2018

Nachdem ich nun von so vielen Seiten gefragt wurde, warum denn die Serie über die Ausbildung und Entwicklung meiner Jungspunde nicht mehr weitergeht …
… geht sie weiter.
🙂

Nun aber in deutlich größeren Abständen, nicht mehr so detailliert, aber im Laufe des Jahres kommen hier immer wieder einmal Bilder und Berichte dazu. So kann Nacariños Entwicklung weiterhin verfolgt werden. Viel Spaß dabei!

JANUAR

Ich ritt selten, aber wenn, genoss ich die 60er Halle – nicht den Boden, aber die Länge.
Nacariño ließ sich hier und da mal erschrecken von Geräuschen oder Bewegungen und machte den einen oder anderen auch mal happigen Satz, aber meist kam ich wirklich zum Treiben und Loslassen. Sein Schwung verbesserte sich, der Takt war und blieb störanfällig. Er baut hier und da „mal eben“ kleine Sprünge in den Trab ein und ist immer, aber auch wirklich immer spurtbereit. Der Motor ist einfach immer an bei diesem Pferd.
Der Schritt allerdings verbesserte sich enorm und der Galopp gewann nach und nach an Versammlungsfähigkeit.
Dennoch kam Reiten viel zu kurz, das elende Misten hier kostete viel zu viel Zeit und das Wetter war oft viel zu ungemütlich. So ließen wir, wann immer möglich, unser Trio zusammen laufen und genossen es, ihnen beim Toben zuzusehen.

So sieht ein zufriedener, deckenloser Offenstall-Winter-Schimmel aus!

An einem Tag mit wunderbarem Winterlicht machte ich in der Halle Portrait-Fotos. Teilweise wirkten die Bilder wie Studio-Aufnahmen. Das Licht war ein Traum.
Mit einem der Bilder machte ich mir hinterher ein wenig Arbeit:

FEBRUAR

Nacariño brachte mit Bravour den Besuch der Zahnärztin hinter sich.
Feiner Junge!

Und gute Zähne!

Matsch und Schlamm beherrschten weiterhin das Bild – noch so ein anstrengender Monat, in dem wir nicht viel machten. Ich war immer froh, wenn ich mal in die kleine „Spiel-Halle“ gehen konnte (ungefähr 10 x 10 m mit einem Pfeiler in der Mitte), hier festigte sich immer mehr das Kompliment und zu meiner riesigen Freude wurde das Ablegen mehr und mehr abrufbar. So toll!!

Ansonsten ließen wir mit Vorliebe unsere Jungs zusammen laufen. Calesto machte unser Trio zum Quartett und Nacariño fand es gut, auch mal austeilen und wegschicken zu können – sonst war er es immer, der im Zweifel Lamour und Dón weichen musste.
Calesto nahm’s gelassen und fügte sich gut in die kleine Herde ein.

Nacariño sprang mit Begeisterung ganz von alleine. Immer wieder.
Und tatsächlich zog er hier einmal alle anderen mit:

Dreck kann – mit passender Umgebung und in schwarz/weiß – auch mal sehr reizvoll sein:

Und dann schneite es endlich mal!

MÄRZ

Mecker, mecker, mecker – Mistwetter, gesundheitlich angeschlagen, fertig.
Im März war nicht viel zu wollen. Die Pferde hatten echt Winterpause.
Ich wollte Frühling!!!!!!

Nacariño hatte sich auf dem Paddock zwei Mal zu mir gelegt, als ich mich bei schönem sonnigen Wetter da einfach mal hingelegt hatte. Das erste Mal überlegte er fünf Minuten, beim zweiten Mal keine halbe Minute mehr. Mir ging das Herz aber sowas von auf!



Der hintere Platz mit seinen 20 x 20 m hatte eine ideale Größe, um Nacariño einerseits genug Freiheitsgefühl zu geben, andererseits ihn aber auch nicht zu weit weg zu lassen.
Und so verbesserte sich hier auch zusehends, dass Nacariño frei auf die Gerte zu kam. Das war in den ersten beiden Jahren überhaupt nicht möglich und hatte sich im letzten Sommer immer mal so ein bisschen ergeben. Hier nun wurde es immer zuverlässiger.

Das Ablegen gelang inzwischen so ziemlich immer überall. Darüber war (bin) ich sooo glücklich!!! Das ist wirklich ein Geschenk. Bloß das Kompliment war jetzt kaputt, sobald die Gerte Richtung Boden zeigte, fiel Nacariño um 🙂

Das Knien ergab sich immer mal zufällig, aber meist lag Nacariño sofort.
Ich musste mich jetzt schwer zusammen reißen – wollte ich doch Kompliment und Knien auch haben… Aber das ließ ich jetzt einfach mal geschehen. Das Liegen war solch‘ ein Geschenk, irgendwann würde ich das trennen können. Er konnte ja alles. Ich durfte keiner Übung die Motivation und Freude nehmen, dann würde ich sie irgendwann wieder trennen können. Das Liegen war so viel wert!

Hier ergab sich auch mal ein freies Steigen mit beiden, das ist allerdings immer ein bisschen Glückssache. Meist steigen sie immer abwechselnd – auch lustig 🙂

Womit Nacariño sich nicht wirklich anfreunden konnte, war die rote Palette, auf der Dón nun gerade gelernt hatte, mit allen vier Beinen drauf zu stehen. Nacariño hielt immer einen gewissen Sicherheitsabstand zur Palette, guckte aber interessiert zu. Er stellte dann irgendwann, als Dón drauf stand, auch mal seine Vorderbeine dazu, aber wehe, ich bat ihn, etwas näher zu kommen. Dann war er weg. Das Ding war ihm nicht geheuer.
Ich forcierte das mit ihm nicht, ließ ihn machen, und irgenwann war er mal eine halbe Sekunde drauf mit allen Vieren, aber das war wohl mehr ein Versehen seinerseits 🙂

APRIL

Und da war er! Der Frühling! Genau genommen wurde der übersprungen, gefühlt war gleich Sommer. Boah, tat das gut…!! Während man Dón den Fellwechsel richtig anmerkte, war Nacariño (wie in allem, was er tut…) schnell und gründlich. Er schmiss ab – fertig. Mit sowas hält er sich nicht lange auf. Er sah ganz schnell glatt und schier aus, während Dón noch wirkte wie ein Flickenteppich.

Und endlich ging es auch wieder los – wir durften zu den Krämer-Jubiläumstagen! Am ersten Tag nahm ich tatsächlich Fàsci mit, am zweiten mein spanisches Dream-Team.
Ich traute mich nicht, zu waschen – zu kalt, zu windig. Beine ja, aber ansonsten mussten die Zuschauer halt mit ein paar Flecken leben. Ich putzte wie verrückt, das musste reichen.

Die Jungs stellten deutlich mehr Natur als Kultur unter Beweis und sorgten für gute Unterhaltung. Der Bericht mit vielen Bildern ist hier zu lesen!

Noch am selben Wochenende hatten wir Klaudia Brommund und ihre herrlichen Vögel zu Besuch. Ich träumte von weißem Pferd und weißem Kleid und weißem Vogel und das bekamen wir auch so ungefähr hin. Dafür schrubbte ich nochmal wie wild auf den vielen Flecken rum und nahm Schimmel-Spray zu Hilfe.
Außerdem wollte ich natürlich unbedingt ein Bild im Liegen… Das war schon schwieriger, Nacariño war mächtig unter Strom. Aber es entstanden, wie immer, wunderschöne Bilder, und wieder waren sie so völlig anders als bei den beiden Malen zuvor. Hier gibt es viele schöne Bilder von diesem Tag!

An einem schönen Tag lernten die Jungs Caros Tinker Archie kennen. Nacariño war freundlich interessiert, aber eher auf Distanz, und ließ netterweise Archie lange an sich herumschnüffeln. Die meisten Pferde gehen dann weg, und so war Caro froh, dass mal einer still hielt. Archie sollte auf die Weide in die große Herde und Caro war nicht wohl bei dem Gedanken, weil Archie sich bislang nicht so herdenkompatibel gezeigt hatte. Es war sehr spannend zu sehen, wie unterschiedlich Dón und Nacariño auf Archie – und er auf sie – reagierten.

Kurz darauf wechselten wir den Stall. Endlich hatte ich wieder alle meine Pferde am selben Ort, nachdem ich nun ein Jahr lang zwischen den Ställen hin und her gekurvt war und damit gefühlt alle Pferde zu kurz kamen. Ich war so glücklich, dass die Jungs nach Quickborn konnten und entspannte mich sofort. Es fiel unglaublich viel von mir ab.

Hier wagte ich es auch nach wenigen Tagen Eingewöhnungszeit, Nacariño während der Messe HANSEPFERD alleine zu lassen – in Tornesch hätte ich das nicht gemacht. Die Jungs fühlten sich sofort zu Hause und genossen ihren Offenstall. Wir kamen so richtig runter.

Auch hier ergaben sich oft Kuschel-Stunden. Ich schlief auch schon mal zwischen meinen Jungs ein. Zu und zu schön. Nacariño und ich verliebten uns immer mehr ineinander. Ihm ist das richtig anzusehen – er hat totale Herzchen-Augen, wenn er mich sieht. Ich auch.
Ich liebe seinen Blick…!

Und dann widmete ich hier dem Podest. Es gab ein großes (80 x 120 m), und Nacariño löste meine Anfrage mal wieder auf seine ganz persönliche Art.

Ich ließ nicht locker. Bat, lockte, wartete. Ich hatte Zeit. Er auch.
Es dauerte – aber irgendwann probierte er aus und dann kam er hoch!

Was von der einen Seite geht, müsste doch auch…
Wieder dauerte es, aber auch hier stand Nacariño irgendwann oben.

Als ich das ein paar Mal gemacht hatte, lobte ich wie verrückt und wollte vom Platz gehen. Da stand das kleine Podest im Weg. Das ist wirklich ziemlich klein – hoch, aber wenig Standfläche. Im Vorbeigehen zog Nacariño da hin und – zack! – war er oben.
Unglaublich.
Mal wieder so typisch Nacariño.
Am besten gelingt etwas, wenn es seine Idee war 🙂

Womit er allerdings überhaupt keinen Vertrag hat, ist die Wippe. Nachdem er einmal fühlte, dass die sich bewegt, löste er auch dieses Problem auf seine Weise.

Er erfand also (s)eine eigene Art, zu wippen, nachdem er merkte, dass ich auch hier mal wieder nicht locker lasse – er hält es aus, mit den Vorderbeinen auf der Mitte zu stehen und dann ein, zwei Mal nach rechts und links zu wippen. Das geht manchmal!

Mein schöner, wilder Junge!

MAI

Es ergaben sich immer wieder herrliche Kuschelmomente. Nacariño legte sich fast immer sofort dazu, wenn ich mich hinlegte. Ein Gefühl, für das es sich zu leben lohnt…  ♥

Und dann – endlich Weide!!!

Ende Mai war ich dann richtig heiß auf unser erstes Turnier der Saison – das Team Légèreté hatte an zwei Tagen ihre gewohnte Prüfungsvielfalt ausgeschrieben. Am Samstag ging es erst mittags los. Ich brachte meine Jungs so früh hin, dass wir noch schön durch’s Gelände juxen konnten. Das war wirklich juxen – die Jungs zogen mich kreuz und quer durch den Busch. Nacariño schaffte es tatsächlich, im Absprung noch Blätter von den Bäumen zu reißen und die über den Sprung mitzunehmen. Die Jungs waren unglaublich drauf. Ich hatte hinterher das Gefühl, meine Arme seien einen halben Meter länger geworden. Reichlich anstrengend, so viel geballtes Temperament, aber toll, toll, toll!

Der Versuch, Nacariño noch „mal eben“ über die Brücke gehen zu lassen, scheiterte kläglich. Na super. Er wieder…

Beim Turnier selbst trieb Nacariño mir wiederholt Tränen in die Augen.
Der Bericht mit vielen Bildern ist hier zu lesen!

Nach der letzten Prüfung tobten wir mit etlichen Pferden noch einmal fröhlich durch’s Gelände und ließen die zwei tollen Tagen mit viel Gelächter ausklingen.

JUNI

Es gab wieder etwas zu „üben“ (ja, genau. Zwei Mal? Oder war’s doch weniger?) für das VFD-Working-Equitation-Turnier. Ich hatte beide Pferde mit drei Kindern für den Kids-Führzügel-Trail genannt. Und so durfte Klein-Rieke (3), während Bruder Sönke (7) auf Lilly saß, mal so einiges machen – und sie machte es klasse.
Man staunt… – Nacariño wird Kinderpferd…!!??




Nacariño mit Rieke abzulegen war ja kein Problem. Wenn ich oben sitze, ist allerdings an Hinlegen nicht zu denken. Und so bat ich Meike, mir zu helfen – erst legte ich ihn selbst ab, setzte mich, während er lag, drauf, ließ ihn aufstehen und sofort wieder hinlegen, während Meike mit der Gerte zeigte. Und da legte er sich zum ersten Mal mit mir im Sattel hin!

Das Turnier hatte dann seinen eigenen Unterhaltungswert…
Der Bericht ist hier zu lesen!

An einem Tobe-Tag zeigte Nacariño wunderschöne Bewegungen. Was ist aus ihm für ein Muskelpaket geworden… Und das, obwohl ich gefühlt immer gar nichts mache…?

Aus zweien dieser schönen Bilder meiner Jungs machte ich eine Collage:

Reiterlich wünsche ich mir ja immer noch einen Hauch mehr Versammlung.
Und noch einen Hauch mehr… Und noch einen…
Nacariño macht richtig gut mit und so ergaben sich mal wieder Piaffe-Ansätze. Fühlt sich alles recht „bodennah“ an und so war ich sehr froh, mal fotografiert worden zu sein, denn die Bilder sahen teilweise schon nach mehr aus als das Gefühl mir vermittelte. Wir sind auf dem richtigen Weg!

An die Passage allerdings ist überhaupt nicht zu denken. Dieses Pferd kann dermaßen mit den Vorderbeinen um sich schmeißen, ich frage mich ernsthaft, warum beim Gedanken an Passage die Schulter so hängen bleibt. In Tornesch habe ich mal allererste Ansätze bekommen, hier auf dem Platz ist nun der Boden allerdings ziemlich schwer und tief. Da kriegt Nacariño einfach den Schwung in der Versammlung, die er dafür braucht, noch nicht hin. Aber hier und da ist schon mal spürbar, dass der Rhythmus verschiebbarer wird. Im Galopp noch am wenigsten, im Schritt und Trab allerdings kommt die Verschiebbarkeit. Ich bleibe dran und lasse sich das weiter entwickeln!

JULI

Der Juli begann gleich mit einem Nachmittag in St.-Peter-Ording – endlich mal wieder!
Das Licht war ein Traum – das Meer bestand aus Millionen glitzernder Perlen.
So schön…
Viele, viele wunderbare Bilder sind hier zu sehen!

Am 9. Juli lernten wir eine neue Geländestrecke kennen (also für uns neu) – wir waren zu dritt in Reesdorf im Reiterpark Eidertal. Nacariño haute mich völlig von den Socken.
Anfangs bockte er nur unter mir rum, wenn die anderen Pferde trabten und galoppierten und er nicht mitmachen durfte. Alter, war der drauf! Einmal war ich echt in Wohnungsnot, als er nach einem Sprung aber so richtig den Kopf zwischen die Beine nahm. Und er nahm anfangs nach jedem Sprung den Kopf zwischen die Beine. Ich sah nachher schon über dem Sprung zu, dass in der Landung der Kopf bloß oben bleibt.
Aber dieses Pferd machte Sprünge…! Das war unglaublich. Ich ritt nachher Sachen an, meine Güte – gefühlt fehlt hier so ein bisschen „die Mitte“ – es gibt ganz leicht und relativ happig, aber wenig dazwischen. Fragte ich ihn also, was er denn mal von relativ happig hält und er nickte und legte los. Es gab nicht ein einziges Mal einen Moment, in dem er an rechts oder links oder stehen bleiben dachte. Ich ritt immer im Trab an, ließ ihn selbst entscheiden, ob und wann er galoppieren wollte, aber ließ keinen Zweifel, dass wir da rübergehen. Und so zweifelte er auch nicht und packte Holz an, das war schlicht irre.
Ich war vollkommen in meinem Element. Ich liebe es einfach…! Und er offenbar auch.
Was für ein Geschenk…

Hier konnte über kleine und mittlere Stufen hoch und tief gesprungen werden:

Es gibt einen kleinen Teich, der an diesem Tag eher eine Pfütze war, aber hier konnten wir rausspringen. Machte mein feiner Junge sofort anstandslos.

Der wunderschöne große Teich war auch überhaupt kein Problem…

Und da sprangen wir dann auch über die Stufe raus:

Nacariño machte so toll mit – ich wagte mich an mehr Holz. Diesen Sprung musste ich bergauf und leicht schräg anreiten. Egal, Nacariño griff den regelrecht an. Wahnsinn!

Hier wurde es dann schmal und mächtig – Nacariño hatte mein „mittig und gerade!“ aber inzwischen völlig verinnerlicht und ging ohne zu Zögern mittig und gerade da rüber.

Und dann dieser ziemlich happige Schweinestall… Da hatte ich schon einen Moment überlegt. Nacariño nicht. Als ich den anguckte, fixierte er ihn und ging los. Hammer!


Was für eine Manier!!

Das war so richtig ein Tag für die Seele. Hinterher ließ ich Nacariño frei am Hänger stehen, er dachte nicht im Geringsten daran, abzuhauen. Da hätte er vor einiger Zeit noch sehr intensiv dran gedacht. Meine Güte, was für ein Nachmittag…!

Kurz darauf hatte ich Gäste, und denen drückte ich prompt die Kamera in die Hand. Dafür durften sie auch alles fragen und ich gab mit Pferd die Antwort. Wir gingen auf die Wiese – diese Wiese ist ein Geschenk! Endlich mal Strecke machen! Der Boden ist nicht ganz einfach, regelmäßig durchziehen Bodenwellen „das Geläuf“, aber Nacariño konnte auf diesem festen Boden einfach mal ins Schwingen und Federn kommen. Und so erzählte ich, wie ich die Piaffe- und Passage-Idee lege – und trenne – und ritt so vor mich hin. Nacariño war energiegeladen und hoch motiviert und zeigte unglaubliche Bewegungen. Der Trab war zwar, je mehr Versammlung ich anfragte, von um so mehr Sprüngen durchzogen, aber ich ließ ihn einfach machen. Er machte zwei Runden Blödsinn, ich störte ihn nicht, blieb nun in der Passage-Idee, und dann ergab es sich tatsächlich ein paar Mal, dass zwei Tritte durch den ganzen Körper gingen. Und dann waren es plötzlich einmal vier, fünf hintereinander, die in einem fühlbar anderen Rhythmus stattfanden als der Trab. Zum ersten Mal war eine klare Passage-Idee erkennbar und ich freute mich wie verrückt.
Nacariño wurde gelobt, gelobt, gelobt und fand sich zu Recht total toll.
Auch hier hatte ich immer das Gefühl, mehr Vorderbein anfordern zu müssen. Daraus wurden natürlich wieder irre Bewegungen, die so nicht gewollt waren – egal. Ich lasse ihn einfach alles machen und lobe, wenn das plötzlich „aus Versehen“ das Richtige dabei ist. Er soll heiß auf dieses Lob werden und die gewünschte Bewegung suchen, der Rest kommt von selbst. Und hier kam „der Rest“ – zum ersten Mal! Wie toll!!

Als ich dann zu Hause die Bilder sah, schnappte ich das eine oder andere Mal nach Luft.
Was ist das für ein Pferd geworden!!
Gefühlt durfte ich nachher sogar zwischen Piaff- und Passage-Tritten (beides immer noch im Ansatz, nicht falsch verstehen…!) wechseln. Unglaublich.
Und ich konnte Nacariño jederzeit nach vorne schicken – etwas, was mir ja immens wichtig ist. Er darf nicht klemmen. Wenn das sofortige „Go!“ nicht abrufbar ist, ist die Bewegung nichts wert. Und es kam „Go!“ – meine Güte!

Und ich muss mich um das Vorderbein glaube ich nicht groß kümmern – das kommt 🙂

Wahnsinn. Der helle Wahnsinn. Was für ein Pferd…
Und danach überraschte ich ihn und tatsächlich dachte er nicht groß nach und legte sich zum ersten Mal ohne fremde Hilfe mit mir hin!
Allerdings auch nur ein Mal, dann war er nämlich doch überrascht 🙂

Ich konnte ihn danach auf der Wiese – die ist nicht eingezäunt! – frei lassen, er spielte mit mir und war überhaupt nicht geneigt, abzuhauen. Ich grinste nur noch im Kreis.
Später auf der Weide zogen die Jungs echt die Show ab.

Bei diesen beiden Bildern bekam ich echt Schnappatmung:

Mein Bein machte gut mit, da tat sich wirklich etwas, und so wagte ich mich endlich mal wieder an den Langen Zügel. Relativ kurz nur, ich kam richtig in’s Atmen, aber – das Bein hielt! War mein Raumgewinn anfangs noch echt kurz, so wurden die Schritte nach ein paar Minuten etwas länger. Längst nicht die Länge meiner früheren Schritte, aber immerhin, ich konnte im Trab gut mitgehen und dann gelangen uns einige Galoppsprünge, in denen ich auch weitgehend mitschreiten konnte.

Ich war so glücklich! Vor allem, weil Nacariño, der mir bei unseren ersten Versuchen am Langen Zügel, die ja nun eine ganze Weile zurück lagen, jedes Mal beim Angaloppieren abgehauen war. Also richtig, so mit fliegenden Zügeln durch’s Dorf und so. Keine halben Sachen. Nacariño halt.
Dieses Mal gelangen etliche Galoppsprünge hintereinander und mehrfaches Angaloppieren ohne den Hauch eines Gedankens an Abhauen. Er wollte bei mir bleiben. An der Hand galoppiert er ja inzwischen lässig einen ganzen Zirkel, und dieses Gefühl nahmen wir einfach mit an den Langen Zügel. Das erste Mal ging ich so versetzt seitlich, dass er mich gut sehen konnte, danach durfte ich direkt an seinem Hinterbein gehen. Ich hechelte und japste, aber das war so toll!!!

Klar spielten wir noch mit Zirzensik und Hinlegen – wie immer ein Genuss!!

Wir verlebten einen sehr warmen, aber unglaublich schönen Nachmittag in Eutin, wo das Liegen eines der Highlights für mich war – Plan war, auf die letzten Takte der Offenen Kür am Boden mit Nacariño flach zu liegen. Flach, still, mehrere Sekunden. Das gelang, zum Heulen schön! Und auch ansonsten lag er ständig rum und ließ sich sogar völlig entspannt im Liegen die Schleifen anheften. Dieses Mal schmiss er auch keine runter, aber er wurde ja auch nirgends Dritter. Er schmeißt immer nur weiße in den Dreck 🙂

Fortsetzung folgt!

********************************************************************