November

Sonntag, 1.11.

Wieder mal etwas Neues gefällig? Ich hatte meine 3 x 6 Meter große blaue Plastikplane im Hänger entdeckt und parat gelegt. Heute war ein guter Tag, damit mal rumzuspielen.
Ich breitete die also auf dem Platz aus und Dón machte prompt auf dem Absatz kehrt, als er den Platz erreichte und die sah. Er ging dann mit großen Kulleraugen auf möglichst großem Zirkel um die Plane herum. Aber wie Dón so ist – der Kreis wurde schnell kleiner.
Ich bezog die Plane einfach in das Reiten mit ein, maß ihr keine besondere Wichtigkeit zu, und so näherte sich Dón ihr wie nebenbei.
Und nach einigen Minuten setzte er im Vorbeigehen einen Huf darauf. Das erschreckte er sich dann aber doch – die raschelte und knisterte ganz schön. Und sie bewegte sich natürlich, als er drauf trat. Und das auch noch auf ihn zu!

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Aber seine erste Angst war weg. Und so konnte ich kurze Zeit später über die Plane reiten, und das schließlich auch im Trab und nachher im Galopp. Er machte witzige Bewegungen (da sieht man mal, was in ihm steckt!), wich aber nicht aus.

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Ich konnte von allen Seiten drüber reiten, er trat tapfer drauf.

Also steigern: ich bat Doris, mit der Plane in der Hand neben ihm her zu gehen. Ich dachte kurz darüber nach, sie gleich selbst zu nehmen, aber das Geräusch der Garrocha fand er ja anfangs auch nicht so toll und die Plane war mal ein ganz anderer Schnack als die Garrocha! Also ging Doris neben ihm, er beäugte das alles mit großen Augen, geheuer war ihm das nicht.

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Als er sich ein wenig entspannte und relativ gerade ging, nahm ich die Plane in die Hand.
Oha!
Dón schob sich am Zaun lang bis zur nächsten Ecke, in der ließ ich ihn erstmal stehen und gucken und bewegte die Plane ganz vorsichtig. Dón schielte und wand sich wie ein Aal, fand sich aber wieder einmal relativ schnell mit der Situation ab.

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Ich ritt vorsichtig Schritt, möglichst langsam, bis Dón auch das akzeptierte.

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Ich wollte ihn zur Plane drehen, das war ihm überhaupt nicht geheuer, er ging rückwärts, wurde immer schneller und ich musste loslassen. Ärgerlich!!

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Ich ritt direkt wieder hin und drüber und bat Doris, die Plane nochmal in die Hand zu nehmen. Sie zog sie, ich ritt hinterher und ermunterte Dón, auf die sich bewegende Plane draufzutreten („Komm! Hau drauf! Ist Deine!“). Er wurde immer mutiger. Schließlich nahm ich die Plane wieder in die Hand.

Ein paar Runden später konnte ich antraben, auch das sehr ruhig und vorsichtig.
Der Wind hob die Plane mal an, wehte sie mal gegen Dón – er hielt das aus.

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Danach wickelte ich ihn behutsam mal ein bisschen ein. Kein Problem!

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Schließlich ließ ich die Plane wieder fallen. Da lag sie nun wie eine Rolle. Wie praktisch! Damit ließ sich doch auch was anfangen 🙂

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Danach lernte Dón seinen nächsten „Fremdreiter“ kennen. Ines drehte ein paar Runden. Sie fand ihn offensichtlich deutlich spannender als er sie. Er war völlig entspannt und ließ sich willig lenken. Er wird also auch als Lehrpferd für andere mal ganz großartig.

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Feierabend! Obwohl – nicht ganz. Die Plane lag da ja immer noch so verlockend rum. Dón durfte sich wälzen und dann legte ich ihm nur die Zügel über den Hals und legte ihm die Plane vorsichtig über den Rücken. Überhaupt kein Problem.

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Bis zu dem Moment, in dem ich ihm wohl die Sicht nahm, jedenfalls war ihm das auf einmal zu viel Plane am Kopf. Er schoss davon – die Zügel über dem Hals, die Trense zwischen den Beinen. Die Plane fiel runter, ich sah mich schon die Einzelteile der zerfetzten Trense zusammensuchen, ich rief ihn, er kam und blieb bei mir stehen. Und beruhigte sich sofort. Ich hob die sandgestrahlte Trense auf – heil! Alles da, wo’s sein soll. Bloß statt schwarz sandfarben. Na, das soll mir egal sein, lieber sauber machen als heil.

Ich holte die Plane wieder, Dón guckte sehr zweifelnd. Ich legte die nochmal über den Rücken (und hielt ihn wieder nur mit den Zügel über dem Hals fest. Sonderlich lernfähig bin ich offenbar nicht). Als er komplett „im Zelt“ stand, nahm ich die Zügel ab. Er stand frei, ich wickelte ihn ein und lockte ihn mit einem Leckerlie. Er ging mitsamt Plane auf mich zu, trat dabei auf die Plane, ließ sich aber überhaupt nicht mehr stören davon.

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Boah, was für ein großartiges Pferd…!!

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Mittwoch, 4.11.

Ich dachte, ich gehe mal eine wenig an die Verfeinerung der Übergänge und arbeitete darauf hin, Schritt-/Trab-Übergänge nur noch auf ein An- und Abspannen der Pobacken, Oberschenkel und Knie reiten zu können. Und das gelang schließlich richtig, richtig gut. Dón ist wirklich frei am Kreuz – was ich ja auch brauche, da ich ja einhändig und auch irgendwann freihändig reiten möchte. 
Das tollste am heutigen Ritt – die Stuten liefen auf der Weide nebenan. Dón behielt die zwar im Blick (Tina ihn auch!), war aber immer wieder gut bei mir. Das wird wirklich immer besser. Dón nimmt auch endlich sichtbar zu – er hatte ja wirklich mächtig abgenommen in der Zeit, die er hier ist. Das muss er wieder drauf kriegen.
Wer also abnehmen will: Testosteron!!
🙂

Natürlich gingen wir wieder eine entspannte Hofrunde zum Abschluss. Auf dem Asphalt vor dem Feld unten liegt eine riesige grüne Plane. Die ist auf gut 4 Quadratmeter zusammengefaltet und entsprechend hoch. Aber ja weich, wenn man drauf tritt. Das fühlt sich schon komisch an. Vor allem für ein Pferd, das das Podest kennt und vielleicht damit rechnet, dass sich diese Plane ähnlich anfühlt.
Dón kannte die natürlich, aber so ganz nah rangeritten war ich noch nie. Jetzt aber.
Er guckte und setzte schließlich vorsichtig einen Huf darauf. Und dann tappte er über diese „weiche Masse“ und es störte ihn überhaupt nicht.
Wenn der mit seinem Vertrauen so weitermacht, frage ich mich ernsthaft, ob es in ein paar Jahren noch irgend etwas gibt, wovor er wirklich Angst hat, die ich ihm nicht nehmen kann. Dón wird wortwörtlich durch’s Feuer gehen… Wenn die Polizeistaffel wüsste, was für ein Pferd ihnen da entgangen ist!

Inzwischen habe ich übrigens eine spanische Flagge gekauft – 3 x 5 Meter!
Damit ich Dón demnächst adäquat einwickeln kann 🙂

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Sonntag, 8.11.

Steigerung zum Thema Ausreiten: heute waren wir zu dritt unterwegs!
Nic, Tanja und ich drehten im morgendlichen Sonnenschein eine schöne Runde.
Ich saß auf und ritt zu der Stallgasse, in der Flamenco und Navarre stehen, um die beiden abzuholen. Flamenco kam hinter Dón raus, der schon in „Fahrtrichtung“ stand. Dón sah im Augenwinkel, wie Flamenco einen Kragen machte (oder Dón bildete sich ein, Flamenco hätte ja einen Kragen machen können), holte tief Luft und war gerade im Begriff, sich aufzuplustern und nach oben / hinten zu bewegen, und das mit mächtig Macker-Gehabe und brüllend.

Ich war schneller. Ich schrie ihn kurz und zackig und richtig laut an, bevor er Flamenco rückwärts erreichen konnte (der seinerseits vorwärts auf ihn zukam und an einer Konfrontation nicht uninteressiert war) und es gab einen gezielten Gertenschlag. Der ließ ihn einen riesigen Satz nach vorne machen und den Spannungsgrad rapide hochschnellen. Was mich irgendwie an Loriot erinnerte „Nun sei doch mal gemütlich!“ – nee, mit gemütlich war mal eben vorbei. Lass doch mal einer das Kind nach vorne!

Es war ein bisschen schwierig, mit den Dreien vom Hof zu kommen, Dón ging vorneweg und war ungefähr  einen Meter kurz, alle seine Sinne waren auf Flamenco gerichtet, der hinter ihm ging und Tanja echt was in die Hand gab in dem Bestreben, zu Dón zu gelangen um das mal eben auszudiskutieren (na, wenn er sich da mal nicht gnadenlos überschätzt).

Nach hundert Metern ritt ich eine Volte und hängte mich hinter die beiden – und ab dann war’s gut. Dón entspannte sich zusehends, behielt Flamenco aber im Auge. Unsere drei tollen Spanier im Sonnenlicht, das Laub raschelte unter den Hufen – nee, wat schön!

Wir gingen ein Stück Wiese entlang, von der man über einen Hang von gut drei, vier Metern Höhe zurück auf den Weg gelangen konnte. Flamenco kehrte auf halber Höhe um und befand den Hang für zu steil. Nic probierte es gar nicht erst und ich schickte natürlich Dón da hoch. Dieser Hang reizt mich eh jeden Tag, wir hatten uns heute aber erst mal die Erlaubnis geholt, am Rand dieser Wiese lang zu reiten.

Dón stellt inzwischen nicht mehr viele meiner Anforderungen / Anfragen / Bitten / Wünsche in Frage, mögen sie ihm auch noch so bekloppt vorkommen. Brav, der Gute!

Und so holte er etwas verblüfft Schwung und krabbelte los, in der Mitte wurde dieser Hang aber wirklich steil, aber Dón dachte nicht daran, umzudrehen, nun war sein Ehrgeiz geweckt. Er kraxelte entschlossen weiter. Das machte er echt geschickt, mein Toller, prompt war er oben auf dem Weg. Buschpferd…!

Wir ritten wie immer zum Möschenhof – direkt ab Hof gibt es tatsächlich nicht viel mehr Möglichkeiten, Ausreitgelände gibt es hier nicht, da muss man schon aufladen und ein bisschen fahren. Machen wir auch noch. Später.

Nun lag aber erstmal wieder der Weg mit den schön vielen Pfützen vor uns, wir trabten vor- und nebeneinander, der Abstand wurde geringer, Dón war aufmerksam und wachsam, behielt Flamenco im Auge, blieb aber absolut gehorsam.

Am Möschenhof angekommen kam die Herde an den Zaun, was Dón ein kurzes Macho-Wiehern entlockte. Stehen konnte er gar nicht, er war aufgekratzt.

Wir ritten zurück und vor dem Weg sagte ich zu den Mädels „Macht mal ruhig Hüh, wenn Ihr wollt“ – „Wieviel Hüh?“ – „Mir egal, macht ruhig!“ Ich blieb dahinter, die beiden trabten und galoppierten schließlich, Dón ließ sich am kleinen Finger regulieren und ließ sie davon galoppieren, schließlich trabte und galoppierte ich auch an, er platschte durch die Pfützen, schlug ein paar Haken, und ließ sich am Ende neben den beiden problemlos durchparieren.

Boah, war das schön!! So leicht händelbar, so aufmerksam, so fröhlich!

Auf dem Rückweg konnte er dann auch mal phasenweise den Hals langmachen.
Die Distanz zu den anderen wurde immer geringer, alles war gut.

Hatte das Spaß gemacht!!

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Mittwoch, 11.11.

Ich wollte kurzentschlossen in die Halle und ging davon aus, dass Meike da sein würde, um beim Verladen zu helfen.
War sie aber nicht.
Pffffff… Dann eben alleine!
Ich putzte, verstaute das Sattelzeug (dieses Mal MIT Gurt…), packte Dóns Beine ein, legte ein Deckchen über und ging los. Dón guckte einmal, zögerte ein wenig – und war oben. Wie großartig! Allerdings stand ein Bein noch sicherheitshalber ein Stückchen auf der Rampe, und als ich ihn nach vorne schieben wollte, schob er einmal kurz gegen, kaute dann aber weiter auf dem Apfel rum, den es da vorne in der Futterkrippe gab und nahm auch das letzte Bein noch rein.
Freu freu freu!!!

Er stand prima beim Fahren und auch dort, als ich am Hänger anband und fertig machte. Die Halle erkannte er wieder, aber gucken musste er natürlich trotzdem erst einmal. Ein Pferd konnte aus seiner Box in die Halle gucken und sah zu, Dón guckte da hin, aber alles war gut. 
Nach wenigen Minuten dehnte Dón sich, zumindest phasenweise. Der Schritt war super, er fühlte sich einfach gut an.
Bis dieses Pferd aus der Box geholt wurde. Dass der nun weg geht, ging ja überhaupt nicht! Dón drehte blitzartig auf, wollte lostoben, trabte an, ich ließ ihn, er galoppierte an, ich ließ auch das zu, aber dann wurde er echt krawallig. Also parierte ich wieder durch und nun musste ich ihn gefühlt eine Viertelstunde richtig beschäftigen, in der er immer wieder in die Stallgasse guckte, ob denn dieses Pferd nun mal wieder käme (was es nicht tat. Wer weiß, was dann los gewesen wäre). Nach und nach wurde er wieder entspannter und rittiger, der Trab war toll. Wie sagte Richard Hinrichs? Jeder Arbeitstrab soll einen Hauch Passage haben. Daran dachte ich. Dóns Arbeitstrab hatte allerdings noch eher einen Hauch Galopp 🙂

Sabine kam rein, wir quatschten eine Weile und Dón blieb tatsächlich relativ ruhig stehen dabei. Also mal mehr, mal weniger 🙂
Aber er hielt das aus, und das war prima. Danach machte ich nicht mehr allzu viel, ein paar schöne Übergänge noch, angaloppieren blieb nach wie vor spritzig dynamisch (toll!), aber Dón schwitzte und ich wollte ihn möglichst trocken nach Hause bringen.

So ging ich mit ihm raus, band ihn wieder am Hänger an, verstaute die Ausrüstung, und ging an Halfter und Strick zurück, jetzt in die kleine Halle, die er noch nie gesehen hat. Keine fünf Minuten später lag er im Dreck und machte echtes Genuss-Wälzen. Und nochmal rum. Ach, und nochmal, weil’s so schön war!
Er war albern und aufgekratzt, ich blödelte ein bisschen mit ihm rum.

Wir gingen noch einmal in die Stallgasse, um einen Äppelboy zu holen, die Boxen waren leer, Dón ging völlig cool hier durch und schaute sich um.

Wieder auf dem Weg zum Hänger sah er einen – wohl schon ziemlich alten… – Kopf aus einer Außenbox gucken und da brüllte er dann doch mal rum. So auch, als ich den Äppelboy zurück brachte, ich hatte Dón natürlich bei jedem Weg im Schlepptau, er soll noch nicht auf dem Hänger warten müssen. Das kommt später. Noch soll fahren toll sein und mit doofer Zeit auf dem Hänger in Verbindung gebracht werden.
Äh, falsch formuliert: fahren soll toll bleiben, aber irgendwann wird es auch mal doofe Zeiten auf dem Hänger geben 🙂

Dón ging wieder völlig unkompliziert hoch, stand gut, und brüllte zu Hause den ganzen Hof zusammen, als er wieder runter kam. Ganz Alveslohe wusste nun wohl, dass er unterwegs gewesen war 🙂

Also, alleine verladen und losfahren: Haken dran.
Hammer!!

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Freitag, 13. November

Gestern war Dón zum ersten Mal „im Trio“ draußen. Er stand bestimmt zwei Stunden mit Merlin und Nacariño draußen und es ging wunderbar. Es war so süß, man hätte nicht sagen können, wer da der Hengst ist, am ehesten noch Nacariño, der auf Macker machte, aber Dón war total entspannt und genoss es. Er zoge Merlin ein Blatt aus dem Maul, kraulte mit ihm Mähne – es war einfach nur schön!

Heute durfte er wieder mit Nacariño auf den Platz. Ich schleppte das Podest an. Dón war in null-komma-nix oben und fand das toll. Ich rettete derweil die blaue Plane, die wegzufliegen drohte – die hatte unter dem Podest gelegen und wurde jetzt vom Sturm erfasst. Ich legte die über die eine Litze, mit der wir hier abtrennen können zum Hof hin. Da knallte und schepperte die nun, als der Sturm an ihr riss und zog. Die Pferde in den Paddockboxen daneben verschwanden auch sofort laut schnorchelnd. Dón stand da auf dem Podest und guckte sich das an. Dieses Pferd ist echt unglaublich!
Nacariño stand ein paar Meter dahinter und wusste nicht, was er davon halten sollte. Nichts, wenn man ihn genau fragte.

Aber er sah auch Mr. Cool auf dem Podest stehen und wurde neugierig. Ich ließ ihn von selbst drauf kommen, dass diese Plane ungefährlich ist. Schließlich wehte die ja auch in die Gegenrichtung. Das Ding machte aber echt Lärm!

Dón ging wieder runter, ich ließ die beiden ein bisschen laufen. Also mit Nachtreiben. Nacariño näherte sich dem Podest, beäugte die Plane, Dón kam an, rempelte ihn weg und stellte sich drauf. Der kann so unfassbar frech sein!!

Nun wollte Nacariño aber auch mal! Ich hatte noch drei Kekse (also vierzig zu wenig) in der Tasche und eine Idee. Nacariño hatte sich genau an den Rand gestellt, so dass für Dón, das schmale Hemd, allemal noch genug Platz auf dem Podest war. Fand ich zumindest.
Sie hatten Halfter auf, ich hatte aber keine Stricke dazu genommen. Ich holte Dón, bat ihn rauf, versuchte zeitgleich, Nacariño daran zu hindern, wieder runterzugehen, das ging eine Weile hin und her – und dann standen sie für ungefähr eineinhalb Sekunden beide gleichzeitig oben!

Das war ihnen zu eng. Nacariño allemal. Dón sieht das ja – im wahrsten Sinne – nicht so eng. Nun war mein Ehrgeiz geweckt. Ich wollte beide auf dem Podest haben.
Ich holte Äpfel und stellte Nacariño wieder drauf. Er stand viel zu breit. Ich rangierte hin und her, während Dón, dieser Aal, immer überall mit seinem Maul zu sein schien, wo ich ihn nicht gebrauchen konnte. Meine Güte, ist dieses Pferd gelenkig. Ich musste einerseits vier Vorderbeine zusammenbringen, gleichzeitig über mir aber zwei Köpfe auseinander halten.

Tja, was soll ich sagen – zehn Minuten (oder so) und ein paar Rangierversuche später standen beide oben und sauten so richtig mit Äpfeln rum. Nacariño macht aus jedem Apfel ohnehin eine irre Schweinerei, aber jetzt beide – überall flogen Apfelstücke und Spucke rum. Aber sie genossen es sichtlich und gingen auch nicht wieder runter, ich hatte beide losgelassen, sie standen da, mampften, sahen glücklich aus – und all‘ das, währen fünf Meter entfernt immer noch die Plane im Sturm wütete. Und sich kein anderes Pferd blicken ließ. Wie grooooooooßartig!!!

Wieder einer der Momente, in denen ich denke, dass unerfahrene Reiter nicht an junge Pferde gehören. Denke ich ja sowieso, aber da war wieder einer der Gründe klar: Dinge, die man noch nie gesehen, gehört, bestenfalls gefühlt hat, fragt man im Zweifel auch nicht an. Ich hätte die beiden gestern noch nicht ernsthaft auf dem Podest gesehen vor meinem geistigen Auge. Heute schon, als sie dicht an dicht standen und Nacariño einmal so dicht am Rand stand, dass Platz war. Hätte ich aber von Fàscino und Joya nicht gewusst, wie das sein kann und wie man da Rumrangieren muss, damit sie sich trauen, wäre ich auf diese Idee heute mal auf gar keinen Fall gekommen. Und eben auf so viele andere Ideen auch nicht – ich merke gerade, wie ungeheuer selbstverständlich ich Dinge in die Ausbildung einbeziehe, die andere entweder gar nicht oder erst „wenn er das und das kann“. Nein! Nicht immer warten, bis es vielleicht passt, auch mal einfach passend machen! Auch bei Sturm! Und Platz mit Seenlandschaft! Egal!
Und das mache ich mit so vielen Dingen so.
Rittigkeit ist mir wichtig. Ja. Aber ich würde nicht im Traum auf die Idee kommen, ein paar Mal pro Woche zu reiten um des Reitens Willen. Das Rittig-machen, das Gymnastizieren, das Verfeinern des Reitens, das sollen sie nie als „Arbeit“ ansehen. Idealerweise empfinden sie ihre komplette Ausbildung als Spiel. Dann hätte ich – für mein Empfinden – alles richtig gemacht. Na klar werden sie eingenordet und kriegen auch mal auf den Frack, wenn sie sich echt nicht benehmen, aber das müssen sie auch gut aushalten und verstehen und richtig einordnen können, was sie eben nur können, wenn unser Verhältnis stimmt und ein möglichst tiefes Grundvertrauen da ist und sie mir glauben, dass ihnen in meiner Nähe keine Gefahr droht. Auch nicht vor anderen Dingen. Wenn ich denen vertraue, können sie es auch. Dafür muss ich nicht erst drei Jahre im Kreis geritten sein, das kann ich sofort einbeziehen. Wenn ich sehe, wie ungeheuer langweilig für die meisten jungen Pferde ihre Grundausbildung ist! Wie wenig Spielraum ihnen gegeben wird, sich einzubringen! Auf wie wenig Ideen sie gebracht werden! „Ja, der könnte aber doch…“ Ja, na klar könnte er! Er könnte aber auch nicht! Ausprobieren!

Sorry, schweife ich ab? Nee, eigentlich nicht. Spielt mit Euren Pferden. Bezieht sie in die verrücktesten Dinge mit ein. Konfrontiert sie mit den irresten Sachen. Macht Euch nur die Hälfte an Gedanken, bewertet nicht zu viele Dinge über Gebühr, seid albern und kindisch, freut Euch von Herzen und lasst Euer Pferd das spüren. Nicht immer zu korrekt sein. Und dem Pferd nicht immer das Gefühl geben, dass es aber doch alles noch besser machen könnte. Es macht es toll und es macht es immer so gut es kann! Entweder kann es nicht besser oder Ihr lasst es nicht besser zu! Freut Euch ehrlich und wie verrückt an allem (ALLEM), was man als positiv auslegen könnte, wenn man denn nur will. Vergeudet nicht Zeit und Gefühl mit diesem ewig negativen Denken, das die Freude so vergiftet.

Habt Spaß!!!

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Montag, 16.11.

Platz unter Wasser, Nieselregen – aber wie war das? Es gibt kein schlechtes Wetter? Also, ich finde durchaus, dass es schlechtes Wetter gibt. Aber dieses war nicht schlecht genug, um nicht doch ein bisschen was zu machen. Ich ritt auf der kleinen Hofrunde ein bisschen Schritt und Seitengänge auf Asphalt.
Und freute mich zum wiederholten Male, dass seine Hufe, seitdem mein Zauberschmied die nach der Lahmheit bearbeite hatte, nie mehr (nie mehr!) auf harten Boden reagiert haben. Die Vorderhufe werden schon langsam sichtbar breiter, insgesamt sehen alle Hufe super aus – und gänzlich anders als noch vor einem halben Jahr.

A pro pos… Heute ist Dón ein halbes Jahr bei mir!!!
Am 16. Mai habe ich ihn kennengelernt… 
Unfassbar, was wir in der kurzen Zeit schon alles zusammen gemacht und erlebt haben!

Reiten in Stellung und Schulterherein gelangen auf beiden Händen problemlos. Auf auf dem Weg seitlich nach rechts und links übertreten lassen gelang auch leicht, zwar leider noch nicht in die Bewegungsrichtung gestellt und gebogen, aber dafür extrem lässig auf ein leichtes Umlegen des Schenkels. Dón war umgebungsorientiert, aber sehr aufmerksam an den Hilfen. 

Und das, obwohl Ablenkung da wäre: es waren am Vortag zwei neue Stuten angekommen und Dón hatte auf deren Geruch noch nicht einmal wahrnehmbar reagiert. Ich bin so stolz auf meine Hormonschleuder, die offenbar im Winter-Modus ist. Ach, wenn das so bliebe… Dann gäbe es keinen Grund zur Kastration…
Aber im Frühjahr wird das wieder umschlagen und ich will diese Einzelhaltung, wenn er draußen ist, einfach nicht, zu der er dann auf der Weide und auf dem Paddock wieder verdammt wäre.
Naja, ein bisschen Zeit haben wir ja noch.

So, hier nun Beweisfotos! Die sind unter widrigen Umständen entstanden, ich bitte daher, die lausige Qualität (?) zu entschuldigen…

Ich hatte das Podest hingestellt und die beiden geholt. Na klar stürmte es mal wieder, heute aber mal Podest ohne knatternde Plane daneben. Dafür freier Blick in Lillys Box. Die fraß ungerührt weiter und Dón nahm sie überhaupt nicht wahr – brav, der Gute!

So, und nun bitte man einen Aal und einen Tennisball auf’s Podest – der eine (der Tennisball, der weiße) weiß immer nicht so ganz genau, ob er nun lieber oder vielleicht doch nicht… und wenn er dann endlich mutig mit zwei Füßen drauf steht kommt der Aal (der graue) und rüpelt da rum, schlängelt sich um den Tennisball und schiebt den schlicht vom Podest. Ist nämlich seins. Sagt er. Und damit kann er den Tennisball leider auch überzeugen. Der traut sich also nicht beliebig oft da rauf, wenn der graue Aal ihn doch wieder runterschiebt.
Nun kann man sich ja ungefähr ausrechnen, wie viel Zeit mir bleibt, Tennisball (vorzugsweise zuerst) auf dem Podest auszurichten, Aal dazuzulassen und dann pfeilschnell ans Ende der Stricke zu huschen (wahlweise diese einfach fallen zu lassen), die Kamera auszurichten und das Ganze irgendwie abzulichten.
Mehr als „irgendwie“ kam dann auch nicht dabei raus, denn beim Klicken konnte es schon sein, dass sich gar nicht mehr vier Füße auf dem Podest befanden.

Ein kleiner Gruß von Joya war auch dabei: einmal stieg Nacariño und ließ sich mit „Krawumm!“ auf den Podest fallen. Dón stand schon drauf. Den schockt aber auch einfach gar nichts (mehr). Er schlängelte nur sofort seinen Schlangenhals um Nacariño, vielleicht, damit der nicht wieder runterfällt oder so. Wer weiß?

Ich konnte die Jungs wirklich wieder und wieder raufstellen. Dón fand’s witzig.
Aber es sollte ja auch nur mal eben schnell ein Beweisfoto sein!
Gelungen!
Demnächst mit Handpferd… 🙂 🙂

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Hinterher durfte das Trio Dón, Nacariño und Merlin sich wieder auf dem Platz vergnügen. Diese drei zusammen ist wirklich zu süß!

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„Ich kann aber höher als Du!“

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„ICH kann höher!“

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Na, der traut sich was…

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Dienstag, 17.11.

Es war annähernd trocken (!) und nicht mal Windstärke fünf! Viel Zeit vor’m Dunkelwerden hatte ich nicht, die nutzte ich für einen kleinen Ausritt. Dón war knackig und legte die ersten zwei Kilometer in Bestzeit zurück. Er war guckig und albern.
Auf dem Rückweg ging es dann, vor allem, als er einmal galoppieren durfte – er ließ sich am kleinen Finger durchparieren und danach konnte er dann auch endlich mal den Hals lang machen.

Ich hatte die Kamera mitgenommen (nie fotografiert mich jemand… Alles muss man selber machen…!!) und so enstanden ein paar „equine Selfies“:

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Unsere Pfützen-Übungs-Strecke 🙂

Und an alle, die so so oft den Finger auf dem Auslöser liegen haben, um Bilder von meinen tollen Pferden und mir zu machen: Der Satz da oben ist nicht ernst gemeint!!!!
An dieser Stelle mal DANKE für diese vielen, vielen Fotos, die (nicht nur) in diesen Berichten stecken!

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Freitag, 20.11.

Auf unserem Hof liegen etliche Baumstämme in verschiedenen Dicken, zwischendurch werden die zu Kaminholz verarbeitet, aber es liegen aber auch immer welche rum, die durchaus als Aufsteighilfe oder Podest zu verwenden sind.
Podest war meine Idee, als ich Dón vom Platz holte und daran vorbei ging. Ich kletterte also auf einen dieser Abschnitte und bat Dón, mir zu folgen. Da lagen so sechs, sieben verschieden große und dicke Stücke zusammen, manche quer, andere schräg halb aufrecht, aus einem davon guckte so ein letzter Zentimeter eines Astes hervor.

Das Wetter hatte diese Stämme natürlich alle nass und glitschig werden lassen. Typisch Corinna mal wieder. Ich kraxelte da schlitternd auf einen der hinteren Brocken, Dón dachte über solche Ideen schon gar nicht mehr nach, wartete ab, was ich da tat, und als ich ihn bat, zu kommen, tat er das sofort – und zwar nicht auf die beiden vor ihm liegenden Stämme, die nun wirklich ziemlich ideal ein Podest abgegeben hätten, nein, er kletterte auf den schrägen Stamm und da auf diesen letzten Zentimeter Ast, stellte da die Hufe über Kreuz übereinander und strahlte mich an. 
Dieses Pferd ist einfach nur unglaublich! Da stand er auf mehr als einem halben Meter Höhe mit der Zehenspitze auf einem Zwei-Euro-Stück großen Holzabschnitt, die Hufe geradezu ballettös übereinander gestapelt, und hält völlig problemlos das Gleichgewicht. Bevor er sich mit allen Vieren auf den oberen Abschnitt begibt, ließ ich ihn dann doch lieber wieder runterklettern und fiel ihm lachend um den Hals.

Der Schmied war da und nachdem Dón beim letzten Mal so toll stand (da war ich allerdings am Kopf, mein Schmied machte alles alleine) nahm ich bedenkenlos den Vorderhuf, während Dón beidseitig angebunden war.
Das fand er überhaupt nicht komisch!!
Vor ihm standen auch noch Leute, die man anbetteln konnte (und die auch noch auf ihn reagierten…), so dass ich schließlich richtig laut werden musste, weil er sich echt schlecht benahm. Ich fauchte ihn einmal zusammen und blieb fortan am Kopf, holte eine Gerte, mit der er spielen konnte, was er mit Begeisterung tat, danach wurde es besser.

Die Hufe sehen super aus, da hat sich richtig was getan. Kein Vergleich mehr zu denen, mit denen er vor einem halben Jahr ankam… Was für ein Glück!

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Samstag, 21.11.

Mir war danach, mit Handpferd zu reiten, und da der Platz eine Seenlandschaft ist, bot sich ja das Gelände an. 
Wieder so typisch Corinna: mit den beiden Pferden überhaupt erst einmal mit Handpferd geritten, wobei das Handpferd am Anfang nur mit Hilfe einer am Boden nachtreibenden Person überhaupt ansatzweise in Position zu bringen war. Aber jetzt in’s Gelände. Ohne Hilfsperson beim Aufsitzen. Geht schon. Ich erinnere mich an ein Interview mit der Cavallo. Immer wieder wurde ich gefragt „Frau Scholz, wie bereiten Sie das vor?“ – und ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich bereite nicht vor. Ich mache einfach! „Das können wir unseren Lesern so aber ja nicht sagen“ – nee, da hatte sie nun wohl auch wieder Recht. Also saugte ich mir lauter Sachen aus den Fingern, wie man vorbereiten könnte. Aber wie man heute wieder gesehen hat – man kann vorbereiten. Muss man aber ja auch nicht 🙂

Es nieselte. Das merkt man ja schon kaum noch. Ich putzte beide, sattelte Dón und merkte, wie ich selbst hektisch wurde, weil mich der Gedanke an das Aufsitzen beschäftigte – wie die beiden so hinstellen, dass ich auf den einen Zappler raufkomme, während der andere Zappler vermutlich schon das Weite sucht? Kommt davon, wenn man seine Pferde zu übermotivierten Temperamentsbolzen erzieht, die sich zwar auch entspannen lassen, aber mit ihren fünf jungen Lenzen ja durchaus noch verwechseln, wann Aktivität und wann Chillen angesagt ist…

Ich entschied mich für die Stallgasse. Hier hatte ich zumindest ein kleines Höckerchen, das stellte ich neben Dón. Rechts daneben stand Nacariño, der Strick lag über dem Sattel, beide standen schon „in Fahrtrichtung“, das Tor war weit genug auf für zwei.
Der Hocker stand allerdings nicht lange neben Dón bzw. Dón stand nicht lange neben dem Hocker. Die beiden zappelten rum und zogen sich gegenseitig aneinander hoch – normalerweise heißt dieses nebeneinander in der Stallgasse sein ja auch, dass wir zum Platz gehen oder zur Weide. Warten auf Aufsitzen und sortieren heißt das sonst nicht.

Irgendwann gelangte ich mit einem Hechtsprung auf Dón, der echt loszog. Ich bremste links und zog rechts, wir kamen irgendwie aus dem Stall raus und ich wollte erst die Hofrunde gehen um zu sehen, ob Nacariño überhaupt gut mitgeht, denn einen Nachtreiber gab es heute nicht und quer über die Straße wollte ich mich von ihm nun nicht ziehen lassen.
Wunderbarer Nacariño, was macht der? Geht sofort auf Kopfhöhe neben Dón, als hätten wir nie etwas anderes getan!

Und tatsächlich blieb das so. Ich ging raus und zum ersten Mal in die andere Richtung – Richtung nach Hause, ich wollte Sönke und Anneke beim Frühstück überraschen.
Das sind pro Weg etwas weniger als zwei Kilometer und ich machte dann mal Kutschpferde draus. Ich ließ die beiden auf der Straße gehen, gab Handzeichen zum Abbiegen (rechts Nacariño am Strick, linken Arm hoch zum „Blinken“ – UPS!! Und wer hält Dón? Lach…), wir trabten lange Strecken.
Dón war guckig, Nacariño trabte nebenher und tat, als wäre er zehn.
Das war echt der Hammer!

Zu Hause allerdings machte keiner die Tür auf, mein Klingeln wurde nicht gehört.
Na super. Und da Dón sich nicht an die Haustür traute, musste ich absitzen zum Klingeln. Dón war es hier überhaupt nicht geheuer, er hinterließ netterweise eine Portion Naturdünger, Nacariño fand Dóns Unruhe beunruhigend, irgendwie verknoteten sich die beiden schließlich bei ihrem ganzen Gedrehe, und dann war es Nacariño zu viel – er zog und ich konnte nicht zufassen und musste loslassen. Und dann trabte er los, ein Stück die Kehre runter. Ich rief und zog schnellstens ein Kanne-Leckerlie aus der Tasche und kaute das laut krachend. Und gab Dón auch eins, der ebenfalls gut hörbar kaute.
Nacariño blieb stehen, kam aber nicht auf Griffweite an Dón ran, der gerade echt den Hampelmann machte. Wie soll ich da denn wieder raufkommen?? Auf die Idee, zurück zu laufen, kam ich irgendwie gar nicht 🙂

Niemand wollte die Tür aufmachen, ich sammelte Nacariño wieder ein, der zum Glück zu schüchtern war, um alleine den Heimweg anzutreten. Ich klingelte nochmal, alleine schon in der Hoffnung, eine Aufsitzhilfe zu bekommen, kam aber keine(r). Die Treppenstufe wäre gut gewesen, aber mit dieser Treppe hatte Dón keinen Vertrag. Da wollte er nicht hin. Nacariño wurde dieses Gezappel erneut zuviel und – zack! – war er wieder weg.
Das war jetzt zwei Mal dieses Abhauen mit Bretthals von dem ich gehofft hatte, er würde es nicht mehr brauchen. Schade eigentlich, dass es ihm zwei Mal gelang, aber ich konnte den Strick auch einfach nicht kurz genug fassen, da der ja über Dón rüberlief.

Also wieder Nacariño einen Keks vorgekaut, ihm entgegen gegangen, ihn das letzte Stück aber von selbst kommen lassen, was er schneller tat als beim ersten Mal, ausgiebig gelobt für das Kommen und dann ein erneuter Aufsitzversuch.
Tja, zwei Möglichkeiten: mal sehr sportlich ohne jede Hilfe aufsitzen oder eben laufen.

Letzteres kam nicht in Frage. Also die sportliche Variante. Das Aufsitzen an sich ohne Hocker ist ja nicht mein Problem, aber auf Dón war ich bislang immer nur mit Hocker aufgesessen und mir kam der Sattel, obwohl gut angegurtet, leicht entgegen, so dass ich beim ersten Versuch wieder zurück sprang. Ich schob den Sattel zurecht und fragte mich, wie viel davon ich Dón zumuten dürfe und entschied mich für „hoch da jetzt!“. Beide wollten nicht stehen, Dón ohnehin nicht, irgendwas hier behagte ihm überhaupt nicht. Also abdrücken und hoch da! Ich saß, ließ die beiden losgehen, Dón stieß einen Seufzer der Erleichterung aus und Nacariño kam sofort gut mit.

Dón entspannte sich auf dem Rückweg sichtlich, Nacariño fiel ein paar Mal ein wenig zurück und ließ sich dann gar nicht so leicht wieder nach vorne holen, er mag es noch nicht, wenn die Hand von oben kommt. Ein Streicheln von oben ist für ihn noch nicht etwas zum Genießen, das muss er noch lernen. Wirklich problematisch war das aber nicht. Wir trabten wieder und hielten, wie es sich gehört, an der roten Ampel an und warteten.

Wie auch immer es passierte, fiel mir einmal der Strick runter. Nacariño zog sofort nach rechts weg. Hmm, ziemlich blöd. Ich ritt entspannt und auf ihn einsäuselnd zu ihm hin und bekam ihn tatsächlich gut zu fassen. Wir kamen sehr entspannt nach Hause zurück, und das war auch ganz gut so, denn inzwischen regnete es schon ganz ordentlich.

Erste Handpferde-Runde im Gelände (um genau zu sein, im Straßenverkehr) und ich lasse mein Handpferd drei Mal los. Na, das ist ja eine Quote! Das muss besser werden! 🙂

Aber: mein nächstes Handpferde-Dream-Team steht in den Startlöchern. Auch mit diesen beiden werde ich – wann auch immer – auf dem Podest stehen, springen, beide steigen lassen, nebeneinander Spanischen Schritt und so weiter und so weiter…
Verrückt, wie glücklich mich Reiten mit Handpferd macht. Aber es ist tatsächlich eines der mir wichtigsten Dinge und war einer der größten Verluste, als Joya starb. Dachte ich…

Ich war so stolz auf meine beiden tollen Jungs!

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Dienstag, 24.11.

Ich habe mir einen Reitrock gekauft, der im Stall hervorragende Dienste leistet für mein linkes Bein, das insbesondere bei Kälte ja gerne mal den einen oder anderen Aussetzer hat. Kein Vergleich zu vor einem Jahr (Messe Pferd & JAGD 2014, wir erinnern uns, Corinna mit Krücken unterwegs… Ich wusste nicht, ob ich je wieder wirklich würde reiten können… Arbeit an der Hand ist seit mehr als einem Jahr sehr unter „ferner liefen“… Und dann seit Februar auf das Bein abgestimmtes Training im Fitness-Studio und Aqua-Gymnastik und nun stehe ich da mit zwei jungen Pferden und lache, wenn sie buckeln… (Fast) alles geht wieder…), aber schützen kann man dieses Bein ja auf jeden Fall. Und so kam der Tip mit diesem Reitrock, der auch tatsächlich spürbar Wind und Kälte abhält. Das war also eine großartige Investition!

Den hatte ich nun an und setzte mich damit auf Dón. Nachdem der das Einhorn-Kostüm ja nach ein paar Schreck-Momenten lässig weggesteckt hatte, dachte ich nicht, dass ihn das jetzt schocken könnte. Hätte es wohl auch nicht, wenn der Wind nicht, kaum dass ich auf Dóns Rücken saß, beschlossen hätte, auf Stärke 10 hochzudrehen. Dón hielt das alles aus, als ihm dann aber diese Seitenteile im Galopp nach hinten / oben gegen die Kruppe schlugen, dass es nur so klatschte, da ergriff dann auch er mal rasant die Flucht. Ich dachte, er springt mir vor Schreck durch die Litze, aber Dón bleibt inzwischen ja auch bei Panik noch so klar im Kopf, dass er mich fragt, was er tun soll. Da ging Frage – Antwort zwar unfassbar schnell hin und her, aber er reagierte, ließ sich wieder einfangen und durchparieren. Puh, das war allerdings heftig. Fühlte sich an wie Nacariños Blitzstarts 🙂

Ich steckte die Seitenteile so gut unter den Sattelblättern weg wie möglich und trabte und galoppierte nochmal. Der Wind pfiff uns um die Ohren und Dón schnaubte ab, dehnte sich und alles war gut. Dieses Pferd kann irgendwann nichts mehr erschüttern!

Ich lobte ihn ausgiebig und bat Meike, mir Nacariño an die Hand zu geben. Mit beiden ging ich noch eine Runde raus. Inzwischen hatte der Wind orkanartige Ausmaße angenommen, ich hatte echt ein bisschen Sorge, dass mir die am Straßenrand stehenden Mülltonnen entgegen fliegen würden. Und dabei musste ich natürlich wieder einen unbekannten Weg ausprobieren. Nacariño lief brav mit und war verblüffend entspannt, Dón glotzte mächtig, vor allem, als ich zum ersten Mal über die Bahnschienen reiten wollte. Da wollte er nicht rüber. Da war ein RISS in der Straße! Zwei, um genau zu sein! Und wenn das Stück jetzt in der Versenkung verschwindet, wenn er drauf tritt? Er fragte micht ernsthaft, ob ich das verantworten könne, ich meinte, das könne ich ernsthaft verantworten, wir diskutieren ein paar Sekunden und dann traute er sich rüber. Tapfer!

Nun muss man sich das mal vorstellen (ich sag nur CAVALLO: „wie bereiten Sie das vor??“) – zwei Fünfjährige, kaum Geländeerfahrung, kalt, Nieselregen, orkanartiger Sturm, eigendynamisches Handpferd, eigendynamische Gerte, eigendynamischer Reitrock, der sich immer wieder mal unter den Sattelblättern hervorbuddelt, und dann will das eine Pferd nicht über die Schienen und ist mit der Gesamtsituation unzufrieden, während das andere herum hampelt, weil es nicht weiß, worauf wir hier warten – ausgerechnet hier und man hört bei dem Sturm weder ein Signal noch eine AKN kommen, also könnten wir jetzt vielleicht diese Schienen verlassen??
Um noch einmal auf den Schuh des Manitu zurück zu kommen: Ihr kennt doch die Szene mit Apollo 13 auf den Schienen…??

Dón hatte ein Einsehen, Nacariño atmete aus. Dóns Augen wurden größer und größer, er bestaunte alles und konnte an keinem Zaun entlang gehen (ich stelle mir eine Veranstaltung mit Bandenwerbung vor. Ok, könnte spannend werden. Höre schon die Zuschauer hinterher „hast Du den hübschen Grauen da in der Mitte gesehen? Der da immer rumkreiselte?“ – „Nee, der war zu weit weg. Der kam ja nie an den Rand“).
Die Autofahrer waren der Meinung, Pferde im Straßenverkehr müssen sich benehmen können, sonst dürfen sie da nicht hin (ja, und wo bitte sollen sie’s lernen? Am Simulator??) und fuhren ziemlich zackig an uns vorbei.

Ehrlich gesagt war ich gar nicht so unfroh, als wir uns wieder dem Stall näherten. Dón auch nicht. Das war eine schöne Runde zum Lernen gewesen, aber jetzt war es auch Zeit für einen schönen Chai Latte mit Meike und einem kleinen Belohnungs-Snack für die tapferen Jungs!

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Freitag, 27.11.

Ich bin früh morgens geritten und Dón fing so schön entspannt an. Und dann sah er irgend etwas, was auch immer, und glotzte sich daran fest. So reagiert er sonst nur, wenn er andere Pferde sieht, die kommen oder weg gehen, ich sah keine. Er wand sich wie ein Aal, um immer wieder da hin zu gucken und spulte sich ganz schön hoch. Diese Spannung hätte ich mir gerne zu Nutze gemacht, aber das wird bei ihm leider noch eher ein wuseliges Laufen als eine brauchbare Grundspannung. Meine Ablenkungsmanöver fruchteten nicht, er war so unkonzentriert wie gefühlt noch nie. Interessant daran war aber, dass er Hilfen für Dinge, die noch gar nicht unbedingt abgesichert sind, dennoch wahrnahm und größtenteils gut umsetzte – so galoppierte er einmal großartig aus dem Schritt an und war wirklich fein am Bein, ich hatte nur leider viel mehr in der Hand, als mir lieb war und musste teilweise echt ein bisschen kämpfen, um überhaupt einen Teil Konzentration auf mich zu lenken. An Seitengänge war kaum zu denken, ich konnte die Spannung aber nutzen, um einige Male den Schritt zu verkürzen, in einen Zwei-Takt zu verschieben und daraus anzutraben. Das war gut. Ein paar Spanische Schritte gelangen auch, aber insgesamt war das Ganze doch sehr von Abgelenktsein geprägt.
Dadurch ließ er sich allerdings auch überhaupt nicht von dem Reitrock stören 🙂

Später durften Dón, Nacariño und Merlin noch auf dem Platz laufen und auf dem Rückweg kraxelten wir noch ein bisschen im Holz herum. Ich hoffte, ein Foto davon zu bekommen, wie Dón seine Füße über Kreuz auf dem Astabschnitt abstellt, das machte er aber nicht nochmal. Dafür machte er lauter andere aberwitzige Bewegungen. Der weiß echt mit seinen Beinen umzugehen!

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Nee, is klar, aber keine Traversalen können…!

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Montag, 30.11.

Dón kommt inzwischen schon großartig klar mit den Reit-Pausen, mit denen meine Pferde einfach leben müssen. Da kann ich mal eine Woche nicht reiten, setze mich wieder rauf und es ist kein Unterschied, ob es eine Woche oder einen Tag her ist – wobei ich ja immer glaube, dass längere Pausen gut tun und dieses jeden Tag reiten den Pferden oft genug zum Hals raushängt. So weit kommt es bei meinen nicht 🙂
Zugegeben, es gibt Pferde, die wollen einfach mehr machen, Joya gehörte am Anfang dazu und tat sich schwer mit den Pausen, hat die aber durchaus auch später zu schätzen gelernt.
Dón geht jetzt, nach einem halben Jahr, auch schon super damit um und freut sich, wenn er merkt, dass er dran ist.

So auch heute – er erwartete schon wieder mit weit geöffnetem Maul das Gebiss, zu süß. Das Wetter war ein Mix aus blauem Himmel (kleine Verarschung von Petrus) und Hagelschauern. Kurz vor einem solchen beendeten wir unsere kurze Reit-Einheit, die sich allerdings – in der Kürze liegt bekanntlich die Würze – echt gut angefühlt hatte. Dón hält schon verblüffend lange eine schöne Dehnungshaltung durch und fühlte sich unter dem Reiter sichtlich (und hörbar) wohl. Er ist nicht so der, der viel schnaubt, aber auch das wird mehr. Er schnaubt zufrieden ab, lässt den Hals fallen, geht an leichter Hand Übergänge und galoppiert auf beiden Händen sicher und gut im Gleichgewicht.

Ich durfte relativ nah an dem frei laufenden Fàscino vorbei reiten, der nicht so recht verstehen mag, warum er bei Nacariño einen Keks bekommt und von Dón Abstand halten soll. Dón war gehorsam, aber ich bin sicher, dass sein Toleranzbereich ab einem bestimmten Zentimeter schlagartig zu Ende ist. Man muss es ja nicht provozieren.

Das Putzen fiel heute mal ausgiebiger aus bei dem Wetter, ich bin nicht die, die stundenlang an Pferden herumbürstet 🙂
Jetzt war mal ein gründliches Beine abtasten, Mähne und Schweif einsprühen und auseinander fusseln, striegeln und glätten und zwischendurch kuscheln angesagt.
Danach durfte Dón in „seiner“ Stallgasse frei laufen und das fand er ja nun absolut großartig – Casall war am Samstag in sein neues Zuhause umgezogen, so dass nun nur noch Nacariño und Dón hier stehen. Dón untersuchte alles und fand diese Freiheit sichtbar klasse!

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