Oktober

Freitag, 2.10.

Dón hatte seine zweite Impfung der Tetanus-Grundimmunisierung bekommen. Meine Tierärztin fragte, ob ich da nicht ein Halfter drauf machen wolle? Eigentlich müsste sie mich lange genug kennen, um so eine Frage nicht mehr zu stellen, wenn ich denn da schon am Pferd stehe – ohne Halfter.

Dón zuckte nicht einmal. Absolut großartig. Ich erzählte ihr, während ich ihn begeistert lobte, dass ich mich inzwischen so richtig in dieses Pferd verliebe, darauf meinte sie „Verliebt ist so ein erwachsenes Gefühl. Diese kindliche Begeisterung, die Du mit Deinen Pferden hast, die kann man nicht stellen.“

Nee, da hat sie wohl Recht. Am selben Tag kam mir zum ersten Mal eine Antwort in den Sinn auf die Frage, die mir häufiger gestellt wird – wie ich das mache. Dass sie so sind. Mein „Erfolgsrezept“. Ich glaube, es ist diese Ehrlichkeit ihnen gegenüber, diese echte Liebe, und dass sie im Prinzip keinen Fehler machen können. Und wenn, versuche ich es umzuleiten, um sie so wenig wie möglich zurechtweisen zu müssen. Na klar, junger Hengst hier, dem das Testosteron phasenweise aus den Ohren tropft, der wird auch mal zurechtgewiesen. Auch mal deutlicher. Aber eben in der Deutlichkeit, die es braucht, damit er es, hormongeschwängert, überhaupt mitkriegt.

Aber es gibt bei mir weder diese fürchterliche, sinnlose Straferei, die so oft zu sehen ist, es gibt möglichst nur erfüllbare Forderungen – und je schwerer erfüllbar sie vielleicht noch sind, um so mehr werden sie als Bitte formuliert.

Ich machte sie mutig und selbstbewusst und lasse sie individuell und eigen sein. Und ganz offensichtlich wissen sie das zu schätzen und blühen darin auf. Dón hat dermaßen glänzende Augen, solche Augen sind mir bewusst noch nie an einem Pferd aufgefallen. Der kriegt genau so eine Arroganz wie Fàsci, der ja auch nie erlebt hat, wie schlecht man es als Pferd treffen kann. Dón wird genau so. Eifersüchtig wie nur irgendwas ist er leider jetzt schon…

Die Korrekturpferde bekommen eine andere Ausstrahlung, wenn sie erstmal wieder aufmachen, etwas öffnen, was schon verschlossen war. Ihnen merkt man eine echte, tiefe Dankbarkeit an, vor allem, wenn sie es vorher so richtig übel getroffen hatten. Aus diesem Grund macht mir ja beides so viel Spaß – das Korrekturpferd fast noch mehr als das junge – und nun hat das Schicksal ja dafür gesorgt, dass ich beides habe…

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Montag, 5.10.

Dón hatte ein freies Wochenende, weil ich unterwegs war, so wollte ich jetzt wieder reiten. Auf dem Platz war er schon hart an der Grenze zu faul – er war dermaßen tiefenentspannt, dass ich überlegte, wie ich ihn wecken könnte, ohne ihn schärfer anfassen zu müssen. Ich will ja dieses Entspannte keinesfalls kaputt machen, aber wacher hätte ich ihn jetzt schon gerne gehabt. Toll, dass ihm jetzt der Platz schon langweilig wird. Das kann ja spannend werden im Winter.

Ich ritt auf die Weide, auf der Fàsci stand und graste. Ich ritt ziemlich nah an Fàsci heran, was Dóns Entspanntheit sofort verschwinden ließ. Er drehte richtig auf. Ich ritt immer wieder an Fàsci ran, von ihm weg, um ihn herum – Dón muss echt schick ausgesehen haben. Schön zu reiten war er dabei nicht unbedingt, aber es war eine tolle Gelegenheit, ihn mal wieder in der Nähe eines anderen Pferdes zu reiten. Ich sagte ihm schließlich, wenn Du zu Fàsci willst, musst Du traversieren. Also traversierte er geschlagene fünfzig Meter auf Fàsci zu. So kann man das natürlich auch beibringen 🙂

Ich fragte nach einem Vorderbein, was er auch brav zum Spanischen Gruß hob, er ging jedoch nicht weiter dabei und ich bekam auch nicht das linke Bein, nur das rechte.
Als ich etwas deutlicher fragte, hob er ganz leicht beide Vorderbeine. Auch wenn er sich damit entziehen wollte, lobte ich und bat ihn darum, sich das für später zu merken.
Er machte noch einen zweiten, kleinen Steigeansatz, sehr bedacht, ich lobte wieder und ritt nach vorne.

Fàsci hat ja absolutes Hofrecht hier und kann gehen, wohin er will. Er ging also in den Stall, weil ihm das hier zu doof wurde. Dón wurde ruhiger, ließ den Hals ein wenig fallen, ließ sich mehr los. Es war schön.

Fàsci kam wieder, Dóns Aufmerksamkeit wechselte, aber er blieb deutlich besser händelbar als am Anfang. Und dann ließ ich ihn einfach mal geradeaus traben, die ganze Länge der Weide lang. Und zurück. Und wieder zurück. Das war süchtigmachend!
Er trabte so rhythmisch, ich ließ mich einfach tragen, er ließ immer mehr den Hals fallen, suchte Zug an die Hand… Toll!
Klar hätte der Trab mehr schwingen können, das ist alles noch etwas laufend, aber diese gerade Strecke tat ihm wirklich gut. Er ging einen super Schritt danach, ich quatschte noch mit Meike, da drehte er kleine Runden, weil Stehen nicht ging, und dazu zwinge ich ihn auch nicht. Dabei entspannte er immer mehr und scharrte schließlich. Ich hätte ihn sich ja hinlegen lassen (mit mir drauf), aber er war so nah am Zaun, dass ich etwas zur Seite nahm. Da allerdings wollte er nicht mehr liegen. Schade eigentlich…

Mein Grauer macht so einen Spaß…! Aber er nimmt kein Gramm zu. Er ist eher noch dünner als im Mai, als er kam. Er kommt viel raus, läuft aber oft hin und her, hat zum Fressen kaum Zeit, auch im Stall wandert er viel. Er bekommt Heu satt, ist aber ein recht nörgeliger Fresser. Die Kastration täte ihm in dieser Hinsicht mit Sicherheit gut, für ihn wäre es schon sinnvoll, wenn die Stuten mal an Wichtigkeit verlieren würden. Also dann wohl diesen Winter, auch wenn ich ihn im Moment als Hengst wirklich sehr genieße. Aber ein Dauerzustand ist das mit ihm leider nicht. Da steht er sich leider zu viel selbst im Weg…

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Freitag, 9.10.

Regen, Regen, Regen! Endlich hatte das Wetter ein Einsehen. Der Platz stand unter Wasser, aber Dón ist ja nicht zimperlich mit Pfützen. Nicht mehr 🙂

Ich nahm Nic an die Longe, die auf ihn einfach sitzen und fühlen durfte und schließlich selbst – ohne Zügel – durchparieren und antraben sollte. Auf der Nachbarweide grasten die Stuten. Und Dón war einfach nur großartig! Nic schwärmte hinterher und meinte, auch wenn er mal nicht sofort reagiert hat, hatte sie nie das Gefühl, dass er Quatsch machen könnte. Das wird einer für Sitzschulung…!

Danach habe ich mich noch raufgesetzt und bin direkt ins Gelände gegangen – an der Straße guckte er zwar, ging aber immer brav weiter, neben ihm fuhr so ungefähr alles, was hier so langkommen kann, incl. eines leuchtenden Krankenwagens. Interessiert ihn alles nicht. Auf der Wiese hätte ich ihn gerne ein wenig mehr gehen lassen, aber wir blieben im Schritt, nachdem er in dem völlig durchnässten Boden keinen wirklichen Halt fand. Und man muss ja auch gar nicht immer traben! Einfach mal nur Schritt hat schließlich auch einen extrem wichtigen Lerneffekt! 
Und so blieb es bei Schritt und mein Spaß-Pferd und ich kehrten zufrieden nach Hause zurück.

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Samstag, 10.10.

Ich wollte so gerne noch einmal „Strecke machen“ auf der Weide und das Traben vom letzten Mal wiederholen. Die Weide kam mir dieses Mal viel kürzer vor 🙂
Sönke stand einen Moment am Rand und sagte „Das sieht so elegant und leichtfüßig aus…“ – und so fühlte es sich auch an. Dón ließ sich immer mehr los, dehnte sich, ich konnte einfach nur sitzen und loslassen, toll. Bis Sina mit Cinni des Weges kam. Das lenkte ihn dann doch so weit ab, dass ich mal zufassen musste. Die Eleganz und Leichtfüßigkeit ging über in Kraft und hormongesteuert. Fühlte sich aber auch nicht schlecht an 🙂
Ich fasste ihn ein wenig an, ärgerte ihn mal am Hinterbein, und durfte dadurch das Tempo doch schon ganz schön variieren. Ein schönes Zulegen über einige Meter bekam ich auch, wobei ich darauf ja noch sonst überhaupt keinen Wert lege, da für mich echtes Zulegen aus Versammlung kommt und von Versammlung ja noch nicht ernsthaft geredet werden kann.
Cinni war dann endlich irgendwann im Stall und Dón ließ postwendend den Hals fallen. Jetzt kam ich richtig zum Treiben, er ließ mich toll sitzen, da war unser Trab wieder!

Ein kleiner Galopp, anhalten am hingegebenen Zügel, Feierabend.
Die Sportlehre muss mal überdacht werden. Angeblich sind Kraft und Ausdauer doch nur mit Muskeln möglich. Ich wüsste nicht, wo Dón welche hat, aber Kraft und Ausdauer, das hat er! Das ist ein Marathonläufer – und so sieht er auch aus. Drahtig, kernig, ökonomisch.

Ich habe ihn noch gewaschen für morgen, danach sah er einfach zu schön aus – nass ist er ja viel dunkler, wenn er so dunkelgrau doch auch im trockenen Zustand sein könnte…!

Er war zufrieden mit dem Tag, ich auch. Was für ein wunderbares (Reit-)Pferd…
Am Boden, beim Putzen und Fertigmachen ist er manchmal schwer auszuhalten, aber sobald man im Sattel ist, ist er einfach nur toll. Und er gibt mir die Ruhe, die ich für Nacariño brauche… Mein Fels in der Brandung!

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Sonntag, 11.10.

Dieser tolle Tag hat einen eigenen Bericht – und der ist hier zu lesen.

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Mittwoch, 14.10.

An diesem Tag war Dón so durchlässig wie noch nie – es war die pure Wonne! Je ekliger er beim Fertigmachen ist, um so besser ist er offenbar beim Reiten. Na super. Er war wirklich unmöglich beim Putzen, so frech und ungeduldig habe ich ihn selten erlebt. Ich habe also zugesehen, dass ich mich ranhalte. Er hielt schon das weit offene Maul hin, als die Trense kam, das war ja nun echt wieder süß, er konnte es nicht abwarten. Er wurde schon ruhiger, als das ganze Equipment da saß, wo es hingehört. Der ist wirklich reit-geil!

Er fing mit einem super entspannten, schönen Schritt an, dehnte sich, der Trab war locker-flockig, er galoppierte elastisch, und dann wagte ich schließlich einmal Schlangenlinien mit drei Bogen – ein Bogen Trab, ein Bogen Galopp und so weiter. Davon konnte ich zwei hintereinander reiten, er ließ sich immer zu beiden Seiten gleich gut und gleich weich stellen, er kam über den Sitz zurück zum Trab und verlängerte dabei den Hals, so ein richtiges reinfließen in den Trab, er galoppierte jedes Mal korrekt an, das kann noch leichter werden, aber meine Güte, es war insgesamt so toll, dass er sich so lässig auf diese Schlangenlinien einließ, total großartig! Er war so zufrieden danach, zum ersten Mal durfte ich im Galopp nach Dehnung fragen und bekam sie, einfach klasse. Er macht so einen Spaß…

Danach habe ich ihn mir noch kurz an die Hand genommen und bekam tatsächlich eine grobe Idee von halben Tritten – und danach zum ersten Mal, weil er nun aufgebrezelt war, mehrere Schritte Spanischen Schritt hintereinander. Das gab es so noch nie. Ich lobte ihn wie verrückt. Für Spanischen Schritt muss er aufgekratzt sein. Der ist noch nicht raumgreifend, aber darum mache ich mir keine Sorgen. Er ging mehrere Schritte hintereinander, und das war wichtig!

Und dann dachte ich, wenn er schon aufgebrezelt ist, kann ich doch nochmal ein Steigen anfragen. Und tatsächlich bekam ich auch das! Er versucht zwar, im selben Moment nach vorne auf mich zu zu springen, und so musste ich das Maß finden zwischen ermutigen und auf Distanz halten und das musste ungeheuer schnell gehen, aber er hat die Idee verstanden und nicht mehr versucht, seitlich wegzuspringen oder lieber gar nicht abzuheben. Boah, was für ein Tag!!
GRINS IM KREIS…
🙂

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Sonntag, 18.10.

Heute war ich zum ersten Mal mit Dón in der Halle. Die ist im selben Ort, nur 3 bia 4 km entfernt, so dass das die ideale Übungsfahrt mit Hänger ist.

Ich war gespannt, um nicht zu sagen, aufgeregt – verrückt eigentlich, aber es war echt spannend, mit dem wilden Hengst (haha) zum ersten Mal auf eine fremde Anlage zu fahren.

Ich hatte am Tag zuvor abgesprochen, wann die besten – will heißen: freiesten – Zeiten in der Halle sind (es gibt hier sogar zwei Hallen, was die Sache noch viel einfacher macht), so dass ich möglichst niemanden störe, Dón sich aber auch nicht durch andere Pferde – die und deren Reiter ich ja nicht kenne – gestört (oder animiert…) fühlt.

Dón wurde geputzt, die Sachen im Auto verstaut, er bekam ein Deckchen über und die Transportgamaschen an die Füße und machte damit ein paar Storchenschritte, aber nicht extrem. Die stören ihn schon mal nicht. Er ging sofort auf die Rampe, blieb kurz stehen, schnupperte – und ging hoch. Großartig!
Anfangs war er etwas unruhig, auf gerader Strecke stand er ruhig.

Er ging ruhig und gerade aus dem Hänger, ließ sich anbinden und satteln. Und dabei stellte ich fest, dass der Gurt noch im Schrank hängt…
Warm und trocken…
Na super.

Gedanklich ritt ich schon ohne Sattel – hätte ich gemacht. Er stand da so cool. Gut, bequem ist er nicht und er findet meinen Hintern bestimmt auch nicht gerade angenehm, also dachte ich ein wenig auf der Situation rum und ging gedanklich meinen in der Regel voll ausgestatteten Kofferraum durch.
Und tatsächlich – da lag ein frisch gewaschener Gurt in Dóns Länge.
Na, den lasse ich dann wohl vorsichtshalber nachher gleich drin!

Wie kann ein Pferd mit 1,58 m Stockmaß sich dermaßen groß machen?
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Dón folgte mir höchst aufmerksam auf die Anlage und in die Halle. Kein Wiehern, kein Gehampel. Das ist die erste Halle, die er überhaupt sieht, seit er bei mir ist und wohl auch erst die zweite in seinem Leben. In Spanien hat er vermutlich keine von innen gesehen und in Cottbus ja auch nur für acht Wochen.

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Er ging also, typisch junges Pferd, die ersten Runden noch nicht so gerne an die Bande und bestaunte alles, vor allem die Spiegel – die hier sehr hoch angebracht sind, so dass er sich nicht selbst auf sich zukommen sah, das war mir auch sehr Recht so – und das Casino, das über die gesamte kurze Seite geht und in dem sich jemand gerade etwas zu trinken und ein Brötchen aus einer Tüte nahm. Das musste er sich genau angucken.

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Der Boden ist hier relativ tief, an manchen Stellen aber auch platt gelatscht, die Ecken sind die typischen abgerundeten Gräben, das fand Dón alles erst einmal sehr merkwürdig und er fühlte sich sehr eierig und schwankend an, da die Fesseln hier deutlich mehr gedreht wurden. Für mich fühlte sich das an, als sei der Boden etwas rutschig, was er, glaube ich, nicht ist, aber ich behielt Dón doch etwas mehr am Kreuz und sah zu, dass ich schnell zum Loslassen kam, so dass er sich selber tragen und auf der Hinterhand ausbalancieren konnte.

Im Ernst – besser kann er zu Hause auch nicht gehen.
Ich durfte alles, aber auch alles anfragen, was er bislang kann.
Nachher ritt ich Schlangenlinien drei Bogen, alle Bögen im jeweiligen Handgalopp, dazwischen einige Trabtritte, er ging alle Übergänge durchlässig und ließ sich völlig problemlos stellen und biegen. Und er suchte zwischendurch so richtig Dehnung über etliche Meter. Was für ein Gefühl…

Der Boden war nach kurzer Zeit kein Problem mehr, die Bande auch nicht, Geräusche aus der Stallgasse nebenan, die er nicht zuordnen konnte, nahm er wahr, es erschreckte ihn aber nicht.

Und so wagte ich gegen Ende doch tatsächlich, im Galopp die Hand zu wechseln und ihn ziemlich frech zu einem größeren Sprung aufzufordern – er sprang dann auch prompt seinen ersten fliegenden Wechsel! Ich ließ die Zügel fallen und lachte und lobte, er war überrascht und hatte den Zusammenhang mit dem Wechsel vermutlich nicht verstanden, aber er fand sich zu Recht toll. Ich ihn auch!
Meine Güte, der kann so unkompliziert sein!

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Ich saß ab, knuddelte ihn begeistert, er wollte unbedingt liegen. Gleich…
Ich nahm ihn noch kurz an die Hand und fragte nach halben Tritten. Das ist alles noch sehr ungleichmäßig und phasenweise mit höchst aktivem Hinterbein :-), aber es wird langsam erkennbar, was das mal werden soll. Nic erwischte mit der Kamera einen Moment, bei dem mir kurz die Spucke wegblieb, als ich die Bilder durchsah – das ist noch nicht die abrufbare Realität, aber das ist ein Blick in die Zukunft!
Wenn auch eher Passage als Piaffe, aber so kleinlich wollen wir mal nicht sein, toll ist toll!

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Und da jegliche Aufforderung, hinten doch mal mehr zu winkeln und kürzer zu treten, Dón gerne damit beantwortet, freier in der Schulter zu werden, bekam ich auch hier ein paar schöne Spanische Schritte. Nicht ganz so fließend und mehrere hintereinander wie beim letzten Mal, aber da tut sich auf jeden Fall etwas.

„Otto-Normal-Ausbilder“ würde jetzt in dem Piaffe-Bild festhängen, sich möglichst noch an den Hinterfüßen festgucken, und die freier werdende Schulter nicht wahrnehmen, schlimmstensfalls sogar strafen, weil ist ja gerade nicht gewünscht…
Und so würde ein guter Ansatz im Keim erstickt, dem Pferd das Gefühl gegeben werden, etwas falsch zu machen, obwohl er doch nur probiert, alles zu tun, was gewünscht sein könnte. Da es ungefähr 2000 Varianten von ersten halben Tritten gibt, ist hier so eine Umsicht geboten, um dem Pferd die gewünschte Idee schmackhaft zu machen, die vom Pferd eingebrachten Ideen aber nicht zu verderben!

Ich fragte noch ein Steigen an und bekam auch das. Ach, der Guuuute…!

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Na, und dann durfte er sich natürlich endlich hinlegen, er wartete schon so!
Ich fuhr mich innerlich runter, legte die senkrechte Gerte an die Gurtlage, und es dauerte ungefähr fünf Sekunden und Dón fiel um.
Er genoss das Wälzen sichtlich und dieser Hallensand hinterlässt auch kaum Spuren im Schimmelfell, wie praktisch!

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Er ging fast noch lässiger auf den Hänger als vor der Herfahrt und stand dieses Mal wie ein Baum. Wieder zu Hause brüllte er mir erst einmal ein Loch ins Trommelfell und dann stand er in seiner Box, fraß Heu, und war mit sich und der Welt sichtlich zufrieden. Ich auch!

Besser hätte dieser erste Hallen-Ausflug nicht laufen können!

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Mittwoch, 21.10.

So ruhig war Dón beim Putzen noch nie. Ich hatte mich zuerst mit Nacariño befasst und dann eifersüchtelt Dón ganz schön, als er dann endlich an der Reihe war, stand er ruhig und zufrieden da und forderte ständig zum Kuscheln auf, zu süß. Er genoss es sichtlich, wenn ich mich in irgendeiner Form mit seinem Kopf, seinen Ohren und seinem Maul beschäftigte.

Nach dem Aufsitzen drehte er sich vom Platz weg und so gingen wir erst einmal eine Hofrunde – total entspannt am langen Zügel. Auf dem Platz dann war er weiterhin unglaublich entspannt, hart an der Grenze zu faul. Das ließ sich allerdings leicht ändern – ich fragte nach ein wenig Trab mal verkürzten Schritt unter dem Reiter an, mit der Idee, daraus in den Zweitakt zu verschieben. Dón blieb hartnäckig im Viertakt, ließ sich mit der Gerte anfassen, war einfach nur unfassbar gehorsam, ließ sich aber nicht so richtig aus der Reserve locken. Ich machte diverse Ansätze und lobte immer wieder nach wenigen Schritten, und die Trabidee setzte er dann immer nach dem Lob um. Hmm, das war zu spät 🙂
Ich bat ihn also, im verkürzten Schritt an Trab zu denken und tatsächlich bekam ich ein, zwei Mal so ein paar fast „schwingende Schritte“. Das meinte ich! Und dann wollte ich noch einmal und etwas mehr. Und da machte er einen Satz nach oben vorne und keilte aus – hoppla! Er stoppte sofort wieder, was er vor drei Monaten keinesfalls getan hätte – aber da hätte ich ihn auch nicht so provoziert. Das war ohnehin das erste Mal, dass ich ihn von oben so provoziert habe. Er ist derart entspannt inzwischen, dass ich so etwas mal wagen kann. Nach seiner Warnung fragte ich noch einmal harmlos an, lobte überschwenglich und beließ es dabei.

Er trabte und galoppierte danach mit einer tollen Dynamik. Im Galopp ließ er sich stellenweise nach links zum ersten Mal so stellen, dass er losließ und sich selbst trug – zwar immer nur für Sekunden, aber das fühlte sich großartig an. Er fällt immer nochmal auf die innere Schulter, wirkt aber zehn Zentimeter größer und schon ansatzweise versammelt, wenn er auf der äußeren Schulter ist. Hach, toll, es tut sich immer wieder was! So spannend!

Auch er durfte hinterher auf der großen Wiese eine Entspannungsrunde gehen, die Sonne schien, er war total gelassen, wir genossen den schönen Tag.

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Freitag, 23.10.

Der folgende Text ist bei Nacariño fast identisch. Aber eben nur fast 🙂
Heute machte ich nämlich etwas mit beiden zusammen.

Es juckte mich, Dón noch einmal mit Handpferd zu reiten. Mit Nacariño. Äh…
Ganz leicht machte der es mir nicht. Er hängte sich hinter Dón und ich bekam ihn nicht nach vorne.
Dón blies sich langsam auf, der war ihm zu dicht dahinter, Nacariño weigerte sich aber, neben Dón zu kommen. Ich hing zwischen den beiden Pferden und dachte nur, ich muss die irgendwie in’s Laufen bringen – also zumindest erstmal Nacariño -, damit sie sich hier nicht einzementieren. Also bat ich Meike, behutsam mit der Peitsche nachzutreiben, und zwar so, dass nur Nacariño sich angesprochen fühlt.

Das klappte tatsächlich, Nacariño zog innen nach vorne – und schoss an Dón vorbei.

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Ich hielt fest, meine Gerte wurde eigendynamisch, die war ja in derselben Hand wie der Strick, der Nacariño hielt, Nacariño versperrete Dón nun plötzlich den Weg, was der überhaupt nicht komisch fand und schon mal tief einatmete, ich schickte ihn also vorwärts, damit er Nacariño aus dem Weg schiebt, was auch klappte, aber wieder eine ungewollte Gertenbewegung auslöste, und nun erschreckte sich Nacariño doch so, dass er davon schoss. Ich musste loslassen.
Hmm, doof.

Meike sammelte Nacariño wieder ein, der war ein wenig durch den Wind durch diese Aktion und wollte gar nicht mehr so nah ran an Dón. Der ja gar keine Schuld hatte.
Ich nahm den Strick am letzten Ende, damit beide Pferde Platz haben, Meike trieb behutsam an, ich wollte nur ins Traben kommen, damit sie mal in Schwung kamen – und Nacariño schoss wieder innen vorbei, die Gerte drehte sich, und weg war er.
Dón durfte nun einmal kurz Dampf ablassen – er ist unter dem Sattel wirklich inzwischen ungeheuer gehorsam, aber das hatte ihn natürlich nun auch gerade ein bisschen hochgebracht.

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Also Nacariño wieder eingesammelt und erst einmal mit der Gerte gestreichelt, die Gerte bewegt, bis er die gut aushalten konnte. Und dann wieder los. Jetzt ging es einigermaßen – zumindest so lange Meike in Treibe-Nähe war. Danach hängte sich Nacariño sofort wieder an Dóns Kruppe, der nun aber beschlossen hatte, erstmal abzuwarten, was für bekloppte Ideen ich da habe. Er blieb total friedlich, fand es nur nicht witzig, wenn Nacariño vor ihn geschossen kam. Also musste ich zusehen, beide in Gang zu bringen.
Meike trieb wieder ein wenig nach, Nacariño wollte nach vorne kommen, ich setzte Dón zackig in Bewegung – und dann trabten sie. Und das wollte ich nun erst einmal aufrecht erhalten, bis sie einen Rhythmus fanden. Nacariño traute sich näher, wurde entspannter, konnte die Gerte aushalten (die ich so wenig wie möglich bewegte, ich wollte sie aber zwischen beiden Pferden behalten, weil sie mir auf der anderen Seite nichts brachte). Ich lobte und sagte immer nur „Lauf mit! Komm, mitlaufen, mitlaufen!“ und auf dieses „mitlaufen“ reagierte er schließlich immer besser. Schließlich konnte ich durchparieren und wieder antraben. Nun musste Meike nicht mehr helfen, sie blieb aber da.

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Ich wagte einen Handwechsel. UPS! Außen gehen fand Nacariño nun wieder spannend und gar nicht so toll, er versuchte einmal, abzuhauen, aber jetzt konnte ich Dón schnell genug vor ihn bringen und um ihn herum reiten, so dass er nicht weg konnte. Das war super. Dón ließ sich inzwischen weitgehend einhändig reiten (großartig!!), so dass ich Nacariño genauer steuern konnte. Der regte sich nun auch ab und kam wieder mit. Und das schließlich auch wieder flüssiger.

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Als Dón allerdings einen Galoppsprung machte, wollte er wieder davonschießen, klappte aber auch dieses Mal nicht.
Tatsächlich lief er dann schließlich am losen Strick mit. Ich wagte noch einmal, mit Dón anzugaloppieren – blöde Idee, nächstes Mal 🙂

Ich fragte bei Nacariño Spanischen Schritt an. Er machte ein, zwei Schritte und bot ein Steigen an, was ich so dicht neben Dón allerdings nicht sinnvoll fand. Also ließ ich ihn in Ruhe und fragte Dón nach Spanischem Schritt, der auch brav ein, zwei Schritte machte, bei denen Nacariño uns aber extrem nahe kam. Zu dicht wollte ich sie nun auch nicht beieinander haben, schon gar nicht, wenn sie beide gerade in Imponiergehabe dachten.

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Also entspannen, loben, Schritt gehen, freuen, beide einfach nur toll finden…

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Und dann doch mal wieder typisch ich, „ich probier mal eben was“.
Ich hielt Dón an, richtete Nacariño neben ihm aus mit Abstand und fragte ein Steigen an. Und bekam es sofort. Freundlich, vorsichtig, mit Distanz. Ich beobachtete Dón sehr genau, der sich davon völlig unbeeindruckt zeigte. Er fand das Stehen zwar blöd, blieb aber brav.

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Und dann kam Nacariño so nahe, dass er den Kopf fast vor dem Satte ablegte – das fand Dón allerdings dann doch extrem spannend. So freundlich er auch war, ich wusste nicht abzuschätzen, wann er vielleicht doch auf „seinen Tanzbereich“ bestehen würde, also sah ich zu, dass die beiden Köpfe nicht zu lange dicht zusammen kamen.

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Aber wie großartig!! Nun war super entspanntes Schritt gehen nebeneinander möglich, Nacariño am losen Strick.
Das war unglaublich anstrengend gewesen, alleine diese hochangespannte Aufmerksamkeit und Wachsamkeit und die blitzschnellen Reaktionen – aber das Ergebnis war einfach nur klasse!
Die beiden sind fünf! Wie genial werden die in ein paar Jahren nebeneinander gehen!

Wir gingen noch die Hofrunde, beide waren vollkommen entspannt. War das schön…!

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ir ging.

Sonntag, 25.10.

Da fehlte ja noch was… Schon ein paar Mal dran gedacht und doch nicht gemacht…
Aber heute!
Garrocha!

Ach, Dón, wunderbarer Dón… Ich wusste, dass ich die Garrocha gleich in die Hand nehmen konnte. Normalerweise lasse ich jemanden mit der Stange neben dem Pferd her gehen, damit das Pferd das Geräusch hört, wie die über den Boden gezogen wird. Hielt ich bei ihm nicht für nötig. Ich nahm sie gleich selbst und ließ sie auf dem Boden hinter uns her gleiten. Das war ihm nicht geheuer, aber er hörte sich das an. Nach zwei Runden entspannte er sich und konnte das aushalten.

Ich wendete auf große, gebogene Linien, und das einhändig blank, was er ja noch nicht so kennt. Anfangs fiel er auf der rechten Hand über die äußere Schulter, auch weil er die Garrocha, die innen neben ihm war, vorsichtshalber gut im Auge behalten wollte. 
Aber auch das war schließlich entspannter.

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Und dann wechselte ich die Hand – und die Garrocha wechselte die Seite. Oha! Das war ihm gar nicht geheuer. Nicht der Wechsel hinter meinem Rücken über seine Kruppe, der störte ihn nicht, aber dass die Stange nun auf eimal rechts neben ihm war, das fand er höchst merkwürdig. Mit dieser Seite brauchte ich deutlich länger und da haute er mir auch ein, zwei Mal ab – das allerdings erst, als ich schon im dritten Gang war 🙂

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Ich wechselte etliche Male hinter meinem Rücken die Garrocha auf die andere Seite, nahm sie auf die Schulter, ließ sie wieder runter, zog sie mit auf diversen Linien – und Dón entspannte sich immer mehr.

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Ich trabte (ja ja, macht man nicht, war ja auch nur zu Gewöhnung) und zog die Garrocha dabei wieder hinter mir her. Kein Problem. Dann könnte ich doch auch…?
Ich galoppierte an. Auf der rechten Hand kein Thema, er galoppierte, hörte die Garrocha, war ihm egal, und mich überkam ein großes Glücksgefühl. Zu toll!!

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Ich wechselte die Hand und nahm die Garrocha auf die andere Seite – und das fand er wieder komisch und als ich hier nun angaloppierte gab er ein paar Mal ordentlich Hackengas. Ich ließ die Garrocha nicht los, sprach mit Dón, ließ ihn machen. Er machte ein paar enorme Sätze und merkte, dass mehr ja nicht passiert – und beruhigte sich.

Und schließlich durfte ich auf beiden Händen galoppieren, wenden (na, das ist verbesserungswürdig, aber meine Güte, erstes Mal Garrocha und zweites – drittes? – Mal einhändig blank!), konnte die Garrocha hinterher ziehen und hinter dem Rücken die Seite wechseln – naja, dann konnte ich doch wohl auch darunter drehen, oder?
Ich hob die Garrocha einige Male vor seinem Kopf hin und her – kein Problem.

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Ich fragte, ob er auf den Schenkel wenden würde – nicht gerade kein, aber kein großes Problem.
Und dann sagte ich zu ihm „Pass auf, Du drehst Dich da drunter, ok?“ – kaum ausgesprochen und angeritten und die Garrocha angehoben, da wendete er auch schon. Und schien zu grinsen. Verstanden, kann ich!

Dón wurde immer wendiger, nahm die einhändig geführte Kandare immer besser an und wendete schließlich mehrfach unter der Garrocha. Er wartete schon auf das Anheben, dann drehte er darunter. Unglaublich!

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Dieses Pferd ist fünf Jahre alt! Der ist noch kein halbes Jahr hier! Und macht nur und nur Spaß! Er wird ein totales Verlasspferd – weil er mich inzwischen ganz offensichtlich als totalen Verlassmenschen empfindet. Wir haben so viel Freude aneinander und so viel Spaß miteinander… Schwer in Worte zu fassen. Glücklich!!

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Montag, 26.10.

Heute war ein bisschen Arbeit an der Hand angesagt – ich war ein wenig unter Zeitdruck, weil ich einen Termin mit ebay hatte. Da lief um 15.41 Uhr eine Auktion aus zu einer Trense, die aber mal sowas von unbedingt haben wollte! Dafür musste ich kurz nach Hause, und was soll ich sagen – hat sich gelohnt! Drei, zwei, eins, meins! 🙂

Die Arbeit an der Hand hat sich aber auch gelohnt. So langsam erwärmt Dón sich offenbar dafür. Das mache ich ja wirklich immer nur ganz kurz und sehr spielerisch, weil das nicht sein Thema ist. Er mag die „Zwangs-Nähe“ nicht so, aber das war heute zum ersten Mal nicht mehr spürbar. Ich hoffe einfach mal, weil er insgesamt meine Nähe immer mehr genießt. Und so bekam ich viele schöne Augenblicke geschenkt an diesem Tag.

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Ich fragte auch wieder ein Steigen an. Da schwankt Dón immer noch zwischen Gehorsam und Angriff. Er springt manchmal ganz schön auf mich zu. Das sieht auf diesem Bild ja echt harmlos aus – wenn man davor steht, sieht das phasenweise ganz anders aus!
Aber Dón lässt sich dennoch immer auf Distanz halten, er passt echt auf, was er tut. Dass er doch immer nochmal einen Satz nach vorne macht, ist wohl seiner Jugend geschuldet. Stört mich nicht. Hört schon von selbst auf. Ich muss halt nur aufpassen.

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Wir hatten wirklich Spaß miteinander. Schließlich trabte er zum ersten Mal frei auf mich zu. Er war völlig fixiert auf mich, obwohl auf der Weide Pferde liefen. Das wird ohnehin immer besser. Gut, sind ja auch alles Wallache, aber immerhin ein Neuer dabei, den er schon meint im Auge behalten zu müssen 🙂

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Dienstag, 27.10.

So lange schon hatte ich diese Idee im Kopf. Aber da diese Idee viele Details beinhaltet, habe ich damit noch gewartet. Und nun waren so einige Details „abgearbeitet“ – es ist durchaus möglich, Dón einhändig auf blanker Kandare zu reiten (wenn ich ihn die Richtung bis zu einem gewissen Grade mitbestimmen lasse), er zeigt durch das Vertrauen zur Fahne, dass es ihn nicht stört, wenn auf / über ihm etwas flattert, überhaupt ist er cool genug, dass ich ihm das Ganze zutraue, UND – die blaue Trense war da! Ich habe gerade Trensen-Kauf-Fimmel. Das muss ganz schnell wieder aufhören…

Jedenfalls war schon wieder Kaiser-Wetter und so packte ich das ganze Kostüm und Zubehör ein und machte Dón zum Einhorn. Ich hatte ein graues Einhorn für ihn und wollte diese Fotos so gerne haben, bevor er zwei Fellwechsel später vielleicht ganz anders (und noch viel weniger grau) aussieht…

Er hasst ja dieses Gefummel, und so wurde er mit der Zeit zappelig, aber das konnte ich auch verstehen. Als ich dann noch anfing mit blauem Haarspray rumzusprühen, zeigte er mir ernsthaft den Mittelhuf.

Irgendwann war es dann vollbracht. Eigentlich gehören noch blaue Hufe dazu und ein bisschen mehr Tüddelüt wäre durchaus möglich, aber für heute musste das reichen.
Und so nahm ich meinen Schmetterling auf die Hand und mein Spaßpferd erst mit auf den Platz und dann auf’s Feld. Da ritt ich dann schließlich sogar freihändig – und war ganz froh über die Bremswirkung der hohen Stengel 🙂
Aber lassen wir Bilder sprechen…
Einige dieser Bilder sind auch auf facebook zu sehen. Dazu kamen teilweise sehr schöne, witzige Kommentare. Ein paar davon stehen neben den entsprechenden Bildern.

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02.

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Wunderschöne Bilder!
Und immer wieder sehe ich dein Lächeln,
so unbeschwert – einfach großartig!!!

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Dreamteam.
Macht Spass, Euch zuzuschauen…

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DA isser, der Ausdruck, den ich meine!
Total in sich ruhend!
Das ist nicht dasselbe Pferd wie im Sommer, gib’s zu!

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Du kennst echt keine Schmerzen, was?
Vor ein paar Wochen ist dieses Pferd noch durchgedreht, wenn Du mit der Zügel-schnalle an den Bügel gekommen bist.
Jetzt rennt es mit einem Horn auf der Stirn ohne Zügelkontakt durch ein Feld.
Du hast nen Knall!

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Dem mit dem Knall ist wohl nichts hinzuzufügen 🙂

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Mittwoch, 28.10.

Ich dachte, ich reite mal wieder „normal“. Also so jungpferdegerecht mit Dehnung und Übergängen und so. Dón fängt sich an, über weitere Strecken in einer Haltung zu bleiben, und das an so herrlich leichter Hand, in die er dennoch Zug sucht. Er dehnt sich immer besser und abrufbarer und ich bekam sehr schöne Übergänge Schritt / Trab.
Ich dachte wieder daran, dass ja „jeder Trab einen Hauch Versammlung“ innehaben soll und alleine auf diesen Gedanken verbesserte sich die Kadenz im Trab. Da ist Dón gerne noch recht laufend bis hin zu eilig, und so versuche ich immer wieder, mir den Trab versammelt und gesetzt und kadenziert vorzustellen, was durchaus spürbar von ihm im Rahmen seiner Möglichkeiten umgesetzt wird. Das war ein einfach schöner, ruhiger, sinniger Ritt, so richtig was für’s Gefühl…

Beim Putzen war Dón wieder entspannt und ruhig. Und damit an dieser Stelle mal ein Plädoyer dafür, Dinge, die einen nerven, auszuhalten und nicht zu problematisieren! Manches geht von selbst vorbei. Dón genießt inzwischen meine Nähe und ist immer froh, wenn ich irgend etwas mit ihm mache, so dass er sofort ruhiger wird, wenn ich ihn raushole oder auch nur bei ihm bin. Das zeigt sich jetzt – nach fünf Monaten – auch beim Putzen (endlich…). Ich habe das die ganze Zeit an mir abprallen lassen, obwohl mich seine irrsinnige Zappelei zugegeben genervt hat. Ich habe ihn nicht gestraft, nicht gerügt, nicht herumkommandiert, dem Gezappel keine Wichtigkeit gegeben. Und das war, wie sich jetzt zeigt, das genau richtige Rezept. Es ist, zugegeben, auch das schwerste. Denn es ist natürlich viel einfacher, am Pferd herumzuerziehen und herumzunörgeln und herumzustrafen. Kann man machen, verbessert die Beziehung zum Pferd aber nicht. Alternative: So tun, als würde das Pferd sich schon so verhalten, wie man es sich wünscht. Schnell genug sein, damit einen das zappelnde Pferd nicht erwischt, über den Dingen stehen, wenn es rempelt und zappelt und nervt. Eben an sich abprallen lassen.
Jetzt bekomme ich die (positive) Quittung für diese Form von Geduld. Und im Rückblick hat es nicht weh getan, diese fünf Monate Zappelei auszuhalten. Auf einmal sind sie vorbei. Heißt nicht, dass das Gezappel nicht wiederkommt, das ist ja auch situationsbedingt, aber unter normalen Umständen kann er sich jetzt offensichtlich beim Putzen entspannen. Das hätte ich nicht „erstrafen“ oder auch nur erziehen können, das musste schon von ihm selbst kommen, wenn die Zeit reif ist. Ist sie offenbar jetzt!

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Donnerstag, 29.10.

Nachdem ich zuerst mit Nacariño im Gelände war, durfte Dón nun auch. Ich ging zum ersten Mal etwas weiter vom Hof weg, diese Strecke hatte er noch nie gesehen, und so gab es einiges zu staunen. Zuerst ein Laub harkender Mann, der mir zurief „Der muss mal wieder zum Frisör! Der sieht ja gar nix!“ Hihi… Dón sah durchaus eine ganze Menge.
Unter anderem das vermutlich erste Shetlandpony seines Lebens. Oh Gott, war das süß! Nicht das Pony, das auch, nein, Dóns Reaktion darauf! Zum Wegschmeißen! Erst sah er nur die Frau mit Hund. Kein Thema. Dann sah er (auf 300 Meter Entfernung), dass hinter Frau und Hund noch irgendwas kam. Aber was? Er rammte alle Viere in den Boden und versteinerte. Irgendwann war die kleine Truppe nah genug heran, dass die Frau mit mir sprechen konnte, sie fragte, ob Dón wohl Angst vor dem Hund habe und nahm den hoch. Ich meinte, der ist es wohl nicht, eher das Pony (ein kleiner Braunschecke, der völlig gechillt Dón betrachtete und zum Glück keinen Blödsinn machte). Sie staunte, als ich meinte, dass das möglicherweise Pony Nr. 1 in seinem jungen Leben sei. Während Dón staunte, dass es entweder a) so winzige Pferde gibt oder wohl eher b) ein Kind auf einem braun-weißen Neufundländer sitzt. Und bevor er sich über eine Variante klar werden konnte machte er auf dem Absatz kehrt und schoss davon. Er kam ein paar Meter weit, dann zog ich die Handbremse und drehte ihn um. Wie kann er in Frage stellen, dass wir daran vorbei gehen? So gut sollte er mich inzwischen kennen. Witzbold.
Ihm fielen fast die Augen raus. Die Frau war ungeheuer freundlich, quasselte, den Hund auf dem Arm, auf ihn ein und meinte, da müsse ich aber sattelfest sein (zugegeben, das lohnte sich heute wirklich), Ponylein stand ganz still und wartete, während Dón sich Schritt für Schritt zögernd daran vorbei tastete und gerne einen Sprung in den Graben vorgezogen hätte, um Deckung zu suchen. Ich hätte mich schlapp lachen können. So süß!!
Irgendwann waren wir vorbei, die beiden gingen in die Richtung, aus der wir gekommen waren, also würden wir uns gleich noch einmal begegnen. Ich ging bis zum Möschenhof, Dón bestaunte die Pferde auf der Weide, war aber absolut null hengstig. Als die Herde in Wallung kam und losdonnerte, kam auch Dón in Wallung und wollte bitte nach Hause.
Er musste noch einen Moment zuschauen und durfte dann umkehren.

Und dann sahen wir das Pony von hinten. Dieses Mal kam Dón zwar etwas schneller dran vorbei, aber immer gespannt wie ein Flitzebogen und sehr fluchtbereit. Die Frau meinte, er sähe unglaublich stolz aus. Nun, stolz fühlte er sich im Moment gerade mal nicht an. Dann muss sie ihn mal sehen, wenn er wirklich stolz aussieht!

Wir trabten noch ein Stück, galoppierten auch ein wenig, aber Dón parierte von selbst durch. Ich ließ ihn machen. Das waren eine Menge Eindrücke, die er da zu verdauen hatte. Er kam ganz schön aufgekratzt nach Hause. Aber – er wird einmal ein tolles Geländepferd, kein Zweifel!

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