Schönsittiche

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
Familie: Eigentlich Papageien (Psittacidae)
Unterfamilie: Plattschweifsittiche (Platycercinae)
Gattung: Grassittiche (Neophema)
Art: Schönsittich

Wissenschaftlicher Name: Neophema pulchella
(Shaw, 1792)

Der Schönsittich wurde 1792 erstmals wissenschaftlich beschrieben. Der Name kommt von „pulchellus“ = wunderschön. Früher wurde er auch als „Türkissittich“ bezeichnet.

Schönsittiche leben im südöstlichen Australien in Höhen bis 1000 Meter, bevorzugt in Wald- und Felsengebieten und Flusstälern mit üppiger Vegetation. Tagsüber halten sie sich vorwiegend in Bäumen auf.

Diese kompakten Sittiche werden ca. 20 cm lang, wiegen um 42 Gramm und können unter guten Bedingungen bis 15 Jahre alt werden.

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Sie haben, wenn sie brabbeln, eine schöne, leise Stimme – können aber auch ziemlich schrille, nach Metall klingende Pfiffe ausstoßen. Es sind ungeheuer schnelle und elegante Flieger. Die Figuren, die sie in der Luft beschreiben, kriegen die anderen nicht hin. Schon aus dem Grunde sind auch dies KEINE KÄFIGVÖGEL!!
Meine halten Distanz zum Menschen und sind extrem aufmerksam und reaktionsschnell. Sie lieben ein Sonnenbad – da schmelzen sie geradezu.
Herrlich anzuschauen!

Der ersten Schönsittich in unserer Familie war „Kiki“, eine wildfarben grüne, die meine Mutter aus dem Zoogeschäft mitbrachte, in dem sie arbeitete. Kiki konnte nicht mehr fliegen, genoss aber nahezu zerfließend ein Bad unter warmen Lichtquellen. Damals war ich vielleicht 10 oder so. Mit „Schönen“ – und den inzwischen tollen Farb-Mutationen – kam ich dann erst gute 40 Jahre später wieder in persönlichen Kontakt 🙂

Im Oktober 2013 war ich spontan auf einer Vogelbörse so angetan von dem wildfarbenen Quedo und der rot/gelben Naranja, dass ich die beiden kaufte.
Nur 10 Tage später gesellte sich die unfassbar schöne rotbunte Chiné dazu.

Quedo (span.: ruhig)
schoensittich

Geschlüpft war Quedo etwa im Mai/Juni 2013. Er war am ehesten als „nachtaktiv“ zu bezeichnen – er drehte morgens als erster und abends als letzter seine Runden, saß aber tagsüber am liebsten mitten in einem der Futternäpfe und fauchte die anderen an, die da auch gerne mal was abhaben wollten.
Ja, sie können fauchen und knurren!

Quedo als Jungvogel
Quedo 2
Nach der Jugendmauser deutlich farbenprächtigerquedo
Quedo genießt die Sonne

Naranja (span.: orange)

Chiné (span: bunt)

Naranja und Chiné waren deutlich tagaktiver – und wohl deswegen auch deutlich schlanker als Quedo…  🙂

Nachdem die drei älter als zwei Jahre waren, hatte sich die Dämmerungsaktivität gelegt. Alle drei konnten wild fauchen, wenn sie irgend etwas fressen wollten und ein anderer kam ihnen zu nah. Die Wellis ignorieren das, die Bourkes sowieso, und diese Erfolglosigkeit hat meine „Schönen“ schließlich etwas entspannter gemacht. Mit den Bourkes saßen sie phasenweise auch mal recht dicht zusammen, von den Wellis hielten sie lieber Abstand.

Es war herrlich, als die beiden Mädels morgens mit ungeheurer Akrobatik über’s Bett geflogen sind und mir dabei eine frische Brise in’s Gesicht wehte.

Sie brabbelten manchmal im Halbdunkel sehr angenehm vor sich hin und legen tagsüber immer wieder mal richtige Pausen ein, wobei die beiden Weibchen gerne nahe beieinander saßen und dösten, während Quedo ausdauernd die Grassaat umwühlte. Ihre Schreie gingen allerdings an die Grenzen der Erträglichen.

Dieser Ton ist ein wenig gewöhnungsbedürftig – als ich Quedo und Naranja kaufte und nach Hause fuhr, sagten sie erst überhaupt nichts. Ich unterhielt mich mit meiner Mitfahrerin, die den Käfig mit den beiden auf dem Schoß hatte, als während der Fahrt plötzlich ein Ton erklang, der mich in die Bremse steigen ließ, weil ich dachte, da wäre am Auto Gott weiß was kaputt gegangen – das klingt schon ein bisschen wie ’ne Flex, wenn die loslegen 🙂

Danach musste ich echt lachen und inzwischen ist das natürlich kein Thema mehr – aber dieser erste Pfiff, der fuhr mir echt durch Mark und Bein. Vermutlich haben sich die beiden noch lange darüber kaputtgelacht…

chine_2

Naranja und Chiné fingen schließlich mit zwei Jahren an, Eier zu legen. Beide brüteten. Ich wollte nie züchten und habe nie für Höhlen gesorgt – aber das war ihr ziemlich egal.
Sie hatte das Buch, in dem steht, dass sie ein Höhlenbrüter ist, offenbar nie gelesen 🙂

Bei Naranja schlüfte im Juli 2015 tatsächlich ein Küken, mit dem sie allerdings überhaupt nichts anfangen konnte. Sie blieb auf den Eiern sitzen und das Küken starb am dritten Tag, ausgekühlt und verhungert. Das erste bei mir geschlüpfte Küken und dann sowas…
23.7

Beim zweiten Versuch schlüpfte wieder ein Küken und dieses Mal wusste Naranja, was zu tun war. „Tarjous“ ist am 12. Januar 2016 geschlüpft und es war so toll und dermaßen spannend, ihre Entwicklung zu beobachten und sie groß werden zu sehen. Sie lernte an meinen Fingernklettern, aber kaum, dass sie fliegen konnte, war Schluss mit zahm 🙂

Hier schmilzt Naranja gerade in der Sonne. sonne_1
Sie starb im Juni 2016.

Chiné starb im August 2018.
Immerhin hat sie die Außenvoliere noch eine Zeitlang genießen können…
Sie war, wie alle meine „Schönen“, eine totale Sonnenanbeterin.

„Mein Küken“ ist inzwischen natürlich längst kein Küken mehr, aber sie wird immer „mein Küken“ bleiben. Hier zeige ich mal ein paar Entwicklungsschritte:

Tarjous (finnisch: zart, klein)
* 12.1.2016, Vater: Quedo, Mutter: Naranja
Das erste bei mir groß gewordene Küken musste von Anfang an Überlebenswillen zeigen – und tat es. Trotz wahrlich widriger Umstände wie einer ausgefallenen Heizung (im Januar!) und schließlich der laute Einbau einer neuen in Tarjous‘ ersten Lebenstagen und -wochen kümmerte Naranja sich gut um ihr Küken und versorgte es. Sie verließ allerdings ziemlich früh das Nest (in diesem Fall eine mit Sand und Späne gefüllte Schale, die den Sittichen zum Buddeln diente – eigentlich…) und ich hatte Sorge, dass das Küken nicht überleben würde. Vermutlich war Naranja aufgescheucht durch den Lärm des Heizungsbaus und die fremden Leute im Haus. Ein Heizlüfter sorgte zwar für Wärme, ließ die Temperatur im Zimmer aber auch ziemlich schwanken, also phasenweise waren das wahrlich keine kükenfreundlichen Umstände. Aber Tarjous biss sich durch.

21.1. – 9 Tage:
21.1. - 10 Tage

Und so dachte ich, wenn es hilft, dass der Zwerg einen Namen hat, dann bekommt er mal lieber schnell einen, und ich wählte das finnische Wort für „zart“ und „klein“ – Tarjous. Ich hätte auch gut ein Wort für „Kämpfer“ nehmen können!

26.1. – 2 Wochen:
26.1. - 2 Wochen

Tarjous entwickelt sich prächtig. Und so konnte ich diese spannende Entwicklung zum ersten Mal live und in Farbe miterleben!

3.2. – 3 Wochen:
3.2. - 3 Wochen

9.2. – 4 Wochen:
9.2. - 4 Wochen

Innerhalb weniger Tage umfasste Tarjous den Finger, auch wenn das anfangs noch sehr wackelig war. Das strupsige Aussehen verwandelt sich so langsam in ein ansehnliches und farblich sehr hübsches Federkleid. Mit den Flügeln konnte Tarjous noch nichts anfangen, aber es war absehbar, dass dies nur noch eine Frage von Tagen sein würde.

14.2. – fast 5 Wochen:
14.2. - fast 5 Wochen

Auf dem Finger halten konnte sie sich jetzt gut, und in diesem Stadium wagte sie die ersten 20-cm-Flüge über das Bett. Und sie wurde ein verdammt schneller Läufer! Wie ungeheuer schnell das alles geht… Ich verklebte also die Fenster mit Folie (Teile eines Duschvorhangs), die ich, wenn sie zu fliegen anfängt, eine gute Woche dran lassen wollte.

17.2., 5 Wochen alt:
17.2. - 5 Wochen

Das mit dem Fenster war aber auch genau am richtigen Tag. Hier übten wir noch klettern...
17.2. - auf dem Weg zum Kampfsittich!

…kurz darauf flog Tarjous einfach los. Und stellte sich dabei sehr geschickt an.
Bei ihrem ersten Blick aus dem Fenster wurde ihr bewusst, um wie vieles größer die Welt doch ist, als sie bislang ahnte 🙂

17.2. - große weite Welt

Und diese Welt kann auch noch jeden Tag anders aussehen! Am nächsten Tag lag Schnee, was Tarjous erstaunte und sie wieder völlig fasziniert stundenlang rausgucken ließ.
18.2

Nun muss so ein Vogelkind ja auch selbständig fressen lernen. Sie machte es den anderen nach und nahm einfach probehalber mal alles in den Schnabel, was da so rumlag. Schmeckte alles komisch hier, fand sie. 
17.2. - schmeckt alles komisch hier

Da lässt man sich aber doch lieber von Papa füttern. Der versorgte sie großartig!17.2. Papa füttert

Oder von „Tante“ Chiné, die, nachdem ihr eigener Kinderwunsch nicht erfüllt wurde, sich sofort bereit erklärte, die Patenschaft zu übernehmen. Naranja war’s nur Recht. Die kümmerte sich fortan nicht mehr, die legte lieber schon die nächsten Eier.
20.2. c

Chiné fütterte begeistert mit – damit hätte ich bei den ersten Annäherungsversuchen gar nicht gerechnet, denn da hat sie sich erst angeschlichen und dann gebissen. Die Streitlust wich aber sehr schnell der Fürsorge, und so wird das verwöhnte Einzelkind immer mopsiger und propperer. Es sei ihr gegönnt, ihr Start war schwer genug!
An der reinen Größe war kaum noch zu erkennen, dass sie noch keine sechs Wochen (!) alt war – nur das Baby-Gefieder, der kurze Schwanz, der Schnabel und der jugendliche Gesichtsausdruck zeigten noch das Kind.

Das mit dem Fressen ließ ihr ja keine Ruhe. Die anderen machen es doch auch!
Da merkt man mal, wie viel durch Abgucken und Nachmachen gelernt wird. Wie macht man das bloß mit Handaufzuchten?? Ich habe Hirsekolben hingelegt, an denen sie nun mit Wonne rumprobiert.

20.2. a

Zeitung ist da doch viel einfacher.
Was so einem jungen, unerfahrenen Vogel wohl besser schmeckt?

20.2. b

20.2. – ein kleiner Prachtkerl!
20.2. d

Mit 6 Wochen (23.2.) ließ die Zahmheit nach, sie wurde immer selbständiger, wurde weniger von den anderen gefüttert, probierte aber auch von sich aus einfach alles aus. Zu süß, wenn sie dann mit einem Salatblatt kämpfte oder mit Möhrenstreifen.
Sie probierte verschiedene Schlafplätze aus, gerne allabendlich einen anderen.

23.2

Das Gesicht war noch immer so niedlich kindlich…23

Tarjous im Sommer 2018

Tarjous war schließlich „Einzelkind“, nachdem im Laufe der kommenden zweieinhalb Jahre Naranja, Quedo und Chiné starben. Als dann im August Glanzsittich Fényes einzog, waren die beiden innerhalb kürzester Zeit ein Paar.
Sie macht es Fényes nicht leicht, sucht aber sichtlich seine Nähe. Er verteidigt sie inzwischen hartnäckig, vor allem, als im Dezember Feinsittich Xarrago einzog.

Damit Fényes aufhört, Xarrago zu jagen, wollte ich eine weitere Henne dazu holen. Eine Fein- oder Glanzsittichhenne würde nicht leicht zu finden sein, ein Schönsittich schon eher. Und so zog Anfang Januar 2019 „Cachucha“ ein.


Cachucha
(ein spanischer Solo-Tanz)

geschlüpft Sommer 2018, bei mir seit dem 6.1.2019.

Sie fackelte nicht lange und legte im Februar die ersten Eier.
Nicht, dass sie dazu einen Auftrag hatte, aber…
…danach fragen die Mädels bei mir ja nicht 🙂
Am Valentinstag 2019 lernte sie an einem wunderschönen Tag endlich die Voliere kennen:

Ganz klar ist den vieren noch nicht, wie ich mir die Partnerschaften vorstelle, aber vielleicht wird das ja noch. Immerhin jagt Fényes Xarrago nicht mehr. Allerdings haben eher Fényes und Cachucha zusammengefunden und Xarrago ist weiterhin alleine, aber insgesamt hat sich die Truppe schon im Februar ziemlich entspannt arrangiert.
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