Meine Küken

Ich züchte nicht. Das gleich vorweg. Aber erklär das mal einer den Vögeln!
Ich habe nur Höhlenbrüter, steht so im Buch. Das Buch haben die aber nicht gelesen. Nirgends hänge ich Nistgelegenheiten auf, interessiert sie nicht, Eier kann man überall hinlegen. Schon krass, wie lege- und brutwillig manche sind!

Die Wellensittiche wollen offenbar wirklich einen Nistkasten haben. Noch nie hat bei mir ein Welli Eier gelegt – sie haben nur kaum etwas unversucht gelassen, eine Höhle zu finden. Zerlegte Bücher im Regal gehen da mal ganz schnell. Der Hammer waren Löcher in der Hauswand, da passte schon der halbe Sittich rein. Die zernagen dann halt auch mal ne Hauswand – von innen. Da ging eine Menge Spachtelmasse rein…

Die erste, die bei mir tatsächlich ein Küken aufgezogen hat, war Schönsittich Naranja, die, wie auch Quedo, seit dem 3.10.2013 bei mir war.
Im Sommer 2015 legte sie 3 Eier, daraus schlüpfte das erste Küken bei mir überhaupt – aber wie das wohl manchmal mit „Erstlings-Bruten“ so ist – sie konnte damit überhaupt nichts anfangen. Das Küken war nach drei Tagen unterkühlt und verhungert.

Ende 2015 brütete sie wieder, und das wurde tatsächlich das erste bei mir groß gewordene Küken. „Tarjous“ schlüpfte am 12. Januar 2016.
Das war ein großartiges Erlebnis!

Vater Quedo, * 2013

schoensittich

Mutter Naranja, * 2012 (span.: orange)

Tarjous musste von Anfang an Überlebenswillen zeigen – und tat es.
Trotz wahrlich widriger Umstände wie einer ausgefallenen Heizung (im Januar!) und schließlich der laute Einbau einer neuen in Tarjous‘ ersten Lebenstagen und -wochen kümmerte Naranja sich gut um ihr Küken und versorgte es. Sie verließ allerdings ziemlich früh das Nest (in diesem Fall eine mit Sand und Späne gefüllte Schale, die den Sittichen zum Buddeln diente – eigentlich…) und ich hatte Sorge, dass das Küken nicht überleben würde. Vermutlich war Naranja aufgescheucht durch den Lärm des Heizungsbaus und die fremden Leute im Haus. Ein Heizlüfter sorgte zwar für Wärme, ließ die Temperatur im Zimmer aber auch ziemlich schwanken, also phasenweise waren das wahrlich keine kükenfreundlichen Umstände. Aber Tarjous biss sich durch.
21.1. – 9 Tage alt:

21.1. - 10 Tage

Und so dachte ich, wenn es hilft, dass der Zwerg einen Namen hat, dann bekommt er mal lieber schnell einen, und ich wählte das finnische Wort für „zart“ und „klein“ – Tarjous. Ich hätte auch gut ein Wort für „Kämpfer“ nehmen können!
26.1. – 2 Wochen alt:

26.1. - 2 Wochen

Naranja und Tarjous am 3.2. (3 Wochen alt):

3.2. - 3 Wochen

9.2. – 4 Wochen alt:

9.2. - 4 Wochen

Innerhalb weniger Tage umfasste Tarjous den Finger, auch wenn das anfangs noch sehr wackelig war. Das strupsige Aussehen verwandelte sich langsam in ein ansehnliches und farblich sehr hübsches Federkleid.
Mit den Flügeln konnte Tarjous noch nichts anfangen, aber es war absehbar, dass dies nur noch eine Frage von Tagen sein würde.

14.2. – fast 5 Wochen alt:

14.2. - fast 5 Wochen

Auf dem Finger halten konnte sie sich jetzt gut, und in diesem Stadium wagte sie die ersten 20-cm-Flüge über das Bett. Und sie wurde ein verdammt schneller Läufer! Wie ungeheuer schnell das alles geht…
Ich verklebte also die Fenster mit Folie (Teile eines Duschvorhangs), die ich, wenn sie zu fliegen anfängt, eine gute Woche dran lassen wollte.

17.2., 5 Wochen alt:

17.2. - 5 Wochen

Das mit dem Fenster war aber auch genau am richtigen Tag.
Hier übten wir noch klettern…

17.2. - auf dem Weg zum Kampfsittich!

…kurz darauf flog Tarjous einfach los.
Und stellte sich dabei sehr geschickt an.
Bei ihrem ersten Blick aus dem Fenster wurde ihr bewusst, um wie vieles größer die Welt doch ist, als sie bislang ahnte.
Und diese Welt kann auch noch jeden Tag anders aussehen! Am nächsten Tag lag Schnee, was Tarjous erstaunte und sie wieder völlig fasziniert stundenlang rausgucken ließ.

18.2

Nun muss so ein Vogelkind ja auch selbständig fressen lernen. Sie machte es den anderen nach und nahm einfach probehalber mal alles in den Schnabel, was da so rumlag. Schmeckte alles komisch hier, fand sie. 

17.2. - schmeckt alles komisch hier

Da lässt man sich aber doch lieber von Papa füttern.
Der versorgte sie großartig!

17.2. Papa füttert

Oder von „Tante“ Chiné, die, nachdem ihr eigener Kinderwunsch nicht erfüllt wurde, sich sofort bereit erklärte, die Patenschaft zu übernehmen. Naranja war’s nur Recht. Die kümmerte sich fortan nicht mehr, die legte lieber schon die nächsten Eier.

20.2. c

Chiné fütterte begeistert mit – damit hätte ich bei den ersten Annäherungsversuchen gar nicht gerechnet, denn da hat sie sich erst angeschlichen und dann gebissen. Die Streitlust wich aber sehr schnell der Fürsorge, und so wurde das verwöhnte Einzelkind immer mopsiger und propperer. Es sei ihr gegönnt, ihr Start war schwer genug!
An der reinen Größe war kaum noch zu erkennen, dass sie noch keine sechs Wochen (!) alt war – nur das Baby-Gefieder, der kurze Schwanz, der Schnabel und der jugendliche Gesichtsausdruck zeigten noch das Kind.

Das mit dem Fressen ließ ihr ja keine Ruhe. Die anderen machen es doch auch! Da merkt man mal, wie viel durch Abgucken und Nachmachen gelernt wird. Wie macht man das bloß mit Handaufzuchten??
Ich legte Hirsekolben hin, an denen sie mit Wonne rumprobierte.

20.2. a

Zeitung war allerdings viel einfacher.
Was so einem jungen, unerfahrenen Vogel wohl besser schmeckt?

20.2. b

20.2. – ein kleiner Prachtkerl!

20.2. d

Mit 6 Wochen (23.2.) ließ die Zahmheit nach, sie wurde immer selbständiger, wurde weniger von den anderen gefüttert, probierte aber auch von sich aus einfach alles aus. Zu süß, wenn sie dann mit einem Salatblatt kämpfte oder mit Möhrenstreifen.
Sie probierte verschiedene Schlafplätze aus, gerne allabendlich einen anderen.

23.2

Das Gesicht war noch immer so niedlich kindlich…

23

Tarjous im Sommer 2018 – zweieinhalb Jahre alt.

Geplant war nicht, dass hier noch einmal Nachwuchs zur Welt kommt – zum Einen möchte ich keinen Vogel in andere Hände geben (müssen), zum Anderen waren es inzwischen auch eine ganze Menge mehr geworden.

Meine Bourkesittiche Vocecita und Tíerno (beide inzwischen 5 Jahre alt) legten es allerdings mächtig auf Nachwuchs an. Anfang 2020 vergaß ich tatsächlich, die Eier auszutauschen… Ich nehme sie den legewilligen Hennen nie weg, weil sie dann nur weiterlegen und ich damit Legenot riskiere, ich tausche sie einfach in einem günstigen Moment gegen ältere Eier aus.

Vocecita legte eine Runde nach der anderen und gönnte sich kaum eine Pause dazwischen, was mir überhaupt nicht gefiel, aber wie dran hindern…? Nun also hatte ich das Tauschen vergessen.
Und so hörte ich Mitte März ein ganz feines Fiepen und guckte genauer hin – und da lagen tatsächlich zwei Küken! Und zwei Eier waren noch da…
Das erste war am 13. geschlüpft (Freitag, der 13. …), das zweite am 15.
Sie wusste nicht so Recht etwas mit den beiden anzufangen, zumindest mal nicht mit dem ersten. Tatsächlich starb das „Freitag-der-13.-Küken“ dann leider am 3. Tag. Das andere Küken schob ich immer wieder in ihre Nähe – sie huderte gewissenhaft die beiden verbliebenen Eier, nahm das Küken aber nicht so Recht unter ihren warmen Bauch. Das schien besser zu werden, nachdem ich das verstorbene Küken weggenommen hatte, schließlich sah ich sie auch endlich einmal füttern.
Vielleicht abergläubisch, aber egal – ich hoffte, die Überlebenschancen zu erhöhen, wenn es möglichst schnell einen Namen bekam. Ich hoffe, der Name ist gut gewählt…: Lífið (isländisch: Leben, gesprochen: Lywis).

Am 17. lag das nächste Ei kaputt neben ihr und ich wartete, was ich zu sehen bekommen würde. Ein weiteres Küken war geschlüpft, aber nun schien sie sich dennoch nur um eines zu kümmern – so ganz kam das Mutter-sein bei ihr noch nicht durch. Nach der Idee einer Freundin, die sagte „Die sehen ja aus wie eine Pusteblume…“ (wie Recht sie hat!) nannte ich dieses Küken Løvetann (norwegisch: Pusteblume, gespr.: Löwetann).

Ein Ei war noch da…
Und daraus schlüpfte am 19. März Sjel (norwegisch: Seele).
Aller guten Dinge sind drei!
Inzwischen kümmerte sich Vocecita rührend um ihren Nachwuchs.
Ich hoffte so sehr, dass alle drei durchkommen…
Sjel blieb allerdings, warum auch immer, außen vor. Sie schob ihn immer wieder weg, ich schob ihn immer wieder hin. Am 21. März war er tot.

Um Lífið und Løvetann kümmert sie sich nun aber gut – hoffentlich kommen die beiden durch! Wie spannend!
Ich bekam eine Chance auf ein Foto, also Vocecita kurz nach draußen flog, um sich zu entleeren. So sahen die beiden, die daraufhin ein bisschen rumrangelten, am Morgen des 21. März aus, also 6 und 4 Tage alt:

Anhand dieser beiden verfolgen wir jetzt an dieser Stelle einmal gemeinsam die komplette Entwicklung bis zum ausgewachsenen Bourkesittich!

Die Brutzeit
Etwa 8 bis 14 Tage nach der Befruchtung beginnt die Henne mit der Eiablage.“
Vocecitas Gelege hatte 4 Eier, die im Abstand von jeweils 2 Tagen gelegt wurden – das ist der “gute Durchschnitt”, es gibt auch Gelege von nur einem bis hin zu 7 und mehr Eiern.
„Die Henne verlässt ihr Gelege nun nur noch zur Kotablage, meist nur 1x täglich, und wird in dieser Zeit vollständig vom Hahn versorgt.

Vocecita saß geduldigst auf ihren Eiern, Tíerno versorgte sie gut.

Die erste Woche im Leben eines Kükens
„Nach ca. 18 Tagen (Wellensittich) schlüpft das erste Küken, im Abstand von jeweils ca. 2 Tagen schlüpfen die anderen. Das ist schon der erste Kraftakt im Leben eines kleinen Vogels: mit dem Eizahn wird die Schale ringförmig an- bzw. aufgepiekst, bis diese bricht und sich das Küken mit den Beinchen aus dem Ei stemmen kann.“
Gefühlt hat es bei den Bourkis ein paar Tage länger gedauert bis zum Schlüpfen – aber da ich ja dachte, ich hätte die Eier ausgetauscht, habe ich auf den genauen Zeitpunkt leider nicht geachtet… Nächstes Mal 🙂

Der Eizahn ist der weiße kalkhaltige Höcker auf dem Schnabel und wird nur hierfür benötigt. Er verschwindet in Kürze. Man sieht ihn hier an der Schnabelspitze des frisch geschlüpften Sjel:

„Das nackte, blinde und nur ca. 2 Gramm (!) schwere Küken wird nun von der Mutter gewärmt und schließlich auch gefüttert. Hierfür würgt die Mutter ein Vormagensekret (Vormagenmilch) hervor, das nur sie bilden kann. Die Anregung, diese Milch zu bilden, erhielt sie durch die ersten Piepslaute des Kükens etwa 2 Tage vor dem Schlüpfen.“
Vocecitas Küken waren nicht völlig nackt, nach dem Trocknen waren sie zum Glück!) schon von einem weißen weichen Flaum bedeckt. Wellensittich-Küken sind tatsächlich vollkommen nackt. Man vergleich das mal mit Hühnerküken, die ja nach einer Stunde im Prinzip „fertige Vögel“ sind…!
Die Laute des Kükens waren anfangs extrem zart und leise, aus dem Ei heraus war gar nichts zu hören (also, für mich. Für Vocecita sicherlich schon). So richtig hörte ich sie erst im Verlauf der ersten Woche, in der zweiten Woche wurden die Stimmchen kräftiger und in der dritten Woche war vor allem das knurrende, fauchende Schimpfen gut hörbar, wenn ihnen etwas nicht passte 🙂
„Nach dem Schlüpfen zehren die Küken aber auch noch ihren Dottersack auf, der sie für mehrere Stunden bis hin zu zwei Tagen versorgt. Danach wird es seinen Hunger mit Piepslauten kundtun, damit die Henne füttert.“
Nach diesen 2, maximal 3 Tagen endet allerdings auch das Leben der Küken, die von einer Henne – warum auch immer – nicht gefüttert und gewärmt werden. Vocecita hat ihr erstes und das vierte Küken nicht angenommen. Dies hier ist der Vierte, Sjel, *19.3., 21.3.:

„Die Küken können noch nicht sitzen oder länger den Kopf heben, so dass die Henne sie in den ersten Lebenstagen zur Fütterung auf den Rücken dreht, damit sie schlucken können.“

“Das Körpergewicht des Kükens verdoppelt sich am ersten Tag (!) und nun geht die Gewichtsentwicklung rasant weiter. Die Henne wird weiterhin vom Hahn versorgt.“

Die zweite Woche
„Die Henne mischt der Vormagenmilch nun immer mehr vorverdaute Körner bei. Welches Küken welche Zusammensetzung benötigt, muss sie wissen, da der Verdauungstrakt noch enorm empfindlich ist und die wenigen Tage Unterschied zwischen den Küken einen großen Unterschied bei der Verdaulichkeit des Futters darstellen.“
Ich bin ganz froh, dass Vocecita bei ihrem ersten Mal nur 2 Küken großziehen muss und Lífið und Løvetann nur 2 Tage auseinander sind, das macht es für sie sicherlich einfacher!

Nach nur einer Woche sind schon erste Rangeleien unter den beiden zu beobachten, sie scheinen ständig ineinander verschlungen zu sein, üben schon einmal kraulen, und die noch nackten “Ärmchen” machten erste Flatterbewegungen, während sich die Beine schon sehr energisch bewegen.
24. März – links Lífið am 10., rechts Løvetann am 8. Tag:

Vocecita verlässt die beiden nun etwas häufiger, manchmal mehrfach am Tag, aber immer nur wenige Minuten, um sich zu entleeren oder sich in der Frühlingssonne in der Außenvoliere zu putzen. Nun frisst sie auch – neben der Fütterung durch Tíerno – selbst und kann so das nächste Futter für die Kleinen “herstellen” – vorverdaute Körner mischen sich jetzt immer häufiger in den Futterbrei. Trotzdem füttert er sie noch ständig mit.

Morgens bietet sie mir während ihres Ausfluges in die Außenvoliere immer die Chance zu einem Foto – Lífið (vorne) am 11., Løvetann am 9. Tag:

„Zwischen der ersten und zweiten Woche öffnen die Kleinen die Augen und die ersten Federkiele bilden sich aus.“
Das kann man auf dem Bild bei Lífið schon ein wenig erkennen, er wirkt „stacheliger“ als der noch ganz puschelige Løvetann.
Nur 2 Tage Unterschied!

26. März – oben: Løvetann am 10. Tag,
unten: Lífið am 12. Tag – ob da wohl morgen die Augen offen sind…?

Nein, noch nicht offen 🙂
Lífið am 13. Tag

Løvetann am 11. Tag

Am Morgen des 13. bzw. 15. Tages (29.3.) kam ich morgens runter und was ich da sah, ließ wirklich mein Herz aufgehen – zugegeben, nicht sofort, denn Wellensittich Viajado, der mir im letzten Sommer zugeflogen war, ist normalerweise ein rotzfrecher, rabiater Macho. Nun aber saß er da und kraulte ungeheuer liebevoll die Küken, während Mama und Papa in Ruhe frühstückten. Ich konnte es kaum glauben.

Corona hin oder her – hier ist die Kita geöffnet!
Babysitter Viajado:

Als Vocecita fertig war mit Frühstück schickte sie ihn rigoros weg. Aber wie ich ihn kenne, nutzt er die nächstbeste Gelegenheit, um weiter zu kraulen. Und da sie die beiden inzwischen schon mehrmals am Tag alleine lässt, kann es nicht lange dauern, bis der „Kindergärtner“ wieder da ist.
Dauerte es auch nicht – er ist sofort da, sobald sie die beiden alleine lässt.

Übrigens: Lífiðs Augen waren morgens immer noch nicht offen…
Aber abends!!
Hier sieht man auch sehr gut, dass Vögel sehr wohl Ohren haben – und wo diese sind. Später sind die Ohren von Federn überdeckt. Die Nase hat schon fast Originalgröße… 🙂

Der 29.3. war Lífiðs 15. Tag – und damit beginnt für ihn…

Die dritte Woche
„Die Augen sind offen. Die Küken lernen nun wichtiges Sozialverhalten, kraulen und füttern sich gegenseitig, rangeln und spielen miteinander.
Der Hahn füttert die Jungen regelmäßig mit. Das Gefieder bildet sich aus.“

Tag 14 für Løvetann – das rechte Auge ist ein winziges bisschen geöffnet!
Kopf heben ist nicht möglich, nachdem Mama gerade gefüttert hat – da ist nur noch umfallen und schlafen angesagt 🙂

Während Lífið (Tag 16) schon ein bisschen zu gucken scheint und sich inzwischen auch ziemlich wacker und kräftig bewegt:

Auf die Farben bin ich ja ohnehin gespannt, aber inzwischen wird auch deutlich, dass Lífið deutlich dunklere Füße hat als Løvetann. Ob das schon ein Hinweis darauf sein kann, wer farblich später dem Vater und wer der Mutter ähneln wird…? Vocecita hat helle, Tíerno dunkle Füße…
Erst einmal gibt es ja aber ohnehin das „Jugend-Gefieder“. Voll ausgefärbt sind die Kleinen erst nach der Jugendmauser, so nach 6 bis 9 Monaten. Die Veränderung wird dann aber nicht mehr so gewaltig sein wie z. B. bei einem Hoodedsittich-Hahn, der sich ja im ersten halben / Dreivierteljahr mit der Farbe der Henne tarnt. Danach aber erkennt man das Geschlecht zweifelsfrei an der Farbe – so einfach machen die Bourkis einem das nicht!

Tag 15 und 17 – Løvetann (die Augen sind offen!) probiert schon mal ein bisschen seine Flügelchen aus und Lífið übt ein echtes Charme-Gesicht:

Am Abend kamen die beiden zum ersten Mal auf die Waage (hätte ich schon viel früher machen sollen!) – Løvetann wiegt 28 Gramm, Lífið 36. Wenn man überlegt, dass 15 bzw. 17 Tage zuvor noch 2 Gramm waren…!

Tag 17 und 19 – ich mache mir Sorgen, ob die Eltern die beiden noch richtig versorgen. Vocecita ist kaum noch bei den Küken zu sehen. Løvetann ist nur 2 Tage jünger, aber der sichtbare Abstand zwischen den beiden wird für mein Gefühl größer. Sie fühlen sich sehr „weich“ an, anfangs hatten sie irgendwie strammere Körper. Immerhin sind sie zu zweit, aber das bei 16 Grad… Ich weiß nicht, ich mache mir echt 1000 Gedanken im Moment.
Zudem habe ich Sorge, dass sich Spreizbeine entwickelt haben – auf dem Käfigboden liegen Holzschnitzel, die strampeln sie aber sehr regelmäßig weg und liegen dann wieder auf dem blanken Boden. Und das gerne mal mit zumindest einem ziemlich abgespreizten Bein.
So habe ich also vorhin mal vorgesorgt, damit sie zum Einen die Einstreu nicht so leicht wegschieben können – gerade jetzt, wo sie immer aktiver werden – und zum Anderen haben sie es dann zumindest von unten noch ein wenig wärmer. Sie liegen jetzt in einer Mulde auf viel Einstreu und einem Leinentuch. Ich hoffe nur, dass die Eltern nicht mit Kulleraugen ankommen und sagen, das ist nicht ihr’s und da nicht mehr hingehen… Aber normalerweise sind die Bourkis reichlich cool und lassen sich so schnell nicht abschrecken. Sieht man ja alleine schon daran, dass Vocecita in einem Raum mit 20 Vögeln auf dem Käfigboden brütet, während im Käfig tagsüber Ziegensittiche rumturnen und nachts Wellis schlafen…
Der Käfig hat keine Türen, mir geht es nur darum, dass die Vögel nicht völlig „käfigentwöhnt“ werden und der einfach dazu gehört, sie können aber alle entscheiden, wann und ob sie rein und raus wollen. Folglich kann ich jetzt auch nicht zumachen – wenn, müsste ich Tíerno mit einsperren…
Nee, muss so gehen. War ja deren Entscheidung.
Aber dass sie sie jetzt so viel alleine lässt macht mir echt einen Kopf.
Ich schätze – und hoffe – ich mache mir hier viel zu viel Kopf.
Naranja hat damals Tarjous auch ganz früh so oft alleine gelassen…

Die Kleinen fanden das Tuch jedenfalls sofort total spannend und knabberten dran rum.
Jetzt dachte ich, die sind langsam aus dem Gröbsten raus, da wird es gerade immer aufregender – bzw. besorgniserregender… Also – atmen! Die beiden sind so weit gekommen, das hat hoffentlich alles so seine Richtigkeit…
Wegen der vielleicht-Spreizbeinchen konsultiere ich mal einen Tierarzt in der Hoffnung, nicht mit den Küken da hinfahren zu müssen…

Am selben Abend erwischte ich endlich einmal alle beim Füttern – mit alle meine ich, dass, als ich reinkam, Babysitter Viajado fütterte, danach kamen dann mal die Eltern. Vocecita fütterte ausgiebig, vor allem Lífið, der inzwischen schon gut den Kopf heben und oben halten kann, während Pusteblümchen Løvetann seinem Namen alle Ehre macht und still zurückhaltend abwartet… Er könnte sich viel aktiver um Futter bemühen, denn so ist vorprogrammiert, dass er zurück bleibt. Vocecita hat ihn immerhin auch noch gefüttert, aber sie füttert halt deutlich mehr den Schnabel, der immer aufgerissen vor ihrem herumschwebt…
Dennoch – das Tuch ist akzeptiert, es wird gefüttert. Also – entspannen!
Løvetann an Tag 17:

Lífið, Tag 21 – der kann aber auch bezaubernd gucken!!

Und schon ein richtiges kleines Flügelchen…:

Das Tuch war eine wirklich gute Idee – ich muss es zwar täglich wechseln, habe bei den Haufen, die die beiden absetzen, aber immerhin keinen Zweifel, dass sie gefüttert werden 🙂
Der schon ganz schön agile Lífið saß heute morgen, als ich runterkam, in einer Käfigecke – auf dem Tuch kann man ganz gut krabbeln. Ich setzte ihn zurück zu Løvetann und die beiden drängten sich sofort eng aneinander.
Auf dem Tuch habe ich nicht mehr so die Sorge vor Spreizbeinchen – auch hier stellen sie die Beine zwar mal seitlich ab, aber beide können sich auf den Beinen schon ein bisschen abstützen und die Zehen fangen schon an, zu greifen. Einen Termin beim Tierarzt habe ich vorsorglich dennoch gemacht.
Tag 19 und 21:

Die vierte Woche
„Nach nicht einmal 3 Wochen haben die Kleinen bereits fast das Gewicht eines erwachsenen Vogels! Die Küken sind nun voll befiedert, wenn auch Schwanz- und Schwungfedern natürlich noch nicht die volle Länge haben. Erste Flugversuche werden unternommen und das Nest wird langsam verlassen. Die Eltern füttern weiter, ganz neugierige Küken versuchen aber durchaus schon, selbst alles mit dem Schnabel zu erkunden und selbständig zu fressen.“
So der Plan bei Wellensittichen.
Bei meinen beiden kann weder von voller Befiederung noch von ersten Flugversuchen geredet werden, und Løvetann hinkt gewichtsmäßig auch ziemlich hinterher. Mein Verdacht auf Spreizbeine erhärtet sich, insbesondere bei Løvetann. Währen Lífið es durchaus schon schafft, sich auf seine Beinchen zu stützen und ein bisschen zu krabbeln – neuerdings finde ich die beiden immer in einer Ecke – liegt Løvetann weiterhin mit nach vorne geschobenen Beinchen auf dem Bauch. Verdammt!!
Nun habe ich ja zum Glück in Kürze den Tierarzt-Termin und bin mal gespannt – ich hoffe, dass das unproblematisch wird, mit den beiden mal eben 2 Stunden weg zu sein bzw. müsste ich Vocecita und Tíerno einfangen und mitnehmen… Aber da die beiden sie eh schon so viel alleine lassen würde ich den Eltern diesen Stress lieber nicht antun und hoffen, dass sie ihre Küken hinterher ganz normal weiter füttern. Aber das ist schon alles spannend…
Sollten es Spreizbeine sein, sollte ich aber auch nicht mehr allzu lange warten – je früher hier die Stellung der Hüfte korrigiert wird, um so besser kann der Körper die Korrektur in das normale Wachstum einbinden und der Vogel hat eine echte Chance für später. Die wird zunehmend schlechter, wenn das unbehandelt bleibt, und das Wachstum geht ja nun echt schnell…

Immerhin aber ist seit gestern eindeutig erkennbar, was man schon vermuten konnte – farblich kommt Løvetann nach der Mama und Lífið nach dem Papa! Hier die beiden an Tag 21 und 23:

Und dann also der aufregende Ausflug zum Tierarzt! Es muss schon ein vogelkundiger sein, nicht alle Tierärzte kennen sich mit Vögeln aus, und die, die Vögel „im Repertoire“ haben, machen dann meist auch Reptilien und Schlangen. Na, dann halt alles, was aus Eiern kommt 🙂

In den letzten Jahren war es immer ein Krampf, wenn ich mal etwas eher Besonderes mit den Vögeln hatte – in der Tierklinik in Wahlstedt war mal eine Vogel-Tierärztin, die aber irgendwie immer mega schlecht erreichbar war, dann war ich mal bei einer mitten in Hamburg, und die Tour ist ja überhaupt nicht meins – und für einen kranken Vogel eine Zumutung.
Vor langen Jahren war ich aber mal bei Dr. Warzecha in Oering und nun hatte ich nachgeguckt, ob er noch immer Vögel macht – ja! Und so fuhren wir dorthin. Na klar waren gerade da Vocecita und Tíerno am Füttern und wollten auch so gar nicht raus, mitnehmen wollte ich sie aber nicht. Ich wollte sie in der Außenvoliere haben und dann das Fenster zumachen, dann könnten sie zwar nicht rein, würden aber auch nicht mitkriegen, dass die Küken weg sind. So mein Plan.
Es dauerte einen Moment, dann ging der auch auf. Ich machte zu, packte die beiden Kleinen in meinen kleinsten Transportkäfig und fuhr los. So weit hatte Løvetann seine kleinen Augen noch nie aufgemacht! Beiden sah man die Angst an, was mir echt Leid tat…
Wir mussten dann ganz schön lange warten, die beiden nickten mal ein, waren aber sofort hellwach, sobald ich das Tuch ein wenig bewegte, das ich über den Käfig gelegt hatte. Am Empfang fragte man natürlich, was ich da mitgebracht hatte und ich sagte „Das wollen mal Bourkesittiche werden“. „Haben Sie die gefunden?“ Äääähhh… Nee… Wie kam sie denn da drauf?
Nach eineinhalb Stunden (!) Wartezeit rief Dr. Warzecha uns rein, lachte, als er die Anmeldung sah und klärte seine Assistentin über die korrekte Schreibweise auf, die offenbar gedacht hatte, ich hätte die Kleinen in einer Burg gefunden. Naja, ist ja auch schwierig, so bekannt sind die ja nicht.
Er war ziemlich begeistert, hatte vor vielen, vielen Jahren Wellis gezüchtet und es mit Bourkis probiert, was aber nicht klappte, um so erstaunter war er, als er hörte, unter welchen Bedingungen meine sich ihre Kinder erkämpft haben 🙂
Er erzählt viel und gerne (mir ist echt recht, es war spannend!) und machte so nebenbei Abstrich hier und Untersuchung da und Mikroskop dort, bescheinigte beiden eine gute Entwicklung – „Echt? Nur 2 Tage auseinander?“ – und sagte zum Glück, dass alle vier Hüften noch da sind, wo sie hingehören, die Chance aber 50/50 steht, dass Schäden kommen, wenn ich jetzt nicht eingreife. Vom Tapen hält er nicht viel und hatte dazu Schauergeschichten zu berichten, wenn dann tatsächlich OP. Oh je…
Ich solle aus Birkenreisig einen Untergrund legen, der zum Greifen zwingt. Wo jetzt mal eben Birkenreisig herkriegen…? Und dann wie legen, dass die Füße zwar drumrum können, aber nicht dazwischen geraten? Nochmal: oh je…
Alternativ beschrieb er eine Kokosmatte, die Taubenzüchter verwenden, ich solle versuchen, da ranzukommen. „Sie können ja zurück über Neumünster fahren, die gibt es da und da…“ – drittes oh je!! Doch nicht über Neumünster! Schon gar nicht mit den Zwergen! Die kommen erst nach Hause und dann sehe ich zu, wo ich einen Tag vor Ostern noch etwas besorgen kann – sonst muss ich basteln… Dazu kamen schon erste Ideen, aber erst einmal fuhr ich natürlich die Küken nach Hause, dann guckte ich online, ob „mein“ Futterhandel auf hat, von dem ich weiß, dass er auch viel Zubehör für Hühner etc. hat, so dass ich sehr hoffte, da fündig zu werden.
Dr. Warzecha hatte mir noch gesagt, dass ich jetzt möglichst oft mit beiden Greifübungen machen solle, damit die Beine den Anreiz bekommen, um etwas herum und unter dem Bauch zu greifen, als schiebend seitlich weg.
Ok!
Beide, allen voran Løvetann, schimpften inzwischen mächtig vor sich hin, das hatte ihnen hier alles überhaupt nicht gepasst. Sie knurrten und fauchten und waren überhaupt nicht amused. Ab nach Hause!!

Tatsächlich bekam ich in der Schnelsener Mühle die Kokosmatten. Die sind sehr weich und ich konnte mir kaum vorstellen, dass die ein nach außen rutschen der Beinchen verhindern sollten – aber: sie tun es! Und die sind mit Sicherheit viel bequemer und kuscheliger als Birkenreisig!

Wir waren 3 Stunden außer Haus gewesen, genau so lange waren die Eltern also auch ausgesperrt gewesen. Ich hatte kaum das Fenster auf, da kamen sie aber auch an – aber Viajado war schneller. Er fütterte als erster, dann kümmerten sich Vocecita und Tíerno um ihren Nachwuchs, der sich langsam entspannte und sich schließlich todmüde in einer Ecke zusammenkuschelte.

Abends machte ich noch ein paar kleine Greifübungen mit beiden, finden sie beide blöd. Løvetann hält nur ganz kurz durch und ermüdet super schnell dabei, Lífið machte das schon ganz gut. Dr. Warzecha meinte, nach Ostern muss das deutlich besser sein, dann haben sie eine echte Chance, ansonsten wird es ziemlich sicher eine Fehlstellung geben, die voraussichtlich operiert werden muss. Also drohe ich den beiden jetzt, dass ich ihnen erkläre, was eine OP ist, wenn sie sich keine Mühe geben!
Lífið, Tag 27:

Am nächsten Morgen (Tag 26 und 28, 10. April) hatte ich eine neue Idee – ich nahm eine meiner langen Leitern und setzte die beiden da drauf. Ich dachte, es wäre mit den zarten Streben vielleicht einfacher, ist es aber natürlich gar nicht, wenn man die Füße doch lieber lang lässt, als um etwas herum zu fassen! Die beiden ließen sich also immer zwischen die Sprossen fallen und ich fragte mich, wie es Mütter von Drillingen (oder mehr…) machen, wenn ich kaum abwechselnd 2 Küken so hinsetzen kann, wie ich will…
Lífið hatte das relativ schnell raus und versuchte kurz, festzuhalten…

…während Løvetann sich einfach auf den Bauch fallen ließ und maulte „Das geht nicht! Das kann ich nicht! Mimimi!!“

Papa guckt seinen Kids bei der Physiotherapie zu…

Und da beide recht schnell ermüdeten, ließ ich sie einfach mal in Ruhe und guckte, was sie machen. Lífið flitzte los und bekam plötzlich eine ganz andere Körperhaltung. Ach was! Neugier hilft! Köpfchen hoch und los!
Løvetann krabbelte hinterher steuerte natürlich wieder direkt auf die erstbeste Ecke zu und kuschelte sich da rein.
Osterausflug mit der ganzen Familie!

Nachmittags war es so wunderbar sonnig und warm, dass ich Familien-Osterausflug Teil 2 in Angriff nahm. Nachdem die beiden mir gezeigt hatten, wie fix sie laufen können, nahm ich sie mit raus in die Außenvoliere. Zum ersten Mal Sonne auf dem Gefieder!

Sie staunten nicht schlecht, und dann rannte Lífið aber los! Meine Güte, war das schnell! Und tatsächlich hob er 3x flatternd ab – seine ersten Kurzstreckenflüge! 3x 20 cm ungefähr – wenn ich da an Tarjous denke, dann fliegt Lífið in 3 Tagen… Wahnsinn!

Papa passte gut auf, Mama nahm das nicht ganz so genau.

Und natürlich war auch Babysitter Viajado nicht weit, allerdings war das gar nicht so witzig, was er hier draußen abzog – er beschützte und bedrängte Lífið, was soweit ging, dass er die Eltern wegjagte und Lífið richtig in Bedrängnis brachte. Ich schickte ihn wieder und wieder weg, aber jetzt kam seine machohafte Hartnäckigkeit voll durch. Da werde ich echt aufpassen müssen, dem ist Lífið nicht gewachsen.
Cachucha näherte sich vorsichtig und behutsam und passte tatsächlich kurz auf Løvetann auf. Sehr spannend, wie die anderen hier draußen auf die Küken reagieren! Entweder gar nicht oder mit Beschützerinstinkt.

Die beiden taten für die Füßen das beste, was sie machen konnte – sie kletterten auf den Steinen herum. Lífið machte das mit erstaunlicher Leichtigkeit, Løvetann tat sich sichtlich schwerer, bekam das aber hin.

Rauf ist leichter als runter… Ein Glück bremst der Schnabel mit!
Ich glaube, in der Viertelstunde ist den beiden wirklich klar geworden, wofür sie ihre Füße haben. Bislang waren die ja auch nicht wichtig.

Lífið flitzte begeistert von hier nach da und modelte zwischendurch.
Und plötzlich ist es ein richtiger Vogel…!

Ostersonntag, für die Küken Tag 27 und 29. Also – vier Wochen alt!
Ich nahm sie vormittags wieder mit in die Außenvoliere, und sie flitzten sofort los. Lífið mega neugierig, Løvetann anfangs etwas durcheinander und eher immer hinterher, aber Lífið war einfach zu schnell. Aus den Kurzstreckenflügen wurden Flüge von ein bis zwei Metern, aber noch immer recht bodennah. Also suchte Løvetann sich wieder ein ruhiges Eckchen und putzte sich ausgiebig. Vocecita und Tíerno rannten hin und her (vor allem er), und Viajado war auch sofort wieder am Start und bedrängte Lífið. Ich schickte ihn etliche Male weg.

Lífið nutzte die Leiter – von selbst hochgekrabbelt! – für Flügelgymnastik.

Die Greifübungen haben enorm was gebracht!
Beide können sich gut – und lange! – auf dem Finger halten:

Habe ich gesagt, Lífið fliegt in 3 Tagen? Also tatsächlich hat man im Zweifel genau einen Tag Zeit, so ein flügge werdendes Küken mit in den Garten zu nehmen – und das war heute. Ich nahm also beide mit auf den Rasen und so entstand der diesjährige Ostergruß:

Die beiden flitzten los, ich hinterher, und vorsichtshalber setzte ich Lífið mal wieder auf die Kokosmatte im „Transporteimer“, während Løvetann noch gucken durfte.

Dann kamen die beiden rein – Mittagsschlaf!

Nachmittags nahm ich die beiden noch einmal mit raus. Man sah ihnen an, dass sie’s toll fanden. Lífið rannte sofort eifrig los. Erst flog sie (ich sag jetzt einfach mal sie. Ich denke sehr, dass Lífið eine Henne ist) in der Voliere auf einmal nicht nur fünf Meter am Stück, sondern auch noch hoch und mit Kurve.
Als ich das sah, dachte ich, ok, dann heute nicht nochmal in den Garten…
Løvetann wollte hinterher und machte dabei seinen ersten 30cm-Flug! Die Landung war noch ziemlich unelegant, aber das schien ihn nicht zu stören.
Bei Løvetann bin ich mir völlig unsicher, ob Hahn oder Henne, mein Gefühl geht aber eher in Richtung Hahn. Spannend!

Und dann waren wir nachmittags doch nochmal im Garten… Es war so schön und Lífið so entspannt, sie blieb die ganze Zeit auf meinem Finger, war in der Voliere schon auf meinem Finger eingeschlafen und hatte sich mit Wonne kraulen lassen – so viel Nähe braucht Løvetann nicht. Er fühlt sich zwar in der Hand wohl und hält sich auch schon wirklich gut auf dem Finger, aber er muss ja jetzt einiges aufholen, sagt er, und flitzt lieber von hier nach dort. Trotzdem – kuscheln ist auch mal drin!

Treffen auf meinen Knien, Papa und seine Kids:

Familienfoto:

Hübscher kleiner Løvetann:

Und mit Lífið entstand das Osterfoto schlechthin:

Die fünfte Woche
„So langsam werden die Nestlinge flügge und immer selbständiger.“

Oh ja, und wie! Es geht so enorm schnell…
Ich dachte am Morgen des 13. April – Tag 28 und 30 der beiden -, ich mache mal den Boden der Innenvoliere etwas besser begehbar für die Kleinen und setze sie runter. Schluss jetzt mit Käfigboden, jetzt können sie den ganzen Platz haben!
Lífið war schneller. Wie auch immer – sie war schon unten, als ich kam…
Sie fliegt schon ziemlich lässig incl. hoch, runter, rechts und links – noch nicht jede Landung klappt, aber insgesamt macht sie das schon echt gut.
Mein Løvchen kam also mit nach unten und rannte sofort los. Papa aufgeregt hinterter, Mama zeigte sich ziemlich desinteressiert. Die sucht schon die nächste Ecke für neue Eier – oh Mann… Die werden aber wieder ausgetauscht, da kann sie mal sicher sein!

Die beiden untersuchten also höchst interessiert die etwa 6 Quadratmeter Fußboden des Innenraums. Lífið nahm schon mal ein paar Einstreuteile unter die Lupe – also in den Schnabel. Noch schien nichts zu schmecken.

Løvetann suchte sich nach ein paar Kurzstreckenflügen für eine Erholungspause eine Ecke aus, bei der ich das Gefühl hatte, dass es hier vom darüber liegenden Fenster her ein bisschen zieht. Ich bastelte also ein Dach, so dass die beiden eine Höhle haben. Auf den Boden legte ich die vertrauten Kokosmatten – Løvetann fand’s toll und nutzt das als häufig aufgesuchten Pausenraum.

Lífið schlief auf meinem Finger ein…
Ich bin sowas von verknallt in diese zuckersüße Küken!!

Tag 31 für das Løvchen, Tag 33 für Lífið (16. April):

Lífið fliegt inzwischen lässig überall hin und war heute, als ich von der Arbeit kam, schon draußen in der Voliere.
Løvetann ließ sich ein bisschen kraulen und nach draußen setzen, wollte dann aber fliegen üben. Immer noch recht bodennah, die Landung sieht nicht immer so gewollt aus, aber er kommt ziemlich fix überall hin, wo er hin will – so lange es in Bodennähe ist.

Papa füttert beide und passt gut auf, wo sie sind, während Mama schon wieder die nächste Brut vorbereitet… Ts ts ts. Hat wohl Gefallen dran gefunden. Nix da!

Die beiden füttern sich auch mal gegenseitig, kraulen sich auch mal kurz, suchen immer wieder die Nähe des anderen. Løvetann ruht sich allerdings noch häufiger aus und nutzt viel häufiger die „Höhle“.

Lífið probiert schon mal hier und da den Schnabel aus:

18. April, Tag 35 für Lífið – sie kam mir morgens auf den Kopf geflogen (konnte sich allerdings nicht sehr lange auf den Haaren halten, das müssen wir noch üben) und wiederholte unser kleines Begrüßungsritual von gestern – krault mit dem Schnabel meine Hand, während ich mit einem Finger ihren Hals streichle und reibt ihren Kopf an meiner Wange. Also im Ernst, wer kann sich etwas dermaßen Süßem denn entziehen??
Sie hat die Nacht schon deutlich höher verbracht als Løvetann, der aber auch zum ersten Mal nicht in der Höhle geschlafen hat, sondern in den Zweigen. Auch er ließ sich kraulen und streicheln, war aber schon auf Abenteuer aus. Er nahm alles mögliche in den Schnabel, aber Frühstück von Papa fand er besser.
Lífið hingegen übt jetzt ernsthaft fressen – erst in der Futterschale, dann am Hirsekolben und schließlich saß sie da und lutschte auf Möhrengrün herum. Lífiðs Entwicklung ist damit genau zum Ende der fünften Woche im Prinzip abgeschlossen – ich habe sie noch nicht selbständig trinken sehen, aber das wird Papa ihr schon zeigen. Innerhalb der kommenden Woche wird sie so weit selbständig sein. Selbst fressen und trinken ist also tatsächlich das Letzte, was sie lernen, so dass man diese kleinen Sittiche niemals vor Ablauf der sechsten, siebten Woche von den Eltern trennen sollte. Zumal sich jetzt durch die Interaktion mit den anderen auch wichtiges Sozialverhalten ausbildet und festigt – Lífið lässt es völlig ungerührt, wenn andere ihr nahe kommen oder im Eifer des Gefechts morgens am Futter auch mal über ihren Schwanz rennen, sie reißt auch schon mal den Schnabel auf und wird damit von den größeren tatsächlich respektiert. Sie hat etwas stoisches an sich, das ihr noch sehr helfen wird.

Tatsächlich haben die Kleinen eine Art Welpenschutz genossen, der nun langsam aufhören wird. Hier leben immerhin derzeit 9 Sitticharten zusammen und viele waren sehr interessiert an den beiden. Andere wiederum haben die Küken völlig ignoriert. Bis auf Wellensittich Viajado (der „Babysitter“), der oft wirklich unangenehm aufdringlich wurde (bis hin, dass er sich auf die Küken draufsetzte), ist ihnen aber niemand mit böser Absicht begegnet.

Der kleine Løve (spricht sich tatsächlich Löwe) ist noch nicht ganz so lässig beim Fliegen, macht aber alles mit Eifer und Ehrgeiz wett. Er hat einen neuen Spitznamen, mein „Dreizack“, weil ihm am rechten Fuß eine Vorderzehe fehlt. Dies offenbar von Anfang an, es gibt ein Foto vom 10. Tag, da kann man das gut erkennen. Mir war es nicht aufgefallen, weil er ja ohnehin eine so unorthodoxe Fußhaltung hatte und die Zehen immer enorm vedrehen konnte. Das ist zum Glück viel, viel besser geworden, er läuft rasant und greift inzwischen sehr gut. Beeinträchtigen wird ihn das also zum Glück nicht!

Inzwischen sind beide sechs Wochen alt, so sahen sie am 25. April aus:

Eifrig wird jeden Morgen die Obst- und Gemüseschale inspiziert. Sie probieren alles, man sieht ihnen aber auch sofort an, was schmeckt und was nicht. Nüsse finden beide total spannend. Und Løvetann hat mit Möhrenstücken herumgespielt und die regelrecht geworfen.

Lífið kommt immer mal auf den Kopf geflogen, sie findet Haare klasse und wühlt mit Begeisterung darin herum.

Ich kann beide jederzeit auf den Finger nehmen und darf sie auch weiterhin behutsam mit der Hand umfassen. Da sie jetzt viel mehr in action sind, hält es sie meist nicht lange auf der Hand, die haben dann wieder was zu tun. Beide fliegen lässig und sicher. Løvetann hat die Entwicklung voll aufgeholt. Zu süß war auch sein erstes Bad – was für ein Spaß!

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