9.6. – VFD-Turnier in Heist

Ich hatte relativ spät beschlossen, zu nennen, da ich im letzten Jahr bei diesem Turnier einiges, sagen wir mal „etwas schräg“ fand. Laut Ausschreibung durfte man nur eine Prüfung nennen, alle Prüfungen schlossen sich gegenseitig aus. Bis auf den Kids-Führzügel-Trail, und diese Prüfung gab letztlich den Ausschlag, dass ich nannte.
Ich fragte vorher an, ob ich „Doma de Campo“ nennen durfte, denn da hatte es im letzten Jahr ja die Diskussion gegeben, ob ich das als Ausbilder für richtig halte. Ja, hielt ich.
Aber nun fragte ich vorsichtshalber gleich vorher, und es hieß, ich darf, ich werde gesondert gewertet. Immerhin durfte ich starten, denn ich hatte auf „nur Trail“ viel mehr Lust als auf eine Working-Equitation-Prüfung.

Die Doma-Vaquero-Kür war leider gar nicht ausgeschrieben worden. Und so nannte ich für beide Jungs Doma de Campo und mit drei Kids den Führzügel-Trail. Nacariño sollte mit Charleen (10, also das letzte Mal, dass sie hier starten durfte) an den Start gehen und Dón mit Sönke (7) und Rieke (3).

Das Wetter spielte großartig mit. Das Turnier fand in diesem Jahr zum ersten Mal unter neuer Leitung statt, und leider lief der Zeitplan vollkommen aus dem Ruder. Die Zeiten für die Trail-Prüfungen waren völlig unterschätzt worden. Es wurde ungeheuer spät und ich war noch einmal froh, nicht Working Equitation genannt zu haben.

Mittags ging es für uns mit dem Führzügel-Trail los. Es waren nur fünf Teilnehmer, und so waren Rieke und Dón erster Starter. Aber erst einmal mussten wir ja den Parcours abgehen und uns ansehen und anhören, was bei den sechs Hindernissen verlangt wurde.
Zuvor hatten wir ganz viele Glitzerherzen auf unsere Shirts geklebt. Die Pferde bekamen schwarze auf die Kruppe – auf diese Herzchen wurde ich so oft angesprochen! Die sind nächste Woche ausverkauft 🙂

Die Richterin ließ mir gegenüber sofort wieder den einen oder anderen unfassbaren Spruch los. Ich war geneigt, sie anzusprechen, was sie eigentlich für ein Problem mit mir hat, es ergab sich hier und jetzt aber nicht. Und so schüttelte ich nur den Kopf und hielt die Fresse.
Bei der Brücke allerdings war’s kurz vorbei mit Fresse halten und ich fragte „Sollen wir auf der Brücke anhalten?“. Sie starrt mich an und meinte „Das ist jetzt keine ernst gemeinte Frage, oder?“. Äääähhh, doch, sonst hätte ich sie nicht gestellt…?? „Natürlich nicht, sonst stehen wir ja übermorgen noch hier! Was sollen das denn für Trails sein, in denen man auf der Brücke anhält??“ Ok. Ab jetzt hielt ich aber die Fresse. Und hoffte, andere würden die Fragen stellen, die ich hatte. Zum Glück hatte ich keine mehr. Ich war etwas fassungslos und ziemlich sauer. Da aber bekanntlich die beste Möglichkeit, einem Feind die Zähne zu zeigen, lächeln ist, strahlte ich sie ab jetzt nur noch wie verrückt an.
Schräg sein kann ich mal auch! So.
Abgehen war fertig, wir besprachen letzte Details.
„Rieke, wie hält man die Zügel?“

Wir übten noch einmal schnell gemeinsam und korrekt grüßen und dann ging es los.

Ich fand das erste Hindernis reichlich anspruchsvoll, denn die Kids konnten nichts dafür, wenn einem Pferd dieser Tisch nicht geheuer war. Und (nicht nur) Dón war der nicht geheuer.
Hier musste die Kanne genommen, über den Kopf gehoben und wieder abgestellt werden.

Da Dón sich nicht nahe genug an den Tisch heran traute, gab ich Rieke schließlich die Kanne und sie hob sie strahlend hoch. (Note 5 – „Pferd hat gescheut“)

Danach ging es in den Gänsepferch. Einmal um die Gänse herum – lächeln! (Note 6)

Zwischen den Hindernissen sollte getrabt werden. Dón war ein wenig zu kernig, um Rieke dabei gut aussehen zu lassen. Aber sie lachte und fand alles toll. Angst liegt ihr ohnehin fern. Im Zweifel sagt sie immer „Schneller! Schneller!“

Nun kam die Glockengasse. Geradeaus rein, halten, Glocke (hörbar) läuten, rückwärts raus. Beim Abgehen lag hier noch ein Rückwärts-L, da fragten aber zum Glück die anderen Teilnehmer, ob das nicht ein bisschen viel verlangt sei. Darauf die Richterin: „Jedes Pferd kann auf der Weide rückwärts ein L gehen!“ (Fresse halten…!!) – immerhin wurde aufgrund der ziemlich zweifelnden Gesichter der anderen die L-Stange gerade gelegt.
Rieke bimmelte herzhaft, Dón ließ sich zum Glück davon überhaupt nicht beeindrucken.

Rieke machte das super mit dem rückwärts raus. Im Protokoll stand neben der (immerhin) 6 „Zügel verloren. Nicht selbst geritten“. Hmmm…?? Wie klar zu erkennen hat Rieke beide Zügel und kümmert sich gerade sehr wohl darum, dass Dón rückwärts geht… 

Na, von dem Protokoll wussten wir ja nichts, wir hatten unseren Spaß und gingen Richtung Brücke. Ich hoffte, dass Dón diese ihm fremde Brücke brav angehen würde, und genau das tat er auch. Er guckte sich die genau an und fragte dann mit einem Blick zu mir „Soll ich“? – „Ja, mach mal ruhig“ und er machte. Super! (Note 6)

Weiter ging es mit dem Becher umsetzen. Dón blieb brav stehen, ich drückte die ziemlich weit auseinander stehenden Stäbe so weit in Riekes Richtung, dass sie den Becher selbst umsetzen konnte. Der sollte über den Kopf gehoben werden, und das machte sie strahlend mit lang ausgestrecktem Arm.

Auch die Plane guckte Dón sich genau an, ging aber sofort und ohne zu zögern rüber (7). Rieke grinste fröhlich vor sich hin und lobte ihn immer wieder. Sie machte das echt prima!

Und das war’s! Rieke hatte das super gemacht – und Dón erst Recht. Der feine Junge!

Es gab noch vier Fußnoten im Protokoll. Bei „Präsentation von dem Nachwuchs-Worker, Pferdeführer und Arbeits-Pferd“ (wer kommt auf diese Formulierung…?) hatten wir eine 7 und für „Gemeinsamer Spaß bei der Ausführung der Trail-Aufgaben“ immerhin eine 8.

Als nächstes gingen Charleen und Nacariño an den Start.

Mir war schon klar, dass Nacariño sich nicht einfach so neben diesen Tisch stellen würde. Er hielt dann auch sehr viel Sicherheitsabstand und wurde ziemlich aufmüpfig.
Ich griff mit langem Arm nach der Kanne, musste aber sehr vorsichtig sein, um sie Charleen geben zu können. Nacariño drehte ziemlich auf. Charleen blieb total ruhig und wartete einfach, und so bekamen wir das irgendwie hin. Nicht schön, aber Nacariño hielt es schließlich aus. Mit rollenden Augen, schnorchelnd, alle Sinne gespannt.
Dafür gab’s dann natürlich leider auch nur eine 4 („Pferd unruhig, viel Hilfe vom Führer“)

Auf zum Gänsepferch. Der sollte kein Problem sein.
War er auch nicht, und so wollte ich zeigen, dass Charleen das schon sehr selbständig kann und blieb stehen. Ich hob den Führstrick über die Gänse und ließ Charleen eigenständig um die Gänse herum reiten. Das klappte prima, Nacariño entspannte sich.
Im Protokoll las ich dann (neben der 5) den Gag des Tages: „war longiert“. Ja nee, is klar!

Auf zur Glockengasse. Ich bat Charleen, sehr behutsam zu läuten, wer weiß, was diese Glocke bei Nacariño auslöst…?
Gar nichts. Klasse. Er wollte erst nicht stehen neben dem Pfahl, dann wollte er natürlich ein Maul voll Blätter abreißen (frech!!!), aber Charleen durfte einfach so klingeln.
Und dann ritt sie sehr schön umsichtig rückwärts raus.
Note 7 – „Führer hat gestoppt, rückwärts selbst“

Wir gingen zur Brücke. Ich ahnte, dass Nacariño die nicht so mir nichts, Dir nichts überschreiten würde. Tat er auch nicht. „Das ist nicht meine!!!!“ schnorchelte er die Brücke an und rammte alle Viere in den Boden.

Ich probierte nicht lange rum – nicht mit Charleen im Sattel. Ich weiß, dass Nacariño diese Zäunchen würde zerstören können. Muss ja nicht. Ich ging also vorweg und da folgte Nacariño, wenn auch mit Kulleraugen und sprungbereit. Note 5 – „Pferd scheuend“

Wir trabten, Charleen trabte schön konzentriert wie geübt leicht. Also „geübt“ heißt, dass wir am Abend vorher alle drei Kids nochmal auf’s Pferd gesetzt hatten. Ich erziehe die also gleich zu meiner persönlichen Einstellung, geübt wird nicht, es wird gemacht. 🙂

Becher umsetzen sollte kein Problem sein. Und tatsächlich – klappte souverän. 7!

Noch ein schöner Trab…

Eine 8 kassierten wir dann immerhin auf der Plane.
Nacariño guckte sich die zwar an, ging aber super brav rüber.

Gemeinsamer Schlussgruß – und fertig!

Bei den Schlussnoten fanden sich zwei Achten für „Vertrauen und Gehorsam des Pferdes an der Hand zum Pferdeführer“ nebst dem Satz „zum Führer viel Vertrauen“ und für „Gemeinsamer Spaß bei der Ausführung der Trail-Aufgaben“. Eine 7+ gab es für „Trab mit Leichttraben im Takt zwischen den Hindernissen“.

Ich flitzte wieder hin und her zwischen meinen Pferden, um die sich Meike und Caro rührend kümmerten, während Jo und Olaf für diese vielen schönen Fotos sorgten.

Fünfter und letzter Starter waren Sönke und Dón. Sönke war ganz konzentriert, mutig und freute sich. Er hat im vergangenen Jahr echt einen Sprung gemacht, vor allem, was seine Angst angeht. Und so meinte er, als ich ihn fragte, ob wir zwischen den Hindernissen traben wollen „Ja!!“. Ich fragte ihn trotzdem vor jedem Trab erneut, aber er wollte. Super!

Dieses Mal mochte Dón keinesfalls an dem Tischchen stehen, ganz geheuer war ihm das Ding noch immer nicht. Aber Sönke hielt tapfer die Kanne hoch.  Dafür gab’s eine 6.

Im Gänsepferch konnte Dón wieder ausatmen. Es gab eine 6 und den Kommentar „nicht selbst geritten“ – hmmm, aber Dón ging am durchhängenden Führstrick in guter Anlehnung an Sönkes Händen… Naja.

Wir trabten Richtung Glockengasse. Ich sang im Trabtakt „Rücken gerade, Rücken gerade…“ vor mich hin und Sönke machte konzentriert und mutig mit.

Für die Glockengasse gab es eine 7 und den Kommentar „selbst rückwärts“. Sönke machte das wirklich prima, war konzentriert und eifrig und hielt wieder und wieder Blickkontakt.
Dón auch 🙂

Die Brücke stellte überhaupt kein Problem dar, Dón kannte die jetzt und ging lässig rüber. Eine sehr gerechtfertigte 7!

Für das Becher umsetzen gab es eine 6, Sönke war wieder mit voller Konzentration dabei.

Die Plane überquerten wir wieder lässig genug für eine 7.

Unser gemeinsamer Schlussgruß wurde besonders gelobt.

Dóns Gehorsam und sein Vertrauen zu mir wurde mit einer 8 benotet, für den gemeinsamen Spaß erhielten wir eine 9 (!) und den Kommentar „am meisten gelächelt“.

Wir legten schnell die Grupera auf, weil Rieke hinter Sönke sitzend in die Siegerehrung gehen sollte. Ich hätte es wissen müssen… Letztes Jahr durfte ich ja schon nicht mit Handpferd in die Siegerehrung des Trail (zu gefährlich), wie konnte ich annehmen, dass sie mir das jetzt würden durchgehen lassen? Ließen sie auch nicht, Rieke musste wieder runter und mit mir mitlaufen („Ich weiß, dass Ihr das macht und könnt, aber…“).
Moment, lass mich überlegen – also es ist gefährlicher, eine Dreijährige im Schritt auf dem Pferd mitzunehmen (ich hatte Herrensitz vorgeschlagen, aber nein, auch das nicht), als sie vor mir und acht Pferdefüßen herlaufen zu lassen?
Mir wurde ehrlich gesagt nur um so bewusster, wie gefährlich diese Variante war, während wir sie notgedrungen machten… Aber irgendwie kamen wir da alle heil raus. Grummel…

Irgendwie war uns auch ziemlich klar, dass „meine“ drei Kids hinten platziert werden würden. Es liegt mir wirklich fern, Richterurteile persönlich zu nehmen, aber hier wurde es mir wirklich schwer gemacht. Gut, so lernen die Kids gleich, mit sowas umzugehen.
Rieke wurde Letzte („Ach nein, es gibt ja keine letzten Plätze, sie ist natürlich Fünfte!“ Tja, zu spät, das „Letzte“ war schon gesagt…), was sie glaube ich angesichts der großen roten Schleife und der Packung Leckerlies nicht so sehr wahrgenommen hat.
Charleen hingegen nahm ihren vierten Platz sehr wohl etwas enttäuscht wahr.
Sönke konnte auf seinen dritten Platz sehr stolz sein.
Aber der zweite Platz wurde von Außenstehenden schon ziemlich in Frage gestellt. Ich hatte die anderen nicht gesehen, konnte dazu also nichts sagen, aber die ziemlich einhellige Meinung war, dass Charleen weiter nach vorne gehört hätte.
Nun gut, sie saß auf dem mit Abstand schwierigsten Pferd, also freuen wir uns, wie toll sie das gemeistert hat!

Meine eifrigen Jungs hatten die erste Runde hinter sich, ich wartete auf das Abgehen für meinen eigenen Trail. Dabei schufen meine üblichen Sprachstörungen den neuen Prüfungsnamen „Coma de Dampo“ – und dabei blieben wir dann auch 🙂
Der war in weiten Teilen identisch, ich musste mir aber eine etwas andere Linienführung und zwei Hindernisse mehr merken. Dón und Nacariño verfolgten das Abgehen interessiert.

Nacariño war fünfter Starter, ich hatte aber nicht mitbekommen, dass gleich die erste ausgefallen war. Ich ging noch kurz mit ihm am Rand des Geländeplatzes in den Wald, weil er mir das sehr drängende Gefühl gab, noch ein wenig traben und am liebsten galoppieren zu wollen. Für viel reichte die Zeit nicht mehr, aber ein kleiner Trab war drin. Vom Gelände weg überhaupt kein Problem, er schnaubte und trabte vor sich hin. Ich drehte um, so dass ich das Gelände immer im Blick hatte, rechnete mit noch zwei Pferden vor mir und ritt zurück. Ich trabte wieder an. 
Von jetzt auf gleich ein typischer Nacariño – er blähte sich auf, wurde fest, baute spannige Quersprünge in den Trab ein und drohte, durchzugehen. Immerhin ließ er mir (das hätte er vor einem Jahr nicht gemacht) Zeit genug (Sekunde 1), um zu überlegen, dass es echt, aber echt blöd wäre, da mit Tempo 180 zurück zwischen die Zuschauer zu rasen. Er ließ mir auch noch genug Zeit (Sekunde 2), eine Alternative zu überlegen, und so sprang ich in Sekunde 3 während eines herzhaften Bocksprungs seinerseits runter und konnte in seinem Fluchtversuch daraufhin gerade noch den Zügel aber so richtig festhalten. Auch das wäre vor einem Jahr witzlos gewesen, da wäre er abgehauen. Jetzt immerhin ließ er sich halten, er war aber unglaublich unter Strom. Die (zum Glück Druck-)Knöpfe meiner Bluse waren zu Hälfte beim Runterspringen aufgesprungen, die versuchte ich jetzt, zu zu bekommen, während ich mit dem Hampelmann an der Hand zurück Richtung Trail-Platz – äh – „ging“.
Halb zog sie ihn, halb sank er hin…
Oder so.
Und dabei hörte ich auf halber Strecke den Aufruf zu meinem Start. Hoppla! Das ging ja fix jetzt! Ich trabte los, das war Nacariño nur Recht, er sprang neben mir her. Meike kam mir mit Dón entgegen und reagierte super schnell – sie hielt gegen, ich sprang hoch.
Mit dem Feuerstuhl jetzt in den Trail und Ruhe ausstrahlen? Na, herzlichen Glückwunsch.
Nacariño musste wirklich Dampf ablassen, was mir andererseits aber auch zeigte, dass er sich mit Charleen unglaublich zusammengerissen hatte. Und dass er genau das tut, machte mich unglaublich glücklich, während ich versuchte, oben zu bleiben und in den Trail-Parcours zu kommen. Nacariño war auf 180, ich zog die Mundwinkel hoch und versank in meine Prüfungsroutine.
Ich gehöre nicht zu denen, die Prüfungsangst haben. Ich werde unter Stress eher besser. Und ich kann mich, wenn’s sein muss, ungeheuer konzentrieren und fokussieren. Und so ließ ich um Nacariño und mich herum eine Seifenblase entstehen, blendete den Rest aus und gab mich ganz diesem Pferd und dieser Prüfung hin. Und dieses wunderbare Pferd ließ sich verblüffend schnell anstecken, war bei mir und machte mit. Und wie. Damit hatte ich nun echt nicht gerechnet nach diesen letzten zwei Minuten. Nacariño war da und hörte zu und fuhr sich nach und nach immer mehr runter.

Auch für uns ging es mit der blauen Kanne los. Ich glaubte nicht, nahe genug an den Tisch heran zu kommen, aber Nacariño ging da hin, blieb stehen, hielt die Luft an und ließ mich die Kanne über den Kopf heben und wieder abstellen. Du feiner, feiner Kerl…!!!

Im Protokoll findet sich hier neben der Note 6 der Kommentar „Halten mehr schließen“ – lach!! Ich war so froh, dass er überhaupt angehalten hat! Grins… Und irgend etwas mit „nicht“, das dahinter ist schwer zu entziffern. Könnte „gelacht“ heißen. Nee, gelacht habe ich da mit Sicherheit noch nicht – ich war noch viel zu überrascht, dass er hier überhaupt angehalten hatte 🙂

Zwischen allen Hindernissen mussten getrabt werden, Nacariño fragte ziemlich nachdrücklich nach Galopp. Später, Schatz, warte… Er schüttelte ungeduldig den Kopf.

Nun kam ein Hindernis zum Durchatmen – der Gänsepferch. Note 7. Und lächeln.

Und im Trab zur Glockengasse – Nacariño fing an, sich zu entspannen.
Und ich fing an zu lachen. Es fing an, Spaß zu machen.

Nacariño ging brav in die Gasse, blieb brav stehen, hörte seelenruhig dem Gebimmel der Glocke zu und ging dann für seine Verhältnisse ziemlich gut rückwärts aus dem L heraus.
Ich hatte mir das Rückwärts mit ihm ja so ein bisschen verscherzt durch unsere Rückwärts-Acht beim Team-Turnier – das war ihm echt zu viel rückwärts gewesen.
Hier gestaltete ich das rückwärts so unauffällig wie möglich und er machte gehorsam mit.
Note 7 mit dem Kommentar „RR zögernd, Holz berührt“. Ich freute mich.

Die Brücke musste natürlich wieder intensiv angeguckt werden. Nacariño fragte nachdrücklich, ob ich das ernst meine. Ich sagte nachdrücklich, dass ich das sehr wohl ernst meine. Na gut, meinte er, dann aber fix! und sprang los.
Note 5 – „zögernd, kein Schritt“. Besser hätte ich es nicht formulieren können 🙂

Wir trabten fröhlich zum nächsten Hindernis. Das sollte wieder etwas zum Entspannen sein. Um drei Kisten herum musste ein Kleeblatt aus Volte rechts – halbe Volte links – Volte rechts getrabt werden. Lässig! Mit Schnauben! Note 8!

Ich bedauerte, dass ich nicht einfach weitertraben durfte, denn die Plane sollte im Schritt überritten werden. Ich war ziemlich sicher, dass Nacariño problemlos darüber getrabt wäre. So ging er eben im Schritt problemlos drüber und wir kassierten die nächste 8.
Inzwischen war Nacariño voll im Thema, die Anspannung von vorhin vergessen.
Er ließ sich mit feinsten Hilfen parieren und antraben und war total aufmerksam.

Wir trabten zum Becher umsetzen. Nacariño wartete gehorsamst mit geschlossenen Augen, während ich mega entspannt den Becher umsetzte und in Ruhe lobte.
Hier gab es eine 7 und als einzigen Mangel den Kommentar „etwas offen“.

Fast fertig, wie schade…! Nur noch durch die Senke. Wahlweise Schritt oder Trab, aber die einmal gewählte Gangart musste beibehalten werden. Ich überlegte schnellstmöglich – würde er stocken? Das Wasser spiegelte und so viel war nicht drin, das sah schon komisch aus. Ich entschied mich für Schritt, um auf Nummer sicher zu gehen, und säuselte vor mich hin „Weitergehen, weitergehen, weitergehen…“ und Nacariño ging weiter. Er ging voll konzentriert und total aufmerksam, aber super brav im Schritt da durch. Note 10!

Ach, war das schön! Dafür war ich hergefahren – um meinen Pferden mal wieder neue Sachen zu zeigen (Bistro-Tisch mit Kanne sag ich nur…) und mit ihnen solche vertrauensfördernden Maßnahmen zu erleben. Nacariños Durchgeh-Stimmung vorher und dann sein wirklich schnelles sich-drehen-lassen in eine Stimmung, in der er so einen Trail bewältigen kann. Das ist es, wofür ich losfahre. Ok, ich nehm’s auch ohne Durchgeh-Stimmung, aber das ist bei ihm nun mal immer und immer wieder mal möglich.
Großartig war aber einfach, wie schnell er sich dann auf die Prüfung eingelassen hat.

Ich saß ab, bedankte mich sehr, sehr bei dem Süßen und schwang mich auf Dón.
Der hatte spürbar Lust, die Sonne konnte den beiden überhaupt nichts anhaben.
Meike zog sich mit Nacariño in den Schatten zurück. Der war wieder völlig entspannt und chillte mit Meike am Waldrand.

Auch mit Dón trabte ich noch ein wenig durch den Wald, er hatte aber diese tolle Mischung aus totalem Eifer, Aufmerksamkeit und Entspanntheit, die ich an ihm so liebe (wenn er sie hat. Ist ja nicht immer so. Aber jetzt war das wieder mal ein Genuss).

Ich guckte, wie viele ich noch vor mir habe und stellte mich einen Moment mit ihm in den Schatten, um zuzuschauen. Zum zuschauen kam ich gar nicht – ich sah einen Bistro-Tisch mit weißem Deckchen, darauf ein Körbchen mit Möhren. Ein Geschenk des Himmels!
Ich übte also, neben diesem Tischchen zu halten und gab ihm, sobald ich da rankam (Dón schnorchelte und rollte mit den Augen, es dauerte einen Augenblick…), ein Stück Möhre. Nach dem zweiten Mal wartete er auf die Möhre, beim dritten Mal stand er reichlich dicht an dem Tisch. Na, geht doch! Das war natürlich ein Riesen-Glücksfall. Ich grinste vor mich hin, die anderen Hindernisse sollten kein Problem darstellen.

Es waren eine Menge Starter und einige brauchten ganz schön lange. Hier fing der Zeitplan nun auch an, aus dem Ruder zu laufen. Irgendwann war ich aber schließlich dran.
Der Tisch war ihm immer noch nicht geheuer, aber ich konnte so nah dran anhalten, dass ich die Kanne greifen konnte. Dón schätzt es ja überhaupt nicht, wenn etwas über seinen Kopf gehoben wird, aber er machte einfach nur brav mit und ließ mich machen. Beim Abstellen der Kanne griff dann der Wind unter das Tischdeckchen – und nicht einmal davon ließ sich mein ansonsten ja auch durchaus flaggenfester Dón jetzt stören.
Große Klasse!

Ich freute mich riesig. Wie toll, dass ich vorher dieses Tischchen entdeckt hatte und Dón damit seine Angst verlieren konnte. Wir bekamen eine 6 und den Kommentar „Schritt“, den ich in diesem Zusammenhang ehrlich gesagt nicht verstanden habe. Auf den Fotos sehe ich jedenfalls ein auf allen Vieren sicher stehendes Pferd… Ach, wat soll’s, toll!!!!

Wir trabten zum Gänsepferch, Dón war immer noch in dieser wunderbaren Mischung. Losgelassen, entspannt, eifrig, absolut „da“. Er umrundete die Gänse absolut sicher und heimste sich damit eine wohlverdiente 8 ein.

Und tatsächlich bekamen wir auch für die Glockengasse und das Rückwärts-L eine 8!

Und für die Brücke auch… Dón taperte da aufmerksam, aber völlig sicher rüber.

Mein schöner Grauer auf dem Weg zum Kleeblatt…

…mit dem wir uns dann sogar eine 9 sicherten. Er ging wunderbar weich und willig in gleichmäßigen Volten um die Kisten, ein Tritt wie der andere. Herrliches Gefühl!

Lässig über die Plane, für die es eine 8 gab…

…und eine 8 für das Becher umsetzen. Kommentar: „Lachen überzeugt“ 🙂
Außerdem stand da „Halten verbessern“. Lass ich mal so stehen. Ich weiß, wie Dón noch im letzten Jahr gestanden hat. Auf den Bildern vom Team-Turnier war ich total überrascht, wie toll er sich inzwischen hinstellt. Da verbesser ich gar nix dran, das verbessert sich von selbst! (Also zumindest thematisiere ich das nicht Dón gegenüber).


Auf zur Senke. Ich war ziemlich sicher, dass Dón die durchtraben würde, ohne groß gucken zu müssen. Er konnte auch im Trab gucken. Ich überlegte im Anreiten noch ganz kurz, blieb aber bei Trab. Und Dón trabte so wunderbar da durch, das war der Hammer!
Mit ziemlicher Knieaktion, absolut taktsicher, ganz große Klasse.
Hätte ich keine Ohren, ich hätte im Kreis gelacht.

Neben der 10 (!) im Protokoll stand „es wäre so oder so eine 10 gewesen“.
So oder so? Was heißt das denn? Ob ich runtergefallen wäre oder nicht?
Wir kamen nach gemeinsamer Überlegung zu dem Schluss, dass es wohl heißen sollte, dass es egal war, dass ich getrabt bin, es wäre auch im Schritt eine 10 gewesen, aber auf jeden Fall lobte die Richterin (ja, sie lobte!! Mich!!!) beim Schlussgruß noch einmal ganz konkret die Senke – „Das war echt super! Besser geht das nicht!“. Hihi, fand ich auch.
Man beachte übrigens Dóns Halten beim Schlussgruß – zack, schon verbessert 🙂

Dóns Fußnoten können sich auch sehen lassen:
Reinheit der Gänge und Regelmäßigkeit der Bewegungen: 8
Gehorsam und Annehmen der Hilfen, Aufmerksamkeit und Vertrauen: 8
Sitz und Einwirkung des Reiters: 8
Korrektheit beim Absolvieren der Hindernisse: 9 (wow…)
Präsentation: 8
Harmonie: 9

Auf dem Rückweg zu den anderen sprachen mit etliche an, was für ein schöner, harmonischer Ritt das war. Ich bedankte und freute mich, da hatte mal also das gesehen, was ich gefühlt hatte. Einfach nur schön.

Und tatsächlich war mein toller Grauer damit Zweiter! Und ich wurde (wie auch im letzten Jahr) dann doch nicht außerhalb der Wertung gelistet, sondern ganz normal. Mittendrin statt nur dabei… Muss man alles nicht verstehen. Mir war’s Recht. Ich freute mich total.
Auch über den siebten Platz von Nacariño in diesem großen Starterfeld. Mich überraschte allerdings ein wenig, wie weit die Punkte auseinander lagen. Da müssen einige Reiter bei dem einen oder anderen Hindernis ein paar mehr Schwierigkeiten gehabt haben. 

1. Andrea Grundmann – Bailey’s – 123 Punkte
2. Querendón – 115 Punkte
3. Christine Bohla – Yano – 110 Punkte
4. Dorle Geerdts – Jordan – 109 Punkte
5. Jana Kristin Tietgen – Aragon – 106 Punkte
6. Kathrin Giel – Holiday – 102 Punkte
7. Nacariño – 98 Punkte
8. Aileen Standfuß – Bayo – 96 Punkte
9. Jutta Schumann – Macallan – 95 Punkte
10. Charlotte Jochimsen – Summer – 92 Punkte
11. Annabeth Kröger – Schocker – 73 Punkte
12. Kristin Hansen – Felix – 68 Punkte
13. Vanessa Pokorra – Augustenhofs Goldfee – 66 Punkte
14. Lara Penzel – Sunshine – 64 Punkte
15 . Markus Hauer – Naranjero – 63 Punkte
16. Alexa Pokorra – Shy Boy – 56 Punkte
17. Matze Siemers – Luna – 54 Punkte
17. Celine Powell – Lacentus – 54 Punkte
19. Astrid Stützer – Milan – 36 Punkte

Erstmals hatte ich den Jungs ein Paddock aufgebaut und freute mich da total drüber. Sie standen da und mümmelten Gras. Ich nahm sie noch einmal mit zum Stall und gab ihnen etwas zu trinken, und dann wartete ich, weil ich Julia noch im Trail der Working Equitation Kl. A sehen wollte. Davor waren aber noch fünf Gangpferde dran, die reichlich lange brauchten. Mein Plan war eigentlich gewesen, die Jungs nach Hause zu bringen und für die Siegerehrung wiederzukommen. Die Siegerehrungen sollten alle am Ende stattfinden. Ich sah den Gangpferden zu und fotografierte im Anschluss Julia.

Danach hatte ich Sorge, dass es zu spät werden würde mit hin und her fahren. Also gab ich den Jungs Heu und wartete weiter. Es zog und zog und zog sich. Inzwischen waren aber die Punkte in die Liste eingetragen worden und ich sah, dass Dón Zweiter sein sollte. Ich wusste aber ja nun nicht, wie das mit meinem „außer der Wertung“ laufen sollte. 
Es wurde spät und später und schließlich fragte ich, ob ich meine Protokolle haben dürfe?
Dann hätte ich wenigstens schon mal was zu lesen 🙂
„Klar – möchtest Du Deinen Ehrenpreis auch haben und nach Hause fahren??“ Ich war total perplex, fand es aber toll, dass das gemacht wurde. Na klar sagte ich ja. Schade für den Veranstalter, der sich das mit einer gemeinsamen großen Siegerehrung sicher sehr schön vorgestellt hatte, aber für Reiter und Pferde eine Zumutung, insbesondere, wenn sich dann alles so zieht. Aber ich bin sicher, dass das im nächsten Jahr verbessert wird, denn wie gesagt fand das Turnier unter neuer Leitung statt und bis auf den Zeitverzug, aus dem man lernen muss, war es ansonsten toll organisiert. Ordentliche, aussagekräftige Aushänge und Listen, ein schöner Trail-Parcours, schön vorbereitete Protokolle.
Mir persönlich war natürlich mal wieder die Musik zu laut, vor allem die Titel, die nicht so hierher passten, die spanischen Stücke waren sehr schön. Aber sonst war das schon alles toll gemacht und mit dem Wetter hatten wir ein Riesen-Glück. Einige Flächen hätten vorher mal gewässert werden sollen, denn die Mitte, in der sich alles aufhielt, staubte unglaublich.
Ich nahm also meine Protokolle, Schleifen und den Ehrenpreis, einen Eimer mit Leinöl, Führstrick, Äpfel und Möhren, entgegen, und brachte meine tollen Jungs gegen 20.00 nach Hause. Da war der Trail der Kl. L in Gange… Es muss ziemlich spät geworden sein in Heist. Aber super waren natürlich die vielen Nennungen. Das machte Dóns zweiten Platz noch viel wertvoller 🙂

Ich wünschte meinen wunderbaren Jungs eine gute Nacht.
Am nächsten Tag sah ich dann das Brüller-Foto schlechthin:


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