Mai

Am 28. April hatten die Jungs ihr neues Zuhause in Auufer bezogen. Beide wirkten schnell heimisch. Doris war begeistert, wie gut erzogen sie sind (boah, Glück gehabt…!).

Ich ließ uns Zeit, ich war selbst von den letzten Wochen so angeschlagen, dass von mir keine großen Aktivitäten ausgingen außer denen, die im Zuge dieser ganzen Umzieherei nötig waren – und das war weiß Gott genug.

Die Fahrerei nervte mich fast sofort, ich weiß nicht, wie lange ich das durchhalte. Aber die Boxenpreiserhöhung von 250,- auf 380,- Euro (!!) ist einfach unrealistisch – erst Recht mit drei Pferden. Nicht machbar. Hier haben die Jungs ein tolles Zuhause und ich muss einfach mit der Zeit gucken, wie ich am besten mit der Fahrerei zurecht komme.

Am Freitag waren sie angekommen und hatten das Paddock und die Weide kennengelernt, über den Zaun auch Connemara „Conny“ und Trakehner-Quarter-Mix „Fynn“, die beiden hübschen Falben von Doris. Dón und Fynn haben sich schon mal gesehen und mochten sich von Anfang an, da sah ich kein Problem. Die beiden haben nun auch die Boxen nebeneinander, und natürlich steht Dón zwischen ihm und Nacariño.

Am Samstag nahm ich jeden einzeln an der Hand mit auf den Reitplatz, das gab ein bisschen Hinterher-Geschreie, aber sie ließen sich schon mal relativ unkompliziert trennen. Auf dem Platz gab es natürlich viel zu gucken (und zu erschrecken), Dón war ziemlich aufgeregt. Ich ließ ihn machen, bis er sich relativ entspannt zeigte.

Am Sonntag ließ ich ihn auf dem Platz frei und spielte ein wenig mit ihm, dabei lernte er auch den roten Ring kennen – davon hat Doris einige, und die rasseln auch noch. Um ein Pferd in Bewegung zu setzen muss man also nicht mehr tun, als diesen Ring ein bisschen zu bewegen – Dón zeigte ein paar höchst anmutige Bewegungen, fasste aber relativ schnell Zutrauen und nahm den Ring nachher sogar einmal kurz ins Maul. Bis der rasselte, da spuckte er ihn wieder aus 🙂

Dienstag setzte ich mich rauf und merkte, wie angreifbar mein Nervenkostüm gerade ist. Die Fahrt hatte mich genervt, Dóns Unruhe beim Putzen nervte, seine Glotzerei auf dem Platz und sein hier und da Wegspringen nervten.
Ich riss mich echt zusammen, aber ich musste einige Male zufassen, Dón ging ganz schön ab. Ich ritt ihn hier zum ersten Mal, es stürmte wie verrückt, es gab überhaupt keinen Grund, einen Groll gegen Dón zu entwickeln. Und so sah ich zu, dass ich das auch nicht tat, denn er konnte für die ganze Situation nun wirklich nichts. 
Ich ritt nicht lange, fand einen brauchbaren Abschluss und brachte Dón in Ruhe weg.
Er war kuschelig und suchte Nähe und ich war überaus froh, ihn nicht für irgend etwas schärfer als unbedingt nötig angefasst zu haben.

Dienstag Nachmittag war ich bei der Ärztin, die ich durch den gebrochenen Finger kennengelernt hatte. Und dieser gelang es innerhalb weniger Minuten und Handgriffe, mich wieder zum Laufen zu bringen. Seit drei Jahren knicken mir wiederholt die Beine weg, es ging mit dem linken los, dann war’s das rechte, ich konnte immer schlechter laufen, sah morgens beim Aufstehen aus wie 85 – das war alles kein Zustand. 
Und niemand kam auf die so einfache Idee, die sie hatte. „Stellen Sie sich mal hin!“ – Beckenschiefstand von fast 2 cm. „Legen Sie sich mal auf den Bauch…“ – sie rüttelte und schüttelte und zog im richtigen Moment an meinen Beinen und mobilisierte damit das ISG – mehr war es nicht. Ein blockiertes Illio-Sakral-Gelenk. Das war alles. Ich konnte es nicht fassen. Ich lief den Gang rauf und runter und versuchte wirklich, das Bein wieder „kaputt zu machen“, aber es gelang mir nicht. Es hielt. Das ISG wurde getapet und ich hatte ein völlig neues Gehgefühl.

Eigentlich nicht wichtig an dieser Stelle, aber natürlich sorgte das für ein Hochgefühl, und so fuhr ich Mittwoch deutlich entspannter zu den Jungs und merkte, dass mich die Fahrt schon nicht mehr so nervte. Dón war deutlich entspannter beim Putzen, ich konnte beide ohne Halfter trennen und einen zurückbringen und den nächsten holen, das war große Klasse. Und der Wind hatte auch nachgelassen 🙂

Zum ersten Mal probierte ich das Sidepull aus, das Nic mir gegeben hatte. Ich ahnte, dass Dón ein Bosal-geeignetes Pferd ist, aber einfach so ein Bosal kaufen wollte ich nicht, da kaufe ich dann lieber gleich das Richtige und nicht irgendeins, und dafür muss mir jemand noch die richtigen Tips geben. Das Sidepull passte und ich wollte Dón auf etwas einstimmen, was bei Roger (Roger’s Area) extrem wichtig war, was ich aber nicht in allen Situationen (Reitweisen) gebrauchen kann. Am abgelegten Zügel absolut still stehen und warten. Ich möchte, dass Dón also bei bestimmten Zäumungen „western“ denkt (dass mir das nochmal passiert in meinem Leben…!), bei anderen „klassisch“, bei wieder anderen „iberisch“ – naja, und „barock“ haben wir ja auch noch. Für jede Zäumung kann ich eine bestimmte Einstellung des Pferdes erziehen, und genau dafür wollte ich jetzt den Grundstein legen, wenn Dón sich mit dieser Zäumung wohl fühlen sollte.

Das tat er. Ich ließ ihn den Hals noch nicht runden, ich ließ ihn sehr frei gehen, bestand nur darauf, dass er im Halten am abgelegten Zügel wartet. Im dritten Halten brauchte ich keine zweite Hilfe, im fünften Halten stand er entspannt, im siebten senkte er den Kopf.
Ich lobte wie verrückt, Dón war so viel entspannter als beim ersten Ritt.

Es wurde ein wirklich schöner Ritt. Ich trabte, ich galoppierte, ich konnte aus allen Gangarten anhalten und sofort die Zügel fallen lassen und er stand ruhig.
Auf ein Anheben des Zügels hob er den Kopf und wartete auf das, was kommt.
Super!!

Und dann ließen wir das hübsche Quartett zum ersten Mal zusammen…

Conny hatte über den Zaun schon eine Menge Lärm gemacht, aber jetzt ging der Chef vom Hof echt ab. Er brüllte und prügelte beherzt los. Meine Güte, ließ der die Hufe fliegen.
Er vermöbelte meine Jungs nach Strich und Faden und brüllte dabei die ganze Gegend zusammen.

 

Es war aber klar, dass das einmal geklärt werden muss – und sie klärten es ziemlich schnell und gründlich. Dóns Füße flogen nach der ersten Überraschung weitaus graziler durch die Luft als Connys, dafür haute der mit mehr Kraft zu. Dón wurde wütend und prügelte schließlich mit Kraft zurück. Es knallte und krachte, Doris konnte kaum hinsehen, ich hielt die Kamera drauf. In dem Moment kann eh keiner was tun. Ich hoffte nur, dass sie alle heil blieben, aber ich ahnte hier schon, dass das etliche „blaue Flecken“ geben würde.

Dón sah einfach unfassbar schön aus. Nach einigen Minuten war das Schlimmste vorbei, sie gingen getrennte Wege, behielten sich aber im Auge. Fynn kam einmal an und schnuffelte mit Dón, die beiden werden sich weiterhin gut verstehen, die sind echt süß zusammen. Conny wird die Rangfolge mit Sicherheit nochmal in Frage stellen, aber das Schlimmste dürfte vorbei sein. 

Nach zwanzig Minuten gerieten sie noch einmal kurz aneinander und dann grasten sie relativ dicht zusammen, ließen sich aber in Ruhe. Ich bin sicher, das geht gut mit den Vieren, ich hätte allerdings nicht gedacht, dass Conny dermaßen heftig losprügeln wurde.
Da ist noch nicht klar, ob er seinen Rang als Chef abgeben muss, ich schätze schon, dass Dón darauf durchaus nochmal Anspruch erheben wird.
Keiner war wirklich kaputt gegangen, ich versorgte etliche oberflächliche Wunden, aber keiner ging lahm. Da hatten wir eine Menge Glück gehabt!

Am nächsten Morgen traf ich das pure Idyll an – alle vier grasten, es waren nicht mehr als 20 Meter Abstand zwischen den Pferden. Dón wird voraussichtlich eines Tages die Chefposition einnehmen, und er wird ein großartiger Chef – freundlich, eindeutig, fair. Conny guckte einmal in seine Richtung und atmete etwas zu tief ein, da machte Dón drei langsame, große, erhabene Schritte auf ihn zu und strahlte dabei den ganzen Stolz Spaniens aus (Gott, was für ein traumhaft schönes Pferd…!!) – und das war’s.
Conny drehte ab und graste weiter, Dón drehte sich um und graste auch.
Nacariño hat Narrenfreiheit in dieser Konstellation, Fynn scheint noch ein bisschen zwischen den Fronten zu stehen und nicht so recht zu wissen, wohin mit sich.
Ich glaube tatsächlich, Conny wird das nicht mehr ernsthaft in Frage stellen. Dón hat eine Souveränität und Autorität, das ist der Hammer. Ich guckte eine Stunde lang einfach nur zu (nachdem ich ein bisschen Zinksalbe verteilt hatte…). Das muss wirklich jeder mal machen, diese Interaktion unter diesen vier Pferden sagt und zeigt alles, was man über Pferdeerziehung wissen sollte. 

In den nächsten Tagen arrangierte ich mich mit der Fahrerei, ich hatte ja noch Urlaub und konnte mich / uns in der neuen Situation ankommen lassen. Das Wetter war durchweg besser als angesagt, und so machte ich zwischendurch etwas mit den Jungs, aber alles noch eher verspielt und lässig als mit irgendeinem erkennbaren Ziel dahinter.

Es gab immer nochmal wieder neue Stellen mit Zinksalbe zu versorgen. Conny hatte einen wirklich blöden Treffer gelandet an Dóns rechtem Röhrbein vorne, aber auch das sorgte zum Glück nicht für eine Lahmheit, sah nur unschön aus und dürfte die Knochenhaut ziemlich gereizt haben. Die Vier standen aber immer dichter zusammen und wechselten auch sehr einheitlich die Plätze – mal gingen alle kollektiv trinken, dann ins Paddock, dann wieder auf eine der beiden Weiden. Diese Wahlmöglichkeiten waren super und sorgten für Bewegung. Das erste Mal in meinem Leben, dass ich Pferde im Offenstall halte…

Doris hatte Weidenzweige auf die Weide geworfen und die Jungs knabberten begeistert daran herum. Dón versuchte, den Baum wieder aufzubauen. Er nahm einen Zweig und stellte den hin. Zu witzig!

Als ich mich dann wieder auf Dón setzte, merkte ich auf der rechten Hand schon ein bisschen, dass der Sattel, der Gurt oder mein Bein hier offenbar zwischendurch Prellungen berührten. Dón machte die eine oder andere Ausweichbewegung, aber das hielt sich alles in Grenzen und ich ließ ihn das natürlich auch machen.
Nun wurde allerdings doch mal wieder ein Ziel erkennbar, ich hatte ja ein Turnier genannt. Mal eines der für mich „ganz anderen Art“. Am 27. Mai wollte ich mit Dón bei der „German Open Extreme Trail Challenge“ auf Roger’s Area in Boklund starten.
Sowohl an der Hand wie auch geritten hatte ich die leichteste Trail-Klasse genannt (das wurde Anfängern auf diesem Gebiet ausdrücklich empfohlen und an dem Tag würden Dón und ich mit so etwas überhaupt erst zum dritten Mal in unserem Leben in Berührung kommen!) und die Bridleless-Prüfung – in der Annahme, hierbei handelt es sich um gebisslos. Hier bot sich meiner Meinung nach ja das Sidepull an. Ich hatte Nicola gefragt, ob ich das nennen könnte/sollte und stolperte gar nicht über ihre Antwort „Du reitest doch mit Halsring, oder?“. Das tat ich, wenn Dón auch noch selten, aber ich dachte in dem Moment, bridleless hieße gebisslos. So kann man sich täuschen. Aber dazu später mehr – erstmal gab das für mich den Ausschlag, Dón vermehrt auf das Sidepull einzustimmen.

Einhändig ging Dón in deutlich zu freier Haltung, beidhändig nahm er das sehr schön an.


Wichtig wir mir ja auch heute wieder, dass er am durchhängenden Zügel entspannt stehen konnte. Und das ging dieses Mal deutlich schneller und sicherer als beim ersten Mal.

Es gelang sogar eine sehr lässige Linkstraversale, die nach rechts ist noch immer Glückssache. Aber auch die gelang im Ansatz. Übertreten nach rechts ist kein Problem, aber so eine echte Traversale… Da gibt es noch irgendeine Blockade in ihm / in uns…

Ich fragte schließlich Trab und Galopp am durchhängenden Zügel an. Anfangs nahm Dón relativ rasant Fahrt auf, ich ließ ihn einfach machen und reagierte nicht groß, und so wurde insbesondere der Trab nachher sehr rhythmisch. Der Galopp, vor allem links, blieb dynamisch, aber ich musste nur am Ausgang eingreifen, ansonsten ging auch das.
Gemessen daran, dass Dón, als er zu mir kam, keinerlei Bewegungen am Hals ertragen konnte und ja sowieso oft mehr nach vorne geht als erforderlich, war das klasse.

Wir genossen die Ruhe dieses idyllischen Platzes und die Sonne – das erste Mal im Shirt! 19 Grad! Das war aber leider doch eher ein wettertechnischer Ausrutscher… 

Na und dann las ich mir mal brav das ganze Regelbuch durch und lernte dabei, dass bridleless nicht gebisslos (ich hätte drauf kommen können. Bitless ist gebisslos…) heißt, sondern ohne Kopfstück. UPS… Nun ergab auch Nicolas Frage nach dem Halsring einen Sinn. Dann muss ich den wohl mal wieder anlegen – aber ob ich mich mit meinem wilden Spanier mit so wenig Einwirkung in einen Trail-Parcours wage, werde ich wohl im Zweifel erst vor Ort entscheiden. Die Zeiteinteilung ist schon raus, meine drei Prüfungen sind gleich die ersten und alle hintereinander. Sinnvollerweise erst an der Hand, dann geritten, dann ohne Kopfstück. Meine große Hoffnung ist, dass der Parcours jedes Mal derselbe ist, dann würde die Einschätzung, ob das mit Halsring machbar ist, leicht sein.
Ich bin echt gespannt! Und da ich mal für niemanden außer für mich planen und mitdenken muss (für andere bestimmt kaum vorstellbar, wie schön das sein kann), habe ich sogar mal Zeit für ein gewisses Maß an Aufgeregtheit. Bringt natürlich auch die für mich ja totale Neuartigkeit dieser Wettbewerbe mit sich. Mir kann man jedenfalls nicht vorwerfen, ich wäre nicht offen für Neues 🙂

In den nächsten Tagen kam also des Öfteren der Halsring zum Einsatz. Und mein wunderbarer Dón haute mich beim ersten Mal echt vom Hocker – er war so leicht, so fein am Halsring, teilweise reichte eine Berührung der Haarspitzen. Durchparieren ging super auf Stimme, da musste ich den Halsring nicht mal aus dem Galopp wirklich einsetzen.

Das machte pur Spaß und so legte ich mir mal ein bisschen was hin, um Punktgenauigkeit zu üben. Dón hat jedenfalls mal so gar keine Angst vor den roten Rasselringen!
Er hat sogar probiert, einen hochzuheben – allerdings stand er gleichzeitig drauf, klappte also nicht 🙂

Aber das Thema war ja Punktgenauigkeit – und so probierte ich erst einmal, mittig über dem Cavaletti anzuhalten. Dón zappelte anfangs ganz schön rum, aber schließlich hatte er’s. Später konnte ich ihn sogar relativ gut nach rechts und links verschieben, während die Stange unter uns war.

Noch punktgenauer wurde es, als ich versuchte, Dón mit den Vorderhufen im Ring anzuhalten. Wow! Auch das gelang schließlich!

Nacariño wäre ausgeflippt… 🙂

Ich hatte mir eine Gasse aus sechs Ringen gelegt. Die wurde nach hinten schmaler.
Ich ritt vorwärts rein, hielt an und ließ Dón warten.

Und dann ging es rückwärts wieder raus – super!!

Dón wurde immer entspannter und war ungeheuer gehorsam. Ok, bis auf diesen Moment vielleicht, der zwar sehr lässig aussieht, aber tatsächlich aus einer Widersetzlichkeit entstand – ich wollte irgendwie in die Ringe und es kam zu diesem Missverständnis.
Pffff, egal, loben und weitermachen – wenn ich das angefordert hätte, hätte es nicht besser aussehen können 🙂

Und dann nahm ich, einem ziemlich spontanen Entschluss folgend, plötzlich den Halsring ab. Dón fühlte sich einfach nur gut und überhaupt nicht nach Weglaufen an. Da stand er nun, nackt und verblüfft. Ich ritt behutsam an, Lenkung hatte ich keine, die Gerte nahm er als Lenkung (noch) nicht an, und so ließ ich einfach auf großen Linien gehen.

Ich kam immer mehr zum Treiben, er wurde immer entspannter und zufriedener, ich hatte ein bisschen Lenkung über den Sitz, aber ich nahm bewusst nicht viel Einfluss.
Das Gefühl war einfach zu und zu toll!

Ich saß ab. Geiles Gefühl 🙂
So wenig Angst Dón vor den Ringen hatte, wenn sie am Boden lagen, so viel bekam er, wenn ich einen Ring hochhob – und ganz schlimm findet er ja immer alles, was über ihm passiert. So auch hier. Er wollte weg, sobald der Ring auf Kopfhöhe kam.
Daran, den über den Hals zu legen, war gar nicht zu denken.

Und so war ich plötzlich mal eben schneller und warf ihm den Ring über den Kopf.
Dón zuckte mächtig zusammen – aber nun lag der Ring da.
Schnorcheln, Kulleraugen, aber er blieb stehen und guckte mich an.

Dann gab es eine Weile Kekse durch den Ring, bis Dón sich einigermaßen damit arrangieren konnte. Ich musste die Bewegungen sehr behutsam gestalten, aber so konnte er das nachher einigermaßen aushalten.

An einem weiteren schönen sonnigen Tag baute ich mir ein bisschen was auf auf dem Platz. Ich nahm, was ich fand – aus drei umgedrehten Eimern wurde ein Slalom, aus den Rasselringen eine Gasse, das Cavaletti lag dort, meine Springblöcke bildeten einen schmalen Durchgang, eine Stange lag so in der Ecke, dass sich daraus eine „Box“ ergab, in der ich wenden lassen konnte, und ein einzelner Ring lag noch so, dass ich darin mit Vorder- oder Hinterbeinen punktgenau anhalten lassen konnte.
Also – ich konnte es versuchen 🙂

Außerdem hatte ich noch eine Regalrückwand, ca. 80 x 80 cm groß und so eine Art dunkellila. Die lag auf dem Boden, darauf wollte ich Dón so rüberführen, dass mal die Vorder- und mal die Hinterbeine draufstehen. 

Spätestens hier zeigte sich wieder, dass Dón (noch…) regelrecht Angst davor hat, mit den Hinterbeinen auf etwas stehen zu bleiben, während die Vorderbeine schon darüber hinaus sind. Er hielt das hier nachher einigermaßen aus, aber es dauerte und es fiel ihm echt schwer.

Alle anderen Sachen meisterte er ziemlich gut, mit den Rasselringen hat er überhaupt kein Problem, er tapert da kreuz und quer drüber. In dem einzelnen Ring konnte ich ihn mit den Vorderbeinen gut anhalten, mit den Hinterbeinen gelang es nur einmal per Zufall.
In der Springblock-Gasse konnte ich ihn anhalten, rückwärts und vorwärts schicken, nachdem er endlich mal aufhörte, da immer raufkrabbeln zu wollen.
Mit dem Cavaletti kam er super klar, das Wenden in der „Box“ gestaltete sich schwierig, weil er in dieser Ecke (ausgerechnet diese!! Ecke!!) nicht stehen wollte.
Das Slalom gelang relativ gut – in meinen Augen. In Dóns Augen auch.
In Rogers Augen schätzungsweise noch nicht 🙂

Komisch, dass ich mich im Sattel mit Schnelligkeit und Genauigkeit so viel wohler und sicherer fühle als am Boden. Ich versuche noch immer, ein Signal zu finden, auf dass Dón aus jeder Situation anhält, und so recht will mir das nicht gelingen. Ich stelle mich davor, ich hebe den Arm, eine Hand, das Seilende – kann klappen, muss aber nicht.
Tatsächlich klappte es nachher relativ gut, dass er jeweils beim Fallenlassen des Seils anhielt, aber so ganz sicher ist auch das nicht. Das ist etwas, womit ich echt Neuland betrete. Ich bin ja schon keine, die am Strick zieht, um ihr Pferd anzuhalten, aber so auf zwei Meter Entfernung und ohne Gerte von vorne – puh. Da fehlt mir einfach die Technik.

Dennoch – das Ganze brachte mir wieder einige Erkenntnisse und stimmte uns beide mal wieder noch besser aufeinander ein. Das Turnier ist einer Woche. Was wir jetzt nicht können, lernen wir auch nicht mehr 🙂

Und so fiel mir am nächsten Tag auch nicht so Recht ein, was ich machen könnte – während ich an Nacariño schon die Ausrüstung für Heist (11.6.) anprobierte, wollte ich mit Dón jetzt nur noch Dinge tun, die zu dem Turnier auf Roger’s Area passten.

Ich putzte also ausgiebig und dann war es auch schon so warm, dass ich einfach nur ein wenig laufen ließ. Dabei entstanden ein paar hübsche Bilder. Wir kuschelten noch ein wenig und ich genoss die Nähe zu meinem schönen, zärtlichen, nähebedürftigen Dón.

Inzwischen hatte Nicola die Pattern veröffentlicht.
Ach Du lieber Himmel!! Das sollte „Easy“ sein? Mit Wippen auf der Wippe? Und auf so ziemlich jedem Hindernis eine 180°-Wendung um die Hinterhand? Und immer schön Pferd im / auf dem Hindernis, Führer daneben?
Na, das konnte ja was werden! Also – Wenden üben!

Das dritte Mal, an dem ich punktgenaues Halten und Wenden übte (während die Hinterbeine auf etwas standen und die Vorderbeine nur im Sand), war richtig, richtig gut. 
Dón hörte aufmerksam zu, machte anfangs seine vier, fünf extrem ballettösen Ausfallschritte, um nur ja nicht mit den Hinterfüßen auf der Platte stehen zu müssen – und dann auf einmal stand er da, ich wartete, ließ ihn die Situation wahrnehmen, und dann bewegte ich ihn ungeheuer vorsichtig nach links und rechts. 

Schließlich konnte ich ihn fast eine komplette Drehung zu jeder Seite machen lassen.
Gefühlt in Zeitlupe und ich musste ungeheuer aufpassen – aber das war weit mehr, als ich vorher erwartet hatte. Guter, guter Junge!!

Dann stellte ich ihn noch in den Ring, und auch hier durfte ich ihn behutsam zu beiden Seiten wenden.

Mehr machten wir auch nicht. Es ging mir nur um dieses Halten und Wenden und das hatte Dón bestmöglich (jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt) erfüllt.
Wir machten noch ein wenig Quatschkram und dann war es das für heute.
Großes, großes Lob!!

Nun musste ich aber ja auch nochmal reiten, und das sollte das letzte Mal vor dem Turnier sein. 
Ääääähhhhh…
UPS…
Es war ziemlich fürchterlich. Es wehte ein sehr kerniger Wind und Dón war auch durch denselben. Er scheute, war glotzig, sprang weg, hatte eine enorme Abhau-Bereitschaft und konnte überhaupt nicht stillstehen. Er zappelte da kreuz und quer über den Platz, ich musste mit dem Sidepull ziemlich zufassen, viel mehr, als mir lieb war; und den Halsring, den ich mitgebracht hatte, ließ ich unbenutzt hängen. Daran war nicht zu denken.
Dón ging nicht auf zehn Meter an die „schlimme“ Ecke heran und war auch anfangs kaum über die Platte zu reiten – auf ihr anhalten war überhaupt nicht möglich.
Ich wollte das schließlich durchsetzen, zwar freundlich, aber schon ernst gemeint.
Er wand sich wie ein Aal, schleuderte seine Hinterfüße an der Platte vorbei, piaffierte, stieg, aber mit den Hinterbeinen darauf anhalten war schlicht unmöglich.

Irgendwann dachte ich, er muss sich bewegen, aber das war ja eigentlich nicht das, was ich wollte. Andererseits war ihm hier nicht beizukommen mit der Idee, sobald er steht, fällt der Zügel und minimaler Kontakt und so. Keine Chance. Er schoss ein paar Mal davon, einmal davon sah ich mich schon runterfliegen, irgendein glücklicher Schlenker hielt mich aber oben. Reine Glückssache.

Ok, ich ließ ihn also galoppieren. Hossa!! Ich musste echt halten, er war dermaßen grell, fühlte sich furchtbar an, und schließlich fühlte es sich auch noch so an, als würde der Sattel rutschen. Na, Glückwunsch. Ich kriegte da oben einfach kein gemeinsames Gleichgewicht mehr hin. Richtig bescheuert!

Ich fragte Übergänge an, ich ließ wieder und wieder und wieder so weit los, wie ich gerade durfte, ohne dass er haltlos davonschoss.
Er fiel in uralte Muster zurück (was beweist, dass Pferde nichts vergessen…) – als sich der Zügel am Hals bewegte, weil ich streicheln wollte, haute er massiv ab. Etliche Male.
Das hatte er gemacht, als ich ihn gekauft hatte (vor zwei Jahren!), da hatte er so einen Scheiß gelernt, das war aber irgendwann weg und nie wieder aufgetaucht. Jetzt war es wieder da und mir war nach Verzweifeln. Ich kam nicht ran an ihn.
Bestimmt zwanzig, fünfundzwanzig Minuten waren einfach furchtbar.

Es dauerte, aber irgendwann beruhigte er sich ein wenig und dann dauerte es nochmal gute zehn, fünfzehn Minuten, bis er mich im Galopp wieder sitzen und loslassen ließ.
Schließlich trabte er auch an leichter Hand, schließlich konnte ich mehrmals anhalten und den Zügel fallen lassen, er blieb ruhig, und so konnten wir in deutlich besserer Stimmung beenden, als wir begonnen hatten.
Hatte ich vorher noch gedacht, unser „Easy Trail in Hand“ wird unsere schlechteste Prüfung und die gerittenen würden bestimmt besser, so nehme ich jetzt einfach mal alles zurück und warte einfach gespannt ab, was passiert. Ich kann im Moment dazu überhaupt nichts mehr sagen – alles ist möglich. Ich rechne mit relativ unansehnlichen Vorstellungen.
Was mir aber ehrlich gesagt ziemlich egal ist (sowas wie „blamieren“ existiert in meinem Sprachschatz ja nicht – und auch nicht in meiner Gefühlswelt), weil uns diese ganzen Vorbereitungen unabhängig davon, wie das Turnier werden wird, schon so viele neue Ideen und Ansätze gebracht haben, dass es sich alleine dafür schon gelohnt hat.
Und irgendwas an dem Turnier wird natürlich toll werden!
Und wenn es nur das Wetter ist!
🙂

Es war mehr als das Wetter toll – hier der Bericht zu einem wunderbaren Tag in Boklund!