Dezember

Freitag, 2.12.

Die Erkältung war weitgehend überstanden, das Wetter war so schön – ich wollte wieder auf’s Pferd! Dón stand schon erwartungsvoll am Tor und so fing ich mit ihm an.

Es dauerte erst einmal eine Weile, die Dreckkruste abzukratzen.
Ich ging mit Dón erst die kleine Hofrunde und dann auf den Platz, zum ersten Mal hatte ich ein (geliehenes) Ledergebiss drin. Dón kaut eh gerne auf Leder herum und ich erhoffte mir davon etwas mehr Zug zur Hand und mehr Ruhe im Maul.

Dón machte toll mit, auch wenn man ihm Pausen immer durch deutlichere Schlaksigkeit anmerkt. Er war schwer zu spannen, ging aber schöne Übergänge, in denen er auch weitgehend rund in der Oberlinie blieb, das fällt ihm ja oft noch schwer. Schließlich ritt ich so ungefähr alles an Übergängen, was geht, kombinierte alle Gangarten miteinander und schließlich auch Trab – Halt -Trab und Galopp – Halt – Galopp. Machte er alles prima, aber er war mal wieder glotzig (das nervt zugegeben manchmal schon…) und leider hatte das Gebiss nicht die erhoffte Wirkung. Der Zug an die Hand war angenehm, aber Dón knatschte zunehmend darauf herum. Das behagte ihm mit der Zeit leider immer weniger.

Ich hörte dann auch auf, so fit war ich selbst ja nun auch noch nicht wieder. Ich brachte den Trab am Ende für zwei, drei Runden noch einmal mehr in Spannung und ließ Dón minimale Wechsel aus Zulegen und Aufnehmen gehen, und das gelang gut. Damit ließ ich es dann auch für heute gut sein. Zufrieden mit Dón, leider nicht mit dem Gebiss. Mal sehen, was mir da noch so über den Weg läuft, was ich bei ihm ausprobieren möchte. Mein Wunsch wäre im Moment eine einfach gebrochene Trense mit einem schwergängigen Gelenk – oder eine Art Nathe-Stange mit etwas biegsamerer Mitte, als die es üblicherweise haben. Und ich wünsche mir die Dicke am Maulwinkel so ziemlich genau zwischen Unterlegtrense und normaler (dünner) Wassertrense. Viel Spaß beim Suchen…!

Jörn brannte gerade Papiermüll ab, ich sah die Rauchfahne, und das war wieder so ein typischer Corinna-Moment – wo andere ihre Pferde in den Stall bringen, hole ich meine raus 🙂

Feuer! Ein besseres Training gibt es doch gar nicht! Nix wie hin!
Dón schnorchelte, traute sich aber ganz gut da ran und blieb schließlich auch ganz vertrauensvoll stehen. Mein Gesicht wurde warm – wie warm musste seins dann erst sein? Er bestaunte den brennenden Haufen und sah zu, wie Jörn immer noch Papier nachwarf. Die Funken flogen, der Rauch zog davon, Dón staunte. Nach dem ersten Stück Apfel atmete er aus, nach dem zweiten guckte er sich das ziemlich entspannt an.
Toller großer Junge!
Ich ließ ihn gefühlte zehn Minuten zugucken, dann durfte er rein. Das war super! Was für eine tolle Gelegenheit! Dón stand nachher so ruhig, dass ich von oben fotografieren konnte 🙂

feuer-don

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Montag, 5.12.

Das war die mit Abstand schönste Handpferde-Runde im Gelände, die wir je hatten!
Dón wieder einhändig blank, Nacariño auf Trense, beide waren unternehmungslustig, aber am kleinen Finger händelbar – bzw. auch nur auf Stimme. 
Ich habe im Galopp ganz schön Gas gegeben, die beiden waren einfach nur toll.
Nacariño kapriolierte nicht, wie beim letzten Mal neben uns rum, er trabte und galoppierte lässig und absolut gehorsam mit.
Das war nur, nur schön!!

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Mittwoch, 7.12.

Ich bin mal wieder geritten. Nicht lange, nicht sehr intensiv, eher verspielt.
Und so bekam Dón zwar auch nicht die Grundspannung, die ich eigentlich sonst immer versuche, herzustellen, er durfte etwas schlaksiger bleiben.
Irgendwie war mir nicht so nach spannen, mir war nach lässig.

Dón genoss es, war fein und leicht und aufmerksam. Ein paar schöne Übergänge, ein paar schöne Galoppmomente, und dann kam ich im Trab nochmal mit der Gerte an die Vorderbeine und er zeigte hochmotiviert zwei, drei passageartige Tritte hintereinander.

Nacariño empfinde ich als den deutlich talentierteren für so etwas, ihm fehlt aber (noch…) eine gewisse Bereitschaft. Dón scheint viel mehr Bereitschaft als Talent mitzubringen.
Und da sehe ich wieder das, was Fàscino sein Leben lang ausgezeichnet hat: für viele Dinge brachte er wahrlich kein Talent mit, ihm wurde das also nicht in die Wiege gelegt – aber je besser unser Verhältnis zueinander wurde, um so größer wurde seine Bereitschaft, für mich Dinge zu tun, mir Wünsche zu erfüllen, sich für mich ein Bein auszureißen.

Nacariño hängt immer nochmal ein bisschen in seiner angewöhnten Abwehr, während Dón von Anfang an gelernt hat, dass ich keine Forderungen stelle, die nicht erfüllbar sind. Und jeder Versuch seinerseits wird schon so sehr belohnt, dass er seit ein paar Wochen immer wieder mal so weit aus sich heraus geht wie noch nie. Seine Bereitschaft, es mir Recht zu machen, ist manchmal so ungeheuer groß, und vor allem ist auch dieses „das kann ich doch noch gar nicht“ nicht mehr da, mit dem er sich ja immer wieder in sich zurückgezogen hat. Gefühlt ist das weg.
Nun liegt es an mir, weiterhin aufzupassen, wie ich Anforderungen und Wünsche an Dón gestalte und formuliere, um von diesem Vertrauen nichts kaputt zu machen.

Dón ist im Umgang so süß, wird immer wieder seinem Namen („zärtlich“…) gerecht, er gibt mir so oft das Gefühl, dass unsere Liebe wirklich auf Gegenseitigkeit beruht.
Er ist ein so wunderbares Pferd…

Und so kam ich mit einem breiten, glücklichen Grinsen nach Hause, und das nach einem eigentlich gar nicht „besonderen“ Ritt. Aber genau das ist es ja oft – dieses Glücklichsein über Kleinigkeiten, über „Gewöhnliches“, nicht immer nur sich am Außergewöhnlichen freuen. Das macht Dón mir wirklich leicht. Ich ihm anscheinend auch.

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Samstag, 10.12.

Es ist zwar angenehm warm, aber dafür nieselt es jetzt vor sich hin. Mich erwarteten also so richtig verdreckte Jungs, die auch nicht zu putzen waren. Auf nasse Pferde lege ich ja auch keinen Sattel, also war ein wenig Arbeit an der Hand angesagt. Ich nutzte mal wieder den Asphaltweg.

Dón machte – übermotiviert – Schulterherein fast unmöglich, Renvers ging, aber er blieb sehr kurz dabei. Ich machte also sehr lange, ruhige Schritte und wartete ganz ruhig ab.
So bekam ich immer wieder mal ein paar schöne Schritte von ihm, aber eben auch viele, die mir zu kurz waren. Ich hackte da nicht weiter drauf rum, es war klar erkennbar, dass Dón eine Erwartungshaltung hatte, die ich nicht kaputt machen wollte.

Und so brauchte ich nach Spanischem Schritt gar nicht erst zu fragen, er machte, kaum dass ich es zuließ, voller Begeisterung gewaltige Schritte. Groß, raumgreifend, und dann zum ersten Mal hielt er den einen oder anderen Schritt mehrere Sekunden, hängte dann aber auch gleich einen weiteren dran.
Immer wieder hielt er mal zwei, drei Schritte ganz groß und ruhig aus. Das kam von ihm selbst und ich lobte es natürlich wie verrückt.
Es ist schon irre – wieder mal dieses „mehr Bereitschaft als Talent“. Er, der anfangs so überhaupt keinen Vertrag mit jeglicher Variante von Vorderbein-anheben hatte, der so lange brauchte, sich da ranzutrauen, der wird jetzt so unglaublich gut im Spanischen Schritt! Das wird irgendwann seine Paradelektion, habe ich das Gefühl.

Und da ich ja Angebote auch immer gleich ein wenig ausweite, wenn es sich anbietet, fragte ich ihn nach Spanischem Trab. Noch nie hat er so mutig reagiert. Er sprang ein paar Mal regelrecht gegen die Gerte, war motiviert, begeistert, zog sich nicht ein einziges Mal zurück. Und so schenkte er mir auch hier ein paar Tritte, die schon fast mehr Passage als Spanischer Trab waren. Ähnlich wie unter dem Reiter waren es auch hier immer wieder mal zwei, drei Tritte in toller Spannung und in einem super Rhythmus.

Und na klar ließ ich ihn anpiaffieren. Er blieb wieder sehr „bodennah“, ich wünsche mir also deutlich mehr Winkelung und Anheben der Beine, durfte aber phasenweise völlig still stehen bleiben und die Gerte ganz still waagerecht halten, ohne dass er aufhörte.
Das war großartig, verlangt aber schon eine gewisse Energie, die erstmal da sein muss.
Als die nachließ – und um ihn zu mehr Aktion im Vorderbein zu bewegen – ließ ich ihn anspringen. Er durfte ein wenig abheben, er durfte einen Sprung machen, er durfte auskeilen, Hauptsache Energie. Und das war das Rezept – danach konnte ich völlig still bleiben, er piaffierte am Platz, zwar noch etwas zu schnell und relativ bodennah, aber deutlich besser als davor. Nic war inzwischen mit Navarre dazu gekommen, sah das von hinten, und ihr fiel fast die Kinnlade runter.

Und nun stelle ich mir dieses schöne Pferd, der gerade so richtig eine Idee von Versammlung und Grundspannung bekommt und so unglaublich motiviert ist, in ein paar Jahren vor… Was wird das für ein Brecher! Was wird der schön!
Er ist es ja schon, aber wenn diese seine schon angedeutete schöne Oberlinie sich erst einmal festigt…

Ich bin gerade so, so verliebt in meine wunderbaren Pferde… Merkt man das?? 

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Dienstag, 13.12.

Ich grub den Langen Zügel aus, da an Putzen nicht zu denken war – die Pferde waren feucht und verdreckt. Also drehten wir eine kleine Runde am Langen Zügel, den Asphaltweg rauf und runter. Zuerst musste Dón durch die Pfütze gehen, was er nach kurzem Schwanken brav machte. So viel am Langen Zügel haben wir ja nun wahrlich noch nicht gemacht, und nun ja auch schon lange nicht mehr, aber das Gefühl hat schon etwas Vertrautes. Jedes Mal kann ich sofort da anknüpfen, wo ich – egal wie lange vorher – aufgehört habe. Dieses Mal ließ Dón sich auf Travers auf beiden Händen ein, dafür ist dieser Weg natürlich wieder super. Die Pferde fühlen sich eingerahmt, haben aber dennoch Platz. Auch wenn die Hand, die den stellenden Zügel führte, auf der gegenüberliegenden Kruppenseite ein wenig Druck ausüben musste, so nahm er genau diese Führung aber doch zum ersten Mal auf beiden Händen an.

Einige Seitengänge im Schritt, ein bisschen Trab, das reichte auch schon. Dón war fröhlich und aufgekratzt und hatte einen schönen Zug zur Hand.

Nachher ließ ich ihn noch einmal kurz an der Hand anpiaffieren und er dachte sofort nach oben. Das war total klasse, denn auch wenn die Tritte etwas hektisch waren, er wurde groß! Er winkelte die Vorderbeine relativ gut an und war zwar auf Krawall gebürstet, aber doch super händelbar. Daher ließ ich es nach einigen wenigen Ansätzen gut sein, lobte sehr und brachte ihn zurück auf das Paddock.
Da lag in der Kürze aber mal eine Menge Würze!  🙂

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Freitag, 16.12.

Oha… Da hatte ich mir ja wieder was ausgedacht!
Als ich vormittags in den Stall kam, war kein Pferd draußen (warum auch immer, am Wetter konnte es kaum liegen, saukalt, aber trocken), entsprechend begrüßte mich Sturm und Drang im Stall. Die Jungs waren unerhört unternehmungslustig, und da Meike da war, planten wir spontan eine Runde ins Gelände – ich mit Handpferd, Meike mit Lilly, Fàsci freilaufend dabei.

Der nutzte seine Freiheit gnadenlos aus und bog in jede Wiese, auf jedes Feld ab.
Er kam zwar immer brav auf Zuruf zurück, aber er genoss sichtlich seinen Sonderstatus und war höchst albern. Ich hatte leider nicht viel Zeit, seinen Anblick zu genießen.

Dón und Nacariño schraubten sich so richtig hoch. Dón konnte sich nicht entscheiden, wen er mehr in Schach halten wollte, Lilly oder Fàscino. Und ich ließ ihn an keinen von beiden so nah ran, wie er gerne gewollt hätte. Ich hatte eine Stange Dynamit unter und eine neben mir. Lilly war nicht minder grell und fand es überhaupt nicht witzig, wenn Fàsci verschwand, meine Jungs fanden es schlimmer, wenn er grinsend von hinten angedonnert kam. Dón versuchte, nach ihm zu schlagen, während Nacariño versuchte, Fàscino zu beißen. Das auch gerne gleichzeitig und in der Luft. Die beiden gaben mir echt was zu tun! Dón wurde richtig heiß, wenn Fàsci dicht vor ihm ging, Nacariño lud sich eher auf, wenn Fàscino hinter uns war. Puh…!!!

Dennoch wollte ich natürlich traben (den Gedanken an Galopp stellte ich erstmal zurück), wohl wissend, dass das die Stimmung noch einmal ordentlich anheizen würde.
Wir ritten also etwas länger Schritt, bevor wir auf den Weg einbogen. Die Pferde hatten zu einigermaßen Contenance zurückgefunden und so trabten wir. Das gelang verblüffend gut, auch als Fàsci von hinten angaloppiert kam. Nacariño ließ sich ausgezeichnet halten – ich hatte die altbewährte Zäumung drauf bei beiden. 

Auf dem Rückweg wagte ich den Galopp. Holla die Waldfee!!
Fàsci machte Lärm von hinten, Lilly blieb zum Glück brav hinter uns, Fàsci kam aber reichlich dicht und da hoben meine Jungs ziemlich einstimmig ab und keilten in der Luft herum. Ich schiss sie verbal zusammen, Nacariño machte hochinteressante Sprünge neben mit, Dón war Mr. 1000 Volt, Fàsci entschied sich doch lieber für einen gewissen Sicherheitsabstand.

Und bei alledem wurden wir begleitet von lieblichem Glockengeläut, ich hatte mal die Schellen an Dóns Sattel gehängt. Weihnachtliches Abhärteprogramm. Interessierte niemanden und gab dem Ganzen eine etwas skurril klingende Untermalung.

Ich plane Heiligabend – bei vertretbarem Wetter – eine Runde mit den weihnachtlich geschmückten Pferden durch’s Dorf. Wenn das hier eine kleine Generalprobe war, sollte ich meinen Plan noch einmal ein wenig überarbeiten, denn Fàsci sollte lieber nicht so vollkommen frei mitkommen. Der macht ja jeden Vorgarten unsicher.
Meike hatte ihn auf dem Rückweg an der Hand und fand spontan Gefallen am Reiten mit Handpferd – das machte sie in diesem Moment zum ersten Mal.

Die meisten hätten wieder mal Schnappatmung bekommen heute, Sönke bekam die ja schon, als ich ihm das hinterher erzählte, aber man muss ja nun auch nichts da rein interpretieren. Alle sind heil nach Hause gekommen. War halt ein etwas ausführlicherer Geschicklichkeitstest. Und die Kälte geriet trotz ziemlich kalter Füße phasenweise in Vergessenheit 🙂

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Sonntag, 18.12.

Gefühlt alber ich nur noch rum im Moment. Ernsthaftes Reiten ist das jedenfalls nicht. Wozu auch? Mir wird immer schon komisch, wenn ich jemanden sagen höre, er „übt“ irgendwas mit seinem Pferd. Das hat immer sowas dogmatisches, oberlehrerhaftes, so als hätte das Pferd da mal nix zu sagen und soll bloß zusehen, dass es das Gewünschte so gut wie möglich macht. Klingt nach Wiederholungen und Frustration, wenn’s nicht klappt.

Passiert mir irgendwie alles nicht. Ich lache nur noch bei meinen Pferden und gefühlt lachen sie mit. Ich reite ja echt wenig im Moment, aber heute passte es mal wieder. Das Wetter war ein Träumchen – kalt, windstill, sonnig. Wunderschön!

Ich ritt beide Pferde kurz und sehr verspielt, eben albern. Sie durften sich einbringen und rumblödeln und ich stachelte sie beim Rumblödeln noch an. Bevor ich mich auf Dón setzte, dachte ich, vielleicht bietet es sich ja an, nochmal ganz vorsichtig in Richtung Passage zu fragen. Ansonsten hatte ich keinen Plan.

Ich ritt einhändig blank, anfangs ein paar Übergänge Schritt – Halt – Schritt, manchmal in Verbindung mit rückwärts, bis er dabei ruhiger in der Haltung blieb. Er machte prima mit. Ich genoss die Sonne und trabte an. Schlaksig wie immer, ich ließ ihn so traben, ohne groß Spannung zu fordern.

Ein bisschen Spanischer Schritt, ganz brav, aber keineswegs berauschend, ich trabte ein zweites und ein drittes Mal und im dritten Trab passierte es – von jetzt auf gleich, ohne irgendeine Aufforderung meinerseits, passagierte Dón drei Tritte. Er fiel wieder in den Trab und alles an ihm fragte „War ich gut??“
Ich lobte wie verrückt, war wirklich überrascht von diesem Angebot und freute mich total. 

Das Angebot bekam ich noch mehrfach, immer drei, vier Tritte am Stück, ohne dass ich mit der Gerte in irgendeiner Form helfen oder fordern musste. 
Wie großartig ist das denn? Und was für ein Unterschied – Trab schlaksig und lose, und dann scheint er in die Versammlung „einzuspringen“ und trabt passageartig in einem super Rhythmus und einer tollen Spannung. Und das völlig von sich aus, einfach weil er gemerkt hat, das mich das begeistert hat.
Ich grinste freudestrahlend vor mich hin und fand ihn nur noch toll.

Dón bekam so eine schöne Mischung aus Gehorsam und Griffigkeit, war ganz junges Pferd, das sich aber trotz aller Jugend total bemüht, wie ein Großer zu gehen, und so bekam ich ein paar Mal ein Angaloppieren aus dem Schritt und aus dem Halten auf einen Hauch. Er legte volle Energie da rein, die (offene) Mähne flog, als er fröhlich den Kopf schüttelte.

Das war mal wieder nicht länger als 20 Minuten, aber was für ein Spaß und was für tolle Momente können in der kurzen Zeit liegen!

Schön, schön, einfach nur schön!!

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Freitag, 23.12.

Ich hatte mir so richtig schön den Hals verdreht beim Schlafen und fühlte mich nahezu bewegungslos. So siechte ich zwei Tage vor mich hin, am Freitag zog es mich aber massiv in den Stall – auch, weil wir für Heiligabend einen weihnachtlichen Ritt durch’s Dorf geplant hatten. Ich wollte also beide Pferde vorher nochmal ein wenig bewegen und vor allem so weit putzen, dass ich nicht Samstag kiloweise Dreck runterkratzen musste.
Das, was mich da an Dreck erwartete, war allerdings auch wirklich heftig. Hust…!

An Dón probierte ein rot-goldenes Outfit aus, das ich im Frühjahr bei ebay ersteigert hatte. Genutzt hatte ich es allerdings noch nicht – rot ist ja nun keine Alltagsfarbe und mir kam die ganze Zäumung ziemlich mächtig vor. Da für Dón immer alles zu groß ist, machte ich vorab gleich Löcher rein. Und freute mich um so mehr, als ich feststellte, dass dieser Zaum für sein zartes Köpfchen wie gemacht ist und an ihm auch noch verdammt gut aussieht!

Ich ritt nur kurz – Schritt und Galopp war auszuhalten, Trab und jeder „Ausfallschritt“ schossen mir derartig in den Hals, dass ich nur ein paar Runden auf einem zwar mächtig kernigen, aber extrem gehorsamen Dón drehte.
Um das Outfit einmal zu sehen, ließ ich mich kurz filmen. Davon sah ich dann zwar auf dem Video nicht viel, weil alles bei der Witterung ein wenig grau in grau aussah, aber was ich sah, freute mich riesig – Dóns Trab hat sich massiv verbessert! Wieder einmal passt bei ihm das Gefühl nicht zu dem, was zu sehen ist, daher hatte ich diese Verbesserung nicht erwartet.
„Jeder Arbeitstrab sollte einen Hauch Passage in sich tragen“ sagte Richard Hinrichs, und genau das war jetzt über viel weitere Phasen zu sehen, als ich erwartet (und gefühlt) habe.
Das freute mich riesig. Was für ein elegantes Pferd…!

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Samstag, 24.12.

Es war windig, aber immerhin trocken – zumindest auf dem Hinweg. Wir ritten mit sechs Pferden durch Alveslohe Richtung neue Feuerwache, denn die Feuerwehr beschenkt Heiligabend Kinder (160 Päckchen wurden gepackt!) und schenkt Punsch aus.
250 – 300 Leute wurden erwartet, und ich denke, die waren es auch. Wahnsinn!
Die Kinder waren natürlich begeistert, die Pferde zu sehen, und wir hörten einige nette Sätze zu unseren Pferden – dsa hatte vielen sehr gefallen, dass wir da anritten, sollte man bei vertretbarem Wetter also ruhig in das Weihnachtsprogramm mit aufnehmen!

Dón war anfangs unfassbar glotzig, er glotzte sich wirklich durch die Straßen. Meine Güte! Dennoch war er gehorsam, wartete brav an den roten Ampeln, ging da lang, wo ich ihn hinbat, aber alles mit Zucken und Schwanken und Kulleraugen.

Dennoch waren wir echt begeistert, was wir mit unseren Pferden machen können, wobei ich ja überzeugt davon bin, dass wir alles mit ihnen machen können, weil wir alles mit ihnen machen!

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Mittwoch, 28.12.

Ich ging mit Dón ins Gelände – mit dem gebisslosen Zaum. Das machte ehrlich gesagt so überhaupt keinen Spaß! Mein Glotzophon starrte mit Kulleraugen kreuz und quer durch die Gegend und mit diesem Zaum konnte ich dagegen auch nicht viel ausrichten.
Dón war gehorsam und blieb in dem gewünschten Tempo, aber ich hatte ungeheuer viel in der Hand. Mit keinem Gebiss wäre das auch nur ansatzweise bei so viel Zug so wirkungslos gewesen. Dón bestätigte damit mal wieder mein Vorurteil gegen gebisslose Zäumungen, mit denen einfach nicht die Durchlässigkeit und Nachgiebigkeit zu erreichen ist wie mit einem Gebiss. Es mag Pferde geben, bei denen das anders ist, ich kenne aber keine. Kann aus gesundheitlichen Gründen kein Gebiss ins Maul gelegt werden, ist das ja immer noch eine gute Alternative, aber meins ist das nicht so recht.

Etwas Tolles zum Üben bekamen wir aber noch: eine Kutsche kam uns entgegen mit einem hübschen palominofarbenen Pony davor. Dón wollte nach Hause. Ich nicht. Er musste da vorbei. Die blieben netterweise stehen, Dón schlängelte sich prustend vorbei.

Nachdem ich umgekehrt war, sah ich die relativ weit vor mir, Dón holte aber schnell auf. Ich fragte, ob ich nebenher reiten dürfte. Durfte ich, wir quatschten, Dón brauchte eine Weile, entspannte sich dann aber immer mehr. Das ging so weit, dass ich ihn nachher am hingegebenen Zügel gehen lassen konnte und er fast in die Kutsche fiel bei dem Versuch, allen drei Personen samt Hund freundlich Hallo zu sagen. Zu süß!

Wir blieben zusammen, bis ich Richtung Stall abbiegen musste. Ich hatte noch von der rechten auf die linke Seite gewechselt, da fing Dón wieder an zu schnorcheln. Albern!
Aber das war eine schöne Übungsrunde für das Thema Kutsche – super!

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Donnerstag, 29.12.

Nun aber wieder Trense – ich ging auf den Platz, da der Boden ein wenig abgetrocknet war. Im gesamten Trabverlauf fällt nun wirklich auf, wie sehr sich Dóns Grundspannung auf einmal verbessert hat. Er war zwar glotzig, griffig, kernig und machte den einen oder anderen Satz, aber die Spannung, in der er sich dabei befand, war super.
Jemand Fremdes hätte ich heute allerdings nicht raufsetzen können, Dón war ständig bereit, den Turbo anzuschmeißen 🙂

Passage-Ansätze waren heute nur über Gerte am Vorderbein abrufbar, aber Dón springt sofort darauf an und bemüht sich wirklich toll. Er hielt gefühlte sechs, sieben Tritte am Stück durch. Das fühlt sich schon super an!

Allerdings ist der Rechtsgalopp kaputt 🙂
Dón springt, kaum dass ich eine lange Seite auch nur angucke, mit Begeisterung nach außen um. Im Außengalopp kann ich ihn aber noch nicht weitergaloppieren lassen, also muss ich ihn rausnehmen. Ich blieb nachher also sehr konzentriert auf dem Zirkel mit etwas mehr Kontakt zum inneren Zügel, schließlich ging ich auch wieder an die lange Seite und versuchte, innen so viel wie möglich nachgeben zu dürfen, ohne dass Dón umsprang.
Das gelang gut, so konnten wir gut beenden.

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Freitag, 30.12.

Wir waren zum ersten Mal mit sechs Pferden unterwegs, fünf gerittene, ich hatte noch Nacariño als Handpferd mit. Dón ging eine längere Strecke direkt neben Fàscino, damit ich Steffi ein bisschen unterstützen konnte, aber die beiden kamen super miteinander zurecht. Dón wollte zu und zu gerne auf Fàsci losgehen und fühlte sich zwischen ihm und Nacariño nicht so recht wohl. Musste er durch, ich blaffte ihn mehrfach an, wenn er mit angelegten Ohren nach links driftete.

Wir trabten ein ganzes Stück und ich genoss wieder sehr der Geräusch der vielen Hufe auf dem Asphalt und sah die anderen vor mir im Gegenlicht. Es war kalt, die Sonne schien – ein traumhaft schöner Wintertag!

Schließlich galoppierten wir auch, Steffi durfte die komplette Ansage machen und das Tempo vorgeben, weil mir wichtig war, dass sie sich mit Fàsci wohl fühlte. Das tat sie, sie galoppierte lässig einhändig vorweg, Lilly und Navarre dahinter wurden ganz lustig, meine beiden waren durchaus auch griffig. Nacariño fragte ein paar Mal ernstlich an, ob ich ich halten würde. Ich gab ernsthaft zurück, dass ich das bis zum Letzten tun würde.
Dón war auf Trense und damit ein paar Mal relativ heftig, ich hatte gut zu tun. Aber sie blieben beide hinten der anderen und waren auch händelbar, als Nic Navarre mal kurz quer stellen musste, weil der sehr deutlich nach einem anderen Tempo fragte. Alle behielten also ihre Pferde im Griff, aber es war schon spürbar, dass auch die Pferde die Kälte und die Sonne genossen. Da war Energie drin!

Wir ritten ein Stück Schritt, trabten noch einmal, und galoppierten dann auch zurück, weil sich alle sicher genug fühlten. Und dieser zweite Galopp wurde ein absoluter Traum! Alle Pferde super zu händeln, meine beiden am Zwirnsfaden, blieben anstandslos wieder ganz hinten, ließen sich auf Stimme durchparieren. War das schön!!

Wir kamen sehr glücklich mit höchst entspannten und zufriedenen Pferden nach Hause, die danach noch eine Weile auf dem Platz die Wintersonne genießen durften.

Und da das Wetter für Silvester und Neujahr doof angesagt ist, war das vermutlich der Abschlussritt für 2016 – und als solcher war er großartig!