Juli

Mittwoch, 1. Juli

Dón war beim Putzen reichlich überdreht und frech, schnappte immer wieder und musste daraufhin leider mal einen auf die Schnauze kriegen. Rotzlöffel. Die Wallache waren seit 6.00 Uhr draußen, weil es so enorm heiß werden sollte, das hatte wohl seinen Morgen durcheinander gebracht.

Er beruhigte sich schließlich und wir marschierten Richtung Platz.

Heute gab es zwei Momente, die schon sehr deutlich zeigten, wie groß das Vertrauen zwischen uns beiden inzwischen ist. Der erste Moment war ein leider mal wieder blödes Aufsitzen – in dem Moment, als ich mich hochschwang, drehte er sich seitlich mit dem Kopf zu mir hin, so dass ich einen ganz schönen Schlenker in der Luft machte. Er erschrak natürlich und machte einen schrägen Satz, ich sah bloß zu, dass ich oben blieb und Kontakt zu ihm hielt – und nach zwei Metern hielt er an. Zwar auf Hochspannung und sofort fluchtbereit, aber zum ersten Mal in einer solchen Schrecksekunde hörte er mehr auf mich als auf seinen Instinkt. Ganz großes Lob!!

Der zweite Moment passierte später beim Reiten – unser Viereck ist mit Litze eingezäunt und Dón kam der einmal sehr nah. Er hat sie gar nicht berührt, aber mein Stiefel. Dón hörte die Reibung und sah dann auch neben sich die Litze vibrieren und da passierte genau dasselbe wie zuvor – er war sofort auf Hochspannung, machte zitternd einen Satz, hörte aber mehr mir zu als auf seinen früheren Reflex. Ich konnte ihn von der Bande wegtreiben und beruhigen.

Zwei ähnliche Momente am selben Tag, die vor zwei Wochen noch ganz anders ausgegangen wären! Freu!!

Oh, und was ich ja noch gar nicht erzählt habe: seit gut einer Woche nimmt er das Gebiss immer von selbst ins Maul. Von einem Tag auf den anderen war das da. Ich habe anfangs wirklich den Finger im Maulwinkel gebraucht, der wurde immer unwichtiger, und nun also nimmt Dón das Gebiss von sich aus freiwillig ins Maul. So auch heute. Toll!

Vor dem Reiten hatte ich noch einmal ganz kurz Spanischen Schritt angefragt, und tatsächlich hielten sich die völlig verhaltenen Fragezeichen-Schritte (die man ja gar nicht Schritte nennen kann, weil er wirklich gerade mal eben den Huf vom Boden hebt, sich aber nicht weiter traut) die Waage mit ein paar guten Winkelungen des Beines (beider Beine!), und dies sogar auf jeder Seite einmal mit einem schönen Ausgreifen und vorsichtigem nach-vorne-Denken.
Dabei beließ ich es dann auch sofort und freute mich. Die Idee ist da!

Nach dem Schreck-Aufsitzen kam er schnell wieder zu sich und ich durfte sofort beide Beine gleichmäßig anlegen und nach wenigen Sekunden den Zügelkontakt ganz leicht werden lassen. Der war überhaupt so leicht wie noch nie.
Mal abgesehen von der kurzen Seite, an der letztes Mal Nachbars Baby auf der Decke saß. Das saß nun zwar nicht da, aber Dón ging auf Nummer Sicher. Könnte ja sein, dass so ein Kind so mir nichts Dir nichts aus dem Boden wächst. Wer weiß das schon so genau!?

Ich kam zum Treiben, ich kam zum Reiten, nach der fünften Runde und einmal in Ruhe gucken lassen verlor der Garten an Wichtigkeit, und ich überlegte, ob wir nicht einmal etwas Neues machen könnten.

Der Zaun zur Weide war offen, also drehte ich mal ein paar Runden über die Weide. Nicht wie beim letzten Mal die kleine Stuten-Weide, sondern die größere Wallach-Weide, also die, auf der er auch steht und die er kennt.

Er wirkte etwas verblüfft, ließ sich aber überall hinreiten. Einen Galopp wagte ich nicht, weil das Gras knochentrocken war und er auch im Trab schon mit einem störanfälligen Gleichgewicht daher kam, aber das musste ja auch nicht. Er kriegt immerhin schon mal ein kleines Gefühl für die ersten Umgebungswechsel unter dem Reiter.

Was nun noch tun heute? dachte ich so und dachte weiter, arbeite ich doch mal an den Übergängen Schritt – Trab und zurück, durchlässiger, feiner, auf minimale Hilfe.
Zurück auf dem Platz fragte ich also mehrmals diese Übergänge an – und sie waren so fein, so leicht, und jedes Mal besser, dass es für mein Gefühl im jetztigen Stadium nichts daran zu verbessern gibt. Natürlich kann er noch gleichmäßiger in der Anlehnung bleiben, natürlich kann er noch etwas nachgiebiger im Genick sein, aber meine Güte, er ist seit knapp vier Monaten unter dem Sattel und meine Priorität liegt darauf, dass er Gewicht, Schenkel und Stimme gut annimmt bei den Übergängen, und das macht er einfach schon großartig! Was mir um so bewusster wurde, da ich nun einmal so konkret darauf achtete.

Ich dachte nach Negócios Tod, ich hätte kein Pferd mehr für das freihändige Reiten. Das ist schon etwas großartiges, was ich gerne weiter gemacht hätte. Fàscino findet einhändig ja schon nicht so toll, er musste stolze 21 werden, um sein erstes Garrocha-Solo zu gehen…
Joya ließ den Versuch zwar zu, ging im Trab auch alles, wurde aber zunehmend unsicher und im Galopp gänzlich unhandlich, weil er meine „Steuerung“ mit den Zügeln an Bauch bei seiner Wahnsinns-Beweglichkeit nicht gut ertrug. Und im Ernst ist es mir auch bis zu einem gewissen Grade zu gefährlich, mir ein Pferd an den Bauch zu schnallen, das mit so einer Wucht steigen kann wie Joya. Nachgeben ist dann nämlich nicht mehr drin.

Von daher hatte ich das Thema so weit zu den Akten gelegt, dass ich jetzt nicht einmal meine Banderillas wieder finde… Fàscino ließ mich nämlich plötzlich doch wieder auf die Idee kommen, diese Zügel und den Gürtel hervor zu holen – und er machte großartige Ansätze! Und dann überkam es mich am letzten Samstag, als wir bei unserer Freundin Doris den Reitplatz einweihten – ich legte Joya, als ich die Garrocha in der Hand hatte, plötzlich die zuvor verknoteten Zügel auf den Hals und so – ohne mit mir direkt verbunden zu sein – ging er Pirouetten und alle möglichen Wendungen an und unter der Garrocha, es war nur so eine Wonne! Da dachte ich also ein paar Jahre lang, ich hätte kein Freihändig-Pferd mehr, und plötzlich habe ich zwei.
Und was hat das alles mit Dón zu tun?

Zugegeben, noch nichts. Oder doch, irgendwie schon. Denn dass ich heute mal einen etwas konkreteren Plan hatte, hing unter anderem damit zusammen, dass ich vor ihm meine Jungs geritten hatte und beide freihändig, um mich festzulegen, wen von beiden ich am Samstag für ein iberisches Schaubild nehmen wollte. Wir würden zu dritt mit Garrocha reiten und ich wollte dann noch eine kurze Reprise mit Banderillas anhängen.
Fàscino machte „das Rennen“ – er ging großartig freihändig!

Und so dachte ich, meinen Jungspund bilde ich von Anfang an ganz konkret in (nicht nur…) diese Richtung aus. Daher heute mein Fokus auf dem Annehmen der „Nicht-Zügelhilfen“ bei den Übergängen. Ich wagte schließlich sogar eine kleine Runde einhändig, was Dón dann aber doch noch reichlich verwirrend fand.
Also Gleichgewicht absichern, gerade richten.
Reite Dein Pferd vorwärts und richte es gerade – und dann reite es freihändig!
🙂

Nach dem Reiten legte Dón sich hin, er hatte aber keine Zeit, zu warten, bis ich den Keks aus der Tasche gekramt hatte, da war er schon bei Rolle rechts und Rolle links.
Als er fertig hin und her (und hin und wieder her und nochmal hin…) gerollt war, blieb er allerdings total entspannt liegen und ließ sich kraulen, gefühlt mehrere Minuten lang.
Da geht einem doch wieder das Herz auf!

 

Donnerstag, 2. Juli

Meine Kamera hat eine eingebaute Kristallkugel. Sie kann in die Zukunft sehen. Und so sah sie mein zukünftiges Vaquero-Pferd:

vaquero . vaquero2

Da ich nicht viel Zeit hatte, nahm ich Dón nur kurz für ein wenig Arbeit an der Hand mit auf den Platz. Es war so heiß, dass der Sand zu flimmern schien. Meine Güte! Lange hielt ich auch nicht durch. Aber mir war gestern etwas durchaus verbesserungswürdiges aufgefallen – seine Schiefe. Völlig klar für ein so junges Pferd, aber ja auch ein Thema, dass man sofort angehen kann. Also ließ ich ihn seitlich übertreten, was ihm in Linksbiegung leichter fällt als rechts, und genau dieses Gefühl ist es ja auch beim Reiten – er ist links hohl und ich möchte ihn also nach rechts biegsam bekommen. An der Hand hat er noch ein Problem mit der geringen Distanz, das ist ihm echt zu dicht, da wird er schon ein bisschen komisch und hengstig, von daher habe ich das noch nicht übertrieben und nehme das immer nur mal kurz mit ins Programm, ohne groß darauf herum zu hacken. Je klarer die Verhältnisse zwischen uns, um so besser wird er die Nähe, die hierbei nunmal aufkommt, aushalten können. Und so habe ich neben dem Übertreten noch Schulterherein auf beiden Händen geführt, bis das Gefühl soweit ganz gut war.

Und danach fragte ich, ob er sich hinlegen mag. Zum ersten Mal ohne vorher zu reiten, ohne dass er schwitzt, Sattel war ja keiner drauf, den ich abnehmen musste, und so kam seine Antwort, ein eindeutiges „Ja!“ schon nach gefühlt drei Sekunden.
Im Hinlegen versuchte ich, so nah wie möglich an den Kopf zu kommen, um ihn eine Weile ruhig zu halten und kurz an der Rolle zu hindern. Er war etwas überrascht, kaute aber in Ruhe den Keks, blieb ruhig liegen, und tatsächlich konnte ich ihn hindern, sich überhaupt flach zu legen. Er stand aus dem ruhigen Liegen wieder auf und ich lobte wie verrückt und ging damit vom Platz. Das verblüffte ihn nun erst Recht
🙂

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Sonntag, 5. Juli

Es war reichlich war, Gewitter lagen in der Luft, aber ich wollte gerne vormittags noch reiten, da ich ja schon wieder seit Mittwoch nicht mehr auf Dòn gesessen hatte.
Ich hatte mit Nic lose verabredet, dass wir heute einmal den Versuch wagen könnten, dass Dón und sein Boxennachbar Merlin gleichtzeitig auf dem Platz waren. Dafür wollte ich gerne so lange geritten haben, dass ich gut zum Treiben kam und Dón entspannt war.
Ich war mit Putzen fertig (alle vier Beine nur auf ein leichtes Antippen oder ganz von alleine gegeben!), als Nic kam, das passte zeitlich also gut, dachte ich. Dachte ich…
Dón war derart geladen wie vielleicht in seiner ersten Woche hier – mit entspannendem Longieren kam ich nicht weit, er war Mr. 2000 Volt und so ließ ich ihn laufen und bocken. Und das nutzte er. Ich staunte und war heilfroh, das nicht drauf zu sitzen. Er keilte kreuz und quer über den Platz und machte sich so richtig Luft, während die Wallache ihm kopfschüttelnd zusahen und sich fragten, warum um Himmels Willen er bei mehr als 30 Grad so eine Show abzieht.
Ich wollte da nun aber langsam gerne mal rauf, Nic würde jeden Moment kommen, ich wusste aber im Ernst nicht, wie ich da hochkommen sollte, nachdem das letzte Aufsitzen blöd war und er sich hier überhaupt nicht wieder einkriegte…?
Ich stellte den Hocker neben den Stall, in der Hoffnung, dadurch eine Begrenzung zu haben. Das war nun neu und ließ Dón, der gerade mal kurz ausgeatmet hatte, sofort wieder hochfahren. Ok, also Hocker auf den gwohnten Platz und dort mein Glück versuchen. Er ging um den Hocker rum, blieb stehen, fuhr sich wieder hoch, blieb wieder stehen, und ich wusste wirklich nicht, was mich erwartet, wenn ich jetzt aufsaß. Ich hätte es schnell machen können, aber damit riskierte ich ja erst Recht ein Losschießen.
Ich wartete also auf einen günstigen Moment, und als ich den gekommen sah, schwang ich mich hoch – so langsam wie möglich, so schnell wie nötig.
Und bekam den dritten großen Vertrauensbeweis in dieser Woche: in dem Moment, als mein Hintern den Sattel berührte, beruhigte Dón sich. Ich durfte sofort – sofort! – die Beine anlegen und er ging los. Alles war gut. Wow! Er verbindet Reiten ganz klar mit Entspannung. Nun muss ich ihm nur noch erklären, entspannendes Reiten mit Aufsitzen zu verbinden…
🙂

Ich war noch nicht einmal um den Platz herum, da kam Nic mit Merlin. Dón putschte sich hoch. Ich bat sie, erst einmal eine Runde außen herum zu führen und dafür zu sorgen, dass Merlin Dón nicht anguckt und nicht auf ihn zugeht. Nic machte das ganz in Ruhe, Dón behielt Merlin im Auge, entspannte sich aber langsam wieder. Nic saß auf und ich ritt Dón so wie sonst auch und kam dabei Merlin immer wieder mal nahe. So ab fünf Metern Abstand wurde es brenzlig, alles andere ging problemlos. Dón ließ sich treiben und lenken, ich konnte hinter Merlin her und auf ihn zu reiten, schließlich auch neben ihm (mit den besagten mindestens fünf Metern Abstand), und tatsächlich ritten wir zum Abschluss noch eine gemeinsame kleine Hof-Runde. Da konnte ich in der Anlehnung sehr lässig werden, Dón war absolut brav und Merlin ruhig und freundlich.

Überhaupt kam von Dón das Gefühl freundlichen Interesses, keine Angriffslust. Gut natürlich, dass die beiden nebeneinander stehen und sich somit am besten kennen. Das war ein absolut gelungener Versuch!

Danach genoss Dón die verdiente Dusche, und als ich mich auf dem Waschplatz um die Hufe kümmerte, gab er tatsächlich – zum ersten Mal – beide Hinterhufe nur auf ein Zeichen, ohne Berührung! Toll, toll, toll! 

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Mittwoch, 8. Juli

Es stürmte und Dón war auf Krawall gebürstet, er war frech an der Longe mit Umdrehen und distanzlos werden, also reichlich albern. Einmal stieg er mich halb an, worauf ich ihn nur vorwärts schickte und sagte „Sehr schön, merk Dir das für später“ (viel später!)

Er machte noch einige recht gute Spanische Schritte, vor allem mit dem rechten Bein, allerdings bekam er jetzt auch zum ersten Mal die Idee, dass das ja Imponiergehabe ist. Also beließ ich es bei einigen wenigen Schritten. Die Idee jedenfalls ist da, und er fängt an, es anzubieten. Also darf das jetzt ein wenig in den Hintergrund treten. Das sichert sich von selbst ab. Sowas muss man einfach mal geschehen lassen. Für den Moment ist da kein weiterer Übungsbedarf, das hole ich jetzt nur noch hervor, wenn er entspannt ist und nicht aufgekratzt, und dann müssen wir dabei jetzt langsam in’s Gehen kommen. Aber wie gesagt – die Idee ist da und damit kann ich das erstmal entspannt wieder nach hinten stellen in der Prioritätenliste.

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Ich fragte noch ein wenig Übertreten an, insbesondere rechts, damit er sich biegt, aber alles am Boden ist grenzwertig, wenn er grell ist, weil ich ihn dann schärfer anfassen muss, als ich es will, wenn er rotzig wird. Und er war rotzig, also ließ ich es nicht auf eine Konfrontation ankommen, die überflüssig ist. Dann lieber rauf da und reiten.

Ich überlegte bloß, wie ich da heil raufkommen sollte. Diesem verdammten Thema Aufsitzen musste doch nun mal beizukommen sein (Prioritätenliste ganz oben!)
Ich habe inzwischen das Vertrauen, dass er sich entspannt, wenn ich oben bin – aber da muss ich ja erstmal hin kommen…
Wieder wollte ich es an der Stallwand versuchen, damit der Hocker beim Reiten nicht auf dem Platz steht. Also Stalltür zu, die Stuten gebeten, die Klappe zu halten (was sie auch taten), Dón war deutlich entspannter als am Sonntag, ich parkte ihn also zwischen Wand und Hocker ein – und dann hieß es warten. Warten, bis er wartet. Das dauerte einen Moment, aber immerhin war mal das Runden drehen um den Hocker nicht möglich und groß wegdrehen an der Wand auch nicht, so dass Dón irgendwann einfach stand und eben wartete. Brav!
Ich setzte den Fuß in den Bügel, merkte, wie er sich anspannte – und wieder hieß es warten („Halt das aus, bitte“…). Der Fuß blieb im Bügel, ich pfiff ein fröhlich Liedelein, und Dón entspannte sich irgendwann wieder und wartete. Brav!!
Ich nahm den Fuß wieder raus, stieg vom Hocker und lobte. Das ist eben das, was nicht geht, wenn der Hocker auf dem Platz steht – ich kann nicht die ganze Zeit mit dem Fuß im Bügel bleiben, während Dón seine Runden dreht. Er darf die Wand aber auch nicht als Zwang empfinden, schließlich soll er später ja auch überall anders frei einfach so am Hocker stehen bleiben.
Also von vorne – neu einparken, warten, aushalten, Fuß in den Bügel, warten, auhalten, und dann raufschwingen – und er stand. Er stand einfach da, atmete flach, aber immerhin, und wartete. Ich lobte ihn wie verrückt und ließ ihn losgehen. Und in dem Moment wieder dieses Gefühl – sobald mein Hintern den Sattel berührt, entspannt er sich. Das ist so großartig! Und es scheint verlässlich zu werden. 

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Das war das mit Abstand beste Aufsitzen, seit Dón bei mir ist, und ich freute mich so vor mich hin, während wir auf dem Platz unsere Runden drehten. Dón entspannte sich wieder sichtlich unter dem Reiter (was für mich der bislang wichtigste und größte Erfolg unserer ja noch kurzen gemeinsamen Zeit ist), und nach einer halben Runde strahlte plötzlich die Sonne und der Wind ließ nach. Einfach nur schön. Ich kam gut zum Nachgeben, wir hatten ein paar wirklich schöne Runden, und dann stellte ich ihn nochmal neben den Hocker und bin fünf Mal rauf und runter gesprungen – runter mit Bein über den Hals und nach rechts, was ihn ziemlich verblüffte, rauf war ich versucht, von rechts in Angriff zu nehmen, aber ich ließ es dann doch, von links klappte so klasse, er stand nachher mit hängendem Zügel da, den ich nicht mehr anfassen musste, und ließ mich rauf und runter turnen. Großes Erfolgserlebnis!!

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Freitag, 10. Juli

Das Aufsitzen war wieder super! Sofort und problemlos an der Stallwand! Freu!!!
Nic war mit Merlin schon auf dem Platz, wir wollten wieder zusammen reiten. Dón war total entspannt trotz einer Menge nordischen Windes. Hört das hier eigentlich nie auf?
Im Ernst, so gerne ich auch hier lebe, dieser permanente Wind nervt mich ja manchmal. Andererseits macht der mir auch gerade bewusst, wie abgehärtet meine Pferde sind – wie oft wäre ich gerade mit Dón in die Halle gegangen, wenn denn da eine wäre. Und wie wenig schockt ihn alles mögliche auf dem Platz, weil wir einfach immer dort sind. Das macht schon echt was aus. Ihm können Hunde und Katzen um die Füße laufen, ihm können vor der Nase Vögel hochfliegen, er sieht Autos, Fahrräder, Menschen, er erlebt raschelnde Büsche und verschiedene Bodenbeschaffenheiten (damit hat er am meisten Probleme). Ich bin ja eh nicht die, die junge Pferde vor allem abschottet, ich setze meine Pferde ja ganz bewusst ständig diversen Situationen aus, aber ich musste mir hier doch mal eingestehen, dass ich die Windstille einer Halle sehr oft dem Platz vorgezogen hätte.

Dón beäugte Merlin interessiert und aufmerksam, blieb aber absolut händelbar. Ich ließ die beiden nicht näher als fünf Meter aneinander heran – Dón ließ sehr gut spüren, welche Nähe unproblematisch ist und ab wann er seine Konzentration von mir abwenden würde. Wir konnten uns aber deutlich näher kommen als letzten Freitag. Er machte das einfach großartig. Merlin aber auch, der tat völlig desinteressiert.
Wir konnten schließlich – klar, mit Abstand, aber immerhin! – aufeinander zu galoppieren, voreinander stehen bleiben, nebeneinander / voreinander / hintereinander traben, wobei es Dón am unangenehmsten war, Merlin hinter sich zu hören, ihn aber nicht zu sehen. Ansonsten verlief das alles wunderbar unspektakulär.
Ich ließ Dón viel rumstehen, Sonne genießen, entspannen. Chill-Zeit.
Er ist sehr schön aus dem Schritt angaloppiert, dann auch aus dem Halten (beides links). Schließlich saß ich noch ein paar Mal auf und ab, das war wieder super. Am hängenden Zügel, völlig entspannt. Sollte damit auch dieses Problem gelöst sein?? Oh, bitte…!
Hierbei verdrehte ich mir beim letzten Aufsitzen happig mein linkes Bein, biss aber die Zähne zusammen und freute mich einfach weiter.

Dón und Merlin gingen zusammen die kleine Hofrunde incl. Pfütze, Merlin sah Geister und Dón guckte bloß und wunderte sich, warum Merlin solche Kulleraugen macht. Er ließ sich nicht anstecken und ging entspannt seine gewohnte Runde.

Danach sattelten wir ab und gingen noch einmal auf den Platz, ich bekam ein super langes Kompliment (aber kein zweites mehr, das erste hatte ihn wohl selbst überrascht).
Merlin lag schließlich und Dón legte sich auch hin – und da lagen sie beide gleichzeitig, völlig ruhig, mit nur ca. 10 Metern Abstand. Nic und ich guckten uns an, wir hatten echt Tränen in den Augen, so schön war dieser Moment. Und so wenig vorhersehbar.
Welch‘ ein Ruhe in den Pferden, was für ein Genuss!
Danach haben wir die beiden sich mal beschnuppern lassen; da sie ja ohnehin Boxen-Nachbarn sind, war das für sie nicht neu. Neu war nur, dass keine Wand mehr dazwischen ist. Wir blieben also sehr wachsam, was den Wirkungskreis der Vorderbeine angeht.
Don war freundlich, vorsichtig und zärtlich (wurde seinem Namen gerecht), Merlin distanziert und vorsichtig. Dann kam mal ein Vorderbein von Dón hoch, aber nicht kraftvoll, Merlin wich aus. Ich hätte ihn (Merlin) mir etwas rüpeliger gewünscht, damit Dón gar nicht erst Oberwasser bekommt, aber immerhin zeigte Merlin keine Angst. Die beiden waren echt süß zusammen. Wir haben schließlich richtig mit ihnen rumgealbert, haben dann noch hintereinander longiert, rumgestanden, die Sonne genossen, wir fanden gar kein Ende. Die Pferde wollten ganz offensichtlich auch nicht, dass das aufhört.
Was für ein super toller Tag! Dón war total entspannt und durfte hinterher auf die Weide.

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Samstag, 11. Juli

Ich hätte das Wochenende in Hessen und in der Pfalz verbringen wollen. Diese ganze Auf- und Absitzerei und vor allem das eine verdrehte Aufsitzen hatte allerdings meinem linken Bein überhaupt nicht gut getan, so dass ich die vielen, vielen Kilometer im Auto schweren Herzens cancelte und die Besuche auf ein anderes Wochenende verschob.
Das Bein fühlte sich überhaupt nicht gut an, und so war ich ein bisschen zurückhaltend, wie weit ich es belasten sollte und konnte. In den Stall wollte ich aber natürlich, und so verabredete ich mich mit Nic. Ob sich das von gestern wiederholen ließe? In Teilen, im Ganzen, oder gar mit Steigerung? Sönke hängte sich zwei Kameras um den Hals und Nic und ich guckten mal, was sich anbietet.
Für die Pferde war es eigentlich ein echter Stress-Tag. Als ich ankam, waren Meike und Jörn dabei, die Matten aus den Paddockboxen und die Boxen selbst mit dem Hochdruckreiniger zu bearbeiten. Wasser, Lärm, rumliegende Matten.
Es waren eine Menge Bremsen unterwegs, das Feld direkt an der Weide wurde mit Riesen-Geräten abgeerntet, die einen schier ungeheuren Lärm machten – es war richtig was los.
Und dennoch – unsere großartigen Pferde boten alles vom Vortag noch einmal an und noch mehr. Ich nutzte natürlich sofort die Gelegenheit mit den Paddock-Matten.
Dón machte an diesem Tag eine Unmenge neuer Erfahrungen. 

Für mich ist so ein Tag ein Geschenk – diverse Vertrauensbeweise, diverse Möglichkeiten, dem Pferd zu zeigen „da wo ich bin, kann Dir nichts passieren“. So lernen sie möglichst spielerisch, dass permanent irgendwelche Anforderungen und Aufgaben auf sie warten können – und sie lernen, dass alle erfüllbar sind. Und das macht sie mit der Zeit so heiß darauf, selbst Aufgaben zu erfinden und sich einzubringen und sich begeistern zu lassen. Weil sie gelobt werden wollen und weil sie ständig die Bestätigung bekommen, dass sie toll sind. Das war ein Tag, an dem zwischen Dón und mir ganz viel passiert ist – und der mir auch gezeigt hat, wie viel zwischen uns in diesen paar Wochen schon passiert ist. Wie viel Positives, wie viel Richtiges, wie viel Gutes. Wir fangen an, uns miteinander wohl zu fühlen und richtig Spaß aneinander zu haben. Nicht immer, aber immer öfter :-)

Ich sagte hinterher zu Sönke, der ihn ja nun eine Weile nicht bewusst gesehen hat (und meinte, dass er schon viel disziplinierter sei!), dass ich da ganz viel Charakter gekauft habe. Ich kann viel selbst ausbilden und am Pferd verändern, aber ein guter Charakter ist schon einmal ein Geschenk. Und ich empfinde gerade dieses junge Pferd mit seiner Neugier und seiner wohlwollenden Freundlichkeit als ein Geschenk, ebenso wie diese vielen, vielen kleinen Premieren, die wir erleben. Worauf Sönke meinte: „Es ist aber für ein junges Pferd auch ein Geschenk, Dich als Ausbilder zu haben“ . ♥

Und da Sönke den Finger gar nicht mehr vom Auslöser nahm, lasse ich jetzt mal mehr die Bilder sprechen – tausend Bilder sagen mehr als ein Wort…
:-)

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Und dann war da ja noch die spanische Flagge. Die Dón noch nie gesehen hatte (zumindest wohl nicht in Deutschland. Ich denke aber, in seiner Heimat auch nicht.
Und wenn doch, dann bestimmt noch nie aus dieser direkten Nähe!).

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Er kann bei der nächsten WM mit einlaufen. Fahne schwenken kann er jetzt!

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Ein Belohnungs-Drink direkt aus dem Wasserschlauch:

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War das schön…
Und dann noch ein neues Wagnis. Zum ersten Mal auf großer, freier Fläche!
Dón guckte sich staunend um, war aber gehorsam. Hier hatte ich dann aber doch echt Power unter dem Sattel. Mein Körper schaltete sofort um auf alte Military-Erfahrung und passte sich den lustigen Bewegungen unter mir problemlos an. Es erstaunt mich immer wieder, wie geschmeidig ich in solchen Momenten sein kann, auch wenn es sich sonst nicht (mehr) so anfühlt. Der Körper gräbt da einfach Wissen und Erfahrung aus und spielt mit Routine, während ich mir sonst im Laufe des Tages vorkomme wie – da fällt mir jetzt nicht mal eine passende Beschreibung für ein. Jedenfalls nicht so (gut) wie auf dem Pferd!
Das Bein hielt den leichten Sitz allerdings nicht gut aus und bewahrte mich vor Übertreibungen. Trotzdem, was für ein Gefühl!

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Das war großartig. Nun aber Sattel ab und „runter“ denken:

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Merlin keine fünf Meter entfernt… Egal!

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Und dann tatsächlich lagen sie wieder gleichzeitig – mit noch weniger Abstand als gestern.
Dón legte sich flach hin und blieb mehrere lange Sekunden so liegen. Hammer!!

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Und dann ließen wir sie wieder schnuppern – wie Sönke so schön sagte: „Das ist ja ziemlich ereignislos. Ich dachte, hier passiert jetzt was!“
Wir waren sehr dankbar, dass es so ereignislos war!
:-)

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Küss mich, ich bin ein verzauberter Prinz…
(Ich küss Dich nur, wenn Du verzaubert bleibst!!)

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Unsere Gertenhalter:

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„Doppel-Longe“ – das bauen wir aus!!

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Das Gefühl war gut. Die Pferde waren entspannt. Und dann wagten wir es und ließen sie frei. Wir beide mit Gerte bewaffnet und höchst wachsam, was auch angeraten war, da Dón dann doch die Gelegenheit ergriff und Merlin mal zeigte, wie echte Dominanz geht.
Merlin – braaav, der Guuute!! – schlug so geschickt zu, dass er Dón nicht ernstlich erwischte, aber sich genügend Respekt verschaffte. Perfekt!

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Dón bewies großartigen Gerten-Respekt. So will ich das haben und so brauche ich das in der Arbeit – keine Angst vor der Gerte, Gerte als verlängerten Arm und bei passender Gelegenheit als Spielzeug ansehen, gleichzeitig aber auch ernst nehmen und sie beachten. Und das auf Distanz. Ohne lautes Wort, ohne die Gerte grob benutzen zu müssen.
Und danach kehrte Ruhe ein zwischen den beiden.

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So möchte ich einen Hengst halten! Mit Louis ging das ja auch (mit ausgewählten Pferden, aber dass man bei einem Hengst die richtigen Partner aussucht, ist ja selbstverständlich und eben nicht ganz so einfach wie bei Wallachen und Stuten. Da geht’s ja auch manchmal nicht mit jedem, bei Hengsten eben erst Recht nicht. Aber ich möchte, dass es überhaupt geht!), Dón ist aber ein ganz anderer Typ Hengst. Vor allem konnte ich Louis ab zweijährig erziehen, und das ist mal ein ganz anderer Schnack als jetzt mit einem zuvor weitgehend unerzogenen Fünfjährigen, der sich seiner (zugegeben sehr hübschen) Testosteron-Speicher durchaus bewusst ist.
Dass ich ihn so schnell mit einem anderen Pferd – und dann auch noch mit Merlin, bei dem ich damit nicht gerechnet hätte – zusammen lassen könnte, das hatte ich nicht erwartet. Was für eine Freude! Für alle Beteiligten offensichtlich.

Der Tag war nicht mehr zu toppen. Was für ein Erlebnis! Ach was – was für viele Erlebnisse! Danke an die tollen, tollen Jungs und danke an Sönke für so viele tolle Bilder. Die sind übrigens alle vom Samstag, auch die weiter oben, die habe ich nur da eingesetzt, damit es ein bisschen hübscher verteilt aussieht.
:-)

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Mittwoch, 15. Juli

Ebba, Gisela, Janine und Andrea waren zu Besuch und wollten Dón kennenlernen und natürlich auch beim Reiten sehen. Ich hatte gerade ein paar leuchtende Mistflecken rausgewaschen, als die vier ankamen. Nach einer kleinen Stallführung (die geht ja im Moment bei sieben Boxen noch sehr fix) machte ich Dón fertig. Der machte einen extrem entspannten Eindruck, hatte aber wieder einiges auszuhalten – genau vor seiner Nase wurde mit einem Riesengeschütz von Trecker und Anhänger der Mist aufgeladen und abgefahren. Er schaute gespannt zu, aber wirklich erschüttern konnte ihn das nicht. Wie schön, ein Pferd zu haben, dass so gar kein Problem mit Fahrzeugen hat. Das sehen Fàscino und Lilly ja ganz anders!

Aber lasse ich die Eindrücke zum heutigen Tag doch mal von den Gästen erzählen!

Ebba:
„Seit langer Zeit mal wieder Zeit nehmen, Corinna zuzuschauen.
Ein neues Pferd noch ganz am Anfang einer vertrauensvollen Partnerschaft.
Da steht er: Querendón mit Silberglanz im Fell. 5 Jahre alt und noch ganz wenig Pferd. Auffallend lange Beine mit kleinen steilen Hufen. Da ist gute Hufpflegearbeit angesagt. Wie wird der wohl in einem Jahr aussehen?
Seine Unerschrockenheit zeigte er uns gleich am Anbinder. Direkt vor und über ihm wurde Mist aufgeladen. Die Riesenschaufel schüttelte und rüttelte den Mist auf den vor ihm stehenden Hänger. Ein kurzes Schauen war seine einzige Reaktion und dann war er wieder ganz beim Putzen.
An diesem Tag konnte man sehen, wie viel Vertrauen er schon hat und wie schön er gelernt hat, abzuwarten. So klappte das Aufsteigen vom Hocker vorbildlich. Auch beim Reiten zeigte er sehr schön, was Pferde durch kleine Reprisen, verständliche Ansage und dann sofort wieder Lob und Pause lernen können. Kekse für Besonderes verstärken noch das Ganze.
Da wurde nicht der Fokus auf das gelegt, was er noch nicht kann. Wie z.B. sein noch überhaupt nicht ausbalanciert-sein oder eine korrekte Dehnungshaltung, für die sich erst Muskeln bilden müssen.
Sondern er darf erst mal lernen, seinen Menschen zu verstehen, und so zeigte er schon Angaloppieren auf Doppelschnalzer und wieder Anhalten auf Pfifflaut. Schön war zu sehen, wie stolz und zufrieden es ihn machte. Zuschauer scheint er toll zu finden. Spannungsmomente waren selten und dann auch nur ganz kurz. Zum Abschluss an der Hand hinlegen und genüsslich Kekse verspeisen. Noch mal kurz ohne Sattel rauf, Dón war mit Spaß dabei.
Danke, dass wir zuschauen durften. Wir bekamen Deinen ganz eigenen Weg zum Zauber der Verständigung zu sehen.“

Gisela:
„Applaus + Keks = Superdón!
Am Mittwoch bekamen Dón (und Corinna) Besuch aus Dithmarschen. Weil Dón noch auf der Weide war, frühstückte und trocknete (er war gewaschen worden), begrüßten die Gäste die anderen Pferde und beobachteten dann ganz genau, wie sehr Dón und Corinna schon ein gutes Team geworden waren (die ersten acht Wochen-Berichte hatten natürlich alle gelesen).
Es gab zunächst einige Unstimmigkeiten zu klären.

Gisela: „Das Maul von meinem Isi ist weicher!“ Corinna: „Aber nicht so süß!“
Andrea: „Der ist ja dünn!“ Corinna: „Also hier hinter dem Sattelgurt gibt es schon eine kleine Kurve! Da ging es vorher noch gleich nach oben!“
Egal. Jedenfalls ließ sich Dón zum Putzen führen (locker und cool), und ganz normal konnte Corinna die Hufe auskratzen: Bein antippen, Pferd hält Bein hoch, Mensch nimmt Huf in Hand und kratzt. War das mal schwierig? Oder gar eine Baustelle, an der gearbeitet werden muss?
Okay, beim weiteren Training sollte vielleicht nicht nur ein Bagger mit lautem Getöse in drei Metern Entfernung den Misthaufen auf einen Trecker schaufeln, sondern auch noch eine Blaskapelle spielen und ein Kindergarten einen Stallausflug  machen. Weil nur Bagger und Trecker… gab nur ganz wenig Zucken und Gucken und ganz wenig Besorgnis. Die Gäste waren begeistert. Auch als Dón sich seine Trense fast von selbst anzog. Corinna hat sie nur in ungefähr die richtige Richtung gehalten und meinte dann, Dón hätte das jetzt erst zum zweiten oder dritten Mal so alleine gemacht.
Dann ging es zum Platz. Ein paar Runden laufen und schon mal auf den Menschen achten. Spanischen Schritt zeigen. Und nicht nur spanischen Gruß, sondern spanischen Schritt mit Vorwärts-Laufen dabei. Laut Corinna das erste Mal (ja! Das erste Mal drei Schritte hintereinander! Anm. d. Red.). Unter Zeugen.
Dann Corinna zu den Gästen: „Dann wollen wir uns jetzt mal ans Aufsteigen machen.“ … Dann zu Dón: „Also ich steige auf, und Du bleibst unten.“
Klare Ansagen werden von Pferden ja meistens verstanden und befolgt. So stand Querendón neben dem Hocker. Stand neben dem Hocker, während Corinna einen Fuß in den Bügel stellte. Roch mal an dem Stiefel. Stand wieder gerade. (Hatte Corinna nicht in den letzten Wochen was von Tänzen um den Hocker erzählt???). Stand, als Corinna sich in den Sattel setzte. Blieb stehen und chillte vor sich hin, während der Besuch fragte, ob er applaudieren durfte. Durfte er. Dón nahm den Applaus würdevoll entgegen.
Dann ging es auf den Platz. Dón zeigte unter Corinna Schritt, Trab, Galopp. Er sah unter dem Sattel schon nicht mehr sooo dünn aus! Und er konnte auf Pfiff anhalten, auch aus dem Galopp. Er tolerierte, wenn Corinna die Zügel wegschmiss (auch eine ziemliche Premiere heute! Zumindest mit dieser Gelassenheit!) und sie am Hals schlackerten. War das mal ein Problem gewesen??
Er tolerierte (und wunderte sich ein bisschen: Was soll DAS denn nun schon wieder?), als Corinna im Stand mit den Beinen an seinem Bauch entlang streichelte und schließlich die Füße hinter den Sattel auf seine Kruppe legte (Premiere!). Er stand, und da er dafür Applaus und Keks bekam, war das schön. Angaloppieren aus dem Schritt – Corinna: „Das haben wir gestern zum ersten Mal gemacht“ (nee, Missverständnis, das hatten wir schon zwei, drei Mal), Gäste: „Ach so, kein Wunder, dass das dann jetzt schon so gut klappt.“
Angaloppieren aus dem Halten – Corinna: „Das versuchen wir heute zum ersten Mal.“(das allerdings war in dieser Qualität kein Missverständnis!). Gäste wurden zu Zeugen.
Und dann noch: Ablegen – ohne Sattel, aber mit Applaus und Keks.
Mit Corinna gemeinsam gähnen: Applaus und Keks.
Sich von Corinna ins Ohr pusten lassen und das auch witzig finden: Keks und Applaus.
Corinna aufsteigen und auf sich sitzen lassen ohne Sattel: Applaus und Keks.
Keine Frage: Dón ist publikumsgeil und zeigte sich brav und vertrauensvoll. Und von dem von Corinna so gewünschten „Feuer“ konnte man gelegentlich etwas ahnen. Das ist bei ihm bestimmt leicht zu entfachen. Dass er die alltäglichen Dinge ruhig und gelassen und selbstverständlich meistern kann, hat er heute unter Beweis gestellt!“

Janine:
„Corinna hat uns ein Bild mitgegeben aus leichtfüßig elegant und Spielereien.
Dón hatte eine sehr schöne innere Ruhe und Zufriedenheit in sich, und das als Hengst. Ich glaube, dass sich die beiden gesucht und gefunden haben. Es war schön zu sehen, wie Corinna ihre Leidenschaft im Spielerischen und mit viel Lob umsetzt, aber immer Kommandos sehr schön abfragt. Wie Spanischen Schritt, Kompliment und Dón sogar schon nach 8 Wochen das Liegen ganz gut macht. Beim Reiten hat mich diese innere Ruhe bei den gymnastizierenden Übungen auch sehr beeindruckt. Vielen Dank für den schönen Tag!“

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Donnerstag, 16. Juli

Irrer Vogel, der! Kein Vergleich zu gestern!
Gestern der wohl entspannteste Tag, seit Dón bei mir ist, heute der unentspannteste.

Plan A: Ich wollte ihn eigentlich „nur mal eben“ laufen lassen, hatte nicht viel Zeit, aber wie das dann so ist… Nix als Weiber im Kopf. Die waren auf der Weide direkt neben dem Platz und zwinkerten ihm zu. Er machte einen Kragen und stolzierte da rum und brüllte alles zusammen, meine Herren.

Plan B: Ich ließ ihn also vorsichtshalber nicht vom Strick, sondern sorgte für Ablenkung in Form von Beschäftigung. Übertreten. Auf der linken Hand ging das, auf der rechten Hand drohte er mehrfach, mich anzusteigen. Wirklich ablenken ließ er sich damit jedenfalls nicht.

Plan C: Also an die lange Seite, Hinterhand flink machen. Er keilte weiträumig aus und war inzwischen gefühlt 1,70 m groß. Das war mein Gefühl. Seins war noch viel größer.

Er machte schicke Bewegungen, schnorchelte wild durch die Gegend und war pures, ungehemmtes Testosteron. Er war mal gerade noch so gehorsam, wie sein Gewissen es ihm gebot. Das war immerhin ausreichend, um mich nicht platt zu machen.

Einmal stieg er – ganz langsam, ganz beherrscht, schön in Zeitlupe. Ich musste lachen, es sah zu schön aus, das sagte ich ihm auch, allerdings verbunden mit der Bitte, sich das doch für später zu merken. Es juckte mich aber ehrlich gesagt in den Fingern, ein weiteres Steigen abzurufen. Ich musste mich happig zusammenreißen, er darf das nicht gegen mich verwenden und die Stimmung war seinerseits nicht gerade auf Zuhören und Lernen eingestellt, sondern eher auf Konfrontation und Rebellion, so dass ich ihm mit einer gewollten Wiederholung des Steigens ein im Endeffekt sehr unerwünschtes Signal hätte geben können. Also war ich jetzt dran, mir das für später zu merken
:-)

Wirklich ablenken tat ihn das also auch nicht.

Plan D: zurück auf den kleinen Kreis. Kein Übertreten im Schritt, dabei hat er viel zu viel Zeit, nun Volte im Trab, nicht gehetzt, sondern möglichst kadenziert, dabei Hinterbein winkeln, winkeln, winkeln. Ah! Damit bekam ich ihn. Also halbwegs.
Er zeigte nachher auf beiden Händen Ansätze zu sehr schönen, federnden Tritten, nicht eilig sondern mit erkennbarer Versammlungsidee. Seiner Biegung tat’s ohnehin gut. Viel besser als Übertreten im Schritt. Merken!

Endlich kam ich mal zum Loben. Und da er sich nun so brav konzentriert hatte und ich dachte, er wäre nun weitgehend bei mir, löste ich den Strick.
Zack – war er nicht bei mir sondern bei den Mädels. Gedanklich wie auch körperlich. Ich sah zu, dass ich zum Zaun stürzte und mit der Gerte aber richtig Ramba-Zamba machte, um ihn vom Zaun wegzutreiben, gegen den er gerade gegensprang. Zum Glück hob er nicht weit genug ab, er ließ sich im Abheben mit der Brust dagegen fallen, ansonsten wäre er in der nächsten Sekunde auf der Stutenweide gewesen. Na herzlichen Glückwunsch!

Er machte etliche Anläufe. Ich ließ etliche Male die Gerte so richtig mit Schmackes durch die Luft wirbeln und zischen. Alter Schwede, war der drauf. Schick sah er aus.

Es dauerte eine Weile, bis er wieder zu sich kam. Ich sammelte ihn ein, wir hatten eine ähnliche Atemfrequenz.
Nun wieder am Strick fragte ich ihn, wie es denn so mit Wälzen wäre und tatsächlich legte er sich nach einiger Zeit hin – es dauerte und er warf sich dann auch mehr hin, als dass er sich legte. Das wiederum so nah am gegenüberliegenden Zaun, dass er bei seiner Rolle und der Strampelei dabei mit einem Hinterbein über die Litze geriet. Das sind ja solche Momente, in denen ich extremst ruhig und entspannt werde – hier ist kein Strom und er kann ja lernen, dass man das Bein da einfach wieder runternehmen kann. Warum soll ich panisch werden, wenn er’s nicht tut. Eine Situation, die bestimmt nicht viele ausgehalten hätten.
Er erschrak natürlich, sprang hoch, bekam das Bein nicht gleich mit, sprang zur Seite, das Bein war frei, die Litze surrte, Dón machte noch einen Sprung zur Seite – und stand. Schnorchelnd, aufgeregt, und dann guckte er zu mir. Ich hatte mich keinen Zentimeter bewegt und stand da tiefenentspannt mit dem durchhängenden Strick in der Hand. Er wirkte einen Moment erstaunt und beschloss dann, dem Moment mit dem Bein in der Litze genau so viel Bedeutung beizumessen, wie ich es tat – gar keine. Und damit war’s gut.

Einer dieser wichtigen Momente, in denen man sich trauen muss, sie passieren zu lassen. Und dem Pferd das Gefühl zu geben, dass man selbst die Situation als nicht wichtig empfindet und mehr ja gar nicht passiert. Ein guter Moment für’s Vertrauen.

Ich musste nun wirklich langsam los, brachte Dón also rein und gab ihm Heu. Seine Gedanken waren noch immer weitgehend woanders, aber er kam wieder zu sich.
Meine Güte… Sowas brauche ich dann aber auch nicht jeden Tag!!

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Freitag, 17. Juli

Es war Zeit für den zweiten Schmied-Termin. Und ich wollte ein Lob von meinem Schmied! Der da meinte, ich arbeite doch sicher jeden Tag mit ihm, woraufhin ich losprustete und ihm erklärte, dass es zu mehr als drei Mal pro Woche selten reicht.
Na gut, die Hufe hatte ich natürlich schon öfter in Angriff, aber reiten oder ähnliches passieren nicht häufiger, eher seltener. Mein Schmied staunte, und das noch mehr, als Dón wirklich bravourös einen Huf nach dem anderen bearbeiten ließ wie ein Alter.
War das toll!! Er bekam sein hochverdientes Lob. Ich meins auch.
:-)

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Montag, 20. Juli

Das Wetter war schön, und da Dón letzte Woche sehr kurz gekommen war, wollte ich heute unbedingt etwas mit ihm machen. Er war schwer überdreht, als ich kam. Er war noch nicht draußen gewesen und extrem unternehmungslustig.
Ich hatte ihm ein Halfter (dunkelblau mit silber, also das sieht wahrhaft königlich an ihm aus!!) und eine eigene Putzkiste samt Inhalt gekauft und weihte das alles erst einmal ein.
Er hatte für all‘ diese Geschenke und Schönheiten überhaupt keinen Sinn und wollte nun bitte echt was tun! Süß… 

Nicht so süß war, dass er beim Hufe auskratzen einmal ein wenig in meine Richtung kickte und dafür auch sofort einen Rüffel bekam, danach riss er sich zusammen.

Auf dem Weg zum Platz brüllte er und ich dachte schon, das kann ja lustig werden, aber kaum auf dem Platz wurde er ruhiger; als ich ihn die paar gewohnten Runden an kurzer Longe gehen ließ, kam ich richtig zum Treiben. Er hatte da inzwischen irgendwie eine Idee entwickelt, woher auch immer – er drehte sich, vor allem auf der rechten Hand (die er ja eh nicht so liebt) zu mir um und hatte dabei schwer den Schalk im Nacken. Er ließ durchblicken, dass er jetzt auch lässigst ein wenig steigen könne, aber mit so einem jungenhaft fragenden Gesichtsausdruck, ich musste lachen, während ich weiter trieb. Er nahm mein Nachtreiben zum Anlass für lauter witzige Schlenker und Hüpfer. Er war echt schräg drauf, aber eher vorwitzig und albern als aufsässig oder widersetzlich. Wobei ich schon verdammt schnell sein musste, denn sonst wäre aus seinen Andeutungen sicher ganz schnell Widersetzlichkeit geworden.
Ich denke sowieso, dass man Widersetzlichkeit nur dadurch erzeugt, dass man die Frage des Pferdes nach den Möglichkeiten nicht schnell genug in die gewünschte Richtung lenkt. Da fehlt den meisten einfach die Schnelligkeit und aber auch oft die Fähigkeit, zu erkennen, welche Möglichkeiten denn in dieser Sekunde da sind und aus der Situation herausführen. Die meisten hängen zu stark in dem, wie sie es haben wollten und nehmen die Alternativen oder Angebote des Pferdes schlecht oder gar nicht wahr. Und darauf reagieren natürlich viele Pferde mit Aufsässigkeit oder später schlimmstenfalls mit Resignation.
Da genieße ich jetzt bei diesem Jungspund meine inzwischen wirklich enorme Schnelligkeit. Ich weiß nicht, ob er sie auch immer genießt – aber zumindest ist ihm sehr klar, wer hier im Zweifel den Ton angibt. Seine Versuche, das mal umzukehren, sind ja sowas von normal in dem Alter und dem Ausbildungsstand, dass es nicht normal wäre, wenn er nicht fragen würde!

Und es juckte mich na klar wieder in den Fingern, das Steigen abrufbar zu machen, aber ich konnte mich wieder einmal zusammenreißen. Später!!
Das gilt eben nicht nur für die Pferde, sondern auch immer mal für mich selbst…

Beim Aufsitzen fabrizierte ich ungewollt einen Vertrauenstest. Ich saß wieder an der Stallwand auf – Dón wartete ruhig, ich nahm mir Zeit. Als ich dann hoch kam, mit der Gerte in der rechten Hand, schlug eben diese gegen das Wellblech an der Wand.
Klack klack klack!!
Da habe ich mich ja fast mit erschreckt. Dón zuckte mächtig zusammen und schrumpfte blitzartig auf Islandpferdegröße zusammen. Die Augen hingegen wurden doppelt so groß. Aber – er blieb so stehen und fragte, was er tun soll.
Großartig, es hat wieder geklappt! Schreckmoment, und er wartet und fragt!
Ich setzte mich hin, streichelte, sprach mit ihm, und langsam kehrten Augen und Körper zu Normalgröße zurück.

Also ließ ich ihn auf den Platz gehen. Bei dem Zucken wegen des Gertengeräusches muss er aber wohl – wie auch immer – mit einem Hinterbein in den Hocker geraten sein. Ich muss jetzt beim Schreiben fast lachen – ohne es gewollt zu haben, habe ich ihn einigen Prüfungen unterzogen, noch bevor wir überhaupt den Platz erreichten. Dieser Hocker klöterte also beim Losgehen unter seinem Bauch über den Asphalt, und was macht Dón (nachdem er nochmal pflichtgemäß zusammengezuckt ist), der ja nun gerade erlebt hat (wieder einmal), dass man unheimliche / ungewohnte / unbekannte Dinge einfach aushalten und ruhig abwarten kann? Zieht lässig sein Hinterbein aus dem Hocker und marschiert auf den Platz.
Unglaublich.

Diese Momente sind im jetzigen Stadium so viel mehr wert als schon irgendeine Biegsamkeit oder eine Lektion oder sonstwas! Was dieses Pferd nach neun Wochen hier alles mit sich machen lässt und aushält, ist einfach großartig. Sein guter Charakter trägt natürlich dazu bei, aber eben auch diese Erziehung, in der ich ihn wieder und wieder mit neuen Dingen konfrontiere und ihn erleben lasse, dass ihm da, wo ich bin, nichts passieren kann.
Das wird noch problematisch, den später adäquat zu beschäftigen. Der wird ja blitzartig alles langweilig finden. Na großartig!
:-)

Ich ritt gar nicht lange, am Anfang schön lange Schritt, Dón dehnte sich und schnaubte, auf jeder Hand ein kleiner Galopp, ich wollte ihn losgelassen und zufrieden haben und zum Treiben kommen, denn es zog mich raus. Direkt an unsere Weide grenzt zur Zeit ein Stoppelfeld an. Allerdings bereits schon wieder fast komplett umgepflügt… Das geht immer so schnell… Ein paar Tage, die man dann aber auch erwischen muss…
Wenn ich da an früher denke – da sind wir im September, Oktober noch Jagden über Stoppelfelder geritten!

Ich wollte also unbedingt mit Dón da noch rauf, so lange es noch ging.
Sprich: jetzt!
Es waren Unmengen Vögel auf dem Feld, vor allem Möwen. Ich höre die ja zu gerne, da fehlte wirklich nur das Wellenrauschen, alleine das Geräusch der Möwen macht Strandfeeling!
Zu schön…

Dón bestaunte Störche, Krähen und eben etliche Möwen. Er ging brav im Schritt an dem mächtigen Trecker samt Pflug vorbei, guckte verblüfft auf die Anlage, die er von hier so ja noch nicht gesehen hatte.
Ich war sehr im Zwiespalt – traben? Galoppieren?
Dón fühlte sich gut an, wenn natürlich auch sehr umweltorientiert und höchst aufmerksam. Aber er war bei mir. Welchen Grundstein aber lege ich, wenn ich bei unserem ersten Ausflug auf ein Stoppelfeld – unserem zweiten „Ausritt“ überhaupt – riskiere, dass er mir abhaut?
Also, schon wieder mal brav zusammenreißen (Menno!!) und schön Schritt reiten.

Das Feld ist groß. Für hiesige Verhältnisse mächtig groß. Wir brauchten also Zeit, es in Ruhe zu umrunden. Dón fühlte sich immer besser an, schnaubte, dehnte sich sogar mal.

Ich kehrte vorsichtshalber erst einmal am Ende der ersten langen Seite um. Die Bäume versperrten den Blick auf die Anlage, und als die dann nach der Kurve wieder in Sicht kam, staunte Dón nicht schlecht und wurde kurzfristig eilig. Wieder an dem Trecker vorbei, der von der anderen Seite auch anders aussah und angeschnorchelt werden musste. Überhaupt forderte diese Seite offenbar viel mehr zum Schnorcheln und Prusten heraus als der Hinweg.

Am Ende, also da, wo wir auf das Feld raufgeritten waren, ritt ich nun um die Kurve, dem Feldrand folgend wieder weg von zu Hause.

Direkt neben den Bäumen waren plötzlich etliche Krähen über uns – sie kamen über die Bäume geflogen, fast lautlos, und schwebten auf einmal über Dóns Kopf. Was für ein Anblick! Dón legte den Kopf schief, um die besser sehen zu können und wir beobachteten gemeinsam diesen tollen Schwarm.

An der dem Hof gegenüberliegenden Seite wagte ich es dann doch und trabte an. Wonne pur… Dón trabte ruhig und zufrieden vor sich hin. Wir hörten und sahen die Vögel, genossen die Sonne und ein wenig Fahrtwind, von den leider vielen Bremsen ließ er sich zum Glück nicht sonderlich stören. Es war ein Genuss. Ich galoppierte nicht an, wollte das Gefühl nicht kaputt machen. Auch wenn es vermutlich genau so geklappt hätte – das kann ich auch beim nächsten Mal probieren.
Es war einfach schön.
Wir kamen wieder an die Seite mit den Bäumen, die die Anlage verdeckten, und als der Hof danach in Sicht kam war alles gut. Das hatte er ja nun schon einmal gesehen und so war das keinen zweiten Blick wert.

Wieder auf dem Hof ließ ich Dón durch „unsere“ Pfütze gehen – kein Problem – und dann auch einmal darin anhalten. Das wollte er erst nicht, tat es dann aber. Lange darin stehen bleiben wollte er allerdings nicht. Musste er auch nicht, mir war nur wichtig, dass er sich einmal darin anhalten ließ.

Ich ritt zurück zum Platz, um ihn wälzen zu lassen. Nächster Gehorsamstest: als wir direkt neben dem Holzstapel waren, schoss ein Kaninchen vor seinen Füßen aus dem Holz und raste zur Weide. Dón zog in bewährter Manier den Ar… ein und setzte zu einem mächtigen Satz an, machte diesen einen Satz nach vorne auch – und das war’s. Dann schnaubte er dem Kaninchen hinterher, rollte die Augen, und atmete wieder aus.
Auch hier schätze ich, wäre seine Reaktion vor vier Wochen noch anders ausgefallen.
Toll! Großes Lob!! Was für ein (ent)spannender, erfolgreicher Tag!

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Donnerstag, 23. Juli

Irgendwie rutschte das Podest mal wieder in mein Blickfeld.
Ich holte Dón auf den Platz und zeigte es ihm.
Staunen, prusten, über die eigenen Füße fallen.

Wie kann ein Pferd, dass so intelligent ist und sich in seiner Box mit allen Vieren auf die dortige Stufe stellen kann (das war mal ein Kuhstall mit Tiefboxen, die Pferde müssen über eine Stufe rein und raus, und auf dieser Stufe schafft er es, mit allen vier Beinen entlang zu laufen), sich beim Anblick eines Podestes anstellen wie ein Stück Knäckebrot? Er ließ sich halb drauf fallen, fiel drüber, fiel daneben, fing an, sehr unhandlich zu werden, weil ich ihn von dem Podest nicht weg ließ.
Ich nahm ein Bein hoch, er nahm das zweite hoch und so hatte ich gefühlt plötzlich ein steigendes Pferd auf dem Arm. Ich nahm den Huf wieder und wieder hoch, setzte ihn auf das Podest, er belastete den aber nicht, sondern ließ sich fallen oder rutschte ab oder machte sonstigen Blödsinn.
Also, er hat ja schon so Sachen, da stellt er sich deutlich dümmer als man ihm glauben kann. Dem springt sein IQ doch aus dem Gesicht, aber er schaltet dann mal phasenweise das Denken ab. Ich sage nur Spanischer Schritt. Der kommt ja langsam!! Also muss das doch auch möglich sein, sich ungefähr so hinzustellen wie in der Box…?

Tatsächlich belastete er irgendwann mehr oder weniger aus Versehen das Bein, das ich auf dem Podest abgestellt hatte und hob das andere dazu. Und so berührten beide Vorderhufe das Podest – für ungefähr 1,5 Sekunden.

Ich lobte wie verrückt und er sah mich an, als wäre ich nicht ganz dicht.

Nochmal – Bein drauf und versuchen, es dort zu fixieren. Gar nicht so einfach bei 500 Kilo Lebendgewicht (na gut, 400, wenn ich ihn so ansehe). Er nahm noch einmal aus Versehen den zweiten Fuß dazu und wurde wieder ganz doll gelobt. Und in dem Moment schien er einen Zusammenhang herzustellen. Irgendwas ratterte da oben. Und noch einmal – ich ein Bein rauf, er noch ein Bein rauf, ich guuuuuut den Kopf fixiert und ihn ins Gleichgewicht gebracht – und dann stand er oben! Als er beide Beine belastete konnte ich langsam locker lassen am Kopf und er blieb stehen. Ja! Loben, loben, loben! Keks!!

Es gibt ja Pferde, die sehr stolz werden, wenn sie erstmal da oben stehen. So ganz drang das zu ihm noch nicht durch (naja, wie viel stolzer soll der auch noch werden…?), aber er fand langsam Gefallen daran und schaute sich um.

Er ging wieder runter, ich konnte ihn wieder raufstellen. Er ging (fiel…) nochmal runter, ich konnte ihn wieder raufstellen. Er blieb stehen. Meike kam dazu und ich meinte „im Stall hängt eine Kamera…“ (verbunden mit einem „Bitte bitte“-Augenaufschlag) – und so kam es tatsächlich zu Premieren-Fotos! Im nächsten Moment war dann der Akku leer…
:-)

Als ich Dón richtig loslassen konnte, durfte ich hinter ihm herum gehen und auch unter seinem Bauch durch. Ich durfte mich neben ihn stellen – alles ging.
Nun stand er da und stand und stand und genoss die Höhenluft.
Geht doch!

podest

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Freitag, 24. Juli

Anneke war mit und mit ihr die Kamera (mit wieder aufgeladenem Akku). Also ein Tag, an dem ich mal wieder die Bilder mehr erzählen lassen kann als Worte. Aber ein paar Worte dennoch:

Die Stuten waren auf der Weide und Dón war reichlich grell. Ich fand aber, das müsse er nun mal aushalten können, war ja nun nicht so, dass sie in fünf Metern Entfernung standen. Tina robbte allerdings unauffällig grasend langsam Richtung Platz, so dass Dón hinterher eigentlich Muskelkater in den Ohren haben musste, so waren die permanent Richtung Weide gespitzt. Und er soll mal froh sein, dass das eine Lüge ist, dass Augen stehen beiben, wenn man soooo schielt!

Das war schon ziemlich anstrengend – er war echt anstrengend! – aber er sah phasenweise so toll aus… Meine Güte, was Hormone so ausmachen…

Ich drehte ein paar Runden an der Hand incl. Spanischem Schritt, hier gelangen einmal drei brauchbare Schritte hintereinander. Super!

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Ansonsten war er mir an der Hand zu grell und der Boden zu anstrengend für mein Bein, so dass ich das Podest noch einmal anfragte. Dón hatte wieder eine sehr unorthodoxe Art, es zu erklimmen, brauchte aber nicht mehr so viel Unterstützung wie am Tag zuvor. Ich war mit dem Loslassen und hinter ihm Rumgehen etwas vorsichtig, sein Blick war konsequent auf die Stutenweide gerichtet. 

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Nachdem er sich ja nun schon ein wenig bewegt hatte, ließ ich unsere Longenrunden mal wieder weg vor dem Aufsitzen. Als ich ihn zwischen Wand und Hocker eingeparkt hatte, wurde er aber wieder relativ unhandlich, das dauerte ihm alles zu lange. Er wurde immer zappeliger, so dass ich Meike bat, einmal kurz am Kopf zu bleiben. Ich vertraue zwar darauf, dass er sich in dem Moment, wenn ich oben bin, beruhigt, aber es gibt ja nunmal diese ein, zwei Sekunden, in denen ich mich in zugegeben ungünstiger Haltung zwischen Hocker und Sattel befinde. Wenn er da einen blöden Schlenker macht kann das sehr unschön werden.
Meike blieb kurz am Kopf, ich kam heil oben an, Dón blieb gehorsam stehen (wenn auch unter Strom), und wartete. Sehr brav!
Er durfte losgehen und ich konnte nach ein paar Metern tatsächlich die Zügel rausgleiten lassen und er entspannte sich. Darauf kann ich mich also inzwischen tatsächlich verlassen. Was für ein Geschenk! Das hat sich wirklich ausgezahlt, dass das für mich eine Priorität war.

Insgesamt war er aber wie gesagt hormongesteuert und dadurch sehr gehfreudig. Das machte es leichter, auf beiden Händen im Trab unauffällig ein Schulterherein entstehen zu lassen, was sich tatsächlich gut anfühlte, von Dón aber kaum wahrgenommen wurde – und mit weniger Gehfreude auch nicht so einfach zu erzeugen ist. Also – Gelegenheiten nutzen, wie so oft!

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Wir galoppierten viel, dabei drehte er dann aber auch langsam mehr auf. Er blieb aber immer händelbar, wenn auch reichlich stutenorientiert. Naja – das Thema mit Natur und Kultur eben…

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Ich ritt auch einmal versuchsweise auf das Podest zu, dazu hatte Dón so aber nun gar keine Idee. Er tanzte ein wenig drumrum, ein Huf berührte das Podest mal kurz, aber damit war er überfordert. Er fuhr sich ziemlich hoch, und da er ja ohnehin dazu neigt, mehr auf das Podest zu springen oder davor zu steigen, um sich dann drauf fallen zu lassen, ließ ich ihn gewähren und ritt wieder weg. Das Reiten ansonsten war gut, nicht einer unserer entspannten Tage, an denen wir auch mal rumstehen können, dafür aber ein mit toller Energie angefüllter, mit einer Energie, die sich steuern ließ, und sowas liebe ich ja. Ich wollte ja „Feuer“, da war doch was…

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Danach gingen wir noch unsere kleine Hofrunde und trauerten gemeinsam um das Stoppelfeld.

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Dón durfte sich wieder an der Hand hinlegen und blieb einen Moment flach liegen.

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Und dann führte ich ihn noch einmal zum Podest. Tatsächlich ging er nach kurzer Zeit, ohne dass ich das Bein noch raufheben musste, alleine auf die Gertenhilfe auf das Podest!
Mit überdimensionaler Vorderbeinaktion
:-)

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Ich ging einmal eine schnelle Acht unter seinem Bauch hindurch – ha, aber nur einmal! Ich berührte von unten seinen Bauch und da grummelte und brummelte er über mir und freute sich sichtlich, dass ich es ihm so einfach mache – ich komme unter ihn, da muss er ja gar nicht über mich kommen… – das ließ ich mal ganz fix wieder sein. Immerhin hatte ich zumindest für den Moment mal seine volle Aufmerksamkeit. Ich grinste vor mich hin und animierte ihn nicht weiter.

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Andererseits war seine Stimmung natürlich extrem geeignet, mal tolle Kopfbilder zu machen. Also stellte ich ihn mit Blick zu den Stuten hin. Tina war inzwischen sehr nahe an den Zaun heran gerückt und Dón machte einen schönen Kragen. 

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Phasenweise wurde er dann aber auch reichlich unhandlich und holte sich ein kleines Donnerwetter ab. Er stieg dann auch nochmal. Und es juckte mich wieder in den Fingern, das abzurufen. Günstige Gelegenheiten nutzen…? Ich riss mich mal nicht zusammen und suchte in der Art, wie er stieg, welche Hilfe sich dafür bei ihm anbieten würde. Die würde ich ja später umstellen können, aber anfangs suche ich im Pferd immer erstmal danach, wie es meinen Wunsch am besten verstehen und umsetzen kann.
Bei Dón war es die vor der Brust waagerecht gehaltene Gerte, die sich hierfür anzubieten schien. Und so konnte ich zwei Mal ein sehr beherrschtes Steigen abrufen, bei dem er mich gut beobachtete, vorsichtig blieb, und mit genau der Distanz wieder landete, mit der er abgehoben hatte. Hach, was für ein toller Moment! Und jetzt schön wieder vergessen…
:-)

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Sonntag, 26. Juli

Dón durfte heute endlich mal wieder mit Merlin auf den Platz. Anfangs hatten wir die beiden sicherheitshalber einen Moment noch am Halfter, Nic ließ Merlin aber ziemlich schnell los, ich behielt Dón noch einen Augenblick unter Kontrolle, ließ ihn dann aber auch los. Die beiden waren völlig unspektakulär. Dón wurde einmal vorsichtig frech, aber längst nicht so respektlos wie beim ersten Mal in den ersten Minuten, und dieses Mal knallte Merlin ihm sofort einen in die Rippen und damit waren die Fronten geklärt. Super!

So super, dass wir dachten, wir lassen sie zusammen auf der Weide. Die Stuten hatte ich vorher reingebracht, man muss ja nicht provozieren, dass Dóns Stimmung umschwenkt. Fàscino, Joya und Casall grasten auf der Weide nebenan, das kannte Dón schon. Merlin und er kamen also auf’s Gras. Ich hatte – ein Glück!! – die Kamera mit, nicht ahnend, das die beiden für so tolle Motive sorgen würden. Nic schickte unsere Jungs ein bisschen, die nahmen auch rasant Fahrt auf und tobten ein wenig über die Weide. Was für ein Anblick! Zu schön! Merlin warnte nur noch durch ein Schweifwedeln, Dón machte keinen einzigen Versuch, raufzuspringen.

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Nic hatte die beiden allerdings nachher so aufgeheizt, dass Dón auf einmal mit fest angelegten Ohren auf Merlin zuraste, aber Merlin ließ sich davon zum Glück nicht beeindrucken. Nach ein paar Minuten war das vorbei, Dón entspannte seine Ohren wieder und die beiden grasten dicht beieinander.

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Das werden wir jetzt unter Aufsicht möglichst oft machen. Ich freue mich wie verrückt, dass Dón einen Spiel- und Weidekumpel haben kann, so lange er noch Hengst ist. Sollte er irgendwann kastriert sein, denke ich, dass er sich auch ansonsten in einer Herde gut integriert. Er ist im Grunde so freundlich, da habe ich schon ganz andere Hengste gesehen. Na klar fasst er zu, wenn sich die Gelegenheit bietet, aber er wirkt nicht wie ein so ungehobelter Draufgänger, der in alles reinbeißt, was sich ihm (nicht mal) in den Weg stellt.

Joya wird der nächste, der sich mit ihm live befassen darf!
:-)

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Montag, 27. Juli

Heute wollte ich sehen, ob ich Dón und Joya würde zusammenlassen können. Ich ließ Joya auf den Platz und holte Dón an der Hand dazu. Es regnete und war ungemütlich, also viel mehr als so ein Spielkram war ohnehin nicht drin.

Leider werden die beiden keine Freunde. Dón griff an mit einem ziemlich ernsthaften Gesicht. Joya nahm Reißaus, was Dón noch mehr reizte. Er war ungeheuer gehorsam, Joya kam nie in Gefahr, weil Dón sich sofort und ohne nachzufragen parieren ließ (braaav!!), aber ich kam nachher auch überhaupt nicht mehr mit Dón in Joyas Nähe.
Joya gefiel es sehr, dass ich den wilden Hengst im Griff hatte, Dón fand es augenscheinlich schade, nicht mal kurz („och komm, ganz kurz nur…??“) vom Strick weg zu dürfen und da doch mal rein zu beißen. In Joya, meine ich.

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Ich holte die Longe,
am Strick war einfach zu wenig Spielraum…

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Schade! Wir gingen alle drei reichlich feucht zurück in den Stall.

Für Dón war es dann auch für die nächsten Tage – er kam zwar auf die Weide, aber das Wetter tobte sich richtig aus, alles stand unter Wasser, es schien durchgehend zu schütten. Nicht Dóns Wetter und leider auch nicht geeignet, irgend etwas mit den Jungs zu machen.

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Freitag, 31. Juli

Endlich wieder! Ich lasse mich von schlechtem Wetter normalerweise nicht nerven, aber jetzt ging es sogar mir auf den Geist. Ich wollte auf’s Pferd! Und Dón wollte augenscheinlich auch unbedingt mal wieder etwas tun, er war absolut unmöglich.
Saufrech beim Putzen, höchst energiegeladen. Na, das konnte ja lustig werden.
Nic war da, wir wollten mit Dón und Merlin gemeinsam auf den Platz.
„Ich geb Euch mal 10 Minuten Vorsprung“ meinte sie nur grinsend, als sie sah, wie ich den Hampelmann auftrenste.

Ein kleines Ablongieren schien mir sehr sinnvoll zu sein, da war Dón dann auch schon wieder ein kleines bisschen ruhiger, er war wirklich froh, dass wir wieder etwas zusammen machten. Auf der linken Hand kam er nochmal mit seiner witzigen (haha!) Idee, sich zu mir zu drehen und einen Kragen zu machen. Ich trieb zackig nach – wohl einen Hauch zu zackig, er sprang los und keilte aus. Ich sah nicht, wie dicht er war, ziemlich wohl, ich sah nämlich kurz darauf überbaupt nichts mehr, weil er mir so viel Schlamm gegen die Brille spritzte, dass ich nach Gehör weiter longierte und für diese Frechheit natürlich direkt noch einmal nachtrieb. Das dürfte für Außenstehend gefährlich ausgesehen haben (war es vermutlich auch, ich hab’s ja nicht gesehen), er muss relativ dicht bei mir gewesen sein, aber war ja keiner da, der sich hätte erschrecken können. Also nicht problematisieren, weiter machen. Ich hatte also in einer Hand die Longe, in der anderen die Gerte, mit der dritten und vierten hätte ich gerne diese Brille halbwegs sauber gewischt.
Einfach zu wenig Hände!

Der Rotzlöffel machte die Andeutung eines nach-mir-Keilens nochmal, allerdings sehr vorsichtig und mit einem entschuldigendem Grinsen im Gesicht. Ich trieb – mit der Situation angepasster Zackigkeit – nach. Danach war das Thema durch.

Ich dachte, ich lasse mir mal nicht so viel Zeit beim Aufsitzen, parkte ihn zwischen Stallwand und Hocker ein und saß auf. Zack. So. Er stand und alles war gut.  Und es blieb auch alles gut, als ich auf den Platz ritt. Wieder einmal – im Sattel angekommen entspannt er sich. Das ist einfach toll. Sorry, wenn ich mich da wiederhole, aber das ist einfach toll!
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Nic kam dazu und dann wurden unsere Pferde mal wieder heftigst auf die Probe gestellt. In Nachbars Garten versuchte eben dieser Nachbar, eine Plane auszubreiten, um darauf Holz auszulegen, das er streichen wollte. Das ist bei Windstärke 6 schon eine Herausforderung. Die Plane wickelte ihn ein, flog hier hoch und da hoch und unsere Pferde rollten die Augen und starteten den einen oder anderen Fluchtversuch. Das war sogar Dón mal nicht geheuer. Merlin kann ja auch ziemlich doof werden bei sowas, aber Nic war klasse und motzte ihn zusammen, er soll da jetzt gefälligst hingehen, sein Benehmen sei lächerlich (!). Ich musste so über dieses „lächerlich“ lachen! Wir ließen die Pferde gucken, sie staunten ganz schön. Nach und nach wurden beide etwas entspannter, der Nachbar bekam die Plane in den Griff und wir unsere Pferde, und dann fing er an, die Bretter darauf zu verteilen. Woraufhin wir die Kontrolle wieder bis zu einem gewissen Grade einbüßten. Mal nur nicht die Contenance verlieren…

Wir ritten so vor uns hin, Dón machte nach dem Erfolgserlebnis mit Joya zwei Mal den Versuch, Merlin anzugreifen. So aus dem Nichts heraus schossen die Ohren nach hinten und er machte mit offenem Maul einen Satz auf Merlin zu. Aus fünf Metern Entfernung, also ganz klar Sicherheitsabstand unterschritten. Beim ersten Mal brüllte ich ihn noch in diesem Sprung an und einen Schlag mit der Gerte auf die Schulter bekam er auch noch, was ihn in der Kombination mächtig erschreckte. Das zweite Mal war von seiner Seite aus deutlich harmloser, schon fast fragend, meine Antwort fiel so eindeutig aus, dass er keinen weiteren Versuch startete. Er legte noch mal die Ohren an, bekam ein grollendes „LASS die Ohren vorne!“ zu hören und pfiff ein Lied.

Ich fragte – in Gedanken schon bei Sonntag – nach ein wenig seitwärts. Ich hatte ja nun ein paar Mal darauf geachtet, dass Dón auch mit Stellung im Gleichgewicht ging, was ihm im Galopp noch deutlich am schwersten fällt, im Trab aber phasenweise schon ein ganz gutes Gefühl vermittelt, im Schritt ist er normalerweise leicht zu beiden Seiten stellbar. Und so nahm er tatsächlich auf einmal einen seitwärts treibenden Schenkel so gut an, dass – erleichtert durch seine enorme Gehfreude heute – auf beiden Händen im Trab eine wirklich erkennbare Schulterherein-Idee entstand. Einmal trabte Merlin vor mir, lange Seite im Schulterherein, ich hinterher, ebenfalls im Schulterherein – das sah von oben bzw. von hinten einfach zu schön aus!

Im Trab fällt ihm das spürbar leichter und erst Recht, wenn er eben, so wie heute, sehr gehfreudig ist. Ich höre schon die Theoretiker „Ja, aber der muss das doch erst im Schritt…“ Nein. Muss er nicht. Er darf das so lernen, wie er es am besten kann, weil es sein Angebot war. Und das ist nunmal im Trab, wenn er Power hat. Und nicht im Schritt, wenn ich ihn erstmal eine halbe Stunde mühsam heruntergefahren habe. Mache ich nicht. Ich nutze die Gehfreude, auch wenn er dann vielleicht mal einen Moment etwas eilig ist. Ich nutze die entspannten Phasen und ich nutze die aufgedrehten. Alle sind für etwas gut. Und das mache ich dann eben und bestärke ihn dadurch darin, dass er nichts falsch machen kann und sich mit eigenen Ideen einbringen kann (bis zu einem gewissen Grade. So lange diese Ideen aus seinem Gehirn und nicht aus seinen Testosteron-Speichern kommen).

Die Pferde ignorierten den Garten mehr und mehr, da ratterte es vorne am Hof ganz fürchterlich. Was war das denn nun schon wieder? Kann man hier einmal in Ruhe vor sich hin reiten? Ich ritt nach vorne, um zu gucken und um Dón gucken zu lassen. Ein frischer Stapel Buchenstämme sollte zu Kaminholz werden. Ich rechnete also jeden Moment mit dem kreischenden Geräusch der Säge. Als die losging (zum Glück ohne dieses metallene Kreischen), fanden auch unsere Pferde, dass sie Nachbar’s Garten überbewertet hatten.
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Wir machten noch Pfützen-Training – für die Masse Regen in den letzten Tagen war die verblüffend klein. Schade eigentlich. Merlin stellte sich kurz an, stand dann aber anstandslos im Wasser. Ich ließ Dón ganz dicht um ihn herum gehen, dann neben Merlin durch das Wasser, schließlich standen sie zusammen drin. Und dann wurden sie richtig süß zusammen.

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Ich trabte durch die Pfütze und schließlich galoppierte ich auch durch – hach, mein neues Buschpferd!!

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Hinterher auf den Fotos fiel mir erst auf, wie unbedarft ich inzwischen mit den Zügeln umgehe. Das freute mich sehr, es war mir nicht bewusst, dass Dón es inzwischen so gut aushält, wenn die sich am Hals bewegen. Das ist im Prinzip kein Thema mehr. Toll!

Wir ließen die beiden noch auf dem Platz und dann auch auf die Weide, während wir abäppelten. Da schlug die Stimmung dann leider um und Dón fing an, Merlin zu jagen. Beim ersten Angriff rutschte er allerdings dermaßen aus auf dem glitschigen Boden, dass er danach nur noch halbherzig angriff. Merlin hinterließ ein paar saubere Hufabdrücke auf Dóns Fell, Dón machte auch nicht wirklich ernst, aber wir nahmen Merlin von der Weide.

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Merlin war sichtlich froh, wieder zu den Wallachen zu kommen. Dón blieb noch eine ganze Weile aufgedreht. Ob es daran lag, dass er die Stuten sehen konnte? Vermutlich. Wie dem auch sei – in unserer Gegenwart dürfen sie zusammen, ohne Beobachtung nicht. Ganz einfach. Immerhin geht es überhaupt und zusammen reiten können wir auch, das ist schon klasse!

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