Bericht von Ines Diepenbruck

Die NORDPFERD 2013 ist vorüber; ein langes Messe-Wochenende mit traumhaften Höhen und erschütternden Tiefen. Überschattet wurde das Wochenende von der schweren Kolik eines unserer Pferde. Dieser Vorfall und die Probleme, die währenddessen auftraten, haben Spuren hinterlassen.

Doch von Beginn an: Die Messevorbereitung ging bei mir im Arbeitsstress nahezu komplett unter. Der Stresslevel war enorm, doch ich schaffte es, alles noch vor der Abreise fertig zu bekommen.
Ich muss sagen: ich habe nach der Pferd & JAGD offensichtlich tatsächlich dazu gelernt – ich hatte zum Waschen meiner Stute Zweitklamotten dabei… die ich auch brauchte, denn die Waschaktion umfasste mal wieder Pferd und Besitzer. Selbst ein zweites Paar Schuhe war nötig – und im Auto zu finden! 🙂

Die Anreise am Donnerstagnachmittag verlief zunächst ruhig, der berufsbedingte Stresslevel sank endlich. Auf dem Messegelände herrschte ziemliches Chaos. Auf jedem Dorfturnier gibt es Parkplatz-Einweiser, die die anströmenden Teilnehmer leiten und eine geregelte An- und Abfahrt ermöglichen. Nicht hier. Die Situation war chaotisch. Jeder machte, wie er bzw. sie meinte, geparkt wurde kreuz und quer, so dass deutlich weniger Gespanne auf dem Areal Platz fanden, als möglich gewesen wäre. Nach der obligatorischen Orientierungsphase und der Equidenpass-Kontrolle ging es an‘s Abladen. Sureña beschloss, kurz nachdem die Klappe auf war, dass Warten überflüssig sei. Bei noch geschlossener Heckstange ging sie mehr und mehr in die Knie und rutschte langsam rückwärts unter die Stange. Glücklicherweise war Ines Lampe mit einem Besen zur Stelle und half, das voreilige Stütchen in den Hänger zurück zu scheuchen.
Bis auf diesen Schreckmoment verlief der Rest der Ankunft ruhig.
Es folgte natürlich das bekannte Schleppen… was man auf Messen nicht alles braucht, und was nicht alles von A (Hänger) nach B (Stall/Ausrüstungsbox) geschleppt werden will… Puh.
Wir standen jedoch nicht unter Zeitdruck. Da wir nicht in der Gala-Show waren, gab es für uns am Donnerstag keine Verpflichtungen. So wurde in Ruhe geschleppt und bald hatten wir mit den ersten vier Pferden den Stall bezogen. Smily und Sureña auf der einen Seite der Boxengasse, Fàscino und Joya auf der anderen. Die restlichen unserer Boxen waren vorerst noch leer.

Freitag…
Ines „L“ und ich bildeten morgens die Vorhut. Wir hatten uns ein Hotelzimmer in der Nähe genommen und waren dementsprechend morgens früh vor Ort. Pferde versorgen, ausmisten, tränken etc. Es war ruhig und alle vier Pferde schienen eine entspannte Nacht gehabt zu haben. Sureña blinzelte mich aus wachen Augen an und war begeistert über die Heuration. Meine Stute ruhte einmal mehr in sich und war ausgeglichen und zufrieden. Diese Einstellung, diese Ruhe bewundere ich mehr und mehr. Ein solcher Szenenwechsel von unserem normalen Zuhause zu einer turbulenten Messe mit an- und abreisenden Pferden, häufigem Gewieher, genereller Unruhe… meine Zauberstute zuckte nicht einmal mit der Wimper. Später am Morgen stieß noch Manuela mit Jelle zu uns; ein imposanter Friesenhengst.
Den Rest der Truppe, der mit uns im Barocken Ensemble die Messe eröffnen durfte, trafen wir erst in der Abreithalle. Unser Bild wurde komplettiert von Ina Krüger-Oesert und Andrea Schmitz. Es war wunderschön, in dieser Truppe dabeisein zu dürfen, auch wenn ich mit Sureña manchmal das Gefühl hatte, in diesem geballten Können der anderen Reiter und Pferde fehl am Platze zu sein. Lektionstechnisch können wir damit einfach (noch) nicht mithalten. Trotzdem war es ein wunderbar dynamisches Schaubild. Sureña kam mit einer tollen Grundspannung in die Halle, es machte ihr sichtlich Spaß, sich zu präsentieren und ich grinste die ganze Zeit über beide Ohren und genoss unsere Zeit.
Da das Schaubild sehr lang war, hatten wir vorher vereinbart, dass nach etwa der Hälfte der Zeit die Reitweise gewechselt werden konnte. Begonnen hatte ich mit Sureña unter dem Sattel und anschließend stellte ich sie am Langen Zügel vor (ein Dank hier noch mal an die fleissigen Helfer, ohne die ein solcher Wechsel schwer möglich wäre, galt es doch Sättel zu übernehmen, Trensen zu wechseln und generell präsent zu sein). Sureña bot tolle Galoppreprisen am Langen Zügel an, genauso wie ein paar schöne Ansätze zur Passage. Was für ein Gefühl! Was für eine traumhafte Atmosphäre!

Direkt zwischen der Abreitehalle und der Showhalle wurden wir vor dem Auftritt noch kurz von Sureña’s Vorbesitzerin begrüßt. Sie strahlte mich an und schoss noch ein oder zwei Bilder, dann ging es auch schon los. Leider hatten wir hinterher keine Gelegenheit mehr, uns zu treffen, trotzdem habe ich mich über den kurzen Besuch gefreut. Für Sureña und Joya war dies am Freitag der einzige Auftritt, Fàscino durfte in einem Solo beim Tanz mit der Garrocha noch einmal sein Können unter Beweis stellen. Direkt im Anschluss daran waren Smily und Fàscino eingeladen, im Seminar „Das alte Pferd“ anwesend zu sein. Dies bedeutete leider keine aktive Teilnahme, sondern ein eher gelangweiltes Rumstehen. Der vortragende Tierarzt hatte eine Präsentation ausgearbeitet und war dabei nicht auf vierbeinige Anwesende vorbereitet. Dieses Seminar hatte jedoch auch etwas sehr Positives… hatte ich vorher noch überlegt, ob es Sinn machen würde, das Seminar mit der Kamera zu begleiten, so wurden meine Augen bald größer und größer als ich realisierte, dass der Raum einem Fotostudio glich. Im Hintergrund hing ein blauer Vorhang, ähnlich wie in einem professionellen Studio. Ausschließlich das Licht fehlte. Die schwierigen Lichtverhältnisse machten Fotografieren auch zu einer echten Herausforderung. Nun hatte ich ja aber eine gute halbe Stunde Zeit während des Vortrags, mit den Kameraeinstellungen herumzuspielen und fand bald heraus, dass ein brauner Hannoveraner und ein schwarzbunter Knapstrupper deutlich unterschiedliche Einstellungen benötigten. Wieder und wieder ärgerte ich mich über verpasste Momente bei einem Pferd, während die Kamera optimale Einstellungen für das andere Pferd parat hatte. Egal, es blieben trotzdem ein paar tolle Momentaufnahmen und der Vorsatz, alle Pferde am nächsten Tag vor Messebeginn oder nach Seminarschluss in diesem Raum abzulichten und die Bedingungen so gut es ging auszunutzen.

Das Hufschmied-Seminar, zu dem Corinna und Fàscino auch noch kurzfristig eingeladen wurden, war leider eher sinnlos, da auch hier der Vortragende kaum Notiz von den anwesenden drei Pferden nahm. Hier gab es leider auch keine Aha-Momente für fotografische Ideen oder sonstiges. Nun ja, manchmal verliert man, und manchmal gewinnen die anderen 🙂

Zum Abschluss des Tages schauten wir uns die Gala-Show an. Entweder bin ich durch die Pferd & JAGD bzw. die Hansepferd verwöhnt, oder mein Anspruch ist inzwischen ein anderer. Die Abendshow der NORDPFERD war leider nicht besonders ansprechend für mich. Die Story war lang, die Dialoge noch länger, einige Zusammenhänge ergaben sich für mich nur, da ich das Drehbuch kannte, und reiterlich erschien einiges als Abklatsch anderer bekannter Schaubilder. Es gab einige gute Ideen in den Schaubildern, aber nur wenige Bilder haben mich beeindruckt. Da wäre Andrea Mönninghoff mit Friese Jorit und ihrem Hund Frodo zu nennen. Eine wirklich tolle Kür mit Pferd und Hund. Traumhaft schön! Ina Krüger-Oesert zeigte ebenfalls eine beeindruckende Kür „im Wasser“. Ein riesiges Feld wurde mit blauer Stoffplane ausgelegt und von Helfern leicht bewegt, so dass der Eindruck entstand, Pferd und Reiter würden sich im Wasser bewegen. Fantastisch! Dies waren die beiden Bilder, die mir in Erinnerung geblieben sind, die mich persönlich am meisten beeindruckt haben. Es wurde sehr spät; die Länge der Gala war für mich übertrieben und dadurch anstrengend. Trotzdem ziehe ich den Hut vor den Akteuren, denn es ist eine tolle Leistung, eine solche Show vorzubereiten und auf die Bühne zu bringen.
Nach der Gala sahen wir noch einmal nach unseren Pferden, die friedlich und ruhig in ihren Boxen standen. Feierabend nach einem langen Messetag.

Der Samstagmorgen kam nach einer kurzen Nacht viel zu früh und leider auch mit bösem Erwachen. Im Stall angekommen fanden Ines und ich Smily festliegend in seiner Box. Er war schweißgebadet und als wir eintrafen schon sehr erschöpft. Wir bekamen sofort Hilfe von anderen bereits anwesenden Teilnehmern. Zu dritt buchsierten wir Smily in eine bessere Position und nach einigen Minuten nahm er alle Kraft zusammen und stand auf. Eine erste Erleichterung. Ines brachte ihn sofort raus ins Freie und begann, ihn zu führen. Die Sorge einer Kolik als Auslöser für das Wälzen und Festlegen sorgte für Unruhe bei uns. Die ersten zwanzig oder dreißig Minuten verliefen relativ ruhig, doch dann flaute das Adrenalin in Smily ab und es wurde sehr klar, dass er Schmerzen hatte. Im Verlauf der nächsten Minuten verschlechterte sich sein Zustand drastisch, so dass er uns schließlich auf dem Asphalt zusammenbrach… und es kam und kam kein Tierarzt. Warum kein Tierarzt vor Ort war, wird sich mir wohl nie erschließen, ist dies doch Standard bei allen anderen großen Messen im Umkreis. Nicht nur tagsüber sind dort Tierärzte anwesend, sondern auch nachts patrouillieren sie durch die Gänge. Nicht so hier. Wir warteten eine Stunde auf fachkundige Hilfe, während sich Smily’s Zustand weiter und weiter verschlimmerte. Schlussendlich kam die Tierärztin, untersuchte, überlegte. Als der Entschluss stand, Smily in eine Klinik zu bringen, war dieser kaum noch transportfähig. Die Injektion eines starken Schmerzmittels brachte letztendlich die Rettung. Keine zehn Sekunden nach der Injektion stand Smily – der vorher von dutzenden Händen aufrecht gehalten wurde – wenn auch wackelig, auf eigenen Beinen und lief die Rampe in den Anhänger hinauf. Nur Momente später war Ines mit ihm auf dem Weg in die Klinik.

Zurück blieben fassungslose Teilnehmer – nicht nur aus unserer Truppe, sondern auch bei allen anderen. Die Anteilnahme, die dieser Vorfall auslöste ist, war unglaublich beeindruckend und genau das, was ich an Showveranstaltungen zu schätzen gelernt habe. Diese Eigendynamik, die Verbundenheit untereinander, ist einfach nur toll. Ich weiß nicht, von wie vielen Leuten wir in den folgenden Stunden und am nächsten Tag angesprochen wurden. „Wie geht es Smily?“ „Habt ihr schon was gehört?“ Es dauerte gut zwei Stunden bis uns erste Nachrichten erreichten. Wir waren in der Vorbereitung zu unserem Schaubild, das wir trotz des Vorfalls durchziehen wollten. Wir hatten überlegt, das Schaubild abzusagen, hatten uns aber letztendlich dazu entschlossen, dies nicht zu tun. Kurz bevor wir in die Halle sollten gab es erste Neuigkeiten: Smily war in der Klinik angekommen und sollte nun operiert werden. Wieder warten.

Das Schaubild war schön, die Grundstimmung bei mir aber eher gedämpft. Ich kann tatsächlich nicht mehr viel von dem Auftritt rekapitulieren, ich weiß noch, dass alles ok war, aber Details habe ich nicht wirklich wahrgenommen. Meine tolle Ibererstute zeigte sich jedoch mal wieder von ihrer besten Seite, zeigte, was wir in der Arbeit am Langen Zügel beherrschen. Meine tolle verlässliche Maus.

Der Nachmittag verlief mit gespanntem Warten. Ines war zurück zur Truppe gestoßen, da sie in der Klinik nichts ausrichten konnte und auf dem Messegelände jede Form von Ablenkung bereitstand. Ich bewundere ihre Energie, ihre Kraft und Ruhe in der Situation. Absolut beeindruckend.

Ein für mich persönlich wunderschönes Erlebnis war der Besuch einer mir bis zu dem Zeitpunkt Unbekannten… Wir saßen gemütlich in einer Ausrüstungsbox beisammen als ein Gesicht in der Tür erschien… „Ich suche Ines“. Nun, genaugenommen gab es natürlich unter uns zwei Ines‘, der Name ist im Normalfall jedoch so selten, dass ich mich umdrehte und meinte, „das bin ich“ – es stellte sich raus, dass die Dame wirklich für mich gekommen war. „Ich bin die Vor-vor-Besitzerin von Sintra und wollte dir mal Fotos zeigen“ (Sintra ist der frühere Name von Sureña). In einem Bericht hatte ich mal erwähnt, dass ich fast nicht glauben kann, dass Sureña mal ein Falbe gewesen sei. Angelika wollte mir nun das Gegenteil beweisen. Es wurde ein langes Gespräch. Angelika und ich redeten wohl gut eine Stunde, wobei ich noch einiges über mein Stütchen erfuhr und einiges, was ich mir schon gedacht hatte, wurde bestätigt. Ich habe mich unendlich über diesen Besuch gefreut und über die Fotos, die Angelika mir als Leihgabe überlassen hat, so dass ich diese einscannen und die Duplikate behalten kann. Vielen Dank dafür!

Nachmittags dann der erlösende Anruf: Smily war wach und hatte die dreistündige OP gut überstanden. Die nächsten paar Tage würden noch kritisch sein, aber der erste Schritt war getan. Erleichterung machte sich breit – nicht nur unter uns, sondern im gesamten Stall.

Nach Seminarschluss nutzten wir wie geplant unser „Fotostudio“ und lichteten unsere Vierbeiner vor dem blauen Vorhang sowie einer weißen Leinwand ab. Es entstanden wunderschöne Bilder, die nur vor so einem Hintergrund möglich sind.

Sonntagvormittag, der letzte Auftritt im Tagesprogramm. Ich merkte Sureña und mir die Erschöpfung an. So ein Messewochenende zehrt eben doch an den Kräften. Der Auftritt im Barocken Ensemble fühlte sich gut an, aber eine gewisse Grundmüdigkeit war nicht abzustreiten. Trotzdem eine runde Sache. Es fehlte also nur noch die Offene Kür… eine tolle Besetzung mit so unterschiedlichen Reitweisen. Dies ist es mal wieder, was das Team so ausmacht: die ungeheure Vielfalt und die Offenheit gegenüber unterschiedlichen Reitweisen, die Bereitschaft, auch mal von der Norm abzuweichen.
So war z.B. mit dem riesigen Holsteiner Coriander’s Otto ein für die Arbeit am Langen Zügel absolut untypisches Pferd am Start. Beeindruckend auch, dass Birgit diese Arbeit mit ihm erst seit wenigen Wochen macht und sich damit gleich vor so viel Publikum traute.
Das Pas de Deux von Jenny und Sandra war auch sehr schön anzuschauen. Schade, dass die Beiden durch den Ausfall von Wazeer und den kurzfristigen Einsatz von Jairami sicher nicht ihr gesamtes Potential ausschöpfen konnten.
Corinna und Joya mit dem Wechsel der Arbeitsreitweisen (von Garrocha auf Arbeit an der Hand) zeigten einmal mehr ihre Vielseitigkeit, speziell der Tanz mit der Garrocha gefiel mir bei den beiden sehr gut.
Debbie mit Maroun… eine wunderschöne Vorstellung mit hohem Schwierigkeitsgrad und tollen Lektionen.
Auch Flores mit Andrea im Damensattel war wieder toll anzuschauen; ruhig, harmonisch, lektionssicher und in tollem Outfit – das verdiente spätere Siegerpaar.

Ich hatte mit Sureña eine Freiarbeit vorbereitet. Wir haben erst etwa Anfang des Jahres mit der Freiarbeit begonnen, und ich hatte beschlossen, mich damit bei der Offenen Kür der Reitweisen zu bewerben. Grundsätzlich ist Sureña ja nun wirklich verlässlich, trotzdem wusste ich natürlich nicht, wie sie in fremder Umgebung mit einer solchen Darbietung umgehen würde. Die Gegebenheiten schienen mir jedoch optimal für den Test: die Halle war rundum verschlossen und die anderen Teilnehmer würden während des Wettbewerbs ebenfalls alle in der Halle sein. Als Musik hatte ich mich für einen Mix aus Klassik und Popmusik entschieden. Eine Mischung, die ich durch Zufall bei einer Gruppe im Internet gefunden hatte. Basiert auf Piano und Cello, teilweise noch mit einem Orchester zur Unterstützung, mischte diese Gruppe Beethoven mit One Republic, Pachbel mit U2 oder vertonte auch einfach ‚nur‘ bekannte Lieder wie Elvis‘ Can’t help falling in love with you als Piano-Solo. Leise Töne, gefühlvoll und einfach nur untermalend. Das war meine Idee für die Musik. Zusätzlich dazu hatte ich Titel gewählt, die entweder mir persönlich etwas bedeuteten, oder deren Texte eine Bedeutung für mich und für die Beziehung zu Sureña hatten. So fühlte ich mich mit der Musik wohl. Ich glaube, diese Grundstimmung kam auch während der Kür herüber. Es war still in der Halle, als ich begann. Den Anfang machte eine Freiarbeit vom Boden aus. Der Spanische Gruß kam für uns beide eher überraschend; ich hatte mich mit der Länge des Intros und dem Platzangebot in der Halle verschätzt und so Zeit, den eigentlich nicht geplanten Spanischen Gruß zu zeigen. Danach zeigte Sureña einen schönen Spanischen Schritt, groß und ausdrucksvoll, auch die Ansätze zu Seitengängen gelangen ganz gut. Freie Linien machten keine Probleme und auch der Trab fühlte sich einfach nur schön an. Da Sureña bereits beim warm-machen Ansätze zum Galopp gezeigt hatte, beschloss ich es zu wagen, den Galopp in die Kür aufzunehmen. Der Galopp war in der Vorbereitung zur Nordpferd anfangs gut abrufbar bis mein Stütchen diesen nahezu komplett verweigerte (warum weiß ich nicht). In der Kür nun bekam ich ihn geschenkt. Ein leiser Schnalzer und schon war er da. Wunderschön, einfach eine Freude. Kurz vor dem Steigen noch ein kniffliger Moment. Aus der Bewegung heraus wollte ich mich von Sureña lösen und sie dann zum Steigen animieren. Dies funktionierte zuhause manchmal sehr gut, manchmal funktionierte das Steigen besser aus der Ruhe heraus. Aufgrund der schönen Grundspannung entschied ich mich für das Steigen aus der Bewegung… und merkte direkt, dass wohl aus der Ruhe besser gewesen wäre. Sureña zog seitlich an mir vorbei und entwischte mir, ich konnte sie aber nach wenigen Sekunden wieder zu mir holen. Es tat der Vertrautheit und der Verbindung zwischen uns keinen Abbruch und ich konnte sie nun direkt im Anschluss zu einem schönen freien Steigen animieren. Danach… aufsitzen während mein Stütchen schon mal losging. Da hat man mal wenig Einfluss drauf, so ganz ohne alles. Was zuhause klappt wie am Schnürchen, brav warten bis ich sitze, war nun gar nicht mehr so normal. Ich schwankte kurz zwischen abbrechen und neu ansetzen oder festkrallen und raufhangeln und entschied mich schlussendlich für’s hangeln… sicher nicht der eleganteste Weg aufzusitzen, aber der in der Situation der gefühlt Beste. Ich konnte mir das Grinsen nicht verkneifen als ich endlich saß (und hörte einiges an Gekicher von den Tribünen) und spürte auch, wie meine Süsse den Schalk im Nacken hatte und quasi ebenfalls grinste. Kaum saß ich richtig, wechselte sie die Gangart in einen flotten Trab. Wenigstens durfte ich noch lenken… meistens. Ruhigen Schritt und Spanischen Schritt bekam ich nicht, der zollte dann wohl doch der Atmosphäre seinen Tribut, dafür war der Galopp noch einmal sehr schön. Und dann war es auch schon vorbei, ich richtete Sureña zu den Richtern aus und rutschte zur Kruppe. Sureña wusste was kam und blieb artig stehen, während ich mich langsam aufrichtete und auf der Kruppe stehend meinen Schlussgruß absolvierte.

Es blieb muksmäuschen still in der Halle. Ich spürte förmlich die Spannung, das Warten des Publikums. Kurz bevor meine Füsse den Boden berührten fühlte ich eine Welle, die mich noch einmal anzuheben schien… und erst als meine Fußspitzen den Boden berührten kam der Applaus. Die Kür war wunderschön gewesen, diese Innigkeit, diese Vertrautheit, die zwischen Sureña und mir herrscht war einfach toll. Ich hatte bereits vor der Bewerbung gewusst oder geahnt, dass ich lektionsmäßig nicht mit den anderen mithalten können würde (und wie ich hinterher hörte, waren es wohl auch die fehlenden Lektionen, die mich ‚nur‘ auf den vierten Platz trugen), aber es war mir egal. Ich wollte es versuchen, wollte diese Freiarbeit mit Sureña zeigen und es hat sich gelohnt. Es war gefühlt eine der schönsten Prüfungen, die ich je bestritten habe und ich habe von vielen Menschen dafür Lob bekommen, bin von fremden Menschen angesprochen und zu der tollen Vorstellung beglückwünscht worden. Der vierte Platz fühlte sich innerlich an wie ein Sieg, denn ich glaube, die Vorstellung hat genau das wiedergespiegelt, was zwischen Sureña und mir besteht. Eine traumhafte Erfahrung, für die ich meinem Stütchen sehr dankbar bin.

Es folgte ein gefühlt sehr abrupter Aufbruch. Plötzlich waren alle weg, der Stalltrakt leerte sich und unsere Truppe fuhr wieder einmal getrennter Wege. Es erschien irgendwie übermäßig schnell, kein langsames auseinandergleiten und zurückziehen. Auf einmal war das Wochenende vorbei, die Messe vorüber, ein Vakuum blieb zurück. Auch ich spürte allerdings das Bedürfnis, meine Ibererdame nach Hause zu bringen und die Messe mit allen ihren Höhen und Tiefen für mich selbst zu verarbeiten. Es war ein emotionales Wochenende, ein Wechselbad der Gefühle, bei dem Freude und Leid so nahe beieinander lagen.

Einen Tag nach der Messe spürte ich die Erschöpfung, die die Messe hinterlassen hat. Bei keiner meiner bisherigen Messeteilnahmen habe ich diese Art der Erschöpfung gespürt, und ich denke, es ist mehr eine emotionale, psychische Erschöpfung als eine körperliche. Es wird sicher einige Zeit brauchen, die Erlebnisse zu verarbeiten. Ich wünsche Ines und Smily, dass er sich weiterhin gut von seiner Operation erholt und dass Ines ihn bald nach Hause holen kann.

Allen anderen aus unserer Truppe einmal mehr ein Dankeschön für die tollen Tage, die wunderschöne Atmosphäre untereinander, die solche Messen immer wieder zu einem besonderen Erlebnis machen.

Und das größte Lob gilt natürlich unseren Pferden, ohne die solche Erlebnisse gar nicht möglich wären.