Ein Vierteljahrhundert…

Einem der großartigsten Pferde der Welt,
nicht aufzuwiegen mit Gold und Geld,
sieht man das Vierteljahrhundert nicht an –
doch es stimmt, auch wenn ich es kaum fassen kann.
Er begeistert (mich) seit 25 Jahren,
was habe ich mit ihm nicht alles erlebt und erfahren.
Den Namen habe ich ihm damals sehr bewusst gegeben,
wieder und wieder ließ er mich den Reiz, den Zauber erleben.
Kein Pferd war so lange an meiner Seite,
hat so viele Stationen meines Lebens begleitet.
Ihn noch immer zu haben ist so ein tiefes Glück,
voller Dankbarkeit schaue ich immer wieder zurück.
Er beweist immer wieder, dass „Alter“ nicht eine Zahl von Jahren ist –
jedenfalls kann er machen, dass man die Zeit vergisst 🙂

Mein wunderbarer Fàscino ist stolze 25 Jahre alt…
Damit ist er das älteste Pferd in unserer Familie und begleitet mich mein halbes Leben. 
Seit seiner Geburt ist er an meiner Seite und es ist nicht in Worte zu fassen, was mir dieses Pferd und diese 25 Jahre bedeuten. Was haben wir nicht alles gemeinsam erlebt…
Ein Vielfalt und Vielseitigkeit, die ihresgleichen sucht – und sicherlich selten zu finden ist.

Ich bin so stolz auf dieses großartige Pferd, das es wieder und wieder schafft, unsere „1000 Kerzen“ brennen zu lassen. Seinem Namen, den ich vor 23 Jahren so bewusst gewählt habe, macht er wieder und wieder alle Ehre.
Fàscino: „der Reiz, der Zauber“.

Immer noch, immer wieder.

Diese unsere Beziehung ist um so besonderer, da …
… er seit seiner Geburt mein Pferd ist 
… seine Mutter davor bereits seit neun Jahren in unserer Familie war
… er das erste vollständig von mir selbst ausgebildete Pferd ist
… er eine so ungeheure Vielseitigkeit bewiesen hat, obwohl nichts an ihm das anfangs vermuten ließ – und er damit ist er das Idealbeispiel dafür, dass Interieur wichtiger ist als Exterieur und die richtige Pferd-/Mensch-Beziehung nahezu alle Grenzen überschreiten kann
… er Epileptiker ist, was ich weiß, seit er vier Jahre ist
… er noch vielen weiteren gesundheitlichen „Schwächen“ Paroli geboten hat
… ihm nach seinem schlimmen Sturz auf der Weide neunzehnjährig von mehreren Tierärzten „Ataxie“ bescheinigt wurde und er auch diesem Urteil trotzte (so gesehen scheint „Trotz“ eine seiner hervorstechenden Eigenschaften zu sein. Ist mir so noch nie aufgefallen)
… er eine Art hat, sich für mich Mühe zu geben und mir Freude zu bereiten mit Dingen, die mir mehr Freude machen als ihm und dabei trotzdem auszusehen, als hätte er genau so viel Spaß daran – mal im Ernst, welches Pferd tut das??
… er früher so, so „schwierig“ war und mir damit so ungeheuer viel beigebracht hat, dass die Frage wohl offen bleiben wird, wer von uns beiden wen ausgebildet hat
… und so weiter, und so weiter . 

Ich bin so, so glücklich, ihn noch immer an meiner Seite zu haben und werfe hier – mit Ihnen und Dir gemeinsam – einen Blick zurück auf die vergangenen 25 Jahre.

1992


Von der Nacht seiner Geburt gibt es vier Bilder.
Auf diesem ist Fàscino eine gute Stunde alt und steht zum ersten Mal.
Ich bin so glücklich, dass es diese Fotos gibt, denn ich konnte bei seiner Geburt nicht dabei sein. Fàscino kam auf dem Hof von Herrmann Stölken in Neuenfelde zur Welt und verbrachte hier die ersten eineinhalb Jahre seines Lebens.


Im Mai wagt der drei Monate alte Fàscino fröhliche Sprünge – diese Pose sollte viele Jahre später noch häufiger auf Fotos zu sehen sein 🙂


Fàscino im September mit sieben Monaten. 
Ganz schön überbaut!

1993


Vom diesem Jahr ist – warum auch immer – nur noch dieses eine Foto übrig geblieben.
Tja, das war noch die Zeit von 36er-Negativ-Rollfilmen…
Aber immerhin! Das war im November, Fàscino ist hier eindreiviertel Jahr alt.
Im klassischen Sinne „schön“ war er wirklich nicht. Und ich versuchte immer, Zentimeter ranzugucken. Da stand ich noch auf große Pferde… Die Zentimeter kamen später.
Es wurden dann eine ganze Menge. 169, um genau zu sein 🙂

1994


Am 1. Mai holte ich Fàscino und seine ein Jahr jüngere Schwester Arsienne zu mir.
Der zarte, schmächtige Fàscino und sie waren fast gleich groß – und ich guckte weiterhin Zentimeter dran.
Nun ging es los – das erste Vertrautmachen mit so vielen Dingen. Fàscino war fürchterlich berührungsempfindlich. Hufe geben war das Schlimmste. Das war echt ein Akt….



Im Oktober trug Fàscino zum ersten Mal eine Trense und kurz darauf einen Sattel.
An Gamaschen hatte er sich leidlich gewöhnt – toll fand er das alles nicht.
Die Trense musste ich wochenlang um den Kopf herumschnallen – an ein über-die-Ohren-ziehen war nicht zu denken…


Und dann dieser ungeheure Moment… 
Das erste Mal auf seinem Rücken…
Es war der 27. November. Ich vergesse es nie.
Es gibt nur diese eine Foto – die Qualität sagt nichts über die Emotion dahinter aus.
Ich saß ganz passiv, Fàscino wurde geführt, und das Gefühl beschrieb ich hinterher so: „als wenn 1000 Kerzen brennen“. 
Diese unsere 1000 Kerzen ließ er später noch so, so oft brennen…

1995


Fàscino mit drei Jahren! Fertig zum Freispringen.
Das machte er schon ziemlich gut, auch wenn ich bei allen neuen Sprüngen erst einmal selbst zu Fuß vorweg springen musste. Dann kam er hinterher. Und dann sprang er auch sehr selbständig weiter. Mich machte das ganz schön fit 🙂


Die typische Körperhaltung, wenn sie nicht beeinflusst wurde…

Auch unter dem Reiter. Leider.
Ich ließ ihn machen, auch wenn alles auf mich einredete, dass „die Rübe doch jetzt mal runter“ müsse. Irgend etwas hielt mich jedoch davon ab, ihn mehr anzufassen.


Im Mai wagte ich die ersten Ausritte. Das war ein echtes Auf- und Absitz-Training…
Ich musste wieder und wieder absitzen und Fàscino an irgend etwas vorbei führen.
Im Sattel wäre ich sonst nicht weiter gekommen. Fàscino bekam ziemlich früh eine erste Idee davon, sich durch Steigen oder andere gar nicht so witzige Bewegungen zu entziehen. Kaum war ich unten und an seinem Kopf, war immer sofort alles gut. In meinem Windschatten ging er überall hin.


Am 23. Juli (manche Daten bleiben auf ewig im Gedächtnis eingebrannt) wurde meine Geduld so sehr belohnt. Zum ersten Mal suchte Fàscino deutlich spürbar von sich aus Kontakt zum Gebiss und Zug zur Hand. 
Ich ritt ihn in dieser Zeit ein- bis zwei Mal pro Woche, manche Wochen auch gar nicht.  Und nun dieses tolle, tolle Gefühl!


Im September ergab sich die tolle Gelegenheit, den erst dreijährigen Fàscino in einer Materialprüfung (so hieß damals die heutige Reitpferdeprüfung) vorzustellen, die auf dem hofeigenen Turnier ausgeschrieben war. Auf ein außer-Haus-Turnier hätte ich ihn noch nicht mitgenommen, aber diese Chance nutzte ich natürlich.
Fàscino drehte brav und völlig unspektakulär im „jüngstes-Pferd-Spar-Bonusprogramm“ seine Runden – Hauptsache, ihm kam keiner zu nah. Er wurde tatsächlich Dritter!
Naja, waren auch nur vier Pferde am Start 🙂


Am 9. Oktober machte Fàscino erste Sprünge unter dem Reiter. Die ersten waren ziemlich knieschlussfördernd, eckig, kantig, mit 20 Beinen, aber kurz darauf machte Fàscino seine Sache schon sehr gut. Es blieb aber dabei – wenn etwas Neues in der Bahn stand, musste ich vorweg springen. Dann sprang er hinterher und danach auch unter dem Sattel.

Noch immer war es schwierig, mit anderen Pferden in der Bahn zu sein – anfangs ließ seine Platzangst das überhaupt nicht zu (800 Quadratmeter waren zu klein für zwei Pferde! Meinte er…), inzwischen ging es mit „ausgewählten“ Pferden, deren Reiter ich bitten konnte, auf ihn zu achten.

1996


Ich glaube, in diesem Jahr fing es an, dass es zu Fàscinos Geburtstag Torte gab – ich machte danach in noch vielen, vielen Jahren eine, die Einsteller des jeweiligen Stalles, in dem wir zu der Zeit waren, halfen bei der Vernichtung 🙂


Schöne sonnige Ostertage!
An einem davon sah Fàscino schon ganz schön nach jungem Dressurpferd aus.
Diese Bilder überraschten und freuten mich damals sehr – Fàscino hatte deutlich an Substanz gewonnen, wirkte insgesamt runder und ließ sich schon sehr gut einrahmen.


Und dann fuhren wir mit ein paar Pferden nach Boostedt – Fàscino sah zum ersten Mal fremdes Gelände! Und staunte nicht schlecht. Ich musste wieder alles vorweg springen, bevor er sich unter dem Sattel zu springen traute.


Er brauchte eine gefühlte Stunde, um den ersten Huf in den Teich zu setzen – aber dann wurde er richtig mutig! 
War das ein toller Tag…
Hinterher durften sich alle Pferde wälzen, und hier war unser Vertrauen schon so groß, dass ich ihn frei ließ. Er blieb an meiner Seite.


Unser Stall hatte ein Jungpferde-Turnier ausgeschrieben – und Fàscino räumte ab.

Er wurde erfolgreichster Vierjähriger, indem er im Longierwettbewerb, in der Materialprüfung und in der Eignungsprüfung (unser erster kleiner Prüfungs-Parcours!) jeweils Zweiter wurde!


Kurz darauf legte ein Einschuss Fàscino lahm. Da ich nun aber ständig das Bein kühlen musste, gewöhnte er sich endlich an den Wasserschlauch, der immer noch ein Thema war. Übel allerdings war seine Penecillin-Allergie, von der wir durch diesen Einschuss erfuhren, und die ihn fast das Leben gekostet hätte.
Ich schlief zwei Wochen vor – oder auch mal in – seiner Box.

In dieser Zeit sah auch einmal ein Tierarzt einen seiner Anfälle und diagnostizierte trocken „Ach, das ist ja selten. Ein Epileptiker!“. Es klang ein wenig, als wolle er mir gratulieren…
Ich verstand Fàscinos Steige-Atacken und konnte nun vieles besser einsortieren.
Leichter machte das unser Leben allerdings nicht…

Im Herbst schrieb unser Stall wieder ein Turnier aus. Hier nannte ich zum ersten Mal eine A-Dressur mit Fàscino. Kurz vor dem Start tat ich das, was für Prüfungen unser Erfolgsgarant werden sollte, wenn es mir in dieser Form gelang und Fàscino sich drauf einließ: wir versanken in unsere persönliche Seifenblase, schalteten die Welt um uns herum aus und es gab nur noch uns beide. Nur so konnte eine Prüfung gelingen, sonst konnte sie völlig daneben gehen. Das wusste ich damals noch nicht, und dieses Mal gelang es – die Richter honorierten unser inniges Zusammenspiel mit einer 7,4.
Die Note an sich sagt ja erstmal gar nichts (auch wenn die natürlich gut war), und so freute ich mich, dachte mir aber weiter nichts dabei. Tatsächlich blieb dies aber die Höchstnote – Fàscino gewann tatsächlich seine erste A-Dressur…

1997


Am Neujahrstag lernt Fàscino die Kandare kennen. Ich rolle gerade die Augen beim Anblick dieses Bildes… Bandagen (immerhin ungefähr passend zur Schabracke), Sporen, keine Kappe… In den letzten 20 Jahren hat sich eine Menge verändert 🙂


So sah Fàscino fünfjährig aus. 

Es hat wirklich eine Weile gedauert, bis sich seine Proportionen normalisiert haben…

Das hielt ihn nicht davon ab, im April auch seine zweite A-Dressur zu gewinnen.
Und die war auf einer fremden Anlage! Unglaublich…
Noch unglaublicher – seine dritte gewann er dann tatsächlich auch.
Und als ich mit einem Hauch Erwartungshaltung in unsere vierte einritt, versemmelten wir die total. Ich hatte die Seifenblase um uns herum vergessen… Selbst Schuld!

. 
Der hellwache Blick meines aufstrebenden jungen Buschpferdes gilt dem Geländepark in Süsel. Er sprang kreuz und quer mit Kulleraugen durch seine zweite Geländepferde-A, aber ebenso kreuz und quer auch über die Sprünge.
Wir kamen tatsächlich ins Ziel und mir wurde eine konsequente Führung bescheinigt.
Für Fàscino rangen sie um lobende Worte und fanden keine – pah, er rächte sich später 🙂

. 
Ebenfalls im Mai starteten wir in unserem ersten A-Stilspringen. Meine einzige Chance, über fremde Sprünge zu kommen, war: sehr konsequent und gerade darauf zutraben, bis Fàscino den Sprung für gut befand und von sich aus angaloppierte. Dann sprang er auch. Sieht in einem Stilspringen natürlich saublöd aus.
Mir egal, ich versank mit Fàsci in der uns eigenen weltausblendenden Seifenblase, fixierte den ersten Sprung, trabte an und wartete, bis Fàscino angaloppierte.
Das tat er – und dann zog er sehr aufmerksam und mutig von Sprung zu Sprung.
Ich konnte es nicht fassen. Und obwohl eine Stange fiel, war unsere Stilnote so hoch, dass wir tatsächlich auch unser erstes A-Springen gewannen!

Natürlich hatte Fàscino inzwischen auch Heist kennengelernt.
. 
Hier gibt es – noch immer – so wunderbar viele Möglichkeiten, junge Pferde mit Geländesprüngen vertraut zu machen. Hier schleuderte Fàscino im April durch unsere erste Geländepferde-A, weil ihm alles zu eng und zu dicht war. Aber wir kamen fehlerfrei ins Ziel! Reine Glückssache, dass ich da nicht runtergeflogen bin.


An einem unserer Trainingstage entstand ein Foto, dass uns durch die ganzen Jahre begleitete – auf Flyern, als mein Profilbild oder in welcher Form auch immer.
Ich habe es damals mit Selbstauslöser gemacht…

Fàscino durfte sich hier nach dem Reiten natürlich wälzen und von Anfang an ließ ich ihn auch hier – wie eigentlich überall – frei. Er blieb bei mir oder kam auf Pfiff zurück.
Das war irgendwie „schon immer“ so…

.
Bei unserem zweiten Süsel-Besuch startete Fàscino in seiner ersten kleinen Vielseitigkeit – eine kombinierte Prüfung aus einer Eignungsprüfung und einer Geländepferde-A.
Ich flog tatsächlich direkt nach dem Start runter, weil er ungeheuer gelenkig zur Seite schleuderte. Der Sturz wurde aber nicht gewertet, da er nicht im Zusammenhang mit einem Sprung passierte. Drüber gelacht wurde schon 🙂 .
Und auch hier nahm ich Fàscino natürlich frei überall mit hin. Er wurde am Eiswagen generell zuerst bedient. Ihm wurde immer eine Waffel zugesteckt, bevor ich überhaupt gefragt wurde, welche Sorten ich möchte. Er mochte die Waffeln in der Regel aber nicht.

Im Juli startete Fàscino zum ersten Mal in einer Geländepferdeprüfung der Kl. L – und zwar im weit entfernten Berlin auf der Rennbahn Hoppegarten.
Hier war sein Urahn Ferro xx tatsächlich mal Galopprennen gelaufen!
Es war eine ungeheuer spannende und aufregende Reise, vier Tage waren wir dort, die Pferde waren auf der Rennbahn untergebracht.

In der GPL sahen wir das Ziel nicht, da sich Fàsci die meisten Sprünge erst einmal sehr genau ansehen wollte, aber hier sieht man eine der schwierigsten Sprungfolgen:
Billard rauf, oben ein Sprung, Billard runter, sofort im rechten Winkel über den Stamm.
Da gab es die meisten Vorbeilaufer, Fàsci meisterte diese Klippe mit Bravour.
Liten, der seit einem Jahr bei mir war, gewann ungeheuer überlegen die A-Vielseitigkeit. Fàscino holte hinterher auf der Weide erst einmal eine Menge Schlaf nach 🙂


Dieses wunderbare Foto aus unserer Geländepferde-A in Badendorf schaffte es sogar in die Zeitung. Unsere Noten waren meist nicht hoch und platziert wurden wir auch (noch) nicht in den Geländepferdeprüfungen, aber unser gutes Zusammenspiel und meine Freude am Reiten waren meist unübersehbar.


Im Juli starteten wir in unserer ersten Springpferdeprüfung der Kl. L.
Ich hatte deutlich mehr Sorge vor der Überwindung unseres ersten Prüfungs-Wassergrabens als Fàscino – er sprang im ersten Anlauf.


Im November ging Fàscino seine erste kleine Jagd. Er zog verschreckt den Ar… ein, als er hinter sich die anderen herandonnern hörte, ansonsten machte er das ganz prima!
Ich war Master und durfte daher fast ganz vorne reiten – ein Glück!

1998


Unsere erste Geländepferdeprüfung des Jahres fand in Heist statt, Fàscino kam fehlerfrei ins Ziel. Er hatte deutlich an Selbstbewusstsein gewonnen und wirkte phasenweise schon fast souverän. Fast.
Wasser war überhaupt kein Problem, Gräben auch nicht, und vor Tiefsprüngen hatte ich meist mehr Bammel als er. Da gab er mir so langsam das Vertrauen zurück, dass seine Mutter zerstört hatte – die ließ sich bei Tiefsprüngen ja gerne auch einfach mal fallen…

.
Auch in Süsel im Mai ließ sich Fàscino mit einer ganz neuen Selbstsicherheit durch den für eine Geländepferde-A extrem langen Kurs steuern – mehr als 20 Sprünge standen vor uns!
Das war schon ungewöhnlich viel (und für junge Pferde auch nicht nötig, finde ich), aber Fàscino kam auch hier fehlerfrei und ohne jegliche Ermüdungserscheinungen ins Ziel.

Das großartigste Gefühl, was ein Military-Pferd einem Reiter geben kann, ist die Gewissheit, dass das Pferd immer hinten ankommen wird. Hinter dem Sprung, meine ich. Fàscino konnte dermaßen enorm springen und fing langsam an, technisch geschickter zu werden, dass er mir genau dieses Gefühl gab.


Und so wagten wir kurz darauf ebenfalls in Süsel einen Start in der Klasse L.
Das war hier entschieden happiger als in Berlin – die Hoppegartener Strecke wirkte dagegen fast wie Spielzeug…

Hier aber kamen wir ins Ziel – zwar mit Fehlern, aber Fàscino machte tolle Sprünge, sehr ehrgeizig und übersichtlich. Ich saß da inzwischen auf einem kaum zu handelnden Kraftpaket – wenn irgendwo was springbares im Weg lag, gab es kein Halten mehr.

Und so dachte ich wiederholt über einen Gebisswechsel nach, war ich doch bislang immer nur mit normaler Wassertrense unterwegs gewesen. So langsam überstiegen Fàscinos Kräfte meine aber deutlich, und da er nun die Sprünge so ehrgeizig anzog, fühlte ich mich mehr und mehr hilflos da oben. Was Fàscino sehr wohl merkte…

. 
Erst einmal gelang uns jedoch unsere erste L-Platzierung im Springen – ein L mit Stechen. Aus der Dreifachen hatten sie im Stechen den mittleren Sprung rausgenommen. Fàscino zog aalglatt mit zwei Galoppsprüngen durch diese Kombination, fühlte sich völlig normal an. Auf dem Video wurde mir erst klar, dass er eine Distanz von ca. sechzehn Metern mit zwei extrem lässigen Galoppsprüngen gegangen war…

Und dann endlich Fàscinos erste Military-Platzierung! In HH-Ohlstedt gewann Liten (bei fürchterlichem Wetter…) die A-Vielseitigkeit, in derselben Prüfung wurde Fàscino Vierter. Etliche Paare schieden aufgrund der schwierigen Bodenverhältnisse aus, was meine beiden Jungs nicht schocken konnte. Der früher so ungeheuer bodenscheue Fàscino trat schwierigen Boden einfach mit seinen großen Füßen tot.
In Geländeprüfungen war er inzwischen echt in seinem Element. Ich sowieso.
. .
Inzwischen meine typische Form, Siegerehrungen zu reiten, und inzwischen waren sie ja auch immer öfter beide in derselben Prüfung platziert.
Rechts kaut Fàscino erstaunt auf seinem ersten Eichenkranz herum – zum Jahresabschluss gab es einen Sieg in einem A-Springen mit Stechen.

1999

Saisonauftakt in Bordesholm – eines der ganz wenigen (und wie ich finde, so schönen…) Dressurfotos in einer Military-Prüfung von meinem jugendlichen Military-Pferd... 
Zu mehr schönen Bildern kam es hier aber auch nicht – der Wassereinsprung war mit einer schwarzen Plane ausgelegt, und da weigerten sich viele Pferde, reinzuspringen.
Meins auch 🙂

. 
Im April schlug dann unsere Stunde – nach Jahren nahm sogar Herr Scheunemann, der so ungefähr alles richtete, was veranstaltet wurde, wahr, dass ich doch nicht vollkommen unfähig war, auch wenn er mir das wirklich mehrfach bescheinigt hatte.
Vor allem mit Fàscinos Mutter hatte ich mir schlimme Kommentare anhören müssen. Das fanden auch Außenstehende schon nicht mehr witzig, was er da über’s Mikro verbreitete, wenn ich mit ihr ins Ziel kam. Er hatte nun aber Fàscino die ganze Zeit verfolgt und so belohnte er unsere schöne Runde in Großenwiehe endlich einmal mit einer 8,0!
Das war meine 200. Platzierung in noch nicht ganz 20 Jahren FN-Turniersport.

Immer wieder Süsel!
.
Die Sprüngen werden immer schwerer, Fàscino immer mutiger und sicherer.
Er machte schon manchmal schier unglaubliche Sätze. Die Hammer-Wertnoten gab Herr Scheunemann uns in Geländepferdeprüfungen nicht, Fàscino sah zwischen den Sprüngen extrem unspektakulär aus, aber das, was ihn ausmachte, war schwer zu sehen – seine riesige Galoppade ließ ihn langsam aussehen, aber er kam fast immer „in der Zeit“ ins Ziel – und nie ausgepowert.
Und er konnte schier unglaublich springen, auch wenn er das nicht in schönster Manier tat – aber immer mit diesem Gefühl von „er kommt immer hinten an“.
Wir hatten unglaublich tolle Momente, vor allem im Gelände.

Ein Traum eines jeden (nicht nur deutschen) Military-Reiters ging in Erfüllung – ich durfte in Luhmühlen starten!

Fàscino erhielt einen sehr wohlwollenden Kommentar in der Qualifikation für das Bundesschampionat (Geländepferde-L), mit Liten konnte ich sogar eine Schleife mit nach Hause nehmen in der Military. Das war schon ein besonderes Erlebnis!

Und dann kam Fàscino einmal nicht hinten an.
In Beedenbostel ging er hochmotiviert und kaum zu halten sicher durch den A-Stil-Geländeritt und die Geländepferde-A.
. 
Am dritten Tag kannte er eine Kombination in der Geländepferde-L schon und ließ den Galoppsprung dazwischen weg. Er ging in-out durch diese Kombination und machte damit einen Sprung von fast acht Metern. Oder vielmehr – er versuchte ihn.
Es fehlten wenige Zentimeter und alles wäre gut gewesen. So berührte aber sein Vorderbein die obere Kante des Sprunges, Fàscino überschlug sich, begrub mich unter sich, rollte über mich weg und kam weit hinter mir auf
die Füße.
Das beendete unsere Saison, von der ich mir unseren ersten Start in einer „langen L“ oder „kurzen M“ oder auch in M-Springen erhofft hatte.

Ich spuckte eine Woche lang Blut, hatte sechs Wochen einen Gipsarm und guckte mir damit sehr traurig die Q-Strecke der Kreismeisterschaft in Heist an, die für mich ausfiel. Richtig viel passiert war uns beiden nicht, wir erholten uns, aber die Saison war nach der Pause natürlich gelaufen. Und unsere Zeit mit Wassertrense auch! Schluss jetzt damit!


Dressurmäßig festigte ich nun die Arbeit auf Kandare, im Spätsommer ging Fàscino seine ersten Traversalen. Noch sehr ausdruckslos, aber immerhin. Der Ausdruck war ohnehin das Problem, der beste Gang war sein Schritt. Der war immer fleißig und raumgreifend, während Trab und Galopp sehr flach und schwer zu beeinflussen waren. 
Zumindest bei der Art, nach der ich damals noch ritt 🙂


Ende des Jahres fand wieder unsere Jagd und ein kleiner Showtag statt.
Hier stellte ich Fàscino zum ersten Mal in einer Solo-Kür vor, die erste M-Lektionen enthielt. Er machte das prima – und ging natürlich auch die Jagd mit.

Beim Springen hatte ich inzwischen mein Pelham ausprobiert – und hätte mich ohrfeigen können, damit so lange gewartet zu haben. Damit hatte ich im Parcours wieder ein handelbares Pferd 🙂

2000


Ein wunderbarer Schnappschuss meiner beiden tollen Jungs.
Fàscino war in der ersten Zeit fürchterlich eifersüchtig, er konnte es kaum ertragen, wenn ich mich um andere Pferde kümmerte, und es dauerte eine ganze Weile, bis er Liten gut neben sich ertrug. Ich sollte keine Götter neben ihm haben…
Er lernte, damit zu leben, aber Liten bekam seine Zähne ganz schön oft zu spüren.

. 
Der Saisonauftakt war natürlich wieder Heist – dieses Mal mit Pelham.
Fàscino ging gefühlt am Zwirnsfaden fehlerfrei über die Strecke.

Aber in mir passierte schon seit längerer Zeit irgend etwas. Der Turniersport verlor immer mehr seinen Reiz. Ich erwischte mich dabei, wie ich auf der Heimfahrt ausrechnete, was mich das Turnier gekostet – und was es mir gebracht hatte.
Mangels Alternative machte ich weiter, weil ich ohne Prüfungen zu Hause keinen großen Ehrgeiz entwickelte, meine Reiterei zu verbessern, aber der Kick war weg.
Erschwerend kam hinzu, dass ich das Treiben auf den Otto-Normal-Abreiteplätzen nicht mehr ertragen konnte. Wie dort mit Pferden umgegangen wurde, kotzte mich immer mehr an. Nicht nachvollziehbare Richterurteile waren dagegen ja noch harmlos.


Immer häufiger ließ ich Fàscino, wenn ich ihn als Handpferd auf Ausritte mitnahm, auch frei mitlaufen. Das klappte großartig, er kam auf Pfiff, wir hatten ungeheueren Spaß zu dritt.


Je mehr der Turniersport seinen Reiz verlor, je mehr ich mit „Scheißegal-Stimmung“ ritt, um so erfolgreicher wurde ich. Auf einmal hagelte es Schleifen, mein Schrank füllte sich mit gewonnenen Schabracken und Abschwitzdecken, und dann kam ich von diesem Turnier in Quickborn mit einem goldbehängten Fàscino nach Hause, sah die Schleifen und Pokale an – und in mir passierte einfach nichts mehr.
Irgendwas musste anders werden. Ich brauchte einen Ersatz für die FN-Prüfungen.
Aber was?

Naja, die Kreismeisterschaft in Heist konnte ich ja noch reiten. Military machte noch immer am meisten Spaß. Und das Nenngeld war schließlich schon bezahlt.

Und da passierte das Unglaubliche: 
Fàscino wurde Kreismeister in der Military!

Ich ahnte, dass wir keinen viel größeren Erfolg mehr würden feiern können – 
und hörte mit diesem Meistertitel auf.

Mit dem selbst gezogenen, selbst ausgebildeten Pferd Military-Kreismeister – das war großartig. Ich hätte gerne S reiten wollen in der Military, Fàscino hätte es gekonnt, aber mir war klar, dass hierfür weder das Geld noch die Zeit vorhanden war.
Und so machte ich hier in Heist ein Foto, das für mich den Abschied von einer sehr, sehr geliebten, langen Zeit symbolisiert, die ich auf keinen Fall würde missen wollen.

Im Herbst wurde in Heist ein wieder breitensportliches Turnier ausgeschrieben.

Neben einer L-Kür startete ich hier, wie im Vorjahr, auch beim „Reiten mit Handpferd“, das wir in diesem Jahr gewinnen konnten.

Breitensportturniere gab es noch kaum, aber darauf hatte ich Lust. Diese andere Atmosphäre, die anderen Prüfungen, das Spielerische, Küren, Reiten mit Handpferd…

Da musste doch mehr zu finden sein. Ich nahm mir vor, im nächsten Jahr danach zu suchen – Prüfungen ritt ich ja nach wie vor gerne, aber das FN-technische ging mir inzwischen entschieden gegen den Strich.

So beendete ich die Saison nachdenklich -das Gewohnte der letzten 20 Jahre wollte ich nicht mehr. Das Neue war mir noch nicht so richtig klar. Und Fàscino ahnte noch nicht, was er nun noch alles kennen lernen sollte 🙂


Ich hatte von „diesem Zirkuskram“ noch keine Ahnung, probierte aber mal ein bisschen rum. Es dauerte vier Jahre, bis Fàscino in seinem erstem Kompliment richtig das Röhrbein ablegte. Er hatte anfangs große Sorge, sich sinken zu lassen. Ich fing Feuer.

2001


So langsam wurde Fàscino abgerundeter, schöner, stolzer. Seine Haltung fing an, sich zu verändern. Tatsächlich war er es auch, der mich bzgl. des so viel gepriesenen „vorwärts-abwärts“ nachdenklich machte, auch wenn es mir damals noch nicht so klar war.
Er ließ sich überhaupt erst in diesem Jahr – mit neun! – zum ersten Mal reell dehnen.
Seine ungeheure Vorderlastigkeit wurde weniger, er fing an, sich versammeln zu können.


Litens verletzte Sehne ließ uns umziehen – wir verbrachten einen entspannten Sommer in einem sehr rustikalen Stall, bei denen Fàscino mit den Hühnern frühstücken konnte.

Vereinzelt gelangen schon mal (gewollte) fliegende Wechsel, ungewollte waren schon früher gelungen 🙂
20 x 40 Meter waren Fàscino mit seiner Wahninns-Galoppade dafür immer noch meist zu eng. Es gab hier aber ein Feld, und auf diesem flogen uns in diesem Sommer plötzlich die ersten Serienwechsel zu.


Im August startete ich zum ersten Mal beim Landesbreitensportturnier in Bad Segeberg in der Schweren Kür. Unfassbar – Fàscino gewann diese Kür!
Und ich hatte die Art Prüfungen gefunden, die ich reiten wollte.
Viele gab es davon nicht, und so versuchte ich, Fàscino auch anderweitig vorzustellen.
Ich weiß nicht mehr genau, wie es kam, aber es ergaben sich erste Show-Auftritte.

Und – wie man sieht – ich hatte mir den ersten spanischen Sattel gekauft!
Boah, war der unbequem! Aber Fàsci fand ihn toll 🙂


Ich verbrachte zwei herrliche Wochen in der Lüneburger Heide mit beiden Pferden – und meinem Vater. Mit Liten und Fàscino machten wir schöne Ritte. Hier ritt ich Fàscino auch mal frei – ich weiß nicht mehr, ob es die ersten Mal waren, auf jeden Fall waren es die ersten Bilder davon 🙂


Danach bezogen meine Jungs einen neuen Stall mit Paddock-Boxen. Fàscino liebte diese Box so sehr, dass ich danach alles daran setzte, ihn nie mehr anders unterzubringen.

Er hielt erste ausgewählte fremde Reiter aus und zeigte sich als erstklassiges Lehrpferd. Das sollte mit der Zeit tatsächlich eine echte Berufung werden für ihn – er ließ ab dann immer wieder Reiter spüren, wie es sich anfühlen kann, so viel Kraft und Macht auf einen Gedanken hin zu steuern. Er schaffte es immer wieder, Augen zum Leuchten zu bringen und hatte später sichtlich Freude daran.
.


Ich hatte Gerda Blochwitz und ihre Tochter Andrea kennengelernt und durfte im September auf der Messe NORLA in Rendsburg ein iberisches Schaubild mitreiten.
Wie man sieht, war meine Kostümauswahl noch extrem eingeschränkt 🙂

Fàscino ging, wenn er Platz genug hatte, inzwischen gute fliegende Wechsel, an guten Tagen auch schon mal erste Vierer-Serien. Die Pirouetten wurden immer sicherer, die Passage war „anskizziert“, aber an sowas wie Piaffe oder Spanischer Schritt war noch nicht zu denken.

Ihm tat aber immer die Flexibilität eines Schaubildes gut. Es machte ihn mutiger, wenn ich ihn Dinge anbieten lassen konnte. So versuchte ich es immer zu halten.

In mir reiften Ideen. Eine Unmenge Ideen.
Da taten sich neue Welten auf. Ich konnte für etwas werben, etwas demonstrieren, woran mir lag. Mit einem nicht dafür prädestinierten Pferd. Das wollte ich!


Am 8. Dezember zeigte ich live kommentiert den dressurmäßigen Ausbildungsweg bis zu den ersten S-Lektionen. Die Resonanz war super.
Meine ersten Schaubilder wurden in diesem Jahr geboren, und dieses hier war die „Erstausgabe“ vom „Ausbildungsweg des Dressurpferdes“, den wir später mehrfach auch mit einem weit ausgebildeten Barockpferd, einem Pony und eben dem sportlichen Warmblüter Fàscino zeigten.

2002


Die Schüchternheit meiner Kindertage hatte ich weitgehend abgelegt.
Und so bewarb ich mich größenwahnsinnig mit meiner Idee, um Toleranz unter den Reitweisen zu werben, bei der Gala-Show der Messe HANSEPFERD in Hamburg.
Und die fanden meine Idee gut…
Als das Schreiben kam, kriegte ich Schnappatmung – und mich eine ganze Weile nicht mehr ein vor Freude. Und dann gingen die Planungen los…
So entstanden die „Variationen zu Pferde“, unser auch heute noch vielseitigstes Schaubild und die pure Werbung für Toleranz untereinander und dafür, Pferde aufgrund ihrer Rasse oder Abstammung nicht in Schablonen zu pressen.
Bestes Beispiel: der hannoversche Sohn des inzwischen Olympia-Springpferdes For Pleasure zeigte Lektionen der Doma Vaquera…
Er ging an drei Abenden in je zwei Schaubildern in der Gala-Show – wir waren drin im Showgeschäft und ich wusste wieder, wohin ich gehörte.

Wir hatten inzwischen ein so ungeheures Vertrauensverhältnis zueinander, dass ich oft dachte, mehr geht nicht. Und dann machten wir irgend etwas Neues (ich sage nur Spotlight in der Gala-Show… Er hatte wiederholt versucht, drüber zu springen…) und gingen mit einem noch vertiefteren Vertrauen daraus hervor.
Wieder und wieder brannten unsere 1000 Kerzen.


Sprünge im Gelände hatten ihren Reiz keineswegs verloren!
Dafür fuhren wir immer noch mal nach Heist. Fàscino sprang nach wie vor mit Begeisterung und großem Geschick. Kein Vergleich mehr zu den ersten Sprüngen…


In Traventhal zeigten wir verschiedene Schaubilder, u. a. den Ausbildungsweg des Dressurpferdes. Wie ich sehe, war ich da vor Publikum noch ohne Kappe unterwegs…
Puh, das passiert mir aber schon lange nicht mehr! Da war ich mir meiner Vorbildfunktion offenbar noch nicht so bewusst…


Wir verlebten tolle Tage in Seedorf, inzwischen bereichterten die „Iberischen Impressionen“ unser Schaubilder-Repertoire und auch das Team um mich herum wuchs. Dabei waren ein paar Reitschüler, ich quatschte aber auch einfach überall alle an, deren Arbeit mit dem Pferd mir gefiel.

Hier in Seedorf sprach mich eine Frau an, Fàscino sei das bestgerittenste Pferd dieser Veranstaltung. Ich wurde rot (immerhin waren Richard Hinrichs und andere Koryphäen vor Ort), aber sie meinte, keinem Pferd sei die Freude am Gerittenwerden so anzusehen wie ihm. Das war es, was ich wollte. Und das ausgerechnet dieses diffizile Pferd das möglich machte, erfüllte mich mit tiefer Freude. 


Mit dem Langen Zügel experimentierte natürlich dann auch irgendwann mal herum.
Das war mit dem inzischen ja nun wirklich großen und mächtigen Fàscino eine Herausforderung, aber auch eine schöne (und fitnessteigernde…) Abwechslung.


Das Outfit wurde langsam aber sicher umfangreicher. Noch gar nicht mal so sehr über das Internet, das ging später los, aber der eine oder andere Stand auf Messen hatte schon mal etwas da, was ich gebrauchen konnte. Das fühlte sich auch gleich ganz anders an!
Dass man auf blanker Kandare nur einhändig unterwegs sein sollte, war mir da noch nicht so klar – naja, hier war sie ja auch noch mit zwei Zügelpaaren versehen. Ich musste halt auch erstmal in alles reinwachsen und hatte niemanden, der mir dazu viel erzählen konnte. Der beste Lehrmeister war immer noch das Pferd – vor allem dieses hier.


Unser autodidaktisches Kompliment links war inzwischen abgesichert und auch frei abrufbar, rechts ließ noch ein wenig auf sich warten, gelang im Ansatz aber auch immer schon mal.
Erste Spanische Schritte wurden auch erkennbar, denen allerdings gab Fàscino zeitlebens eine sehr persönliche Note 🙂 

Fàscino bot Bewegungen an, für die ich keine Begriffe kannte. So viele Bücher wie heute waren da noch längst nicht auf dem Markt, die mir hätten erklären können, was er da tat. Ich ließ ihn immer machen und fühlte und fühlte. Und versuchte dann, das abrufbar zu machen.
Ich las, was ich in die Finger bekam und sprach mit Richard Hinrichs und Christin Krischke. Zwei Kontakte, die mir auch heute noch sehr wichtig sind.


Und so erkannte ich auch erst viel später Fàscinos Schulparade vor der großen Fontäne in Hannover-Herrenhausen. Die Levade (er)kannte ich durchaus da schon 🙂
Auch das Terre à Terre war eine Bewegung, die Fàscino mir beibrachte, nicht ich ihm.
Meine Begeisterung kannte kaum Grenzen, als ich mich endlich in die Lektionen der Renaissance-Reiterei vertiefte und erkannte, was für ein Ritter- und Fechtkunst-talentiertes Pferd ich da unter mir hatte. Fördern! Fördern! Fördern! Keks!

2003


Noch mächtiger, noch stolzer… – Fàscino mit elf Jahren. Schöner als je zuvor.

Liten svensk war im Jahr zuvor 20jährig gestorben. Seine Reitbeteiligung durfte bleiben – tatsächlich gehörte sie zu den ganz wenigen, mit der ich Fàscino alleine lassen konnte.
Swenja begleitete uns die nächsten sieben Jahre.

Ich wollte unbedingt wieder ein zweites Pferd haben – und es war klar, das musste ein Iberer sein. Ich fing an, zu suchen.

. 
Nachdem wir im April im Tagesprogramm der Messe NORDPFERD in Neumünster mit drei Schaubildern am Tag dabei sein durften, startete Fàscino im Mai in Loxstedt in einer M-Kür. Am Richtertisch saß kein Geringerer als Richard Hinrichs – und Fàscino wurde Zweiter!
Er ging längst nicht so gut, wie er konnte, hier hatte er mit der Atmosphäre zu kämpfen. Um so mehr freute mich, was Herr Hinrichs in ihm sah und wohlwollend kommentierte.

Fàscino war in allen Küren weit vorne platziert – immer Erster bis Dritter.
Wenn keine Lektionen vorgegeben waren, zeigten wir alle möglichen S-Lektionen. Inzwischen kamen erste erkennbare Passage-Sequenzen dazu. Noch recht unspektakulär und mit wenig Ausdruck, aber das sollte sich in den nächsten Jahren noch gewaltig verändern.


Auch wenn die Reisen zu Breitensport- bzw. Barockturnieren oder Messen oder anderen Veranstaltungen, auf denen wir Schaubilder zeigten, mehr wurden, war doch immer wieder Zeit zum Kuscheln und Seele baumeln lassen.
Wir genossen unser „neues Leben“ sehr.


Wir ließen nichts aus. Auch nicht den Damensattel. Den verkaufte ich allerdings ganz schnell wieder – das war nicht unsers! Himmel, fühlten wir uns unwohl!
Gut so, hatte auch gar keinen Platz für noch einen Sattel und entsprechende Kostüme 🙂

Nein, im Ernst, Damensattel ist echt nicht meins. Fàscino war ganz meiner Meinung.
Wir hatten Spielwiesen genug.



Dann doch lieber immer nochmal der Lange Zügel. Inzwischen galoppierte Fàscino am Langen Zügel auch, aber da kam ich echt in Schweiß. Seine beginnende Passage machte aber längere und schöne Trabreprisen möglich. 
Und es ergab sich mal wieder eine Schulparade – abrufbar war die nicht, aber er zeigte sie immer wieder mal.


Neben dem Levade-Bild am Langen Zügel wurde dieses von Herrenhausen hier eines unser bekanntesten Fotos, das für viele Berichte verwendet wurde.

Fàscino sprang inzwischen Kapriolen an der Hand. Einmal setzte ich die Gerte etwas zu scharf an und er sprang – während ich am Langen Zügel dahinter stand. UPS…
Das hätte anders ausgehen können. Fàscino war ungeheuer gehorsam, wollte einerseits der Hilfe entsprechen, mich aber nicht treffen. Er passte ungeheuer auf. Ich war jedoch gewarnt – Kapriole und Langer Zügel vertragen sich nicht ganz so gut.
Ich hatte Spaß am Langen Zügel, er auch, also ließ ich die Kapriole mal eine Weile weg.
Man muss Prioritäten setzen 🙂


Am 13. Juli erfüllte sich der iberische Traum.
Er sah erst gar nicht so aus, aber in dem Zustand war er bezahlbar 🙂

Lusitano Negócio hielt Einzug – und Fàscinos Eifersucht sich in Grenzen.
Er mochte ihn. Vielleicht, weil er die Hoffnung hatte, dass der Neue ihm den ganzen „iberischen Kram“ abnimmt 🙂
Negócio lief nach kürzester Zeit frei mit uns mit. Das war einfach nur traumhaft schön.

. 
Wir hatten ein neues Spielzeug!
Im Sommer hatte Fàscino die Garrocha kennengelernt – für die war er reichlich groß und trat sie mit Freude an Negócio ab.

Nun kam der Halsring dazu – und die Sonne leuchtete auf einmal heller. War das toll!!
Wir waren sofort in unserem Element.
Leicht zu halten war Fàscino damit keinesfalls, aber wir hatten eine ungeheure Freude an dieser neuen Freiheit.


Die FN hatte sich mal wieder was zum Geld verdienen einfallen lassen – neue Reitabzeichen. Eines davon reizte mich sehr. Einfach so, nur zum Spaß.
Das wollte ich mit dem selbst gezogenen, selbst ausgebildeten Pferd machen.

Im November ging Fàscino morgens eine M-Dressur, mittags ein M-Springen, und nachmittags wurde ich in der Theorie als „die Leuchte des Nordens“ bezeichnet und ließ mir – als einzige hier – das neue RA Kl. I Silber mit Lorbeer anstecken.
Die anderen waren schwerst beeindruckt – gab es doch niemanden, der mit demselben Pferd Dressur und Springen absolvierte. Und schon mal gleich gar nicht in der Klasse M…

. 
Im Dezember hatte ich mich für die Messe Pferd & JAGD in Hannover beworben – und sie nahmen alles, was ich ihnen anbot. Und boten mir noch mehr an.
So hatte ich drei halbstündige live kommentierte Demonstrationen, in einer davon sprangen wir mit Halsring einen Sprung von 1.40 m Höhe. Da flog ich fast runter, weil Fàscino einen so ungeheuren Satz machte.
Die kleine Schweden-Flagge hatte ich in Litens Zeit gekauft und spielte nun mit der ein wenig herum, und natürlich zeigten wir auch die „Variationen“, in denen Fàscino mit Reitbeteiligung Swenja dabei war.
Ich nahm mit Negócio teil und Fàscino zeigte nicht die leiseste Eifersucht, da Negócio ihm die Garrocha und den Langen Zügel abnahm. Fanden beide gut so 🙂


Ein Highlight waren noch die Auftritte mit Pete Kreinberg. Wir stellten Western und klassische Dressur gegenüber und beantworten Fragen dazu live.
Wir verstanden uns prima und hatten großen Spaß an diesen schönen Demonstrationen, die hoffentlich mal wieder ein paar Grenzen (in den Reiterköpfen…) abbauen konnten.

2004

. 
Im März machten wir mit vielen Reitern und Pferden eine sehr untehaltsame Reise zu einer Messe nach Schöningen. Manche Schaubilder ritten wir bei Schneetreiben, es war ungeheuer kalt, aber die Pferde machten fantastisch mit.
Der Halsring war inzwischen wirklich unser Lieblings-Spielzeug. Damit gelangen inzwischen auch Traversalen und mit Glück Pirouetten. Springen ging immer 🙂

. .
So auch auf der Galopprennbahn Bremen. Ein toller Show-Vormittag, nachmittags liefen die Rennen. Oh meine Güte, juckte es da in meinem Military-Hintern, hier gab es Rennbahnsprünge… Auf so wunderschönem Boden… Der für uns natürlich verboten war.
Fàscino verfolgte mit gespitzten Ohren die Galopper und träumte wohl auch von früher…

.. 
Im Juli startete ich wieder in Eutin-Fissau, und hier gelang es Negócio zum ersten Mal, Fàscino in der Kür zu schlagen. Meine beiden wurden Zweiter und Dritter.
Wir zeigten auch noch ein paar Schaubilder, u.a. gelang hier der „Ausbildungsweg des Dressurpferdes“ so richtig, richtig gut. Ich liebe dieses schöne Bild von uns beiden und Fàscinos jugendliches Gesicht.

2005


Auf der Messe NORDPFERD in Neumünster zeigten wir etliche Schaubilder, hier ergab sich aber auch die Möglichkeit, in unserer ersten (und einzigen) Hunterklasse zu starten. Fàscino zeigte Kampfgeist und riss mir alles aus der Hand. Das wollten sie in dieser Stilprüfung bloß nicht sehen 🙂

. 
In Hannover-Herrenhausen beim „Feuerwerk der Pferde“ gelangen schöne Fotos vor dem goldenen Tor. Inzwischen hatte Fàscino noch etwas kennengelernt – er trug lässig eine Señorita auf der Kruppe. Zu solchem „iberischen Kram“ ließ er sich hinreißen, meist saß dabei nicht ich im Sattel, weil ich mit Negócio etwas anderes zeigte, so dass das für ihn keine große Anforderung bedeutete. Fand er gut! In den iberischen Impressionen erkannte kaum noch jemand den Hannoveraner. Die meisten wunderten sich wohl nur, warum ein Iberer eine Stehmähne und so unspektakuläre Gänge hat 🙂


Großartig war er in einem noch relativ neuen Schaubild: „Die Lektionen der Renaissance-Reiterei“. Dieses Mal wurden wir von Fechtern unterstützt, während Fàscino mit Pirouetten, Traversalen, fliegenden Wechseln und Terre à Terre nur so um sich warf.
So langsam wurden die Zweitakt-Sprünge bestimmbarer, so dass ich auch schon mal Terre à Terre und Mezair abwechseln konnte. 
Diese Bewegungen machten echt süchtig.

Erste Galoppsprünge rückwärts gelangen uns auch schon mal und die fliegenden Wechsel wurden immer lässiger. Dreier-Serien gelangen problemlos, Zweier auch schon immer wieder mal. Galopp war echt seine Gangart. Ist es immer noch.
.

Arbeit an der Hand ist nicht Fàscinos erste Wahl, aber auch das macht er mit.
In Otterndorf gelang sogar eine Passage an der Hand.
Die gestandene Kapriole hatte ich an der Hand auch wieder im Programm, am Langen Zügel passte ich halt auf, dass ich nicht versehentlich ein ähnliches Signal setzte.
So war alles gut.

.
Die Passage war inzwischen auch unter dem Reiter sicher. In Eutin zeigte ich sie in der Kür – und wir wurden Zweite.
Die Einzelnoten waren der Hammer: neben etlichen Achten gab es eine Neun für den Schwierigkeitsgrad und eine für „Einklang von Musik und Bewegung“.
Und wir bekamen unsere erste Zehn (!!) für „Harmonie zwischen Reiter und Pferd“ und unseren Gesamteindruck. 
Ich schwebte auf Wolken.  Was für eine tolle Kür!

 . .
Im September gab es schöne Fotos – unter anderem die ersten vom freien Steigen.

Fàscino verwendete in den ersten Jahren das Steigen gegen mich. Dann entschied ich, das abrufbar zu machen und ihn darin zu bestärken in der Hoffnung, es damit bestimmbar zu machen.
Das Abrufen gelang schnell, das bestimmbar-machen dauerte insgesamt gute fünf Jahre. 
Dann erst verwendete er es nicht mehr gegen mich. Seitdem bestärke ich alle meine Pferde im Steigen.

.
Im Dezember ging es wieder nach Hannover zur Pferd & JAGD.
Fàscinos Schwester Arsienne war auch dabei! Es war toll, dass die beiden sich immer mal wieder sahen – einen großen Draht hatten sie allerdings nicht zueinander.
Das Tagesprogramm wurde vom „roten Sofa“ aus sehr unterhaltsam von dem genialen Stefan Krawczyk moderiert, der wenige Jahre später unerwartet viel zu früh starb.

2006

. 
Im Februar zeigten wir beim Shownachmittag anlässlich der Körung des Pferdestammbuches Schleswig-Holstein unser Pferde-Musical „Der Glücksritter“.
Fàscino war nicht nur das Ritterpferd, tatsächlich wurde hier auch vom Pferd aus gefochten.
Es wurde fühlbar, wofür die ganzen Lektionen damals tatsächlich mal gebraucht wurden. Ein irres Erlebnis.

. 
Im April hatten meine Pferde und ich sowohl im Tagesprogramm wie auch in der Gala-Show der Messe HANSEPFERD in Hamburg wieder gut zu tun.
Fàsci hier im Tagesprogramm in einer schönen Pirouette und rechts in der Gala-Show.

In unserem Gala-Schaubild „Iberische Impressionen“ sorgte Mezzospran-Opernsängerin Prof. Yvi Jänicke für Gänsehaut. Sie sang live von Fàscinos Kruppe aus „Habanera“ aus Carmen. Zum Heulen schön…!!
Fàscino liebte das. Er lauschte jedes Mal ganz gebannt und wurde vollkommen ruhig dabei, geradezu andächtig.

Zusätzlich betreuten wir zu fünft auch noch den Stand „Die Klassik-Ausbilderinnen des Nordens“. Das machte ich später nie wieder – entweder Pferde oder Stand! Nie mehr beides! Ich tüddel lieber den ganzen lieben langen Messetag mit meinen Pferden herum…

Das Team Légèreté war, wie auch im Vorjahr, wieder beteiligt an der Ausschreibung des Damensattel- und Kür-Turniers in HH-Neuengamme.
Fàscino wurde Dritter in der Schweren Kür.
. 
Wir hatten auch eine meiner Erfindungen, die „Offene Kür der Reitweisen“, ausgeschrieben, die Prüfung, die dem Gedanken des Team Légèreté so sehr gerecht wird. Praktisch das Schaubild „Variationen zu Pferde“ als Prüfung 🙂
Ich hatte mir einen zweiten Halsring zugelegt und damit eine Menge Spaß.
Hier zeigte ich „Reiten mit Halsring & Handpferd“, meine Jungs gingen super.
Wir wurden Zweite!

. 
So wunderschön sah mein Großer bei einem Foto-Shooting mit Gabi Appelt im Juli aus.
Er, der immer so schnell in den Flanken einfällt und schlank bis dünn aussieht, wirkt hier mal richtiggehend rund. Für seine Verhältnisse.
Eine Lektion festigte sich langsam – die Piaffe war im Kommen!
Damit tat er sich aber wirklich ziemlich schwer. Gut, kann auch an mir gelegen haben. Negócio und er waren die beiden ersten Pferden, mit denen ich „so richtig“ piaffierte.
Ich hatte (selten) mal auf einem piaffierenden Pferd gesessen und so viel Erfahrung damit nun auch noch nicht.

. 
Fàscino zum Steigen zu animieren, ist eine der leichtesten Übungen. Auch heute noch.
Das Kompliment gelang inzwischen auf beiden Seiten sicher. Er wollte zwar immer, dass ich das Bein noch anfasse, dann aber blieb er lange und sicher unten.

 . ..
Im Juli hatten wir ein tolles Foto-Shooting mit Christiane Slawik.

Sie war begeistert von meinen beiden Pferden und deren Vielfalt.
Die dressurmäßigen Bilder machten wir zuerst, da sagte sie noch nicht viel und hielt brav drauf – und wie man sieht, hatte die Passage inzwischen deutlich an Ausdruck gewonnen.

Danach fotografierte sie Negócio am Langen Zügel. Das gefiel ihr, aber vom Hocker riss sie das auch nicht. Musste es ja auch nicht. Hauptsache, sie machte Bilder 🙂
Eines der Fotos von Negócio am Langen Zügel erschien später sogar in dem Buch „Wie Pferde denken“ im Cadmos-Verlag.


Dann holte ich den Halsring raus.
Christianes Blick wurde direkt interessierter. Und wechselte ziemlich schnell zu Begeisterung, als ich mit den beiden Jungs die Wiese entlang galoppierte.
Die beiden waren toll zusammen, wir hatten eine Menge Spaß.

Über Fàscino wollte Christiane einen Bericht für die Zeitschrift „Pegasus“ schreiben. Danach fragte sie mich allerdings erst nach den nächsten Bildern, als ich mit Fàsci anfing, mit Halsring zu springen.
Das begeisterte Christiane dann doch ziemlich. Sie warf sich in Gräben, unter dieSprünge und fotografierte aus den verrücktesten Perspektiven.
Da entstanden wirklich tolle Bilder!

. 
Das Foto links ist mein absolutes Lieblingsbild von den Geländesprüngen.
Es wurde auch später noch in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht.

.. 
Fàscino benahm sich so vorbildlich, dass ich es schließlich (ich glaube, zum ersten Mal) wagte, den Halsring auch noch abzulegen. Ich steuerte ihn völlig frei auf einen Steilsprung mit L-Maßen zu – und den sprang er mehrfach einwandfrei und ließ sich hinterher mit Stimme durchparieren. Gut, zugegeben, der Bremsweg war etwas länger, aber das Gefühl war einfach unglaublich. Das klappte dann auch mit verschiedenen Geländesprüngen.
Christiane war die Begeisterung anzusehen, sie hatte richtig Spaß am Fotografieren.

. 
Levade? Klar.
Christiane fragte „Kannst Du das auch vor dem Hintergrund? Und vor dem?“
„Ja.“ – „Ja.“ 🙂
Das rechte Bild erschien dann in dem „Pegasus“-Artikel groß über eine ganze Seite.
Christiane hatte einen so passenden Titel für den Bericht gewählt: „Nimm’s leicht“
.

2007

.
Fàsino war nun 15 Jahre alt. Und ich ließ es ruhiger werden um ihn.
Negócio riss sich regelmäßig alle vier Beine aus und wollte alles machen, was ein Pferd nur machen kann – und Fàscino, der Publikum ja nie so toll fand wie ich, war offenbar ganz froh, nicht mehr überall mit hin zu müssen.

.

Er ging super unter Reitschülern – wer ihn fühlen durfte, wurde meist auch ehrfürchtig, weil er viel mehr vermittelte als nur das Gefühl einer Lektion oder wie leicht sich etwas erzeugen lassen kann. Er ließ Menschen regelmäßig ehrfürchtig und demütig werden.

2008


Modellathlet Fàscino mit 16 Jahren. Die Vorderlastigkeit früherer Jahre ist verschwunden. Seine Schulterfreiheit blieb immer begrenzt – aber mit der Winkelung der Hinterbeine hatte er später überhaupt keine Probleme mehr. Das ist hier sogar im Stand erkennbar.


Mein „Renaissance-Pferd“ in der Carriere auf der Weide 🙂


Fàscino hatte inzwischen einen weiteren „Bildungsauftrag“.
Er ging regelmäßig bei unseren Workshops und Seminaren mit. Bei einem dieser Workshops demonstrierte er extrem geduldig die Wirkung verschiedener Hilfszügel.
Fàscinos Kommentar zu Hilfszügeln: „Bäääh!!“
.

Ich hatte drei Mal in seinem Leben versucht, ihn mit Schlaufzügeln zu reiten. Da war er so fünf oder sechs. Es endete jedes Mal in einer Katastrophe – Fàscino stellte unmissverständlich klar, dass er sich nicht zwingen ließ.
An der Longe ertrug er in jungen Jahren Ausbinder und später Gogue, unter Reitschülern half der Halsverlängerer. Ich ritt nie wieder mit sowas 🙂

.

Was er auch wirklich großartig machte – und auch toll Reitschülern vermittelte – war die Arbeit mit der Doppellonge.
Ich stehe nicht so auf Doppellonge und nutze sie eigentlich nie, hatte in den Jahren aber gerade mal so das Bedürfnis, das auch mal gemacht zu haben 🙂

Fàscino kann so traumhaft mit den Augen rollen, wenn ich wieder mit etwas Neuem komme. Er war aber ja der, an und mit dem ich immer alles ausprobierte, und so ertrug er mit den Jahren die verrücktesten Sachen.
Bei der Doppellonge hat er vermutlich schon nicht mal mehr die Augen verdreht 🙂

2009

  .
Auch dieses Jahr war sehr ruhig, wir spielten oft einfach nur miteinander.
  .

Ich nahm Fàscino einmal zu einem Barockturnier mit neuartigen barocken Prüfungen mit, er ging eine Prüfung und fand es dann toll, an unserer Seite zu sein und zuzugucken.

Beim Tag der offenen Tür auf unserer Anlage ging er natürlich mit, aber er durfte immer anzeigen, zu was er Lust hatte, und wenn ich sah, dass er keine hatte, konnte er machen, was er wollte. Er hatte alle Freiheiten und genoss das deutlich.

Er durfte oft auf dem Hof frei laufen, das war ein Hochgenuss für ihn.
Unser Verhältnis zueinander wurde noch einmal wieder anders und inniger.
Alles kann, nichts muss..

2010


Fröhlich und jugendlich blickt mein nun 18jähriger Fàscino an einem traumhaft schönen Wintertag in die Kamera.


Zum Workshop über anatomische Grundlagen malten wir Fàscino mit Fingerfarben an.
Bitte liebe Kinder, nicht nachmachen! Nicht mit Fingerfarben!
Ich fand noch Monate später Farbreste hinter (und in…) den Ohren…!

 
Im Sommer fotografierte Sabine Soyka für den „Reiterplan“, ein Taschenbuch-Kalender für Reiter für das Jahr 2011.
Natürlich war Fàscino dabei und zeigte ein kraftvolles Terre à Terre und eine nicht minder kraftvolle – und inzwischen so viel ausdrucksvollere! – Passage.


Fàscino legte inzwischen immer mal den Kopf auf meiner Schulter ab.
Innige Momente…


Auch am Langen Zügel ließen sich Passage und Terre à Terre abrufen.
Ich machte selten etwas am Langen Zügel, aber hier hatten meine Eltern mich besucht, und da grub ich den doch mal aus 🙂


Ich hatte mich ja schon immer zu ihm legen können, an ein Ablegen an der Hand war dennoch nie zu denken. Ich machte das, wenn überhaupt, ohne jegliche Hilfsmittel, und so legte er sich halt nie an der Hand hin.
Das Ablegen als „größten Vertrauensbeweis ever“ zu deklarieren, missfällt mir daher auch, denn Vertrauen haben wir nun wirklich ohne Ende zueinander. Auch wenn er sich nicht an der Hand hinlegt!

Im Oktober ergaben sich traumhafte Fotos. Es war erst das zweite Mal überhaupt, dass ich mit meinen beiden das Tandem ausprobierte. Und ich durfte alles abfragen – Seitengänge, Piaffe, Passage… Schier unglaublich!   .
Es war allerdings auch unser letztes Mal.
Sechs Wochen später starb Negócio völlig unerwartet innerhalb weniger Stunden an einer Kolik. Sein Verlust erschütterte uns beide sehr.


Wir hatten um Weihnachten herum ein paar schöne Schnee-Tage.

Ich schenkte mir Joya zu Weihnachten – und auch ihn mochte Fàscino zum Glück sofort. Ich freute mich sehr, dass die beiden sofort Freunde wurden. Dennoch fehlte Negócio natürlich an allen Ecken und Enden.

2011

.
Neunzehn Jahre… Da sehen andere ganz anders aus!

.
So athletisch, so schön – Fàscino beim Weideauftrieb im Mai.

.
Ein Handpferd reicht nicht 🙂
Wozu habe ich schließlich drei Pferde??
Das war nicht ganz einfach, aber es machte Spaß!

Louis fand das ungeheuer spannend, Joya war in der Mitte sehr brav.

.
Fàscinos so schön akzentuierte Muskulatur lässt sich so gut erfühlen – und so bezog ich das in die Workshops mit ein. Die Teilnehmer durften „Hand anlegen“ und in verschiedenen Bewegungsmomenten fühlen, wie die Muskeln arbeiten.
Das sorgte regelmäßig für verblüffte, staunende Gesichter und einige echte Aha-Erlebnisse.

.
Ebenfalls super kam die Idee an, die Beine für jede Gangart unterschiedlich farbig zu bandagieren, und zwar immer je nach Takt. Hier trabt Fàsci zwar, es sind aber noch die Schritt-Farben – so lässt sich die Fußfolge leichter erkennen und verstehen.

Und dann kam der Unfall…
Mitte Juli wurde Fàsci auf der Weide liegend gefunden und von etlichen Helfern mehr in den Stall zurück getragen als geführt.
Ich kam so schnell ich konnte, meine Tierärztin flog tief, und uns bot sich ein grauenhafter Anblick. Fàscino lehnte an der Wand, konnte kaum stehen, leerer Blick, Kreislauf am Boden. Erste Idee: Genickbruch. Es dauerte, bis das mobile Röntgengerät verfügbar war, dass diese Regionen durchleuchten kann, abends wussten wir dann aber, dass kein Bruch vorlag. Das war zwar eine Erleichterung, aber sein Anblick war überhaupt nicht zu ertragen. Er lehnte weiterhin an der Wand und konnte den Kopf nicht bewegen.
Ich bat meine Tierärztin, ihn einzuschläfern, sie bat mich, zu warten.
Wir haben nie herausgefunden, was passiert war, aber die Spuren auf der Weide sprachen für einen Sturz aus Tempo, Fàscino hatte meterlange Schleifspuren in die Grasnarbe gezogen.
Ich bettelte meine Tierärztin eine Wochel ang an, ihn einzuschläfern, sie bat mich eine Woche lang, zu warten. Ich wartete.Es war schlicht grauenhaft.


Ich konnte in der schlimmsten Zeit keine Fotos machen, das erste Bild entstand vier Wochen später, als ich Fàscino an ganz langer Longe vorsichtig Schritt gehen ließ. Deutlich sind die massiv geschwollenen Halswirbel zu erkennen.
Fàscino hatte wenig Einfluss auf seine Hinterbeine, schwankte, konnte schlecht bestimmen, wann und wo er anhalten würde, ebenso unkoordiniert waren Wendungen.

Unabhängig voneinander diagnostizierten drei Tierärzte Ataxie. Ich fand es nicht fair, Fàscino so am Leben zu lassen und kommunizierte einmal von zu Hause aus mental mit ihm. Er machte absolut deutlich, dass er den Zustand aushalten kann und will und ich ihm einfach nur helfen soll. Ok. Dann sollte es so sein.
Die Tierärzte meinten „So, wie es in sechs Wochen ist, wird es bleiben.“
Fàscino kämpfte.
Nach acht Wochen konnte er einigermaßen großen Wendungen kontrollieren und erste vorsichtige Tritte traben. Ich ließ ihn an ganz langer Longe so gehen, wie er konnte.
Die Tierärzte staunten und meinten „So, wie es in drei Monaten ist, wird es bleiben.“
Fàscino kämpfte.
Und zum ersten Mal erlebte ich ganz bewusst, dass und wie erlernte Versammlung Leben retten kann. Ich hatte Fàscino am Halfter am losen Strick, nahm überhaupt keinen Einfluss auf seine Halshaltung, fragte nur ganz behutsam Piaff-Tritte an. Er konzentrierte sich unglaublich, suchte in seinem Körper nach der Bewegung, die er kannte, und brachte in den nächsten Wochen seinen Körper über ganz kleine konzentrierte Bewegungen in erlernte Muster zurück.
Nach gut drei Monaten legte er sich zum ersten Mal wieder hin – auf seinem Weidestück, auf dem wir ihn von den anderen Pferden getrennt hielten, damit ihn keiner gefähren konnte. In der Box lag er noch nicht wieder, das kam viel später.
Irgendein Tierarzt meinte nochmal staunend nach vier Monaten, dass sein Zustand jetzt aber wohl so bleiben würde, dass die Verbesserung aber erstaunlich sei.
Zu dem Zeitpunkt konnte Fàscino noch immer nicht sicher bestimmen, wo er anhielt, schon gar nicht aus dem Trab, aus dem Galopp schon gar nicht, wir wagten gerade erste einzelne Sprünge an langer Longe, in denen ich ihn dann aber geradeaus gehen ließ.


Nach zwei Monaten sah man noch die Schwellung der oberen Halswirbel, und dieser Moment ist ungeheuer gut, so gut waren da noch nicht viele. Ein, zwei solcher Tritte strengten Fàsci auch schon ungeheuer an, wir tasteten uns in super kurzen Reprisen an sein Bewegungsgefühl heran.

Wir gewöhnten uns an etwas ganz Neues, nicht gekanntes. Unsere Beziehung trat schon wieder in eine neue Dimension ein. Er wollte leben, das war überdeutlich, und er kämpfte.

Ich dachte natürlich schon, wie schade es wäre, ihn nie wieder reiten zu können, wusste gar nicht mehr genau, wie unser letzter Ritt war – und leider war ich auch nicht die letzte gewesen, die auf ihm gesessen hatte. Aber wirklich wichtig war das nicht, nur schade.

Eines Tages im Herbst visualisierte er mit einer enormen Intensität einen Halsring. „Meinst Du das ernst?“ fragte ich – er sah mich mit einem ganz warmen Blick lange an, er meinte es ernst. Ich nahm also den Halsring und setzte mich vorsichtig auf seinen ungesattelten Rücken. Ich ließ ihn machen, wie er wollte, wir gingen ein paar Minuten Schritt, das war alles, aber es war unbeschreiblich viel. Es war ein Stück Himmel und machte uns beide so, so glücklich. Sollten diese paar Schritte unser letzter Ritt gewesen sein, wäre alles gut.

Er war es nicht, wie wir inzwischen wissen 🙂
Fàscino strafte alle schlauen Tierärzte ab mit einer „Reinkarnation“, die wohl niemand für möglich gehalten hätte. Der Unfall ist jetzt fünfeinhalb Jahre her – und wer es nicht weiß, wird es nicht erkennen, und wer es weiß, wird es auch nicht (mehr) erkennen.
Ich weiß nicht, wie Fàsci es gemacht hat, aber das, was nach dem Unfall passierte, hat uns nochmal in eine Dimension blicken lassen.


Im September bei unserem Tag der offenen Tür konnte Fàscino tatsächlich dabei sein – wir zeigten die große Rassevielfalt unseres Stalles und da war Fàscino extrem zum Spielen aufgelegt. Es machte mich ungeheuer glücklich, ihn so albern zu sehen.


Anfang des Jahres hatte Fàscino zum ersten Mal in seinem Leben auf einem Podest gestanden und schnell Gefallen daran gefunden.

Ich war zutiefst glücklich, dass ich das Jahr mit den drei Pferden beenden durfte, mit denen ich es begonnen hatte.

2012


Joya und Fàscino mochten sich sehr. Louis und Joya auch. Louis war für Fàsci aber zu dominant und frech, und so nahm ich ihn an den Kappzaum und sagte ihm ganz klar, dass er Fàsci auf keinen Fall bedrängen darf. Ist das klar?? Klar, meinte er – und war super vorsichtig. Ich konnte meine drei zusammen laufen lassen und das war einfach toll.
Wir hatten so viel Spaß!


Fàsci war so kuschelig und anhänglich…

Er bewegte sich so „im Alltag“ schon wieder fast normal. In der Box lag er manchmal, lieber aber in der Halle, wo er mehr Platz hatte. Da fühlte er sich sicherer beim Aufstehen, was ihm manchmal nicht leicht fiel. 

So strahlend sah er im März aus.

Ich ritt immer wieder, inzwischen auch mit Sattel und den Halsring tauschte ich hin und wieder gegen Trense oder Kandare. Ich blieb aber sehr vorsichtig damit, dem Hals eine Form vorzugeben, da durfte er immer selbst anzeigen, was möglich war.
Er war hochmotiviert und kämpfte sich in vielen kurzen Reprisen ins Leben zurück.

Wir gingen viel spazieren – ich hatte Joya am Strick, Fàsci durfte frei mitlaufen.
Das tat er mit Begeisterung!


So trabte mein Zwanzigjähriger im Mai über die Weide – wieder in der Herde.
Er hatte seine Chefposition von früher eingebüßt und hielt sich meist in Joyas Nähe auf, der sehr auf ihn aufpasste und jede Bedrohung von ihm fernhielt.
Fàsci hatte sich großartig erholt.

Im Sommer entstanden mal wieder Bilder beim Reiten und am Langen Zügel – alles war wieder da. Nicht in der Geschmeidigkeit von früher, aber mit ungebrochener Motivation. In kürzeren Reprisen, aber mit um so mehr Ehrgeiz seinerseits.
Unglaublich.

  

Und so ließ ich Fàscino mal wieder bei unseren Workshops mitgehen.
 
Im Juli ging es um „Wege zur Versammlung“ und Fàscino war voll in seinem Element.
Ich fragte ihn immer, wie weit er sich in einer bestimmten Lektion einbringen wollte – und er riss sich alle vier Beine aus und machte begeistert mit.

  .
Im August beim Turnier des Team Légèreté stellte ich Fàscino am Ende der letzten Prüfung, der „Offenen Kür der Reitweisen“, in sehr schnellem Wechsel (acht Minuten) in fünf verschiedenen Reit- bzw. Arbeitsweisen vor zu jeweils wechselnder Musik.
Er gab sich eine ungeheure Mühe und ging einfach klasse.
Ich war überwältigt von diesem wunderbaren Pferd.

Zu dem Zeitpunkt dachte ich, das wäre seine Abschiedsvorstellung.
Negócio konnte ich damals nicht verabschieden – Fàscino zeigte mir einige Zeit später, dass er selbst bestimmen wollte, wann er aufhört 🙂


Im August wechselten wir den Stall. Ich hatte Sorge mit diesem Wechsel – aber Fàscino fiel in einen Jungbrunnen. Es war unfassbar. Er war tagelang aufgekratzt, wartete, wann die Show denn nun endlich losgeht. Ich konnte es echt nicht fassen.


Ich nahm in frei mit ins Gelände, hier war ein Wäldchen und einige Zeit standen ein paar Stoppelfelder. Wir genossen diese Runden zu dritt sehr.

 
In der Halle hier standen häufig Sprünge. Das Thema Springen hatte ich gedanklich nach dem Unfall abgehakt.
Fàscino nicht.
Er beäugte immer wieder die Sprünge und zog den einen oder anderen an. Also ließ ich ihn eines Tages springen – und dann machten wir tatsächlich einige Sprünge.
Wir waren so, so glücklich an diesem Tag!

Wir hatten mit etlichen Pferden Auftritte im Tagesprogramm der Messe Pferd & JAGD in Hannover. Kurz zuvor fielen mehrere Pferde aus. Und so gab ich Nic Joya an die Hand – und das funktionierte. Sie übernahm also die „Arbeit an der Hand“ mit Joya und ich beschloss, für mich Fàscino mitzunehmen.

Kaum war dieser Entschluss gefasst, fühlte ich mich wie frisch verliebt. Ich hatte Schmetterlinge im Bauch, Fàscino war aufgekratzt, wieherte mir nur noch hinterher. Wir waren in einer Art und Weise aufgeregt, wie ich es überhaupt nicht mehr kannte. Das Gefühl war einfach nur toll.

Ich hatte Sorge, dass Fàscino die vier Tage zu viel werden würden. 
Pah!!

 
Er trat den Boden tot, holte alles aus sich raus, was drin war (und das war eine Menge…), er haute mich echt um.
Ich ließ ihn immer frei laufen (in einer Halle mit hunderten Boxen…), er blieb immer bei uns und genoss die Tage sichtlich.
Dass uns dieses Erlebnis noch einmal vergönnt sein würde, war nun wirklich nicht zu erwarten.
Dafür reichten 1000 Kerzen nicht aus 🙂

2013


Am liebsten waren wir zu zweit (also, zu dritt, um genau zu sein) unterwegs.
Wir hatten tolle Handpferde-Runden im Gelände.


Sprünge bezogen wir immer mal wieder mit ein, und Fàsci hob manchmal ganz schön (früh) ab.

So sah mein Großer nun aus mit seinen 21 Jahren:

Im April war ich wieder zu den Jubiläumstagen im Krämer Mega-Store eingeladen und demonstrierte mit einem hochmotivierten Fàscino „Taktverschiebungen in der klassisch-barocken Reiterei“
  
Natürlich durfte er hinterher mit in den Laden und sich an der Leckerlie-Theke selbst bedienen.

. 
Im April nahm ich den völlig fitten und wieder viel geschmeidigeren Fàscino mit nach Neumünster auf die Messe NORDPFERD, wo er im Tagesprogramm in verschiedenen Schaubildern auftrat, wie hier im „Barocken Ensemble“.

 
Da muss er tatsächlich 21 werden, um sein erstes Garrocha-Solo zu gehen…
Gerda Blochwitz tanzte für uns, Fàscino tanzte auch. Es war ein großartiges Schaubild.

 
Das schönste Schaubild war aber „Reiten mit Handpferd“.
So toll war das noch nie!


Anfang Juni starteten wir in zwei Küren, eine an der Hand, eine gerittene.
In der gerittenen war Fàscino die reinste Kampfansage. Was für eine Kraft…

 
Ende Juni richtete das Team Légèreté wieder sein Turnier aus. Nach einem wunderbar verspielten Abend vor dem Turnier übertraf Fàscino sich am Turniertag selbst.
Wir starteten in der KB 2 (schwere klassisch-barocke Aufgabe), die Fàscino tatsächchlich mit 8,5 gewinnen konnte. In der Kür ging er nochmal super und gewann tatsächlich auch die mit den Wertnoten 8,8 und 9,0!
  
Er siegt wieder…
Ich grinste tagelang selig vor mich hin und Fàscino kam 10cm größer nach Hause.
Dass uns das nochmal passieren würde…

 
In Eutin ging Fàscino die Schwere Kür und mit Joya in der Offenen Kür mit Handpferd.
Er war wirklich wieder voll da.

.
Mein Hang zu mehr Freiheit für meine Pferde wurde immer größer und ich probierte alles mögliche aus.
Die Halsringen gaben den beiden ja durchaus schon eine Menge Freiraum, aber so einige Dinge gelangen auch ganz ohne irgend etwas.
Was für ein tolles Gefühl…

Im Sommer hatte ich die Anfrage vom blv-Verlag bekommen, ein Buch über Bodenarbeit zu schreiben. Ich war Feuer und Flamme.
Und dachte, dass Fàscino dazu ja leider gar nicht so viel beizutragen hat, denn „Bodenarbeit“ ist ja nicht so seins.

Und dann fing ich an zu schreiben. Und zu fotografieren.
Und Fàscino gab zu jedem Artikel seinen Senf dazu.

Die Male, die ich ihn an der Doppellonge hatte, konnte ich ja fast noch zählen, und des war auch Jahre her. Nun grub ich die aus und ließ Fàscino zum ersten Mal damit springen. 

War das genial!!


An der einfachen Longe zeigte er sich sowieso von seiner besten Seite. 


Und er lernte „mal eben“ nur für’s Buch Plié – das hatten wir tatsächlich vorher nie in dieser Form gemacht.
Gut, geht tiefer – aber für ein erstes Mal?
Mit 21 Jahren?

Das Buch erschien im März 2014 – und ich widmete es diesem wunderbaren Pferd.
.

2014

.
Fàscinos 22. Geburtstag feierten wir mal wieder etwas größer.
Damit war er sogar in der CAVALLO 🙂

.
Fàscino mit 22 Jahren:


Und es ging mal wieder mit zwei Handpferden ins Gelände!
Das waren tolle Runden!

Noch einmal stand ein Stallwechsel an.
So große Sorgen wie beim letzten Mal machte ich mir nicht – Fàscino war super drauf.

Und so genoss er nun nach einer zwar großen, aber eben Innenbox endlich wieder eine mit Terrasse – von hier aus konnte er in die Abendsonne gucken…
Er fühlte sich hier sofort wohl.

Fàscino putzmunter im April:

Im Mai war ich wieder mit beiden bei Krämer – hach, zu dritt ist es einfach immer am schönsten!!

Mitte Mai machten wir ein paar Tage Urlaub in St.-Peter-Ording.
Hier enstand das schönste Dressurbild auf Trense, das es je von uns gab:

Es entstanden aber natürlich noch viele weitere Bilder!
Der graue Himmel tat der schönen Stimmung mit der Garrocha keinen Abbruch.

Und richtig genial war das Tandem – auch wenn Joya mir fast die Finger abriss, so heiß war er. Er war im Tandem längst nicht so lässig wie Negócio – schade…
Hier zog er wie verrückt zum Wasser, so dass ich Fàscino nur in der Galopptraversale hinterher gehen lassen musste.
Es war ungeheuer anstrengend, aber das sieht man dem Bild ja nicht an 🙂

Die Passage, für die er relativ lange brauchte und die in den ersten Jahren so wenig Ausdruck hatte, ist inzwischen wirklich eine seiner Paradelektionen.
Absolut taktsicher, kraftvoll, dynamisch.
Er traversiert auch in der Passage – bevor er traben muss, passagiert er lieber 🙂

 
Noch einmal eine schöne Schulparade – Fàscino zeigt die tatsächlich ziemlich oft, wie mir beim Durchsehen der ganzen Bilder jetzt wieder auffiel.
Abrufbar machen konnte ich sie allerdings nie, bzw. ich habe es nie versucht.
Sie ergibt sich halt immer mal wieder. Auch schön!

Das Team Légèreté wurde 10 Jahre alt!
Wir feierten einen schönen Jubiläumstag mit einem ungeheuer vielfältigen Showprogramm.
Am Abend vorher hatten wir erst einmal Spaß mit sehr verspielten Pferden.

Am Showtag zeigte Fàscino so ungefähr alles, was er kann. Was eine Menge ist.
Noch dazu sprang er tatsächlich mal wieder einen Parcours – wir wurden Zweite im „Jump & Run“!

In Tarmstedt im Juli waren wir für vier Tage mit je zwei Schaubildern täglich angereist und bezogen ein eigenes Stallzelt. Fàscino weigerte sich bei den Schaubildern, für die ich nur Joya eingeplant hatte, alleine im Stallzelt zu bleiben. 
Wie belohnt man sowas?
Man lässt ihn frei mitlaufen…
So ergaben sich auch tolle Momente mit der Garrocha – da war ursprünglich ja eigentlich nur Joya geplant…

Fàscino hatte auch Solo-Auftritte – Joya hielt es relativ gut aus, alleine zu bleiben, so dass ich mich hier voll auf Fàscino konzentrieren konnte.
Ich konnte alles live mit Headset kommentieren – so mag ich das ja immer am liebsten.
  
Er gestaltete auf ungeheuer witzige Art alle Schaubilder mit und brachte sich immer ein.
Ich hatte nicht geahnt, wie viel Spaß wir damit haben würden.
Na klar rief immer mal jemand entsetzt „Da läuft ein Pferd frei!!“ – aber dann kam er auf Pfiff und den Leuten wurde klar, dass das so sein sein sollte.
Er lernte Alpakas kennen und stand am Ende neben Joya auf dem Trittbrett einer Kutsche, die von zwei schicken Alt-Oldenburgern gezogen wurde.  
Wir hatten vier wirklich tolle, spannende Tage, die uns wieder einmal einander so nahe brachten, weil wir rund um die Uhr zusammen waren.
Es war einfach rundum schön.

2001 war ich zum ersten Mal in Eutin gestartet. Es dürfte kein weiteres Pferd geben, dass 13 Jahre später noch immer dabei ist.
Ihm gelang wieder so eine Kampf-Kür. Unglaublich.
Er trat echt den Boden tot.
Ich war völlig fertig hinterher.
Joya hatte kleine Patzer, tanzte aber viel mehr, so dass ich ihn vor Fàscino sah.

Die Richter sahen es anders.
Fàscino gewann die Kür – für mich nun wirklich völlig überraschend.

Und so beschloss ich in der Siegerehrung spontan, dass dies unsere letzte Kür war.

In Ruschwedel bei der „Tier-Faszination“ war mein Lieblings-Schaubild natürlich wieder Reiten mit Handpferd. Mit den beiden war inzwischen wirklich eine Menge möglich.
Das machte pur Spaß!
 
Doch auch in den anderen Schaubildern, wie in den „Variationen zu Pferde“, warf Fàscino nur so um sich mit seinem Können.

Es war (und ist) für mich immer wieder ergreifend, wie ungeheuer fein und mit wie wenigen Mitteln und Hilfen ein so kraftvolles, mächtiges Pferd zu reiten sein kann.
Wir machen alles über Spannungs- und Energiewechsel und sind mental so miteinander verbunden, dass es sich wirklich anfühlt, als täte man „nichts“.

Wir fuhren noch einmal an die Nordsee.
Für Fàscino hatte ich keinerlei Ausrüstung mit – und das war der Plan. Er lief frei mit.
Es war so, so schön!!
  
Eines der schönsten Bilder, die es je von uns Dreien gab, finde ich, ist dieses hier. So einen Moment kann man mit einem freien Pferd kaum stellen – und er ergab sich einfach und zum Glück stand Sönke mit der Kamera genau im richtigen Winkel.

Das Meer glitzerte an diesem Tag die ganze Zeit wie mit tausenden von Perlen übersät.
Das war unwirklich schön…

Saisonabschluss beim Pferdetag im Kiekeberger Freilicht-Museum.
Ich hatte mal nur Fàscino mit – und der zerlegte auf der Heimfahrt fast den Hänger.
Er fährt offensichtlich lieber mit Joya…
Kleiner Entspannungsmoment im „Barocken Ensemble“:  
Und seine kraftvolle, leichtfüßige Passage.

In Tarmstedt hatte ich Klaudia Brommund kennengelernt – und an meinem Geburtstag kam sie mit ihren herrlichen Harris Hawks zu uns!
  
Fàscino ließ sich erstaunlich unkompliziert mit den Vögeln vertraut machen.
Das war ein unglaublich schöner Tag!
Was für ein ergreifendes Erlebnis!

2015 

.- 
23 Jahre…
Natürlich wurde auch dieser Geburtstag gebührend gefeiert. Am 23. Februar.
Leider nicht bei 23 Grad. Aber mit mehr als 23 Leckerlies 🙂

 – .
Im März – noch mit Winterpuschelfell, aber keineswegs noch im Winter-Sparmodus!
Hochmotiviert und mit einer Leichtigkeit, bei der ich immer nicht verstehe, wo er die noch hernimmt. Das ist mir echt schleierhaft.
Das ist das mit Abstand beste Foto, das es von uns beiden im Spanischen Schritt gibt.
So ausdrucksvoll geht er den normalerweise nicht. Und dann noch mit Halsring!

,
Es war für Fàsci immer ein Hochgenuss, frei auf dem Hof herumlaufen zu dürfen. Manchmal kam er dann einfach dazu, wenn ich Joya ritt.
Er genoss sichtlich, Sonderrechte zu haben, auf die die anderen Pferde durchaus neidisch waren.

.
Kompliment rechts war inzwischen genau so sicher wie links, er hielt das auf beiden Seiten lange aus. Inzwischen reichte auch schon auf ein Zeichen, ich musste das Bein nicht mehr immer anfassen.  Manchmal besteht er aber noch drauf 🙂

Im April leistete er sich bei den Krämer-Jubiläumstagen einen unglaublichen Auftritt. Ich erklärte irgendwas zum Thema natürliche Schiefe und eine Dame fragte „Ja, aber wie machen Sie das denn nun mit einem Dreijährigen?“
Ich sagte „Noch gar nicht“, wollte aber natürlich trotzdem zeigen, worauf ich dann bei einem jungen Pferd achten würde.
 
Und so sagte ich zu Fàsci: „Sei mal drei!“ – und Fàsci fiel auseinander, wurde schief und lief wie eine Remonte.
Das war der Hammer!
Ich weiß nicht, wie er es machte, aber er fühlte sich echt so an. Schief,
schwankend, in Außenstellung um die Kurve geeiert – ich konnte wunderbar im Zeitraffer erklären, was ich zur Behebung der natürlichen Schiefe mache.
„Sei jetzt mal fünf…“ – „Und jetzt acht…“ – und Fàsci veränderte seine Körperhaltung und den Versammlungsgrad und wurde fünf und acht und zwölf und fünfzehn.
Aber nie dreiundzwanzig.
Er war einfach unglaublich.
Und seine Fan-Gemeinde wuchs.

 
Im Mai zeigte ich ihn bei meinem Themen-Tag mal wieder mit farbig bandagierten Beinen, um die Fußfolge zu erklären.
Im Schritt hatte jedes Bein eine andere Farbe, um den Viertakt zu verdeutlichen, und im Galopp waren die gleichseitigen Beine gleich bandagiert, um den Rechts- und den Linksgalopp gut erkennbar zu machen. Ich bewunderte mal wieder diese herrliche Verschiebbarkeit im Schritt bei ihm – diese Bandbreite kenne ich bei keinem anderen Pferd. Das ist einfach toll.

Im Juni machten wir einen so schönen Ausflug nach St.-Peter-Ording.– 
Joya durfte dieses Mal frei laufen und es entstanden wieder traumhaft schöne Aufnahmen von beiden Pferden.


Beim nächsten Themen-Tag spielte das Wetter leider nicht mit, aber die Teilnehmer und meine braven Pferde hielten wacker durch.
Irgendwie ergab es sich, dass ich freihändig rumexperimentierte – das hatte ich vor Jahren mal gemacht, war nicht so Fàscis Ding und bei einem Pferd, dass so steigen kann ist das im Zweifel auch nicht ratsam.
Aber sein Steigen ist ja bestimmbar, und so holte ich den freihändig-Zügel mal wieder hervor. Das ist ein bestimmter Zügel, der mit einem Haken am Gürtel befestigt wird.

Mitte Juni ritt ich mal wieder mit Halsring und Sönke machte tolle Bilder.
Ich liebe das Passage-Foto…
  


Nach diesen Bildern dachte ich, ich muss ein Halsring-Buch schreiben. Es ist fertig 🙂..
— 

Am nächsten Abend kam Nicoletta Gavar und machte ein paar sehr stimmungsvolle Bilder im frühen Abendlicht – dies waren die letzten Sprünge dieser Höhe, die ich mit Fàscino in diesem Jahr machte. Ich sage noch nicht, dass es unsere letzten waren!

Ende Juni weihte unsere Freundin Doris ihren Reitplatz ein und wir machten ein kleines, sehr privates Show-Programm.
Wir hatten viel Spaß und konnten machen, was wir wollten, und so probierte ich mal ein paar Sachen aus, die ich entweder noch nie oder zumindest noch nicht vor Publikum gemacht hatte.
  .
Zum ersten Mal gingen die beiden nebeneinander Spanischen Schritt, Fàsci hatte sich da bislang immer weitgehend rausgehalten. Seitengänge mit Handpferd gelangen lässig.

Ich spielte hier auch mal mit meiner Variante der „Doppel-Longe“ herum –
das klappte großartig!

Steigen geht immer! Toll, zwei Pferde, die so gerne und gut steigen und das dann auch noch nebeneinander – herrlich!

Eine Premiere waren zwei Flaggen und zwei Pferde.
Zugegeben, dafür hatte ich phasenweise echt zu wenig Hände 🙂
  
Zwei Flaggen in ruhiger Bewegung waren schon nicht leicht zu handeln, aber ich galoppierte natürlich auch. Hossa!
Da sind zwei im Fahrtwind knatternde Flaggen echte Brandbeschleuniger 🙂


Unsere Jungs durften hinterher noch mit den Dreien von Doris auf die Weide – alle verstanden sich und fühlten sich wohl.

Was für ein herrlicher Tag…

Und dann kam der „Tag der offenen Stalltür“ im Möschenhof mit buntem Showprogramm am 4. Juli. Meine Jungs übertrafen sich selbst.
Es war der heißeste Tag des Jahres und wir konnten gar nicht so schnell trinken, wie wir schwitzten. Ich fragte meine Jungs mehrfach, ob es ok sei, das und das jetzt zu machen – aber die waren überhaupt nicht zu bremsen.
  .
   
Beim Reiten mit Handpferd hatte mir Joya beim ersten Sprung den Strick durch die Hand gezogen. Das fühlte sich weder schön an, noch sah es schön aus, aber wer braucht schon zwei Hände… Fàsci jedenfalls nicht, es folgten noch unser iberisches Bild und Joya in der Freiheitsdressur. Ich tunkte meine Hand eine Weile in kaltes Wasser und verband sie dann – und weiter ging’s.


Im iberischen Bild konnte ich die Garrocha mit verbundener Hand halten und die Banderillas sowieso – ich ritt tatsächlich zum ersten Mal vor Publikum „in schick“ freihändig. 
Nachdem ich das überhaupt erst zum vierten Mal machte mit ihm.
.
Fàscino ging – da fehlen mir so ein bisschen die Worte. Es war einfach irre.
Er war mit der Garrocha schon super gegangen, aber freihändig – ich konnte alles, alles reiten. Viel mehr und viel besser als zu Hause.
Pirouetten, fliegende Wechsel, Traversalen – alles ging.
.
Für unsere 1000 Kerzen war es einfach zu heiß, die schmolzen ja sofort, aber davor brannten sie mal wieder lichterloh!

Dies sollte der einzige Auftritt seiner Art sein und bleiben.
Tatsächlich war es auch unser letzter öffentlicher Auftritt. Das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht – ich ahnte nur, dass es Joyas letzte Schaubilder sein würden.
Damit sollte ich Recht behalten.


Am 23. August verlebten wir einen schönen Nachmittag auf der Weide.
Es war unser letzter zu dritt.
Joya starb am 24. August.

Fàsci wollte danach gerne in Joyas Box und durfte die natürlich haben. Mit allem, was Publikum und Show anging, schien er mit Joyas Tod allerdings abgeschlossen zu haben. Mit ihm hatte er daran noch so viel Spaß gehabt – ohne ihn wollte er nicht mehr.
Und so war und ist es ok.

Im Mai war Dòn eingezogen, im September kam Nacariño dazu – und nun wurde es um und für Fàscino wirklich deutlich ruhiger. „Rente“ nannte ich es nicht (und er schon gar nicht), aber ich ritt ihn sehr selten, wir kuschelten mehr, er durfte nun einfach auch mal langsam älter werden. „Alt“ wage ich ja auch gar nicht zu sagen…!

2016


Lilly und Fàscino waren inzwischen ein Herz und eine Seele. Ich musste Fàsci aus der Wallachherde nehmen, weil unsere Jungspunde ihm zu sehr zusetzten. Gegen die konnte er nichts mehr ausrichten. Und so durfte er in der Stutenherde stehen.
Der Hahn im Korb ließ es sich nicht nehmen, im stolzen Alter von 24 auf die Idee zu kommen, zu decken… Nee, is klar  🙂

Meine jungen Pferde nahmen mich natürlich reichlich in Anspruch, und so ritt ich Fàscino nur noch sehr selten. Er hatte über den Winter ziemlich abgenommen, sah deutlich eckiger und kantiger aus. Er erholte sich über Frühjahr und Sommer aber sehr gut.
Es gab Zeiten, da fühlte er sich instabiler und etwas steifer an – naja, eben wohl älter.

Verstärkungen ritt ich überhaupt nicht, da seine frühere Vorhandlastigkeit versuchte, zurückzukehren – der gaben wir keinen Raum.
In der Versammlung fühlten wir beide uns am wohlsten und Fàsci sich am sichersten.

Fàscino kurz nach seinem 24. Geburtstag…:


Nach dem Reiten durfte er sich an mir immer den Kopf scheuern. Das hatten wir aus Epilepsie-Zeiten beibehalten und ich scherte mich einen Dreck um die Meinung vieler „Horsemanshiper“, ich sei doch kein Baum. Doch, manchmal bin auch das.

Lilly und Fàsci waren immer schwerer zu trennen. Und so genossen wir schöne Ritte zu dritt, auf denen Fàsci sehr vorwitzig wurde und durchaus auch mal in den einen oder anderen Vorgarten abbog.

Ich war froh, dass Fàsci nach Joyas Tod, der ihn ziemlich mitgenommen hatte, sich so an Lilly anschloss, und diese Liebe beruht absolut auf Gegenseitigkeit. Ich hoffe sehr, dass die beiden bis zum Schluss zusammen bleiben können.

Im Sommer stand uns, nachdem der erste Schnitt eingefahren war, auch die Wiese zum Reiten zur Verfügung. Das genossen wir sehr und wir nutzten es oft.
  
Es ist immer noch und immer wieder ein schier berauschendes Gefühl, Fàscino im Galopp losziehen zu lassen. Ich mache das kaum noch, aber wenn werden in uns sofort Erinnerungen an alte Military-Zeiten wach.
Das fühlt sich einfach gigantisch an!

Und dann wurde doch tatsächlich ein Stoppelfeld ganz nah am Stall mal nicht sofort nach der Ernte umgegraben. Wir hatten drei Tage die Gelegenheit, auf dem Feld zu reiten – und wir taten nichts anderes 🙂
  
Zum ersten Mal war ich mit allen Dreien unterwegs – Fàscino natürlich ganz frei.
Dón wurde extrem agil neben dem frei laufenden Fàscino. Der blieb aber immer in meiner Nähe und genoss die Galopps sichtlich. Ihm war sein Alter überhaupt nicht anzusehen, auch nicht in seinen Bewegungen. Im Gesicht schon  gar nicht.

Und dann ergaben sich Momente…

Es packte mich ziemlich spontan und ich ritt Fàsci völlig frei auf dem Feld.
Ich hatte nichts bei mir, und dennoch hatte ich Lenkung und konnte die Gangart vorgeben und das Tempo.
   
Wir hatten hinterher Tränen in den Augen – Nic, die fotografierte, und ich sowieso.
Wir waren beide ziemlich berauscht von diesem unglaublichen Gefühl völliger Freiheit.

Ich beschloss danach, Fàsci nur noch so zu reiten.

Den Zahn zog er mir ganz schnell wieder – er wurde beim zweiten, dritten Mal frei so unhandlich, dass ich doch wieder zumindest zum Halsring griff – und vorsichtshalber auch zum Sattel, sonst wäre ich schlicht in den Dreck geflogen. Er erinnerte mich also auch mit 24 noch daran, dass ich mir mit ihm nichts vornehmen darf – er bestimmt. Ok…

Am 3. Oktober kam er mit nach Heist.
War das schön!!!

Er lief die ganze Zeit frei mit und sprang uns auch einige Male über verschiedene Sprünge hinterher. Es war nur toll, ihn mit dabei zu haben. Und er genoss es auch.
Vor 20 Jahren war er zum ersten Mal hier..


Dieser Tag war wirklich für alle ein Hochgenuss!
Das war meine Version vom „Tag der deutsch(/spanischen)en Einheit“
🙂

In Stallnähe gab es ein Ölsaaten-Feld, auf das durften wir, weil diese Pflanzen später in den Boden eingearbeitet wurden und wir somit nichts kaputt machen konnten.
Hier saß ich auf einem kaum zu haltenden Sturm-und-Drang-Fàscino, der mit einer Wucht durch dieses Feld galoppierte, dass es sich anfühlte, wie eine lange Reihe In-Outs.

Ein absolut irres Gefühl!

Ich ging nochmal mit Lilly ins Feld und nahm Fàsci frei mit – und damit entstand eines der von der Atmosphäre her schönsten Bilder von ihm überhaupt:.

2017

Es gibt von diesem Jahr noch keine Fotos, aber bald werden welche gemacht.
Fàscino ist 25, und ich kann kaum beschreiben, was dazu in mir vorgeht. 
Die Freude darüber wurde noch einmal verstärkt, als ich in den letzten zehn Tagen diesen Rückblick gestaltet habe. Meine Güte, haben wir viel erlebt… Ist das eine lange Zeit…
Mein halbes Leben lang ist er nun an meiner Seite. Ausgerechnet er.

Die epileptischen Anfälle waren bis ungefähr sieben-/achtjährig ziemlich schlimm. Fàscino konnte einen Anfall später anzeigen – oder ich hatte gelernt, ihn zu spüren – und dann blieben mir noch ungefähr zwei Sekunden, um runterzuspringen, seinen Kopf in den Arm zu nehmen und zu warten. Das konnte manchmal verhindern, das er umfiel. Einmal passierte das mitten in einer Dressur und die Richter fanden das natürlich gar nicht komisch, als ich da mitten in der Aufgabe runtersprang und Fàscinos Kopf hielt. Ich konnte ja nun auch nicht sofort weggehen mit ihm. Normalerweise passierten die Anfälle aber eher in Ruhesituationen und nicht, wenn ein bestimmter Energiepegel erreicht war. Die Anfälle wurden mit neun, zehn Jahren weniger und hörten mit zwölf, dreizehn ganz auf. Jahre später, so mit siebzehn ungefähr, fing bei Fàscino jedoch Narkolepsie an, nach Aussage meiner Tierärztin vermutlich eine Spätfolge der Epilepsie. Fàscino geht damit sehr geschickt um, er scheint noch wahrzunehmen, wenn er wegdriftet und stellt sich sehr geschickt so hin in seiner Box, dass er sich anlehnen kann. Das gelingt ihm vermutlich nicht immer, denn es sind auch schon mal Spuren sichtbar, dass er gefallen ist.
Toi toi toi – bislang immer ohne Verletzungen.

Zum ersten Mal konnte ich ihn über den Winter ohne Decke stehen lassen. Noch nie hatte er so viel Fell entwickelt. Er sah, wie immer, über den Winter ziemlich rippig und kantig aus, aber ich hoffe, dass er auch in diesem Sommer nochmal wieder schön rund wird (für seine Verhältnisse. Damit wären andere immer noch schlank). Seine Kruppe wird eckiger, sein Hals wird weniger. Aber sein Gesicht… Dieses wunderbare Gesicht… Immer wieder sieht er aus wie ein Vollblüter, mit großen wachen Augen und diesem tollen Ausdruck.

Und was soll ich sagen – wozu habe ich junge Pferde, wenn ich von dem alten fliege…?
Der erste Sturz dieses Jahr geht auf sein Konto! Ich weiß gar nicht, wann ich von ihm das letzte Mal runtergeflogen bin, aber bei unserem ersten Ritt in diesem Jahr Anfang Januar berührte ich vor dem Absitzen mit der Gerte ganz leicht den Zaun. Mein ohnehin an dem Tag ausgesprochen glotziger Fàscino machte einen höchst dynamischen, drei Meter weiten Satz zur Seite, ich hing noch einen Augenblick quer und krachte dann runter.
Fàsci war ziemlich verblüfft. Ich konnte nur den Kopf schütteln…

Ich habe in diesem Jahr ein paar Mal drauf gesessen. Ich kann mir einfach nicht erklären, wo er das hernimmt, sich in dieser Leichtigkeit und Geschmeidigkeit zu bewegen. Das ist unwirklich. Aber er tut es.

Am 26.2. feierten wir seinen Geburtstag und Fàsci zeigte sich begeistert angesichts der leckeren Geschenke, die seine Gäste ihm mitgebracht hatten. Er zeigte sich im Nieselregen bei einem kurzen Ritt von seiner wirklich allerbesten Seite mit schönen Serienwechseln, tollen Wechseln Pirouette rechts / Pirouette links und selten guten Zweitakt-Sprüngen am Platz. Er hatte richtig Spaß an den kurzen Reprisen und fühlte sich 15 Jahre jünger an, als er angeblich ist 🙂
Toller, toller Junge…!!

Ich bin gespannt auf das, was wir noch zusammen erleben werden. Es wird nicht mehr so vielseitig sein wie früher, aber ich schätze, emotional hält mein Großer noch die eine oder andere Überraschung für mich bereit!
Dieses Pferd und diese 25 Jahre empfinde ich als ein einziges, riesiges Geschenk.


*********************************************************************************