Januar

Freitag, 1.1.

Als erstes wurde von Nic nun einmal der Moment festgehalten, wie wir zu dritt auf dem Podest stehen – und mit diesem Bild wünsche ich Euch und Ihnen allen einen guten Start in das Neue Jahr – vielleicht sehen wir uns ja? Meine Jungs und ich freuen sich darauf!

1

Danach habe ich Dón geritten und wir haben mal ein wenig gefilmt. Nic findet den Trab ja immer viel toller, als er sich für mich anfühlt, und so wollte ich das doch gerne auch mal sehen. Auf den Fotos ist zwar zu erkennen, dass Dón durchaus mehr den Trab hat, den ich mag – also nicht mit großer Knieaktion, kein Campaneo, eher „schön warmblütig“.
Auch wenn es sich noch sehr laufend anfühlt, so ist die Bewegung an sich doch sehr vielversprechend, und da sich die Gangart Trab am meisten reiterlich beeinflussen lässt, habe ich mir darum noch so gar keinen Kopf gemacht. Nun wollte ich aber doch gerne mal sehen, was Nic daran so toll findet 🙂

Und ich sah es. Ich saß abends vor dem Fernseher und sah auf großem Bildschirm, was Nic da gefilmt hatte.
Meine Güte.

Ich wollte Qualität und mir war klar, dass die Qualität, die ich suche, kaum bezahlbar ist. Als ich Dón Mitte Mai kennenlernte, war schon klar, dass das „kein Schlechter“ ist, sicher durchaus überdurchschnittlich, aber der hat sich ja entwickelt! Ich habe ihn gefilmt mit mir ja noch gar nicht gesehen und so saß ich da und sabberte auf den Teppich und meinte zu Sönke: „So ein Pferd einmal haben dürfen…“ Sönke darauf: „Du, der gehört Dir“
„ACH JA!!“ Hihi…
Ich war echt geflasht von dem, was ich sah. Mein großer Wunsch, als ich ihn kaufte, war ja, von seiner ungeheuren Beweglichkeit nichts kaputt zu machen. Auf dem Video sah er zum einen verblüffend groß aus, zum anderen fiel mir auf, dass ich ihn nun durchaus in der Kopf-/Halseinstellung langsam festigen darf. Da ist noch sehr viel Bewegung drin.
ABER: er ist ansonsten im Körper viel beweglicher und elastischer, als er beim Kauf war. Und da fand ich das ja schon ausgesprochen gut und wollte das unbedingt erhalten – nun, das ist mir gelungen und nicht nur das, es hat sich noch deutlich verbessert.
Dieses Video – insbesondere der Teil, nachdem Tanja mit Flamenco auf den Platz gekommen ist… – hat mich dermaßen gefreut!
Hier und da war das Laufen noch zu spüren und auch ein wenig zu sehen, aber dazwischen waren so herrliche Tritte mit so viel positiver Grundspannung, da dachte ich nur, wenn ich das so in ein, zwei Jahren nach vorne rauslassen darf, ohne dass er dann das Laufen anfängt, weil er die Spannung in der Oberlinie halten kann, dann ist der mit fünf Tritten durch die Diagonale. Alter Schwede, was für eine Gangqualität! Das ist der Gang, den ich mir so gewünscht habe, und mir ist gar nicht aufgefallen, dass er sich in genau diese Richtung entwickelt hat. Einfach nur großartig. Was für ein Traum-Pferd!

Ich bin so froh, dass ich ihn gekauft habe… Da waren ja durchaus Zweifel (soll ich das wirklich tun…), und es war ja durchaus ein ganzer Haufen Feuer (ist es immer noch), und es gab ja durchaus Anfangs-Schwierigkeiten (ich sag nur Hufe geben, Zügel bewegen, sich überhaupt bewegen da oben, überhaupt erstmal raufkommen.. und so weiter… und so weiter…), aber so richtig gezweifelt habe ich nie an seiner Qualität. Die war mir klar, mir war nur nicht klar, dass er so viel davon hat 🙂

Auch wenn das auf den Fotos nicht so zu sehen ist wie im Video, dennoch ein paar Bilder vom ersten Ritt des Jahres – also mit ihm, mein allererster Ritt des Jahres gehört traditionell Fàscino. Dón war Zweiter 🙂

 4

1

Da kam Flamenco auf den Platz 🙂
3

Was für ein Pferd!!
5

.

Sonntag, 3.1.

So, da ist er, der Winter. Minus sechs Grad – gefühlt von jetzt auf gleich. Puh.
Und damit ein durchgefrorener Platz.
Ich nahm Dón an die Longe, damit er diesen Boden erst einmal fühlen kann und er fiel auch prompt fast hin, als der Sand nicht nachgab, so wie sonst. Nanu?
Dón musste sich wirklich erst zurechtfinden mit diesen neuen Bedingungen. Gestern noch mit Nacariño und Merlin hier herumgetobt, heute alles knallehart – so richtig verstanden hat er das nicht. Die gefühlte Temperatur wurde im Radio mit minus fünfzehn (!) angegeben. Erst wochenlang Spätherbst und dann sowas! Brrrrr…

Aber er bewegte sich freudig und elastisch an der Longe und danach ließ ich ihn noch einmal steigen, was er zum ersten Mal auch fern der Bande von sich aus anbot. Wie immer nicht hoch, macht nichts, dafür ausgesprochen diszipliniert und gehorsam. Der Gute!!

.

Mittwoch, 6.1.

Mein großartiger, stolzer Hengst ist nun kein Hengst mehr. Stolz und großartig wird er hoffentlich bleiben, und dass er kein Hengst mehr ist, ist ihm persönlich noch nicht aufgefallen.

Mir war vorher nicht klar, wie sehr mich das angreifen würde. Ich stand zwei Tage reichlich neben mir. Alleine die Fahrt in die Klinik fühlte sich total nach Verrat ihm gegenüber an. Da geht er so super brav im Halbdunkel mit mir auf den Hänger ohne jede Hilfe – und dann fahre ich ihn an einen Ort, wo ihm in den Hals gestochen und er in Vollnarkose gelegt wird, für ihn wichtige Teile abgeschnitten werden, er in einer komplett hoch gemauerten Box auf Späne mit Vollgitter-Tür wohnen muss und überhaupt nicht weiß, was das alles soll.

Im Ernst – ich hätte nicht gedacht, dass mich das dermaßen angreift. Da kaufe ich einen Hengst in dem Bewusstsein, ihn irgendwann kastrieren zu lassen, damit er ein pferdegerechtes Leben in der Gruppe führen kann. Sagt sich ja so lässig dahin.
Dann habe ich den ein halbes Jahr, liebe sein Hengst-sein (er auch…), finde ihn großartig als Hengst, habe im Hinterkopf aber weiterhin immer das Bewusstsein, dass dieses Hengst-sein für ihn dauerhafte gravierende Einschnitte in sein Leben bedeuten würde. Also stand der Entschluss weiterhin, drängte nur noch nicht.

Dann der Gedanke, ihn in diesem Frühjahr in die Herde einzugliedern. Dafür sollte er nach der Kastration schon noch ein paar Wochen Zeit haben. Also im Winter kastrieren lassen. Und dann Ende letzten Jahres das ganz üble Bauchgefühl: wenn Du das in diesem Jahr machst, bricht der sich beim Aufstehen aus der Narkose ein Bein und Du verlierst ihn. Ich weiß nicht warum, dieser Gedanke war übermächtig. Bezog sich allerdings tatsächlich auf das Jahr 2015. Und dann dachte ich weiter, ich weiß zwar, dass sowas passiert, kenne aber ja kein Pferd persönlich, dem das passiert ist. Einen Tag später (echt jetzt) ruft mich Suse an und erzählt unter Tränen, dass eben genau das Skjóttur passiert ist am Tag zuvor, dem hübschen Isländer, der mal meiner war, nach der Narkose für eine Zahn-OP brach er sich beim Aufstehen ein Bein und musste getötet werden.
Das tat meinen Überlegungen nicht gut. Also dachte ich, höre ich mal Anfang 2016 auf meinen Bauch und gucke, wie es sich anfühlt.

Es fühlte sich gut an. Naja, nicht gut, aber es war nicht mehr dieses Gefühl, er würde sich beim Aufstehen die Gräten brechen.

Ich rief zwei Kliniken an und nach dem, was ich am Telefon so hörte, fiel die Entscheidung sehr schnell auf die zwar teurere, aber die hörten sich einfach besser an. Ich könne jederzeit spontan Bescheid sagen, Kastration ginge im Prinzip immer.

Nun kam die derzeit unglückliche Situation im Stall hinzu, dass die Pferde kaum raus kommen, dann fror auch noch über Nacht alles durch, was die Situation noch verschärfte, und so dachte ich fast über Nacht, wenn nicht jetzt, wann dann…

Und so fuhr ich meinen Schönen am Montag in die Klinik und ließ ihn dort schweren Herzens zwischen weiß und hellblau gestrichenen Mauern zurück. Es war kein anderes Pferd da, das war vielleicht ganz gut, weil er auf andere ja nun doch extrem reagiert. Er war auch so unruhig genug.

Die OP sollte gleich am nächsten Dienstagmorgen sein, man sagte mir, gegen 8.30 Uhr werde er abgelegt, gegen 10.00 / 10.30 Uhr könnte er schon wieder stehen.
Ich verbrachte eine extrem unruhige Nacht und dachte gefühlt ununterbrochen an Dón.

Der Vormittag bei der Arbeit war – hmm, nicht schön. Klar lenkte die Arbeit ab, aber so ganz gelang das nicht. Auch wenn mir gesagt wurde, gegen 12.00 Uhr könne ich mich melden – um 11.00 Uhr rief ich dann doch mal an. Und siehe da – er hatte die OP gut überstanden und stand schon wieder in seiner Box, er sei aus der Narkose gut aufgestanden und alles sei gut verlaufen.

Ich fing an zu zittern und Tränen brannten mir in den Augen – er hatte es überstanden, er stand! Da wurde mir erst so richtig bewusst, wie sehr mich das angegriffen hatte.
Ich war unsagbar erleichtert, tigerte erst einmal fünf Minuten durch die Firma, schrieb ein paar exrem erleichterte SMS und bekam nicht minder erleichterte Antworten von denen, die mitgebangt und an ihn gedacht hatten.

Nach der Bank fuhr ich hin und fand ihn mit Maulkorb, schwitzend und völlig bedröselt in seiner Box vor. Ähhhhh…???
Er war wohl so unruhig gewesen, dass sie nachsediert hatten und der Satz „Den älteren tut’s meist mehr weh“ entspannte die Situation nicht gerade. Ich holte seine Abschwitzdecke aus dem Auto und nahm seine andere ab, dann nahm ich seinen Kopf in den Arm und stand einfach bei ihm, streichelte, kuschelte, war da. Er nahm es kaum wahr. Zwei weitere Pferde waren inzwischen da, was mit ein Grund für seine Unruhe gewesen sein könnte. Nach gut einer halben Stunde wurde er langsam wacher, die Augen wurden größer, der Schleier lichtete sich, und wirklich süß war der Moment, als ihm klar wurde, dass ich es war, die da seinen Kopf hielt. Er hat sich sichtlich gefreut. Mir ging so das Herz auf…

Er wurde immer wacher, konnte relativ schnell nach den beiden anderen wiehern, fing an zu wandern und wollte unbedingt etwas fressen. Damit musste er allerdings noch ein wenig warten. Inzwischen musste er eigentlich echt Kohldampf haben.
Das Schwitzen ließ nach. Er war mächtig eingefallen in der Flanke und die Haut um die Naht war reichlich angeschwollen, das sah alles gar nicht so hübsch aus. Aber auch nicht wirklich schlimm, so sieht’s wohl eben aus, ein paar Stunden nach der OP.

Ich tat mich schwer, nach Hause zu fahren, versprach ihm, am nächsten Vormittag wiederzukommen und trennte mich nach ca. einer Stunde in der Hoffnung, dass er keine zweite Sedierung herausfordern würde.

Als ich dann heute Vormittag kam, fand ich eine leere Box vor. Mir wurde spontan schlecht, ich glaube, mir fiel alles aus dem Gesicht. Ich ging wie eine Marionette ins Büro und fragte mich auf dem Weg dahin, was passiert sein könnte. Ich hatte darum gebeten, dass seine Zähne noch gemacht würden (da hat mit Sicherheit Zeit seines Lebens noch nie einer reingeguckt, und wo er doch nun schon mal hier ist…), aber der Zwangsstand, in dem sie sowas jawohl machen würden, war auch leer. Wo zum Teufel war mein Pferd??

Im Büro saß ein mir bekanntes Gesicht, die strahlte mich sofort an „Corinna! Kennst Du mich noch?“ – „Äh, nein, ja, also nein…“ – mir fiel kein Name ein, aber das Gesicht sagte mir was. Ich hätte allerdings viel lieber gewusst, wo denn wohl mein Pferd ist. Das stand im Nachbar-Stalltrakt, hier gab es nur 2 Boxen, sehr viel heller und natürlich ruhiger als in der anderen Stallgasse, und hier war Dón deutlich entspannter. Puh…

Er trug allerdings schon wieder einen Maulkorb und ich fragte, warum – sediert wirkte er nicht. Er schien ganz fröhlich zu sein. Er hatte allerdings tatsächlich morgens eine Zahnbehandlung über sich ergehen lassen müssen und die war ganz offensichtlich auch nötig gewesen. Angemerkt hatte ich ihm nie etwas, aber es reagiert ja auch durchaus nicht jedes Pferd – und zugeknallte Mäuler gibt es bei mir ja eh nicht, so dass er auch beim Reiten ja durchaus Ausweichbewegungen machen kann, wenn ihm die sinnvoll erscheinen.
Nun war das also auch gemacht und ich kuschelte mit meinem „runderneuerten“ Dón wieder eine gute Stunde herum, während der er es drei Mal schaffte, durch die Gittertür auf die Stallgasse zu entwischen – fand er einfach zu toll und ich hinderte ihn ehrlich gesagt auch nicht so daran, wie ich gekonnt hätte. War ja keiner da, also was soll’s.
Er hatte seinen Spaß, und davon hat er hier ansonsten wahrlich wenig genug!

Er durfte schließlich wieder fressen und ich hatte ihm einiges mitgebracht, womit er sein neues Kaugefühl gleich zu Genüge testen konnte.

Ich putzte ihn, bürstete mal die ganzen Stellen mit getrocknetem Blut und Schweiß glatt und machte die Zöpfe auf, die ich mehr für die Mitarbeiter hier geflochten hatte, damit die nicht immer Haare im Weg hatten. Nun stand er da, mit den wieder leuchtenden Augen und seiner alten Ausstrahlung, mit welliger Mähne, stolz und schön, und ich glaube, er wird nicht viel verlieren von all‘ dem, was ihn als Hengst ausgemacht hat – außer hoffentlich der massiven Testosteron-Steuerung, der er ja immer unterlag, so dass die Kastration hoffentlich den gewünschten Effekt bringt, dass er nun endlich wirklich zunehmen und sich entspannen kann und sich wohlfühlt in seiner Haut.

Noch ist der Stress nicht von mir abgefallen, wir müssen noch die nächsten zwei Wochen überstehen, in denen er überwiegend stehen muss, wir dürfen aber immerhin im Schritt spazieren gehen. Und dann geht es langsam wieder los, je nachdem, wie die Wunde heilt und er sich fühlt.

Nachmittags telefonierte ich noch einmal mit der Klinik, alles spricht dafür, dass ich ihn morgen Vormittag nach Hause holen kann. Freu!!!!

.

Donnerstag, 7.1.

Er ist wieder zu Hause… Ich bin so froh! Und er erstmal! Das war richtig deutlich zu sehen. Nun steht er in der Box und frisst und frisst und frisst, und wenn er gerade mal dazu kommt, säuft er die Tränke leer, das Wasser da schmeckte wohl nicht. Und dann versenkt er die Nase wieder in Heu und Stroh und genießt seine Heimkehr.

Als ich heute morgen in der Klinik ankam, war er sehr entspannt, die zweite Box tat ihm jedenfalls sehr viel besser als die erste. Ich kuschelte erstmal mit ihm, er wurde deutlich wacher und fordernder und fand es überhaupt nicht witzig, als ich wieder rausging. Ich wollte aber ja nun mal bald los und musste noch bezahlen und noch die Transportgamaschen holen und so, also erledigte ich das alles. Nun war ich auch etwas entspannter für einen Smalltalk zu haben, als ich Constanze im Büro sah. Ich musste sie aber doch fragen, woher wir uns kennen, weil ich sie einfach nicht zuordnen konnte.
Ach Du meine Güte! Papp de deux, Johannenhof, fast zwanzig Jahre her! Da kam die Erinnerung dann aber auch sofort wieder, alleine wäre ich wohl nicht drauf gekommen.

Ich grub einen Haufen Geld aus den Taschen, nahm Schmerzmittel für die nächsten drei Tage und einige Informationen mit, und dann holte ich den inzwischen ungeduldigen Dón. Der ging wieder sowas von brav auf den Hänger, das ist echt ein Segen, dass das mit ihm derart unproblematisch geht! Beim Fahren scharrte er einige Male, aber das sei ihm gegönnt. Was er wohl dachte, wo es hingeht? Nächste Hiobs-Botschaft??

Entsprechend überrascht / erstaunt / erfreut stieg er dann auch zu Hause aus. Nacariño war noch mit Merlin und Navarre auf dem Platz, also stellte ich Dón erstmal rein. Der versenkte sofort die Nase im Stroh und kam überhaupt nicht wieder hoch. Alles musste durchgeschnüffelt werden.
Dann holte ich Merlin und Nacariño – großes Hallo im Stall, Nacariño war total überdreht und albern und freute sich offensichtlich, seinen Nachbarn wiederzusehen.

Dón war angenehm entspannt, klar wanderte er und ging hin und her, aber das hätte auch schlimmer sein können. Ich tüddelte noch eine ganze Weile im Stall rum, legte schon mal für morgen das Fieberthermometer bereit – jetzt ist ein paar Tage lang Fieber messen angesagt – und fuhr eine gute Stunde später nach Hause, als klar war, dass Dón einfach nur froh und glücklich war, wieder zu Hause zu sein.

Ich hoffe sehr, dass er nicht allzu viel verliert. Mal sehen. So macht er jetzt erstmal einen denkbar guten Eindruck, den Rest zeigt die Zeit.

Als ich so eine Angst hatte, ihn zu verlieren (eine Vollnarkose und das Aufstehen danach sind immer Risiken, auch wenn es noch so ein „Routine-Eingriff“ sein mag…), dachte ich noch, „wenigstens der letzte Ritt war ein Stück Himmel“. Und plötzlich hatte ich den Begriff, nach dem ich gesucht hatte. Was bei Fàsci „die 1000 Kerzen“ sind, wird bei Dón „ein Stück Himmel“ sein. Dieses Pferd ist in der Lage, einen ein Stück Himmel spüren zu lassen. Bald, mein Junge, bald holen wir uns wieder unser eigenes kleines Stück Himmel!

.

Freitag, 8.1.

Erste Amtshandlung: Die Medikamente über eine Spritze ins Maul (fand er bekennend scheiße) und Temperatur messen (machte ihm nichts aus). Dann durfte er ein wenig auf der Stallgasse auf und ab gehen, begrüßte Nacariño und Merlin, war mir dabei aber etwas zu wild in seinem Spieldrang. Merlin konterte auch sofort, so dass ich Dón schon mit einem oder mehreren Beinen über dessen Tür hängen sah. Also sammelte ich ihn wieder ein. Fand er blöd.

Ab heute darf ich führen, täglich bis zu zwei Mal eine Stunde Schritt. „Oder Führanlage“ sagte man in der Klinik, worauf ich meinte, hier wird noch von Hand geführt 🙂

Nun kennt man das ja, was für ein Theater so manches Pferd macht, wenn es nach einer gewissen Stehzeit nur Schritt gehen darf. Die unerzogenen oder unentspannten (schlimmstenfalls beides) können da ja echt gefährlich werden. Ich finde Dón durchaus erzogen, entspannt war er na klar nicht nach diesen Tagen, aber ich dachte mir nicht viel dabei, direkt mit ihm ins Gelände zu gehen, vor allem auch in der Hoffnung, dass wir damit im Gelände die letzten Male „abarbeiten“ könnten, bei denen er sich hier so glotzig und schon fast schreckhaft gezeigt hatte.

Es war nordisch kalt und stürmisch (nicht windig. Stürmisch.) und ich nahm meinen frisch operierten fünfjährigen (im Geiste ja noch immer) Hengst an den Kappzaum und ging los.

Hossa. Mir war entfallen, dass er, seit er bei mir ist, noch nie fünf Stehtage gehabt hatte und der Klinik-Stress noch keineswegs von ihm abgefallen war. Ich hatte Fleece-Handschuhe an, die nicht geeignet waren, einen Strick festzuhalten, mein Hosenrock wehte ihm klatschend gegen die Beine, Blätter flogen um uns herum und ein Haufen Wind pfiff uns um die Ohren. Dón nahm eine tiefe Nase davon und putschte sich so richtig hoch. Ich bekam ihn nicht auf Distanz und hing da an guten 500 kg Lebendgewicht, die los wollten. Ich hatte noch überlegt, ob ich eine Gerte mitnehmen soll und mich dafür entschieden, wofür ich jetzt höchst dankbar war. Auf Distanz hielt die ihn auch nicht, aber das Tempo bestimmen ließ sich damit immerhin noch einigermaßen. Meine Güte, war der drauf. Und ich im meinem typischen „Wird-schon-Leichtsinn“ ließ mich also von ihm durch’s Gelände führen 🙂

Gute vierzig Minuten waren wir unterwegs, und ich machte etwas, was bitte nicht nachzuahmen ist: Ich wickelte mir den Strick um die Hand. In der Hoffnung, dass der von diesem Fleece-Handschuh abrutschen würde, wenn es hart auf hart käme, aber so ganz überzeugt war ich davon gar nicht mehr, als der sich so richtig um meine Hand zuzog.

Wat soll’s, wir kamen heil zu Hause an, Dón deutlich kerniger drauf als ich. 
Das noch zwei Wochen? Herzlichen Glückwunsch. Viel Spaß dann auch…

Merlin und Nacariño waren draußen und ich hatte gehofft, das wäre nicht so schlimm, weil er sie ja nicht an sich hat vorbei gehen sehen. Er fand es aber schlimm und brüllte alles zusammen. Ich ließ die beiden dennoch noch eine Weile draußen, denn damit muss er ja nunmal klar kommen. Und so verschafft er sich in der Box ja auch noch Bewegung – auch wenn die nicht direkt im Schritt geradeaus nach vorne geht 🙂

.

Samstag, 9.1.

Die Temperatur (seine, nicht die draußen) war wieder gut, Spritze ins Maul ging viel gelassener. Draußen führen war bei dem Wetter keine Option (ich war zugegeben nicht so unglücklich darüber…), aber auf der Stallgasse herumlaufen durfte er wieder. Dabei war er deutlich ruhiger als gestern und er genoss es sichtlich. Ich putzte ein bisschen und tüddelte mit ihm herum, er wirkte deutlich gelassener als gestern. Als Nacariño und Merlin raus gingen, brüllte er denen zwar hinterher, aber auch das gefühlt nicht mehr ganz so schlimm wie gestern. Er wirkte entspannter.

Ich holte den Ball und wollte mit ihm ein bisschen Fußball spielen – auf den kleinen Ball hatte er gar keine Lust und den großen ignorierte er auch weitgehend. Schade eigentlich, wäre doch eine schöne Unterhaltung gewesen. Mal gucken, ob er den Jolly-Ball mag, ich habe noch einen, aber den fand er anfangs ja schon uninteressant. Er fand es aber toll, mir eine Gerte aus der Hand zu nehmen und damit Nacariño zu erschrecken. Daran fand er Gefallen 🙂

.

Sonntag, 10.1.

Die drei dösten, als ich reinkam. Dón wirkte wieder entspannter als am Vortag, er scheint wieder ganz zu Hause angekommen zu sein. Er durfte wieder auf der Stallgasse herumlaufen, fand er toll. Und während er da frei herumlief, konnte ich ihm problemlos die letzte von drei Spritzen ins Maul geben und Temperatur messen. Ihn kratzte gar nichts. Der Vormittag war immer wieder nass, gegen Nachmittag klarte es auf. Also griff ich zu Kappzaum und Longe und ging mit Dón spazieren. Und dieser Spaziergang verlief völlig anders als der vom Freitag. Wir erkundeten ungefähr drei, vier Kilometer Alveslohe. Wenn die zwei Wochen rum sind, kenne ich mich hier auf jeden Fall besser aus 🙂

 

Wir trafen eine Frau mit Hund, die war zu niedlich, sie fragte mich über ihn aus und fand es zu süß, dass wir beide da so mit unseren Tieren spazieren gehen. Dón ging total entspannt über die Bahnschienen und wich den Gullis in immer kleineren Bögen aus. Das hatte jetzt möglicherweise den Effekt, den ich mir erhofft hatte – mehr Coolness im Gelände. Und da wir ja noch einige Spaziergänge vor uns haben und er es großartig findet, mich bei gruseligen Dingen neben und nicht auf sich zu haben, denke ich, dass uns diese Spaziergänge tatsächlich weiter bringen werden. Wir genossen diese gemeinsame Stunde, in der sogar noch die Sonne durchkam.

Hand hoch – wer kann mit seinem fünfjährigen Hengst nach diesen ganzen Stehtagen incl. Klinik so problemlos durch den Ort führen? Freu…

Er mag kein Hengst mehr sein, aber hormontechnisch ist er natürlich schon noch einer. Und im Verhalten merkt man ihm noch keinen Unterschied an. Zum Glück auch sonst nicht – er strahlt mich an, er ist einfach nur schön und stolz und ausdrucksvoll. Von uns beiden fällt langsam spürbar eine ganze Menge Stress ab…

.

Donnerstag, 14.1.

Der Freitag war der einzige Tag, an dem Dón sich so schwer beherrschen ließ.
Heute waren zum ersten Mal nur noch mit Halfter unterwegs, kein Kappzaum mehr.
Er nimmt sich jetzt immer öfter Zeit, ein paar grüne Halme am Wegesrand zu zupfen,
was ich ihm gerne gönne. Gestern habe ich probiert, mal schneller zu gehen – er ließ sich aber nicht zum Traben animieren. Soll er ja auch gar nicht, ich finde aber klasse, dass er im Moment auf Schritt eingestellt ist. Er ist toll zu händeln, die Spaziergänge machen wirklich Spaß, zumal wir bis auf einen feinen Nieselregen bislang immer trocken geblieben sind! Da kommt sogar mal die Sonne raus uns lässt sein wunderschönes Gesicht glänzen…

Vor drei Tagen war ich mitten im Ort unterwegs, direkt vor Dón fuhr ein Schulbus an.
Er guckte dem hinterher, alles gut. Und dann kam ein Bus von vorne. So einer mit dunklen Scheiben, der wirkte wie ein schwarz/weißes Ungetüm. Echt mächtig. Bus vor ihm wegfahren war kein Thema, also dachte ich mir nicht viel und ging weiter, hier gab es für Dón allerdings aufgrund eines Mäuerchens keine Ausweichmöglichkeit. Bus von ihm weg ist kein Problem, Bus auf ihn zu war auf seiner ich-bleib-cool-Liste noch nicht hinterlegt. Und so machte er angesichts dieses Busses plötzlich lauter Bewegungen, die er noch gar nicht machen soll, und das auch noch quer über die Straße, so dass ich mal kurzfristig den gesamten Verkehr lahmlegte (die Autofahrer von der anderen Seite blieben brav stehen, der Bus wurde langsamer) und zusah, dass ich Dón auf die andere Straßenseite brachte, denn hier war mehr Platz, so dass er das Gefühl hatte, nach hinten weg zu können. Sowas habe ich ja nun lange Jahre mit Fàsci hunderte Male durchexerziert, was mich in sowas schnell und mit Übersicht reagieren lässt, ohne das Pferd noch mehr zu erschrecken, aber ich hätte gar nicht gedacht, das bei Dón mal zu brauchen. Er hat noch auf kein Fahrzeug bislang reagiert. Der Bus war vorbei, wir gingen weiter, Dóns Schnappatmung normalisierte sich, und ich ging mal lieber auf Wegen, auf denen keine weiteren Busse zu erwarten waren.
Kurz vor zu Hause kam noch ein mächtiges Baufahrzeug, da wechselte ich sofort die Straßenseite und er spulte sich in einer Garageneinfahrt reichlich hoch.
Hmmm…
Diesem Thema werden wir uns stellen müssen.

Vorgestern ignorierte er dann größere Fahrzeuge wie vorher auch, da ergab sich aber die Chance, ihn mal ziemlich direkt mit der AKN (unsere Bimmelbahn) zu konfrontieren.
Die fuhr hinter ihm an, ich stellte ihn in eine Einfahrt und von da aus sah er die Bahn in nicht einmal zehn Meter Entfernung vorbeifahren.
Ja und??
Bei einem mächtigen, rappelnden Baufahrzeug war ich zugegeben ganz froh, gerade in den Hof einbiegen zu können, aber auch auf den reagierte er dieses Mal nicht groß.

Und dann kam gestern wieder ein Bus. Von hinten. Ich beschleunigte meine Schritte und konnte Dón gerade noch an einer Ecke mit einer Auffahrt umdrehen, so dass der Bus auf ihn zu kam, Dón hätte aber nach hinten ausweichen können. Tat er aber nicht. Er fraß zufrieden den Keks und guckte dem vorbei rauschenden Bus hinterher. So ganz verstehe ich die erste Reaktion also nicht, aber vielleicht ging es da ja auch gar nicht konkret um den Bus. Meine Sinne sind seitdem aber wieder deutlich geschärft, ich sehe zu, dass ich, wenn ich große Fahrzeuge höre, Dón die Möglichkeit verschaffe, auszuweichen. Bei Fàsci war das damals das Erfolgsrezept – hätte er ausweichen können, konnte er die meisten Begegnungen einigermaßen aushalten und musste gar nicht weichen, hätte er nicht weg gekonnt endete das einige Male in hysterischen Panikatacken, denen ich schließlich, wenn ich nicht ausweichen konnte, die Schärfe nahm, indem ich schlicht mitten auf der Straße geritten bin, um die Fahrzeuge zum Bremsen zu zwingen. Man soll ja nicht glauben, wie unfassbar frech manche Fahrer dann sind, anstatt den Sinn dahinter zu verstehen… Zeichen geben nützt überhaupt nichts, aber das Ausbremsen hat zum Glück funktioniert – sobald eine Einfahrt kam, bin ich da reingeritten und habe die vorbei gelassen. Fàscino findet Trecker und mächtige Fahrzeuge noch immer nicht toll, aber er hält das normalerweise aus. So etwas möchte ich aber keinesfalls nochmal und deshalb lege ich Wert darauf, dass meine Jungspunde Fahrzeuge (und so viele andere Dinge…) aushalten und sich an meiner Ruhe beruhigen, wenn sie glauben, dass es etwas zum Aufregen gäbe. 

Heute dachte ich so, da er sich ja nicht zum Traben animieren lässt (gut so), könnte ich vielleicht mal neben ihm ganz langsam joggen, so dass er Schritt geht, ich mich aber mal anders bewegen kann. Ich veränderte also meinen Bewegungsablauf und siehe da – er wurde sofort lustig und wollte mittraben. Ach! Er passt sich also meinem Bewegungsablauf an… Merken für später, wenn er wieder darf!
Ich testete das noch einmal – klappte. Und ab dann war er so witzig und albern, nun wollte er mich ständig provozieren, doch nochmal zu traben. Er machte einen kleinen Hüpfer und guckte mich fürchterlich verspielt an.
Eine Woche noch… Ungefähr jedenfalls. Ich weiß nicht genau, ob die „zwei Wochen“ ob OP oder ab Heimkehr gelten und ich denke, ich kann bestimmt auch schon mal Schritt reiten nächste Woche, nur unkontrollierte Bewegungen vermeide ich mal auch in der nächsten Woche noch. Die Naht sieht super aus, Dón lässt sich zum Glück auch hervorragend anfassen an der Stelle. Er hatte keinen Tag erhöhte Temperatur und ist einfach nur fit und fröhlich.

Ich wüsste jetzt gerne, in wie weit die Kastration schon für sein Verhalten verantwortlich ist. Ich kann ihn an den Pferden vorbei führen, da ist er aufgedreht und aufmerksam, war aber vielleicht mal heftiger. Im Gelände sind wir einem Pferd begegnet, an dem er direkt vorbei gegangen ist – klar hatte ich eine Menge Pferd in der Hand, hinterher hat er auch zu dem zurück gebrüllt, aber er ist anstandslos vorbei gegangen. Er ist noch ganz klar Hengst, aber ich kann mir einreden, wenn ich will, dass er schon ein wenig entspannter ist.

Auf jeden Fall ist er im Moment zufrieden und hat die OP bestmöglich überstanden.
Ich hoffe, das Wetter spielt noch eine Weile mit, denn unsere Spaziergänge sind die einzige Bewegung außerhalb der Box, die er im Moment hat. Regen wäre auszuhalten, Glatteis wäre jetzt echt blöd!
Obwohl – mit Dón Schlittschuh laufen? Geht bestimmt, wie ich ihn kenne 🙂

.

Sonntag, 17.1.

Gestern hat mich dieses wunderbare Pferd mal wieder vom Hocker gehauen – er lässt sich im Schritt longieren. Nach mehr als zehn Tagen nur Schritt bleibt er an der Longe gehorsam und im Schritt! Der ist einfach unglaublich. Ich wollte ihn gerne ein zweites Mal rausholen, weil unser Spaziergang etwas kürzer ausgefallen war. Ich war höchst wachsam, weil ja durchaus damit zu rechnen ist, dass die Energie plötzlich durchbricht und er einen Satz macht und dabei auch durchaus nach mir keilen könnte – unabhängig davon, ob er mich mag oder nicht, damit hat sowas im Zweifel nichts zu tun, wenn das Temperament mit einem jungen Pferd plötzlich durchgeht. Also musste ihn einerseits nah bei mir behalten, andererseits gut beobachten, welchen Spannungsgrad er hat und wie er seine Hinterhand bewegt.

Genau dieser Sprung kam dann auch tatsächlich, er machte einen riesigen Freudensprung mit einem saftigen Auskeilen (nicht konkret in meine Richtung, aber da muss man ja nur mal blöd stehen…) – und danach stand er und strahlte mich an. Ich verliebte mich sekündlich mehr in ihn 🙂

Ihm wurde langweilig – auch damit war zu rechnen – und so stellte er sich bei einem Handwechsel auf einmal quer und stieg ganz kurz. Überhaupt nicht drohend, einfach aus Spaß. Und dabei beobachtete er mich ganz genau. Na, wenn er das schon freiwillig macht, er, der er sich mit dem abrufbaren Steigen ja noch ein bisschen schwer tut – lasse ich ihn doch nochmal. Und das freute ihn, er stieg sehr gehorsam und ungeheuer beherrscht und sah einfach nur toll aus. Das war völlig kontrolliert und an- und abstellbar. Großartig!

Ich ließ ein paar ruhige Trabtritte zu und fragte danach noch ein wenig Schulterherein und Spanischen Schritt an. Auch das gelang besser als vor der OP, also Dón hat ganz eindeutig Lust, wieder etwas zu machen, ihm ist es ganz klar langsam langweilig. Kein Wunder!

Und so nahm ich ihn heute wieder an die Longe, dieses Mal ohne vorher spazieren gegangen zu sein. Er blieb wieder super anständig im Schritt, die Nase klebte am Boden. Na klar war auch wieder Wälzen und dabei Kuscheln angesagt.
Ich ließ ihn nun bewusst ganz behutsam traben, hier und da machte er mal einen Sprung, aber alles ungeheuer beherrscht – und beherrschbar. Einfach nur toll.

Hinterher legte Dón zum ersten Mal seinen Kopf auf meine Schulter. Das hatte er noch nie gemacht. Er hielt etliche Sekunden still, sein Kopf wurde immer schwerer. Da standen wir und hatten uns einfach lieb…

Nic fotografierte und schickte mir kurz darauf ein kleines „best of“ per E-Mail:

1
2
5
3
4
6
7

.

Freitag, 22.1.

Heute durfte Dón mit Merlin und Nacariño auf die winterliche Weide. Das war sein erster so ganz freier Tag seit der Kastration und er hat sich schlicht vorbildlich benommen – sogar als Navarre seinen Lustigen kriegte, aus dem Platz ausbrach und am Weidezaun entlang lief. Er findet gerade Gefallen dran, über Zäune zu springen. Der heutige Sprung sah auch schon wesentlich eleganter aus als der vorgestern 🙂

Da war mein Hengst, der noch nicht gemerkt hat, dass er keiner mehr ist, aber sofort da. Mit Kragen und Imponiergehabe und bereit, Navarre incl. Zaun umgehend platt zu machen. Ich brüllte die beiden an „WEG VOM ZAUN! ALLE BEIDE!“ – und staunte mal wieder selber, wie ernst mich diese beiden Pferde dann nehmen, das eine komplett (rest-)hormongesteuert, das andere gerade auf der Flucht, auch wenn selbst es nicht genau wusste, wovor. Na super. Wobei – wenn ich so brülle, würde ich auch reagieren 🙂

Dón legte zwar einige schöne Galoppstrecken zurück, vermied es aber, auszurutschen oder sonstige narbengefährdende Grätschen zu machen. Bei dem Wetter war es gänzlich unmöglich, keine Fotos zu machen 🙂

20

Einen „halb-freien“ Tag hatte er zwei Tage zuvor, da habe ich ihn, während alle anderen Pferde auf dem Platz zu sehen waren, auf der Weide longiert. Er machte ein paar lustige Sprünge, aber auch hier wieder: gehorsam, beherrscht, beherrschbar. Einfach großartig. Klar mag das bis zu einem gewissen Grade am Naturell liegen, aber wenn ich mich daran erinnere, wie er anfangs drauf war, als er zu mir kam, dann bin ich jetzt einfach mal ein bisschen stolz auf meine acht Monate (gelungene) Erziehungsarbeit 🙂

13 . . . 14 22. . . 15  19
Also, wenn er Piaffe und Pirouette nicht lernen sollte, liegt es nicht an ihm…
16
18
21
23

.

Sonntag, 24.1.

Auch wenn leichter Nieselregen fiel – der Schnee war weg, der Platz bereitbar, ich wollte mein Spaßpferd endlich wieder einmal unter mir fühlen…
Die Kastration ist noch nicht ganz drei Wochen her, und ja, man merkt etwas. Wenn es das ist, was er nun verliert, dann war alles, alles richtig. Nach drei Wochen setze ich mich da rauf, ohne dass er sich vorher groß bewegt hat, er wartet am Hocker bei offener Stalltür, die den Blick auf die anderen Pferde (auch die weiblichen) frei gibt, geht entspannt auf den Platz und schnaubt nach fünfzehn Meter zufrieden vor sich hin. Meine Güte…

Es war schön es war schön, es war einfach schön. Dón war die Pause nicht anzumerken. Ich konnte bei Nic stehen bleiben und einen Moment mit ihr quatschen – er wartete. Sie sah ihm ins Gesicht und meinte „Irgendwas ist anders… Hmmm… Der Stress ist weg!
Er muss nicht mehr alles beaufsichtigen!“ Und damit hat sie Recht. Er ist aufmerksam, muss aber nicht mehr permanent alles unter Kontrolle haben. Er kann jetzt Kontrolle an mich abgeben. Dennoch ist er fein und leichtfüßig und gehfreudig. Wenn das so bleibt, dann kann es besser nicht sein.

Ich machte nicht viel, freute mich einfach nur daran, ihn wieder unter mir zu haben. Der Trab fühlte sich nicht ganz so schick an wie beim letzten Mal, aber auch nicht mehr so gelaufen wie früher. Es war irgendwas dazwischen, was sich gut anfühlte. Der Schritt fühlt sich ohnehin super an, der Galopp war auf beiden Händen fröhlich und eifrig. Auf der linken Hand mag er nicht so gern auf dem Hufschlag galoppieren, insbesondere die obere kurze Seite kürzt er gerne ab, das wird etwas, woran wir jetzt so langsam ein bisschen arbeiten müssen. Ansonsten – alles bestens. Er war entspannt und dehnungsbereit und völlig zufrieden.

Er durfte wieder auf der Stallgasse herumlaufen, was er einfach zu toll findet.
Danach kam ich einmal kurz mit Fàscino in die Stallgasse, da drehte Dón zwar auf und wanderte zügig in seiner Box hin und her, wieherte aber nicht und griff schon gar nicht an, auch nicht, als ich die beiden schnuppern ließ. Dón war mit gespitzten Ohren völlig auf Fàscino fixiert, dessen Mimik sehr abweisend und Distanz gebietend war.

Insgesamt lässt die „Hormonsteuerung“ also offenbar nach, während Dón (noch) nichts an Ausstrahlung und Schönheit eingebüßt hat. Und noch verliert er auch keine Mähne 🙂
Toll, toll, toll!

.

Donnerstag, 28.1.

Montag und Dienstag viel zu tun, Mittwoch krank, so sind dann „plötzlich“ wieder ein paar Tage rum. Viel Zeit mit Tageslicht hatte ich auch heute nicht, und so überlegte ich, wie ich zeitsparend beide Jungs bewegen konnte, wenn nicht laufen lassen. Da der Platz im Moment der einzige Auslauf ist, wollte ich da nicht auch noch laufen lassen.
Mal Tapetenwechsel…
Und so kommt jetzt wieder so ein echtes Corinna-Ding – liebe Kinder zu Hause an den Bildschirmen und liebe Zuschauer in Österreich und der Schweiz (kicher…), bitte nicht nachmachen! Außer, Sie sind ähnlich irre gepolt wie ich. Dann los.

Ich sattelte Dón und nahm Nacariño als Handpferd und ging direkt ins Gelände.
Von Handpferde-Routine kann man bei beiden nicht sprechen, auf Dón gerade erst einmal wieder draufgesessen und nun schon wieder ein paar Tage nichts gemacht – hmmm.

Muss man nicht so machen.
Kann man aber.

Also um genau zu sein: so wollte ich es machen. Ich musste aber ja erstmal auf Dón raufkommen. Nach wie vor möchte ich nicht ohne Hocker aufsteigen bei ihm, wenn es sich vermeiden lässt. Ich wollte in der Stallgasse aufsitzen und war schlicht zu faul, meinen guten Hocker zu holen. Wozu fünfzig Meter hin und fünfzig zurück laufen, wenn man es vermeiden kann. Und wir wollen jetzt nicht diskutieren, was schneller gegangen wäre!
Ich stellte die beiden also in „Startposition“ und einen roten Eimer umgedreht neben Dón. Dón schnorchelte den an und ging natürlich einen kleinen Schritt beiseite, als ich aufsitzen wollte. Eimer neu gestellt, Dón sich verschoben, Nacariño verschob sich mit, ich beide wieder ausgerichtet, Eimer ausgerichtet, nun verschob sich Dón nach vorne, Nacariño wurde das zu blöd, der verschwand zurück in seine Box.

Dón drehte sich mit um, fiel dabei über den Eimer, der mit lautem Gepolter unter seinem Bauch rumrollte. Das war der Gesamtsituation nicht zuträglich. 
Neuer Versuch. Ich bekam den Fuß in den Bügel und beim Abstoßen krachte der Eimer um und flog beiden unter den Bauch.
Die Jungs wollten keinen weiteren Versuch mit diesem Eimer. Ich hatte Verständnis.
Den lernen wir aushalten, wenn wir mehr Zeit haben.

Ich ging also mit beiden raus (was immerhin schon der Weg Richtung Hocker war), aber den Hocker wollte ich jetzt schon mal aus Prinzip nicht. Da liegt doch genug Holz rum.
Ich stellte Dón also neben so einen kaputten Stamm. Beide warteten brav, ich kletterte da rauf und merkte, dass der Stamm kippelt.

Muss ich weiter erzählen??
Na klar polterte dieses Holz-Bruchstück unter Dóns Bauch, kaum dass ich – schon den Fuß im Bügel – hoch wollte, Dón wurde langsam humorlos und fand das blöd. Er ging einen Schritt zurück, ich rutschte zwischen kippendem Stamm und Dón ab, Nacariño überlegte, wohin er flüchten konnte. Tat er aber nicht. Brav, der Gute.

Ich musste lachen. Ich stand da mit den beiden und musste richtig lachen. Wer immer sich das angeguckt hätte, hätte mir nur noch einen Vogel gezeigt. Das muss insgesamt einfach urkomisch ausgesehen haben. Dón entspannte sich, weil ich lachte, und nahm es nicht ganz so schwer. Die spinnt wieder. Kennt er ja schon.

Ein anderer Stamm hielt meinem Aufsitzversuch stand und ich war endlich oben.
Geht doch.
Dón schnaubte ab und war sichtlich froh, dass dieses Gehampel ein Ende hat.
Super, mein anfangs mal aufsitz-traumatisiertes Pferd mit so etwas zu konfrontieren!

Wir konnten endlich los. Ich hatte Handschuhe an. Sehr glatte. Von denen verabschiedete ich mich vorsichtshalber, nachdem ich versucht hatte, zwei Zügel und einen Strick zu sortieren und mir alles durch die Finger glitt. Lieber kalte Finger also nichts halten zu können! 
Die Gerte störte irgendwie auch. Die klemmte ich mir unter’s Bein, um erstmal die lustigen Jungs in den Griff zu bekommen. Nacariño fing fast an zu buckeln neben mir, so gehfreudig war er. Dón war auch reichlich gut drauf. Mir fiel wieder mein CAVALLO-Interview ein… Frau Scholz, wie bereiten Sie das vor? Gar nicht. Einfach machen… 🙂

Die Tour war zugegeben ziemlich unterhaltsam und forderte reichlich Konzentration und Beweglichkeit. Nacariño wurde immer witziger und schließlich sehr zärtlich, er biss mir so im Gehen nebenbei immer mal in den Oberschenkel. Und schließlich in den Hintern. Jedem Mann hätte ich dafür eine geknallt. Hier bekam ich den nächsten Lachanfall. Dieser Blick! Beißt mich und grinst mich an! Dón versuchte, sich zu uns umzudrehen, der wollte nun mitlachen und auch wissen, was witzig war. Und ich immer dazwischen mit zu wenig Händen. Mann Mann… Ich sag ja, so ne typische Corinna-Nummer.

Den Weg Richtung Möschenhof trabten wir. Oha. Die Jungs wurden sehr lustig. Ich hatte (wörtlich) alle Hände voll zu tun, sie am Angaloppieren zu hindern, das hätte, denke ich, dann wirklich schief gehen können. Die heizten sich so schon gut aneinander auf. Und dann sprang der eine zur Seite und dann der andere, und jeder war empört, wenn der andere einen Satz machte. 
Ich hielt mit dem Bein die Gerte fest und dachte noch, wenn sie hier runterfällt, finde ich sie wenigstens wieder, aber mein Ehrgeiz lag schon darin, die eben nicht fallen zu lassen. Ich zog sie also unter meinem Bein hervor, weil sie im Trab schwieriger zu halten war, und nahm sie in die Hand. Da war sie zwischen den Pferden, was Nacariño noch kerniger und frecher werden ließ. Also Gerte nach links gewechselt, da mag ich sie aber nicht halten, ich habe die seit Jahren nur noch in der rechten Hand, und prompt schielte Dón nach links zur Gerte, die er da noch nie gesehen hatte und legte den Turbo ein. Ich klemmte mir die Gerte schnell unter das linke Bein, sorgte für Knieschluss und nordete meine wilden Tiere wieder ein.
Alles nicht so einfach hier.

Am Möschenhof guckte uns die Herde auf der Weide höchst erstaunt entgegen und ich hoffte nur, dass Dón sich hier nicht so schlecht benehmen würde wie beim letzten Mal.
Tat er nicht, ich konnte an der Weide vorbeireiten. Am Hof gab es für beide einen Keks und wir kehrten um.
Den Weg Richtung Heimat traben? War das heute sinnvoll? Musste das sein?
Nö. Die Sinnfrage verwarf ich wieder, und ich tue ja gerne Dinge, auch wenn man sie lassen könnte. Ich trabte also den Weg wieder zurück. 

Ach!
Die zwei entspannten sich auf einmal, Dón machte den Hals lang, Nacariño trabte am losen Strick mit, beide schnaubten und waren zufrieden. Ich konnte mal den, mal den durch eine Pfütze schicken. Jetzt wurde ein Galopp schon fast verlockend, und ich war selbst ein bisschen überrascht, dass ich mich zusammenreißen konnte. Den ersten gemeinsamen Galopp nicht im Gelände! Nicht mit diesen beiden Pferden! Später!

Wir genossen den Trab, sie parierten auf Pfiff lässig durch und gingen super entspannten Schrittes nach Hause. Hach nee, wat schön!

.

Freitag, 29.1.

Es stürmte wie verrückt. Ich wollte noch ein wenig mein Spaßpferd fühlen nach einem reichlich geladenen Nacariño. Und das Spaßpferd benahm sich so, so vorbildlich!
Er zuckte insgesamt drei Mal, da gab der Sturm aber auch wirklich alles und fegte über den Platz, dass ich fast runtergepustet wurde.

Dón trabte einfach schön und galoppierte ein, zwei Mal auf eine wunderbar feine Kreuzhilfe an, zudem durfte ich ihn phasenweise in der Kopf-/Halseinstellung schon ein wenig stabilisieren.

Der Ritt war kurz, vielleicht zwanzig Minuten, aber es war so schön, dass ich es dabei beließ, mich einfach nur freute und ihn noch mit den beiden anderen rausstellte. Das schöne Schimmel-Trio ließ sich die Mähnen durchpusten.

Dón zeigt ganz klar an, dass er jetzt zu mehr bereit ist. Und mir wurde einmal mehr bewusst, was für mich ein elementarer Bestandteil der Freude am Reiten ist: wenn das Pferd erkennbar Freude am Gerittenwerden zeigt. Das tut er.
Natürlich machen tolle Bewegungen Spaß und sind reizvoll, aber mir ist so wichtig, dass die Pferde das auch wollen, dass sie Spaß daran haben, aus sich herauszugehen, sich zu trauen, immer mutiger werden und wagen, sich immer mehr einzubringen.
Das ist Motivation und das macht für mich das große Glücksgefühl beim Reiten aus!