war ganz lange nicht mehr dran, das sind immer eher solche „Winter-Sachen“, die Zeit geht ja jetzt erst wieder los…
Dòn hat also schon mal die „Spielzeit“ eingeläutet!

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Sonntag, 16.10.

Sorry, ich muss mich wiederholen: wunderbarer Dón…
Und Achtung – jetzt kommen viele, viele Bilder 🙂

Was für ein Tag!! Eine Premiere nach der anderen!
Und auch bei bereits bekannten Dingen ein so tolles Pferd unter mir – hach, schmelz dahin…

Wir trafen uns zur gemeinsamen Morgenarbeit „in schick“, und dabei hätten wir beinahe die fünf „Grundfarben“ auf dem Platz gehabt, aber leider kam Doris mit Fynn (Falbe) etwas später. So aber ergab sich dieses tolle Bild von den schönen Hinterteilen von Schimmel, Braunem, Palomino und Rappen:

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Man sieht es schon – wir hatten Flaggen zur Hand genommen. Dón war zum ersten Mal mit Lilly auf dem Platz und entsprechend abgelenkt, aber auch das muss ja mal gehen. Was steuert ihn denn da bloß, wenn soch kein Testosteron mehr??
Ich sah also anfangs zu, dass wir einen gewissen Abstand zueinander hielten. Aber auch den Jungs, vor allem Navarre, drohte er durchaus Haue an für deren Nähe zu Lilly und bekam für diese seine Drohung eine viel schlimmere von mir.
Also ließ er den Blödsinn nach einiger Zeit.

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Flagge? Laaaaangweilig… 🙂
Nicht ganz so langweilig fand er allerdings, direkt neben Flamenco zu gehen, während sich die Andalusien-Flagge in Tanjas Hand bewegte. Das musste er sich schon genauer ansehen. Durfte er, und schließlich war auch das soweit ok.

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Toll auch dieser Moment – blindes Vertrauen im Quartett!

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Wir legten die Flaggen weg, Nic und ich griffen zur Garrocha. Mit den beiden zu zweit hatten wir noch nicht gemacht (Premiere 1), ist aber schon mal überhaupt kein Thema – wir konnten zeitgleich wenden, mal mit dem Kopf, mal mit der Kruppe unter der Garrocha durch, alles lässig. Boah, das macht schon Spaß!
In zwei Jahren galoppieren wir das alles 🙂

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Bislang fehlten mir von Dón ja noch schöne Garrocha-Bilder „in Klamotte“, irgendwie hatte das nie gepasst (außer einmal im Nieselregen…) – hier nun passte es.
Dón ging so gut wie noch nie an der Garrocha – dynamisch, kraftvoll, total vertrauensvoll. Kein einziges Zögern beim Wenden, egal in welche Richtung. Ich kann die Garrocha zwar im Galopp noch nicht immer abstellen, aber sogar das gelang für einige Momente, vor allem auf der linken Hand. Da war er richtig, richtig gut!

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Geplant war eigentlich, dass Dón heute mal die Bekanntschaft mit einer Señorita auf seiner Kruppe machen sollte – aber Señorita Kimi kam und kam nicht…
Ich fragte also ein wenig Spanischen Schritt an, und Dón war in einer so tollen Stimmung, dass (Premiere 2) zum ersten Mal wirklich flüssige, schöne Spanische Schritte unter dem Reiter entstanden. So gut hatte sich das noch nie angefühlt, er hatte richtig Lust und „Go“!

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Dann fragte ich ein wenig die Verschiebbarkeit im Trab an, ein behutsamer Wechsel aus Versammlung und Verstärkung. Dón nahm alles an und trabte so gut, wie er es im Moment kann, mit der noch relativ neuen Grundspannung, die er seit kurzem so deutlich besser halten kann. Zum ersten Mal einhändig blank, was überhaupt keine Einschränkung bedeutete; Dón hielt den Takt, hörte genau zu und war kraftvoll, bemüht und eifrig.

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Ich grinste nur noch. Wer so toll mitmacht, darf natürlich auch galoppieren!

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Damit wäre beinahe Schluss gewesen, aber da kam sie – meine Señorita!
Kimi zog sich schnell um, ich legte die Grupera auf und los ging es – Premiere 3!
Erst setzte ich Kimi auf die Kruppe und führte Dón behutsam eine Runde, damit er mit dem Gefühl vertraut werden konnte – das war vollkommen unproblematisch.
Ich setzte mich dazu und bat Kimi, ihn behutsam mit den Beinen zu berühren, mal zu wischen, mal ein wenig zu klopfen, eben alles, was passieren könnte, wenn er eine unvorhergesehe Bewegung macht. Ich wollte ihn, der sich bei Bewegungen von oben ja doch immer noch sehr erschrecken kann, nicht verunsichern. Kimi sollte natürlich nicht in Gefahr geraten und Dón sollte auf keinen Fall Angst bekommen.
Bekam er nicht – er fand das alles interessant und keineswegs beunruhigend.

Die erste Schrittrunde fühlte sich witzigerweise an wie auf einem gerade eben angerittenen Pferd – Dón ging ganz vorsichtig, suchend, tastend.
Wir lobten und motivierten und machten ihn mutig, er machte brav mit, war ganz aufmerksam.
Dann bat ich ihn, anzutraben. Die ersten Tritte waren ganz vorsichtig, und dann auf einmal hatte er’s. Das Gleichgewicht stimmte, Kimi passte sich ganz geschmeidig an, Dón wurde mutig und danach war der Schritt völlig normal.
Ich durfte Schritt und Trab wechseln, alles war gut, Dón wechselte butterweich die Gangarten. Kimi meinte, Trab sei bequemer als Schritt.

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Wir grinsten im Kreis. Dón fühlte sich wohl. Ich fragte Kimi, ob wir ein Galöppchen wagen wollten? Wollten wir. Ich trabte auf dem Zirkel, gab eine behutsame Galopphilfe, Dón sprang ungeheuer weich an und nach fünfzehn Metern meinte Kimi lachend „Ich habe gar nicht gemerkt, dass er schon galoppiert!“

Es war einfach nur gigantisch. Einmal erschrak Dón kurz und machte einen zügigeren Sprung, das war aber auch alles. Ansonsten war er bestens zu händeln und absolut gehorsam und vertrauensvoll. So einfach hätte ich mir das nicht vorgestellt!

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Hammer. Großartig!!
Dón wurde reichlich gelobt und ich dachte, während ich so Tanja zusah, die gerade Flamenco an der Hand steigen ließ, da ist vielleicht noch eine Premiere drin…?
Von mir gewollt unter dem Reiter gestiegen war er noch nicht, bislang fehlte ihm der Mut, meine Hilfe von oben dafür anzunehmen. Er war „so“ bisher zwei, drei Mal ein wenig hochgekommen, als die Spannung zu groß wurde, das hatte ich mal ignoriert, mal gelobt, aber abrufen konnte ich es bislang noch nicht. Mit Hilfe von unten sollte es eigentlich gehen, da er seit einiger Zeit von unten so absolut sicher und lässig steigt.

Ich bat Tanja, Dón zum Steigen zu animieren, dabei aber genau aufzupassen, dass er keine Angst bekommt. Das Maß zwischen Steigen-anfordern und ihn erschrecken ist manchmal sehr gering. Aber Dón hatte heute wirklich einen „alles-geht-Tag“. Er war in einer so tollen Stimmung und einfach zu allem bereit.

Tanja tastete sich behutsam an die Hilfe ran, die er brauchte und fragte erst einmal die Vorderbeine einzeln an. Dón machte mit, war noch ein wenig hin und hergerissen, ihren bereits spürbaren Wunsch zu erfüllen oder doch lieber zu glauben, dass man das unter dem Reiter doch gar nicht darf…? Woher hat er das nur? Bei mir dürfen sie das…
Obwohl – wer weiß, vielleicht ist er in seiner kurzen Anreitephase, bevor ich ihn kaufte, ja mal gestiegen. Vom Temperament her mehr als möglich und gut vorstellbar, vielleicht hat er da ja mal eine Ansage bekommen. Und die war dann bestimmt nicht pro Steigen. Das würde erklären, warum er sich dabei anfühlt, als hätte er damit schon mal was erlebt.

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Nun ließ er sich aber drauf ein und kurze Zeit später traute er sich, abzuheben.

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„War das richtig?? War ich gut???“
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Ja, großer Junge, richtig!!! Du darfst!!
Ich bekam ein großartiges Steigen, was sich ganz sicher und völlig im Gleichgewicht anfühlte. Er wusste genau, was er da tat. Geil!!

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Genug der Premieren… Ich sprang ab und kuschelte mein wunderbares Pferd.
Er durfte sich natürlich hinlegen und ich hoffte, ihn noch einen Augenblick daran hindern zu können, sofort eine Rolle zu machen – für zehn Sekunden ließ er sich darauf ein.
Dann aber Rolle hin, Rolle her, Wonnewälzen pur!

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War das schön…!!!
Ich grinste im Kreis und machte völlig beseelt die Mähne auf, bürstete Dón ein wenig über und knutschte ihn immer wieder. Er war immer noch in dieser tollen Stimmung und machte seinem Namen alle Ehre – zärtlich.

Er hatte Fynn, den er im April kennengelernt und bislang nur an diesem einen Tag gesehen hatte, sofort wiedererkannt und ihm mehrfach entgegen gebrummelt. Ich machte mir also überhaupt keine Sorge, die beiden sofort zusammen zu lassen und sie fingen auch direkt an, zu spielen. Die mögen sich wirklich, das ist einfach zu süß!

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Ich bin so, so dankbar dafür, ausgerechnet dieses Pferd gefunden zu haben, als ich suchte.
Er ist einfach perfekt für mich. Er ist großartig.
Ich hatte phasenweise Angst, dass Nacariño ihn „gefühlsmäßig überholt“, als er trotz all‘ der Schwierigkeiten, die er mitbringt (mitgebracht hat), sich so ungeheuerlich entwickelte, während Dón gerade in so einem „Entwicklungs-Stillstand“ festzustecken schien.
Dón mit seiner Schlaksigkeit, seinen Schwierigkeiten, sich in Grundspannung zu bewegen und diese zu halten, wirkte so viel jünger, so viel „loser“, seine Angst bzw. sein gerne sehr vorherrschender Fluchtinstinkt – ach, schwierig zu erklären, einfach so ganz anders als Nacariño logischerweise (ein Glück…), der eine ganz andere Arbeit, eine ganz andere Form der Zuwendung braucht(e).

Und dann macht Dón auf einmal so richtig einen auf großer Macker, lernt plötzlich, mit Spannung anders umzugehen, wird Herdenchef (was den anderen Herdenmitgliedern nicht immer gut tut, aber ihm allemal), wird auf einmal ein großes, stolzes Pferd, kriegt Form, kriegt (positive) Ideen, bringt sich ein, wird mutiger – und bei all‘ dem bleibt er aber der Zärtliche, der Wunderschöne, der so schön zu reitende, und auf einmal setzt er den Blinker und ist wieder auf der Überholspur und will nichts davon wissen, hinter Nacariño zurückzubleiben. Sie sollen gar nicht voreinander sein, ich liebe ihre Verschiedenheit, sie sollen nebeneinander stehen und jeder für sich mit seinen persönlichen, individuellen „Positivmerkmalen“ um sich werfen. Und genau das tun sie jetzt gerade und es ist einfach nur toll.

So viele tolle Pferde auf der Welt, und ausgerechnet ich habe die tollsten 🙂 
(Ich wünsche jedem Pferd, dass sein Besitzer das sagt. Dann ist für alle alles richtig…)

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Samstag, 31.10.

Dón war natürlich beim letzten Themen-Tag des Jahres dabei!

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