Mai

Samstag, 16. Mai
Am späten Samstagabend kam Dón an und stand anfangs in der hinteren von drei Boxen, die mittlere war noch leer, hier sollte am nächsten Vormittag Merlin einziehen. In der ersten Box stand der 25jährige Casall.
Dón war na klar unruhig, wanderte viel hin und her, saugte das Stroh in sich hinein, rührte aber weder Heu noch jegliche Leckerlies an. Mochte er alles nicht. Sein Futter fraß er – immerhin – aber Bestechnung war nicht möglich 🙂

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Sonntag, 17. Mai
Am Sonntagvormittag holten wir Merlin. Da der rotzig sein kann, war die eigentliche Idee, Casall in die Mitte zu stellen und Merlin in die erste Box. Diese sehr großen, luftigen Boxen lassen eine Menge Sozialkontakt zu und so stellte ich Casall am Morgen schon einmal versuchsweise neben Dón.

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Und wer hätte das gedacht – Casall spielte sich ganz groß auf, knallte gegen die Wand, provozierte Dón nach Strich und Faden, der ihm dann mal ganz zärtlich an der Kruppe knabberte, was Casall mit mächtigem Auskeilen quittierte. Die beiden nebeneinander? Hmmmm…

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Die Wand zwischen erster und zweiter Box ist höher und hat auf drei Vierteln eine Heuraufe (ungenutzt), die Abstand bietet, so dass nur im letzten Viertel die Köpfe zusammengesteckt werden können. Also Casall in die die dritte Box, Dón in die erste,
und abwarten, was passiert, wenn Merlin dazwischen kommt.
Es passierte – nichts!

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Wir ließen sich die drei eine Weile in Ruhe im wahrsten Sinne „beschnuppern“, schoben Bundeswehrschränke hin und her und räumten ein und um und überhaupt.

Nachmittags nahm ich Dón am Kappzaum an die Longe und war hier sehr positiv überrascht – er suchte sofort angenehmen Zug nach außen, hielt sich dann akkurat an den Rahmen, den die Longe vorgab, dehnte sich schon ein paar Mal, war insgesamt aber natürlich noch flott unterwegs. Er hörte bereits bis zu einem gewissen Grade auf mein Zischen zum Durchparieren und ließ sich schließlich relativ leicht zwischen Schritt und Trab variieren. Das war viel besser, als ich zu hoffen gewagt hatte

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Und auch er muss natürlich lernen, die Berührungen der Peitsche auszuhalten – da ist noch ein wenig Übung und Desensibilisierung erforderlich!

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So sieht er also im Moment aus – wir vergleichen das mal in einem Jahr!
🙂

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Er durfte noch auf die Weide, hatte allerdings zum Fressen keine Zeit. Er hat eine Menge hormongesteuerter Kondition… Habe ich bei der konkreten Formulierung, was ich mich wünsche, vielleicht ein bisschen zu oft gesagt „mein Nächster muss Feuer haben“???

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Montag, 18. Mai
Am Montag wollte ich mich gerne raufsetzen. Zum Glück habe ich ja einige Sättel, und so fand sich einer, der relativ gut passt, allerdings für diesen nicht vorhandenen Rücken noch gut unterpolstert wurde. Da an diesem Pferd nichts dran ist, klappen die Beine einfach – zack! – zusammen, das ist gar nicht so angenehmen. Zumal es sich reichlich schwammig anfühlt, wenn er dann noch ein wenig schwankt.
Bevor ich das allerdings fühlen konnte musste ich da ja erstmal raufkommen. Er konnte nicht stillstehen und so ließ ich ihn einige Male um das Aufsitz-Höckerchen herumgehen, um ihn nicht zu sehr unter Strom zu setzen.

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Irgendwann konnte er dann auch stehen – so lange ich die linke Hand am Kopf hatte. Sobald ich die aber nach hinten nahm, um aufzusitzen, drehte er sich mir zu und der Winkel wurde zu groß, um aufzusitzen. So einen Hechtsprung wollte ich ihm dann doch nicht zumuten. Mir auch nicht.
Dabei gab es einen Moment, der echt gefährlich hätte werden können – und mir einen weiteren Eindruck von seinem grundehrlichen Charakter lieferte. Er drehte sich so blitzschnell um, dass ich hinter ihm war. Ich ließ nicht los, er erschrak, schoss nach vorne, ich blieb dahinter – hätte er da, und sei es nur vor Schreck, ausgekeilt, dann würde ich diesen Text hier wohl jetzt nicht schreiben. Er trat nicht, ich kam wieder an ihn ran und konnte ihn ein wenig beruhigen.

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Schließlich bekam er nicht mit, dass ich die Hand wegnahm und ich war ziemlich schnell oben. Da er gerade abgelenkt war, hat ihn das dann doch ein bisschen erschreckt – und das wollte ich eigentlich vermeiden. Zu spät, ich war oben. Und er ging los. Direkt im zweiten Gang. Die ersten Minuten können nicht schön ausgesehen haben, ich hatte pure Kraft unter mir. Da hatte ich schon ein bisschen was zu halten.

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Und dann trabte er gefühlte 20 Minuten stramm vor sich hin, ich sah zu, dass ich ihn nur begleitete und relativ wenig Einfluss nahm, er ging schließlich in guter Selbsthaltung, nur immer noch etwas forsch, ich sah aber keine Chance, freundlich durchzuparieren, und so ließ ihn traben. Die Bügel waren zu lang, der Sattel schien nach hinten zu rutschen, ich hatte wohl einen ziemlich verkniffenen Gesichtsausdruck vor lauter Konzentration.

Schließlich galoppierte ich auch auf beiden Händen – links problemlos, rechts ist noch nicht seins, da gibt es auch mal den einen oder anderen Fehlstart – und der Trab wurde langsam etwas ruhiger. Was für eine Kondition. Meine Güte. Es fühlte sich an, als könne er problemlos 10 Stunden so durchtraben…
Aber schließlich fühlte sich das Ganze doch etwas schöner an. Ich glaube, zum Lächeln kam ich noch nicht, zum Wohlfühlen auch nicht, aber immerhin – ich blieb oben und konnte einigermaßen Gangart, Tempo und Richtung bestimmen!

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Ich hatte Seitenstechen und fühlte schon den Muskelkater des nächsten Tages (der verblüffenderweise aber gar nicht kam). Nach Dehnung fragte Dón an diesem Tag überhaupt noch nicht, aber schließlich konnte er immerhin ein bisschen Schritt gehen.

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Puh! Was für ein Ritt! Alle Zweifel, die mich von einem jungen Pferd hatten abhalten wollen, waren wieder da. Aber nicht sehr hartnäckig. Wenn sich dieses Temperament erst kanalisieren lässt, wird Dón einem ein großartiges Sitzgefühl vermitteln. Das war zu spüren. Nicht, dass es schon da war, aber wenn er mich in diesen seinen Rücken erst mal reinlässt, wird das ein tolles Gefühl.

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Donnerstag, 21. Mai

Heute durfte Dón wieder auf die Weide, während die anderen Pferde auf dem Platz liefen. Er wird schon ruhiger, nimmt auch mal ein Maul voll Gras, behält die anderen im Blick, genießt aber ansonsten schon mehr die Sonne, wenn vorhanden, und fühlt sich deutlich wohler, wenn die anderen da sind.
Später durfte er sich auf dem Platz noch wälzen und nahm dann eine halbe Stunde die Nase nicht mehr vom Boden – er musste ausgiebigst recherchieren, wer hier vor ihm so alles gewesen war.
Ein echtes Problem ist das Hufe geben hinten. Vorne geht, hinten lässt er sich schlicht auf mich drauf fallen. Die Hufe sehen wirklich schlimm aus, vor allem der Strahl, auch wenn die Hornqualität gut aussieht. Da muss ganz dringend mein Lieblings-Schmied (ich habe nur den einen. Und ich weiß, warum!) ran, der dann auch ganz spontan nach Feierabend noch zu uns rauskam. Ich guckte also vorher mal, ob Dón sich die Beine abwaschen lässt, und das ging völlig problemlos. Das tat ich auch nur, weil ich die zuvor eingesaut hatte, da ich das Podest auf den Platz gestellt hatte und Dón immer wieder drumrum gehen ließ, während ich oben stand und wartete, ob er irgendwann stehen bleiben konnte. Auf dem Podest hatte ich mehr Platz als auf dem Aufsteighocker, und so simulierte ich Aufsitzen.
Er ging seine Runden und bot irgendwann ein Halten an. Ich lobte ausgiebig und schickte ihn wieder los. Wann immer er sich hochschaukelte, spannte und rückwärts dachte, schickte ich ihn mit einem Schnalzer nach vorne. Klare Ansage: Schnalzer heißt vorwärts! Zumindest im Moment noch, die anderen Schnalzer kommen später. Das begriff er relativ schnell, die Spannungsmomente, in denen er sich zusammenzog, ließen nach. Er entspannte sich ein wenig, konnte längere Phasen stehen bleiben, während ich seinen Rücken kraulte und auch meine linke Hand ganz bewusst vom Kopf wegnahm.
Das fühlte sich also schon einmal gut und richtig an, aber nun waren die Hufe völlig sandig, also wusch ich die ab, was Dón sich gut gefallen ließ. Er trank aus dem Schlauch – also Angst vor Wasser hat er schon einmal nicht!
Uli kam und ich stellte fest, dass ich endlich mal wieder ein Pferd habe, dass man anbrüllen kann. Uli nahm mit einer Engelsgeduld immer wieder ein Hinterbein hoch, stellte es gekippt auf seinem eigenen Fuß ab und schnitt so aus. Dón zog wiederholt weg und bei einem dieser Wegzieher zuckte er noch mal ein bisschen in Richtung Uli nach. Und da blaffte ich ihn so richtig schmissig an. Dón hätte um ein Haar die Hand an die Mütze genommen vor lauter Strammstehen, hätte er denn eine Hand und eine Mütze gehabt. Danach konnte Uli weitgehend problemlos weitermachen – und tatsächlich musste ich dieses Anschreien am nächsten Tag einmal wiederholen, als er sich beim wir-üben-das-jetzt-und-gehen-nie-ohne-Hufe-geben-aus-der-Box wieder auf mich fallen lassen wollte, von da an riss er sich sichtlich zusammen. Mal gucken, wie lange uns dieses Thema noch erhalten bleiben wird!

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Freitag, 22.5.

Heute hatte ich Unterstützung von unten, und so wollte ich gerne wieder reiten. Ich legte versuchsweise einen anderen Sattel auf und machte mir die Bügel gleich etwas kürzer.
Nic blieb am Kopf, wenn Dón stehen konnte, wenn nicht, ließ sie ihm Platz und er konnte seine Kreise um den Aufsitzhocker drehen. Ich wartete er, bis eine gewisse Ruhe da war, um langsam aufzusitzen, er sollte sich auf keinen Fall noch mal erschrecken dabei.
Das Warten zahlte sich aus – ich kam gut in den Sattel, er blieb ruhig und trat dann im Schritt an. Schließlich durfte ich selbst antraben, er konnte warten.

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Der Trab war längst nicht so kämpferisch wie beim letzten Mal, das Angaloppieren gelang noch leichter (zumindest links) und schließlich fragte er so ein kleines bisschen nach erster Dehnung. Er ließ mich ein paar kurze Momente in seinen Rücken, ich hatte deutlich mehr Lenkung, Gas und Bremse funktionierten, ich fing an zu grinsen.

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Das hatte wirklich Spaß gemacht und ließ mich beruhigt wegfahren – Samstag und Pfingstsonntag verbrachte ich bei meinen Eltern und beim Miesauer Pfingstturnier, wo ich zwei Prüfungen richtete. Ich wusste Dón gut aufgehoben und versorgt, er hatte sich in den ersten fünf Tagen so weit runtergefahren und entspannt, dass man ihn lässig führen und problemlos in Sichtweite der anderen Pferde auf die Weide lassen konnte. Ich gönnte ihm die zwei Tage Freizeit und spürte in Wellen das Glücksgefühl, ihn zu haben.

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Viel fotografiert haben wir in der zweiten Woche gar nicht. Dafür um so mehr Text…
🙂

(Pfingst)Montag, 25. Mai

Nach fünf Tagen (wo bleibt die Zeit??) wollte ich gerne wieder reiten. Nic war da und konnte beim Aufsitzen an Dóns Kopf bleiben, nach einigen Runden um den Aufsitzhocker konnte er schließlich auch lange genug stehen, dass ich relativ ruhig aufsitzen konnte. Dann wollte er aber auch gerne los, was Pferde bei mir ja dürfen, damit die Spannung nicht noch wächst, und so entspannte er sich kurz darauf auch wieder. Dieser Ritt war wieder schöner als der letzte. Beim Ausprobieren hatte ich ja einmal versuchsweise einen seitwärtstreibenden Schenkel angelegt. Von Dón kam ein fast hörbares „Hä??“ und keine Reaktion. Sehr süß.

Heute fühlte er sich im Trab auf einmal so an, als könnte ich das nochmal fragen. Ohnehin ist er fein am Bein, auf ein Schließen der Knie kommt schon fast immer seine Frage, ob er durchparieren soll, auf ein Anlegen bzw. behutsames Zudrücken der Wade kommt seine ebenso behustsame Frage, ob er antraben soll.

Ich fragte also im Trab tatsächlich in Richtung Schulterherein, was er im ersten Moment fast aus Versehen richtig machte. Er erschreckte sich dann auch gebührend über meine spontane Freude – Loben ist er echt noch nicht gewohnt. Meine Güte…

Ich fragte das nochmal an und wieder gelang es. Es waren nur wenige Tritte, aber er ließ ganz klar einen seitwärts treibenden Schenkel zu und wich dem korrekt aus. Und das auf beiden Händen!

Ohnehin ist er nicht sehr schief (kein Vergleich mit Lilly jedenfalls… Aber welches Pferd hält dem Vergleich schon stand…), der Rechtsgalopp ist noch Glückssache, aber ansonten fühlt er sich schon relativ gleichmäßig an und lässt sich auch zu beiden Seiten stellen.

In der Box ist er unglaublich biegsam – wenn ich die Kruppe bürste, kann er von beiden Seiten die Bürste in’s Maul nehmen.
🙂

 

Dienstag, 26. Mai

Meine Lieblingstierärztin hat sich Dón angesehen. Unsere Form der Ankaufsuntersuchung sah dann so aus, dass sie ihn auf der Weide hin und her gehen sah, hübsch fand und fragte, ob mir bislang irgend etwas an ihm aufgefallen sei.

Wir waren uns einig, es dabei zu belassen und ihn für gesund zu befinden.

Bitte, liebe Kinder an den Geräten zu Hause, nicht nachmachen!
Das mag meine Einstellung zu Ankaufsuntersuchungen bei jungen, unverbrauchten Pferden sein, ein Ratschlag für andere ist das keinesfalls!

 

Mittwoch, 27. Mai

An diesem Morgen machte Dón mir ein echtes Geschenk: Er lag in der Box, als ich kam und blieb auch liegen, als ich ganz vorsichtig in die Box huschte. Ich durfte mich zu ihm setzen, ihn kraulen, dabei fand ich eine Stelle unter / hinter den Ohren, die ihn die Augen schließen und sich fast auf die Seite legen ließ – er drängte gegen die kraulende Hand, sein Gesicht drückte pure Wonne aus.

Ich durfte mich auf seinen Rücken setzen und ihn überall anfassen, er blieb völlig entspannt liegen und warf meinen gesamten Zeitplan durcheinander. Wir genossen eine schöne halbe Stunde Zweisamkeit. Dann stand ich aber doch auf – er nicht.
🙂

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Freitag, 29. Mai

Ich hatte eine Reitschülerin da, die nach ihrem eigenen Unterricht noch Zeit und Lust hatte, Dón unter dem Sattel zu sehen, der für sie auch deshalb interessant war, da sie selbst gerade mit so einem Jungspund zu tun hat, der ihr leider schon durch ein paar Zwischenfälle den Schneid abgekauft hat. Sie blieb beim Aufsitzen kurz am Kopf, ich kam sehr unproblematisch in den Sattel und Dón ging so entspannt wie noch nie im Schritt los.

Ich erzählte, worauf ich Wert lege, wie ich ihn mit der Anlehnung begleite, um ihm einen Rahmen und Gleichgewicht zu geben; dass es ihn noch erschreckt, wenn man in der typischen Art lobt, bei der eine Hand den Kontakt aufgibt; dass ich sofort versuche, den Kontakt leichter werden zu lassen, wenn er sich in Takt und Gleichgewicht sicher (an)fühlt; und dass es mir bei diesem jungen Pferd niemals darum gehen darf, ihn „auszupowern“, da ich ja auch eine gewisse Erwartungshaltung ausbilde. Der Unterschied wird ja schon deutlich zu der Erwartungshaltung dem Reiter gegenüber, die er in Cottbus gelernt hat, und die er jetzt vergessen soll. Dieses Festhalten und „Zusammenschieben“ wird ihm hier nicht mehr begegnen, es ist aber zu spüren, dass er das erwartet.
Ihr junge Pferd wird immer ablongiert und darf dann nach dem Aufsitzen lostraben, um sich eben „auszupowern“. Er (ein gleichaltriger Spanier, der sogar ähnlich aussieht) ist eher scheu bis hin zu schreckhaft, was Dón nicht ist bzw. was ich sofort versuchen würde, abzustellen, indem ich ihm die entsprechende Sicherheit gebe. Dón fehlt einfach Entspannung, er ist in sich oft sehr „hochgefahren“, so dass ich dahin präge, dass er sich in meiner Nähe immer entspannen kann. Da wo ich bin, kann ihm nichts passieren. Das dauert, weil es viel Einheiten erfordert, in denen Zeit keine Rolle spielen darf. Deswegen muss er bei mir „rumstehen“ lernen. Ich kann und will stehen nicht erzwingen, das Pferd muss sich im Stehen wohlfühlen, sonst ist es eine potentielle Gefahr, wenn ich ein Stehenbleiben erzwingen will.

Entsprechend hat Annemaries junges Pferd inzwischen die Erwartungshaltung, dass Reiten mit Powern verbunden ist. Und so sind von ihm schon Reiter runtergeflogen und haben nun Angst. Aus dem Grund ist auch Annemarie bei mir und bekommt hier die Möglichkeit, auf meinen Pferden verschiedene Situationen zu fühlen und zu spüren, dass sie damit klar kommt. Der Kontrollverlust ist wie so oft das, was Reiter sehr ängstigt, und so behalte ich die Kontrolle über das Pferd, während ich sie in Situationen schicke, die ihr anfangs Angst machen, von denen ich aber absolut sicher weiß, dass sie sie bestehen kann.

Genau so mache ich es mit Pferden, mit ihrem Jungspund wird aber das offenbar nicht (bewusst) gemacht. Und so konnte ich ihr während des Reitens einiges darüber erzählen, worauf ich nun gerade bei diesem jungen Pferd achte. Es anderen zu erzählen, macht auch mir oft Dinge noch bewusster bzw. ist es oft gut, etwas nicht zu denken oder wahrzunehmen, sondern es auch zu formulieren. Und so erlebte ich die Veränderung, die Dón in dieser Einheit machte, noch bewusster mit – und freute mich entsprechend. Er konnte hier nun auch zum ersten Mal am Vierecksrand einfach stehen bleiben und uns zuhören.

 

Samstag, 30. Mai

Meine nächste Herausforderung sollte ja nun sein, dass ich mit Querendón auf dem Platz bin, während ein weiteres Pferd dort ist. Das ergab sich, da Nic Merlin ritt, als ich kam. Ich holte Dón am Kappzaum dazu und führte. Er behielt Merlin im Auge, das auch etwas genauer, als der galoppierte, aber ansonsten war er sehr ruhig, ließ sich führen, überlegte, ob er sich wälzen sollte – und etnschied sich doch dagegen. Jörn kam an und wir quatschten, eine gute Gelegenheit zum einfach-nur-rumstehen, was Dón ja unbedingt lernen muss. Er tat das auch sehr brav, guckte gar nicht mehr zu Merlin, beobachtete Jörn und seinen Hund und mich und wirkte mit sich und der Welt zufrieden.
Und dann schoss Merlin los wie von der Tarantel gestochen, ziemlich eng um uns herum, ich sah ihn halb rutschen und dachte nur „hoffentlich bleibt Nic oben“, da ich mich jetzt um Dón kümmern musste, der nun doch hochgeschreckt war und sein ganzes Testosteron auf Merlin konzentrierte. Der kam ziemlich dicht hinter uns herum, Dón machte auf großen Macker, baute sich auf und ging rückwärts auf ihn zu mit tiefem Grollen aus der Kehle, Nic hatte gerade keinen Einfluss auf Merlin, der nicht wahrnahm, dass es jetzt angeraten war, sich zu entfernen, und so brüllte ich Dón kurz und zackig zusammen und sofort ließ sein (zugegeben schickes) Hengstgebaren nach, er wurde weicher, guckte mich an und meinte nur „oh, sorry“. Und das war’s. Nic bekam Merlin in den Griff, nichts war passiert. Das war ein großartiger Test, der geradezu erschreckend unproblematisch verlaufen war. Da darf man auf die Wiederholung gespannt sein!

 

Sonntag, 31. Mai

Nic und ich hatten zum Frühstück eingeladen – wir hießen Merlin und Querendón offiziell willkommen. Das Wetter war nicht ganz so schön wie angesagt, es blieb zwar trocken, war aber windig und kühl. Dón kam mir morgens mit dem größten Mistfleck entgegen, den er, seitdem er bei mir ist, hatte. Waschen war angesagt! Er ließ sich den Schweif und die Beine genau so unproblematisch waschen wie letzte Woche die Hufe.

Danach durfte er auf die Weide und dort fing er sofort an zu fressen. Als dann alle da und wir so schön am Quatschen waren, wollten die Gäste ihn natürlich unter dem Sattel sehen. Er kam mir auf der Weide entgegen und freute sich sichtlich über Besuch. Ich machte ihn fertig und kam zum Platz. Inzwischen war es reichlich nordisch-windig geworden, bei so viel Wind hatte ich ihn noch nicht geritten. Es dauerte dann auch einen Moment, bis er am Hocker stehen bleiben konnte, dann konnte ich aber ohne Hilfe aufsitzen. Das erste Mal wieder, ohne dass jemand am Kopf stand. Er war dann auch prompt reichlich kernig, kaum dass ich oben war, und stratzte los. Dennoch konnte er Schritt gehen, wenn auch reichlich unter Strom. Ich ließ ihn relativ bald traben, er machte ein paar kleine Hüpfer und spannte sich wiederholt massiv an – dann wirkt er noch viel dünner als er ist, man hat dann aber auch gar nichts mehr zwischen den Beinen – wurde nach dem ersten Galopp aber etwas ruhiger und schnaubte auch schon einmal ab. Dann konnte er sich auch mal dehnen, aber nur ganz kurz und noch nicht ernst gemeint J

Zum ersten Mal spürte ich diese wechselnde Spannung und diese kleine „Seitensprünge“, und ich fing an zu lachen und hatte meinen Spaß. Ich vertraue ihm schon so weit, dass ich das Gefühl habe, mehr als das wird es nicht, wenn ihn nicht irgend etwas massiv erschreckt. Und ich muss mich natürlich sehr geschmeidig und im Gleichgewicht auf diese Bewegungen einlassen, denn es erschreckt ihn schon, wenn ich ihn dann irgendwo berühre. Je weicher ich ihn begleiten kann, je schneller entspannt er sich, und so konnte ich nachher mehrfach anhalten und wieder antraben – nicht dass das Halten im Genick durchlässig und nachgiebig war, aber es gelang auf Stimme und er konnte stehen bleiben!

Gegen Ende konnte ich dann auf Stimme sogar aus dem Galopp zum Halten kommen und die Zügel auf den Hals legen und ihn einfach rumstehen lassen. Das war in dieser Form das erste Mal. Ich grinste über beide Ohren, er fühlte sich ganz zufrieden an, und ich bat die Gäste, vorsichtig zu applaudieren. Er ließ seinen ersten Applaus ungerührt über sich ergehen. Alle fanden ihn toll, ich erst Recht, und das kam ganz offensichtlich bei ihm an.
Danach nahm ich den Sattel ab und er legte sich tatsächlich ganz ruhig an der Hand hin! Ich konnte ihm einen Keks geben, den er zerbröselt wieder ausspuckte, er legte sich auf die andere Seite und war wirklich cool dabei.

Dann standen wir am Platzeingang und er musste aushalten, dass von vorne Merlin und Casall auf die Weide geführt wurden und losbockten, dann kamen direkt vor ihm Fàscino und Joya aus dem Stall und galoppierten auch direkt los, und dann kamen noch Lilly und Tina, die auf ihre Weide geführt wurden. Da hatte er einiges zu gucken und wurde kurzfristig unhandlich. Ich schüttelte den Zügel, damit er auf Distanz bleibt und auf mich achtet. Damit musste ich ziemlich rigoros werden, er beruhigte sich dann aber relativ schnell, nachdem alle Pferde verteilt waren und grasten. Er ließ sich völlig entspannt zu seiner Box führen.
Das war prima!

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