April

Freitag, 1.4.

Ich wollte wieder auf den Platz und gucken, ob sich die guten Trabtritte von gestern würden wiederholen lassen.
Ließen sie sich natürlich nicht 🙂

Dón war tiefenentspannt, das Wetter war aber auch zu schön, es war richtig warm, wir gingen zuerst eine unfassbar entspannte Runde über’s Feld und auf dem Platz bot Dón mir dann die Spannung, die ich für den Trab gebraucht hätte, nicht an, ich wollte das aber auch nicht provozieren, weil wir so am Sonne genießen waren. Man muss Prioritäten setzen.

Nacariño war gerade alleine im Stall und brüllte vor sich hin, den wollte ich nicht zu lange alleine lassen, also nahm ich den Trab nicht so wichtig, galoppierte ein paar Runden zum Spaß und dann ritt ich einfach zum Spaß einen fliegenden Wechsel. Dón war etwas überrascht, er war echt sonnengetränkt und hatte das gar nicht so richtig mitbekommen, also sprang er relativ spät und auch erst auf Gertenhilfe um, aber: er sprang um, und das mit Gerte, und danach galoppierte er entspannt weiter! Ich hatte keinen Gedanken mehr an Wechsel verschwendet, seit er mit dieser Idee so losgestürmt war. Das hatte ich direkt wieder zu den Akten gelegt. Nun war es einfach so, plötzlich und unerwartet, wieder da. Ich wollte nun natürlich wissen, ob ein zweiter Wechsel die alte Idee wieder wecken würde und tastete mich sehr behutsam an einen weiteren Wechsel ran. Da ich die Hilfe eben sehr deutlich gegeben hatte, nachdem er im Außengalopp einfach weitergeschlafen hatte, war jetzt damit zu rechnen, dass er heiß werden würde. 
Wurde er nicht. Ich durfte wieder wechseln, den Wechsel wieder mit der Gerte anfragen, und dieses Mal sprang er ihn prompt. Und blieb danach entspannt.
Ich schmiss die Zügel weg, er haute die Vierradbremse rein und wir freuten uns gemeinsam. Hammer! Da sind sie wieder! Ich glaube, jetzt muss ich die Wechsel auch nicht nochmal zurückstellen, ich muss nur immer sehr genau aufpassen, wann ich einen anfrage. Die Stimmung muss passen, dann dürfte das kein Thema mehr sein. Zumindest nicht der nach links, über den rechts reden wir irgendwann später 🙂

Jetzt habe ich ein Pferd, das Wechsel springt und einen super Schritt geht und eines, das im Trab anfängt, verschiebbar zu werden und das Seitengänge geht.
Wenn ich in einer Kür ganz schnell umsitze…
🙂

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Montag, 4.4.

Am Sonntag hatte ich mich nicht mehr auf Dón raufgetraut – wir waren zu viert in Bückeburg gewesen, Samstag Seminar und Sonntag Morgenarbeit, und alle Pferde gingen hier derart lässig sämtliche Seitengänge, dass ich, randvoll mit schönen inneren Bildern, Angst vor der Frustration hatte, mich jetzt auf Dón zu setzen und zu spüren, dass er keinen Fuß vor dem anderen kreuzen kann.

Gut, albern, ein bisschen kreuzen tut er ja schon und wirklich frustriert hätte er mich nicht, aber dennoch ritt ich ihn an diesem Tag nicht mehr.

Aber am Montag! Und zwar mit dem festen Vorsatz, nachdem mir der Asphaltweg bei Nacariño so geholfen hatte mit seitlichen Verschiebungen, auch Dón hier mal ganz konzentriert an die Seitengänge heranzuführen.

Dieser Weg ist großartig dafür – auf dem Asphalt können die Pferde natürlich besser gehen als auf dem Platz oder auf dem Feld, zudem fällt der Weg in die eine Richtung ganz leicht ab, steigt damit logischerweise in die Gegenrichtung ganz leicht an, ersteres bietet sich für die seitlichen Verschiebungen an, letzteres für halbe Tritte bzw. zumindest die Idee davon.

Zuerst aber eine entspannte Schrittrunde um’s Feld, dann auf den Weg. Und was soll ich sagen – erst ließ ich Dón schenkelweichenartig und im Schulterherein den Weg entlang gehen, schließlich legte ich das Zick-Zack an, dass hier auf dem Weg immer so nach vier bis sechs Schritten in die neue Richtung geht. Er wurde immer leichter, immer feiner, und nach, ich weiß nicht genau, vielleicht dem fünften Mal oder so durfte ich die Stellung in beiden Richtungen halten – nach links schon relativ sicher, und dann relativ plötzlich auch nach rechts. Auf einmal war die Rechtstraversale da! Und schließlich konnte ich ihn sogar von der einen in die andere Traversale gehen lassen. Wenn ich keine Ohren hätte, hätte ich im Kreis gelacht. Auf einmal war es da! Ob es bleiben würde??

Ich gehe davon aus, dass die meisten Leser die Berichte beider Pferde lesen. Falls nicht: bei Nacariño ist im April-Bericht ein Foto unserer Anlage von oben zu sehen, da sind mal gut die Größenverhältnisse Reitplatz / Asphaltweg / Feld zu erkennen. Ich dachte mir, das reicht, wenn das bei einem der beiden Pferde auftaucht 🙂

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Mittwoch, 6.4.

Es war noch da. Er ließ sich wieder in beide Richtungen verschieben, in Stellung, und jetzt sogar schon gleich am Anfang auf dem Feld. Er schielte zum Gräbelchen, ich ritt einmal im Schritt daran vorbei, was ihn sichtlich verblüffte, ich kehrte (mit einem gelungenen, großen Kurzkehrt rechts – rechts!) um, ließ ihn kurz vor dem Gräbelchen antraben, er war so gelassen, trabte da hin, nahm Maß, galoppierte ruhig und elastisch an, setzte passend zu einem wunderbaren Sprung an, übertrieb den maßlos, fühlte sich aber total geil an – und noch im Sprung veränderte sich seine Stimmung. Ich spürte, was da gleich kommen würde, konnte hier im Flug aber nichts tun. Er landete und bockte so richtig los. Hossa! Aber, braver, inzwischen so gut erzogener und so rittiger Dón – er ließ sich sofort und völlig unproblematisch durchparieren und war sofort wieder ruhig. 
Deutlich spürbar hatte er aber Lust, mal Gas zu geben. Da er sich so super hatte parieren lassen, gestand ich ihm mal Tempo zu. Ich ritt im Schritt zu der „schwereren“ Seite des Feldes, trabte an, ließ ihn selbständig angaloppieren und dann trieb ich einmal kurz nach. Er nahm die Aufforderung überrascht und erfreut an und gab Gas. Für ungefähr vierzig Meter. Ich überließ es dem Boden, ihn wieder durchzuparieren 🙂

Wir kehrten sehr zufrieden zu dem Asphaltweg zurück und auch hier durfte ich kleine Zick-Zack-Traversalen reiten und halbe Tritte anfragen, die nachher sogar ein wenig fühlbar wurden. Jedenfalls viel rhythmischer als bei Nacariño, der ja sehr interessante Takt-Varianten einbauen kann. Dón überlegt kurz, wie anstrengend etwas werden könnte und hält sich dann sehr schnell zurück. Er glotzte sich eine Weile an den Pferden auf dem Paddock fest, als das nachließ, fühlte er sich ziemlich klasse an.
Dieses nach anderen Pferden glotzen könnte für mich aber noch eine Herausforderung werden – ich denke nur an Eutin, das für die Pferde sicherlich aufregendste Breitensportturnier, da fegen einem auch mal von jetzt auf gleich ein paar Ponys gefühlt unter’m Bauch durch. Da würde ich super gerne dieses Jahr mit ihm hinfahren, aber bis dahin muss ich ihn unter fremden Pferden noch besser im Griff haben. Da ist er doch noch sehr Hengst. Und er kann sich mächtig an etwas festglotzen.

Aber was soll’s, das ist ja durchaus nicht jungpferde-untypisch und muss einfach mit der Zeit über Routine gelernt werden.

Hier jetzt war ich super zufrieden mit den Seitengängen und den Ansätzen zu halben Tritten, so dass ich mitten in einem guten Moment runtersprang und ihn sehr lobte.

Gezäumt war er heute auf blanker Kandare, weil ich letztes Mal mit Trense reichlich viel in der Hand hatte. Die Stange soll für ihn ja ohnehin gewohnter werden, demnächst will ich ja auch die Garrocha mal wieder in die Hand nehmen. Er nahm das Gebiss super an, das Gefühl war prima, ich ritt die ganze Zeit einhändig und dennoch konnte ich zu beiden Seiten stellen und den Zügel größtenteils minimal durchhängen lassen.
Super!
Mehr…!
Ich hatte doch solche Angst, dass Dón niiiiiiiie Seitengänge lernen würde… 🙂
Jetzt tut er’s. Ein Glück. Noch kurz vor seinem 6. Geburtstag. Puhhh!!!

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Freitag, 8.4.

Mein schöner Grauer ist 6… Herzlichen Glückwunsch, toller Junge!

Und er war ein toller Junge. Wieder einhändig blank, aber dieses Mal gleich auf den Platz. Dón ließ sich seitwärts/querwärts verschieben, wurde immer feiner am Bein, immer leichter in der Hand, einfach toll. Wir versanken ineinander.
Er scheute anfangs ein wenig vor den auf dem Rasen liegenden Zaunelementen, die der Nachbar aufbauen will, die fand er schon unheimlich. Er wich dem Schenkel nicht immer sofort, machte aus einer Bitte nach Travers rechts auch schon mal ein Schulterherein links, na klar kann sich die Biegung mit der Zeit noch deutlich verbessern und das Kreuzen, aber insgesamt tut sich da gerade ganz viel und es war ein so schönes Zusammenspiel.

Hatte ich jemals Sorge gehabt, dass er durch die Kastration vielleicht an Gehfreude oder dieses ihm eigene Feuer verlieren könnte, so ist diese Sorge wohl völlig unbegründet.
Er galoppierte mit einer Dynamik und Bewegungslust an, das war toll. Teilweise auf den Hauch einer Hilfe. Da bekam ich dann schon ein bisschen was in die Hand, aber dafür bekam ich nachher auch einige Male aus einem Tritt rückwärts ein tolles Antreten, woraus ich ihn in den Trab entließ. Das wechselte ich mit Galopp ab und so wurde beides immer besser. Tatsächlich bekam ich sogar einige Spanische Schritte, wobei er sich allerdings immer gerne drehen möchte. Aber kraftvoll und dynamisch mit einer tollen Energie. Einfach schön!

Danach gingen wir noch auf’s Feld, er trabte schön, galoppierte wunderbar sanft an und dann durfte er mal Gas geben, er fragte schon. Ich schnalzte fünf, sechs Galoppsprünge noch an, er zog auch, aber nicht lange. Der Boden ist eigentlich gar nicht mehr so tief, aber scheint sich generell auf tiefen Böden unwohl zu fühlen. Da kommt er auch schnell ins Atmen, viel schneller, als es seiner Kondition nach eigentlich sein müsste. Also werde ich immer wieder mal die Böden wechseln, so weit möglich, damit er damit immer besser klar kommt.

Hach, war das schön! Ein wunderbarer Silberglanz lag auf meinem Geburtstagskind, als wir zufrieden in der Sonne zurück zum Stall ritten. Dort ging er zum ersten Mal von sich aus in die Box, obwohl er auf der Stallgasse hätte laufen dürfen. Er strahlte eine wunderbare Ruhe und Zufriedenheit aus.

Dón mit seinen Geburtstagsgeschenken – diesem geilen Set iberischer Gamaschen (zu denen ich den passenden Vaquerozaum incl. Vorderzeug habe, wird in Kürze komplett angelegt und müsste mit Garrocha gigantisch aussehen…) und einem Lederhalfter, schwarz mit Strass auf dem Nasenriemen. Nur für gut, nicht für Alltag 🙂

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Samstag, 9.4.

Ich könnte jetzt meckern – er hat sich an einem Hänger, in dem eine Stute stand, festgeglotzt und musste, als der Hänger nicht mehr zu sehen war, auch noch um die Ecken glotzen, wohl wissend, dass der Hänger vor „seinem“ Stall steht. Er war dynamisch, hat manches vorweg genommen, die Traversalen waren nicht so lässig wie an den letzten beiden Tagen. Wie gesagt, ich könnte meckern.
Ja, bin ich irre?
Was für ein gigantisches Pferd! Gut, die Glotzerei war blöd, das nervte nachher schon ein bisschen, und das mit den Traversalen war schade, weil Nic nun gerade mit der Kamera auf dem Platz stand, aber mal Hallo, noch vor einer Woche hätte sie überhaupt kein Traversal-Foto machen können!
Boah, er war so schön, so energiegeladen, so kraftvoll, und es sind so großartige Fotos entstanden… Und nämlich wohl mit echter, erkennbarer Traversale, so! 🙂

Kaum sind die Traversalen da, baut sich vor mir das nächste Problem auf (haha, nicht ernst nehmen, tu ich auch nicht): Wie soll ich den jemals im Galopp versammeln??
Ich muss selber grinsen, während ich das schreibe. Sowas denke ich, wenn er da mit großen Sprüngen vor sich hin galoppiert… Reden wir in einem Jahr nochmal drüber. Bis dahin habe ich vermutlich vergessen, dass ich mir je diese Frage gestellt habe.

Ich wartete auf einen passenden Moment und Dón merkte sehr wohl, dass ich wartete und wurde heiß, was für das, worauf ich wartete, kontraproduktiv war. Also stellte ich den Gedanken zurück und dann war der Moment da – ich ließ Dón einen fliegenden Wechsel springen. Das war unser erster Wechsel einhändig und er sprang ihn, zwar sehr dynamisch und mit viel zu viel Eifer, aber lieber so als nach oder gar nicht oder sonstwas.
Nic wusste zwar, dass wir schon den einen oder anderen Wechsel hatten, hatte aber noch keinen gesehen – ihr fiel fast die Kamera aus der Hand. „Mal eben! Einfach so! Glaub ich jetzt nicht!“ – hihi, ich grinste über beide Ohren, Dón auch. Der großartige Junge!
Ich war mal verblüffend vernünftig und beließ es bei diesem einen Wechsel. Die Chancen standen extrem hoch, dass der nächste wäre noch dynamischer geworden wäre und das wollte ich vermeiden. Brav, die Gute!

Hier ein paar schöne Momente des heutigen Tages:

Traversale im Schritt
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Schöne Längsbiegung im Trab
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Travers im Trab
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Sehr fröhliche Galoppmomente
7 . 6

Nach Versammlung gefragt im Schritt-Trab-Übergang – UPS, nicht gewollt, aber schick 🙂
Merken! Später!
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Und schließlich Traversale im Trab – ja, ja, ja!!!
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Und dann doch nochmal behutsam mit sich steigernder Energie nach Versammlung
im Trab gefragt. Und bekommen… Sabber!!

9 . 4 .  –14   8

2

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Sonntag, 10.4.

Bevor wir uns zur „Morgenarbeit“ trafen – Nacariños Programmpunkt – nahm ich Dón für vielleicht zehn Minuten an der Hand mit auf den Asphaltweg. An der Hand hatte ich glaube ich schon echt lange nicht mehr. Er war hochmotiviert und zeigte kein Problem mehr mit der unvermeidlichen Nähe bei der Arbeit an der Hand. Schulterherein gelang ganz lässig und sicher auf beiden Händen, Travers war anfangs etwas wackelig, später gab es ein paar sehr schöne Schritte. Am besten aber waren die halben Tritte, die ich ein paar Mal aus dem Schritt anfragte und die bei jeder Anfrage besser wurden. Immer nur eine ganz kurze Reprise, jedes Mal mit etwas mehr Energie. Das war wirklich sehr gut!

Und so hörte ich auch ganz schnell wieder auf, brachte ihn rein und putzte noch in Ruhe. Das genoss Dón sichtlich, er mag Putzen (außer am Kopf) inzwischen meist wirklich gerne.

Nach unserer Morgenarbeit durften die Jungs noch zusammen auf den Platz. Fynn war mit dem Hänger angereist, ihn kannten die anderen vorher noch nicht. Und so behielt ich Dón erst noch an der Hand, während wir die anderen schon laufen ließen. Er wollte unbedingt zu Fynn, fand den total spannend, der wurde aber gerade von Nacariño massiv in die Schranken gewiesen – Nacariño benahm sich echt unmöglich ihm gegenüber. Er hatte schon beim ersten Anblick irgendwie den Schalter umgelegt. Irgendwann ließ er ihn weitgehend in Ruhe, ich ging mit Dón immer näher an Fynn ran, Dón war nur freundlich und mächtig interessiert, Fynn drohte ihm direkt ein Hinterbein an, so dass ich Dón relativ schnell frei ließ.

Ach, ich liebe dieses Pferd! Er hat einen derart freundlichen Charakter, das zeigte sich jetzt wieder. Er nervte Fynn ganz schön, hatte seinen Freund Flamenco völlig vergessen, baggerte wie wild an Fynn rum, der ihm ein paar Mal ein paar vor den Latz knallte, aber nicht schlimm, damit sorgte er genau für den richtigen Respekt. Dón ließ nicht von ihm ab und schließlich waren die beiden so süß und so witzig zusammen, ich machte Bilder über Bilder. Zu schön, die beiden, und so toll, dass Dón dermaßen freundlich zu ihm war!

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Montag, 11.4.

Dón war reichlich gehfreudig und wurde im Galopp geradezu heiß. Er war ungeheuer empfindlich am Bein, so dass ich mich schließlich fragte, ob irgendein Schlag von Fynn ihm ein Hämatom verpasst hatte, was nun unangenehm war. Beim Putzen war nichts zu merken, und so ließ ich ihn schließlich mit so viel Gefühl wie möglich immer ruhiger und auf immer kleinerer Wendung angaloppieren. Es wurde besser, aber er war echt aufgekratzt. Keiner unserer schönsten Ritte, aber eines unserer besten Aufsitzen seit längerer Zeit – das war wieder unruhiger geworden und ich hatte die letzten Male wieder Wert darauf gelegt, dass er nach dem Aufsitzen noch einmal einen Augenblick ruhiger wurde und wenn möglich sogar noch einmal stehen blieb. Das war heute für einen kleinen Moment möglich, auch sonst blieb er ruhiger. Da muss ich wieder ein bisschen ran. Ich frage mich, was für Erfahrungen er mit den ersten Malen Aufsitzen wohl gemacht haben mag… Bei seiner Empfindsamkeit kann ich mir gut vorstellen, dass er da auch mal richtig losgeschossen ist. Und ich denke, dass ab dann immer jemand am Kopf geblieben ist. Was mir natürlich nicht zwingend auffiel, als ich ihn kennenlernte.
Egal, sei’s drum, da bringe ich jetzt so gut wie möglich wieder Ruhe rein und der nicht so schöne Ritt kratzte mich herzlich wenig, das nächste Mal wird wieder besser!

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Dienstag, 12.4.

Falls er einen Schlag abbekommen haben sollte, der schmerzen könnte, muss ich ja nicht zwingend gleich wieder rauf und etwas Blödes hervorrufen. Und wenn nichts ist, tut eine kleine Pause ja auch nicht weh. Heute war also nur Grasen an der Hand mit vielen Krauleinheiten dran. War voll in Dóns Sinne, auch wenn er durchaus zu mehr bereit war. 🙂

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Donnerstag, 14.4.

Dón war beim Rumalbern und Kraulen und Kratzen auf dem Platz berührungsempfindlich am Rumpf, was sofort die Entscheidung gegen Reiten und für den Langen Zügel bedeutete. Beim Putzen zeigte er sich ganz normal, aber irgend etwas scheint ihm da ja gerade nicht so zu behagen, dann muss ich da nicht noch einen Sattel rauflegen.

Ich blieb gleich auf dem Hof und auf dem Asphaltweg und umrundete ein paar Mal das Paddock unter genauer Beobachtung von Flamenco, Navarre und Haflinger Sterni. Der verlor schnell das Interesse, aber die beiden P.R.E.s guckten weiter zu – brav! 🙂

Dón zog schön in die Hand und so wagte ich erste seitliche Verschiebungen – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich schob ihn regelrecht seitwärts, aber so bekam ich tatsächlich eine Andeutung von Travers und Traversalen auf beiden Händen. Betonung liegt auf Andeutung! Spanischer Schritt war super, Trab zäh. Dón stand ziemlich auf der Bremse, ich mochte aber auch nicht zu deutlich werden mit der Gerte. Später! 
Er zog relativ zackig den Kopf runter, erwischte einen Grashalm, und ab dann war er bodenfixiert. Und wurde natürlich noch zäher, was das Vorwärts anging. Ich wurde so deutlich wie noch nie und das nahm er völlig problemlos an und hin. Ich trat ihm auch einmal aus Versehen so richtig energisch ins Fesselgelenk – Negócio wäre dann angaloppiert, ich war ganz froh, dass Dón diese Hilfe nicht kannte! Er bleib cool.

Insgesamt war seine Anlehnung deutlich besser als bei den beiden Malen davor – also die Haltung war ruhiger. Da war gerade beim ersten Mal ja noch deutlich mehr Bewegung drin gewesen. Und irgendwie kam er mir reichlich groß vor heute. Er sich auch 🙂

Ich machte nicht viel, vielleicht waren das so zehn, fünfzehn Minuten gewesen. Dón hatte das Maul voll Dreck und durch die Spucke nun echte (und ziemlich eklige, wenn ich das mal sagen darf!) Nutella-Lippen. Der sah aus! Und spuckte damit natürlich begeistert rum. Und das noch viel begeisterter, als er merkte, dass ich das eklig fand 🙂

Man muss ja nicht reiten und kann trotzdem das Aufsitzen verbessern… Kappe auf, andere Trense drauf, Halfter darüber und am Anbinder stehen lassen. Den kleinen Hocker daneben und so getan als ob, bis er wartete. Meine Güte, bin ich aus der Übung, was es anbelangt, ohne Sattel auf ein Pferd zu springen!! Erschreckend… Irgendwann saß ich oben, das Halfter hätte ich jederzeit über die Ohren ziehen können, tat ich aber noch nicht. Er hampelte rum, na klar auch mal  gegen und über den Hocker, aber das hat er ja nun gelernt. Ich kraulte seinen Mähnenkamm und ließ mich einfach schaukeln. Irgendwann kehrte Ruhe ein, ich lobte und sprang wieder runter – und wieder drauf. Dieses Mal war das Gehampel deutlich kürzer und so zog ich das Halfter ab und ritt raus. So ritt ich im Schritt und in einem wunderbar weichen, lockeren, ruhigen Trab noch zwei Mal um das Paddock herum und dann durfte er wieder zu den anderen auf den Platz und weiter Sonne genießen.

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Mittwoch, 20.4.

Nach vier Tagen Abwesenheit begrüßte Dón mich mit sichtbarer (und hörbarer) Freude. Schmelz!!
Er war süß beim Putzen, suchte ständig Kontakt und fing nachher regelrecht das Küssen an – mit sehr zärtlicher Oberlippe und ganz ohne Zähne. Gefühlt zwei Minuten lang.

Ich ritt auf Trense, er war wieder schlaksig und lose, im Galopp aber nicht mehr so scheu am Bein. Das war deutlich besser. Und so machte ich nur ein paar ruhige Runden für’s Gefühl, das war gut so. Er fühlt sich echt komisch an zur Zeit.

Ich hatte allerdings bewusst etwas mehr Wert auf das Aufsitzen gelegt, und auch wenn er nicht wirklich still stehen konnte, als ich oben war, so legte er doch zumindest nicht so viel Raum zwischen den Hocker und sich wie bei den letzten Malen. Vor allem nicht so schnell.

Der 1. Mai rückt näher, und plötzlich ist der, von dem ich dachte, das wird mein „Überall-mit-hin-Pferd“ dieses Jahr nicht mehr die Nr. 1. Macht überhaupt nichts, verblüfft mich nur. Er ist gerade ganz offensichtlich mit seinem Körper nicht so einig, ich denke, er wächst, und das zeigt sich gerade in sehr unorthodoxen Bewegungen. Er braucht gerade Zeit, und die soll er haben. Er geht zwei Mal mit Nacariño zusammen, da reite ich ihn und nehme Nacariño als Handpferd, das geht immer. Da kann ich den Anspruch voll und ganz Dóns Befinden anpassen und er kann einfach nur Routine sammeln, ohne das Gefühl zu haben, irgend etwas nicht erfüllen zu können. Die beiden anderen Schaubilder macht dann Nacariño, der sich gerade so sprunghaft verbessert, dass es schon beängstigend ist. Das gibt mir aber die Ruhe und Gelassenheit, Dón die Zeit zu geben, die er braucht. Ich kann mir vorstellen, dass das nicht so leicht wäre, wenn Dón jetzt mein einziger wäre.
Von daher großartig, wenn die jetzt schon anfangen, das so unter sich aufzuteilen! 🙂

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Donnerstag, 21.4.

Ich ritt wieder und probierte ein anderes Gebiss aus. Die Idee dahinter mag gut sein, für Dón ist das nichts. Ich ritt also auch nicht lange, legte nur Wert auf Rhythmus und ein wenig Spannung der Oberlinie, das konnte Dón schließlich auch gut erfüllen, und vor allem war der Galopp auf beiden Händen wieder gut und ich durfte treiben!

Insgesamt kommt mir Dón zur Zeit schreckhaft und extrem empfindlich vor, so dass mich die guten Galopprunden sehr freuten. Ihn auch.

Das Aufsitzen war super – er stand nach einem kurzen Moment der Unruhe tatsächlich am Hocker still, als ich schon oben war, und dann konnte ich mit Nic und Tanja quatschen und er stand einfach da. Super! So soll das sein! Merken!

Ich saß nach kurzer Zeit wieder ab, weil das Gebiss einfach nicht seins war, und nahm ihn noch einen Moment an die Hand. Ein paar versammelte Tritte, er machte sich herrlich groß und zeigte eine schöne Winkelung der Hinterbeine. Und dann kam ich wohl in eine blöde Position und er verwendete zum ersten Mal das Steigen gegen mich. Mit richtig verschmitztem Gesicht provozierte er mich, baute sich mehrfach vor mir auf und kam hoch, ich kam nicht mehr an seine Seite. Ich musste lachen, weil er dabei ein so richtig provokantes Lausbubengesicht hatte („Komm doch, komm doch!“). Und da er normalerweise ja ungeheuer respektvoll steigt und ich ja durchaus weiß, was für Geister ich da rufe, wenn ich das Steigen in diesem jugendlichen Alter schon zulasse, nahm ich es gelassen und spielte eine Minute lang mit. Dann kraulte ich seine Stirn, ließ ihn ein wenig runterkommen und war – zack – an seiner linken Seite. Ätsch! Erster!
Er dachte einen Moment nach und nahm es seinerseits gelassen. Pech, nicht schnell genug. Zum ersten Mal überhaupt hatten wir uns in dieser Weise gegenseitig getestet.
Das gab mir das so gute Gefühl, dass geistig und körperlich im Prinzip gerade alles ok ist und sich seine losen Bewegungen wirklich auf Wachstum oder ähnliches beziehen und ich ihm einfach nur die Zeit geben sollte, die er nun braucht. Nach dem Ritt heute war vorstellbar, dass diese Phase irgendwann von heute auf morgen vorbei ist und er sich dann ganz anders versammeln kann. Das wird irgendwann einfach da sein und bis dahin helfe ich ihm in der Grundspannung, lasse ihn aber ohne sonstigen großen Anspruch unter dem Reiter nur Gleichgewicht und Rhythmus finden. Auch spannend – könnte man als Rückschlag sehen, weil auf einmal Dinge nicht mehr so gehen, wie sie schon einmal gingen, wäre aber weder fair noch sinnvoll, es so zu sehen. Das ist einfach so und gehört dazu. Toll nur, dass Dón sich gerade so eine kleine „Auszeit“ nimmt, während Nacariño täglich besser wird. Wenn sie sich damit abwechseln, ist das große Klasse. Das macht es viel leichter, das total entspannt zu sehen, was bestimmt viel schwerer wäre, wenn Dón der Einzige wäre.

Er küsste mich wieder, heute aber etwas aufdringlicher, also verlagerte ich unsere Zärtlichkeiten wieder auf andere Gebiete 🙂

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Samstag, 23.4.

Es gibt mal wieder Fotos von Dón, auf denen mir positiv auffiel, dass er wirklich zulegt körperlich und „runder“ wird, negativ fiel mir jedoch auf, dass er auf vielen Bildern einen Gesichtsausdruck hat, der mir nicht gefällt. Er wirkt schnell mal angespannt und konzentriert, hat dann ein sehr energisches Gesicht, das Kraft ausstrahlt, aber das war es nicht. Da war noch etwas anderes. Er war wieder schwer in eine adäquate Grundspannung zu bringen, so dass ich immer wieder wechselte zwischen kurzfristiger An- und längerer Entspannung. Er sprang nachher einen fliegenden Wechsel mit viel Dynamik, der Galopp war ansonsten nicht auch nur ansatzweise als versammelt zu bezeichnen, der Trab hingegen wurde über kurze Strecken relativ gut nachher. Und das Aufsitzen war super 🙂

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Ja, man hört (liest) es schon, ich bin nicht glücklich mit der Situation, halte es aber auch für falsch, ihn „wegzustellen“, zumal er auch um Beschäftigung buhlt und richtig Freude ausstrahlt, wenn ich mit Sattel und Trense komme. Er nimmt nach wie vor die Trense gierig selbst ins Maul und bewegt sich gerne unter dem Sattel, unabhängig davon, dass es sich gerade nicht so schön anfühlt, weil ihm sein Körper gerade mal im Weg steht. Hätte er nicht diese Freude daran, würde ich sofort für eine Weile verzichten, aber er will ja. Also fühle ich mich immer ran, was geht, was sinnvoll ist, was für ihn gut ist, was natürlich schwer zu fühlen ist, weil das Ergebnis nicht am selben Tag kommt. Das wird sich irgendwann demnächst zeigen. Aber er ist einfach nur fröhlich und kuschelig und baggert mich ständig an und ist maulig bis sauer, wenn ich mich mit Nacariño beschäftige.

Und so war der Ritt wieder nicht lange, danach durfte er noch auf sein geliebtes Podest.
Ich empfinde seinen Zustand im Moment offenbar deutlich schlimmer als er selbst. Er lässt sich davon nicht groß stören. Auf dem Podest genossen wir die Sonne, die es aber kaum schaffte, Wärme zu verbreiten – was für ein ar…kalter Tag!!
Die fehlende Wärme blies Dón mir hinterher mit seinen warmen Nüstern in den Nacken 🙂

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Montag, 25.4.

Noch kälter… Der Winter ist zurück… Und so war meine Reit-Motivation an der ganz unteren Grenze und ich nahm Dón ein bisschen an die Longe.

Das hatte ich ewig lange nicht mehr gemacht und so sah ich einen ganz anderen Dón – runder, mächtiger, was ist der schön geworden! 
Ich longiere sehr selten, aber das hat sich gelohnt heute. Es war so toll, ihm zuzuschauen, erst Recht, weil ich heute die erste Belohnung für meine Vorsicht und mein Zurücknehmen der letzten Tage bekam. 

Sonntag hatte ich auf der Hansepferd im Tagesprogramm Alizée Froment mit ihrem Schimmel im Tagesprogramm in einem kleinen Auszug ihrer Freiheitsdressur gesehen. Den hatte ich wohl irgendwie noch vor meinem geistigen Auge. Dón war ungeheuer motiviert und zum ersten Mal sichtbar versammlungsbereit. Er fing immer mehr an, mit seiner Spannung und seinen Bewegungen zu spielen, zwischendurch ging es mal mit ihm durch und er keilte so richtig von Herzen aus, wobei er sehr auf mich aufpasste. Das war schon deutlich und in dieser Form hatte er das noch nie gemacht – früher musste ich schon zusehen, nicht im Weg zu stehen, wenn seine Beine durch die Luft flogen. Heute alberte und tobte er rum, in meiner direkten Nähe, aber immer darauf bedacht, mich nicht in Gefahr zu bringen. Großartig. 

Das an sich war schon toll, aber diese Bewegungen, die er auf einmal zeigte… Da war das, worauf ich seit Wochen warte! Da war Versammlungsfähigkeit und Grundspannung, er trabte und galoppierte erhaben und gesetzt um mich herum, die Longe hing durch, er suchte Nähe, provozierte mich und ließ sich von mir provozieren, gab an, hatte Spaß, gab sich Mühe, hatte sichtlich Freude an der eigenen Bewegung. Sowas Schönes!

Am Anfang hatte er sein Steigen ein paar Mal gegen mich verwendet, er drehte sich blitzartig vor mich und hüpfte einfach immer wieder hoch. Ich kam wieder nicht an seine Seite. Witzbold. Ich ging also näher an den Kopf, drehte ihn in Ruhe und schickte ihn neu los. Schließlich wurde ich schneller und seine Albernheit ließ nach, und dann war das Steigen auch vorbei. Da war nicht ein hartes Wort gefallen, nicht eine Sanktion, das hätte ihn auch nur noch mehr gegen mich aufbringen können, aber es fühlte auch so einfach nicht nötig an. War es auch nicht. Einfach ruhig in die Bahn leiten, die ich haben wollte, und schließlich ließ er sich aufmerksam und willig darauf ein, so dass ich ihn nachher schnell die Hand wechseln und rechts und links flink angaloppieren lassen konnte.

Das hatte uns beiden so richtig Spaß gemacht. Die Kälte war vergessen, wir waren völlig ineinander und in unser gemeinsames Spiel versunken.
Und ich hatte die Bestätigung für mein Warten gesehen – die Grundspannung kommt zurück. Aber dieses Longieren von heute, das werde ich mal ein bisschen beibehalten und fördern. Das war einfach Spaß pur! Ausatmen und freuen!

Und da soll ja jetzt mal keiner glauben, dass ich mir bei diesen ganzen Albernheiten, die ich so mit meinen Pferden mache, nie weh tue. Nur weil ich davon selten erzähle. Das liegt eher daran, dass ich das meist bis zu Hause schon wieder vergessen habe 🙂

Im Moment allerdings tut mir einiges weh. Vor einigen Tagen hatte ich Flamenco an der Hand, der wollte an der Ecke Teich / Garten die Flucht ergreifen und landete nach einer ungewollten, aber sehr schönen Pesade (merken!) auf meinem großen Zeh. Das tat in der ersten und zweiten Sekunde gar nicht so weh, in der dritten und vierten (und den nächsten 200) um so mehr. Der Nagel ist zum Glück noch drauf und wächst jetzt sehr farbenfroh nach.

Kurz darauf lag Nacariño auf dem Platz, ich legte mich dazu, legte seinen Kopf noch einmal flach ab und dabei schnellte sein Vorderbein nach vorne. Gegen mein da im Weg liegendes Knie. Direkt oberhalb der Kniescheibe. Auch das tat im ersten Moment nicht sehr weh – und dann konnte ich nicht mal aufstehen. Mir wurde schwarz vor Augen und ich brauchte eine ganze Weile, um hoch zu kommen. Mittags sah ich dem Knie beim Anschwellen zu, das Laufen war ein paar Tage unangenehm, inzwischen geht auch das wieder. Ich könnte mich scheckig lachen – ich muss nicht mal runterfallen für sowas…!

Für die beiden nächsten „Unfälle“ ist Dón verantwortlich – am Samstag guckte er beim in den Stall führen in der Luft herum, geriet mit seinem Huf zwischen meine Beine trat von hinten auf die Innenseite meines Fußes. Er rutschte an meinem Hallux ab und das nahm mir nun aber wirklich die Luft. Das tat schier unglaublich weh. Ich passe im Moment nicht in alle Schuhe…

Dafür taperte er Montag um so vorsichtiger und aufmerksamer hinter mir her, der Gute, schlug mir allerdings bei dem Versuch, ihm ein Kompliment zu entlocken, doch tatsächlich mit seinem Karpalgelenk derartig gegen den Mund, dass ich nun mit dicker Lippe rumlaufe. Das muss man auch erstmal schaffen…!

Also, an alle, die sich hier und da weh tun und glauben, mir würde sowas nicht passieren – doch, tut es, und im Moment auch noch gefühlt alle paar Tage. Und wie gesagt, ich muss dafür nicht mal runterfallen… Reiten ist nicht gefährlich! Am Boden ist gefährlich!!
🙂

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Mittwoch, 27.4.

Ich wollte das Wonne-Longieren wiederholen, aber daraus wurde nichts. Es hatte Unmengen geschüttet in der Nacht und der Platz stand völlig unter Wasser. Auf diesem Boden lief Dón natürlich ganz anders, und auch wenn er sehr wohl Lust zum gemeinsamen Spiel hatte, konnte er die Bewegungen vom letzten Mal nicht wiederholen. 
Und so verließen wir nach wenigen Minuten den Platz wieder, als erneuter Nieselregen einsetzte.
Immerhin hatte Dón nicht auch nur ein einziges Mal einen Steige-Versuch unternommen.

Er durfte noch ein paar Löwenzahn-Blätter zupfen und sich dann über das frisch gefüllte Heunetz hermachen.

In einem Hinterhuf ist der Strah wieder etwas weicher, das behandelte ich, natürlich knutschten wir noch eine Weile herum, aber das war’s dann auch für heute.

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Freitag, 29.4.

Dachte ich so, zeige ich doch auch Dón nochmal die Halle vor dem 1. Mai – und nehme dafür doch auch gleich noch mein Handpferd mit. Man kann ja auch mal Dinge üben.
Und nicht einfach immer nur machen, sondern vielleicht auch mal was vorbereiten.

Das war ein weiser Entschluss, kann ich nur sagen. Dón hat dann mal Sonntag frei 🙂

Mit Handpferd ging so ungefähr nichts außer nebeneinander her Schritt und Trab. Nacariño ging nicht einen einzigen Spanischen Schritt, mit beiden die Fahne mitzunehmen scheiterte an der deutlich zu geringen Anzahl Hände, die mir zur Verfügung stehen, den zuvor eigentlich geplanten ersten gemeinsamen Galopp ließ ich schnell fallen, da ich mich auf einem verblüffend grellen Dón und neben einem extrem unausgelastet wirkenden Nacariño wiederfand. Ich wusste gar nicht, wie mir geschah, die beiden waren schlicht unmöglich und wurden immer unmöglicher.

Dón fühlte sich einerseits gut an – dynamisch, gehfreudig, kernig – aber mir war relativ schnell klar, dass ich in dieser Stimmung auf keinen Fall mit zwei ihm fremden Stuten zusammen hier reiten möchte. Nebst einem Nacariño an der und einer Fahne in der Hand.
Damit starb schon mal die Idee für das erste Schaubild „Flagge zeigen“.
Gut, macht nichts, das kann ja auch einer alleine zeigen. 
Dón hätte dann noch das Abschlussbild „Nimm zwei“. Und da diese zwei gerade viel mehr mich nahmen als ich sie, cancelte ich das gedanklich auch.

Bei Dón derzeitiger Schlaksigkeit bin ich nicht so traurig darum, dass er nun nicht mitkommt, und so konnte ich ohne Gedanken an Sonntag einfach reiten. Dafür allerdings gab ich Tanja eine Weile Nacariño als Handpferd mit, weil Dón jetzt unbedingt mal galoppieren musste.

Hoppla! Er sah Nacariño neben Flamenco und war empört. Ehrlich empört. Eigentlich urwitzig, aber er fühlte sich an, als hätte er in eine Steckdose gegriffen. Hauaha, war der unter Strom! Alle seine Sinne waren bei Nacariño und Flamenco, ich rief mich mal kurz in sein Gedächtnis zurück. Seiner Grundspannung tat das ungeheuer gut, er bewegte sich plötzlich wieder ganz anders. Ach was!

Und dann wollte ich angaloppieren. Meine Güte, ging der los! Ich raunzte ihn an, sowas brauche ich nicht nochmal, hatte ich jetzt lange genug in weiß, er soll sich doch bitte zusammenreißen. Ich hatte richtig was in der Hand, er war so am powern, aber irgendwie war das auch toll, weil da mal wieder die Grundspannung war, die er in letzter Zeit nicht hatte. Also ließ ich ihn machen und sah nur zu, dass ich immer mehr zum Loslassen kam.

Und so bekam ich tatsächlich schließlich ein paar Galoppsprünge, die einen ersten Hauch von Versammlung ahnen ließen. Und das an ganz leichter Hand.
Im Trab bat ich ihn „Denk Passage!“, worauf Tanja meinte „Das kann er doch noch gar nicht!“. Ich meinte daraufhin „Muss er auch nicht, aber vorstellen kann er sich’s doch!“ – tat er nicht, aber fühlte sich trotzdem ganz gut an.

Und noch während ich spontan überlegte, ob ich einen fliegenden Wechsel wagen sollte, sprang er genau den und dann holten wir uns noch ein paar schöne Trabtritte und dann war gut. Er schwitzte ein wenig, sah aber ungeheuer stolz und schön aus.
Da war er wieder, mein schöner Dón!
Und der freie Sonntag ist richtig für ihn im Moment, denn da hätte ich keine Möglichkeit, ihm reiterlich das zu bieten, was ich ihm jetzt hatte bieten können. Danach hat er leider noch eine Woche Pause vor sich, weil ich am Montag (freu!!) nach Portugal fliege, aber ich bin mal gespannt, wie er sich danach anfühlt. Und hoffentlich ist dann das Wetter auch wenigstens echt Frühling, noch toller wäre natürlich sommerlich…

Noch sind die Weiden nicht fertig und ich hoffe, das werden sie nun bald. Weide täte ihm echt gut jetzt. Die Pferde gieren nach grün und dürfen nicht, nur hier und da mal an der Hand – und morgen ist Mai… Menno! Hoffentlich geht das bald los!