Februar

Mittwoch, 3.2.

Ich wollte reiten!! Das Wetter war mir egal, ich wollte mein Spaßpferd fühlen.
Der hielt ein paar Sonnenstrahlen, aber auch Sturm und schließlich Hagelschauer aus, der Gute. Wir machten nicht lange, aber dafür schön 🙂

Ich hatte ja nun keinen Hocker mehr, nachdem Nacariño den direkt vorher zum Podest umgewandelt hatte. Er hatte es zumindest versucht. Und nun habe ich eben keinen Hocker mehr. Aber hier steht ja genug Holz rum.
Nein, kein „lustiges Aufsitzen Teil 2“. Ich kam tatsächlich ohne Zwischenfall oben an.

Anfangs bei den ersten Schritt-Runden überfiel mich direkt wieder die Sorge, dass dieses Pferd nun langweilig wird, so ohne Hormonschübe… Er dackelte da tiefenentspannt lang, schnaubte, schien den Sturm nicht mal wahrzunehmen. So ein Schritt ist mir definitiv zu langweilig. Ich hoffte also darauf, Dón gleich „anschalten“ zu können und ließ ihn eine Weile so gehen, wie er mochte. Meins ist das nicht, da müssen wir einen Kompromiss finden auf die Dauer. Aber da ich ja weiß, dass da genug Feuer drin steckt (steckte…?? Vergangenheit?? Bitte nicht…!!), ließ ich ihn erstmal gewähren.

Und siehe da – nach ein bisschen langweiligem Trab fragte ich nach etwas mehr Grundspannung und bekam sie. Und dann bekam ich Übergänge, das war der Hammer. Ich galoppierte an, federleicht, und eine halbe Runde später fing ich an zu lachen, weil ich da erst merkte, dass das Rechtsgalopp war. War das mal ein Thema gewesen?
Er galoppierte so leicht, so sicher, es war zu schön. Ich wechselte über Schritt die Hand, er ließ sich ohne jede Handeinwirkung durchparieren, ich bat ihn, runder zu bleiben – er blieb runder, ich saugte über die Pobacken den nächsten Galopp an – er galoppierte wonnemäßig an, er fiel wunderbar weich in die gewünschte Gangart zurück, er ging sowas wie Traversalen im Schritt und noch besser im Trab auf der linken Hand (rechts keine Chance, aber links kann man ahnen, dass das mal Traversalen werden), er dehnte sich und richtete sich auf, ganz nach Wunsch, und auf einmal überkam mich ein derartiges Glücksgefühl, ich ließ die Zügel fallen, fiel ihm um den Hals und meinte „Du bist so göttlich!“. Er war stolz und freute sich. Ein Stück Himmel…
Wie kann ein Pferd, dass mit so einem fürchterlichen Schleich-Schritt anfängt, ein paar Minuten später so federleicht und fantastisch sein? Ach, egal, Hauptsache, er ist es…
Zu und zu wunderbar. Der macht wirklich süchtig. Jetzt schon…!

Ich bin albern, ich weiß, aber ich denke ja immer noch (kreuzverwöhnt von Fàscino und Joya und Negócio, bei denen ich inzwischen vergessen habe, dass das anfangs ja auch alles nicht ging…), wo sollen denn da bloß die Seitengänge herkommen und wie soll der sich je im Galopp versammeln, wenn er jetzt so einen Einheitsgalopp geht und gar nicht anders kann… Oh Mann, ich bin bekloppt, sorry, lange kein so junges Pferd mehr für mich gehabt. Jedenfalls dachte ich also auch immer, wie soll der sich je im Galopp versammeln (lassen) bei der Dynamik, mit der er jetzt galoppiert. Nicht veränderbar.
Und heute bekam ich ein paar Mal ein Anspringen, da war die kommende Versammlung fühlbar. Den Galopp an sich darf ich noch nicht groß verändern, aber letztlich ist es ja der Moment des Anspringens, der entscheidet. Und der war anders heute.
Ich mach‘ mir also einfach mal keinen Kopf und lasse sich dieses wunderbare Pferd einfach weiter so vor sich hin entwickeln 🙂

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Donnerstag, 4.2.

Der Bericht zum heutigen Tag ist bei Nacariño zu lesen, denn ich machte mal wieder (teilweise) etwas mit beiden zusammen – bzw. nachher sogar zu dritt 🙂

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Samstag, 6.2.

Nic und ich filmten uns gegenseitig. Sie sah sich mit Navarre zum ersten Mal in Bewegung und ich mich mit Dón ja nun zum zweiten Mal – meine Güte, da tut sich aber was…!
Das Gefühl ich doch erschreckend weit von dem, was man sieht, entfernt – er fühlt sich so kraftvoll und so viel mächtiger an und wirkt so unglaublich elegant, langbeinig und noch zart. Es tat sehr gut, das einmal zu sehen. Der Schritt ist großartig, sowohl auf dem Video wie auch im Gefühl, der Trab verliert so langsam das Laufende, der Galopp ist kraftvoll, dynamisch und bergauf, wenn auch na klar noch ohne Versammlung.
Dón war reichlich kernig und buckelte sogar. Kein Schleich-Schritt zu Anfang, er war griffig, albern und verspielt. Da ließ sich natürlich was mit anfangen 🙂

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Im Trab allerdings versuchte ich mal, ein wenig Versammlung herauszukitzeln, und so griff Nic, nachdem der Akku leer war, zur Kamera und fotografierte noch. Das nicht vorhandene Licht ließ zwar kaum ein einziges scharfes Bild entstehen, aber ein paar tolle Momente waren trotzdem dabei – so trat Dón einmal in allerersten halben Tritten aus dem Schritt in den Trab an und ließ sich im Trab einmal sehr schön von hinten engagieren.

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Und dann fühlte er sich einmal zu sehr von hinten angefasst und explodierte kurz – und diese Phase bekam Nic tatsächlich zu fassen. Was für eine Kraft und Energie! Der Ansprung großartig, das Abheben so noch nicht gewünscht, aber gerne genommen. Daraus allerdings machte Dón einen höchst dynamischen Satz nach vorne. Hauaha!

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Diese Energie steigerte sich noch einmal reichlich und wurde sehr unangenehm, als Erik um die Ecke kam. Wir haben drei neue Pferde im Stall – Haflinger Sterni und die beiden Shetlandponys Erik und Rudi. Rudi ist ein zehn Monate alter kleiner Fuchs, bei dessen Anblick vor einigen Tagen Dón schon komplett die Contenance verlor – ich brachte die Jungs vom Platz in den Stall zurück und sah nur zu, dass ich mit Speed an dem Zwerg vorbei kam. Dón lauscht seitdem ständig gespannt auf jedes Wiehern der beiden.

Erik ist ein kleiner knackiger brauner Hengst, und den sollte er sich jetzt mal genauer ansehen, damit er nicht immer so austickt, sobald eines der Ponys auftaucht. Mit denen hat er echt noch keinen Vertrag. Erik wurde auf zehn Meter Entfernung sehr witzig an der Hand seiner Besitzerin und sprang schließlich tatsächlich eine sehr gute Kapriole, er gab an, so gut er nur konnte (und das war schon ziemlich gut!), um dem großen Grauen zu imponieren. Der staunte und guckte und wollte gerne näher ran (später…). Schließlich zeigte Erik einen sehr temperamentvollen Spanischen Gruß. Kann ich auch, meinte Dón, und grüßte zurück. Dann machten beide das mit dem anderen Bein. Zu niedlich. Dón entspannte sich immer mehr und fand den schließlich so weit ok.

Flamenco war mit auf dem Platz, und das ist nun überhaupt gar kein Thema mehr, da kann ich ziemlich dicht ranreiten, er bleibt gehorsam. Am Ende haben wir die beiden zum ersten Mal schnuppern lassen, und da beide sehr flinke Vorderbeine haben, waren wir sehr konzentriert und darauf bedacht, dass keiner einen ungewollten Schritt nach vorne macht. Nasen ja, mehr (noch) nicht! 

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Ich holte später noch einmal beide Jungs zum Platz, ich wollte doch nun so gerne ein Bild haben, wenn beide steigen… Sie stiegen großartig – bloß immer abwechselnd 🙂

Dón war ungeheuer brav, keiner verwendete das Steigen für irgendeinen Blödsinn gegen den anderen. Er braucht nur noch etwas mehr Aufforderung als Nacariño, dem das nicht geheuer war. Das ist ihm alles noch zu eng zusammen, also haute er vorsichtshalber mehrfach ab. Egal, gewöhnt er sich dran. Dón hat mit der Enge überhaupt kein Problem, er ignorierte sogar, dass Nacariño, der beim Steigen gerne noch dreht, ihm einmal ein Vorderbein lässig auf die Kruppe legte. Sah großartig aus, muss ich unbedingt fördern!

In der Sache selbst ist das gemeinsame Steigen tatsächlich kein Thema mehr, an der Schönheit der Ausführung muss ich jetzt noch ein wenig feilen 🙂

Aber ich habe zwei Fünfjährige, und die machen etwas, was ich davor überhaupt erst selbst zum ersten Mal mit zwei anderen Pferden hinbekommen habe, und die waren, als das zum ersten Mal klappte, wenn ich mich recht entsinne 17 und 22!
Mir hilft es unglaublich, Dinge einfach spaßeshalber anzufragen, die ich schon von anderen Pferden kenne und mal erlebt habe. Ich gehe da mit einer ganz anderen Selbstverständlichkeit ran als bei Joya und Fàsci, denn da war vieles mit zwei Pferden zugleich ja auch für mich das erste Mal. Diese Erfahrung zahlt sich jetzt ungeheuer aus bei den beiden Jungspunden.

So sah das also beim zweiten Versuch überhaupt aus und das ist eindeutig steigerungsfähig! Fördern, fördern, fördern! 🙂

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Sonntag, 7.2.

Ich hatte Dón vor einigen Tagen eine Kandare angepasst, die sollte nun mal zum Einsatz kommen. Ihm merkte man überhaupt nicht an, dass er zwei Gebisse im Maul hatte, er war völlig unkompliziert – zumindest, was die Zäumung anging. Nicht jedoch, was die Rittigkeit anging, denn heute kamen erst Sterni, dann Rudi um die Ecke. Dón war extrem umweltorientiert und wirkte ein bisschen ferngesteuert. Er war wieder sehr in Buckellaune (ey, das ist Nacariños Thema, nicht Du jetzt auch noch!) und ganz schön griffig. Aber ihn entspannt man ja immer deutlich leichter als Nacariño. Und so forderte ich heute auch kaum etwas, schon gar nicht nach einem Tag wie gestern, heute war locker flockig angesagt. Dón forderte mich allerdings reichlich 🙂

Dennoch hatten wir super schöne Momente in der Anlehnung und er galoppierte wieder auf beiden Händen auf einen Hauch an. Auf einen Hauch zuviel sprang er allerdings rasant in die Luft 🙂

Wir konnten aber wie immer entspannt und zufrieden aufhören. Der größte Teil von Dóns Aufmerksamkeit war allerdings immer noch bei den Zwergen. Er lauerte ständig, ob die nicht irgendwo auftauchen würden. Die müssen wir wirklich mal gründlich miteinander bekannt machen!

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Freitag, 12.2.

Dón hatte wieder etwas mehr Freizeit, als ihm lieb war – er war geimpft worden. Frei stehend auf der Stallgasse, ich knuddelte sein Maul (er liebt es, wenn ich mit den Fingerknöcheln gegen seine Zähne klopfe oder seine Maulwinkel mit den Handballen durchwalke. Also ein paar seltsame Gelüste hat er schon…), die Tierärztin konnte einfach so spritzen, er hat das nicht mal mitgekriegt. Und wenn doch, hat er das zumindest nicht erkennen lassen. So muss das sein!

Er durfte wieder auf dem Platz bleiben mit Merlin, während ich Nacariño ritt. Das hatte ich vor zwei Tagen schon so gemacht und da versuchte er verzweifelt, das schräg an der Wand lehnende Podest herunterzubekommen. Blöderweise fraß er es auch an, aber auch mit den Zähnen bekam er es nicht von der Wand. Wie weiß ich nicht, aber er schaffte es schließlich, das ganze Ding so umzuschmeißen, dass es falsch rum lag und nun eine Kiste bot. Da stand er dann natürlich auch prompt drin.
Während ich nachher Merlin ritt, reichten sich Dón und Nacariño den (reparierten!) Hocker hin und her. Den hoben sie echt einen Meter hoch und trugen ihn da rum. Den hatte ich extra nach dem Aufsitzen umgeworfen, damit sich nicht wieder einer draufstellt.

Wohlweißlich hatte ich den beiden das Podest also heute gleich richtig hingestellt – und den Hocker ganz aus der Gefahrenzone genommen. Zum ersten Mal stellte Merlin sich von alleine frei drauf und schließlich – ich hatte es leider selbst nicht gesehen, aber eine Einstellerin erzählte es – standen Merlin und Dón gleichzeitig drauf! Und sie meinte auch, Dón habe versucht, sich mit allen Vieren drauf zu stellen – hihi, ich habe immer mal, wenn er günstig stand, das eine oder andere Hinterbein draufgestellt. Belastet hat er das noch nie, aber er soll eine Idee für die Bewegung bekommen. Und das hat er nun wohl selbst ausprobiert. Einerseits musste ich mich auf Nacariño konzentrieren, andererseits war es einfach zu witzig, Dón und Merlin zu beobachten.

Merlin kommt ohnehin immer mal an, wenn ich reite, geht ein Stück mit oder lässt sich kraulen. Heute rief ich Dón mit dazu, der gerade so anhänglich und verspielt ist, dass er sofort kam, allerdings beweist er (nanu??) einen Heidenrespekt vor Nacariño – eine Bewegung und Dón geht weg. Ich hielt also meine weiße Dominanz im Zaume und bespaßte Dón von da oben, der immer mehr Zutrauen zu der Situation bekam. Schließlich chillte Nacariño vor sich hin, während Dón und Merlin ihre Köpfe auf meinem Schoß bzw. auf Nacariños Kruppe hatten und sich kraulen ließen.

Dón darf weiterhin in der Stallgasse frei laufen und wird – zum einen durch die Kastration, zum anderen aber wohl auch, weil ich ihm immer mehr Freiräume zugestehe – immer entspannter. Er kann in Null Komma Nichts aufdrehen und seine ganze Aufmerksamkeit noch immer geballt auf etwas richten, er kann sich aber auch blitzartig wieder runterfahren und ehrlich entspannen. Er hat einfach ein großartiges Temperament und wird immer anhänglicher und süßer. Blödes Wort, mir fällt aber gerade kein passenderes ein. Er ist einfach süß, so! 🙂

Es gibt eine App namens „Super-Photo“, mit der kann man solche Spielchen machen:

SuperPhoto_160206005010 

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Sonntag, 14.2.

Nic ritt Navarre und ich kam mit Dón dazu. Er hielt den zwar unter Beobachtung, wurde aber nicht grell. Dón war rittig, weich, gehorsam, der Trab verliert nun vollends dieses Laufende und wird immer federnder, ich bekam wieder ein Angaloppieren auf ein reines Anziehen der Oberschenkel- und Po-Muskulatur – und dabei ist es inzwischen völlig egal, ob rechts oder links. Anfangs brauchte ich ja völlig verschiedene Hilfen für die beiden Hände und rechts war oft Glückssache. Das ist total vergessen. Er war aufmerksam und durchlässig, ich ritt ein paar Übergänge Trab – Halt – Trab und bat ihn, dabei rund zu bleiben, was er auch tat. Als Navarre und er dann einmal ein kleines bisschen zu eng aneinander vorbei trabten, wusste ich, wie ich bei ihm die Passage ansetzen muss – einfach auf Navarre zu traben 🙂
Da waren drei großartige Tritte dabei!

Wir passten auf, ließen den Abstand aber bewusst langsam weniger werden. Alles war gut, einmal im Trab grollte ich Dón an, als er androhte, auf Navarre zuzuspringen. Und dann galoppierten wir aufeinander zu. Und da zog Dón sich aber doch merklich zusammen und machte sich sprungbereit. Ich brüllte ihn so plötzlich an, dass nicht nur er jegliche Angriffslust spontan verlor und komplett leugnete, auch Navarre brach zusammen und machte sich vom Acker. Wir lobten und lachten und passten beim nächsten aufeinander-zu-kommen vermehrt auf, Dón blieb auf Hab Acht (mehr vor mir als vor Navarre) und gehorsam, und dann wagten wir einen zweiten Galopp aufeinander zu mit eigentlich genügend Abstand, aber Dón zog den Steert ein und drehte ein paar Meter vor Navarre schlicht um. Bevor ich ihn nochmal so anbrülle, haut er lieber gleich ab! 
Ich kuschelte ihn wieder friedlich, wir trabten mit Abstand aneinander vorbei, alles war wieder gut. Dón dachte nicht mehr im Traum daran, Navarre auch nur böse anzugucken.

Ich bekam schließlich sowas wie eine Pseudo-Linkstraversale, die mich sehr freute, und da rechts ja noch so überhaupt gar nicht geht, sich links aber gerade erkennbar und gut anfühlte und Dón einen einfach tollen Schenkelgehorsam zeigte, ritt ich einfach los, ließ ihn gar nicht nachdenken, sondern einfach in eine Rechtstraversale gehen. Alles im Trab, versteht sich, denn da bietet er das mehr als im Schritt. Da kommt er wohl zu sehr zum Überlegen:-)
Kurz darauf fiel ich ihm quietschend um den Hals – auch die Rechtstraversale war fühlbar gewesen! Keine Ahnung, wie das von außen aussieht, bestimmt noch nicht nach dem, was es mal werden soll, aber das ist mir grad mal sowas von egal – die Traversalen werden kommen. Die Idee ist da (also in mir, in ihm noch nicht so), und wenn ich gute Momente erwische kann ich sie einfach rauslassen. Ich will dabei nie in’s Drücken und Schieben kommen, er soll sie tanzen, also muss ich Angebote und gute Momente abwarten und dann annehmen. Witzig, dass sich ein derart langbeiniges, bewegliches Pferd mit dem Übertreten so schwer tut! Egal, zum ersten Mal war rechts fühlbar… Kreisch!!!

Wir standen hinterher noch zusammen und quatschten und waren so begeistert von unseren tollen Pferden. Dabei richtete ich Dón erst gegenüber von Navarre aus, die beiden steckten sofort die Nüstern zusammen. Wir passten auf die bei beiden sehr beweglichen Vorderbeine auf. Dón entspannte sich immer mehr, wurde immer zärtlicher, und schließlich standen sie ganz dicht beieinander und erzählten sich auch irgendwas.
Wir müssen jetzt mal einen Tag schönes Wetter haben, dann lassen wir die beiden zusammen laufen. Mit der Kamera im Anschlag natürlich! Jetzt war uns so kalt (es schneite…), dass wir die Pferde wegbrachten und noch einen heißen Chai zusammen tranken. Das Zusammenlassen läuft uns ja nicht weg. Und die gute Vorbereitung in Form von „immer wieder mal ein bisschen“ wird sich bestimmt bezahlt machen!

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Dienstag, 16.2.

Traumwetter! Kalt, aber wunderschön. Ein Tag, der nach der Kamera schrie 🙂
Und so habe ich meine Jungs ein wenig angehübscht und fotografiert.
Sie sind sooo schön…
Erstmal genoss Dón natürlich seinen Stallgassen-Freilauf.

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Danach ließ ich sie auf den Platz. Der war inzwischen aufgetaut und so sauten sich die beiden so richtig ein. Eigentlich war noch eine Handpferde-Runde durch’s Gelände im Plan, aber das verwarf ich nach der Wälzatacke. Feuchter, krümeliger Matsch – na, dann sei ihnen der Spaß gegönnt… So machte ich auf dem Platz noch ein bisschen war, nahm mir mal denen einen, mal den anderen (und mal den dritten, Merlin war auch dabei) und fragte immer mal irgendwas an. Bei Dón stand das Kompliment mal wieder im Vordergrund, mache ich ja nicht oft, bei ihm jetzt vielleicht zum vierten Mal überhaupt, er hat da weder ein großes Verlangen nach, noch zeigt er übermäßiges Talent dafür. Er ließ sich einige Mal so auf Halbmast sinken, nicht bis zum Ablegen des Röhrbeins, aber immerhin ein spürbares Sinkenlassen auf meine haltende Hand. Aber eine Idee, was das werden soll, scheint er dabei nicht zu haben. Scheint ihm auch ziemlich egal zu sein 🙂

Er wollte nun aber unbedingt bei allen mitspielen und wurde immer anhänglicher und witziger. Ich hatte kein Haargummi und so sah ich nichts, wenn ich bei einem anderen Pferd irgendwas mit Blick nach unten machte – prompt schlängelte sich Dóns Oberlippe dazwischen. Wahlweise steckte er mir die Zunge ins Ohr. Er wurde reichlich aufdringlich mit kurzen erotischen Anwandlungen, da musste ich dann mal kurz energisch werden.

Übrigens ist sein größtes Vergnügen im Moment ja Widerrist kraulen. Also wenn ich den kraule. Kennt von Euch noch jemand den Ameisenbär Elise?? Dón kennt sie!!

Ameisenbär ameisenbaer

Was für ein schöner Vormittag mit den tollen Jungs. Wir genossen das Wetter. Ich machte schließlich noch ein Bild von beiden zusammen (nein, ich machte natürlich mehrere, aber das hier ist gut geworden…), und da halfen die beiden Shettys, die auf dem Platz liefen. Dón reagierte dieses Mal verblüffend cool, es war offenbar gut, dass er Erik letztes Mal so in Ruhe anstaunen durfte. Beide schauten die aber nun mit großen Augen an, wollten allerdings auch unbedingt da hin. Die Kamera täuscht mir immer vor, die wären noch viel weiter weg, dabei stehen sie mir fast auf den Füßen 🙂

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Dienstag, 23.2.

Eine schlecht gewählte Reihenfolge aus zu viel zu tun, Sauwetter und einem grippalen Infekt sorgt derzeit leider wieder für eine Zwangspause… Bald starten wir wieder durch!

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Montag, 29.2.

Nachholbedarf! Ich war wieder so weit fit und wollte unbedingt auf’s Pferd. Freitag ritt ich beide, und es war schon deutlich, wie unterschiedlich sie mit (Zwangs-)Pausen umgehen. Dón war überhaupt kein Unterschied anzumerken, ich hätte auch gestern draufgesessen haben können. Er war fleißig, eifrig, ungeheuer fein – dieses Pferd fängt jetzt schon an, Gedanken zu lesen, er versucht, aus allen meinen Gedanken etwas zu machen im Rahmen seiner Möglichkeiten, ich muss also höllisch aufpassen, was ich denke und plane. So gab es einen großartigen Moment: er galoppierte ungeheuer fein und leicht an, so dass mir kurz ein fliegender Wechsel durch den Kopf blitzte. Wagen? Wenn, dann von rechts nach links, da das angaloppieren links noch lässiger gelingt, auch wenn rechts wirklich nicht mehr problematisch ist. Aber links fällt eben noch leichter. Ich galoppierte rechte Hand auf dem Zirkel, der Galopp fühlte sich super an, ich dachte kurz über den Wechsel nach und schon wurde der Galopp anders. Kantiger, eckiger, Dón suchte nach der Aufgabe. Ich ließ den Gedanken also sofort wieder fallen und ließ den Galopp erst wieder lässig werden. Nun versuchte ich, den Gedanken bei der nächsten Runde nicht bis zu Dón durchdringen zu lassen, wechselte möglichst unauffällig aus dem Zirkel und gab so behutsam wie möglich, aber dennoch deutlich die Hilfe für den Linksgalopp. Dón sprang sofort und sauber um.

Zalando!!!! Ich hätte schreien können. Ich fiel ihm um den Hals, er bekam einen Keks, er wusste nicht so Recht, wofür genau, spürte aber sehr wohl, wie großartig ich ihn mal wieder fand.

Und nun der typische Zwiespalt – nochmal und absichern? Oder nochmal und kaputt machen? Oder es dabei belassen? Letzteres, dachte ich, ritt wieder an, ließ ihn einfach so nochmal rechts anspringen (lässig…) und dann lockte der Moment doch einfach zu sehr. 50/50-Chance für Erfolg oder Misserfolg. Gleiche möglichst unauffällige Vorbereitung, gleicher Punkt, gleiche Hilfe, gleiche Reaktion. Wieder sprang er sauber um.

Und jetzt siegte die Vernunft, ich fiel ihm erneut um den Hals, es gab einen weiteren Keks, und wir gingen noch die kleine Hofrunde. Damit war Schluss. Insgesamt hatte ich vielleicht zwanzig Minuten drauf gesessen. Aber die Zeit in Minuten ist es ja auch nicht, worauf es ankommt, sondern das, womit diese Zeit gefüllt wird. Dieses fantastische junge Pferd war zwei fliegende Wechsel gesprungen und ich grinste im Kreis.

Am Samstag ritt ich wieder, na klar kreisten meine Gedanken um einen erneuten Wechsel. Na klar dachte Dón mit, wurde unsicher, spürte, dass ich irgendwas vorhabe und mich auf etwas konzentriere, was für ihn noch nicht sicher ist. Und so versemmelte ich den ersten Versuch auch so blöd, wie man einfach nur sein kann. Gleiche Stelle, gleiche Erwartung, aber ich gab die Hilfe so übertrieben, dass Dón erschrocken davon schoss. Mann, kann ich blöd sein. Ich entschuldigte mich wortreich, lullte Dón wieder ein, und dann machte ich es nochmal ordentlich, ganz ruhig, ganz behutsam, einmal stellte ich die Idee nochmal zurück, als ich merkte, Dón denkt mit und wird heiß und unsicher, ich lullte erneut ein, sorgte dafür, dass er sich wieder loslässt, den Hals lang macht, sich wohlfühlt.
Und dann ritt ich konzentriert und mit dem entsprechenden Gefühl und aller Reaktionsschnelle, die ich habe, das Ganze nochmal – und Dón sprang um.

Ich lobte wie verrückt und beendete unseren Ritt mit einem schönen, lockeren Trab mit langem Hals und tiefer Nase. Also sein Hals und seine Nase 🙂

Das ist das, was ich will und brauche, und er hat es: bei ihm liegen Genie und Wahnsinn ganz dicht beisammen, einfach weil er so ungeheuer feinfühlig und empfindsam ist, dabei aber jetzt schon anfängt, spürbar mitzudenken und Gedanken lesen zu wollen. Unglaublich. Dieses Pferd wird irgendwann über Gedanken, Atmung und Blickwendungen steuerbar sein, aber ich muss mich zusammenreißen auf dem Weg dahin. Er bekommt ganz schnell Angst, wenn er meinen Gedanken noch nicht verstehen kann. Einfach weil er noch nicht weiß, was sich dahinter verbirgt. So ist sein Trab ja noch relativ einheitlich im Tempo, auch wenn dieses Pony-Gestrampel vom Anfang langsam wirklich weg ist. Das kommt nur noch durch, wenn er sich aufregt, ansonsten hat der Trab schon einen schönen Rhythmus und Schwung. Denke ich nun aber an mehr Versammlung, stelle ihn mir kadenzierter vor, frage die Hinterhand nach mehr Winkelung und bitte ihn insgesamt um mehr Grundspannung und darum, sich mehr zu tragen, versucht er im besten Fall, diesem Wunsch im Rahmen seiner Möglichkeiten gerecht zu werden, und das ist ein Müh entfernt von dem Moment, in dem es kippt und er sich aufregt, weil er meint, den Anspruch nicht erfüllen zu können oder etwas falsch zu machen. Er kann überhaupt nichts falsch machen, aber das ist ihm noch nicht so klar. Ich muss also ungeheuer schnell sein mit Lob und Bestätigung und sehr vorsichtig mit meinem Anspruch. Dieses Pferd wird alles erfüllen, ich darf ihm nur das Ziel noch nicht zu genau mitteilen. Sonst will er gleich da hin und wird deprimiert, wenn er es (noch) nicht kann. Puh, und das mir – dieses sich entwickeln lassen, kommen lassen, das ist zwar toll und fühlt sich großartig an, aber ich bin dem eben doch meist ein Stück voraus. Bei diesem Pferd muss ich aufpassen, wie sehr ich was konkretisiere. Also Traversalen darf ich schon massiv konkretisieren, um auch nur einen Hauch zu bekommen 🙂
Aber fliegende Wechsel zum Beispiel darf ich mir eigentlich nicht mal vorstellen, die darf ich mit Glück entstehen lassen, aber konkretisieren darf ich sowas noch nicht. Da kommt doch wieder die Frage auf, wer hier wen mehr erzieht, er mich oder ich ihn 🙂

Der Sonntagvormittag war einfach nur traumhaft schön, sonnig, kein Wind, es war ein purer Genuss. Und wir genossen die Zeit mit unseren tollen Pferden.

Dón war energiegeladen (na, hatte ich da jetzt Geister gerufen…?) und wollte unbedingt los, das wurde natürlich keineswegs besser, als vor dem Platz Navarre, Flamenco und Haflinger Sterni rumstanden und Klönschnack hielten. Er behielt die drei sehr genau im Auge und powerte sich immer mehr auf. Ich verwarf also jeglichen Gedanken an fliegende Wechsel und ähnlichen Spielkram und sah zu, dass er sich loslässt und den Hals lang macht. Das führte aber dazu, dass sein Trab wieder so ein gelaufenes Gewusel wurde, also musste ich ihn, um die gewünschte positive Grundspannung zu bekommen, doch erst wieder aufrichten und genauer einrahmen. Das tat ich, während er sehr genau beobachtete, was die drei anderen da trieben. Die trieben gar nichts, ich hingegen wäre gerne mehr zum Treiben gekommen. Und so fasste ich Dón mal ein bisschen an. Jetzt mal hier konzentrieren! Zum ersten Mal überhaupt spürte ich nun, wie Dón sich links so richtig fest machte. Er wollte unbedingt die drei Jungs beobachten, ich bestand auf Linksstellung. Nun musste ich sehr aufpassen, wie sehr ich darauf bestehe, dass er sich nach links stellen lässt, ohne ihn gegen mich aufzubringen. Das war ein verdammt schmaler Grat. Ich ging den Kompromiss ein und bekam die Festigkeit links leider auch bis zum Schluss nicht mehr vollständig aufgelöst, sah das aber nicht als großes Problem an. Er muss ja auch damit umgehen lernen, dass andere Pferde da sind, und das hat sich massiv verbessert. Von daher kann ich das nun mal gut hinnehmen, dass er sich da ein bisschen dran aufgehängt dieses Mal, das wird sich wieder auflösen lassen.

Blöd war allerdings und ein deutlicher Warnschuss für mich, dass er einmal auf dem Zirkel auf der rechten Hand im Galopp zehn Meter vor dem Punkt, an dem ich ihn an den Tagen zuvor hatte wechseln lassen, wie angestochen davon schoss, ohne dass ich bewusst zuvor an einen Wechsel gedacht hatte. Er allerdings hatte angefragt, ob ich das vom Vortag noch mal möchte, von mir kam keine Reaktion (oder eine, die mir nicht bewusst war) und er schoss sicherheitshalber mal davon. Er ist also leicht in Panik zu versetzen, wenn er sich mit irgend etwas überfordert fühlt, und so leicht und sicher er auch umgesprungen sein mag, so wenig sicher fühlt er sich mit der Idee des Wechsels.
Also muss ich damit und mit ähnlichen Dingen ungeheuer vorsichtig umgehen, was ich nun auch zu tun gedenke.

Wofür die reichlich hohe Grundspannung allerdings gut war – im Schritt bekam ich die ersten wirklich fühlbaren Linkstraversalen! Und da auch endlich wieder mal jemand da war, der den Auslöser betätigen konnte, entstanden an diesem Tag ein paar Fotos:

Traversalen im Schritt und – durchaus auch schon erkennbar – im Trab!17 . 18

Dón behielt die Jungs am Einritt gut im Auge…
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Na gut, wer glotzen kann, kann auch arbeiten! Zum ersten Mal fasste ich Dón ein bisschen kerniger an. Meine Güte, ist er schön geworden… Und er fühlt sich so kraftvoll an!22 . 19

Schließlich ließ Dón sich wieder mehr los und entspannte sich langsam.23

Und dann war die Dehnungsbereitschaft auch wieder da!24

Toller großer Junge…!
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Heute war es zwar eisig kalt, aber wunderschön sonnig. Und so war eine Handpferde-Runde angesagt, bei der mir allerdings das Gesicht fast einfror. Egal, schön war’s trotzdem, beide waren anfangs sehr kernig, aber ich konnte Dón dennoch über weite Strecken einhändig reiten. Später nahm ich dann aber lieber doch mal beide Zügel in die Hand, als Nacariño gut mitlief, um Dón mal mehr einrahmen und um Dehnung bitten zu können. Auf dem Rückweg ließ Dón sich dann wunderbar los und machte sich lang im Trab. Beide brummelten vor sich hin, zu süß. Im Schritt schließlich gingen beide einmal bestimmt 300 Meter im Gleichschritt, und dieses Geräusch auf dem Asphalt war einfach Wonne pur. Das war so schön! Ich konnte den Zügel fast hingeben, Dón wurde immer gelassener, wir kamen total entspannt zu Hause an.

Ich ließ ihn noch auf einen quer liegenden Baumstamm steigen, das machte er auch anstandslos, Nacariño war gerade zu abgelenkt, um sich mit draufstellen zu können.

Dón war kuschelig und zufrieden. Er nimmt langsam sichtbar zu, wird runder, sieht einfach nur gut aus und fühlt sich sichtlich wohl. Es war eine tolle Erfahrung, ihn mal so wie gestern anfassen zu dürfen, so lange wie gestern habe ich ihn noch nie geritten. Das waren gute 45 Minuten, so lange sitze ich sonst nicht drauf, zumal nicht mit so viel „Go“.
Aber auch das geht nun, wobei ich nicht vorhabe, das zur Regel werden zu lassen. Diese Entspannungsritte wie heute sind ungeheuer wichtig, denn Dón würde sehr schnell eine Erwartungshaltung entwickeln, wenn ich ihn ein paar Mal hintereinander mehr fordern würde. Siehe fliegender Wechsel, da war’s ja schon zu sehen, dass er eine Erwartungshaltung entwickelt hat. Damit muss ich bei ihm also sehr aufpassen. Hochfahren kann man den offenbar immer, da ist Temperament genug drin, ich muss also sehen, dass ich dafür sorge, ihn auch immer wieder „abschalten“ zu können, egal wie reizvoll seine Power-Momente natürlich sind. Ach, was für ein wunderbares Pferd…

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