6.-9.12. – Messe PFERD & JAGD Hannover

„Für Reiter, Jäger, Angler, Hundebesitzer und Freunde edler Country-Kultur ist die Messe Pferd & Jagd das Top-Branchenevent zum Ende des Jahres.
Seit über 30 Jahren zieht Europas größte Ausstellung für Reiter, Jäger und Angler jährlich um die 80.000 Menschen auf das Messegelände Hannover.
Auch 2012 begeistert sie vom 6. bis 9. Dezember mit Shopping, Show & Infotainment.
770 Aussteller aus 20 Nationen präsentieren auf über 80.000 Quadratmetern ein großes Angebot an Neuheiten, Trends, Equipment und Zubehör“

WIR WAREN DABEI!

Donnerstag, Freitag und Samstag präsentierten wir im Tagesprogramm mit unseren Pferden die „Variationen zu Pferde“. Unsere Messe-Erfahrenen ließen sich von der Aufregung der sechs Messe-Neulinge anstecken – die Vorfreude war riesig, alle Zeichen standen seit Wochen auf „Messe!“.
Unser Fokus im Schaubild lag wie immer auf Harmonie und freudig mitarbeitenden Pferden. Die arbeiteten auch wirklich extrem freudig mit – am Donnerstag überwog bei den meisten die Natur, am Samstag doch deutlich die Kultur   🙂

Die meisten unserer Pferde brachten wir jedoch am Samstag nach Hause, da für Sonntag insbesondere im Hamburger Raum Horror-Wettervorhersagen herausgegeben wurden.
Nach drei erfolgreichen Auftritten und schönen, aber auch anstrengenden Messe-Tagen hatte keiner von uns das Gefühl, dass der Sonntag fehlte, eher war der unerwartete freie Tag für die meisten eine Bereicherung nach diesen tollen Tagen in einer super Gruppe.

Es waren dabei:


Corinna und der 20jährige Hannoveraner Fàscino
– Donnerstag und Freitag: Lektionen der klassisch-barocken Reiterei

– Samstag: Lektionen der Doma Classica


Nic und der 15jährige P.R.E. Joya
– Arbeit an der Hand


Ines und die 13jährige Lusitanostute Sureña
– am Langen Zügel


Steffi K. und der 7jährige Friese Rein
– Reiten im Damensattel


Solveig und der 12jährige P.R.E. Limonero
– klassische Dressur


Jenny und der 15jährige Vollblutaraber Wazeer
und Sandra mit dem 15jährigen Vollblutaraber Sahabi
– Pas de deux


Steffi Z. und die 17jährige Islandstute Blika
– im vierten (und fünften) Gang


Johanna und der 11jährige Welsh-A Tiago
– Podest

.

Die unermüdlichen – und unersetzlichen! – Helfer hinter den Kulissen waren:

Tita (hinter der Kamera und überall sonst, wo man sie braucht)

Sabine (hier mal als Fàscinos Kratzbaum)

Steffi J. (für jeden Quatsch zu haben)

So haben die Reiter die Messe empfunden:

Steffi K: „Ich fand die Messe super. Es ist alles gut abgelaufen. Rein hat sich von seiner besten Seite gezeigt. Obwohl ich vor jedem Auftritt Herzklopfen hatte, dass es gut geht… Bei der Nordpferd ist er ja am letzten Tag durchgegangen, weil die Zuschauer geklatscht haben.
Samstag, als es sooo voll war, habe ich gedacht, jetzt ist es vorbei. Aber trotzdem: lächeln, Augen zu und durch! Oh Mensch, er hat es so toll gemacht! Da war er am besten. Echt klasse. Ich fühlte mich wie ein Star!
Es war ein tolles Gefühl, bei der Pferd & JAGD dabei gewesen zu sein.
Besonders toll war es mit der Truppe. Das hat alles super funktioniert.
Ich freue mich schon auf die Nordpferd mit Euch!“

Solveig:Corinna, Tausend Dank, dass Du uns mitgenommen hast! Aus heiterem Himmel „traf uns der Schlag“, aber genau das sind die Dinge, die ich liebe!
Mir gefallen Messen gut, weil ich super interessant finde, was andere so mit ihren Pferden „treiben“. Es gibt ja tolle Sachen und man bekommt neue Denkanstösse und Ideen.
Und wir mittendrin! Wahnsinn! Ein Ausflug in die Unbeschwertheit früherer Tage!
Auch wenn Limonero in der Showhalle selbst immer wieder von Panikattacken geplagt war, so hat es doch super viel Spaß gemacht – er wurde auf den zum Teil chaotischen Abreiteplätzen von Tag zu Tag besser. Gerne hätte ich aber etwas mehr Steuerung gehabt stellenweise 🙂
Insgesamt hat es uns aber sehr gut getan, und Limo hat auch noch ruckzuck abgenommen! Messe – eine neue Therapieform für übergewichtige Pferde??
Schön auch die Verschiedenheit innerhalb unserer Gruppe, die auf mich trotzdem einen sehr harmonischen Eindruck machte. Gerne hätt ich mehr von den anderen beim Reiten und von den Pferden mitbekommen, nur war ich da meist grad immer selbst beschäftigt.
Die Heimfahrt sonntags war so grausig, dass ich sie gar nicht erwähnen möchte, sondern nur noch vergessen!
D
ie Übernachtungsmodalitäten sind definitiv steigerbar!
Danke an alle, dass Ihr mich so nett aufgenommen habt!“

Sandra & Jenny: „Wir fanden die Idee, mit Pferd nach Hannover mitzukommen, von Anfang an klasse. Haben wir uns das nicht schon immer mal gewünscht? Davon geträumt, in der großen Showhalle auf einer Messe mitreiten zu dürfen??!!
Bei der Mail von Corinna haben wir aber eher gedacht, dass das Bild in einem der Aktionszirkel vorgeführt wird, nicht in der großen Showhalle!!
Während der Vorbereitungszeit wuchs der Kloß im Bauch gefühlt stündlich…
Nachdem wir abgeladen haben, sind wir in die Stallhalle gegangen. Dort sind unsere Süßen neben uns hergelaufen, als wäre es das Normalste der Welt, über bunte Teppiche zu laufen (das ist uns übrigens erst aufgefallen, nachdem wir gesehen haben, wie sehr sich andere Pferde mit den bunten Teppichen schwer getan haben).
Eigentlich wollten wir abends noch in die Showhalle, um sie den Pferden zu zeigen, daraus wurde nichts. Die Gala-Probe hat viel zu lange gedauert. Dann halt am nächsten Tag. Falsch gedacht, durch einen Fehler auf den Unterlagen dachten alle, dass wir in die Showhalle durften. Das war aber wieder nur für die Gala-Akteure. Also mussten wir und unsere Pferde mit dem allerersten Aufritt ins kalte Wasser springen!
Also, Pferde und uns herausgeputzt und ab auf den Abreiteplatz. Was für ein Getummel jedes Mal vor dem Auftritt. Frag nicht wie viele 100 Pferde gleichzeitig, dann die Kutschen, die Longierer, die Garrocha-Reiter und und und!
Auf dem Abreiteplatz in der Showhalle war es dann noch enger und dann die Hitze da drin. Hammer. Es waren viel zu viele auf einmal auf diesem Platz. Dort galt „der Stärkste gewinnt“. Ungehobelte Reiter mit ihren tollen Pferden. Aber nicht alle.
Morgens auf dem Abreiteplatz in der Stallhalle war eigentlich immer genügend Platz. Wir haben aber auch zahlreiche Kilometer mit unseren Pferden auf den Teppichen der Stallhalle spazierend hinter uns gelassen.
Ja, und dann ging es in die Arena! Beim ersten Auftritt haben wir keine Zuschauer wahrgenommen, wir hatten kein Gefühl für die Halle und die Zeit war irgendwie so schnell wieder vorbei… Aber unsere Schimmel waren einfach TOLL! Gibt es darauf eine Steigerung?
Ja! Am zweiten Tag hatten wir ein Gefühl für die Halle, wir haben mehr von der Musik gehört, haben Zuschauer gesehen, konnten den Auftritt genießen und sind Corinna voll in die Galopp-Pirouette rein geritten… DICKES SORRY nochmal dafür!
Aber d
ie größte Überraschung haben uns unsere Zauberschimmel am dritten Tag bereitet. Wir hatten das Gefühl, dass sie in der Halle einfach nur so schweben. Die Tribüne war rappelvoll, wir haben gefühlt jeden Zuschauer angesehen, jeden Moment der Musik genossen, jede Sekunde in der Halle gefühlt, eingesogen und nicht mehr rausgelassen. Ein wahnsinniger Augenblick. 3 Minuten, die sich so eingebrannt haben. Jetzt sind wir heiß, heiß auf jede weitere Messe, jeden Auftritt!
Aber immer in Maßen, so dass es immer ein besonderer Augenblick wird.
Von der Messe an sich haben wir nicht so viel mitbekommen. Wie immer war es eine schöne Messe, aber da unsere Pferde mit waren, haben wir dort die meiste Zeit verbracht.
Wir haben so tolle Pferde!!!“

Nic:Auch ich möchte Danke sagen für diese tollen Tage. Es hat irre Spaß gemacht mit Euch! Ich habe sehr viel mitgenommen und hatte wirklich das unbeschreibliche Glück, so einen Wahnsinns-Schimmel an der Hand zu haben!!! Joya, dieser sprühende Feuerschweif, den ich in der großen Halle als schwebende Feder wahrgenommen habe, hat mich mit in die Welt der Show genommen. Was für ein Pferd!!!!
Ich glaube, es wird noch seine Zeit dauern, bis ich es richtig realisiert habe… 🙂
Kein Lehrmeister wäre für’s erste Mal besser gewesen. Nach dem ersten Showauftritt am Donnerstag hatte ich Tränen in den Augen, als wir die Halle verließen…“

Johanna: „Es war wundervoll und die 3 Messe-Tage waren leider sooo schnell vorbei…
Als ich ein paar Wochen vor Messebeginn wusste, dass Tiago im Show-Team mitmachen darf, begann der blanke Wahnsinn. Das Pony und seine zweibeinige Begleiterin waren ja völlig unbeleckt, was Auftritte anbelangt. Schon die einfache Frage „Was zieht Ihr denn an??“ machte mir rasch klar, dass weder er noch ich über die passende Ausrüstung verfügen. Waren bisher doch immer nur Dinge angeschafft worden, die zweckmäßig waren, ging es jetzt darum, auch noch „passend“ zum Thema gekleidet zu sein.
Eine ganz neue Erfahrung!
Und dann wurde geübt. Jeden Tag! Und es taten sich immer mehr Baustellen auf. Ich zweifelte schon, ob wir der Aufgabe gewachsen waren: öffentliche Auftritte in einer Show-Arena mit hunderten bzw. tausenden von Zuschauern…
Aber irgendwann war er da, der 1. Messetag! Aufregung pur! Wie würden die anderen Mädels der Gruppe sein, wie ihre Pferde, werden sie über das kleine Pony lachen, wie ist die Unterbringung für die Pferde, wird das Pony mitspielen, wo wird man trainieren können… – so viele Fragen!!!
Die Unterbringung der Pferde war hervorragend, die Platzverhältnisse großzügig, die Einstreu in den Boxen fast schon verschwenderisch, es gab alle paar Meter fließendes Wasser, die Mistcontainer wurden regelmäßig geleert, und obwohl die Verhältnisse auf dem Abreiteplatz fast schon chaotisch waren, war es doch genial zu sehen und zu erleben, wie konzentriert alles stattfand und wie relaxt die Stimmung unter den Teilnehmern noch war, obwohl die Spannung, die in der Luft lag, elektrisierend war.
Die Stimmung in der Gruppe war toll. Ich habe die 3 Tage sehr genossen. Es hat riesigen Spaß gemacht, alle so zu erleben, obwohl ich viele ja gar nicht kannte bzw. einige nur 1x vorher gesehen hatte. Alle waren sehr unterschiedlich und trotzdem war ein Gruppengefühl da. Es wurde Rücksicht auf die genommen, die eine mentale Auszeit brauchten und sich mit einer Decke in ihren Sessel kuschelten und einfach etwas relaxen wollten. Alle halfen sich untereinander und trotzdem hat jeder mit Bedacht sein Ding gemacht: pünktlich zum verabredeten Zeitpunkt Pferd und Zweibeiner in voller Montur startbereit zu haben. Was da gruppendynamisch stattfand, hat mir total gut gefallen. Insbesondere auch der Umgang mit den Pferden in unserer Truppe stach mir positiv ins Auge: nie wurde ein Pferd angeschnauzt oder rumgeschubst. Alle Pferde wurden sehr respektvoll behandelt.
Die Messe an sich war furchtbar… mit einem Wort „too much“ von allem: viel zu laut, viel zu viele Menschen, viel Ramsch, viel Bekanntes, wenig Neues. Freiwillig gehe ich ja NIE auf Messen 🙂
Die Auftritte… Hach, die Auftritte! Ich schwöre, dass Tiago in den 3 Minuten jeweils nur 1x geatmet hat. Er war so geflasht von der Musik und der Beleuchtung, und die Arbeit am Podest erfordert doch volle Konzentration, Hinhören und ’sich selbst einbringen‘ vom Pony und daher war es so schade, dass er so abgelenkt war.
Es war für mich ein Balanceakt: mehr Druck hätte dazu führen können, dass er mir wegspringt und ich hatte die warnenden Worte von Corinna noch im Ohr, dass es keine unschönen Bilder beim Auftritt geben soll. Also habe ich die Entscheidung getroffen, ihm auch Raum für Gucken und Staunen zu geben. Während des Auftritts hat er von seinem Repertoire weniger gezeigt als das, was er sonst zu jeder Gelegenheit anbietet. Schade, aber mehr war leider nicht drin in diesen 3 Minuten. Ich lieb‘ den kleinen Kerl trotzdem abgöttisch.
Und er hat sich so grundanständig auf der Messe benommen: morgens noch das zottelige Pony auf der Weide und mittags schon in der Glitzerwelt der Show. Die Messlatte hing wirklich hoch für ein Pony ohne Erfahrung auf Turnieren oder anderen Veranstaltungen. Aber wir haben Blut geleckt! Witzigerweise habe ich das Gefühl, dass Tiago die Messe in keinster Weise gestresst hat. Ich habe fast das Gefühl, dass er es genossen hat und dass wir uns jetzt mit anderen Augen ansehen… Er hat sich verändert! Er zieht sich im Moment nicht so schnell in sein Schneckenhaus zurück. Sehr sehr positiv!!!!“

Ines:Meine Vorfreude war riesig. Auch die Atmosphäre, die mir im neuen heimatlichen Stall in Bezug auf die Messe entgegenschlug, verstärkte die Vorfreude noch; hier war kein Neid, nur Neugier und Unterstützung. Ich wurde immer wieder gefragt, ob ich schon Zeiten hätte, wann wir dran wären und was wir denn zeigen würden und überhaupt.
Neben der Vorfreude blieb jedoch die Sorge um das Wetter. Ich werde vermutlich nie begreifen, warum eine Pferdemesse Anfang Dezember stattfindet. Die Fahrt nach Hannover war sehr entspannt und es wurde hell und sonnig; teilweise bei strahlendem Sonnenschein lachte ich im Auto und die Vorfreude wuchs weiter an.
Ich war auf der Messe wieder einmal erleichtert, dass eine solche Umgebung für Sureña kein Problem darstellt. Sie geht an diese Dinge mit einer Selbstverständlichkeit und Selbstsicherheit heran, die mich fasziniert und begeistert. Gleich in der ersten Nacht legte sie sich zum Schlafen hin und am nächsten Tag kam ich mittags nach einem ersten Messebummel wieder und die anderen meinten zu mir… „wir haben bei Sureña eben nicht ausgemistet; sie hat geschlafen“. Großartig!
Man lernt auf solchen Events in wenigen Tagen mehr über sein Pferd als in einem ganzen Jahr zu Hause. Man macht Erfahrungen, die einem im heimischen Stall immer verwehrt bleiben werden und es schweißt zusammen, sich in einer solchen Umgebung aufeinander verlassen zu dürfen.
Es gab natürlich auch schwierige Minuten. Der erste Auftritt in der Show-Arena zum Beispiel. Wider Erwarten hatten wir vor unserem ersten Auftritt im Tagesprogramm nicht die Möglichkeit, den Pferden die Show-Halle zu zeigen. Auch das Aufwärmen vorher lief nicht nach Plan; der Abreiteplatz war komplett überfüllt, auch der Platz hinter der Show-Arena war gerappelt voll. Kutschen, wilde Garrocha-Reiter und gefühlte 100 Pferde kämpften auf der kleinen Fläche um jeden Millimeter. Am Donnerstag versuchte ich trotzdem noch, vor dem Auftritt etwas am Langen Zügel zu machen. Erst am Freitag begriff ich, dass Sureña dadurch komplett verunsichert war. Ich konnte ihr aus meiner Position am Langen Zügel in dem Trubel nicht die nötige Ruhe und Sicherheit vermitteln. Gefühlt befanden wir uns Donnerstag nur in der oberen Hallen-Hälfte auf der Mittellinie mit Traversalen in alle Richtungen – nicht immer die von mir geplanten, meist war es mehr Horse-Surfing als Langer Zügel, aber egal: Lächeln und weitermachen!
Die Stimmung im Team war super, es war trotz der vielen Neulinge sehr viel Ruhe zu spüren. Jeder bekam den Raum, den er brauchte, wurde unterstützt oder auch einfach mal in Ruhe gelassen. Es war eine tolle Gruppendynamik, jeder packte mit an.
Getrübt wurde die rundum schöne Stimmung vielleicht nur von unserem Schlafplatz. Kalt… <
Der Auftritt am Freitag war deutlich entspannter. Ursprünglich war geplant, dass Sureña und ich 2x am Langen Zügel und 2x am Halsring in der Show-Arena auftreten sollten, aber nach dem feurigen Auftritt vom Donnerstag hatten wir beschlossen, dass ich am Langen Zügel bleiben sollte 🙂
Der letzte Auftritt wurde mein persönlicher Höhepunkt. Mittagszeit; zudem noch die Zeit direkt vor dem Barock Show Cup. Die Tribünen waren voll. 5000 Leute. Ich bekomme noch jetzt Gänsehaut bei dem Gedanken daran. Spätestens am Samstag vor 5000 Leuten war wieder klar, warum wir diesen Wahnsinns-Aufwand für nur drei Minuten Show-Zeit betreiben… Es ist einfach ein großartiges Gefühl, die Möglichkeit zu bekommen, sein Pferd in so einer Kulisse erleben und präsentieren zu dürfen, es ist Adrenalin pur und es sind so viele Endorphine, die mit so einem solchen Auftritt verbunden sind.“

Corinna:Es ist natürlich eine andere Belastung, wenn ich viele Reiter und Pferde mitnehme und davon auch noch viele „grün“ sind – aus den geplanten 10 Pferden wurden, nachdem das große „Schimmelschwinden“ einsetzte und 3 unserer Weißen nicht mitkommen konnten, durch kurzfristige Tauschaktionen immerhin noch 9 Pferde, und 6 der Teilnehmer hatten keine Messe-Erfahrung. Die haben sie jetzt 🙂
Mich betraf das Schimmelschwinden insofern, als dass ich ganz kurzfristig entschied, Fàscino mitzunehmen – um Nic, deren Merlin ausfiel, Joya zur Verfügung zu stellen.
Ab dem Moment, als Fàsci wusste, dass er mitkommt, drehte er total auf. War der Wechsel in den neuen Stall im August für ihn schon ein Jungbrunnen gewesen, verlor er jetzt nochmal ein paar Jahre und ich flog beim nächsten Ritt fast runter. Er blieb die ganzen Tage vor der Abfahrt so, war kernig, fröhlich, glänzte und hatte sichtlich Lust, loszufahren. Ich hatte Schmetterlinge im Bauch, ein Gefühl wie frisch verliebt. Total irre. Seit 20 Jahren sind wir zusammen und dann löst diese Entscheidung solche Reaktionen aus. Es war einfach ein Hochgenuss, die pure Vorfreude!
Nic hatte nicht viel Zeit, sich auf Joya einzustellen und ich überlegte, welchen Part ich ihr am besten geben könne. Die beiden verstanden sich am Boden sofort so gut, dass sie direkt alles abrufen konnte – incl. freiem Steigen. Allerdings spielte sie unbeabsichtigt Spanischen Schritt und Spanischen Trab kaputt… Das ließen wir weg und ich brauchte tatsächlich einige Tage, bis das wieder da war. Für so empfindsam hätte ich ihn da nicht mehr gehalten, aber es warnte mich vor. Wir übten also, so oft die Zeit es noch zuließ, und die Zusammenarbeit der beiden verbesserte sich jedes Mal.
Der große Schreck dann am Abend vor der Abreise – nachdem ich im Schneegestöber Joyas Hals, Mähne, Schweif und Beine gewaschen hatte und wir durchnässt und bibbernd wieder in den Stall kamen, holte ich Fàsci raus, um auch bei ihm Beine und Schweif zu waschen. Den Hals konnte ich mir bei seiner praktischen Farbe ja sparen.
Es war schon dunkel und ich sah nichts, aber ich fühlte es und mir wurde schlagartig noch kälter: das rechte Vorderbein war ein heißer Elefantenfuß. Nein, bitte nicht…
Er hatte einen länglichen Riss, wohl von einem Schlag. Zum Glück war diese Art Wunde nicht so sehr einschussgefährdet, aber dass sie überhaupt da war, war schlimm genug. Ich trabte ihn auf der Stallgasse rauf und runter – er ging völlig klar. Ich führte in der Halle, danach war das Bein ein ganz klein wenig dünner, aber immer noch deutlich spürbar warm. Was tun…?
Ich beschloss, ihn auf jeden Fall mitzunehmen. Wir würden von Mittwoch bis Sonntag weg sein. In der Zeit konnte er unmöglich alleine in der Box bleiben, wenn alle anderen rausgingen, er konnte aber auch genaus so wenig mit raus, wenn ich die Entwicklung des Beins nicht sah und nicht behandeln konnte. Mehr und besser um ihn kümmern als auf der Messe konnte ich nicht, zudem war da ein Tierarzt vor Ort. Auch wenn er nicht einsetzbar sein sollte, so wollte ich ihn doch lieber bei mir haben.
Am nächsten Morgen war das Bein noch immer unglaublich dick, aber weniger warm. Fàsci trat voll auf. Ich rieb das Bein ein und ließ hier die Transportgamasche weg.
Die Fahrt war völlig problemlos, das Auto bis unter’s Dach vollgepackt, nach zweieinhalb Stunden waren wir in Hannover.
Die beiden kamen vom Hänger, sahen sich um – „Ah, hier sind wir!“ Profis!
Los ging es für mich hier damals mit dem Papp de deux, das muss gut zwölf Jahre her sein. Mit Fàsci war ich 2003 und 2005 hier, in den beiden Jahren und danach mit Negócio. Und dann im letzten Jahr mit Joya. Viele, viele Erinnerungen verbinde ich also inzwischen mit dieser Messe, die ich als die schönste empfinde. Früher kam die richtige Aufregung immer hoch, sobald ich die Messehallen sah, das ist jetzt (leider) nicht mehr so. Irgendwie war das immer schön   🙂
Mit Fàsci im Schlepptau hatte auch ich aber trotzdem endlich mal die Chance, wieder aufgeregt zu sein. Nachdem wir die Boxen für die Pferde hergerichtet und Unmengen Klamotten reingeschleppt hatten, waren fast alle anderen auch angekommen. Wir wollten die Pferde noch ein wenig bewegen und konnten in der Stallhalle auf den Abreiteplazt, der in diesem Jahr nicht L-förmig, sondern rechteckig angelegt war, was ich deutlich besser fand. Der Boden war wie immer super, hier kann man auch gut überall auf den Teppichen bewegen und sogar abreiten, so dass man nicht auf die teilweise überfüllten (und chaotischen…) Abreiteplätze angewiesen ist.
Mein alter Kämpfer, den sein dickes Bein nicht interessierte, spielte am Mittwochabend noch wunderbar freudig mit mir in der Abreitehalle.
Das Hotel, ein „Hostel“, um genau zu sein, in dem wir übernachteten, schaffte es fast, mir den Spaß zu verderben. Und dazu gehört schon was. Die Heizung war wohl eine Atrappe. Ich schlief komplett angezogen mit Schal und Mütze und stopfte später noch ein Kissen an das Fenster, durch das es wie blöd zog. Dusche und WC waren auf dem Gang und morgens entsprechend besetzt. Wir waren in der ersten Nacht zu viert im Zimmer, danach zu dritt, und in der ersten Nacht lauschte ich den vielfältigen Schnarch-Geräuschen der anderen. Zermürbend, nervtötend, ich wollte in den Stall!!!
Donnerstagmorgen begrüßten uns unternehmungslustige Pferde. Fàscinos Bein war dick, aber nicht mehr warm, und so sah ich keinen Grund, ihn aus dem ersten Auftritt rauszulassen – alleine würde er bl0ß den halben Stall zusammenbrüllen und ich musste ja so gut wie nichts machen vorher. Schön lösen im Schritt und dann in den drei Minuten Schaubild ein paar entspannte Galopp-Lektionen.
Dachte ich.
Diese meine Granate hat mich am Donnerstag durch das Schaubild gezogen – es war unglaublich. Ich hatte original GAR NICHTS zu sagen da oben. Ich konnte mal sehen, dass ich hinterherkam, so warf er im Galopp mit Lektionen um sich. Was anderes als Galopp ging auch nicht. Da aber ging alles. Dreier-Wechsel auf gebogener Linie, ich weiß nicht, 20 am Stück oder so, kam nicht zum Zählen, Pirouetten, und ein wunderbares Terre à Terre zum Abschluss, es war die Wonne. Zumindest, wenn man das Gefühl kennt, sich im Prinzip nicht bewegen zu dürfen und nur anzunehmen, was vom Pferd kommt und sich sehr damit zurückzuhalten, eine eigene Meinung zu haben. Das hat er mir zwanzig Jahre lang beigebracht und so konnte ich drei Minuten lang mehr oder weniger strahlend lächelnd so tun, als wäre das alles gewollt.
Er war vorher beim Abreiten schon komplett überdreht und so war ich nur erleichtert, wie gut es in der Show-Halle selbst gelaufen war. Nix „vorher schön lösen im Schritt“ und so…
Von Nic und Joya habe ich natürlich gar nichts gesehen, auch nicht von den anderen. Nur Sandra und Jenny habe ich einmal wahrgenommen, als sie mir frontal in die Pirouette geritten sind  🙂
Allerdings sah ich hinterher nur strahlende Gesichter. Die erste Anspannung ließ nach, das Gruppengefühl war toll im Stall, einerseits das Bewusstsein, was für ein ungeheurer (völlig irrer…) Aufwand für vier Mal drei Minuten, andererseits wusste nach dem Auftritt denke ich jeder, wofür man das alles macht. Ich jedenfalls wusste es sofort wieder, auch wenn ich 2000 Volt unter mir hatte, die kurz vor der Explosion standen.
Nic hatte nicht alles zeigen können, was sie sich vorgenommen hatte, bekam nun aber ein Gefühl für die Länge des Schaubildes und die Ausmaße der Halle. Auf jeden Fall war sie von Joya begeistert, was sich noch täglich steigern sollte. Hier stellte sich die Frage, wer da wen an der Hand hatte – wohl anfangs eher Joya sie, er zog sie einfach mit und präsentierte sich in seiner ganzen Schönheit.
Morgens konnten wir in die Show-Halle, das hat morgens früh immer eine ganz eigene Atmosphäre. Wir waren alleine (!) – Ines, Steffi, Solveig, Nic und ich. Meine Pferde waren wunderbar albern. Joya kriegte sich überhaupt nicht wieder ein mit seinem herrlichen Bewegungspotential und Fàsci hatte nur den Schalk im Nacken.
Ich war gespannt, wie Fàscino sich heute präsentieren würde – das Bein sah Klassen besser aus und bereitete uns keinerlei Kopfzerbrechen mehr. Man muss da offenbar einfach nur zwanzig Minuten drauf rumgaloppieren… (Liebe Kinder, bitte nicht nachmachen…!!)
Wir schlenderten noch einmal über die Messe, mit dem entspannt gucken und schlendern war es am Wochenende ja bekanntlich nichts mehr, so dass wir die ersten beiden Tage ausnutzten. Ich schenkte meinem tollen Großen ein Stirnband und war heiß drauf, das heute im Schaubild einzuweihen.

Dieses Mal hatte ich dann auch etwas mehr zu sagen, vor allem war Fàsci beim Abreiten besser zu händeln – ich ritt sofort rüber zum Abreiteplatz der Show-Halle, so dass der Wechsel wegfiel. Fàsci kam viel besser als früher zurecht mit dieser Enge, dem Gewusel, den ganzen Kutschen und rumheizenden Ponys, ich bekam noch eine Garrocha ins Kreuz und er einen Schlag vor die Brust, volles Programm also. Da waren wir schon ganz froh, endlich in die Showhalle zu dürfen und drei Minuten lang Platz zu haben. Jenny und Sandra wichen weiträumig aus  🙂
Er ging viel, viel besser. So, dass ich dachte, das ist nicht mehr zu toppen. Er war einfach fantastisch, mein Lächeln war echt, ich grinste ins Publikum, während er lässig mit Serienwechseln um sich warf, er ging eine Dreifach-Pirouette und wieder zum Abschluss ein langes, sauberes, gleichmäßiges Terre à Terre. Das setzte ich, wie gestern, auf der Mittellinie an, worauf er allerdings sofort nach rechts bis zur Bande terre-à-terrete 🙂
Das hatte ich am Vortag zugelassen und nun keine Chance, daran etwas zu ändern…
Aber das Gefühl war viel besser als am ersten Tag, Fàsci war fantastisch!
Wir sahen bei Richard Hinrichs im Aktionszirkel zu, der sich hinterher wortreich bei mir entschuldigte, weil er mich am ersten Abend in der Abreitehalle mit seiner Gerte „angestochen“ hatte, als es kurzfristig eng wurde – er hatte mich mit meiner Mütze schlicht nicht erkannt 🙂

Abends gingen wir essen bei einem hervorragenden Italiener, also das war wirklich ein Highlight! Das Essen großartig, die Bedienung ausgesprochen witzig – das war ein toller Abend.
Am nächsten Morgen genoss Fàscino wieder seinen Freilauf in der Stallgasse.

Wir hatten inzwischen immer wieder die Wetterlage beobachtet und die Vorhersagen waren für Sonntag extrem unschön. Insbesondere im Hamburger Raum wurde Eisregen angekündigt. Wir beschlossen also, dass Samstag unser letzter Auftritt sein sollte und wir danach sicherheitshalber nach Hause fahren würden und auf den Sonntag verzichten.
So lag über dem Samstag schon plötzlich ganz viel Abschiedsstimmung und auf einmal war das letzte Schaubild da. Konnten wir den Freitag toppen? Die meisten dachten, sie könnten es nicht – und doch scheint es allen gelungen zu sein. Es war einfach nur großartig, beim Ausreiten hörten wir von der Tribüne jemanden brüllen „Ihr seid klasse! Weiter so!!“
Morgens jedoch war erst einmal „weihnachtliches Foto-Shooting“ und hier wurde ich meinem Ruf mal wieder gerecht, dass mir nichts peinlich ist. Die Mädels haben sich schlapp gelacht, als ich bei strahlendem Winter-Sonnenschein leicht bekleidet Faxen machte. Kalt wurde mir trotzdem nicht, die Jungs waren ziemlich schräg drauf hier draußen. Es entstanden herrliche Bilder!

Wir sahen uns den Show-Grand-Prix und den Barock-Show-Cup an. Für beide Prüfungen hatten wir uns beworben – meine Absage für den Barock-Cup verstand ich, und sofort war die Idee für das nächste Jahr da. Die Absage für den Show-Grand-Prix jedoch fanden wir angesichts dessen, was hier gezeigt wurde, unverständlich. Wir waren zwar im Nachhinein heilfroh, unser extrem punktgenaues Schaubild in diesem Hexenkessel nicht gezeigt haben zu müssen, aber rein leistungstechnisch konnten wir teilweise nur den Kopf schütteln. Interessant, so langsam dahinter zu kommen, was offenbar verlangt ist – und was nicht. Mal sehen, ob wir uns dazu im nächsten Jahr durchringen, dann aber mit einer ganz anderen Show als der, die ursprünglich geplant war.
Danach hatten wir nicht mehr viel Zeit, wir waren aber größtenteils schon „in voller Montur“ auf die Zuschauertribünen gegangen und mussten nun „nur noch“ unsere Pferde startklar machen. Fàsci war beim Abreiten wieder entspannter als am Vortag und übertraf sich in der Show-Halle wahrlich selbst. Ich durfte alles abfragen – und bekam es in einer Qualität, die ich nicht erwartet hätte. Von den Folgeschäden seines Unfalls vor eineinhalb Jahren war nichts mehr zu spüren, zum ersten Mal fühlte sich der Trab an wie früher. Fàsci sprühte nur so vor Versammlungsbereitschaft und spielte mit den Lektionen. Er piaffierte auf der Mittellinie, passagierte, ging Mehrfach-Pirouetten und Serienwechsel und Seitengänge in einer Lässigkeit, dass es nur so eine Wonne war. Ich strahlte über das ganze Gesicht und genoss dieses großartige Pferd und das Geschenk, das er mir mit all‘ dem hier machte. In und nach diesem Schaubild kamen mir so richtig die Tränen.
Und dann war es auf einmal vorbei. Monatelange Vorbereitung, nun ein Tag weniger, und schon hieß es einpacken, aufräumen, zurück auf die Autobahn. Wir sind am Samstag super nach Hause gekommen, keinem tat die frühe Abreise Leid. Die arme Solveig, die erst am Sonntag nach Hause fuhr und die mit Abstand längste Strecke von uns vor sich hatte, sie hatte eine Heimfahrt, die man keinem wünschen kann. Aber auch Limonero und sie sind schließlich heil zu Hause angekommen. Die armen Beiden, was für eine (Tor-)Tour…
Am Donnerstag war ich voller Dankbarkeit für Anke geritten, meine Tierärztin, die mich im letzten Sommer davon abgehalten hatte, Fàscino einschläfern zu lassen und die Donnerstag auf der Messe war. Ihr gilt ein ganz besonderer Dank. Für so viel.
Am Sonntag hätten wir unser Schaubild mit etwas anderer Musik Negócio gewidmet, dessen 2. Todestag der 9. Dezember war. Nun kam es zu diesem Auftritt nicht mehr, und doch war Negócio auch hier wieder oft gegenwärtig.
Joya dabei zu haben, auch wenn wir nicht gemeinsam zu sehen waren, war schön. Ich konnte ihn mit dem besten Gefühl Nic zur Verfügung stellen und habe irgendwie gar nicht gemerkt, dass ich keine Auftritte mit ihm hatte, weil wir anderweitig so viel Spaß zusammen hatten. Und er hat Nic so viel Blut lecken lassen und sie völlig infiziert mit dem Virus „Show“.
Mir scheint es manchmal etwas viel, irgendwas muss ich furchtbar richtig gemacht haben, dass ich von solchen Pferden (und solchen Menschen) umgeben bin und das alles in dieser Form erleben darf. Ich kann die Größe dieses Geschenkes, dieses Reichtums, nicht in Worte fassen. Mit Fàscino diese Messe zu erleben war noch einmal etwas ganz, ganz Besonderes.
Danke.“



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AUF WIEDERSEHEN IM NÄCHSTEN JAHR!

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