Januar

Am 6. Januar durften unsere „heiligen drei Könige“ auf die wunderschön berauhreiften Weiden. Ich bewunderte wieder einmal Dóns ungeheures Bewegungstalent. Es ist einfach der Hammer, wie dieses Pferd kreuz und quer durch die Luft fliegen kann!




 

Und mein absolutes Lieblingsbild:

In der Woche darauf gab es einen relativ angenehmen Tag, der Platz war nicht durchgefroren, so dass ich laufen lassen konnte, und hier ergab sich zum ersten Mal, dass der höchst verspielte Dón auf die Peitsche zukam. Eine Mischung aus Verspieltheit und Anhänglichkeit machte es möglich, dass ich ihn mit Peitschenbewegungen zu mir holen konnte. Das hatte es so noch nie gegeben und ich war völlig fasziniert, dass Dón das plötzlich von sich aus anbot. Ich passte sehr auf, wie und wie stark ich die Peitsche vor ihm bewegte, weil ich mir dieses Angebot von ihm auf keinen Fall kaputt machen wollte.
Und so ergaben sich tatsächlich schließlich erste Passage-Tritte auf mich zu – immer mal zwei, drei am Stück. Hammer!!!
Das freie Steigen war nicht neu, auch wenn ich nicht behaupten würde, dass es abgesichert ist, aber das hatte schon häufiger geklappt. Aber die Idee eines Passage-Ansatzes ist ja ohnehin noch völlig neu, und das nun frei auf mich zu – das war ein echtes Geschenk.
Ich fuhr mit einem ziemlich seligen (für Außenstehende vermutlich ziemlich dämlichen) Grinsen nach Hause.

Das Neue Jahr war bereits fast zwei Wochen alt, als ich nun aber wirklich unbedingt mal wieder reiten wollte. Da bei uns alles durchgefroren war, fuhr ich mit Dón zur Halle.

Ich rechnete damit, dass er ziemlich cool sein würde und ich mich im Prinzip würde raufsetzen und losreiten können.
Das war auch so – die ersten Runden waren extrem entspannt. Dón fühlte sich gut an, gehorsam, nachgiebig, gehfreudig. Er hatte eine gute Grundspannung, so dass sich der Trab fast von Anfang an schwungvoll anfühlte, nicht so wie sonst erstmal „paddelig“. Das war schon mal eine freudige Überraschung. Dón bot auch fast sofort immer wieder zwei, drei versammeltere Tritte an und zog sich aus denen von selbst neue Grundspannung. Gefühlt musste ich fast nichts unterstützen.

Dón wollte galoppieren. Ich noch nicht 🙂
Irgendwann ließ ich ihn dann natürlich – und dann ging aber auch die Post ab!
Er zog richtig an, machte ein paar happige Sätze, wollte Tempo machen und baute ein paar fliegende Wechsel ein, die gar in die Linie passten, die ich zu reiten versuchte. Er war echt kernig und griffig, alter Schwede!

Also ritt ich Übergänge. Übergänge, Übergänge, Übergänge, jeden davon mit dem Ziel, loslassen zu dürfen und ihn (wieder) an die treibenden Hilfen zu bekommen. Das gelang relativ schnell, auch wenn er kernig blieb. Er hatte ein enormes Temperament.

Wir unterschätzten beide, was diese Gehfreude mit ihm machte. Er wurde warm, das war nicht schlimm, aber er wurde leider auch ziemlich plötzlich links unnachgiebig und ging dann weiter mit so einer komischen Mischung aus Sturm und Drang und Müdigkeit. Ich fand kein schönes Ende und hangelte mich von einem Abschluss-Versuch zum nächsten, bei dem wir beide unser Gesicht wahren konnten. So richtig gelang es nicht, was aber nicht heißt, dass wir unzufrieden aufhörten – ich hätte es mir nur nachgiebiger, weicher gewünscht.

Das war eine interessante Erfahrung und es setzte mir zu. Ich dachte darauf herum, wissend, dass ich früher und anders hätte aufhören sollen. Auch wenn ein so ein „Ausreißer-Tag“ natürlich im Endeffekt nicht schlimm ist, da wir ansonsten ja nun wirklich so gut wie immer schöne und passende gemeinsame Zeiten haben, so hatte ich doch das Gefühl, bei Dón irgend etwas grundlegendes zu übersehen. Irgend etwas, was ich anders machen sollte, die Schwerpunkte anders setzen, die Ideen (Ziele) etwas herunterschrauben oder ändern – ihm mal wieder etwas mehr zuhören und ihn erzählen lassen, was für ihn gut und richtig ist.

Gefühlt gibt es trotz aller großartigen Momente immer wieder kleine Momente, in denen ich das Gefühl habe, die hätte ich anders angehen, anders lösen sollen.
Dón gibt sich eine solch‘ ungeheure Mühe, alles richtig zu machen und meine Wünsche zu erfüllen, er geht dabei offenbar auch immer mal über seine eigenen Bedürfnisse hinweg und macht etwas, weil er es für mich machen möchte.

Das ist genau das, was Fàscino so perfektioniert hat – und was Nacariño in dieser Form nicht im Traum einfallen würde. Der ist sich selbst zu nahe 🙂

Zum Glück besuchten wir am 14. Januar das Seminar „vorwärts-abwärts“ in der Fürstlichen Hofreitschule Bückeburg. Abgesehen davon, dass Wolfgang Krischke sich im letzten Jahr einen hocheleganten, grauen Cartujano gekauft hat, der Dón enorm ähnlich sieht und mir immer, alleine durch diese Ähnlichkeit, Tipps für die Weiterarbeit mit Dón gibt, so schien auch der Rest des Seminars gespickt mit Ideen für Dón.

Am Sonntag danach ging es gleich auf’s Pferd – für eine kurze Schritt-Reprise auf der gefrorenen Wiese, viel mehr als Schritt war also sowieso nicht drin, aber nun lag der Fokus auf fließend wechelnden Seitengängen. Ich möchte an das Thema Rechtstraversale ran, die Dón noch immer schwer fällt, und ich möchte seinen Hals länger machen. Der ist lang, aber Dón nutzt diese Länge nicht. Er ist ungeheuer schnell bereit, diesen schönen Hals zu einem Schuhkarton zusammen zu ziehen, vor allem, wenn er mal wieder glotzen muss.

Schwerpunkte in den nächsten Wochen also: Seitengänge, und die nach rechts erst einmal im Schritt so richtig absichern, dann behutsam steigern; und das immer wieder vorlassen des Halses. Was nicht heißt, dass er in die Tiefe darf. Das darf er ganz klar nicht, weil er sich dann sofort nicht mehr trägt – nicht mehr tragen kann.
Er muss also schon oben bleiben, soll sich da aber in der Oberlinie lang machen.

Der Ritt an dem Sonntag dauerte vielleicht 15, 20 Minuten. Ich ritt einhändig blank, das fühlte sich so gut an, wie es sich nur anfühlen konnte, Dón machte prima mit. Nach rechts gab es wiederholt zwei, drei schöne Travers-Schritte am Stück, ich sah zu, dass ich beendete, bevor Dón es tat.

Ich sprang in einem guten Moment ab, Dón sah groß und stolz aus.

Das gleiche wiederholte ich am nächsten Tag, Dón fühlte sich genau so gut an, ich hielt die Reprise noch kürzer und wollte nun aber gerne noch ein bisschen was an der Hand machen, da Bewegung bei dem Dauerfrost im Moment wirklich extrem eingeschränkt ist.

An der Hand war Dón eifrig, er zeigte diverse schöne Piaff-Tritte, die auch gar nicht so eilig waren wie sonst, sondern schon getragener, gesetzter. Es war leicht, ihn in die richtige Grundspannung zu versetzen, dann durfte ich wieder völlig ruhig am Platz stehen bleiben, während Dón nur auf die waagerecht gehaltene Gerte, die ihn nicht einmal berühren musste, weiter piaffierte.
Das wird tatsächlich irgendwann einmal sehr schön!
Das wird eine seiner Stärken!

Tatsächlich stand er danach anders in der Box – und das hatte ich auch schon gedacht, als ich ankam. Er wirkte größer, abegrundeter. Er kann seine Oberhalslinie ja so schön weich hängen lassen. Die hing jetzt aber nicht. Seine gesamte Rückenlinie incl. Oberhals wirkte getragen, da hing auf einmal nichts mehr. Wenn sich diese Haltung stabiisiert, wird er so, so schön aussehen…

Also, die Idee stimmt – weitermachen! 🙂

Beim nächsten Mal in der Halle – dazwischen lagen vier Tage – war Dón hochmotiviert und kernig, aber nicht ganz so übersprudelnd im Galopp wie beim letzten Mal, auch wenn das erste Angaloppieren einen recht hohen Unterhaltungswert hatte. Ich ließ ihn viel in Seitengängen gehen (im Schritt)

und bekam ein paar ganz brauchbare Traversal-Schritte nach rechts und ein paar ansehnliche im Travers, wobei Traversale besser war als Travers.
„Anskizziert“ würde Richard Hinrichs dazu sagen 🙂

 . 

Der Trab war anfangs ziemlich lose, Dón bot auch von sich aus die „neue“ Grundspannung nicht an, so dass ich schließlich ein paar Mal die Gerte an die Schulter legte. Sofort war er da und fing in großen Tritten an zu schwingen. Er hielt es nicht lange, hatte aber spürbar Freude, sich Mühe zu geben. Wie sagte Wolfgang Krischke? „Motivation vor Perfektion“!

Im Trab ging er dann eine flache, aber gleichmäßige Linkstraversale

und aus der Ecke heraus in schöner Biegung einen guten Einstieg in die Rechtstraversale, die ich allerdings nach ganz wenigen Tritten aufgab und ihn für diesen Ansatz sehr lobte.

Es gab noch ein paar wirklich tolle Übergänge Galopp – Schritt – Galopp auf beiden Händen, nach knapp 20 Minuten saß ich sehr zufrieden ab. Dón hatte toll mitgemacht und war nicht ansatzweise müde, genau so hatte ich mir das gewünscht.
Wir gingen natürlich noch in die kleine Halle – er konnte gar nicht abwarten, dass Sattel und Zaum runterkamen, er fiel schon fast beim Reinkommen um. Dieser Boden ist aber auch zu verlockend! Dieses Wälzen fehlt ihnen bei uns im Moment einfach. Um so mehr genoss er es hier. Inclusive flach legen und Kopf auf meinem Schoß.

  

Und dann wollte ich ja unbedingt – zum zweiten Mal überhaupt erst – ausprobieren, ob er mir wieder folgen würde, bzw. der Gerte. Das hatte mich ja ziemlich geflasht, als er das vor zweieinhalb Wochen von sich aus angeboten hatte.
Und siehe da – es ging sofort! Er sprang begeistert auf mich zu, um mich herum, einmal fast über mich drüber. UPS… Ich muss schon echt schnell sein, wenn er so dynamisch wird. Das mit dem Sicherheitsabstand, das haben wir bei dem Spiel noch nicht so raus.
Aber er zeigte wieder großartige Schritte, Tritte und Sprünge, darunter auch mehrere Passagetritte. Hammer. Fördern, fördern, fördern!!!

     

Navarre und Dón tobten noch ein wenig herum und Dón flog nur so durch die Luft.
War das schön!!

Kurz darauf war unser Platz so weit abgetaut, dass ich die beiden endlich mal wieder toben lassen konnte. Ich führte eine ganze Weile Schritt, da sie im Moment ja so gut wie gar nicht raus kommen, ließ sie noch kurz an der Hand grasen – das fanden sie toll!! – und dann durften sie loslegen. Und das taten sie. Beide wurden immer aufgekratzter, bockten von schräg nach quer, Dón warf sich mal wieder in der Luft hin und her, dass es nur so eine Freude war.

Er kam immer wieder zu mir, sehr spielfreudig, ich bekam jederzeit ein freies Steigen und er kam auch wieder auf die Peitsche zu. Ich kann mit der immer mehr Bewegungen machen, er kommt dennoch, und das sogar, obwohl ich sie ja dazwischen immer wieder nutzte, um die beiden von mir weg zu schicken. Dón setzte beides um. Zu toll!!

Irgendwie war mir noch nach was… Aber was? Und dann gerieten meine Springblöcke in mein Blickfeld, also grub ich 2 Stangen aus ihrem Winterquartier, schleppte die über den Hof und baute einen kleinen Sprung auf. Ich nahm erst Dón an die Longe, er sprang sicher, geschickt und freudig von beiden Seiten drei oder vier Mal, nicht auch nur die Andeutung eines Stehenbleibens oder Vorbeilaufens. Er ist im Oktober zuletzt gesprungen und macht das mit einer Geschicklichkeit, mit der er echte Routine vortäuscht 🙂

Ich machte ihn los und holte Nacariño. Dón klebte an meiner Seite, es war etwas schwierig, Nacariño auf den Kreisbogen zu schicken, weil Dón im Weg stand.
Irgendwann klappte es dann, ich schickte Nacariño los, und dann zeigte Dón mal, was echte Freude am Springen ist: er sprang von sich aus – mal von rechts, mal von links – drei Mal einfach so, ohne dass ich ihn antrieb und ohne, dass er Nacariño her lief!
Unglaublich!! Er hatte richtig Freude daran.
Ich hoffe so sehr, gegen Ende März wieder nach Heist und mit Dón im Gelände springen zu können!