Juni

Anfang Juni sah es noch so aus, als stünden jedes Wochenende Veranstaltungen an, verschiedene Umstände ließen den Monat dann aber doch etwas ruhiger werden.

Nachdem ich Dón ja für die Extreme Trail Challenge ganz auf bestimmte Dinge eingestimmt hatte, standen nun wieder andere im Vordergrund. Und dafür hatten wir gar nicht viel Zeit – ich legte mal wieder eine Kandare auf und nahm auch nach langer Zeit mal wieder die Garrocha in die Hand, denn beides würde ich am ersten Juni-Sonntag brauchen. Dón ging mit der Garrocha sehr gut und ließ mich erfreut feststellen, wie sehr sich über den Winter seine Versammlungsfähigkeit verbessert hatte. Im letzten Jahr war das Tempo noch ein ganz anderes und ich konnte mich nicht erinnern, dass ich bisher schon mal die Garrocha für mehrere Galopp-Runden stehen lassen konnte. Im letzten Herbst hatte ich sie noch immer irgendwann wieder mitziehen müssen, weil ich Dón noch nicht ausreichend setzen konnte. Das war jetzt „plötzlich“ alles da und funktionierte.
Zu beiden Seiten wenden (noch im Schritt natürlich) war problemlos, und so freute ich mich so richtig auf unsere Auftritte.

Das erste Juni-Wochenende nämlich war das Pfingst-Wochenende, und am Pfingstsonntag nahm ich Dón mit zum Jübeker Pfingstmarkt. Diese Veranstaltung hatte früher in Treia stattgefunden, und tatsächlich war ich vor 12 (!) Jahren mit Fàscino dort aufgetreten. Zu meiner großen Freude durfte ich täglich (Pfingstmontag kam Nacariño mit) drei Schaubilder mit Headset kommentieren. In jeweils 20 Minuten durften wir zeigen, was wir wollten. Beste Voraussetzungen also – und das Wetter spielte auch noch mit. Und mein schöner Grauer kam sogar in die Zeitung!
Der Bericht zu Pfingstsonntag ist hier zu lesen, der zu Pfingstmontag hier.
Der Artikel kann durch Anklicken vergrößert werden:

Und wieder hieß es, Dón auf bestimmte Dinge einzustimmen, denn gleich eine Woche später fand das Working-Equitation-Turnier der VFD in Heist statt. Dies war im letzten Jahr Dóns allererstes Turnier überhaupt gewesen und ich war natürlich sehr gespannt, wie wir uns dieses Jahr schlagen würden. Zumal ich jetzt etwas mehr wusste, was wo gesehen werden wollte, das war im letzten Jahr ja alles noch recht nebulös und muss von den Teilnehmern durch einfach mitmachen herausgefunden werden. Für mich, die ich gerade im Hinblick auf Prüfungen klare Ansagen haben will, nicht ganz einfach, und auch dieses Jahr blieben noch genug Fragen offen, aber die Atmosphäre ist einfach schön, so dass ich wieder dabei sein wollte. Dón nannte ich dieses Mal zum ersten Mal in der Working Equitation Kl. A, zu der eine feste Aufgabe und ein Trail-Parcours gehören.
Diese Aufgabe allerdings zauberte uns ein richtig deftiges Problem.
Die Schritt-Trab-Tour zu Beginn ist schön zu reiten, am Ende der Aufgabe kommt der Galopp. Und der geht hier original nur geradeaus und durch die Diagonalen. Nach der Ecke der kurzen Seite wird auf die lange Seite zu angaloppiert. Solche Sachen mache ich kaum mit „alten“, total versammelten Pferden, aber mal schon gar nicht mit jungen.
Das sind für mich Linien, die einem den Galopp so richtig versauen können, und na klar verständlich muss ein Pferd für diese Aufgabe diesen Linien halt gewachsen sein, aber dann braucht es eben auch eine gewisse Reife. Eine, die Dón noch nicht hat und so spielten wir uns den Galopp mal gehörig kaputt. Egal, wie unauffällig ich angaloppierte und wie lasch ich das gestaltete, innerhalb kürzester Zeit wurde Dón regelrecht panisch, wenn ich im Galopp auch nur geradeaus guckte. Ich tat also so, als würden wir gleich auf einen Bogen gehen, um dann doch geradeaus zu reiten, was er sich zwei Mal gefallen ließ und dann half auch das nicht mehr. Eine Woche vor dem Turnier bestand unser Galopp nur noch aus Kopf hochreißen und davonschießen und Augen rollen und Panik kriegen.
Super.
Ich hatte die Aufgabe im Kopf, die musste ich nicht weiter durchreiten. Ich lullte Dón also total ein, machte nur auf „Ho ho, bravi bravi“ und sah zu, dass ich die verlangten Linien nicht mehr auch nur dachte, geschweige denn anguckte. So kam ich natürlich kein bisschen zum Treiben, Dón blieb auf Hab Acht und unter Strom und in einer unangenehmen Erwartungshaltung. Ich sah zu, dass ich im Galopp zum Loslassen kam (an Treiben war noch nicht wieder zu denken) und dass wir so einigermaßen einen Rhythmus fanden.

Puh, das konnte interessant werden. Ich ließ es drauf ankommen. Für den Trail hatte ich ein gutes Gefühl, für die Aufgabe nicht, in der Kür musste ich ja keine langen Geraden im Galopp reiten, das würde schon irgendwie hinhauen. Am 11. Juni fuhr ich also mit meinem Powerpaket Dón nach Heist – der Bericht ist hier zu lesen.
Dieses Bild aus der Kür ist mein Lieblings-Foto – vom Blickwinkel her, noch dazu ist es Galopp auf der Geraden 🙂

Doris und ich hatten wohl oft genug erwähnt, wie großartig doch so eine eigene Brücke zum Drüberreiten wäre, und tatsächlich lag zwei Tage vor dem Turnier eine auf dem Rasen. Die auch noch „mal eben von Hand“ zur Wippe umfunktioniert werden kann!
Ich freute mich total und ließ Dón da rüber gehen, was er mit großen Augen, aber sofort brav machte. Wir haben eine eigene Brücke! Brückenwippe! Wippenbrücke! Genial!

Am 24. Juni wollten wir im kleinen Kreis unseren kleinen Showtag in Auufer machen, und dafür hatte sich kurzfristig eine neue Idee ergeben, die wir nun einmal schön üben konnten.
Meine Arbeitskollegin Caro hat eine achtjährige Tochter, Charleen. Die beiden waren zum Zuschauen nach Jübek gekommen und Charleen hatte Dón kennengelernt und mir ohne  große Angst ein wenig geholfen. Ob sie nicht vielleicht mal Lust hätte, auf der Kruppe Platz zu nehmen, fragte ich – und dann ging’s los. Oh ja!
Und wie denn und was denn und so – ich schickte Caro Bilder, die sie Charleen zeigte, die war ganz begeistert und wollte unbedingt und so trafen wir uns einen Tag und Charleen nahm als Señorita hinter mir Platz. Dón hatte ja im letzten Jahr einmal Kimi auf seiner Kruppe gehabt und das sehr gut gemacht, aber mehr Erfahrung hatte er damit auch noch nicht. Und so merkte ich sofort wieder, wie er ganz vorsichtig im Gehen wurde, anders balancierte und sehr nach hinten lauschte. Aber er machte das wieder prima. Charleen kicherte hinter mir die ganze Zeit, es war einfach zu süß. Ich ließ sie Schritt und Trab fühlen, Galopp ließen wir mal noch weg, weil Dón da noch immer ziemlich stürmisch drauf war und das Kissen, auf dem die Señorita sitzt, irgendwie nicht so ganz gut saß.
Wir blieben also vorsichtig, aber um ein Gefühl zu bekommen, reichte es.
Charleen hatte keine Angst, sie hatte da Lust zu.

Richtig süß war vorher, dass Fynn frei mit auf den Platz kam und einige Runden im Schritt und Trab bei Dón blieb. So entstehen Ideen – und manchmal Schaubilder 🙂

 

Das Wochenende nach Heist war überraschend frei, hier hätte im Möschenhof der Tag der offenen Tür sein sollen, der jedoch leider abgesagt wurde. Und so fuhr ich spontan gleich nochmal nach Heist und nahm beide mit – zum ersten Mal fuhr ich ganz alleine mit beiden Pferden und es war einfach nur großartig, wie unkompliziert das inzwischen alles geht. Verladen kein Thema, in Heist an der Straße am Hänger anbinden und alles fertig machen, mit beiden Pferden durch das Tor (andere schieben sich hier für ein Pferd das breite Tor auf, ich tüddel mich mit zweien durch das schmale…), in die Boxen, die sie vom Turnier kannten, und dann erst mit dem einen und dann mit dem anderen auf den Geländeplatz.

Sie wieherten sich ein bisschen hinterher, aber insgesamt ist das einfach genial unkompliziert. Wir hatten richtig Spaß hier.

Dón fühlte sich nach purer Kraft an, viel mehr als mir lieb war, er übersprang sich maßlos und griff bedenkenlos alles an, was im Weg stand. Sönke war zum Fotografieren gekommen und musste schließlich etwas anders fokussieren, weil Dón ihm anfangs glatt aus dem Bild sprang.


Ich hatte nach längerer Überlegung meinen alten – uralten, um genau zu sein – Springsattel aus dem Keller geholt und war extrem erstaunt, dass der tatsächlich auf beiden Rücken lag. Auf Nacariños besser als auf Dóns, für den er doch recht lang ist, aber das ist ja nichts für täglich und ich habe den gut unterpolstert.
Ich liebe diesen Sattel… Ein UBO, der hat mich durch meine sämtlichen Military-Jahre begleitet, er muss inzwischen gute 40 Jahre alt sein. Und er leistete mir hier nun wirklich gute Dienste, denn aus dem „normalen“ wäre ich hier vermutlich bei ein paar von Dóns Sprüngen schlicht rausgeflogen.

So nun ritt ich zum ersten Mal Sprünge „einer neuen Liga“ an, gegen so viel Holz hatte ich Dón noch nicht gegengeschickt, und der zuckte nicht mit der Wimper, sondern übersprang alles mit einer unfassbaren Sicherheit und Kraft, das war schon ein wirklich irres Gefühl. Und in diesem Sattel ein echter Genuss. Ich war so froh, den wieder hervorgeholt zu haben – und dass Dón den auch noch gut aushalten konnte! Er ist mit Sätteln ja durchaus empfindlich, vor allem hat er eine ungeheuer kurze Sattellage, aber diesen Sattel nahm er ohne Mucken an. Großartig! Freu!!!
Sönke meinte bei diesem Sprung „Also mir wird langsam ein bisschen mulmig. Aber wenn Du Dich das traust…“ – worauf ich nur sagte „Mit dem Pferd??“ Der Sprung sieht unter Dón erschreckend klein aus. Der war in echt irgendwie gewaltiger. Aber Dón machte ihn ja durchaus gewaltig 🙂

Es entstanden so schöne Bilder von meinem vor Energie sprühenden Kraftpaket.

Und natürlich gingen wir noch ins Wasser! Zu und zu schön!!

   

Und da ich beide Pferde hier hatte, nahm ich Nacariño schließlich noch an die Hand. Beide waren eifrig und gehfreudig und so ritt ich einige Male durch den Teich – ich bekam es zwar nicht hin, dass beide reingaloppierten, aber höchst dynamisches Traben war drin.

Und dann dachte ich, es müsste doch möglich sein…
…mit beiden einen kleinen Sprung zu machen…
Unsere ersten Versuche in diesem Bereich kurz vor der Nordpferd kann man ja nur als gescheitert titulieren. Ich war also auf eine Menge gefasst, als ich höchst aufmerksam die kleine Birke ansteuerte. Und was soll ich sagen…
Strike!!!

Unsere ersten Sprünge zu dritt!

Nacariño war vor allem in der Landung sehr angriffslustig, Dón fühlte sich an wie ein Kampfstier (Dón von der Kraft her und Nacariño benahm sich so…), ich ließ beide ein paar Mal von beiden Seiten über die kleine Birke gehen und hörte dann echt glücklich auf.

Unser kleiner Showtag rückte näher und da wollten wir mit drei oder gar vier Pferden ein kleines Señorita-Schaubild machen. Also wurde für Charleen ein Kleid bestellt und ein zweiter Termin zum Üben gemacht, und dieses Mal trafen wir uns im vollen Outfit.
Nun ließ ich Dón auch galoppieren, was er mit Charleen wirklich großartig machte.
Der Galopp hatte sich ohnehin wieder verbessert, ich hatte eine Weile keine einzige gerade Linie geritten und baute nur hier und da mal eine ein, manchmal nur wenige Meter, um dann wieder abzuwenden, und je mehr ich zum Loslassen kam, je besser kam ich auch zum Treiben. Fliegende Wechsel fragte ich überhaupt nicht an, ich sah nur zu, dass der Galopp wieder gelassener wurde.

Das gelang, aber Dón grub dafür sein altes Problem plötzlich wieder aus – das Aufsitzen geriet immer wieder mal aus den Fugen. Ich weiß einfach manchmal nicht, woher solche Ängste bei ihm kommen – von jetzt auf gleich kann er in Situationen, die eigentlich schon ok waren, panisch werden und austicken. Das Aufsitzen war in weiten Teilen so gut geworden! Mir war schon klar, dass ich dabei immer wachsam bleiben musste, aber was nun der Auslöser dafür war, dass er plötzlich wieder losschoss, war mir nicht klar. Es war auch nicht jedes Mal, aber vereinzelt war das plötzlich wieder da. Blöd.

Der zweite Tag mit Charleen bot uns Foto-Wetter pur und Charleens Vater Olaf betätigte reichlich den Auslöser.

 

Ich wagte es schließlich sogar, die Flagge dazu zu nehmen, obwohl die Windmenge gerade eben kritisch war. Die Flagge war gar nicht so leicht zu händeln und so suchte ich die Richtung, in die sie wehte und legte danach erst ein paar Trabreprisen an, während ich aber schon darauf herumdachte, dass ich gerne einmal galoppieren würde. Dón wird aber ja gerne mal ein bisschen scheu, wenn sich die Flagge über ihm bewegt und so passte ich höllisch auf, wann wie wo wieviel Wind kam und wo ich möglichst gefahrlos – Kind an Bord – galoppieren konnte.

Mein feiner Junge hielt die Flagge nebst dem Wind erstaunlich gut aus und so ergaben sich mehrere kleine Galoppreprisen. Charleen lachte und meinte „Galopp ist ja toll!“.
Hihi, prima, total angstfrei. Einmal kam sie ziemlich ins Rutschen, ich parierte durch, sie fing sich wieder, Dón hatte das gut ausgehalten, sie rutschte und zog sich wieder an ihren Platz zurück und weiter ging’s.

Danach gingen wir noch über die Brücke und unser Hügelchen – ja, wir basteln uns hier so nach und nach unseren eigenen kleinen Trail-Parcours!

Charleen saß ab und ich nahm noch einmal die Garrocha zur Hand. Und dieses Mal ging er damit wirklich so gut wie noch nie. Das war echt große Klasse.

  

Ich wagte zum ersten Mal eine Wendung mit einem fliegenden Wechsel. Der geriet natürlich ausgesprochen dynamisch, das wäre aber nicht das Problem gewesen, da wir den Galopp wieder weitgehend im Griff hatten inzwischen – aber dass die Garrocha nun so schnell die Seite wechselte erschreckte Dón dann doch. Er startete durch. Ich hielt natürlich noch eine Weile fest, dachte aber nach ein paar fetzigen Sprüngen, dass ich mir hier gerade ein neues Problem schaffe, wenn ich jetzt festhalte – und ließ los.
Das passiert mir ja echt selten, aber hier war es offenbar die richtige Entscheidung, ich konnte Dón durchparieren, kuschelte, lobte, atmete ihm was vor und nahm die Garrocha wieder zur Hand. Wow. Das verschieben wir wohl mal auf später, würde ich sagen 🙂

 

Unser kleiner Showtag fiel dann leider wortwörtlich ins Wasser. Wir besprachen uns bis zur letzten Minute, da das aber ja sehr klein und privat war, fanden wir einen neuen Termin. Der Samstag war dann auch wirklich hässlich grau und verregnet – wir hatten alles richtig gemacht und freuen uns nun auf den letzten Juli-Samstag.

In der Woche davor hatte Dón einen wirklich rabenschwarzen Tag – Doris nahm Fynn in den Stall und die beiden beobachteten sich und wieherten, aber auch davor war Dón schon extremst unter Strom und permanent abgelenkt und machte mich damit schlicht wahnsinnig. Er ist agil und beweglich und schnell, und das nicht nur körperlich, sondern auch geistig, und seine Augen und Ohren sind es auch, aber er muss zwischendurch offenbar auch noch eigene Bestleistungen aufstellen und übertreffen, was seine Glotzerei angeht. Das war ein Tag mit neuer persönlicher Bestleistung. Er machte mich irre.
Normalerweise kann ich das ziemlich gut an mir abprallen lassen, ich hatte auch nicht das Gefühl, heute dünnhäutiger als sonst zu sein, aber ich war zum ersten Mal wirklich geneigt, ihn zu hauen. Und bevor ich mich dazu würde hinreißen lassen, in dem Wissen, dass das eine so völlig falsche Entscheidung für diese Situation war, saß ich ab.
Da Dón aber gerade wieder mit den Gedanken vollkommen woanders war und nicht so schnell mitbekam, dass ich runtersprang, erschreckte ihn das und er sprang wild zur Seite. Ich verdrehte die Augen, weil es mich echt nervte, dass er noch im Wegspringen schon wieder nach Fynn brüllen konnte, und nun fauchte ich ihn echt mal an. Ich schickte ihn an der Hand kreuz und quer über den Platz, um nur einmal kurz seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich bekam sie kaum, er glotzte sich so richtig am Stall fest, aus dem Fynn zurück wieherte, und schoss um mich rum, immer nur darauf bedacht, den Stall im Blick zu behalten, während ich massiv versuchte, ihn eben daran zu hindern.

So ging das nicht. Nicht mit ihm. Da war kein Rankommen. Ich war selbst erstaunt, wie sehr ich mich gerade zusammenreißen konnte – einerseits werde ich nicht mehr ausfallend gegenüber einem Pferd, solche Phasen hatte ich vor 20, 30 Jahren und habe mich damals schon gehasst dafür, aber es braucht wohl auch einfach manchmal eine gewisse Zeit, um sich bei sowas wirklich im Griff zu haben. Und das eine Pferd (oder der eine Mensch…) reizt einen eben mal mehr als andere, bzw. greift es einen bei manchen mehr an, bei anderen nicht. Bei Nacariño verbietet sich auch nur der Ansatz von Groll, der haut dann einfach sofort ab. Weit früher, als andere Pferde es täten, entzieht sich Nacariño ja einer Situation – zur Not mit Gewalt. Inzwischen nicht mehr so, aber anfangs ja durchaus.
Das ist nicht Dóns Art, der versucht ja eher zu ergründen, was der Mensch möchte, und im Zweifel bricht er lieber vor Angst zusammen als sich gegen etwas aufzulehnen.
Jeder auf seine Weise nicht einfach, zumal es uns allen Dreien ja nun nicht an Temperament mangelt. Es macht mich aber echt manchmal verrückt, dass Dón mit Augen und Ohren überall ist.

Ich nahm den Zügel an einer Seite ab und hatte somit die komplette Zügellänge als „Longe“ und ließ Dón um mich herum traben und fragte dabei wiederholt Spanischen Trab an. Bisschen viel „und“ in dem Satz, sorry, kleiner grammatikalischer Ausrutscher.
Das funktionierte – Dón wollte auch hier anfangs glotzend und wiehernd seitlich weg, ich wurde albern und spornte ihn an und so machte er immer wieder ein paar schöne, große, rhythmische Tritte, die ich richtig loben konnte, schließlich machte er auch auf kleinem Kreis einige sehr schöne Galoppsprünge. Das gelang auf beiden Händen, ich ließ ihn noch Spanischen Schritt gehen und steigen und so fanden wir wieder einigermaßen zusammen.
Mein Gefühl sagt, ich müsste ihm mal die Chance geben, einfach mal zu rennen (so lange er dabei nicht kopflos wird…) – mal die Lunge voll (guter nordischer See-) Luft pumpen und so richtig galoppieren. St.-Peter-Ording ruft, ich höre es bis hier!

Wir beendeten so gut, wie in dieser Situation möglich war. Dón war einigermaßen zu sich gekommen, noch voller Energie, aber nicht mehr so völlig geistig woanders.
Ich brachte ihn rein, Fynn war inzwischen draußen, beide wurden ruhiger, ich kuschelte noch mit Dón, machte ihn in Ruhe fertig und brachte ihn raus.

Die nächsten Male – mal reiten, mal frei mit beiden auf dem Platz rumspielen – waren soweit gut. Ich fokussierte Rückwärtsrichten und den Galopp und beides nahm wieder deutlich Form an. Und dann, von jetzt auf gleich, und ohne für mich erkennbaren Grund, grub Dón etwas Neues aus – das Aufsitzen war wieder etwas besser geworden, nun durfte ich nicht mehr absitzen. Ich kam nach einem schönen Ritt in die Stallgasse, hielt an, sprang runter wie immer und wie ich da so auf halber Höhe in der Luft bin, schießt Dón los. Ich landete heil, einen panischen Dón am Zügel, und hatte fünf Fragezeichen im Gesicht. Was um Himmels Willen war das denn?? Mein Abspringen vom Platz an unserem schwarzen Tag war ja nun schon ein bisschen her und dazwischen war das Absitzen kein Problem gewesen…
Ich saß wieder auf. Dón war in Spannung. Ich wartete, gab ihm einen Keks, streichelte.
Dann wendete ich in der Stallgasse, ließ ihn ein paar Schritte gehen (die Stallgasse ist erfreulich groß) und saß wieder ab. Beide Füße aus den Bügeln, normaler Ansatz zum Abspringen, ich bin noch nicht ganz mit beiden Beinen links, da schießt er wieder los.
Jetzt war ich aber mal ernsthaft ratlos. Wo zum Teufel kam das jetzt her??
Ich saß wieder auf, gleiches Spiel, Keks, kraulen, atmen, warten.
Mit extrem erhöhter Aufmerksamkeit absitzen – es scheint der Moment zu sein, wenn mein rechtes Bein über die Kruppe kommt. Aber warum? Dón, warum??
Er war gerade nicht in Erzähllaune, ich kam also nicht dahinter, wartete, bis ich ein halbwegs brauchbares Absitzen bekam und machte dann sehr in Ruhe mit vielen Kuscheleinheiten fertig.

Das ist einfach Dón. Mit seiner geistigen Abwesenheit kann er mich zur Weißglut bringen, aber mit diesen plötzlichen, unberechenbaren Panik-Atacken macht er mir Sorgen.
Da war jetzt für mich wirklich überhaupt nicht erkennbar, woher das kommen könnte.
Es gibt Tage, da ist er so entspannt, wirkt so gelassen, so in sich ruhend – und dann die anderen Tage. So hatten wir einen Tag, an dem es echt stürmte, was er sonst nicht gut aushalten kann – da schien er es nicht mal zu merken. Es ist ja gut, dass es das alles gibt, diese Mischung macht ihn ja aus, aber ich mag es schon lieber, wenn ich mir Dinge erklären kann. Und wenn die Pferde mich dazu erziehen, mich zu reflektieren und mein Tun in die für sie richtige Richtung zu entwickeln. Und es passiert mir echt nicht mehr oft, dass ich bei Situationen so gar keine Idee habe – hier ist es gerade mal so eine. Also, die nächsten Male absitzen sehr bewusst gestalten, denn sowas kann aber mal so richtig gefährlich werden. Na, mal sehen, wie das nächste Mal wird!

Ansonsten rückt unser 6. Team-Turnier näher, am 2. Juli richtet das Team Légèreté sein erstes „Outdoor-Turnier“ mit Trail- und Geländeprüfungen auf dem Johannenhof in Heist aus. In zwei Schwierigkeitsgraden gibt es eine Dressuraufgabe, einen Trail (einmal geführt und einmal geritten) und einen Gelände-Parcours. Wer alle drei Teilprüfungen eines Schwierigkeitsgrades absolviert, kommt noch in die kombinierte Wertung.
Meine Jungs gehen alle Prüfungen der schwierigeren Variante und den geführten Trail.

Ich bin mit Dón die Aufgabe jetzt zwei Mal durchgeritten, das zweite Mal war ganz schön.

Nachdem er das letzte Mal in Heist wie ein Berserker jedes Stück Holz angegriffen hat, habe ich ihm mal probehalber ein Kimblewick gekauft und das jetzt einmal drauf gehabt, scheint ihm allerdings leider nicht ganz so zu behagen. Muss ich nochmal mit reiten.
Da reden immer alle von den Reitern, die ihren Pferden im Maul rumziehen – ja und was ist mit den Pferden, die vor lauter Springgeilheit ihrem Reiter die Arme aus dem Leibe reißen?? Für die Geländeprüfung hätte ich gerne noch eine Alternative zur Trense, weil er da echt oft ein zergelndes Maul hatte, er hat ganz schön an mir rumgezogen, um zum nächsten springbaren Stück Holz zu kommen. Sidepull…?? Kriege ich damit noch eine Kurve, wenn er losgeht?? Na, ein paar Tage habe ich ja noch…

Zwischendurch helfen meine Jungs Doris beim Heckenschnitt 🙂

Ich befasste mich einen Tag sehr konzentriert mit dem Absitzen. Ich saß etliche Male an verschiedenen Stellen auf und ab, die ersten Mal drehte er sich noch blitzschnell zu mir um, aber das war ok, schließlich konnte er stehen bleiben und ich durfte später auch – hatte ich ewig nicht mehr gemacht – von der anderen Seite aufsteigen.
Alles wieder gut…!?

*******************************************************************************