Dezember

Donnerstag, 3.12.

Merlin und Nacariño grasten direkt neben dem Platz, als ich ritt, was Dón überhaupt nicht interessierte. Er fing sofort dehnungsbereit und entspannt an. Aber dann kam Nic mit Navarre auf den Platz. Es war das erste Mal, dass die beiden zusammen auf dem Platz waren und Dón hätte sich mit dem schon gerne mal ein wenig unterhalten. Dichter als fünf, sechs Meter durfte ich nicht ran, dann hatte ich die pure Angriffslust unter mir. Dón versuchte es tatsächlich ein paar Mal, allerdings immer nur mit einem einzigen Sprung, wohlwissend, dass er keine Chance zu einem zweiten bekommen würde, wozu den also noch ansetzen? Witzbold, dann könnte er es ja eigentlich auch gleich lassen, aber Navarre gegenüber musste er natürlich das Gesicht des „Ich Chef, Du Nix!“ wahren. Navarre ist allerdings auch kein Kind von Traurigkeit – die beiden aufeinander losgelassen könnte ziemlich unschön werden. Vermeiden wir’s also.

Dón bekam in Navarres Gegenwart einen unglaublich dynamischen, kraftvollen Galopp, das fühlte sich schon irre an! Der Satz von Richard Hinrichs, jeder Arbeitstrab solle einen Hauch Passage haben, ist leider noch immer nicht zu ihm durchgedrungen. Aber der Galopp hatte schon mal einen Hauch von einer Cavaletti-In-Out-Reihe 🙂

Dón behielt Navarre gut im Blick, blieb aber weiterhin gehorsam und dehnungsbereit. So dehnungsbereit, dass ich langsam wirklich mal zusehen muss / darf, ihn phasenweise mehr in einer Haltung zu stabilisieren. Das tat ich, weil es sich bei der heutigen Grundspannung anbot, in dem, was früher unter „Remontehaltung“ bekannt war. Dón hielt das relativ gut, ging gute Übergänge Trab / Schritt, nicht ganz so durchlässig Trab / Halt, stillstehen ging nicht, im Halten am sofort ein Spanischer Gruß 🙂

Was mich veranlasste, am Ende noch einmal nach Spanischem Schritt zu fragen, und siehe da, er hob sehr willig das rechte Bein, etwas zögerlich auch mal das linke. Das alles noch nicht im Gehen, aber mit Gehen / Heben / Gehen kann man schon langsam erkennen, was das mal werden soll.

Ich bin vor allem mal sehr glücklich, dass der vor kurzem gekaufte Kieffer Champion auf ihm tatsächlich super liegt – mit Schaffell-Pad fühlt der sich bislang am besten an bei ihm.

Ansonsten war heute eine Schlamm-Packung im Wellness-Angebot!

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Als Betthupferl gab’s eine Wurmkur. Dóns zweite, seit er bei mir ist. Ich machte gar nicht erst ein Halfter drauf. Kein Problem. Er fand’s nicht toll, nahm’s aber relativ gelassen. Brav, der Gute!

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Montag, 7.12.

Was für ein wunder-, wunderbares Pferd!
Ich habe ihn mal wieder eingeflochten, weil Meike sich netterweise Zeit genommen hatte, Fotos zu machen. Gerittene Bilder hatte ich von Dón ja nun eine Weile nicht mehr. Der Zopf hielt so gut wie noch nie, was dafür spricht, dass der Oberhals stabiler wird. Insgesamt wird Dón langsam mehr Pferd, auch wenn er noch arg schlaksig und sehr schlank ist.

Er war aufgekratzt und wollte los, Nacariño neben ihm schrie sich schon mal ein, als ihm klar wurde, dass der gleich was tun darf und er nicht.

Dón fühlte sich super an, ging einen schönen Schritt mit der Nase im Dreck – ich musste ein wenig aufpassen, ihm war offenbar nach Hinlegen 🙂

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Er war leicht an der Hand, total dehnungsbereit, lässig lenkbar, und so fragte ich ein paar Sachen an. Schulterherein war kein Thema, auch wenn das in sich noch gerader werden darf, aber die Reaktion kommt prompt und sicher. Ein Hauch Traversale war hier und da auch mal drin, aber das hat mit „abrufbar“ noch nicht viel zu tun 🙂

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Spanische Schritte kamen eher weniger, er muss immer noch stehen bleiben, wenn ein Bein in der Luft ist, da fehlt noch immer völlig jeglicher Fluss, aber immerhin reagiert er inzwischen auch gut von oben auf die Bitte, ein Bein anzuheben.

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Und beim wieder Absetzen kann er dann plötzlich verblüffend gut die Beine kreuzen.
Eigentlich müsste ich das nebenbei irgendwie auch noch abrufbar machen 🙂

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Und dann wagte ich mal wieder, den Schritt zu verschieben – aus dem Viertakt sollte eine Idee von Zweitakt werden. Anfangs blieb Dón hartnäckig im Schritt, auch wenn dieser deutlich federnder wurde, was ich sehr lobte, damit er mutiger wurde, mehr zu probieren. Das tat er dann auch im dritten, vierten Anlauf. Auf einmal kam etwas Schwingendes dazu, der Schritt verschob sich spürbar in Richtung halbe Tritte. Der Moment war kurz, soll er ja auch sein, aber so gut wie noch nie bisher. Das war zum ersten Mal ein wirkliches Gefühl beginnender Versammlung. Ich war total happy und lobte Dón überschwenglich.

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Der wurde daraufhin extrem witzig und musste jetzt dringend galoppieren. Mit einem Buckler am Anfang und höchst dynamisch. Ich ließ ihn gewähren, freute mich an seiner Freude. Ich durfte im Galopp den Hals lang lassen – auch wenn dabei die Lenkung verloren ging.

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Nachher wollte ich gerne noch einmal behutsam im Trab den Raumgewinn vergrößern, jetzt war Dón aber auf Galopp gepolt und ließ kaum Rahmenerweiterung im Trab zu, ich setzte also noch einmal neu an, nachdem er im Galopp rumalbern durfte, und der zweite Versuch fühlte sich dann auch deutlich mehr nach einer beginnenden Trabverstärkung an. Dies noch in allerersten Ansätzen und sehr vorsichtig, da sein Trab noch am störanfälligsten ist. Hier verliert er schnell den Takt und das Rhythmusgefühl, damit muss ich also sehr behutsam umgehen. Aber die Nase vorlassen konnte ich, Dón zog wunderbar an die Hand und fühlte sich einfach nur toll an. Es entstanden schöne Trab-Momente.
Ich grinste im Kreis. Er sah so schön aus von oben! Witzigerweise muss ich beim Anblick der Fotos sagen, dass er sich oft viel besser anfühlt, als er aussieht – bei Nacariño ist es andersrum. Der sieht oft auf Bildern schon so klasse aus, fühlt sich aber überhaupt noch nicht so an.

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Wir gingen noch eine Runde ins Gelände, und da muss ich jetzt wirklich ein bisschen aufpassen, er hat da irgendwas falsch abgespeichert. Gelände ist für ihn gerade sehr aufregend und überhaupt nicht entspannend, da muss ich etwas gegen tun. Er glotzt und ist ungeheuer flott (dieser Schritt… Wahnsinn…!) und viel zu überdreht und aufgepowert. Da muss ich wieder Ruhe reinbringen.
Er durfte den Weg hochtraben und galoppieren, ging – auch im Galopp – anstandslos durch die Pfützen, mein Bremsweg wurde aber ganz schön lang. Also im Schritt zurück und dabei habe ich immer wieder nach tiefer Nase und fallen gelassenem Hals gefragt. Er kam deutlich ruhiger zu Hause an, das war natürlich gut, aber dennoch muss Gelände für ihn noch deutlich mehr Entspannung bedeuten.

Tatsächlich ist unsere Sorge ja immer so ein bisschen, dass die AKN (unsere regionale Bimmelbahn) gerade kommt, wenn wir hier lang reiten. Ein Stück des Weges liegt direkt an den Schienen. Auf dem Rückweg kam sie. Ich hatte keine große Sorge bei Dón, und wir waren auch schon so weit, dass ein Haus mit Garten zwischen uns und den Schienen lag. Die Bahn war gut zu sehen und zu hören, sie fuhr auch nicht sehr schnell, und Dón zeigte sich gänzlich uninteressiert und schnaubte ab, während sie an uns vorbei fuhr. Also auch da können wir einen Haken dran machen!

Toller, toller Dón. Was für ein wunderbarer Ritt…

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Mittwoch, 9.12.

Zwangspause. Ein grippaler Infekt setzt mich derzeit völlig außer Gefecht.
In ein paar Tagen geht es hier weiter!

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Mittwoch, 16.12.

Ich wollte mal wieder reiten – endlich! Und bekam einen schönen Beweis dafür, wie ungeheuer brav Dón inzwischen unter dem Sattel wirklich ist. Denn selbiger (der Sattel) saß irgendwie nicht, ich weiß nicht, was es war, ich verstellte drei Mal die Bügel, ich guckte, ob der Sattel nicht mehr am Platz lag – doch, tat er – ich kam nicht dahinter, warum sich das alles so komisch anfühlte. Als wäre Dón mächtig überbaut. Vielleicht macht er gerade einen Wachstumsschub, aber das dürfte sich eigentlich nicht dermaßen merkwürdig anfühlen…

Ich ritt nicht lange, aber alle Gangarten, und Dón fand das Ganze zwar auch komisch, nahm es aber hin und ging freudig und angenehm wie immer.

Als ich aus dem Schritt angaloppierte, wurde er sehr lustig und heiß, er wäre gerne länger galoppiert. Mit ihm muss ich nächstes Jahr unbedingt in ein gutes Gelände – hach, oder an’s Meer… Nächster Halt: Dänemark 🙂

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Freitag, 18.12.

Dón ist reichlich unentspannt zur Zeit, mal wieder nur am Wandern in der Box und für die Jahreszeit viel zu hormongesteuert. Oder macht das die frühlingshafte Temperatur?

Mir war nicht nach Reiten, aber irgend etwas mit ihm machen wollte ich natürlich schon gerne, zumal es trocken war. Irgendwie lagen Kappzaum und Longe im Weg und dann nahm ich die halt 🙂

Dón entspannte sich in dem Moment, in dem ich ihn nur anfasste. Hauptsache, ich mache etwas mit ihm, dann wird er sofort ruhiger. Das ist natürlich toll – aber wenn wir mal ehrlich sind, mache ich die meiste Zeit des Tages nichts mit ihm. Seine permanente Unruhe macht mir Sorge, die Kastration rück in greifbare Nähe…

An der Longe war Dón großartig – an feinsten Signalen, aufmerksam, gehfreudig, witzig. Und ein Lehrbeispiel für ein durchgehend lockeres Pferd – dieser Rücken! Zu schön anzusehen. Alles federt. Er hatte ebenso viel Spaß am Laufen wie daran, sofort zu mir zu kommen, wenn es gewünscht war. Ich nahm ihn schließlich noch an die Hand und ging an die lange Seite. Hier fragte ich aus dem Schritt heraus immer wieder zwei, drei verkürzte Schritte / halbe Tritte an, die mal sichtbar gelangen und mal in einem zackigen Auskeilen endeten. Nach einigen Wiederholungen kamen aber ein paar wirklich schöne federnde Tritte – immer nur ganz kurz, immer nur der Ansatz, aber den eben mehrfach. Ich glaube, er bekam tatsächlich eine Idee dazu.
Hierbei bot er von sich aus ein paar Mal ein paar sehr gewaltige Spanische Schritte an, die ich ignorierte und später aus einer anderen Position heraus anfragte. Er soll natürlich schon auf meine Position achten und die ist für alles piaffe-artige anders als für den Spanischen Schritt. Dennoch würde ich ihm nie das Gefühl geben, etwas Unerwünschtes zu tun, ich sehe nur zu, dass ich es umlenke in das Gewünschte. So blieb er motiviert und zeigte nachher auch ein paar sehr schöne Spanische Schritte – nun gewünscht.

Ich wendete und stellte ihn auf der rechten Hand auf den Hufschlag und fragte ein Steigen an. Und das gelang tatsächlich fast sofort und so gut wie gefühlt noch nie – er kam nicht auf mich zugesprungen, stieg ohne lange nachzufragen, aber weder sehr hoch noch mit ausgreifendem Vorderbein, sondern eher immer auf Distanz und höchst respektvoll. Das war – insbesondere in Anbetracht der enorm hengstigen Simmung, in der er zur Zeit ist – wirklich super. Ich lobte wie verrückt, er wurde sehr albern und verspielt und kam mir nun doch sehr nah, ließ sich aber problemlos wieder in „seinen Tanzbereich“ schicken 🙂

Das war schön!

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Samstag, 19.12.

Oh, ich habe das Video wiedergefunden! Er kam tatsächlich am 1. Februar aus Spanien, aufgenommen wurde das Video am 13. Februar. Da war er wenige Male unter dem Sattel:
https://www.youtube.com/watch?v=5dAHJoRXxx4

februar

Und erst Recht großartig – in seinem Pass ist ein Fohlenbild! So sah er mal in klein aus:

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Na, da hat er sich doch ganz gut entwickelt, muss man sagen… 🙂

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Sonntag, 20.12.

Ines war mit und so gibt es mal wieder ein paar Fotos! Ich holte Dón „nur mal schnell“ am Halfter auf den Platz, von daher ungeputzt, sorry, aber dennoch aussagekräftig 🙂
So sieht der schöne Junge inzwischen aus (mal kurz im Vergleich zum Bild darüber):
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Hier einmal das beeindruckend bewegliche Hinterbein:1

Und sein noch nicht ganz so beeindruckender Spanischer Schritt:3

Und sein allerdings inzwischen durchaus beeindruckendes Steigen:4

Dafür, dass ich ihn „einfach nur so mal eben“ am Halfter an die Hand nahm, war er wirklich großartig. Ich darf einfach so mal losspielen mit ihm und jederzeit das anfragen, was er schon kann, er macht einfach mit. Und immer mit leuchtenden Augen. Das Steigen war noch leichter abrufbar als am Freitag und er hielt jedes Mal absolut sicher Distanz.
Das waren nur ein paar wenige Minuten einfach so zum Spaß, danach durfte er noch mit Nacariño laufen und ein paar Sonnenstrahlen genießen, die sich da am Himmel zeigten.

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Montag, 21.12.

Nic und ich waren zusammen auf dem Platz und Dón ließ den Schwarzen nicht eine Sekunde aus den Augen. Ein Ohr bei mir, eins bei Navarre. Er war nicht so angriffslustig wie beim letzten Mal, aber ich musste sehr wachsam sein. Wir konnten die Distanz ein wenig verringern, insbesondere nachher beim Rumstehen, da durfte ich ziemlich nah ran, aber in Bewegung musste ich echt aufpassen.

Nic, die Dón nicht so oft sieht im Moment, fand seinen Trab erhaben und ausdrucksvoll, was mich total verblüffte, weil er sich für mich laufend und fusselig anfühlte – noch so überhaupt gar kein Hauch von Versammlung; ich betrachte seinen Trab derzeit noch als seine schwächste Gangart. Da Nic dem aber so vehement widersprach, muss ich mich wohl mal filmen lassen und mir das einmal angucken, das scheint ja ganz anders auszusehen, als es sich anfühlt! Was mich natürlich freuen würde, denn das Gefühl im Trab ist noch weit entfernt vom stolzen Spanier 🙂

Der Schritt gut wie immer, Dón zwar sehr beweglich im Hals und guckig und abgelenkt, aber folgsam am Schenkel und biegsam.

Der Galopp dann allerdings geriet ein wenig aus den Fugen. Ich weiß nicht, ob es nur Navarre (der zum Glück berechenbar rumstand in dem Moment) oder noch irgend etwas anderes war – Dón fegte über den Platz, so habe ich den vielleicht mal ganz am Anfang erlebt, aber nee, eigentlich auch da nicht. Er rannte und ich hatte keine Chance, ihn einzufangen, ich durfte mal froh sein, noch ansatzweise eine Lenkung zu haben. Ich saß da oben und fragte ihn ziemlich entspannt, was das denn nun soll („brauch ich jetzt!“) und ob er damit bitte mal aufhören könne („nein!!“) und musste irgendwie lachen – witzig war’s überhaupt nicht, aber sowas jagt mir im Moment auch so gar keinen Schrecken mehr ein. Ich meinte also zu ihm, das reiche dann jetzt, ein Pferd dieser Sorte genüge doch eigentlich, und er könnte dann jetzt mal wieder zu sich kommen. Was er irgendwann auch tat – aber nur bis zum nächsten Angaloppieren, dann ging das wieder los. Den hatte echt was gestochen. Er hebelte mir ganz schön ins Kreuz. Ich wollte zum Treiben und zum Loslassen kommen und blieb beim Thema, bis er langsam mal wieder kurzfristig ausatmete und ich rankam. Schließlich durfte ich treiben und loslassen, musste aber weiterhin aufpassen, und dann durfte ich auch mal eine Volte um Navarre herum galoppieren (die das Feuer neu entfachte). Ach ja, was dieses arme Pferd nicht noch alles lernen muss… Einfach zusammen reißen in Gegenwart anderer Pferde… Navarre stand während der ganzen Galopptour brav rum, hätte der sich noch bewegt, hätte ich es vermutlich noch schwerer gehabt.

Wir gingen noch die kleine Hofrunde zusammen, nebeneinander aber mit Sicherheitsabstand, und auch hier war Dón grell und behielt Navarre sehr im Blick, ließ sich nun aber leicht dirigieren.

Braucht irgend jemand Testosteron? Ich hätte hier ganz viel abzugeben 🙂 

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Mittwoch, 23.12.

Nun wollte ich aber doch wissen, ob das vorgestern eine Ausnahmeerscheinung war oder ob Dón gerade eine blöde Galopp-Idee entwickelt.
Nö, tut er offenbar nicht.
Er war rittig und galoppierte wunderbar, allerdings schüttelte er anfangs häufig den Kopf, so dass ich nach einigen Minuten erst einmal anhielt und überall am Kopf und an den Ohren kratzte und rumwuschelte und alle Haare glatt zog, was er sichtlich genoss.
Er hatte sich vor dem Reiten gerade eine frische Feucht-Panade zugelegt und wohl noch kitzeligen Dreck im Ohr. Danach jedenfalls war es mit dem Kopfschütteln vorbei und er ging prima.

Ich durfte ihn im Halten bitten, rund zu bleiben und bekam ein so richtig schönes Angaloppieren aus dem Schritt. Ach, das war schon schön!

Danach genoss er eine relative Freiheit – er darf immerhin in „seiner“ Stallgasse frei laufen, was er absolut klasse findet. Er mümmelt dann mal Heu, tapert überall herum, guckt in meinen Schrank, kommt immer mal an und guckt, was ich mache, dackelt wieder woanders hin – das ist schon ein sichtbarer Genuss für ihn. Vor allem wohl, weil Nacariño das üüüüüüüberhaupt nicht witzig findet und dann ziemlich aufdreht in seiner Box – der muss sich gerade anstellen, so viel Freiheiten, wie der hier inzwischen hat!

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Donnerstag, 24.12.

Ich wollte das großartige Weihnachtsgeschenk meiner Mädels einweihen – einen braunen Sombrero! Dann doch auch gleich die Vaquero-Hose, die ich vor kurzem ersteigert hatte (ich mach mir ja auch immer selbst Geschenke) und die Zäumung, die ich auf der Messe gekauft, aber eigentlich schon von Sönke zum Geburtstag bekommen hatte. Die hatte ich erst einmal von natur auf dunkelbraun umgefärbt. Sie war Dón im letzten Loch und mit Vaquero-Kandare noch fast zu groß – was für ein zartes Köpfchen! Für dieses eine Mal musste es gehen. Das wird dann aber auch Nacariños Kandare, ihm sollte sie wohl passen.

Auch wenn die Bilder leider nicht scharf sind und das Wetter trübe war und ich nicht immer eine Lenkung hatte (lach…) – Dón nahm die Garrocha mit einem Seitenblick und „kenn ich“ zur Kenntnis und fühlte sich phasenweise großartig an – und sah erst Recht so aus. Ich stehe ja nicht auf Garrocha mit offener Mähne – aber mit diesem Pferd muss ich das wohl mal so machen. Er ist so sehr Spanier… Was für ein Gefühl!
Ein bisschen Gefühl südlicher Sonne an diesem nordisch grauen „Heilig-Vormittag“!

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Montag, 28.12.

Ich ließ Dón und Nacariño zusammen laufen und dachte so, mache ich doch mal Doppel-Longe mit den beiden. Ich holte also zwei Longen und zwei Kappzäume und eine Peitsche und ließ Nacariño vorne gehen. Beide waren ziemlich verblüfft, was das denn nun wohl werden soll und gingen nicht so Recht los – als sie dann aber losgingen, ließen sie aber auch die Sau raus.
Dón wurde richtig frech von hinten und drangsalierte Nacariño, der gar nicht wusste, wohin mit sich, und schließlich ergriff er die Flucht. Ich musste loslassen, Dón ging genau so ab, auch den musste ich loslassen, und dann tobten beide mit Longen zwischen den Füßen über den Platz, dass vermutlich etliche Leute schon wieder einen Herzklabaster bekommen hätten.
Der Platz war matschig und die Longen sahen innerhalb weniger Meter entsprechend aus – ich sammelte die beiden Pferde wieder ein, ließ einen los und longierte den anderen (normal. Aber was ist schon normal). Super Gefühl mit völlig schlammgetränkter Longe und griffigem Pferd! Jetzt verstehe ich auch, warum immer gesagt wird, man solle zum Longieren Handschuhe anziehen! 🙂

Dón war noch ein, zwei Runden richtig grell an der Longe, entspannte sich dann aber sichtlich und wechselte nach kürzester Zeit auf feinste Hilfen zwischen Trab und Galopp.
Er ließ den Hals fallen, schnaubte, war locker und elastisch. Es macht einfach Spaß, ihn anzuschauen, wenn er so an der Longe geht. Den Anblick sollte ich mir viel öfter gönnen!

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Mittwoch, 30.12.

Ich wachte früh auf und war heiß auf’s Reiten wie selten. Und so saß ich heute auf vier Pferden, die allesamt echt durchgeknallt waren. Sogar Dón ließ sich dazu hinreißen, fünf Mal zu zucken, zwei, drei Buckler zu machen und in dem einen oder anderen Galopp ganz schön auf dem Gaspedal zu stehen. Dazwischen allerdings bekam ich den wirklich besten Trab geschenkt, den ich jemals auf ihm gefühlt habe! Zum ersten Mal fühlte er sich nicht mehr laufend an, sondern mit tragender Oberlinie und einem ersten Ansatz von echtem, guten Schwung. Boah, machte das süchtig! Und dann diese Übergänge! Trab / Galopp / Trab auf so ungeheuer feine Einwirkung, gefühlt nur noch aus einem feinen Wechsel der eigenen Spannung galoppierte er an und ließ sich wieder zurückführen in den Trab, der sich nach dem Galopp unglaublich anfühlte.
Dazwischen Phasen, in denen er sich mal wieder an irgendwas weit draußen festzuglotzen versuchte, aber dennoch ging er diese – sorry – geilen Übergänge. War er ganz bei mir, fühlten die sich an wie ein Stück Himmel. So war er echt noch nie. Ich konnte nicht aufhören, es war einfach zu schön. Ihm war auch nicht nach aufhören, er war so gehfreudig.
Und dann kam Tanja und legte sich für Flamenco vier Trabstangen hin. So etwas hat Dón noch nie gesehen – ich ritt drauf zu und er ging sofort sauber drüber. Und so ritt ich noch einige Male über die Stangen von beiden Seiten und hörte dann auf.

Das war echt der Hammer. Eigentlich hatte ich vor, morgen – am letzten Tag des Jahres – noch einmal alle zu reiten, aber da das von heute kaum zu toppen sein wird, sollte ich mir das vielleicht gut überlegen 🙂

Großartiger Dón, DANKE, was für ein Gefühl!!

Danach durfte er wieder auf der Stallgasse frei laufen, fand er toll, und während ich so bei Nacariño in der Box stehe, legt sich Dón ganz in Ruhe auf die Stallgasse und wälzt sich…
Ich guckte ihm total verblüfft zu, wie er da mit Wonne-Gesicht auf dem Beton rumschubberte. Nicht zu fassen, dieses Pferd. Dann stand er total entspannt wieder auf und taperte weiter auf der Stallgasse umher. Auf Asphalt wälzen – warum nicht…?

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Donnerstag, 31.12.

Ich kam gar nicht in Versuchung, einen bewussten letzten Ritt des Jahres zu unternehmen. Das Wetter war dermaßen ungemütlich, dass ich leicht frustriert wieder nach Hause fuhr und dort erstmal alles mögliche erledigte, nachmittags kam ich dann nochmal wieder, da war es trocken, und ich holte beide Jungs auf den Platz. Die waren gut griffig, Dón war in Decklaune, auf diese Idee hatte ihn wohl Tina gebracht, an deren Box er morgens wieder eingesammelt worden war, nachdem die beiden dem Vernehmen nach durch den Stromzaun gegangen waren. So wurde ich denn auch begrüßt mit den Worten „Deine Pferde bringe ich nicht mehr raus, das musst Du selbst organisieren. Die waren nicht gemeinsam zu führen, ich musste die einzeln holen, und dann sind sie durch den Zaun und haben alles kaputt gemacht.“ Was mir natürlich zum Jahresende gehörig die Laune verhagelte. Dafür, dass „alles“ kaputt gewesen sein soll, sah es schon wieder ganz gut aus. Einen Tag zuvor sollen sie beide mit weithin sichtbaren Erektionen Alarm gemacht haben – auch sowas ist in meiner Gegenwart noch nie auch nur ansatzweise passiert.
Mein Kopf spielte Karrussel. Was tun??

Als ich die beiden dann nachmittags mit zum Platz nahm – gemeinsam natürlich – wurde gerade mit großem Gerät und zwei laufenden Treckern Holz in Kleinteile zerlegt. Es lärmte, es krachte, sie mussten querwärts schräg zwischen diesen beiden Treckern durch – und es war sowas von überhaupt gar kein Problem. Lämmer geradezu. Auf dem Platz dann ein wie gesagt sehr deckfreudiger Dón, der von Nacariño zwar einiges auf den Frack bekam, sich dadurch aber nicht wirklich stören ließ. Ablenkung war angesagt. Ich holte das Podest und das war dann aber wirklich zu süß – in Null Komma Nichts standen sie drauf – und zwar beide! Sie drängelten sich geradezu um das Podest und standen in den verrücktesten Bein-Konstellationen drauf, gerne auch über Kreuz, Hauptsache beide!
Das war echt toll, ich konnte sie rauf und runter stellen, wie ich wollte, sie machten begeistert mit. Und entspannten sich immer mehr.

Mein Kopf fuhr weiter Karrussel. Die Pferde kommen derzeit ohnehin nur super wenig raus, haben dann nichts zu fressen, werden immer genervter, und da eine Weile kein Strom auf den Zäunen war, nehmen sie die Litzen, wenn denn jetzt mal Strom drauf ist, offenbar nicht immer so ernst, wie sie sollten. Das noch über ein paar Monate bis zur Weidesaison? Na, herzlichen Glückwunsch. Das geht nicht. Und das ist auch nicht das, was ich für meine Pferde will und wie es sein sollte. Weit davon entfernt.
Mein Frust wuchs.

Um Mitternacht trafen wir uns bei den Pferden, die größtenteils total cool waren. Dón wanderte ein wenig und bestaunte den bunten Himmel, hier wurde gefühlt direkt vor der Tür geknallt und das nicht zu knapp. Eine halbe Stunde (!) Ramba-Zamba, dann noch eine Viertelstunde schwächer, dann ließ die Knallerei endlich nach. Wenn die Kohle, die alleine in Alveslohe in dieser Nacht in die Luft geballert wurde (wofür???), für Sinnvolles eingesetzt würde, könnte damit eine Menge Gutes getan werden… Mir taten in diesem Moment wirklich alle Menschen und Tiere Leid, die Angst vor diesem sinnlosen Geballer haben, denn so intensiv hatte ich das für mein Gefühl hier noch nicht erlebt. Das  schien gar kein Ende zu nehmen. Wir waren wirklich froh, bei den Pferden zu sein, auch wenn die das gut wegsteckten.

Hmmm, das neue Jahr hätte irgendwie deutlich besser anfangen können.
Na, das kann ja spannend werden!
Dass es spannend wird, davon bin ich ohnehin ausgegangen, aber ich hatte dabei mehr an positive Spannung gedacht…

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