August

Samstag, 1. August

Endlich wieder so richtig schönes Wetter!

Ich provozierte Dón, indem ich mal am Waschplatz putzte – mit Blick auf die Stufenweide. Tina allerdings provozierte noch viel mehr – sie kam zwinkernd blinkernd zum Zaun, nahm ein Maul voll Wasser, leckte sich extrem zweideutig die Lippen und machte den Jungspund völlig verrückt. Wenn das keine Anmache war, was war es dann?? Unglaublich. Ich hätte mich wegschmeißen können vor Lachen.

Ich brachte die Mädels rein, bevor ich Dón sattelte. Mal nicht übertreiben mit den Provokationen.

Ich hatte das Podest auf den Platz gestellt und Dón vor dem Aufsitzen heran geführt. Er zierte sich kurz und stellte sich dann, ohne dass ich ein Bein anheben musste, rauf. Nur auf die Hilfe mit der Gerte. Und dann stand er da und fand sich toll. Ich ihn auch!
Ich lobte, nahm ihn nochmal runter und ließ ihn noch mal raufgehen – noch leichter.
Da braucht er jetzt also keine „Anfass-Hilfe“ mehr! Super!

Aufsitzen wie gestern, nicht lange fackeln, einparken, rauf, gut.
Er stand, machte einen tiefen Atemzug und wartete.

Aus dem gestern gestrichenen Holz wurde in Nachbars Garten ein Klettergerüst mit Schaukel für den Nachwuchs gebaut, während wir ritten. Dón guckte einmal hin und interessierte sich dann nicht weiter dafür. Merlin guckte zwei Mal hin. Beide gingen einfach schön, mein Fokus lag noch einmal für ein paar Momente auf seitwärts, was von Dón durchweg positiv beantwortet wurde. Ich bin sehr gespannt, wie er sich morgen zeigt!

Zuvor jedoch ritt ich auf das Podest zu. Beim letzten Mal hatte er unter dem Reiter dazu gar keine Idee und fühlte sich an wie kurz vor’m Steigen. Heute bat ich ihn, das einfach noch mal genau so zu machen wie eben gerade. Ich klopfte mit der Gerte auf das Podest und gegen sein Bein und nach einigen Sekunden des Zögerns (und wieder dieses unangenehmen Gefühls, dass er gleich hochkommen könnte), stellte er tatsächlich einen Fuß auf das Podest, allerdings mal wieder so unorthodox, dass er so nicht drauf steigen konnte. Ich richtete ihn neu aus und bat ihn erneut – und auf einmal war er oben!
Und stand da, fühlte sich wohl und guckte in der Gegend herum. Wie toll!

Nic ritt. Ich überlegte, sie zu bitten, kurz zu unterbrechen für ein Foto, aber da kam Meike um die Ecke. Jippie! Hatte ich morgens noch überlegt, ob ich die Kamera mitnehme (hmmm, wofür denn heute…?) sollte ich mir jetzt wirklich mal merken, dass man nie –
nie! – ohne Kamera in den Stall fährt! Wieder eine Premiere festgehalten!

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Und dann fragte ich Nic, ob sie Lust hat, eine kleine Runde mit raus zu kommen. Na, da fragte ich ja die Richtige. Sie, die immer mit mir ausreiten will! Na klar wollte sie.
„Du musst aber vorgehen!“ meinte sie und ich sagte zu Dón „Mutig voran!“ und er ging mutig voran. Wir gingen ein Stück die Straße entlang, dann auf die Weide, die auch noch zum Stall gehört, aber noch ruhig liegt zur Zeit für einen zweiten Schnitt Heu, von da auf das inzwischen umgepflügte Stoppelfeld, bei dem noch ein kleiner Rest steht – also ein Rest Getreide und daneben ein paar Meter Stoppeln, so dass wir immerhin mal das Rascheln unter den Hufen hörten. Zu schön.
Zurück auf die Weide, da war eine Pfütze. Merlin stellte sich an, Dón ging einfach so durch. Und zurück zum Stall. Es kam ein Auto nach dem anderen. Fanden beide völlig uninteressant. Ist das toll, mal wieder ein Pferd zu haben, das mit Autos so entspannt umgeht! Es war so süß, mir fallen ganz viele Sachen auf, die für Dón neu sind und ihn überraschen – ein Gullideckel, ein Hänger im Vorgarten, die Kante des Fußweges, unter einem Baum durchgehen, dessen Äste auf den Fußweg hängen (raschelnde Blätter an meiner Kappe? Kein Thema mehr…) – er nahm alles wahr, sah sich alles an, und wenn ich sagte „Komm, mutig, weiter!“ ging er weiter. Einfach toll. Das war richtig, richtig schön.

Danach wusch ich ihn, weil das Wetter es zuließ, und danach hatte er einen wunderschönen Silberglanz im Fell. Er durfte den Nachmittag auf der Weide verbringen und ich dachte so, dass ich langsam richtig anfange, dieses Pferd zu lieben. Er passt zu mir, er macht mich wieder mutiger, ich genieße diese vielen, vielen Erlebnisse mit einem jungen Pferd. Es ist so, so schön! Die blöden Momente, die (zu) hengstigen Momente sind da, ja, aber die machen die schönen, innigen Momente ja nur noch deutlicher.
Ich genieße es sehr, Dón zu haben!!
Muss ich ihm morgen mal sagen.

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Sonntag, 2. August

Es stand wieder einmal ein Öffentliches Training an. Das Thema lautete „Seitengänge“ und Dón sollte den Part übernehmen, wie es aussehen kann, wenn ein Pferd davon noch so gar keine Ahnung hat.

Der Silberglanz hatte gehalten, Dón sah einfach nur wunderschön aus in der Sonne.
Die Pferde kamen mittags rein und die Zeit, bis er dran war, wurde ihm wohl zu lang – ich musste dann leider doch mit einem ein wenig gefleckten Pferd in die Bahn…

Dón ist eine Rampensau. Jetzt amtlich. Ihn störte nichts an dem Aufbau – Stühle, Tische etc., im Gegenteil, er hatte vormittags über den Weidemann rüber schon versucht, von dem einen Bistrotisch die Tischdecke abzuziehen. Bis ich die Kamera startklar hatte, war er leider schon gelangweilt weitergezogen.

Zum vierten Mal sah er Zuschauer – guckt in die Runde, stellt sich in Positur und ist einfach nur noch cool. Er war ohnehin sehr entspannt heute – der dritte Tag hintereinander, an dem ich etwas mit ihm mache, so gefällt ihm das!
Na super.

Ich ließ ihn an der Hand auf beiden Seiten übertreten, danach bot es sich beim Rausgehen an, den Spanischen Schritt anzufragen – ich bekam drei Schritte hintereinander!
Zuvor hatte eine Zuschauerin noch nach dem Anpiaffieren gefragt (wir müssen uns ja nicht stur an das Thema halten, Wünsche werden selbstverständlich wenn möglich immer gerne erfüllt) und so konnte ich mit Dón zeigen, aus wie wenig ein erstes Verkürzen der Tritte – naja, noch ja der Schritte – bestehen kann. Aus einem Hauch von Nichts. Ich muss nur sehen können, dass die Idee stimmt. Ich führte Dón also von links, erklärte auch, warum ich mit ihm an „grellen“ Tagen keine Arbeit an der Hand mache, weil er einfach durch sein ungezwungenes Aufwachsen einen großen eigenen Bereich braucht, bei dem er die zwangsläufige Nähe der Arbeit an der Hand an ruhigen Tagen besser ertragen kann und ich so eine Konfrontation vermeide, ohne damit ihm gegenüber eine Schwäche zu zeigen. An der langen Seite machte ich im Schritt das Hinterbein durch die Gerte schnell und ein stärkeres Winkeln oder ein schnelleres Abfußen wurde sofort belohnt. Wohlgemerkt: ein. Ein einziges reicht aus, um ein Lob zu bekommen, und so wird er nach und nach von selbst ein zweites und ein drittes Mal mehr winkeln oder flinker abfußen (oder beides). Aus viel mehr besteht dieses „Legen der Idee“ tatsächlich nicht. Und da er ja ohnehin zu denen gehört, die es am liebsten haben, wenn man ihnen das Gefühl gibt, das Gewünschte sei ja eigentlich ihre eigene Idee gewesen, frage ich Dinge um so kürzer an. Ich sage nur: Spanischer Schritt oder Podest. Bei beiden hat er sich ja nicht gerade, äh, hochintelligent angestellt. Klar, eine gewisse Beharrlichkeit meinerseits, indem ich ihn einfach immer wieder damit konfrontiere, aber dann auch ein gewisses „kommen lassen“ ohne Zeitdruck. Ich sage ihm wie, er darf sagen wann. So halte ich es mit ganz vielen Dingen. Und das erzieht die Pferde letztlich dazu, sich einzubringen und zu fragen „meinst Du so?“ oder „soll ich das und das nochmal machen?“ (noch besser ist die Frage vom Pferd „darf ich das und das nochmal machen?“ – leichter kann eine Hilfe nicht werden, als gar nicht gegeben werden zu müssen!).

Ich schweife ab. Tschuldigung. Zurück zum Öffentlichen Training.

Aufsitzen entspannt und problemlos. Die meisten hatten Dóns Wochenberichte verfolgt und so kam aus dem Publikum „Komm jetzt bloß nicht mit der Gerte gegen die Wand!“ – ich darauf „Doch, klar! Jetzt erst Recht!“ Gelächter. Auch wenn er vielleicht zum Thema noch am wenigsten beizutragen hat, war er doch für die meisten der Spannendste; sei es, weil welche mit jungen Pferden zu tun haben / hatten / haben werden, oder sie das Gefühl haben, ihn, der ja erst so kurz da ist, durch die Wochenberichte ein wenig zu kennen und ihn nun einmal live zu sehen. Er fühlte sich sichtlich wohl in seiner Rolle und gab den coolen Charmeur.

Als ich dann tatsächlich an die Seitengänge ging, wurde ihm kurz der Ernst der Lage bewusst. Er hatte wunderbar gezeigt, wie über die Anlehnung und über die breite Hand ein junges Pferd ausbalanciert und im Gleichgewicht stabilisiert werden kann und sich auf beiden Händen im Schritt nach kurzem Nachfragen und Schwanken toll stellen lassen, fast schon hin zu kurzen Phasen des sich selber Tragens.

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Im Trab war das Gefühl ebenfalls gut, und so begann ich, ihn im Schritt an all’ das heranzuführen, was man üblicherweise mit jungen Pferden so macht – ein erstes Schenkelweichen an der langen Seite, gleich mit Erklärung, warum ich davon nicht so viel halte und ich es lieber auf eine Diagonale bzw. eine freie Linie lege, und wo wann mein Fokus liegt. Und dass es nur eine Priorität geben darf, zum Beispiel zuerst dass das Pferd überhaupt dem Schenkel weicht (ich brauche also zwingend zuvor einen gewissen Schenkelgehorsam, bevor ich mit Seitengängen beginne), und nicht gleichzeitig auch noch auf der Hals-/Kopf-Haltung und auch noch auf der Linie. Meine Priorität war das Weichen, als er das leicht umsetzte, bat ich ihn um eine genaue Linie, als er auch die halten konnte bat ich ihn um eine bestimmte Haltung. Alle Ansätze wurden gelobt, bevor die Priorität wechselte. Achte ich gleich auf alles, kann ich mein Pferd nur frustrieren.
Und so bekam ich tatsächlich nachher Dinge, die ich ganz bewusst vor diesem Tag noch nie in der Form ausprobiert hatte, damit die Zuschauer auch wirklich ein erstes Mal sehen (denn dieses erste Mal wird es nie mehr geben…), und zwar schenkte Dón mir ein reelles, gutes Schenkelweichen auf beiden Händen, ziemlich gutes Schulterherein auf beiden Händen und tatsächlich allererste Schritte Travers, bei denen er links erst umzufallen drohte, als ich nach der Stellung fragte, rechts gelang es fast sofort.

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Dafür hatte ich inzwischen Nic mit in die Bahn geholt und sie etwas damit überrascht, dass ich sie – unvorbereitet, ungeübt – dazu bat. Ich wollte zeigen, wie man dem jungen Pferd sehr helfen kann, wenn es die Seitengänge an der Hand bereits gelernt hat und nun vom Boden aus jemand genau so weitermacht, damit der Reiter anfangs möglichst passiv bleiben kann und erst nach und nach die Hilfengebung übernimmt.

Nic war noch nie an Dón so dran gewesen, kannte seine Reaktionen auf die Gerte nicht, aber ich traute ihr inzwischen zu, dass sie das Gefühl dafür hat, zu erkennen, was sie wann darf und wo sie wann etwas beenden oder verändern muss.

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Sie hätte ihn von mir aus mehr fordern dürfen, aber die Vorsicht war ja gut, schließlich war das eine Variante, die auch Dón noch nicht kannte. Beide machten ihre Sache gut, so dass wir tatsächlich schließlich eine erste kleine „Pseudo-Traversale“ und ein tatsächlich gutes Travers hinbekamen – auch wenn er da noch viel Unterstützung der Hand suchte. Die bekam er gerne, mir ging es, wie gesagt, um die Idee des Bewegungsablaufes. Und die war da.

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Zum Thema „Seitengänge“ hatte Dón damit im Endeffekt mehr beigetragen, als ich vorher zu hoffen gewagt hatte – und er war zwar ein wenig verwirrt, wirkte aber zufrieden, weil er merkte, dass ich es war, auch wenn er noch nicht ganz realisierte, warum ich so zufrieden mit ihm war. Zumindest links war die Idee, in die Bewegungsrichtung gestellt und gebogen zu gehen, noch nicht ganz zu ihm durchgedrungen 🙂

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Er war so entspannt, dass ich sehr spontan beschloss, ihm mal eine etwas andere Art des Absitzend zu zeigen. Das hatte ich vor drei Wochen oder so mal ganz vorsichtig angefragt, da kam mir aber noch zu viel Spannung von ihm rüber, also beließ ich es dem Ansatz und fragte nicht weiter. Ich fing auch jetzt wieder so an, dass ich erst einmal mit beiden Beinen an seinen Seiten entlang strich – störte ihn überhaupt gar nicht. Da hatte ich letztes Mal schon aufgehört.
Ich schlug die Füße ein paar Mal über seiner Kruppe zusammen – ihm doch egal.

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Ich legte meine Füße auf die Kruppe – ja und? Ich verlagerte mein Gewicht mal auf die Füße, mal wieder zurück – Dón schnaubte ab. Ich kniete mich auf die Kruppe – er schloss die Augen. Ich schob mich ganz langsam nach hinten – das fand er ziemlich erotisch. Ich hörte ein leises Grummeln unter mir.
🙂

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Als er wieder döste, rutschte ich – nicht direkt hinten, sondern ganz leicht seitlich – hinter ihm runter, und da wurde er wieder wach, drehte sich zu mir um und strahlte mich an.

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Und dann legte er sich auch noch ganz in Ruhe hin, ich war zum ersten Mal die ganze Zeit mit der Gerte am Bauch, was später mal die Hilfe für das Ablegen wird, er blieb einen Moment liegen, genoss eine Krauleinheit, legte sich flach, blieb liegen, und dann machte er erst seine übliche Rolle. Es war so schön…

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Nic holte Merlin noch dazu und die beiden genossen höchst entspannt und zufrieden die Abendsonne auf dem Platz, während wir aufräumten und quatschten und den schönen Tag ausklingen ließen. Und uns wahrlich auf eine Dusche freuten 🙂

Zu Hause erzählte ich Sönke, dass ich anfange, dieses Pferd zu lieben. „Ich denke, Du warst schon in den verliebt?“ – tja, verliebt sein und lieben ist eben nicht dasselbe.
Für mich heißt das, dass sich in mir etwas verändert. Der Zugang, den er zu meinem Herzen bekommt, wird anders. Bei Pferden, die mir nicht gehören, die ich verlieren kann (Lilly zum Beispiel) lasse ich dieses letzte Stück nicht zu. Lilly hat sich da zwar irgendwie doch ein bisschen reingeschlichen, aber eben nicht so. Das „große ganze“ ist den Pferden vorbehalten, die mir wirklich gehören.
Und ich spüre gerade, dass er sich da jetzt ein Plätzchen sucht.
Und es bekommt.

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Mittwoch, 5. August

Meine Tierärztin wollte kommen (nichts schlimmes!) und schickte eine SMS, dass es eine halbe Stunde später wird. Somit hatte ich noch Zeit, mit Dón etwas ausführlicher als gedacht etwas zu machen. Lange nichts Neues mehr gemacht…
🙂

Ich legte die spanische Flagge zurecht. Und da ich heute nun dachte, dass es wirklich nichts zum Fotografieren geben würde, lag die Kamera zu Hause und es gibt mal keine Premieren-Fotos: ich habe Dón mit der Fahne geritten.
Er zuckte einige Male, als die im (zum Glück sehr leichten) Wind knatterte, ließ sie sich ansonsten jedoch anstandslos gefallen. Ich hatte sie nur auf gut 30 cm ausgerollt, streichelte damit seinen Hals, zog sie langsam über seinen Kopf, hielt sie neben und über ihn, auch während er Schritt ging. Kein Problem. Er war wachsam, aber vertrauensvoll.

Einmal zuckte er ziemlich zusammen – ich hatte die Fahne ganz langsam über seinen Kopf gezogen im Schritt, und als sie auf der anderen Seite ankam, fuhr der Wind durch und die Fahne knatterte direkt neben seinem Kopf. Das fand er dann doch unheimlich, aber nach dem Zucken und einem Satz nach vorne fragte er wieder nach, was er tun solle. „Nichts, bleib man hier“ antwortete ich und damit war es gut.

Insgesamt wich seine Anspannung aber nicht so richtig und ich dachte, ich stelle ihn einfach mal hin und halte die Fahne in Bewegung. Er stand anfangs unter Spannung, wäre lieber gegangen, aber ich bat ihn, das auszuhalten. Fahne hin und her, mal weiter, mal weniger ausgerollt, Streicheln am Hals, ein bisschen über den Kopf legen, schließlich komplett über den Kopf, so dass er nichts mehr sah. Das hielt er im Stand alles immer besser aus, schließlich entspannte er sich ein bisschen, und als die Fahne komplett über seinem Kopf lag ging er einfach los. Ich hinderte ihn nicht. Es störte ihn offenbar nicht wirklich, nichts mehr zu sehen. Ich zog die Fahne wieder runter, er guckte etwas überrascht – er dachte wohl, er sei irgendwo anders auf dem Platz, kennt man ja, wenn einen jemand mit geschlossenen Augen führt 🙂

Ich trabte, während ich die Fahne neben seinen Kopf hielt, inzwischen war sie halb ausgerollt. Dón war weiterhin wachsam, aber die Spannung hatte nachgelassen.

Da meine Tierärztin sehr gespannt verfolgt, was ich so mit meinen Pferden mache, wollte ich natürlich gerne warten, damit sie diese Premiere mitbekommt. Sie kam und kam nicht – lag nicht an ihr, sie war noch in der Zeit, ich dachte nur, es müsse doch viel mehr Zeit vergangen sein. Also Hofrunde – einmal außen rum mit wehender Fahne in der Hand. Die störte Dón hier nun überhaupt nicht mehr. Und da kam dann auch Anke auf den Hof gefahren, wir trabten ihr entgegen und sie hielt erstmal an und sah zu. Sie hatte Zeit mitgebracht, so dass wir noch quatschen konnten und ich auch zum Ablegen noch Zeit hatte – wieder mit Gerte am Bauch, die Dón zwar noch nicht als Hilfe dazu auffasst, aber von ihr stören lässt er sich auch nicht mehr. Er lag ruhig und zufrieden, auch flach, und dann ließ ich ihn auf dem Platz laufen, während wir uns den anderen Pferden zuwandten.

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Freitag, 7. August

Manchmal ist es ja ganz schön, wenn Wettervorhersagen nicht stimmen. So auch heute. Ab mittags war Gewitter und ganz viel Regen angesagt, das fand aber doch eher vormittags statt und so smsten Nic und ich uns mittags an, dass wir es jetzt wagen wollten.

Ich dachte so, als ich zu Dón ging, nun ist bald unser erstes Vierteljahr rum und er hat so ungeheuer viel kennen gelernt. Die nächste Zeit wird sicher (zumindest für die Berichte) etwas langweiliger, weil ich so dachte, mir fällt langsam auch nicht mehr viel Neues ein, mit dem ich Dón jetzt noch kommen könnte. Klar, wir werden mal zur Halle fahren und so, aber er hat wirklich schon eine Unmenge Dinge gesehen, seit er bei mir ist. Und er macht das so toll und immer entspannter, egal, womit ich komme. Zum Glück hat er noch nicht Fàscinos Blick drauf – Augenrollen und denken „was hat die denn nun schon wieder vor…“ – das lernt er bestimmt noch!
🙂

Für heute hoffte ich, dass Nic die Kamera nutzen würde und die – also eigentlich nochmal die Premiere festzuhalten. Schließlich gibt es ja so genannte „Vor-Premieren“ (wobei ich den Begriff so falsch wie nur möglich finde, aber gut), so dass die doch am Mittwoch gewesen sein könnte und heute dann… Egal. Jedenfalls noch mal Fahne beim Reiten!

Dón war aufgedreht beim Putzen, entspannte sich aber schon auf dem Weg zum Platz. Ich saß also mal wieder auf, ohne vorher etwas anderes gemacht zu haben. Das war kein Problem, er ging im Schritt los und fühlte sich gut an.

Der Nachbar hat das Klettergerüst fertig, ist aber immer noch voller Tatendrang. Nun wird der Schuppen (der Schuppen!! An den sich unsere Pferde nun endlich gewöhnt haben!!) abgerissen. Na, das kann ja wieder für große Augen sorgen. Dón zuckte hier ein paar Mal, als es krachte und schepperte. Da haben wir wohl noch eine Weile was von!

Ich war tiefenentspannt, die Sonne kam durch, es war so schön, Dón dehnte sich, schnaubte, fühlte sich wohl, wir genossen uns gegenseitig. Nic kam dazu, wir ritten eine Weile so vor uns hin, konnten sogar aufeinander zu galoppieren, während Dón an der Bande war und Merlin relativ dicht innen vorbei ging. Dón legte nur einmal die Ohren an und war ansonsten freundlich interessiert.

Schließlich war mir irgend wie nicht mehr nach weiter reiten, wir waren so entspannt, also ließ ich Dón in der Zirkelmitte stehen und gab Nic Unterricht. Das mag nicht jedes Pferd, das ich auf ihm sitze und mich derweil intensiv auf etwas anderes konzentriere. Dón fand es anfangs merkwürdig, schließlich stand er da, schnaubte ab, gähnte und döste. Großartig!

Nic war fertig, sie holte die Kamera, ich die Fahne. Dón sah die und meinte nur „ach die“ – und guckte weg. Ich rollte sie fast sofort auf Dreiviertel aus und ritt damit los. Und was soll ich sagen – dieses Pferd ist der Hammer. Das Knattern schien er überhaupt nicht mehr zu hören, ich provozierte es nachher, indem ich die Fahne so richtig hin und her schwenkte, dabei schnaubte er dann noch ab. Unglaublich.

Ich konnte die Fahne im Gehen sofort über den Kopf legen, und das für relativ lange Strecken. Und dann machte ich das einfach auch im Trab – und schließlich im Galopp. Er ließ sich einhändig reiten (na klar war das noch keine Servolenkung, aber immerhin, es störte ihn auch nicht) und ich konnte mit der Fahne wirklich machen, was ich wollte. Ich vermeide noch, sie überraschend hinten anzulegen, ich muss aber ja auch noch irgendwas für das dritte Mal haben!

Da ich ja wusste, dass Nic würde fotografieren können, hatte ich an diesem Tag mal die Mähne offen gelassen. Das mag ich sonst nicht, weil es mir schlicht zu gefährlich ist, in einem brenzligen Moment die langen Haare zwischen die Finger zu bekommen. Jetzt mit wehender Fahne fand ich wehende Mähne aber ganz passend 🙂

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Nic hielt drauf und hatte derweil Merlin neben sich stehen. Ich hörte auf, es war toll. Hatte ich vorhin noch gedacht, mir würde bald nichts Neues mehr einfallen, womit ich Dón konfrontieren könne? Ist nicht einer meiner Kastrationsgründe, dass ich so gerne Dinge mit zwei Pferden mache, insbesondere Reiten mit Handpferd, und das natürlich mit einem Hengst ein anderer Schnack ist als mit einem Wallach? Manchmal überkommt mich ja einfach so irgendwas. So auch jetzt. Im Ernst, daran hatte ich noch keinen Gedanken verschwendet. Jetzt war es plötzlich da. Ich sah Nic an, ließ die Wimpern klimpern und fragte „Duhuuu…? Kann ich Merlin mal haben?“ und sie gab ihn mir sofort an die Hand. Wir machten einen Strick dran, da ich ihn nicht am Zügel führen wollte – falls ich loslassen müsste, würde ich lieber einen Strick über den Hals werfen als einen Zügel auf den Boden fallen zu lassen, in den er reintreten könnte. Ich nahm die Gerte zwischen Dón und Merlin und ritt los. Also, ich versuchte, loszureiten. Merlin war noch im Döse-Modus und ließ sich ziehen. Dón fand das total spannend, wollte sich zu ihm drehen, ihn anbrummeln, er fand es sichtlich blöd, von mir gerade gerichtet und vorwärts geritten zu werden (Reite Dein Pferd vorwärts und richte es gerade. Und dann sieh zu, dass das Handpferd hinterher kommt!). Das Handpferd kam langsam, aber sicher hinterher. Als ich meinte, Dón so weit im Griff zu haben, nahm ihn einhändig und trieb Merlin mit der Gerte an. Der öffnete auch sofort die Augen („huch?“) und kam an meine Seite, das fand Dón toll, der wollte sofort wieder Kontakt aufnehmen.

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Es verlangte eine ungeheure Konzentration, Merlin auf guter Höhe mit zu bekommen und dabei Dón zu dirigieren und davon abzuhalten, irgendwelche lustigen Ideen zu entwickeln. Aber es gelang, und das mit jeder Runde besser. Die Pferde liefen immer lässiger nebeneinander, ich kam aus dem Grinsen nicht mehr raus, die ganz große Konzentration ließ nach, ich wurde mutiger und frecher, Dón wurde entspannter und weniger frech, Merlin wurde wacher und fleißiger.

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Warum auch immer mir Reiten mit Handpferd so viel Spaß macht, keine Ahnung, aber es ist einfach toll mit zwei Pferden. Auch mit diesen beiden war es schließlich einfach toll. Einen Galopp wagte ich nicht – ich hatte zum Einen Merlin noch nie zuvor als Handpferd geführt, wusste also nicht, welche Unterstützung er zum Angaloppieren brauchen würde bzw. wie er reagieren würde, wenn Dón neben ihm anspringt, zum Anderen drehte Dón bei mehr Tempo doch auf. Im Galopp reicht im Zweifel in blöder Sprung und ich habe die beiden nicht mehr so lässig im Griff. Also beließ ich es bei Trab und freute mich einfach nur wie verrückt, dass das so toll gelang. War das schön!!!

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Was für ein Tag. Wir sahen den beiden noch auf dem Platz zu, äppelten die Weiden ab, und standen hinterher zusammen, beobachteten Dón auf der Weide und sahen einem tollen Wetter-Schauspiel zu. Es zog eine neue graue Wand zu uns rüber. Über den Bäumen hinten am Feldrand sahen wir senkrechte Streifen, da regnete es wohl schon. Zu hören war nichts, aber es sah irre aus. Und dann wurde es grauer, also da regnete es auf jeden Fall. Der Regen zog auf uns zu und auf einmal hörten wir ihn auch – kein Pladdern, ein gleichmäßiges Rauschen. Wir standen im Trockenen und sahen diese Regenwand auf uns zukommen. Das war unglaublich. Eine halbe Minute später hatte der Regen uns erreicht. So etwas habe ich noch nie erlebt. Wir genossen diesen tollen Moment und waren uns mal wieder, wie schon so oft, einig, es so gut zu haben und in diesem Stall so glücklich zu sein.

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Sonntag, 9. August

Rein von der Anzahl der Wochen her sind wir nun ein Vierteljahr zusammen!
Meine Güte, klingt das lange!
Fast drei Monate.
Klingt schon kürzer.
12 Wochen.
Klingt real.
🙂

Da Dón sich gestern eine (hoffentlich kurze) Zwangspause verpasst hat, kam ich mal schön dazu, das erste Vierteljahr unserer so spannenden und ereignisreichen Zeit Revue passieren zu lassen, während ich ihn in der Sonne auf der Weide beobachtete. 

Gestern hat er sich beim Toben auf der Weide so langgelegt, dass er etliche kleine Stellen hat, keine wirklich schlimme, aber schön über die ganze linke Seite verteilt mehrere Macken und Abschürfungen (die Weide beginnt mit drei Metern Asphalt. Und auf den ist er raufgeknallt. Da ist so viel Gras! Und wo fällt er um?), die Nic schon einmal mit Aluspray behandelt hat. Ich kam dann nachmittags und fand das alles nicht sehr dramatisch – Dón auch nicht. Ein Jammerlappen ist dieses Pferd offenbar nicht, auch wenn er sich schwer tut damit, über Steine zu laufen. Was allerdings, hatte ich es erwähnt?, nach dem letzten Schmiedbesuch so viel besser geworden ist! Die Hufe kriegen wir hin…

Während ich die Dose schüttelte, verkrochen sich Casall und Merlin in die hintersten Ecken ihrer Boxen und Dón machte rein kollegial mal mit. Als die Dose bei ihm ankam, fand er das Geräusch schon unheimlich, nahm dann aber einen Keks aus der Hand, während ich direkt neben seiner Nase mit der Dose klackerte. Danach ließ er sich, wenn auch unter Spannung, brav einsprühen. Lahm war er nicht, also soweit alles gut.

Heute auf der Weide kam ich mit Spray und Zinksalbe an, er ließ sich brav einsprühen und einschmieren, allerdings standen wir so nah am Zaun, dass er den irgendwann berührte und wir beide einen Schlag bekamen. Beim Einsprühen von Wunden! Super! Ich bekam den Schlag auch noch ab, aber wohl schon abgeschwächt, Dón machte einen Satz und keilte aus vor Schreck, drehte sich beim Auskeilen aber tatsächlich noch zu mir um und passte auf, dass er mich nicht trifft. Danach zeigte er ein paar beeindruckende Tritte Spanischen Trab. Lechz… Merken!!

Ich bekam ihn ganz schnell wieder zu fassen, er hatte sich mir direkt wieder zugewandt, wenn auch mit Kragen und noch zwei, drei mächtig stampfenden Schritten, sehr eindrucksvoll! Er war sich nicht ganz sicher, ob ich mit dem Schlag zu tun hatte, konnte sich das aber, seinem Gesichtsausdruck nach, überhaupt nicht vorstellen. Wie toll!

Ich kraulte ihn und durfte anstandslos weiter die Schrammen behandeln.

Als ich sein Knie einrieb, kam er ganz rum mit der Nase und beschnüffelte die Salbe. Dieses gummiartige will ich mir unbedingt erhalten – er ist dermaßen beweglich, da ist nichts Steifes, nichts Festes. Er soll stabiler werden, aber niemals fest. Er soll das Schlaksige verlieren, aber immer so beweglich bleiben.
Bewegen und bewegen lassen…

Und so beschließe ich die zwölfte Woche mit einem Zitat von keinem Geringeren als Johann Wolfgang von Goethe:

Es soll nicht genügen,
dass man Schritte tue,

die einst zum Ziele führen,
sondern jeder Schritt soll Ziel sein
und als Ziel gelten!

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Dón hatte sich ja in der letzten Woche einige Schrammen zugezogen, die versorgt werden wollten. Das gestaltete sich insbesondere an Ellbogen und Knie nicht einfach, da Dón alles, was ich hier gut gemeint auftrug (Aluspray, Zinksalbe, Socatyl…), sofort wieder ableckte und abnagte. Diese Wunden heilen also so richtig schlecht bis gar nicht, weil er sie schön offen hält. So ganz in Ruhe lassen und dann den Fliegenschwärmen dabei zusehen, wie die das offen halten ist ehrlich gesagt auch nicht schön… Das wird uns wohl noch eine Weile erhalten bleiben.

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Freitag, 14.8.

Es änderte nichts an Dóns Lauffreude, lahm war er auch nicht, und es kam auch kein Ausrüstungsgegenstand dagegen, so dass ich mich am 14. August mal wieder in den Sattel schwang. Hach, er fühlte sich gut an… Anfangs energiegeladen, schließlich so entspannt, dass ich dachte, soll er doch mal einen anderen Reiter kennenlernen. Ich hielt an und gab Nic, die gerade zuguckte, meinen Helm. Sie hielt den brav fest und dachte sich offenbar nichts dabei, bis ich sagte „Setz mal auf“. Da dämmerte ihr, was ich vorhatte. Ich nahm sie an die Longe und ließ sie später auch los – aber das kann sie ja selbst erzählen:

„Letzten Freitag sah ich Corinna mal wieder bei der Arbeit mit Dón zu, als sie anhielt, mir ihren Helm entgegenwarf und mich aufforderte, aufzusitzen. Natürlich wollte ich!
Das hätte ich mich zwei Wochen nach seiner Ankunft nicht getraut.
War er doch so voller Energie und Lauffreude.

Aber im Laufe der Zeit entwickelte Dón bei uns seinen tollen Charakter. Er wurde unter dem Sattel zunehmend entspannter, konzentrierter und schöner! Das heißt nicht, dass damit sein Temperament verschwand, aber er lenkt es in richtige Bahnen (außer, wenn Lilly und Tina mal wieder mit den Augen klimpern).
Er blieb beim Aufsitzen brav stehen und ich fühlte unter mir die Hälfte von Merlin. Ich hatte ein schlaksiges Pferd ohne viel Gleichgewicht erwartet, doch da wurde ich überrascht. Corinnas tolle Arbeit mit ihm machte sich bemerkbar.
Merlin muss ich ständig in die Tiefe bitten und immer auf sein Schummeln achten, so war es ungewohnt für mich, dass so ein junges Pferd sich schon so selbständig leicht dehnt und lang und rund wird. Ich war überrascht, Dón verunsichert. Aber er fragte freundlich, was ich von ihm wollte. Dann hatte ich das Gefühl auch im Trab und es war traumhaft. Etwas zaghaft kam ich zum Treiben und war auch mit meiner Körperspannung sparsamer. Corinna rüffelte mich an und ich vertraute ihr und mir
:-)
Dieser junge Hengst fühlt sich einfach toll an und sein einmaliger Charakter strahlt eine
Sicherheit aus. Für mich war es einmal wieder eine wertvolle Erfahrung. Danke! Ich hoffe, ich darf irgendwann noch mal…“

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Samstag, 15.8.

Dón wurde in letzter Zeit etwas unleidlich, wenn ich irgend etwas am Kopf machte. Das war nun allerdings erforderlich – ich hatte gerade mal wieder erfolgreich ebay leer gekauft und zwei neue Zäumungen erstanden (zu der einen ersteigerte ich dann auch gleich noch den passenden Sattel dazu), die anprobiert werden wollten. Das am-Kopf-herum-Geschnalle passte Dón überhaupt nicht, aber irgendwann war’s dann ja auch überstanden. Puh! 
Davon mussten auf die Schnelle doch mal kurz Bilder gemacht werden, bevor ich das Wochenende in Bad Segeberg auf dem Landesbreitensporttunier verbrachte.

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Danach regnete es mal wieder in einer Tour, so dass der nächste Ritt auf sich warten ließ.

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Mittwoch, 19.8.

An diesem Morgen hielt ich es aber nicht mehr aus – ich musste wissen, wie dieses tolle Outfit so „im Gesamtpaket“ aussieht! Dón hatte zwar schon einmal kurz – für Fotos – (s)eine Vaquerokandare im Maul gehabt, mit einer Stange geritten wurde er aber noch nie. Ich überlegte hin und her ob Trense oder Kandare, entschied mich aber für die Kandare, da ich keine großen Verrenkungen zu reiten gedachte. Und so zog ich uns beide hübsch an, Sönke stand tapfer im norddeutschen Nieselregen (in Hamburg regnet’s nicht. Das ist nur feuchte Luft) und machte Bilder. Ein paar davon ließen mich hinterher – trotz fehlender Sonne – echt nach Luft schnappen. Meine Güte, ist dieses Pferd mit dieser Ausstattungschön!!!

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Ich hatte nicht immer die volle Lenkung und ließ Dón auch weitgehend in Ruhe im Maul, er nahm die Kandare gut an, aber so der Zug, den ich mir für später wünsche, ist natürlich noch nicht da. Also nahm ich auch möglichst wenig Einfluss. Er war so weit gehorsam am Schenkel, dass er die Lenkung hier weitgehend annahm. Ich kam zum Treiben und fühlte mich einfach wohl, zumal der Sattel auch bequemer war als die meisten dieser Art, die ich so kenne, was mich natürlich sehr freute. Ich gehe aber davon aus, dass Dón aus dem in einem Jahr rausgewachsen sein wird
:-)
Noch liegt der gut und passt, aber mit ein paar mehr Muskeln muss ich mir eine andere Farbvariante aussuchen!

Ich nahm noch die Fahne dazu – Dón warf nur einen Seitenblick darauf und meinte „ach, die“. Er sah sie zum dritten Mal… Laaaaaangweilig!!
Im Galopp knatterte die einmal ganz schön, da zog er dann doch mal an, ansonsten konnte ich die hin und her schwenken und ihm über den Kopf legen, wie ich lustig war.
Kein Problem.
Dieses coole, coole Pferd!

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Donnerstag, 21.8.

Es wurde wärmer und sonniger. Nic hatte mir erzählt, dass der hintere Teil des Feldes abgemäht worden war und ich wollte unbedingt einmal mit Dón auf dieses Stoppelfeld, bevor das gleich wieder umgepflügt wurde.
Wir verbrachten einen sowas von traumhaften Morgen auf diesem Feld – es war nicht breit, aber lang, und so ritt ich zuerst im Schritt in Ruhe einmal ganz runter und wieder hoch, das nächste Mal vom Stall weg trabte ich, Dón schnaubte und war total entspannt, und schließlich galoppierte ich auch. Es war nur und nur schön. Erst im dritten Galopp zog er einmal für gut zwanzig Galoppsprünge an, wurde aber von selbst wieder ruhiger, als ich einfach gar nicht reagierte und mich ihm nur anpasste. Er ließ sich jedes Mal mit Stimme durchparieren und war so fein und leicht zu reiten – also im Ernst, rittiger kann er mit zwölf auch nicht sein. Es war die pure Wonne!

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Und möglicherweise war’s das nun auch erstmal – denn am

Freitag, 22.8.

kam mir Dón auf der Weide lahm entgegen. Meike sagte, er sei morgens noch völlig klar gegangen beim Rausbringen, jetzt war er leicht, aber sichtbar lahm. Ich war echt enttäuscht, hatten wir doch mit Dón und Merlin auf’s Feld gehen wollen…
Ich untersuchte die Beine, kratzte die Hufe aus, fühlte alles ab – nichts.
Dann kam Meike mit Tina auf den Platz und ich nutzte die Chance, und führte Dón im Beisein der Stute, die ihn immer anzwinkert, anmacht und provoziert und in ihm bestimmt eine Menge Kopfkino auslöst, auf dem Platz.
Er machte ganz schön einen auf dicke Hose. Meine Güte. Protz Protz. Aber das war ja mal gut zum Üben. Er vergaß vorübergehend, dass er lahm war. Männer!

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Tina ging allerdings noch einmal die kleine Hofrunde. Da war Dón schon wieder auf der Weide. Und da tobte er dann los und brüllte der verschwindenden Tina hinterher. Ich bekam ihn leider nicht sofort eingefangen, er rannte hin und her und war nun deutlich lahm. Ich brachte ihn in die Box, fühlte noch einmal alles ab, fand aber nichts. Meine bereits informierte Tierärztin sagte mir für den nächsten Morgen ihr Kommen zu.
Ich sah abends noch einmal nach Dón, der bis dahin stocklahm war, und hoffte, dass es „nur“ ein Hufgeschwür war. Denn danach sah diese Lahmheit aus. Danach hieß es warten…

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Samstag, 22. August

Meine Tierärztin Anke Rüsbüldt war am frühen Morgen da, Dón kam nicht mehr ganz so doll, aber doch noch deutlich sichtbar lahm aus der Box, was in dieser Form nicht zu einem Hufgeschwür passte. Sie setzte die Zange an – keine Reaktion. Sie spürte eine minimale Pulsation und hatte zwei Dinge in Verdacht – eine leichte Huflederhautentzündung, die erklärbar wäre durch sein Rumgerenne auf dem Asphaltstück auf der Weide und seine ja noch sehr empfindlichen Sohlen, und dies wäre im Zweifel die deutlich bessere Alternative, denn der zweite Verdacht war eine leichte Rehe – die Form der Vorderhufe legt diesen Verdacht nahe, und durch die ganze Umstellung vor ein paar Monaten durch den Import, den neuen Stall, die völlig andere Belastung, anderes Futter etc. etc. wollte sie das nicht ausschließen. Das wäre die deutlich schlechtere Alternative. Ich nehme also doch lieber das erste…
Ob wir Eicheln auf der Weide hätten? Sie hatte gerade zwei aktuelle Rehe-Fälle durch Eicheln… Eichen ja, aber die werfen noch nichts ab. Ich suchte die Weide ab. Keine Eicheln. Aber wer weiß denn schon, was heutzutage so alles im Futter steckt, es gibt ja immer mehr ungeklärte bzw. unerklärbare Rehe-Fälle. Meine Laune verschlechterte sich von Minute zu Minute. Sie meinte, ich solle einmal für zwei Beschlagperioden Eisen drauf machen, damit er mal so gut wie keinen Abrieb hat und der Huf wachsen kann, weil die Sohle einfach zu nah am Boden ist und hohler werden muss.
Ich rief also meinen Schmied Ulrich Keyser an. Der legt auf Sonn- und Feiertage genau so wenig Wert wie ich, er warf – wie großartig! – für mich seinen Sonntagabend um und sagte mir für den nächsten Tag sein Kommen zu. Zumal er weiß, dass ich ihn nicht zum Spaß anrufe…
:-)

Dón durfte auf die Weide, wir bewegten in der Zeit keine anderen Pferde, so dass er nicht zum Rennen gereizt wurde. Ich putzte etwas gründlicher, was er genoss. Schmerzmittel bekam er nicht, was ich auch für sinnvoll hielt, schließlich hat so ein Schmerz ja auch seinen Sinn. Und so lahm war er ja nun auch nicht mehr, also sollte er die Warnsignale, die der Huf jetzt noch schickte, ruhig auch merken und sich zurückhalten.

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Sonntag, 23. August

Mein Lieblings-Schmied kann zaubern…
Ich erklärte ihm die Lahmheit mit ihren Wechseln und den Befund meiner (ebenfalls Lieblings-)Tierärztin. Ich holte Dón raus, dabei sah er so gut wie gar nicht lahm aus, waren aber ja auch nur drei Schritte, und fragte, ob er ihn gehen sehen wolle. „Nach Deiner Beschreibung erst mal nicht, lass mich mal machen, ich bin ziemlich sicher, der geht gleich klar“ – aha?? Sprach’s, schnitt aus, raspelte – und Dón ging klar. Ich konnte es nicht fassen, wie genial!! Seine Meinung wollte ich nun aber auch genau wissen – „ich mal’s Dir auf“.
Und das tat er. Dóns Vorderhufe werden ab der Mitte abrupt spitzer. Was dafür spricht, dass der Huf durch die Umstellung nach dem Import (der zeitliche Rahmen passt vom Längenwachstum des Hufes her) erst einmal gerader heruntergewachsen ist als vorher. Und damit eigentlich auch besser als vorher. Die spitze Zehe führt jetzt aber dazu, dass im Huf Lamellen überspreizt werden, wenn Dón härter aufkommt und durch die Form nicht abrollen kann. Sobald das Hufwachstum so weit ist, dass diese Kerbe über das Hufbein hinaus gewachsen ist, sollte dieses Problem keines mehr sein. Bis dahin – und das war die zweite gute Nachricht des Tages – müssen wir nur etwas öfter die Sohle ausschneiden, da der Huf ein extrem gutes Wachstum hat, sonst wäre er nicht so schnell da hin gewachsen, wo er jetzt ist. Das Horn zeigt sich in besserer Qualität als anfangs gedacht und das Wachstum ist ganz offensichtlich richtig gut. Diese Hufe kriegen wir also auf jeden Fall hin! Uli ist Mitte September ohnehin wieder da, bis dahin vermeide ich jetzt harte bzw. steinige Böden und gucke, wie sich das Ganze entwickelt, und dann könnten wir im Zweifel neu über eventuelle Eisen entscheiden, aber Uli meint, wir kommen ohne aus.
Das wäre nun wirklich großartig!

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Dienstag, 25. August

Am Montag war Joya gestorben. Die Pferde waren durch den Wind, ich sowieso, aber Dón war so grell, dass ich da jetzt mal wieder rauf musste, denn bekanntlich entspannt er sich am besten durch Reiten.
Dies war der erste Tag, an dem er mich richtig nervte. Er kann nichts dafür und ich denke, ich habe ihn das kaum merken lassen, aber er hat mir mit seinen jugendlichen, hormongesteuerten Frechheiten und seiner Schiefe beim Reiten noch viel mehr bewusst gemacht, was ich verloren hatte. Er fiel wie selten auf die linke Schulter, konnte kaum geradeaus an der langen Seite entlang gehen – das sind völlig normale Phasen bei einem jungen Pferd, meine Güte, er ist gerade mal ein paar Monate unter dem Sattel, aber er kam mir von meinen beiden „Alleskönnern“, von denen nun einer fehlte, noch nie so weit entfernt vor wie an diesem Tag. Er legte sich am Ende tatsächlich einmal nicht hin.

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Mittwoch, 26. August

Ich ritt am nächsten Tag gleich nochmal. Ich hatte eine Zuschauerin, die Dón noch nicht kannte und ein paar Fragen stellte, so dass ich erklärte, warum ich wann was tat, und prompt nahm ich ihn rauf und runter in Schutz und die Stimmung zwischen uns wurde deutlich besser. Ich konnte seine Schiefe und sein Geschlenker besser aushalten. Dieses Mal legte er sich auch wieder hin nach dem Reiten, auch wenn das wirklich lange dauerte. Da fände ich es jetzt schon interessant, in wie weit das damit zu tun hat, dass ich durch Joyas Tod distanzierter und in mich gekehrter bin.

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Donnerstag, 27. August

Heute war nur Putzen angesagt – ich hätte ja noch gekuschelt, aber Dón war nicht nach Kuscheln. Er ist derzeit echt unerträglich am Kopf, rüpelig und rotzig. Ihn regt die braune Gast-Stute sehr auf, die aber ja nicht ewig bleiben wird. Aber die macht ihn schon ganz schön rappelig. Nervig! 
Seine Wunden heilen langsam, ich habe nichts mehr drauf gemacht, da er ja eh alles abknabbert, und nun trocknen die so langsam. Die Natur heilt ja doch (fast) alles.
Da es ihm aber extrem unangenehm war, wenn ich die verarztet habe, neigte er phasenweise schon fast dazu, nach mir zu treten, wenn ich die am linken Knie behandeln wollte. Also nehme ich mir beim Putzen jetzt immer bewusst viel Zeit, oft hinten um ihn herumzugehen, ihn ohne Anspruch am Hinterbein anzufassen und ihn zu loben, wenn er keine Anzeichen von Abwehr zeigt. Das wird gerade wieder deutlich besser.

Nun werde ich für drei Tage weg sein, meine Eltern und Solveig (und damit Esperanzador) besuchen, und Montag bin ich wieder da und dann geht es hier weiter! Dann vielleicht auch mal wieder mit Fotos – danach stand mir jetzt aktuell gerade mal gar nicht der Sinn…

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