September

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Im Moment ist der Wurm drin. Am 24. August starb Joya – und seitdem sind die Pferde durch den Wind. Auch wenn Dón mit Joya ja im Prinzip nichts zu tun hatte und auch im anderen Stalltrakt steht – es ist spürbar, dass sich die ganzen Energien verändert haben.

Noch dazu kam am 1. September ein neues Pferd, dem keiner, nachdem er aus der Kastrations-Narkose aufgewacht war, erzählt, hat, dass er jetzt kein ganzer Kerl mehr ist. Er ist fünf und denkt, er sei noch einer. Und bringt hier so viel Wirbel rein, dass wir im Moment gefühlt nur am Pferde hin und her schieben sind, weil der eine nicht draußen sein kann, wenn der andere draußen ist und der nicht drinnen sein kann wenn der draußen ist und der dunkle nicht dort sein kann wenn der Helle hier ist und der eine nicht hüben sein kann wenn der andere drüben ist – boah, die sind im Moment SO anstrengend!!

Wie wird einem bewusst, wie gechillt der eigene Hengst schon ist? Wenn einer kommt, der sich bekloppter benimmt. Dón ist wirklich entspannt gegen Nabucco.
Mann Mann.
Männer!

Noch dazu hat Merlin jetzt einen handtellergroßen Zahnabdruck in Dóns Sattellage hinterlassen und ihm eine Nüster ziemlich zerbissen. Bei dem Versuch, die Box durch bzw. über die geschlossene Tür zu verlassen, hat Dón sich ein paar weitere Blessuren zugezogen. 

Ich habe also die Zeit genutzt für die erste Impfung der Tetanus-Grundimmunisierung und ein großes Blutbild (Bilderbuch-Werte!). Und nun kann ich nur hoffen, dass da langsam Ruhe einkehrt. Diese Hormonscheudern!!

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Samstag, 12. September

Die Ruhe ist zurück. Was für eine wunderbare Stimmung im Stall, was für eine Wunder-volle Zeit (bewusst so geschrieben). Dazu hoffentlich/vielleicht irgendwann in den nächsten Wochen mehr…

Mit Dón hatte ich gestern und heute so schöne Momente! Gestern hatte ich den Portuguesa noch einmal drauf, dazu die Vaquero-Kandare vierzügelig, dieses Mal also nicht für ein paar Fotos im Morgennieselregen, sondern ganz bewusst, um ihm das Stangengebiss in Ruhe näher zu bringen. Er wird mit Gebissen genau so unkompliziert wie alle meine Pferde – vermutlich, weil ich mit Gebissen einfach unkompliziert umgehe.
Die Stange störte ihn überhaupt nicht, er hat natürlich noch nicht den Zug zum Gebiss, den ich später brauche, um einhändig (oder – Traum – noch später freihändig) zu reiten, aber er fühlte sich einfach gut an.

Macht mir seine jugendliche Schiefe noch Kopfzerbrechen, so nach dem Motto „wie soll der jeeeee Traversalen lernen…“ so wird dieser – durchaus zwischendurch aufkeimende Gedanke – relativ schnell von verschiedenen Bildern überlagert, die dieses Gedanken lächerlich erscheinen lassen, nämlich das Bild von Lilly, die achtjährig alle Seitengänge beherrschte, obwohl sie das nun wirklich schiefste Pferd ist, das ich je erlebt habe; und von Fàscino, der ja nun wirklich alles, was er kann, von mir kann. Dann werde ich das mit einem beweglichen Pferd wie Querendón ja wohl erst Recht hinkriegen!

Und so liegt im Moment mein Fokus darauf, ihn stellen zu dürfen und in ersten Ansätzen die Schulter und die Kruppe zu verschieben. Das gelang an dem Tag mit der Stange recht gut, am nächsten Tag (heute) mit normaler Trense noch viel besser. Er war im Stall unentspannt, aber mal wieder, sobald mein Hintern den Sattel berührte, ruhig und gelassen. Ach, das ist so schön!

Im Schritt bekam ich nachher tatsächlich relativ gutes Schulterherein, vor allem rechts schon in weitgehend guter Haltung, links noch weitaus wackeliger. Auch die Kruppe durfte ich in Ansätzen verschieben, und dies immer mit der Idee, auf keinen Fall diese Beweglichkeit zu zerstören, was heißt, dass ich ihn im Hals relativ frei lasse, in Anlehnung ja, aber ich stelle ihn noch überhaupt nicht in einer Haltung fest. Im Trab mache ich das schon mal in allerersten kurzen Ansätzen, um dann wieder die Dehnungsbereitschaft abzufragen, im Galopp braucht er noch am meisten Unterstützung durch die Anlehnung.

Im Linksgalopp braucht er noch relativ viel Außenstellung, im Rechtsgalopp fühlt sich das schon deutlich ausbalancierter an.

Das Halten auf Pfiff und das ruhige Stillstehen und Sonne genießen ist gerade ein bisschen weg. Da muss ich mal wieder ran. Mein Telefon klingelte, es war mein Vater, und so musste mein Jungspund mal aushalten, rumzustehen, während ich telefonierte. Er hampelte und drehte sich im Kreis und irgendwann langte es mir und er bekam einen Schlag mit der Gerte an die Schulter. Hoppla, hat er sich erschreckt! Ich war sehr unbedarft, bei sowas wäre ich vor ein paar Wochen ja mich Chance noch runtergeflogen, darüber habe ich überhaupt nicht nachgedacht. Bin denn ja auch nicht runtergeflogen, Dón zuckte mächtig zusammen und – stand still. Und genoss die Sonne. Na, geht doch!

Nic war mit Merlin auf dem Platz, gestern hatten wir die beiden noch zusammen laufen lassen, das war sehr süß. Heute fehlte dafür die Zeit, aber wir konnten unkompliziert aufeinander zu und aneinander vorbei reiten. Gestern gab es noch mal angelegte Ohren bei Dón, woraufhin er einen Rüffel bekam, heute kamen Nic zwei Mal reichlich dicht, sie war innen, ich an der Wand, ich setzte einen scharfen Schnalzer und Dón vergaß alles, was ihm noch gar nicht eingefallen war.

Danach ritt ich noch den inzwischen völlig veränderten Nabucco und genoss diesen schönen Abschluss einen schönen sonnigen Tages in vollen Zügen.

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Sonntag, 13.9. – jetzt auch endlich mal wieder mit Fotos!

Das Wetter war viel schlechter angesagt, und so dachte ich, verbringe ich den Tag auf dem Reiterflohmarkt und versuche, ein paar Sachen loszuwerden. Das gelang schlecht bis gar nicht, so dass ich um 13.00 Uhr zusammenpackte und – da die Wettervorhersage (mal wieder) so gar nicht hinhaute – lieber zu den Pferden fuhr.
Es wurde ein super schöner Nachmittag.

Als ich Dón ritt, lachte mich das Cavaletti so an. Und immer mehr… Es kam mir fast entgegengekrabbelt… Und da hab ich’s an die Bande gestellt und bin gesprungen.
Also Dón ist gesprungen.
🙂

Ich habe noch nie ein junges Pferd erlebt, was derart problemlos seine ersten Sprünge unter dem Reiter absolviert! Die ersten zwei erschreckten ihn ein wenig und dann war’s gut. Mal trabte er nur drüber, dann gab ich mal direkt am Cavaletti den Galoppschnalzer und schließlich galoppierte er auch hinter dem Cavaletti weiter. Nachdem er den Bogen einmal raus hatte, genoss er das Neue (endlich was Neues!) sichtlich und hatte echt Spaß dran. War das klasse!

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Noch etwas Neues – ich ritt einmal an den Boxen der drei Stuten vorbei hoch zum Parkplatz und zurück. Er durfte nichts sagen, auch nicht auf dem Rückweg (da fiel es ihm schwerer), und das, obwohl ihm alle drei entgegensahen und teilweise blubberten.
Der große, artige Junge!

Danach spielte ich noch ein wenig, er machte ein paar sehr schöne „spanische Schritte“ – na ja, das Gehen ist noch nicht so ganz drin, aber es wird!

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Ich fragte auch mal wieder ein Kompliment an, das mache ich eher selten, und er hat es in Bestzeit absolviert – da muss ich wohl mal zur Fußlonge greifen, damit er da etwas mehr zur Ruhe kommt und das Bein länger am Boden lässt. Aber er hat immerhin die Idee verstanden. Dass es sinnvoll ist, sich davor über viel Boden zu stellen, allerdings noch nicht so.

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Nic hatte das Cavaletti mit Merlin auch genutzt und nun sprang ich mit Dón an der Hand noch ein paar Mal drüber. Das hatte ich schon mal gemacht und er, der anfangs ja überhaupt nicht auch nur ansatzweise neben mir traben konnte, macht das flüssig und vorsichtig. Das hilft ihm sehr, um das Vertrauen zu bekommen, auch neben mir einfach mal loszutraben. Damit tut er sich echt schwer. Witzig, war bei Fàscino früher auch so. Da brauchte ich das für die Materialprüfungen, und beim ihm machte es eines Tages auf einem Stoppelfeld „klick“. Bei ihm machten einige Dinge auf einem Stoppelfeld „klick“, fällt mir dabei gerade ein. Serienwechsel zum Beispiel. Dafür brauchte er massig Platz. Wie Dón wohl irgendwann seine ersten fliegenden Wechsel springen wird…?

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Die Stimmung passte, so dass ich dachte, ich frage noch mal wieder ein Steigen an. Dón war grell genug, aber auch gehorsam und auf Distanz bedacht, die Mischung, die ich dafür brauche. Es war – nach diesem einen Zufalls-Treffer – erst das zweite Mal, dass ich das überhaupt bewusst anfragte. Und er schaltete ziemlich schnell hin und her zwischen Angriff und Gehorsam. Insgesamt war er flink und ich machte ihn noch viel flinker, und so bekam ich tatsächlich mehrere Momente, die ich ganz ganz doll loben konnte – ich bin mir nicht sicher, dass er die Idee dahinter schon klar verstanden hat, aber sein Verhalten hat mich sehr gefreut. Er ist auf Gehorsam bedacht, auch wenn ich ihn echt reize. Und ich habe ihn gereizt. Danach wich er mir nicht mehr von der Seite und war sehr kuschelig – er möchte gefordert werden und das hat ihm sichtlich Spaß gemacht!

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Freitag, 18.9.

Mein Schmied war wieder da. Er stand wie eine Eins! Also Dón, nicht der Schmied 🙂 Großartig! Und ich musste so lachen, als er wieder ansetze, sich zu erheben, als Uli ihn mit einem Vorderbein auf dem Bock hatte. Uli meinte nur „Du darfst nicht lachen. Du bestätigst ihn doch nur!“ – wie Recht er hat, aber ich konnte nicht anders. Danach bat ich Dón prustend, bitte ein Vorderbein unten zu lassen und Uli, sich zu beeilen.

Aber wirklich klasse waren die Hinterhufe. Überhaupt kein Thema. Das sah letztes Mal ja noch ganz anders aus… Ganz anders sehen jetzt auch die Vorderhufe aus – zwar reichlich klein (ich hoffe, die bekommen wir noch etwas breiter mit den Jahren), aber jetzt wird eine klare Form erkennbar, vor allem in der Zehe. Aufgrund der zuvor schlechten Winkelung sollte es also nicht noch einmal zu einer Lahmheit kommen – kam es nach der ersten Umstellung ja schon nicht mehr. Das dürften wir hinter uns haben!

Derzeit regnet es wirklich in Unmengen, abends gab es dann aber noch einen lichten Moment und ich sagte zu Dón, wir gehen mal die neuen Schuhe ausprobieren.
Ich ging mit ihm auf die Wiese – reiterlich wird er absolut mein Spaßpferd!
Wer hätte das vor ein paar Wochen gedacht…

Vier Monate ist er jetzt bei mir und was hat sich da reiterlich nicht alles getan!
Obwohl ich ja nun wirklich nicht viel mache, es ist ja schon gut, wenn ich zwei Mal pro Woche drauf sitze, zu mehr kommt es oft nicht. Ich longiere überhaupt nicht mehr ab, kann sofort rauf und er entspannt sich, und so bin ich nun also auch sofort Richtung Wiese gegangen. Hier zog er beim dritten, vierten Galopp dann auch einmal kräftiger an, was mich ahnen ließ, dass ich, wenn ich ihn mit an die Nordsee nehme, vor der dänischen Grenze kaum zum Anhalten komme, wenn Dón einem „Weitenkoller“ unterliegen sollte. So lange er dabei nicht anfängt zu bocken soll es mir Recht sein…
Nächstes Jahr!!

Die Abendsonne schien, wir genossen das und uns gegenseitig.
Ach, es war und ist einfach schön.

Sonntag, 20.9.

Was als Öffentliches Training mit dem Thema „Das junge Pferd“ geplant war, fiel als offizielle Veranstaltung wortwörtlich ins Wasser – es regnete die ganzen Tage davor gefühlt ununterbrochen. Der Sonntag war zwar ganz gut angesagt, aber der Platz war so nass… Wir hätten vier junge Pferde gehabt, die sich tatsächlich alle an der Hand hinlegen, und diese Möglichkeit sah ich davon schwimmen. Diesen Platz wollte ich den jungen Pferden nicht zumuten, aber auch nicht uns, da wir neben diesen Pferden ja auch immer mal nebenher gehen würden bzw. sie an der Longe vorstellen würden.

Der Tag wurde dann so traumhaft schön – wettertechnisch zum Einen mit strahlendem Sonnenschein, der den Platz tatsächlich ziemlich schnell relativ gut abtrocknen ließ, zum Anderen emotional, weil wir spontan zwei neue Boxen und deren Erstbezug feierten mit ein paar Gästen. Die wollten auch zumindest die beiden jungen Pferde sehen, die ich ohnehin vorgestellt hätte, wenn schon die Gastpferde nicht da waren, und natürlich zeigte ich die beiden gern.

Dón, der ja nun nicht zum ersten Mal Zuschauer sah, durfte einmal zeigen, wie spontan er schon war. Und er war spontan. Ich saß direkt auf, er fühlte sich einfach nur gut an.

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Ich ließ mir die Flagge geben, die im Wind ganz schön flatterte und knatterte, was ihn überhaupt nicht (mehr) beeindruckte, und schließlich schwang ich die mit einer Wucht um seinen Kopf, dass sie richtig knallte – Dón stand da völlig ungerührt und genoss die Sonne.

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Ich ließ ihn über das Cavaletti springen, dass dieses Mal nicht direkt an der Bande stand, so dass es schon möglich gewesen wäre, zu zwei Seiten ein Vorbeilaufen anzupeilen. Tat er aber nicht. Er sprang anstandslos und spürbar mit Spaß.

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Auch, als ich ihn, nachdem ich eine Weile etwas anderes gemacht hatte, noch einmal ziemlich überraschend dagegen lenkte – ich merkte diese geniale Routine meines Körpers, der am Sprung so ungeheuer schnell reagieren kann auf die Bewegungen des Pferdes, und meine Entschlossenheit, Dón merkte dasselbe und machte tatsächlich einen zwar überraschten, aber schrägen und damit gelungenen Sprung.

Ich finde es so unsagbar großartig, dass dieses Pferd so einen schönen Sprung macht, und ich bin sicher, dass da noch einiges möglich werden wird.

Zurück in die Military – mit einem Spanier…?? Na, gegen das, was da heutzutage an den Start geht, kommt er wohl kaum an. Ist auch nicht ernst gemeint. Habe ich lange genug gehabt. Aber toll, weiterhin springen zu können, auch wenn Fàscino hier irgendwann darum bitten sollte, dass das für ihn weniger wird bzw. aufhört.

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Noch eine Spontanität zum Schluss – ich ließ mir den Halsring geben. Ich hatte bei diesem starken Hals zwar nicht wirklich eine Lenkung, da musste dann phasenweise der Zügel noch kurz unterstützen, aber das tollste daran war, dass Dón die am Hals schlackernden Zügel völlig unbeeindruckt ertrug. Das wäre vor ein paar Wochen undenkbar gewesen!
Ich war fast geneigt, das Cavaletti anzusteuern – na gut, später 🙂

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Ach, was für ein wunderbarer Nachmittag!

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Montag, 21.9.

Ich habe Dón nach seiner Weidezeit geritten und es gab mal wieder eine Premiere – er war zum ersten Mal auf Kandare/Unterlegtrense gezäumt. Ich dachte ja nicht, dass so viel Metall (das sind schon sehr dünne Versionen, aber es sah immer noch nach viel aus) in seinem zarten Mäulchen Platz hat, aber, wie Dón so ist – es kratzte ihn herzlich wenig.
Das Verschnallen am Kopf fand er wieder bekennend Scheiße, aber ansonsten machten ihm die Gebisse überhaupt nichts aus. Und na klar sah er toll aus…!

Ich ließ die Kandarenzügel leicht durchhängen und ritt ihn nur auf Trense, so spürte er zwar beide Gebisse, die Stange kam aber nicht zum Einsatz. Das ging einfach nur großartig. Er ging auf beiden Händen ein leichtes, williges Schulterherein, er zog an die Trense, er ging so gut wie fast noch nie. Und fühlte sich einfach nur kraftvoll, dynamisch und toll an. Ich hatte zum ersten Mal Joyas Sattel drauf, mit dem Lammfell-Pad ging das sehr gut, ich brauchte jetzt mal alles in braun 🙂

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In dem Sattel scheint mein Kreuz anders durchzukommen – Dón galoppierte auf einen Hauch so dynamisch an, es war eine Wonne. Aus dem Schulterherein fragte ich einmal kurz in Richtung Traversale, und das nicht wie bislang ein paar Mal im Schritt, sondern im Trab. Und er kreuzte ein paar Tritte, ich nahm ihn sofort raus, als er die Biegung nicht mehr halten konnte. Ich lobte ihn wie verrückt und freute mich noch mal, als ich sag, dass dieser kurze Moment sogar auf den Fotos erkennbar ist. Freu freu freu!!!

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Dienstag, 22.9.

Wellness-Tag – Dón kam mir auf der Weide als Dreckschecke entgegen und da ließ ich ihn dann auch.

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Mittwoch, 23.9.

Ein halbes Jahr ist er nun unter dem Sattel und da dachte ich, kann ich doch mal behutsam meinen Anspruch an seine Haltung erhöhen. Ich ritt auf Trense und bat ihn anfangs, beim Halten den Oberhals rund zu lassen. Er drückte zuerst beim Halten noch immer sehr nach vorne/unten, so dass ich erst einmal auf den runden Oberhals Wert legte. Prompt bemühte er sich darum und hielt einige Mal deutlich besser an und trabte auf immer leichter werdende Hilfe wieder an. Er ließ sich im Trab gut zu beiden Seiten stellen.
Hatte ich zuerst noch überlegt, die Stuten schon rauszulassen, war ich jetzt ganz froh, das nicht gemacht zu haben, denn auch so glotzte er sich an irgend etwas fest hinter der Weide, was nur er sah. Daraufhin fasste ich ihn dann irgendwann einmal relativ energisch an. Huch! Er kann tölten! Also zumindest vor Schreck mal ganz kurz. Oh blöd, darf ich ihn nicht mehr anbrüllen? Wird er jetzt sensibel? Das wäre ja schade 🙂

Er verhaspelte zwei Mal das Angaloppieren, weil er sich extrem auf dieses Gespenst (oder Gespinst??) konzentrieren musste und wurde dann zeitweise mal recht wild. Vermutlich sah er toll aus, aber ich konnte das Gehampel nicht mehr sitzen und mir kam der Zaun ein paar Mal bedenklich nahe, als er beim Hampeln noch versuchte, dem nassen Hufschlag nach außen auszuweichen. Er bekam 28 Beine und von mir noch einen Rüffel und dann machte ich kurz auf bravi bravi, ho ho, und er kriegte sich wieder ein.

Ich ließ zum allerersten Mal beim Antraben aus dem Halten minimal die Hand stehen. Das wird irgendwann eine Piaffe, die jetzt vermutlich noch niiiiiiiemand erkennen könnte – aber ich kann fühlen, dass sie das wird. In fünf Jahren 🙂

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Sonntag, 27.9.

Habe ich fünf gesagt? Gestern war ich auf dem Tagesseminar von Richard Hinrichs.
Und auf eines ist Verlass: Egal, wie er seine Seminare betitelt, es geht um die Piaffe 🙂

An diesem Tag zeigte er mit diversen Pferden – auch noch nicht so weit ausgebildeten – wie er an verkürzte Tritte herankommt. Gefühlt war das halbe Seminar für Dón und mich gemacht. Ich sog gebannt Ideen in mich auf, auch wenn mir vieles nicht neu oder unbekannt war, so tat es doch unglaublich gut, sich diese Moment mit Dón vorzustellen.

Und so setzte ich mich also am Sonntag auf mein Spaßpferd, das sich zuvor beim Putzen und Fertigmachen reichlich schlecht benommen hatte – er war gerade erst auf die Weide gekommen und dann kam ich. Das war fies, klar, also übte ich große Nachsicht bei seiner Hampelei. Ich verließ mich darauf, dass er sich entspannte, sobald ich im Sattel saß – und so war es. Er ging sofort einen wunderbaren Schritt.

Was dann folgte verursacht mir neben einer Gänsehaut auch einen Tag später noch ein so ungeheures Glücksgefühl – er ging so gut wie überhaupt noch nie unter dem Reiter. Ich war randvoll mit schönen inneren Bildern und bekam neben einem wirklich federleichten Schulterherein, in dem ich mich phasenweise still hinsetzen und ihn alleine lassen konnte.

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Er ging auf einmal drei ganze Diagonalen Traversale (bei denen na klar die Biegung noch deutlich zu verbessern ist, aber die Idee war klar erkennbar und er hielt die Strecke einfach und sicher durch, so dass es nicht erforderlich war, nach wenigen Tritten abzubrechen), er galoppierte auf beiden Händen mit nicht mehr der ganz großen Dynamik von sonst, sondern schon mit einer ersten Idee des Setzens, und dann der wirkliche Hammer – viel Rückwärtsrichten war ja bislang noch kein Thema. Von gestern nun die Idee im Kopf „wenn Du ein paar kurze Tritte rückwärts gehen kannst, ist es doch noch viel leichter, ein paar kurze Tritte vorwärts zu gehen“. Gezeigt wurde mit verschiedenen Pferden Halten, ein kleiner – kleiner! – Tritt rückwärts, daraus antraben. Nach so etwas hatte ich Dón noch nie auch nur ansatzweise gefragt. Nun fragte ich. „Einen ganz kleinen Tritt zurück und antraben!?“ – und er setzte tatsächlich einen Huf minimal zurück und trabte daraus leicht und sicher an. Ich machte es drei Mal und danach durfte ich zum ersten Mal überhaupt im Trab den Raumgewinn und den Rhythmus um kleine Nuancen verschieben. Ich war wirklich überwältigt. Das alles hatte eine Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, die neu war.
Zum ersten Mal war vollkommen klar fühlbar, dass er alles lernen wird, es ist alles drin, ich muss es nur mit der Zeit abrufbar machen. Ich bin vollkommen beseelt abgestiegen.

Solveig war zu Besuch, sie hatte auch das Seminar miterlebt, und sie machte Fotos. Tatsächlich erwischte sie den Moment des kleinen Trittes zurück und daraus antraben:

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Danach sprangen wir noch, es war das dritte Mal und Dón guckte nicht einmal nach rechts und links. Er hat sichtlich Spaß am Springen, so leicht fühlte sich das noch nie an. Das muss dann wohl jetzt bald ein bisschen höher werden!

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Montag, 28.9.

Ich wagte es noch einmal, aber das Gefühl war nicht wiederholbar. Dón ging kantiger, eckiger, wer weiß, wie viele unnötige Runden er wieder mal morgens auf der Weide gedreht hatte. Egal, ich hörte schnell wieder auf und ging mit ihm eine gemütliche Hofrunde, die ich inzwischen komplett am langen Zügel gehen kann. Dann putzte ich ihn noch einmal schön gründlich, was er dieses Mal doch ein wenig genoss, und dann durfte er im letzten Licht noch einmal in’s satte Grün.

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