März

Donnerstag, 3.3.

Gestern habe ich Dón mit auf den Platz genommen, während ich Nacariño geritten habe, und im Anschluss Dón mal als Handpferd genommen. Oha! Das fand der überhaupt nicht komisch, er hatte einen Heidenrespekt vor Nacariño (nanu??) und wollte überhaupt nicht mitgehen. Ich zog also 500 kg Lebendgewicht hinter mir her, während Nacariño natürlich immer zappeliger wurde und sich blitzartig hin und her drehte, weil ihm das auch nicht geheuer war. Gar nicht so einfach! Ich saß nochmal ab, nahm die Gerte dazu, um Dón nachtreiben zu können. Das bezog Nacariño natürlich auf sich, machte höchst interessante Bewegungen, die Dón noch mehr auf Abstand hielten. Mein Arm wurde lang und länger. Ich kam zwar schließlich zwei, drei Runden um den Platz, aber in dieser Konstellation macht das keinem von uns Dreien wirklich Spaß. Spannend, wie unterschiedlich das doch sind kann! Dón durfte also wieder frei laufen, holte sich mal sehr auf Hab Acht vor Nacariño einen Keks ab und war ganz zufrieden damit, dem beim Arbeiten zuzugucken.

Heute nur eine ruhige Runde, ich war etwas geschafft von Nacariño, den ich direkt zuvor geritten hatte und der wiederholt die Contenance verloren hat.

So merkte ich, wie ich mich erschreckte, als die Enten mit ihrem Frühsport weitermachten. Dón zuckte zwar zusammen, mehr aber auch nicht – aber ich zuckte unverhältnismäßig doll, noch geprägt von dem Ritt davor auf dem wilden Weißen, was Dón natürlich komisch fand und ihn veranlasste, dann doch lieber mal ein bisschen genauer hinzugucken am Teich. Aber es war ja Dón, also entspannte ich mich und er sich daraufhin auch. Die Enten entspannten sich auch langsam, so dass ich zum Reiten kam und einmal ein traumhaft schönes Angaloppieren aus dem Schritt bekam – und zwar an der Stelle, an der vor ein paar Tagen der fliegende Wechsel gelegen hatte, den ich nun in weite Ferne geschoben hatte. Dón lauerte einmal kurz, von mir kam nichts, also hörte er auch auf zu lauern. Und dann kam dieses wunderbar leichte Angaloppieren. Schmelz…

Im Trab ist die Anlehnung im Moment recht wackelig – also genau genommen nicht die Anlehnung an sich, aber er verändert mit ungeheurer Geschwindigkeit seine Halslänge. Er hat eine großartige Dehnungsbereitschaft, zieht allerdings eher noch ruckartig und eben schnell wechselnd nach vorne unten. Das macht ne lockere (Reiter-)Schulter 🙂

Ein paar hundert Meter von unserem Stall entfernt ist ein Traber-Stall. Als wir noch die kleine Hofrunde gingen, sah Dón dort zwei Traber auf der Bahn. Das war spannend. Die kahlen Bäume lassen gerade einen ziemlich ungehinderten Blick zu. Da standen wir also und guckten denen eine Weile zu, dann ging Dón auch entspannt weiter. Seine Entspannung beim Anblick anderer Pferde hat sich massiv verbessert. Er muss alles noch genau wahrnehmen und will da auch hin und wird auch noch mal zappelig, aber kein Vergleich mehr zu diesem testosterongesteuerten Sturm-und-Drang-Pferd, das mich dann einfach da hinzerren wollte und möglichst auch immer noch den Stall zusammentrompetet hat dabei. Ich kann auch inzwischen einfach so mit den anderen auf dem Platz reiten und mache mir darüber keine großen Gedanken mehr – nur Lilly oder Tina waren noch nicht auf dem Platz, wenn Dón drauf war. Das könnte noch immer spannend sein 🙂

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Freitag, 4.3.

Ich hatte mich lange im Stall aufgehalten und es war happig kalt, so dass ich Dón, der schon jedes Mal, wenn ich die Stallgasse betrat, geradezu an die Tür sprang und danach lechzte, jetzt etwas machen zu dürfen, nicht am Ende des Tages mit einem „Tschüss, bis morgen“ abfertigen konnte. Und so nahm ich ihn noch raus für eine kleine Geländerunde.

Er war aufmerksam, aber entspannt, guckte hier und da, zuckte auch mal, ging aber einfach brav überall hin und hatte immer ein Ohr bei mir. Ein Weg lud zum Galoppieren ein, nachdem wir ein wenig auf Asphalt getrabt waren und ich wieder das Geräusch seiner Hufe genoss. Toll vor allem die Veränderbarkeit dieses Geräusches je nachdem, wie (s)ich seine Haltung veränderte. Mit rundem Hals und tiefer Nase klang der Rhythmus getragen und schön, musste er sich die Gegend umgucken klangen seine Hufe etwas wuselig.

Den leider recht matschigen Weg galoppierten wir also, Dón war wunderbar händelbar, rundete ab und zu mal den Hals (und fühlte sich dann einfach toll an), machte mit Kulleraugen einen möglichst großen Bogen um einen am Rand liegenden Müllsack und ließ sich federleicht durchparieren. Ich drehte um, ritt den Weg zurück, bot ihm noch einmal den Galopp an – und nun zog er aber an! Ok, heimwärts also aufpassen und nicht schnell werden lassen! Er war kernig und galoppierfreudig, der Bremsweg wurde deutlich länger als der erste und ich musste deutlich mehr zufassen. Als er dann trabte, holte er sich so ganz unauffällig noch einen kleinen Galopp, den ich sofort wieder einfing, um ihm gegenüber zumindest den Schein von Kontrolle zu wahren. Klappte.

Zurück mit noch ein bisschen Trab und einem immer entspannteren Schritt, so dass wir höchst gelassen und zufrieden nach Hause kamen. Jetzt war es aber auch wirklich kalt. Mir zumindest.

Dón wird immer eifersüchtiger. Wenn ich Nacariño auf der Stallgasse laufen lasse, beißt er nach ihm, wann immer er kann; gehe ich mit ihm raus, wandert er wie früher in seiner Box hin und her. Das wird im Tagesverlauf besser, aber insgesamt scheint sich seine Eifersucht zu steigern. Kann interessant werden, wenn ich mit beiden losfahre. In einer Woche bin ich schlauer, was das angeht! 🙂

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Montag, 7.3.

Nachdem ich bei Nacariño schon ein bisschen probiert hatte, was ich bei Krämer vielleicht würde zeigen können, nahm ich auch Dón nach dem Reiten noch einmal kurz an die Hand. Er war mir beim Reiten, was sehr entspannt anfing, einmal abgehauen, weil irgend etwas hinter ihm ihn erschreckt hatte, danach war er sehr dynamisch. Ich hatte anfangs das Gefühl, dass er mich schief setzt und links höher ist, dachte mir aber, dass Nacariño mich direkt zuvor mal wieder so verbogen hat, wie er es ja manchmal tut.
Dóns Rücken fühlte sich nach und nach gleichmäßiger an, allerdings war er wieder in seiner linken Seite nicht so nachgiebig wie rechts. Nicht so doll wie vor ein paar Tagen, aber schon spürbar. Ich ließ ihn also so gewähren in Stellung und Biegung, wie er es konnte, ohne ihn da noch mit einem Anspruch an „mehr“ zu stressen, so dass er sich dadurch immer mehr entspannen konnte. Das gelang – am Ende war kaum noch etwas von der Festigkeit zu spüren. Nicht problematisieren…

Seine Dynamik führte zwar zum Einen dazu, dass ich wieder mit federleichten Hilfen zum Antraben und Angaloppieren auskam, ich hatte allerdings phasenweise relativ viel in der Hand, er war Sturm und Drang, und als die Gerte ihn einmal minimal berührte, keilte er herzhaft danach aus. Er war echt gut drauf! Also, wie so oft: zum Treiben und zum Loslassen kommen. Das dauerte einen Moment und ich nutzte diese Zeit, ihn im Trab ein wenig zu spannen. Er machte toll mit, bemühte sich sehr um eine beginnende Kadenz, fiel nochmal kurz in seinen Wuseltrab, nahm die Spannung dann aber auch sofort wieder konzentriert an. Er fühlt sich toll an, wenn er sich so spannen lässt. Ich mache das immer wieder mal über maximal eine Runde, eher weniger, lasse ihn dann daraus ein wenig vor und länger werden, fällt er dabei wieder in das Wuseln, spanne ich neu, hält er die Grundspannung auch, während er sich loslässt, greife ich nicht ein sondern lasse ihn machen. So kann er die Spannung irgendwann immer länger halten – und wird danach auch ein Bedürfnis bekommen, weil es sich schließlich auch für ihn gut anfühlt. Aber das müssen sie eben erst lernen mit der Zeit.

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Er gab sich toll Mühe, war eifrig und dynamisch, der Galopp fühlte sich toll an, als er sich hier wieder mehr losließ, und schließlich waren sie da, diese tollen Übergänge, die nur aus einem Ansaugen durch die Oberschenkel oder Pobacken zu fließen scheinen, an denen der ganze Körper beteiligt ist, die spüren lassen, was echte Durchlässigkeit ist. Geil…!

Wir hörten zufrieden auf und ich nahm auch ihn noch einen Moment an die Hand. Er war eifrig und ganz schön grell, wollte sich bewegen. Schulterherein und Traversale deutete ich an, aber nicht zuviel, damit er sich entspannen konnte bzw. nicht noch mehr hochfuhr.
Seine Bewegungsfreude war für den Spanischen Schritt aber genau richtig, der kam so gut und rhythmisch wie gefühlt noch nie. Das war klasse!
Ich fragte also noch nach halben Tritten, und auch wenn er dabei im Hinterbein noch leichter und flinker werden darf, ist doch toll zu sehen, wie sehr er sich inzwischen verkürzen kann – und dies auch anbietet. Er haut zwar immer nochmal nach der Gerte, das ignoriere ich aber völlig, ich versuche dann, unterm Bauch das äußere Hinterbein zu berühren, um ihn innen nicht noch zu provozieren. Stimme alleine reicht leider noch nicht. So bekam ich ein paar sehr schöne Ansätze zu verkürzten Tritten.

Er durfte noch steigen und machte das wirklich großartig. Die Angst hat er total verloren. Es ist ihm nicht geheuer, wenn Nacariño dabei ist und beide gemeinsam steigen sollen, aber alleine macht er das wunderbar. Kommt er zu dicht, lässt er sich sofort wieder auf Distanz schicken, das griffige Angriffsverhalten und die entsprechende Mimik vom Anfang sind einer gebannten Aufmerksamkeit gewichen. Das muss mal wieder jemand fotografieren – von vorne sieht das so toll aus, das muss von der Seite eigentlich inzwischen auch imposant aussehen!

Auf dem Weg zurück in den Stall wollte ich ihn noch auf einen der Stamm-Brocken stellen. Der erste kippelte schon, als er den darauf stehenden Huf nur ansatzweise belastete. Damit der unter ihm nicht wegrollt, suchte ich einen anderen, stellte seinen Huf so drauf, dass der schon mit voller Fläche auftreten und mittig stehen konnte, und bat ihn hoch. Er belastete den Huf, hob den anderen, der Stamm rollte in Zeitlupe nach vorne, Dón wurde lang und länger und es rollte ihm schlicht die Vorderbeine nach vorne weg, und nun zeigte sich seine ganze durch solche Spielereien erworbene Coolness: er konzentrierte sich, ließ den Stamm rollen, kam irgendwann ja am Boden auf, stellte sich hin, setzte in Ruhe die Hinterbeine nach und stand mittig über dem Stamm. Ohne dass ihm auch nur der allergeringste Schreck anzumerken gewesen wäre. Großartig, so brauche ich das!
Dass dieses Pferd so nervenstark geworden ist! Das war am Anfang nicht abzusehen, zumindest nicht in der Geschwindigkeit. Für mich zeigt sich darin aber auch sein fantastischer Grundcharakter und wie gut wir zusammen passen. Sonst hätte er sich nicht derartig auf mich einlassen können. Ach, immer wieder schön…!

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Dienstag, 8.3.

Mir war nicht nach Reiten, und so nahm ich Dón am Kappzaum an die Longe. Boah, ist der albern! Nicht nur, dass er mir vorher im Stall ständig meine Flasche klauen wollte – kaum sah er, dass ich eine Flasche da habe, wollte er die haben. Nachdem er mir letztens einen halben Liter Punica weggesoffen hatte (davon gibt es einen zu witzigen Film), hat er die heute nun aber nicht gekriegt und fand das doof. Ich muss ihm da wohl mal wieder was harmloses anmischen. Nicht gerade Punica 🙂

Nachdem ich sein Steigen so toll fand, wollte er heute gleich damit anfangen. Ich hatte ihn ja lange nicht mehr an der Longe und so drehte er sich wiederholt zu mir um und stieg. Sah toll aus, war jetzt aber einfach mal nicht gewünscht. Es war aber auch gar nicht so leicht, auf Entfernung wieder in eine Position zu kommen, aus der heraus ich treiben konnte. Also musste ich erst näher ran, dann ging es. Nach dem zweiten, dritten Mal war dann das Thema auch durch, aber einen Versuch war es allemal wert, meinte Dón 🙂

Er galoppierte schließlich nur auf einen Doppelschnalzer sogar aus dem Schritt an, total toll. Ich machte nicht lange, nahm ihn danach noch an die lange Seite für halbe Tritte.
Oha, da habe ich mit Kappzaum aber phasenweise nicht viel zu sagen. Er war krawallig (und sah dabei einfach zu toll aus), dachte nicht gerade an eine trabartige Bewegung, sondern eher an eine springende. Nach vorne. Unsere Ideen gingen also doch ein wenig auseinander. Ich hielt einfach mal eine komplette Runde durch, der Hufschlag war soweit abgetrocknet, dass das ging, und wechselte immer wieder antreten und halten. Und tatsächlich kamen dadurch nachher ein paar federnde verkürzte Tritte heraus. Die lobte ich zwar sehr, aber Dón hörte nicht wirklich zu, wofür das gemeint war, er war pur albern, fing an zu schnappen und wollte mich unbedingt zum Spielen reizen. Wäre gar nicht ungefährlich, mich auf sein Spiel einzulassen, da fliegen dann ja auch schon mal Zähne und Beine. Ich nordete ihn also behutsam ein, fragte Spanischen Schritt an, der teilweise super war (und er kann es nämlich doch!) und brachte dann Ruhe rein und kuschelte mit ihm. Er beruhigte und entspannte sich und wir gingen noch ein bisschen raus. Ich stellte ihn auf einen Baumstamm („Laaaangweilig!!“) und ging dann die kleine Hofrunde. Schon spannender. Ich machte immer wieder einen Sprung nach vorne und reizte ihn, mitzutraben. Das fand er nach der ersten Überraschung total toll. Ich sah zwar wieder Zähne, nahm das aber hin – zum ersten Mal fing er in dieser Art an, mitzuspielen. Das war ja etwas, wovor er, als ich ihn bekam, regelrecht Angst hatte – neben mir zu traben. Das machte ihm jetzt innerhalb von Sekunden überhaupt nichts mehr aus, er spielte und war völlig fixiert auf meine Bewegungen. Er durfte noch einmal ein bisschen Spanischen Schritt gehen und ließ nochmal die Vorderbeine durch die Luft sausen, dann fuhr ich ihn wieder runter und brachte ihn entspannt zurück in den Stall. Er war sehr kuschelig und gut drauf, das hatte ihm sehr gefallen.

Bei ihm werde ich mit Spiel noch sehr aufpassen müssen, vor allem, wenn ich ihm Freiraum gewähre. Ich sehe ja, wie ungeheuer er sich in der Luft verdrehen kann, wenn die Pferde zusammen laufen. Er machte die verrücktesten Drehungen in der Luft und keilt in alle Richtungen. Wenn er mich damit erwischt, bin ich hin. Also muss ich mich da langsam rantasten, immer den schmalen Grat zwischen Gehorsam und Spiel suchen, bis sich beides nicht mehr ausschließt. Habe ich eine Peitsche bei mir, geht er eher noch weg, mit einer Gerte kommt er auch schon mal an, wenn er frei ist. Mit solchen Dingen spielen wir wieder mehr, wenn es wärmer ist und der Platz trockener… Das macht bei Kälte und Nässe nicht wirklich Spaß. Die Zeit des Spielens kommt also noch!

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Mittwoch, 10.3.

Ich glaube, Dón macht gerade einen Wachstumsschub. Ich finde, dass der Sattel komisch liegt und kann mich nicht entscheiden, ob zu weit hinten oder vorne, er fing ungeheuer ruhig an im Schritt, was an sich nicht ungewöhnlich ist, aber er blieb auch im ersten Trab so. Zudem fühlte sich der irgendwie wackelig an. Ich machte mir direkt Sorgen, beobachtete seine Bewegungen genau, versuchte ihn, so zu reiten, dass er gehen kann wie immer, und nach dem ersten Galopp fühlte sich das auch alles viel besser und „normaler“ an. Diesen ersten Galopp holte er sich selbst, er sprang aus dem Trab einfach so rechts an, und dieses Anspringen war mal wieder „ein Stück Himmel“.
Wie viele Reiter hätten jetzt durchpariert, weil sie doch Trab wollten…
Und wie leicht und großartig kann sich sowas anfühlen, wenn man es zulässt…
Und wie sehr motiviert es das Pferd, wenn es sich einbringen darf…
Das war vor allem nach diesem Galopp zu spüren, als wie gesagt auf einmal wieder alles normal war. Dennoch fällt ihm Biegung im Moment deutlich schwerer als sonst, und da ich das gute Gefühl haben darf, dass es die Zähne nicht sind, die wurden ja im Januar in der Klinik gemacht (ich schätze, dass bis dahin noch nie jemand auf diese Zähne geguckt hat in seinem Leben…), gehe ich davon aus, dass er wächst.

Liebe Jungpferde-Besitzer, was von vielen als „Rückschlag“ eingestuft wird, ist oft gar keiner. Ich kann mir das, wenn ich will, jetzt als Rückschlag schlechtreden, oder ich kann es einfach geschehen lassen und warten und versuchen, meinem Pferd das Leben so leicht wie möglich zu machen. Wir alle sind mal gewachsen, und vielleicht erinnern wir uns selbst nicht mehr, aber wer Kinder hat, weiß, dass Wachsen auch mal weh tun und die Bewegungsabläufe für einen gewissen Zeitraum verändern kann. Meine Jungs werden in diesem Jahr sechs Jahre alt, sind also noch voll dabei mit mal hier ein bisschen und mal da ein bisschen zurecht wachsen. Nacariño deutlich weniger als Dón, der ja mit einem ganz anderen Körperbau daherkommt. Dennoch darfNacariños „fertiges“ Aussehen einen nicht in Sicherheit wiegen, das ist nur eine hübsche Hülle!
Also atme ich jetzt einfach mal aus und lasse sich Dón entwickeln und ihn machen, wie er kann und möchte. Und das heißt eben nicht, dass ich alles wegschmeiße und ihn alleine lasse. Das ist gerade die Zeit, in der der Reiter für das Pferd eine Unterstützung bieten sollte hinsichtlich Anlehnung und Gleichgewicht und wo der Reiter die Riesen-Chance hat, dem Pferd so richtig Vertrauen in den Reiter und das Gerittenwerden zu vermitteln.

Ich fordere also jetzt nichts Neues und keine großen Aktionen wie engere Wendungen oder Verschiebungen des Raumgewinns im Trab oder Seitengänge, was ihm ohnehin schwer fällt und womit ich ihn jetzt überfordern könnte (mental mehr als körperlich), auch wenn das schon mal ging.
Wenn also etwas, was schon mal ging, plötzlich nicht mehr geht, dann immer erst einmal das junge Pferd vorrangig Pferd sein lassen und diese Phase freundlich hilfreich begleiten und warten können. Dann Druck zu machen (das muss aber doch jetzt, das ging doch schon…), könnte das Problem, das noch gar keines ist, zu einem echten machen.
Und dann, ja dann kann es allerdings einen Rückschlag geben, der den Namen verdient.

Da ich es so weit natürlich auf keinen Fall kommen lassen möchte, ist jetzt erhöhtes Fingerspitzengefühl gefragt – der Showreiter in mir verzog natürlich sofort das Gesicht, da Dón ja übermorgen bei Krämer etwas zeigen soll, die (zum Glück vorrangig vorhandene) Liebe zu meinem Pferd machte da aber auch wieder sofort was draus – ich stelle ein junges Pferd vor, also stelle ich ein junges Pferd vor. Mit all‘ dem, was eben passieren kann und so normal ist, und vielleicht ist genau das gerade gut. Vielleicht ist er Freitag der Held, vielleicht mag er sich nicht so frei und leicht bewegen wie sonst. Egal, ich kann ja drauf eingehen und aus allem, was er anbietet, etwas machen.

Super, da will ich zum ersten Mal mit ihm los und er fängt jetzt schon an, das unberechenbar und spannend zu machen. So mag ich das 🙂

Mal gucken, was er morgen sagt, machen will ich reiterlich nichts mit ihm, zumindest nicht auf dem Platz, vielleicht bietet sich eine Runde ins Gelände an. Schaun wir mal!

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Samstag, 11.3.

Gestern hatte Dón frei, ich habe einfach zu viel anderes Zeug gefunden, was man machen kann, und mir für Nacariño entsprechend viel Zeit genommen. Fand Dón nicht gut. Aber er durfte ja heute. Gewaschen hatte ich immerhin gestern schon – und das hat sich auch gelohnt! Heute waren dann nur noch kleinere Flecken zu entfernen. Aber gestern…

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Gestern bei Nacariño hatte ich ja in dem Sinne keine Erwartungshaltung, nur eine Hoffnung (die er mehr als übererfüllt hat). Heute an Dón hatte ich durchaus schon eine Erwartung, bei ihm rechnete ich damit, dass er cool sein und sich durch kaum irgend etwas aus der Ruhe bringen lassen würde. Und natürlich hoffte ich, dass er sich unter dem Reiter möglichst gut zeigen würde, so weit er das eben im Moment kann.

Von etwaige Wachstumsschübe waren denn auch nichts zu spüren – aber der Boden machte Dón deutlich mehr zu schaffen als Nacariño. Das verblüffte mich dann doch. Vielleicht war der Boden aber auch nur, da nach mir ja noch andere geritten waren, noch deutlich schlechter als gestern. Als ich Dón erst einmal den Platz zeigte, war er nur mit der Nase am Boden und ich hoffte auf ein späteres Hinlegen, der Boden störte ihn da beim Gehen noch nicht.

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Er guckte sich interessiert alles an und war wunderbar zu händeln. So hatte ich das erhofft. Er war einfach nur wunderschön anzuschaun und eine anfängliche Aufgeregtheit angesichts der fremden Umgebung legte sich schnell. Auch ihn interessierten die Fahnen überhaupt nicht, die knatterten allerdings auch nicht. Es war feucht-kalt, eine viel unangenehmere Kälte als gestern, aber die Sonne ließ sich zwischendurch blicken und tat dann auch sofort gut.

Ich machte fertig und saß auf und bekam tatsächlich ein funktionierendes Headset!
Und dann stellte ich Dón vor und erzählte ein wenig, worauf ich in diesem ersten Dreivierteljahr, das er nun bei mir ist, Wert gelegt habe und jetzt Wert lege.

Im Schritt war der Boden noch nicht so spürbar und Dón war nach anfänglichem Umschauen fein und leicht wie zu Hause und fast sofort dehnungsbereit.

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Im Trab allerdings schockte er mich – es zog ihm die Füße weg und er war ein paar Tritte regelrecht lahm. Ich ritt vorsichtig darüber weg, erzählte etwas zu Gleichgewicht und Anlehnung und passendem Tempo und Dón fing sich ein wenig und wurde rhythmischer.

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Ich bat ihn um einen Galopp und wollte links anfangen – er wollte rechts. Das verblüffte mich, links mochte er nicht anspringen, rechts gab er sich alle Mühe, die er sich geben konnte, aber das Galoppieren fiel ihm hier ungeheuer schwer. Er tat mir echt Leid und ich hielt den Galopp kurz – so konnte ich etwas zu meinem Pfiff zum Durchparieren erzählen und dass ich möchte, dass meine Pferde darauf und wenn ich die Zügel fallen lasse anhalten. Das klappte hier wirklich 1a, Dón war heilfroh, dem Galopp zu entkommen.

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Schließlich bekam ich auf meine Bitte hin doch noch einen Linksgalopp, danach ließ es aber auch gut sein. Er fühlte sich auf diesem Boden wirklich unsicher und unwohl.

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Und so fragte ich im Schritt noch nach Schulterherein, das machte er ganz gut, und nach einer Traversale, die – Achtung, Wortspiel! – im wahrsten Sinne des Wortes im Sande verlief…

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Er durfte auf’s Podest, genoss den verdienten Applaus, und ich wollte schon absatteln (das war vielleicht eine Viertelstunde gewesen, aber mehr Reiten wollte ich ihm hier echt nicht antun – Plan B…), da fiel mir noch ein Spielzeug ein, was ich mitgebracht hatte, nämlich die neue Fahne. Das ist die Andalusien-Flagge, das wird seine!

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Damit stieg sein Wohlfühlmodus rasant – Fahne, das war ok! Ich ließ ihn blind traben und konnte ihm die hin und her mit Geräusch über den Kopf ziehen – er war total entspannt.

Nun aber runter da. Und da ich ja nicht normal absitzen kann, machte ich es eben unüblich. Fand er gut und gar nicht unnormal.

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Sattel runter, Arbeit an der Hand. Jetzt war er in seinem Element, der Boden störte weniger, er zeigte ein ganz gutes Schulterherein und sowas ähnliches wie eine Traversale (deutlich erkennbarer als unter dem Reiter aber kein Vergleich zu zu Hause. Der Boden verhinderte also auch ein Beine kreuzen). Ich fragte halbe Tritte an und bekam keine Antwort, die bekam ich dafür allerdings im Spanischen Schritt – der war so gut, dass ich wagte, Spanischen Trab anzufragen. Mir war allerdings entfallen, dass wir das zu Hause noch gar nicht gemacht hatten (das an sich wäre ja kein Problem), aber bei diesem Boden dachte er nicht im Traum daran, das auch nur zu probieren. Sorry, ist ja schon gut…!

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Ich fragte noch ein Steigen an, und auch da bekam ich eine klare Absage. Das hätte ich nun nicht gedacht, zu Hause war das die letzten Mal so absolut sicher und leicht geworden, aber hier hatte er einfach Angst, wegzurutschen. Der Boden behagte ihm überhaupt nicht. Ich beließ es dabei und holte ein weiteres neues Spielzeug – eine neue spanische Fahne in dem enormen Maß von – weiß gar nicht genau – 4 x 5 Meter oder so. Ich gedachte, ihn darin einzuwickeln. Sie ihm über den Rücken zu legen war überhaupt kein Thema, er tat, als spielten wir jeden Tag mit diesem Riesending rum. Ich führte ihn, die rutschte langsam hinten runter, weil er die ja auch zwischen den Hinterbeinen hatte und drauftrat, und auch das kratzte ihn überhaupt nicht. Da konnte ich natürlich schön was zu erzählen – „Sie brauchen keine Fahne. Ist nichts, was zum Equipment gehören muss. Ich aber einfach absolut sinnvoll. Und so eine riesige brauchen Sie schon gar nicht. Gibt aber Vertrauen, bringt Abwechslung und macht einfach auch mal Spaß!“ 🙂

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Aber ich wollte ja noch einwickeln. Also zog ich ihm die Fahne über den Kopf und wir beide versteckten uns darunter. War ein Gefühl wie in einem Zelt 🙂
Dón fand alles gut und zeigte nicht auch nur den Hauch von Unruhe. Großartig!

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Und damit ließ ich es gut sein. Ich setzte mich zu ihm, lehnte mich an, und so standen/saßen wir da ein paar Minuten einfach in der Sonne und genossen selbige. 

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Er hätte sich noch hinlegen dürfen, wollte aber nicht. Die nachfolgenden Pferde gingen schon herum und die beobachtete er interessiert. Er war so schön…!

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Er bekam noch die Belohnung, auf die er schon wartete, seit er mitgekriegt hatte, dass ich die mit hatte – ich hatte ihm Apfelschorle (ohne Kohlensäure und mit viel Wasser) angemischt. Und da war er jetzt total scharf drauf. Wir lachten uns schlapp, zu süß!

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Und Nic gelangen noch ein paar traumhaft schöne Portrait-Aufnahmen.
Meine Güte, was für ein wunderschönes Pferd!

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Natürlich durfte Dón noch mit in den Laden. Er war cool und staunte beim Anblick der Leckerlie-Theke. Er schnupperte und guckte mich an, nahm sich aber keinen. „Such Dir was aus!“ meinte ich und da rauschte er einmal mit der Nase durch die Maiskringel und sammelte die dann vom Boden auf. Nicht ungeschickt 🙂

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Das einzige Geräusch, das ihn hier wirklich unruhig machte, war das der Kaffemaschine am Stand draußen. Dort wurden diverse Kaffesorten angeboten und die Maschinen machten höchst merkwürdige Geräusche. Also standen wir da eine Weile herum, genossen die Sonne und einen Kakao, bis Dón schließlich auch ganz entspannt da stand. Er wurde von mehreren Zuschauern bzw. Kunden mit „Mein Gott, ist der schön“ teilweise ziemlich ehrfürchtig angesprochen. Ich kann denen nur Recht geben 🙂

Zum Abschluss noch ein mega entspanntes Verladen (das muss er Nacariño mal zeigen), und dann fuhren wir nach Hause.

Und nun muss ich mir für morgen einen Plan B überlegen (hihi, Sönke fragte mich letzte Woche, ob ich für Nacariño einen Plan B habe, worauf ich mich schlapp lachte und meinte, ich habe ja nicht mal einen Plan A…), da ich Dón hier nicht noch einmal reiten möchte. Er bemüht sich so sehr, fühlt sich aber spürbar so unwohl, da kann ich doch nicht am nächsten Tag wiederkommen und ihn nochmal bitten, hier unter dem Reiter zu gehen! Wie muss der sich denn vorkommen! Plan A war Reiten mit Handpferd. Ein Plan B ist schon im Kopf, auf dem denke ich heute Nacht noch ein bisschen rum. Fakt ist, dass Dón gar nicht oder nur extrem kurz unter dem Sattel sein wird. Na, mal sehen. Mir fällt schon was ein! Im Moment grinse ich erstmal im Kreis darüber, wie meine beiden Jungs ihre allerallerersten außer-Haus-Auftritte bewältigt haben!!

 

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Samstag, 12.3.

Da ich mit beiden unterwegs war, ist der Bericht von unserem gemeinsamen Auftritt hier zu lesen!

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Freitag, 18.3.

Ich dachte, ich hätte mir von diesen drei freucht-kalten Tagen, die ja immer unangenehmer wurden, einen Erkältungs-Nachschlag mitgebracht. Das war es aber nicht – dieses Mal setzte mich eine Rachen- und Mandelentzündung samt Fieberschüben aus dem Gefecht. Und zwar für ein paar Tage sehr gründlich. Und das bei permanentem super Wetter, wie frustrierend!!
Das ging am Sonntagabend los, davor hatten wir immerhin endlich einmal alle unsere fünf Iberer zusammen gelassen!

Dón war inzwischen mit allen schon auf dem Platz gewesen, wenn sie unter dem Reiter gingen, und sie hatten sich alle schon mal unter Aufsicht begrüßen dürfen, aber frei zusammen gelassen hatten wir sie bislang noch nicht. Es entstanden tolle Bilder – und ein neues Traumpaar (findet Dón jedenfalls, Flamenco war irgendwann von Dóns intensivem Kuschelbedürfnis ein wenig genervt). Dón war großartig und uns ging das Herz auf!

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Mit Navarre ging das Anfreunden nicht ganz so schnell:

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Fröhliche Ostern!

So, es wird Zeit, mal wieder ein bisschen zu erzählen, das war ja nun eine lange Pause – sorry! Aber manchmal kommt auch einfach das Leben dazwischen 🙂

Am Mittwoch vor Ostern (23.3.) hatte ich einmal mit meinen beiden eine Handpferde-Runde durch’s Gelände gedreht und beide waren ungeheuer entspannt. Prompt wagte ich mal wieder so ein echtes Corinna-Ding: ich holte mein Smartphone raus und wollte die beiden Köpfe vor mir filmen. Vorzugsweise im Trab, da klingen die acht Hufe ja immer so schön. Vor allem auf Asphalt. Nun sind diese Smartphones ja durchaus glitschig und nicht leicht festzuhalten, ich also in der linken Hand Dóns Zügel und Nacariños Strick, während ich mit rechts versuchte, die PIN einzutippen. Verblüffend, wie viel Bewegung doch so ein einfach nur Schritt gehendes Pferd verursacht… Wie oft darf man so eine PIN falsch eingeben? Drei Mal? Ich hielt also kurz an, schaltete das ganze frei, tippte die Kamera an und ritt wieder los. Nacariño hatte sich beim Halten wieder nach hinten geschlichen und ward nun nicht mehr zu sehen. Zumindest mal nicht im Ausschnitt der Kamera. So erfüllt das aber ja nicht den Zweck. Ihn wieder nach vorne zu ziehen mit Glitschphone in der Hand war mir zu riskant, das Ding muss ja nun nicht von da oben auf den Asphalt knallen. Also wieder in die Tasche, Nacariño auf Spur gebracht („und Du bleibst jetzt hier vorne!!“), dann doch im Gehen die Kamera wieder freigeschaltet, damit Nacariño sich nicht wieder zurück fallen lässt, naja und dann musste ich das Smartphone ja möglichst weit nach hinten halten, um beide draufzukriegen. Also links Zügel und Strick, rechts die Kamera, und den rechten so weit wie möglich nach hinten gedreht, um auf Höhe von Nacariños Kruppe zu filmen, damit auch ja beide Köpfe, zumindest mal alle vier Ohren drauf sind.
Das waren sie dann auch und das Getrappel trabender Pferde klingt einfach zu schön, aber noch witziger wäre gewesen, wenn mich beim Filmen jemand gefilmt hätte. Das muss urkomisch ausgesehen haben.
Das Video ist mit Sicherheit nicht künstlerisch wertvoll, aber irgendwie witzig war’s schon!

Und die Jungs waren so super entspannt, dass sich ein Galopp geradezu aufdrängte. Auf dem Weg ließ ich Dón also angaloppieren, aber der ist natürlich noch längst nicht so versammelt, dass er Nacariños nicht vorhandenes Tempo hätte ausgleichen können, und so bekam ich sehr lange Arme, denn Nacariño ließ sich direkt wieder zurückfallen, dem war der galoppierende Dón nicht geheuer!
Ich ließ den Strick immer länger werden, Dón wurde ein wenig heißer, weil er das nicht so richtig verstand und ihm seinerseits nicht geheuer war, dass Nacariño ihm so an der Kruppe klebte. Dafür muss ich dann doch noch mal nachtreiben können, ich hatte (ausnahmsweise) mal keine Gerte mitgenommen, weil Nacariño ja inzwischen (normalerweise…) so lässig mitläuft, das reichte aber nicht zum Galoppieren. Das traute er sich einfach nicht. Aber lieber so, als wenn er mir dabei abhauen würde, das kriegen wir also irgendwann schon hin!

Gründonnerstag (24.3.) war mir so sehr nach Langem Zügel – also mit Nacariño. Der machte das so unglaublich gut, dass ich danach dachte, dann probiere ich das mit Dón auch gleich mal, der das ja nun noch überhaupt gar nicht kannte. Auf dem Platz liefen Pferde, also ging ich auch mit ihm direkt auf den Hof. Da können wir ja durchaus die eine oder andere Runde um das Paddock drehen. Ich fragte Dón auf der Stallgasse einmal nach antreten und halten, das machte er sofort, eher verhalten, weil er es komisch fand, dass ich da hinten blieb, aber er nahm die Anlehnung an und konnte mich gut da hinten aushalten. Umdrehen wollte er sich auch nicht, also wagte ich mich direkt raus.

Und was soll ich sagen – er ging einfach sofort los auf die Hofrunde, ich hatte fast immer Zug in die Hand, auch wenn er sich immer mal ein wenig eng macht, das fällt ihm natürlich leicht mit seinem Hals, aber ich durfte nachtreiben, ich durfte sofort lenken und wenden und nach kurzer Zeit auch antraben. Im Trab war er dann schon etwas unsicher und zögernd, ich machte ihn von hinten mutig und schließlich trabte er schön vor sich hin und hatte auch keine Scheu mehr, wenn ich die Seite hinter ihm wechselte oder das Zügelende ihn berührte. Total großartig!!! Ich war wirklich geflasht von den beiden und diesen schönen Minuten am Langen Zügel. Als Premiere mit Dón war das wirklich klasse gewesen. Und er schien nach kürzester Zeit Vertrauen und Gefallen daran zu haben. Toll!

Das hatte eine Stallkollegin gefilmt (freu!!), und ich dachte mir schon, dass die beiden sehr unterschiedlich aussehen würden, sie fühlen sich auch sehr unterschiedlich an. Dón viel „weicher“, schlängeliger, Nacariño viel größer und kraftvoller. Und schon stolzer. Dón muss dafür noch gedrungener, noch kraftvoller, noch kompakter werden. Und in sich stabiler. Aber ich freue mich gerade halbtot, dass der Beginn mit beiden so unkompliziert ist. Mir macht der Lange Zügel einfach Spaß und Dón hat eine tolle Premiere hingelegt!

Für Ostersamstag (26.3.) war Traumwetter angesagt, und sonnentechnisch war es das auch, wenn auch noch ziemlich frisch. Aber ganz klar Foto-Wetter und es hatten sich noch Reitschüler angesagt, die mal zugucken wollten und so hübschte ich uns ein wenig an.
Und es wurden so viele so schöne Bilder…!

Na klar wollte ich mit Dón nun so gerne Fotos am Langen Zügel haben, also machte ich ihn dafür fertig und ging auf den Platz. Ich hatte mich sehr gefreut, als ich sah, dass der frisch abgezogen war, aber das war gar nicht so laufgeeignet, wie ich gehofft hatte. Der Platz war noch ziemlich feucht, und so zog es mir gefühlt bei jedem Schritt den Fuß ein wenig nach hinten. Das war anstrengend, und so machte ich nicht lange, aber die paar Runden, die wir drehten, waren klasse!

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Dón ließ sich sofort außen herum lenken im Schritt, die ersten Male antraben waren wieder zögerlich, dann trabte er aber, ich hatte tatsächlich schon eine ziemlich gute Lenkung und konnte jederzeit anstandslos anhalten. Und ich hatte über weite Strecken einen guten Zug in die Hand.

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Ich fragte einmal eine Idee von seitlichem Übertreten an, wobei mir völlig egal war, wie er das machen würde, Hauptsache, er wich dem übergelegten Zügel seitlich ein wenig aus, und das tat er auch – wenn auch noch ganz minimal, aber er ist ja unter dem Reiter in den Seitengängen auch noch extrem minimalistisch unterwegs, warum sollte das hier nun besser sein… Wäre natürlich schön gewesen, aber zumindest versuchte er, irgendwas aus meiner Frage zu machen. Ein Foto war dabei, das kann man schon als kleine Traversale ausgeben 🙂

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Das tollste Bild im Trab gelang Christopher, der es mir in schwarz/weiß schickte:

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Wie kraftvoll! Und was für eine schöne Haltung! Das ist schon ein Blick in die Zukunft, so wird das mal später über weitere Strecken aussehen… Die Hoffnung stirbt zuletzt 🙂

Einen Spanischen Gruß bekamen wir hin, Spanischen Schritt noch nicht. Ich war generell mit der Gerte da hinten noch sehr sparsam, da ich ja weiß, welche Möglichkeiten Dóns Hinterbeine in der Arbeit an der Hand haben. Und ich weiß noch nicht, was ihm im Zweifel wichtiger wäre, wenn ich dahinter gehe – mich nicht zu schlagen oder nach der Gerte zu hauen. Also bleibt die noch eine Weile sehr zurückhaltend, bis er mich da hinten so verinnerlicht hat, dass ich mit der Gerte mutiger werden darf, er aber nicht nach ihr treten wird. Immerhin darf ich sie dabei haben und ihn berühren, mehr will ich ja in diesem Stadium mit einem so gertenempfindsamen Pferd gar nicht.

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Und tatsächlich ist das Kompliment, das ich ja, als ihn ganz neu hatte, so zufällig bekommen hatte und dass dann irgendwie verschütt gegangen war, langsam wieder da. Ich muss ihn gut hinstellen über viel Raum und ihm dann Zeit lassen, irgendwann lässt er sich sinken. Kein Vergleich zu der rasanten Hektik, die Nacariño dabei im Moment an den Tag legt. Dón macht das sehr bewusst und mit viel Übersicht – dafür aber eben auch nicht immer. Er muss sich dafür sicher genug fühlen und ruhig genug sein, dann kriegt er das hin. Über den Winter habe ich damit natürlich nicht groß weiter gemacht – auf nassem Boden frage ich sowas nicht an. Jetzt haben wir ja endlich wieder Wetter- und Platzverhältnisse, die es zulassen, das wieder regelmäßig zu üben!

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Und wo wir schon am Rumalbern waren, entstand dann auch das hier:

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Und zum ersten Mal überhaupt fing er an, zu spielen, das heißt, er trabte auf mich zu, wendete sofort mit, wenn ich mich drehte, und war ganz fixiert darauf, was ich als Nächstes mache. Das hat er in dieser Form noch nie gewagt! Aber ja auch etwas, was sich im Winter nicht so angeboten hat. In ein paar Monaten spielt er!

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Und ich bekam ein (also mehrere) wunderschönes Steigen. Ganz beherrscht, ganz ruhig, ganz kontrolliert und kontrollierbar. Zu schön!!

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Das hier ist eines meiner Lieblingsbilder von diesem Tag, das hat Kata gemacht:

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Ist er nicht schön geworden?? 

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Schließlich durften unsere fünf Spanier wieder zusammen laufen.

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Das Dream-Team Flamenco und Dón fand sofort zusammen…

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…mit Navarre ist er noch nicht einig, wer denn da nun Chef ist. Also Navarre stellt noch in Frage, dass Dón Chef ist. Selbst Schuld, das sollte er sich abgewöhnen. Die hatten sich dann auch mal kurz in den Flicken, aber beide haben schön in die Muskelpartien des anderen gehauen, nicht auf die Knochen. Brav!

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Sonntag 27.3.

Das schöne Wetter war vorbei, es fing an zu nieseln, aber ich wollte doch gerne schnell ein bisschen reiten, und so ging ich mit Dón direkt auf das riesige Feld, das an den Hof angrenzt. Hier liegen noch die Mais-Reste, es ist noch nicht wieder bearbeitet, und so dürfen wir da im Moment rauf. Ich hielt mich artig am äußeren Rand. Dón war noch nie so weit hier lang gegangen und guckte interessiert, war aber so unglaublich entspannt, dass ich schließlich trabte und ich dabei nach einiger Zeit um einen runden Hals und schließlich um Dehnung bitten konnte. Er bemühte sich, auch wenn ihm der Boden sichtlich nicht leicht fiel, obwohl der im Moment ziemlich gut ist, jedenfalls deutlich trockener als in den letzten Monaten. 

Der Regen wurde mehr und ich ritt um das ganze Feld herum zurück und ließ ihn das letzte Stück galoppieren. Er galoppierte seelenruhig vor sich hin und schnaubte zufrieden. Ich konnte ihn am kleinen Finger durchparieren und so hatten wir zwar nur wenig Zeit zusammen verbracht, die aber sehr sinnvoll und harmonisch gefüllt. Das war einfach schön! Das Feld werde ich jetzt also häufiger nutzen, so lange es noch geht, weil im das Gehen auf diesem unebenen Boden ganz gut tut. Damit muss er sich erstmal zurecht finden, was für sein Körpergefühl und sein Gleichgewicht natürlich nur von Nutzen ist.

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Montag, 28.3.

Die Sturmwarnung muss ich wohl überhört haben. Ich war höchst reitmotiviert, das ließ im Stall aber drastisch nach. Uns flog wirklich alles um die Ohren, es knallte und klöterte und war echt kalt. Ich putzte ausführlich (was sich im Moment ja sehr lohnt… Seufz… Diese vielen, vielen weißen Haare!!) und ließ die beiden nur ein wenig laufen und erfreute mich an ihren schönen Bewegungen. Dón ist ein echter Bewegungskünstler im Freilauf, das ist unglaublich. Ich fragte noch ein Kompliment an, was ich wieder nach ein wenig Überlegen und dann ganz in Ruhe bekam, dann ergab es sich, dass ich beide zusammen steigen lassen wollte, und auch das war besser als beim letzten Mal, auch wenn ihnen da die Nähe zum anderen sichtlich nicht geheuer ist. Aber das ist nur eine Frage der Zeit, bis das abrufbar wird. Spanischer Schritt nebeneinander wurde für mich ein bisschen gefährlich – ich hatte Nacariño neben mir und Dón außen und das sollte ich lieber anderes herum machen. Nacariño ließ die Beine fliegen und Dón wollte lieber woanders hin, als er das so dicht neben sich sah. Ich hielt also an, lobte und alberte ein bisschen rum, dabei langte Nacariño mit seinem Vorderbein aus und schlängelte das seitlich um Dóns Bein. Der fand das sehr merkwürdig, blieb aber brav stehen. Das sah einfach zu witzig aus – Fingerhakeln unter Pferden! 
Ich stellte sie noch zusammen auf’s Podest und dann reichte es aber auch, es war einfach zu stürmisch und kalt. Ich brachte die beiden mit Merlin auf’s Paddock, da war dann erstmal Genuss-Wälzen angesagt. Und ich machte mir einen Genuss-Chai-Latte!

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Donnerstag, 31.3.

Hintergrund-Idee war, mal so langsam diesen Hals, insbesondere die Oberlinie, ein wenig zu festigen. Also ging ich mit meinem Schlaks auf den Platz und stabilisierte ein wenig die Anlehnung und die Rahmengebung. Dón dehnt sich gerne, was ja toll ist, aber meist mit einem ziemlichen Ruck nach unten und wenn der Hals dabei sehr lang wird, wird Dón reichlich wackelig. Ich ließ also nicht ganz so viel Tiefe zu und versuchte, seine Rucks gar nicht zuzulassen. Das ist im Trab am schwierigsten, da ist er am schnellsten. Er merkte aber, dass ich einen Fokus habe und versuchte dahinter zu kommen, welcher das war. Großartig, er will echt Gedanken lesen, und sehr oft gelingt ihm das auch schon gut.
So auch hier – auf einmal wurde er stabiler, leichter in der Hand, trug sich mehr und ließ seinen Hals über weitere Strecken in einer relativ einheitlichen Haltung. Ganz prima. Prompt fühlte sich der Trab besser an, den ich mir jetzt aber noch etwas getragener und kadenzierter wünschte. Und da der Galopp ja meistens den Trab verbessert, galoppierte ich erst einmal auf beiden Händen. Er galoppierte wunderbar leicht an, rechts wie links, und tatsächlich durfte ich danach den Trab noch einmal mehr spannen. Und dann machte er ein paar wenige Tritte in schöner Haltung, die anders federten und mehr aus der Schulter kamen. Solche wollte ich! Das war es! Ich lobte, spornte ihn an, das nochmal zu machen, und nun hatte er eine Idee. Er schenkte mir ein paar Mal einige dieser Tritte, die (ganz weit entfernt) ahnen lassen, dass daraus später mal eine Passage werden kann.

Ich freute mich riesig, lobte, und wir gingen noch eine Runde auf’s Feld. Ich ließ ihn im Rechtsgalopp auf das Gräbelchen zu galoppieren, er setzte mit einem wunderbar passenden Sprung darüber, landete im Linksgalopp und galoppierte einfach rhythmisch weiter. Zu und zu schön!!

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