Bericht von Ines

Meine Vorfreude auf die Pferd & JAGD 2012 war riesig. Noch im August hatte ich mich innerlich mehrfach gefragt, warum ich mir das eigentlich nach einem langen und anstrengenden Jahr mit viel zu wenig Urlaub antun wollte. Ab Ende Oktober wuchs jedoch die Vorfreude auf die Messe nahezu täglich, und je näher das Datum rückte, desto mehr kribbelte es. Auch die Atmosphäre, die mir im neuen heimatlichen Stall in Bezug auf die Messe entgegenschlug, verstärkte dieses innere Gefühl der Vorfreude noch; hier war kein Neid, nur Neugier und Unterstützung. Ich wurde immer wieder gefragt, ob ich schon Zeiten hätte, wann wir dran wären und was wir denn zeigen würden und überhaupt.

Ein schönes Gefühl, im Bereich der Showreiterei im Stall zwar Einzelkämpfer zu sein, aber gleichzeitig das Verständnis der anderen Stallkollegen zu haben, sein Pferd präsentieren zu wollen.

Neben der Vorfreude auf die Messe blieb die Sorge um das Wetter. Ich werde es vermutlich nie begreifen, warum eine Pferdemesse Anfang Dezember stattfindet. Es ist nun mal Winter und 20°C im Schatten sind leider nicht zu erwarten. Je näher die Messe rückte, desto häufiger rief ich einschlägige Wetterdienste im Internet auf. Es blieb der sorgenvolle Blick, denn es war kalt und es drohte Schnee. Die Messe sollte am Donnerstag losgehen, die Pferde durften ab Mittwoch auf’s Messegelände und für Mittwoch war glücklicherweise gutes Wetter angesagt. Also wusch ich am Dienstag bei Temperaturen knapp über 0°C nicht nur den Schweif meiner Schimmeldame (was sie noch ohne Wimpernzucken über sich ergehen ließ), sondern auch den leicht falb-farbigen Hals – das hätte ich mir offiziell natürlich sparen können, da sie ja laut Pass auch ein Falbe ist, aber der farbliche Umschwung zwischen Hals und Körper, also ‚eingedeckt‘ und ‚nicht von der Decke verhüllt‘, war doch recht groß. Also doch waschen. Diesen Teil fand Sureña dann auch ziemlich überflüssig (und kalt). Sie schaute mich mit großen Augen an („hast du einen Knall?“), hielt aber artig still.
Aus der Waschaktion ziehe ich schon mal den Lerneffekt für mich, ab jetzt immer Zweitklamotten für sowas einzuplanen, wenn Hals und Mähne gewaschen werden. Bei einer solchen Waschaktion, bei der der Kopf dementsprechend hochgehalten wird, läuft einem das Waschwasser mit Sicherheit den eigenen Arm hinunter in den Ärmel. Es wird klamm, es wird nass, es wird kalt… Und man erinnere sich an die 0°C…
Meine tapfere Ibererdame und ich fröstelten also zusammen. Das Ergebnis konnte sich aber einigermaßen sehen lassen, obwohl der Schweif nicht ganz so weiß zu bekommen war, wie ich es mir erhofft hatte.

Mittwoch… auf zur Messe. Das Wetter war trübe, als ich am Stall ankam, ein paar Schneeflocken rieselten vom Himmel, aber nichts, was ich wirklich besorgniserregend fand. Ich war gefühlt viel zu früh im Stall, da ich beschlossen hatte, meine Abfahrt ein wenig zu timen, so dass ich mit Sureña etwa zur selben Zeit in Hannover ankommen würde wie Corinna und Nic mit Joya und Fàscino. So verlud ich Sureña erst, nachdem wir uns noch eine Weile in der Halle gemeinsam die Füße vertreten hatten. Die Fahrt nach Hannover war sehr entspannt und es wurde hell und sonnig; teilweise bei strahlendem Sonnenschein lachte ich im Auto und die Vorfreude wuchs weiter an.

Der erste Pferdehänger, den ich in der Abladezone nach der Ankunft auf dem Messegelände sah, war der von Corinna – bereits leer. Ich ließ mein Gespann direkt nebenan stehen und ging erst mal auf die Suche. Nachdem ich Corinna und Nic mit vierbeinigem Anhang gefunden hatte, holte ich dann auch meinen eigenen Anhang dazu. Einmal mehr war ich von der Coolness meiner Stute beeindruckt. Sie stieg vom Hänger, schaute sich um und zuckte innerlich mit den Schultern – „dann wohl heute hier“. Auch den Teppichboden fand sie nicht weiter dramatisch. Die Box wurde begutachtet und für ok befunden… Das Stroh schien auch sehr gut zu schmecken. Alles gut.

Ich muss gestehen, ich war doch wieder einmal erleichtert, dass eine solche Umgebung für Sureña tatsächlich kein Problem darstellt. Sie geht an diese Dinge mit einer Selbstverständlichkeit und Selbstsicherheit heran, die mich fasziniert und begeistert. Gleich in der ersten Nacht legte sie sich zum Schlafen hin und am nächsten Tag kam ich mittags nach einem ersten Messebummel wieder und die anderen meinten zu mir… „wir haben bei Sureña eben nicht ausgemistet; sie hatte sich hingelegt und geschlafen“.

Großartig. Diese Ruhe und Entspannung machen es mir deutlich einfacher, solche Mega-Events mitzumachen; das Wissen, dass Sureña ein solch massiver Umgebungswechsel nichts ausmacht und sie diesen gut verkraftet.
Corinna wird jetzt bestimmt sagen „da müssen sie durch, das müssen sie lernen…“ – wohl wahr, aber einfacher ist es, wenn sie diese Coolness schon mitbringen

Generell war der Umgang mit Sureña auf der Messe fantastisch und noch einmal deutlich anders als im Vergleich mit der Nordpferd 2011. Zum Zeitpunkt der Nordpferd war Sureña erst ein knappes halbes Jahr in meinem Besitz; in dieser kurzen Zeit war ihre ganze Pferdewelt auf den Kopf gestellt worden – Besitzerwechsel, Stallwechsel, Wechsel in der Art und Weise ihrer Ausbildung und noch vieles mehr. Natürlich kannten wir uns zu dem Zeitpunkt auch einfach noch nicht so gut. Während ich in der Zeit der Nordpferd viele ‚große‘ Erkenntnisse über meine Stute sammeln konnte, so war die Pferd & JAGD eher ein Einblick in kleine Details und Feinheiten. Man lernt auf solchen Events in wenigen Tagen mehr über sein Pferd als in einem ganzen Jahr zu Hause. Man macht Erfahrungen, die einem im heimischen Stall immer verwehrt bleiben werden und es schweißt zusammen, sich in einer solchen Umgebung aufeinander verlassen zu dürfen.
Zwischen all‘ dem Trubel genossen Sureña und ich viele kleine Momente zusammen; ob es nun das gemeinsame Spiel war, die Zweisamkeit während der Vorbereitung auf die Auftritte oder ein paar Minuten der ‚gegenseitigen‘ Fellpflege mitten auf dem tumultigen Abreiteplatz. Es sind auch diese leisen Momente, die ein solches Event ausmachen.

Es gab natürlich auch schwierige Minuten. Der erste Auftritt in der Show-Arena zum Beispiel. Wider Erwarten hatten wir vor unserem ersten Auftritt im Tagesprogramm nicht die Möglichkeit, den Pferden die Show-Halle zu zeigen. Auch das Aufwärmen vorher lief nicht nach Plan; der Abreiteplatz war komplett überfüllt, auch der Platz hinter der Show-Arena war gerappelt voll. Kutschen, wilde Garrocha-Reiter und gefühlte 100 Pferde kämpften auf der kleinen Fläche um jeden Millimeter.

Am Donnerstag versuchte ich trotzdem noch, vor dem Auftritt etwas am Langen Zügel zu machen. Erst am Freitag begriff ich, dass Sureña dadurch komplett verunsichert war. Ich konnte ihr aus meiner Position am Langen Zügel in dem Trubel nicht die nötige Ruhe und Sicherheit vermitteln, woraufhin sie hektisch und nervös wurde. Zusätzlich zu dieser Nervosität kam noch die generelle Anspannung vor dem ersten Schaubild sowie die unbekannte Umgebung der Show-Arena hinzu, die den ersten Auftritt wahnsinnig anstrengend machten. Tausend Volt und überall Funken, die die Zündschnur entzünden konnten. Das Grinsen auf meinem Gesicht wirkte eher angetackert und verkrampft, während ich mit der Lenkung zu tun hatte. Sureña beschloss, in bestimmte Ecken mal grad gar nicht zu gehen, es gab den einen oder anderen Lichtfleck, den sie schief beäugte und gefühlt befanden wir uns am Donnerstag nur in der oberen Hälfte der Halle auf der Mittellinie mit Traversalen in alle Richtungen – und nicht immer in die von mir geplante, manchmal war es mehr Horse-Surfing als Langer Zügel, aber egal:
Lächeln und Weitermachen!

Die Stimmung im Team war super, es war trotz der vielen Neulinge sehr viel Ruhe zu spüren. Jeder bekam den Raum, der nötig war, wurde unterstützt oder auch einfach mal in Ruhe gelassen. Es entwickelte sich eine schöne Gruppendynamik und jeder packte mit an. Auch das gemeinsame Essen – morgens gab’s Frühstück für alle im Stall – sowie Messebummel in kleineren Gruppen trugen dazu bei, die Messe noch schöner zu machen.

Getrübt wurde die rundum schöne Stimmung vielleicht nur von unserem Schlafplatz.
Kalt, kälter, am Kältesten.
Woah.
Ich weiß nicht, ob die Zimmer überhaupt isoliert waren, aber wenn, dann hat da jemand einen ganz miesen Job bei der Isolierung gemacht. Es war einfach nur kalt. Die Heizung war voll aufgedreht, aber ich glaube, wir haben alles geheizt, nur nicht unser Zimmer.
Im Bett liegend, kroch mir die Kälte von der Dachschräge den Hals hinunter, so dass ich schlussendlich mit Kapuzenpulli (und die Kapuze wurde genutzt!), Schlafsack und der vom Hotel gestellten Bettdecke schlief. Dann war es einigermaßen erträglich. Trotzdem versuchten wir die Dauer des Aufenthalts im Hotel so kurz wie möglich zu gestalten.

Am Freitagmorgen verriet ein Blick auf den Ablaufplan früh morgens, dass die Show-Arena für Trainingszwecke offen sein sollte. Ich lief also rüber in die Show-Halle und fragte nach. Ja, die Show-Arena war offen. Sureña und ich mussten erstmal auf Frühstück verzichten, fluchs sattelte ich meine Ibererdame und es ging ab in die Show-Arena. Zu diesem Zeitpunkt waren Sabine und ich noch alleine da, ich schickte also noch eine kurze SMS mit der Info über die geöffnete Show-Arena an Corinna und versank dann in meiner Stute. Nach dem ersten so spannungsgeladenen Auftritt in der Arena am Donnerstag merkte ich auch jetzt, dass Sureña mit der Atmosphäre zu kämpfen hatte. An Schritt war am Anfang nicht zu denken, also: Bewegung. Ich ließ meine Ibererdame machen – Trab, Galopp, wie sie wollte. Ich forderte nichts, sie sollte einfach Sicherheit bekommen in der Halle, sollte sich wohlfühlen und Spaß haben. Es dauerte nur ein paar Minuten und schon ließ die Spannung nach. Diese kurze Trainingseinheit hatte uns beiden viel gebracht und so verließen wir schlussendlich ruhig und entspannt die Halle. Für Sureña gab’s dann erst mal Frühstück, ich musste mich noch gedulden, trabte ich doch noch mit der Kamera bewaffnet zurück in die Show-Arena um für Corinna, Nic, Steffi K und Solveig noch ein paar Bilder zu machen.

Der offizielle Auftritt am Freitagmittag im Tagesprogramm war nach dem morgendlichen Training in der Show-Arena dann wirklich deutlich entspannter. Ursprünglich war geplant, dass Sureña und ich 2x am Langen Zügel und 2x am Halsring in der Show-Arena auftreten sollten, aber nach dem feurigen Auftritt vom Donnerstag hatten wir beschlossen, dass ich am Langen Zügel bleiben sollte 🙂

Ich fürchte, ich wäre am Halsring wohl nur ein ‚Fähnchen im Wind‘ gewesen, daher war ich sehr froh, Ruhe in den Langzügel-Auftritt bringen zu können. Das Aufwärmen gestaltete ich nach den Erfahrungen des Vortages ebenfalls anders und lief einfach mit Sureña meine Runden; nicht in der Langzügel-Position, sondern am Kopf. Mein Vertrauen in unser Langzügel-Repertoire war groß genug, dass wir uns vor dem Auftritt nicht noch großartig am Langen Zügel einstimmen mussten. Ich wollte Sureña lieber Sicherheit und Ruhe geben. Dies gelang mir und so wurde der zweite Auftritt deutlich besser und ausdrucksvoller – zudem kam ich überall hin wo ich hinwollte und durfte dies auch (größtenteils) bestimmen.

 

Der Samstag sollte unser letzter Tag auf der Messe werden. Eigentlich war noch ein Auftritt für Sonntag geplant, die Wettervorhersage für Sonntag war jedoch sehr beunruhigend. Im Norden der Deutschlandkarte klebte ein Glatteis-Zeichen, Temperaturen um 0° C und Eisregen waren angekündigt. Wir beschlossen, frühzeitig die Zelte abzubrechen. Kein Messeauftritt ist das Leben unserer Pferde wert.

Der letzte Auftritt wurde mein persönlicher Höhepunkt dieser Messe. Wir sollten um kurz vor zwei Uhr in die Show-Arena gehen – Mittagszeit; und zudem noch die Zeit direkt vor dem Barock Show Cup. Die Tribünen waren vollgepackt. 5000 Leute. Ich bekomme noch jetzt Gänsehaut bei dem Gedanken daran. Wenn es mir nicht schon am ersten Tag bei relativ leeren Tribünen klar war, dann war es das spätestens am Samstag vor 5000 Leuten wieder klar, warum wir diesen Wahnsinns-Aufwand für nur drei Minuten Show-Zeit betreiben… Es ist einfach ein großartiges Gefühl, die Möglichkeit zu bekommen, sein Pferd in so einer Kulisse erleben und präsentieren zu dürfen, es ist Adrenalin pur und es sind so viele Endorphine, die mit so einem solchen Auftritt verbunden sind.

Keine A- oder L-Dressur auf irgendeinem Kreisturnier wird für mich je an das Gefühl eines Show-Auftrittes während einer Messe herankommen. Es geht um nichts (Schleifen, Pokale) und doch um so vieles (Freude und Harmonie).

Wir wollen die Freude am und mit dem Pferd präsentieren, wollen den Leuten schöne Bilder mit nach Hause geben und ich hoffe, dass uns dies in den drei Tagen der Pferd & JAGD gelungen ist.

Übrigens, die Rückmeldungen, die ich zur Messe von Stallkollegen bekommen habe (drei Leute) waren durchweg sehr gut. Meine ‚engsten‘ Freunde im Stall waren total begeistert. Die haben schon gefragt, wann wir das nächste Mal unterwegs sind, da wollen sie dann auch wieder gucken kommen… hab schon mal das Stichwort Nordpferd eingeworfen… *lach*

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