November

Freitag, 4.11.

Der Bericht zu diesem Tag ist bei Nacariño zu lesen – ich war mit Handpferd unterwegs!

er Beri.

Montag, 7.11.

Das war ein super schöner Nachmittag im Stall. Es war fies kalt, aber die Sonne kam zwischendurch mal durch. Die Pferde freuten sich fürchterlich, mich zu sehen und taten, als sei ich drei Wochen lang weg gewesen. Das war echt süß…

Mit einigen schönen Eindrücken aus Bückeburg bekam ich  von Dón an der Hand zwar viele sehr „bodennahe“ Piaff-Tritte, aber die richtige Idee dazu ist zweifellos da. Nach nur einer einzigen Runde an der Hand saß ich auf und wollte einiges von dem, was wir am Samstag über „Seitengänge“ gehört hatte, umsetzen. Ich bekam zwar im Schritt so etwas ähnliches wie eine Traversale auf der rechten Hand, aber nicht alles war umsetzbar und führte zu dem gewünschten Gefühl. 

Richtig klasse allerdings war der Moment im Linksgalopp, ich fragte nach einer Travers-Idee und verstärkte die, so weit Dón es zuließ, dann ließ er erkennen, dass ihn das anstrengte, ich verstärkte noch einmal ganz kurz und entließ ihn einfach so auf die rechte Hand. Und er machte genau das, worauf ich so gehofft hatte – er sprang den ersten Wechsel nach rechts! Das war der tollste Moment dieses Rittes und ich sprang direkt runter. Dón hatte den fliegenden Wechsel an sich nicht wirklich wahrgenommen – schade, aber auf einen ersten Wechsel folgt irgendwann ein zweiter und ein dritter, und irgendeinen wird er dann schon wahrnehmen 🙂

Dón war ungeheuer witzig und kuschelig und hochmotiviert. Dennoch – ich möchte diesen Winter mal ein wenig anders gestalten. Noch ist keines meiner Pferde eingedeckt und alle haben gutes Fell entwickelt. Ich war ja durchaus ein bekennender Fan des Eindeckens. Ich lege keinen Sattel auf einen nassen Rücken und ich möchte sie nicht unserem eisigen Wind aussetzen, wenn es dabei auch noch regnet. Und das tut es hier nun einmal oft.

Dennoch wage ich jetzt mal mit den beiden Jungspunden den „Selbstversuch“, nicht einzudecken. Noch sind die Temperaturen ganz kanpp im Plus, nachts allerdings haben wir durchaus schon Frost. Die Pferde fühlen sich dennoch nie kalt an und fühlen sich sichtlich wohl. Ich will sie jetzt nicht mehr ins Schwitzen bringen, aber sie schwitzen bei mir ja auch im Sommer eher selten. Ich bin also gespannt, wie sich das diesen Winter entwickelt und welche Meinung zum Eindecken ich im nächsten Frühjahr habe!

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Mittwoch, 9.11.

Endlich war der Termin beim Sattler und der Physiotherapeutin!
Diese machte gar nicht viel, stellte einige Fragen, fühlte die Muskelpartien durch, fand so gar nichts besorgniserregendes und vor allem auch keine Schmerzpunkte (wobei ich damit auch nicht gerechnet hattet), und meinte, er sei sehr „weich“ und noch sehr in der Entwicklung stehend. Wohl wahr. Ich erzählte ihr, dass ich dieses Schlaksige langsam in eine gewisse Grundspannung umwandeln kann – mal mehr, mal weniger – und dass ich ihm diese Beweglichkeit aber unbedingt erhalten wollte und weiterhin will. Das fand sie gut und sie merkte ihm auch an, dass er überall frei beweglich ist, da sind keine Verspannungen oder Blockierungen.
Zudem erzählte ich ihr, dass Dón sich mit allen Seitengängen in Stellung und Biegung nach rechts schwer tut und Nic und Tanja ja nun schon wiederholt festgestellt hatten, dass ich manchmal extrem schief auf ihm sitze (was auf Fotos kaum nachvollziehbar ist, obwohl wir es mal ganz bewusst fotografiert haben) und Dóns linke Kruppenseite deutlich flacher ist als die rechte. Ich fand das noch nicht weiter problematisch, aber auf jeden Fall sollte da natürlich mal jemand draufgucken. Das tat sie dann auch.
Mein linkes Bein hatte mir ja 2014 so massive Probleme gemacht, die ich 2015 so weit in den Griff bekommen habe, aber mein Sitz hat sich dadurch sicher schon verändert – insbesondere meine Bügellänge. Ich kriege kaum noch gefühlt gleich lange Bügel hin, es fühlt sich immer nicht richtig an, wenn es sich denn dann doch mal gut anfühlt, sind es tatsächlich manchmal zwei Löcher Unterschied! Dass das einem jungen Pferd nicht gut tun kann, auch wenn ich vieles noch so geschickt ausgleichen kann, ist klar.

Und so gab es ja nun für diesen Termin Gründe genug. Ich packte die Sättel ein (wohl dem, der mehrere hat…), die ich am liebsten für Dón dauerhaft nutzen würde und zeigte dem Sattler meinen Favoriten zuerst. Dieser Sattel wurde hochgelobt und tatsächlich sofort vor Ort um zwei Kammerweiten enger gemacht (es war einer von Joya, der ja das breiteste Pferd war, was ich bislang hatte). Darüber war ich super glücklich!

Ebenso über die Aussagen der Physiotherapeutin, die meinte, ich solle so weitermachen und in Ruhe hinten links stärken über genau die Dinge, die ich schon tue – Schulterherein, Travers und Traversale links und hinten links generell gut winkeln lassen. Nebenbei ein wenig üben, ihn nach rechts übertreten zu lassen mit wenig Biegung und in kurzen Reprisen. Sie sah keine Veranlassung für eine umfangreichere Behandlung.

Wow, großartig – Lieblings-Sattel angepasst und so eine rundum positive Beurteilung von der Physiotherapeutin! Ich freute mich nun so auf den nächsten Ritt, aber heute und morgen war dafür leider keine Zeit.

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Freitag, 11.11.

Heute aber!
Der Sattel hatte sich immer beim Reiten noch mehr gesetzt, und leider kam er auch jetzt mit zwei Kammerweiten weniger nach einiger Zeit der Wirbelsäule sehr nahe. Zudem ließ er mich durch die nun veränderte Passform nach vorne kippen. Irgendwie war das Sitzgefühl nicht mehr das von vorher und so richtig passte das alles nicht.
Och Mann!!

Ich ritt also nicht lange, Dón war sehr schlaksig und unter Strom, kaute (zu) viel und fühlte sich sichtlich nicht so ganz wohl. Ich sorgte für ein paar schöne Übergänge und ließ es damit für heute gut sein.

Ich war zwar ein wenig enttäuscht, aber nicht mehr ganz so sehr, als ich merkte, dass der Sattel nach der Anpassung großartig auf Nacariño liegt! Der hat einen, der mich ein wenig „hinsetzt“, im Zweifel auch viel nötiger, also ist das nun seiner und für Dón lasse ich dann einen meiner anderen anpassen. Der County geht ja auch so, wie er jetzt ist, also ist das gerade nichts, was man problematisieren müsste.

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Samstag, 12.11.

Traumhaft schönes Winterwetter… Alles voller Rauhreif, zwar ar…kalt und leider auch relativ glatt auf den Straßen, aber richtig Winterwonderland war es dann, als die Sonne durchkam.

Und so hatten wir einen wunderschönen Vormittag im Stall, den Dón perfekt machte.
Er fing gar nicht sooo gut an, war mir im Hals zu kurz, nahm meine Bitte nach Grundspannung viel zu sehr an, machte sich eng, war unter Strom, machte auch mal einen enormen Satz und glotzte sich an allem möglichem fest, und als dann auch noch die Nachbarn, die er nun lange nicht mehr gesehen hatten, sich im Garten bewegten, haute er mehrfach relativ energisch ab. Ich brachte ihn nicht minder energisch zur Räson.

Und dann passte plötzlich alles. Die Grundspannung stimmte, er ließ sich mehr los und auf mich ein, hörte mit der Glotzerei auf, spielte mit, und es wurde einfach nur toll.

Ich ließ ihn auf der linken Hand aus der Schritt-Pirouette angaloppieren und er hielt nachher etliche traversartige Sprünge auf kleinem Zirkel lässig durch. Total toll!
Rechts nicht ganz so gut, klar, aber auch hier bekam ich fast eine ganze Runde eines ziemlich kleinen Zirkels mit sehr gesetzten Sprüngen in einem tollen Rhythmus.

Ich hatte mich gerade ein wenig mit Nic unterhalten und meinte, Dón wird mein Galopp-Pferd (Pirouetten und fliegende Wechsel) und Nacariño mein Trab-Pferd (Piaffe und Passage). Wir ritten nebeneinander her und ich setzte die Schnalzer für verkürzte Tritte und tatsächlich reagierte Navarre mit und auf einmal hörten beide Pferde nur noch auf meine Schnalzer, wir mussten gefühlt nichts mehr tun, sie tanzten einen Moment in versammelten Tritten nebeneinander her. Tolles Gefühl!!

Aber da er ja nun mein Galopp-Pferd wird 🙂 hatte ich noch einen fliegenden Wechsel im Kopf. Den wollte ich aber nicht so reiten, dass er damit rechnet und heiß wird, sondern so, dass ich von der rechten Hand aus der Ecke kehrt reite und ihn an der langen Seite aus ein paar Sprüngen Außengalopp in den Linksgalopp umspringen lasse.
Ich bereitete das mental vor, er galoppierte fantastisch aus dem Schritt an, aber die nächste Ecke passte nicht, da kam er durch den etwas vereisten Boden aus dem Rhythmus. Macht nichts.
Neues Angaloppieren, nächste Ecke passte auch nicht, da war Nic gerade. Und während ich noch so gucke und abschätze, wo es denn nun passen könnte mit einem aus-der-Ecke-kehrt, sprang er um. Einfach so. An der langen Seite auf der rechten Hand sprang er einfach so in den Linksgalopp – was ja nun Außengalopp war und damit etwas, was ich überhaupt noch nicht forciert habe. Und er blieb vollkommen ruhig dabei. Ich parierte völlig verblüfft durch und lobte ihn wie verrückt. Hammer!

Ich bat ihn, das nochmal zu machen und versprach ihm, mich auch rauszuhalten 🙂
Ich galoppierte wieder rechts an, musste an der langen Seite Nic ausweichen, was die Form einer sehr kleinen Schlangenlinie ergab, und direkt neben ihr sprang Dón – wiederum ohne mein Zutun – einfach so zwei Einerwechsel.
Gefühlt würde ich sagen, er ist hinten vermutlich nicht mitgesprungen, aber das war mir in dem Moment jawohl sowas von egal!! Wieder war er vollkommen ruhig geblieben dabei.

Ich schnappte nach Luft, kriegte einen Kicher-Flash, sprang direkt runter und fiel ihm um den Hals.
Ich glaube nicht, dass er weiß, was er da getan hat, aber man sollte öfter mal in der Gegenwart des Pferdes über die Pläne für später reden!
🙂 

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Dienstag, 15.11.

Eine erneute Handpferde-Runde im Gelände, dieses Mal war Nacariño auf Trense gezäumt. Das wirkte Wunder – es war eine traumhaft schöne Runde. Anfangs waren beide Pferde reichlich knackig kernig, Dón war und blieb extrem glotzig (kann er nicht gut gucken manchmal? Braucht er eine Brille? Warum macht er das manchmal – und manchmal gar nicht??), aber ich konnte mit beiden nebeneinander so leicht und lässig galoppieren, dass es die pure Wonne war.

Wir kamen total zufrieden nach Hause. Das hatte so richtig Spaß gemacht!

Ich hatte allerdings ein paar Mal unter den Sattel gefasst und finde, dass der der Wirbelsäule ebenfalls zu nahe kommt. Dón beschwert sich nicht, aber so weit möchte ich es auch nicht kommen lassen. Beide Sättel sind also im Moment keine echte Lösung.
Na, dann gehe ich doch mal wieder auf die Suche – ich kaufe doch so gerne gebrauchte Sättel! Es stehen damit aber auch mal wieder welche zum Verkauf, vielleicht sollte ich mich mal an die Reihenfolge halten? Erst verkaufen, dann neu kaufen? Na, mal sehen, was sich zuerst ergibt 🙂

Zumindest scheint sich Dóns Rücken derzeit ein wenig zu entwickeln. Das an sich ist ja toll, aber der Widerrist prägt sich offenbar etwas mehr aus. Leider in die Höhe… 🙂

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Sonntag, 20.11.

Wir ritten zu viert zur Halle. Es fing ein bisschen an, zu stürmen und es war kalt, aber so lang ist der Weg ja nicht. Ich ärgerte mich schon, keine Handschuhe mitgenommen zu haben, aber es war aushaltbar. Dón zog sich ziemlich daran hoch, dass Lilly dabei war (nebst Navarre und Flamenco), die musste er schon sehr im Auge behalten. Vorteil daran war allerdings, dass er keine Zeit zum Glotzen hatte. Er entspannte sich sehr schön auf dem Weg.

In der Halle waren unsere Pferde ziemlich gut drauf, die Kälte und der aufziehende Sturm machten sie alle ziemlich grell, die waren echt griffig! Ich saß erstmal ab und fotografierte die anderen, während Dón intensiv versuchte, mich dabei zu stören 🙂

Als ich wieder aufsaß war er echt grell. Er hat da ein paar Sätze abgeschossen und ist ein paar Mal so richtig kraftvoll losgesprungen, das habe ich lange nicht mehr erlebt. Es war super zu sitzen, er nimmt mich viel mehr mit als bei früheren Bucklern und Wegrenn-Momenten, und so fand ich es nur witzig und lachte und alberte mit ihm herum.

Nach kurzer Zeit ließ er sich los und ich bekam ein paar sehr schöne Trabmomente. Ich sagte „Groß traben! Komm, groß traben!“ und er trabte etliche Meter mit ganz freier Schulter und toll im Rhythmus.

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Der Galopp war anfangs sehr kernig, später schön, und so ergab es sich plötzlich, dass mir auf der rechten Hand einfiel, dass er ja mal einen fliegenden Wechsel in den Außengalopp gesprungen war. Das wollte ich nun einmal direkt anfragen. Und was soll ich sagen – er sprang drei Mal mit einer ungeheuren Lässigkeit an der langen Seite vom Rechts- in den Linksgalopp um! Ich freute mich wie verrückt und ließ es damit dann auch gut sein.

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Wir hörten schon den Regen auf dem Hallendach, und auf dem Heimweg bekamen wir eine ganz schöne Ladung ab. Aber irgendwie war das witzig, das hatte echt was – wir trabten einen Kilometer durch bis zum Stall, die Pferde boten den Trab an, ohne uns weglaufen zu wollen. Der Regen wurde stärker und es war kalt und so kamen wir reichlich kalten Händen und Oberschenkeln nach Hause. Unterwegs freuten wir uns aber immer wieder über unsere tollen Pferde, wir alle hatten schöne Momente erlebt.

Nun war ich gespannt, wie schnell Dón wohl trocknen würde. Und wieder wurde ich in meinem „Versuch“, diesen Winter mal nicht einzudecken, bestärkt: so trocken wäre Dón, als wir nach Apfelpunsch und Kuchen wieder in den Stall gingen und ich ihn überbürstete, mit Abschwitzdecke nicht gewesen! Blöd werden die Momente, wenn sie mit nassem Dreck bedeckt sind, und wir wissen ja, dass wir hier im Zweifel mehr Regen als Schnee haben. Also mal abwarten, wie es noch wird, aber im Moment fühlt sich das nicht-eindecken absolut gut und richtig an.

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Montag, 21.11.

Mich erwarteten zwei frisch schlammpanierte Schimmel. Ich bürstete den gröbsten Dreck runter und ging erst einmal mit Fàscino und Lilly eine Handpferde-Runde ins Gelände.
Wieder im Stall waren – wie erhofft – die Jungspunde so weit abgetrocknet, dass ich sie relativ gut putzen konnte. Sie sahen danach nicht viel sauberer aus, ich dafür enorm dreckig. Das hielt sich irgendwie nicht die Waage…

Dón zeigte beim Satteln ziemlich deutlich, dass ihm etwas nicht passte. Das war neu. Das war der Sattel, den ich auch gestern genutzt hatte, ein ihm optisch etwas zu langer, dafür aber an Widerrist und Wirbelsäule gut passender KenTaur. Ich hatte mich gestern schon einen Moment gefragt, ob ein paar seiner enormen Sätze mit dem Sattel zusammen hingen, er hatte sich nachher aber so gut losgelassen, dass ich den Gedanken nicht weiter verfolgte.
Die Reaktion auf diesen Sattel nun gab mir allerdings sehr zu denken. Er drehte sich zu mir um, wand sich ein wenig, war unruhig und reagierte sichtbar, als ich unter dem Sattel den Rücken abdrückte.
Ok, das geht also nicht. Und nun? Wohl dem, der Auswahl hat – der Portuguesa ist ja auch noch da! Den holte ich und Dón atmete sichtlich auf. Hier war das Satteln kein Thema. Dón zeigt sowas also durchaus an, muss ich gut drauf achten.

Allerdings rechnete er beim Aufsitzen vielleicht doch mit einem anderen Gefühl – er sprang richtig los. Das ist bei den hohen und engen Galerien des Portuguesas überhaupt nicht witzig, und ich hatte ja auch noch Nacariño an der Hand, der zum Glück brav auswich.
Das ging so gar nicht. Dieses verdammte Thema Aufsitzen! Wie lange verfolgt uns das eigentlich noch? Was ist da bloß mit ihm passiert in der kurzen Zeit vor mir, dass das dermaßen in ihm drin hängt?? Armer Junge…
Ich wartete einen Moment, bis er sich beruhigt hatte und stehen konnte und saß wieder ab. Alles von vorne, Ruhe, warten, langsam – und dieses Mal war das Aufsitzen ok, nun wusste er, welches Sattelgefühl kommt und alles war ok.

Meine ganze Hoffnung ruht nun auf einem gebrauchten George & Henry, den ich in ebay Kleinanzeigen entdeckt habe. Daumen drücken, dass er passt oder passend zu machen ist!

Endlich kamen wir vom Hof, es nieselte inzwischen vor sich hin – pffff, was soll’s.
Dón ritt ich einhändig blank, er glotzte wieder kreuz und quer in der Gegend rum, ließ sich zwischendurch aber auch mal darauf ein, auf einen feinen Druck der Kandare nachzugeben. Der Druck war dann sofort weg, er kam wieder hoch, der Druck kam wieder, er gab wieder nach – damit beschäftigten wir uns eine ganze Weile.

Noch nie war mir der Altersunterschied so bewusst geworden – Fàsci und Lilly zwar wach und frisch und gehfreudig, aber ungeheuer gehorsam. Das Jungvolk sprudelte nur so vor Energie und wusste kaum, wohin mit sich.
Wir trabten ein ganzes Stück und ich war heiß auf Galopp. Nacariño auch 🙂

Ich trabte vernunftbetont erst einmal den Weg hoch und ließ die beiden erst gegen Ende angaloppieren, das gelang dann völlig problemlos. Ebenso das Durchparieren auf Pfiff.
Ich lobte ganz doll, beide bekamen ein Leckerlie, wir gingen ein bisschen Schritt und trabten nochmal auf Asphalt, und dann gingen wir wieder auf den Weg. 

Und das wurde jetzt so toll, dass ich diesen Weg vier Mal hin und her ritt und sie galoppieren ließ. Nacariño fing auf einmal an zu bocken, keilte neben Dón in die Luft, machte drei Sprünge hintereinander mit wildem Ausschlagen. Dón war super zu händeln, ganz leicht an der Hand (alle beide), ich durfte beschleunigen und einfangen wie ich wollte, es war einfach nur toll. So sind die beiden noch nie zusammen galoppiert!
Das war einfach nur toll! Nee, wat schön!!

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Mittwoch, 23.11.

Ich nutzte, wie auch im letzten Winter, mal wieder den Asphaltweg, der außen am Hof entlang führt. Ca. 70 Meter mit einer leichten Steigung reichten mir für eine Viertelstunde Arbeit an der Hand. 
Dón war ziemlich grell, schon im ersten Schulterherein war er in Lauerstellung, vor allem aber, als ich die ersten versammelten Tritte anfragte. Er machte großartig mit, schlug mir nach jedem Lob aber ganz schon den Kopf um die Ohren vor lauter Bewegungsdrang.

Er war viel besser zu händeln als noch im letzten Winter, das fiel mir hier so richtig auf, weil auf einmal Erinnerungen an Momente auf diesem Weg hochkamen. Auf dem Platz war und wäre mir das nicht so aufgefallen, aber hier wurde deutlich, wie viel feiner, leichter und gehorsamer er an der Hand – was ja bekennend nicht seins ist – geworden ist.
Klar hatte ich über den Sommer gemerkt, dass sich hier viel getan hat (ich mache es ja ohnehin selten), aber jetzt ließ sich Dón einfach toll darauf ein.

Er zeigte schöne Piaffe-Ansätze, wie immer allerdings sehr „bodennah“. Ich brachte also mal die Hinterbeine in Bewegung und fokussierte dann aber die Vorderbeine: „Vorne hoch. Heb vorne an. Vorne!“ Ein, zwei Mal hob Dón ein Vorderbein mehr an, verstand das Lob daraufhin aber noch nicht so Recht. Ich ließ ihn immer nur wenige Tritte machen und sah zu, dass ich ihn beim ersten deutlicheren Anheben eines Vorderbeines mit einem großen Lob rausnahm. Er setzte dann natürlich irgendwann zum Abheben an, was ich genau so lobte, danach bat ich dann um „Vorne abwechselnd heben. Immer nur ein Bein. Vorne hoch. Einzeln“. Und damit bekam zwei, drei der besten Tritte, die er bislang überhaupt gezeigt hat. Nicht hintereinander, sondern hier mal einer, da mal einer, aber immerhin! Inzwischen war Dón extrem aufgeladen und ganz schön mit dem Kopf in Bewegung, wenn ich die Bewegung der Beine stoppte, aber ohne diese erhöhte Grundspannung komme ich (noch) an die Tritte nicht ran. Ist er allerdings erstmal in dieser positiven Spannung, macht er wirklich tolle Ansätze.

Ich fragte nach Spanischem Schritt und er ließ echt die Beine fliegen. Wilde Begeisterung seinerseits, die ich natürlich, wenn schon so viel Energie da ist, gleich in eine Idee von Spanischem Trab umlenkte. Und auch da bekam ich ein paar gute Ansätze, allerdings alles noch sehr unrhythmisch und wenig bestimmbar, dafür aber mit um so mehr Eifer 🙂

Wir hörten sehr verspielt und albern auf. Das war kurz und knackig und hatte Spaß gemacht!

Als ich zur Arbeit losfuhr, sah ich unseren Postwagen – und siehe da, er hatte den Sattel an Bord! Morgen ausprobieren!!

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Donnerstag, 24.11.

Meine Güte, ist dieser Sattel kurz! Toll! Er sieht zwar eigentlich ganz schön schlimm aus, reichlich zerkratzt, ungepflegt und ein paar happige Macken – aber er passt!

Trotzdem er extrem kurz ist, engt er mich überhaupt nicht ein und bietet das typisch angenehme George & Henry Sitzgefühl. Dón bewegte sich sofort gut unter diesem Sattel, also ist das nun sein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Freu!!

Ich machte nichts Großartiges, wollte ihm einfach nur ein gutes Gefühl mit dem Sattel geben. Was mich begeisterte – ich habe doch vor einigen Wochen mal geschrieben, dass ich teilweise ein extremes Problem damit habe, mit gleich langen Bügeln zu reiten. Nach den Ausfallerscheinungen meines linken Beines hat sich da offenbar in meiner ganzen Haltung einiges geändert, so dass ich kaum noch ein angenehmes Bügelmaß finde – und wenn es angenehm ist, sind das in der Regel ein bis zwei Löcher Unterschied… Was mich also nun begeisterte: das ist der erste Sattel, in dem ich mich mit gleich langen Bügeln wohl fühlte! Und die fühlten sich auch gleich lang an!
Ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk für uns beide!
Vielleicht wird so ein Zustand ja auch überbewertet 🙂

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Freitag, 25.11.

Heute kam Ines zum Thermografieren. Sehr spannend!
Dafür mussten die Jungs sauber sein, weil bis zwei Stunden vorher nicht mehr groß geputzt werden darf, um die Durchblutung nicht anzuregen und die Bilder damit zu verfälschen. Sauber geblieben waren sie, die Guten.

Bei Dón war ich natürlich auf Rücken und Sattellage gespannt. Ines thermografierte das Komplettpaket – erst alles am „kalten“ Pferd, dann ritt ich eine gute halbe Stunde.
Dón wurde wärmer als sonst normalerweise, was zum Einen für diese Bilder ja auch gut war, zum Anderen war es aber auch – nach anfänglicher ziemlicher Schlaksigkeit – einer dieser Tage, an denen er süchtig macht. Er ging nachher phasenweise so unglaublich gut!

Ines sah zu und konnte mir ihren Eindruck von außen schildern und wieder einmal wurde deutlich, dass bei Dón zwischen meinem Gefühl und der Wahrnehmung durch Außenstehende (oder vielmehr unten-stehende) Welten liegen können.

Er bot nachher wieder fliegende Wechsel an der langen Seite in den Außengalopp an, der dritte war unfassbar lässig. Er sprang links schöne Pirouettenansätze (ein, zwei Sprünge mit der richtigen Idee), rechts wollte er mir das so richtig vorwegnehmen und sprang überaus lustig los. Der Trab ließ sich nachher einmal sehr schön spannen über eine relativ lange Strecke (30, 40 Meter am Stück, dann ein kleiner Spannungsverlust, dann wieder neu), und als ich dann auch noch die Gerte am Vorderbein anlegte, bekam ich zum ersten Mal einen deutlich spürbaren Mix aus einem Tritt Passage / Spanischer Trab. So richtig federnd und schwingend. Ich lobte und motivierte und reizte und lobte und konnte nicht aufhören. Dón war Feuer und Flamme und machte großartig mit.
Als ich allerdings wagte, einen Hauch von Piaffe anzufragen, schaltete er geistig auf die Dynamik von gestern um und machte ganz schöne Sätze unter mir. Hoppla! Das verwarf ich also wieder zugunsten schöner Trabbewegungen.

Ich hörte strahlend auf, Dón war zu Recht extrem zufrieden mit sich.
Wir machten die Aufnahmen vom warmem Pferd und dann durfte Dón raus.

Nachmittags kam meine Tierärztin zum Impfen, Samstag hatte Dón frei.
Beim Impfen war er wieder einfach großartig – ohne Halfter, sein Kopf lag auf meiner Schulter, er zuckte nicht einmal. Ich bin mit Spritzen zugegeben keineswegs so tapfer!!

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Sonntag, 27.11.

Ich brütete eine Erkältung aus und fragte mich, ob Dón mich spiegelte oder ob er auf die Impfung reagierte. Er war sehr ruhig, „zitterig“ wäre jetzt übertrieben, aber fast. Jedenfalls erschreckte mich das ein wenig. War ich so platt und ging er darauf ein? Oder belastete ihn die Impfung so? Darauf muss ich beim nächsten Mal unbedingt achten. Das wäre nicht schön. 

Und so daddelten wir ein wenig rum, genossen die Sonne, chillten vor uns hin, mit ernsthaftem Reiten hatte das nichts zu tun, musste es aber mit beiderseitigem Einverständnis auch gar nicht.

Danach lag ich dann tatsächlich einige Tage flach – der jahreszeitlich typische Virus hatte auch mich erwischt.

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