12.-14. April – Messe NORDPFERD

Im Prinzip saß ich seit Oktober nicht mehr auf dem Pferd. Zu zeitlichen und gesundheitlichen Problemen kamen familiäre hinzu, die sich als langwierig erweisen sollten. Die Pferde kamen viel, viel zu kurz.
Sie trugen es mit Fassung, freuten sich über Kuscheleinheiten, legten ziemlich an Gewicht zu und verbrachten den Wintern ansonsten unter einer anständigen Dreck- (und Speck-)schicht in ihrem Offenstall.

Dennoch – ich durfte wieder einmal an der NORDPFERD teilnehmen und freute mich da natürlich sehr drauf. Da ich aber nun relativ häufig zwischen Norddeutschland und Hessen hin- und herpendelte, rauschte die Messe gefühlt so an mir vorbei (im Vorwege), so dass ich schon Angst hatte, sie überhaupt zu vergessen. Zumindest kam ich mir noch nie dermaßen unvorbereitet vor.

Plan war, nur Nacariño mitzunehmen – die Arbeit mit zwei Schimmeln war mir einfach zu viel. Einen zu waschen und weiß zu halten (haha) reichte völlig. Und ich hatte soooo Lust auf Nacariño…

Ich saß vorher natürlich noch ein paar Mal drauf (und hörte mich dabei schon im Geiste erzählen…), und Nacariño fühlte sich einfach nur ehrgeizig und eifrig an. Ich bastelte ein wenig an der Durchlässigkeit, mehr war einfach nicht zu tun. Er war „da“, er war „an“, er wollte.

Täglich war im Tagesprogramm ein Auftritt geplant und am Freitag und Sonntag je 30 Minuten im Praxisring, kurz zuvor verschob sich natürlich mal wieder das eine oder andere, aber der grobe Plan stand. Ich hatte meine Themen so gewählt, dass Nacariño einen ziemlichen Freifahrtschein hatte – ich konnte ja sowohl bei „Das innere Bild“ wie auch bei „Positive Bestärkung – wie geht das?“ wunderbar jeweils auf alles eingehen, was er machen würde, sei es nun der zu erwartende Blödsinn oder die erhofften sehr guten Momente.

Am Donnerstag stellte sich erste echte Vorfreude ein, am Freitag freute ich mich dann richtig. Ich merkte vor allem, wie gut mir das tat, weil es mich mal aus der (gerade nicht so leichten) realen Welt herausholte. Auf der Messe konnte ich mich endlich mal wirklich wieder entspannen – ich glaube, bei den meisten ist es genau andersrum 🙂

Ein riesiger Dank an Kerstin und Christina für diese tollen Bilder – ich bin noch ziemlich geflasht von diesem durchgeknallten, übereifrigen, albernen, überdrehten, wunder-wunder-wunderbaren Pferd. Er hat so fantastisch mitgemacht!

Zwischendurch rüpelig, weil er seine Energie kaum im Griff hatte und natürlich von der Atmosphäre angestachelt durchaus auch aufgeregt war, andererseits konnte er in der Abreitehalle der Showhalle vollkommen entspannt rumstehen und das Gewusel um sich herum betrachten.
Er lernte eine Kutsche von ganz Nahem kennen und hatte mit nichts ein Problem.
Vor dem Praxisring musste er durch die Glastür, und das war das Einzige, was ihm echt Sorge bereitete, aber auch da ließ er sich mit „Mutig! Komm, trau Dich!!“ durchlotsen. Innen drin wirkte er ziemlich wenig geschockt, ich denke schon, dass er sich daran erinnerte, hier vor 2 Jahren schon einmal gewesen zu sein.

Bei den Auftritten selbst fing er an zu schwitzen – kein Wunder in den warmen Hallen, aber da merkte man ihm auch eine ziemliche Aufregung an, die er allerdings größtenteils auf meine Bitte hin in großartige Bewegungen umsetzen konnte. Mir war überhaupt nicht klar, wie sehr sich sein Bewegungspotential inzwischen verbessert hat und vor allem, wie elastisch er geworden ist (nicht reiten ist das Rezept! Einen Winter lang rumgammeln lassen!) – eine Freundin schickte mir ein kurzes Video, das sie mit dem Handy gemacht hatte, und da holte ich echt Luft. So fühlt er sich nicht an, daher war mir diese Elastizität nicht klar. Fantastisch!

Die Reaktionen auf unsere Demo im Praxisring (30 Minuten „Das innere Bild“) waren so positiv, ich wurde von ganz vielen darauf angesprochen, als ich später noch durch die Hallen ging. Mit leuchtendem Gesicht.

Nacariño brachte es fertig, am Freitag sowohl im Praxisring wie auch in der Showhalle während seiner Auftritte zu äppeln und zu pinkeln. Was sein muss, muss sein…
🙂

Nun aber mal zu den Bildern – erst einmal aus dem Praxisring. Er wagte sich anfangs kaum in die Ecken, da standen die Lautsprecher und das Headset war nicht so gut ausgesteuert, an den Lautsprechern rauschte es völlig übersteuert, das Geräusch war schwer zu ertragen. Es wurde aber zum einen während des Auftritts besser ausgesteuert, zum anderen konnte ich so natürlich gleich zeigen, wie ich damit umgehe („Mutig! Geh mal ganz nah ran! So nah wie Du kannst! So ein mutiger Junge!!“). Ansonsten war das Viereck winzig, was bei meiner Bitte nach Versammlung im Galopp zu einigen schönen Terre á Terre Sprüngen führte, aber auch sein Talent für Schulsprünge erkennen ließ 🙂

Nacariño zeigte tolle Verschiebungen zwischen verkürzten und langen Schritten, ebenso auch tolle Trabverschiebungen – einmal sagte ich „am Platz“ und er merkte überhaupt nicht, dass er piaffierte, er wartete nur auf das Signal, wieder nach vorne ziehen zu dürfen (was er dann auch gigantisch tat), und so fiel ihm überhaupt nicht auf, dass er etliche Tritte richtig gut piaffierte.
Ich grinste selig vor mich hin 🙂



Richtig süß war ein Moment, als ich das Publikum bat, zu klatschen, wenn sie einen echten Passage-Ansatz erkennen konnten, da er hierin ja noch überhaupt nicht gefestigt ist. Sie erkannten den Moment tatsächlich sofort und klatschten und Nacariño staunte und fragte „Meinen die mich?“. Zu niedlich! „Ja, das war für Dich!“ Prompt zeigte er den nächsten (sehr guten) Passage-Ansatz.
Es sind immer nur ein, zwei Ansatz-Tritte, aber die immerhin werden immer besser.

Ich saß noch ab und zeigte, was sich mit einem klaren inneren Bild an der Hand so machen lässt (Nacariño zeigte, wie man innere Bilder interpretieren kann). Hier war er reichlich überdreht und albern.




Ich hatte natürlich gehofft, ihn ablegen zu können – aber in der Atmosphäre? Er war mega aufgekratzt. Es dauerte ein paar Sekunden und ein hektisches Überlegen – und dann lag er. Seufz…!!!!

Ich strahlte, er auch. Wir waren happy, Nacariño war aufgekratzt und extrem anhänglich, auf dem Weg zurück zum Hänger strahlte er mich an und schubste mich immer wieder (nicht in seiner rüpeligen Art, sondern wirklich süß) und wusste sehr wohl, dass das (er!!) ziemlich großartig gewesen war.

Nun freute ich mich richtig auf die Showhalle – ich nahm an, dass er sich bei so deutlich mehr Platz noch viel besser bewegen konnte und würde, auch wenn ich nicht einschätzen konnte, wie sehr ihn die Bandenwerbung und die Tribüne ablenken würde. Aber er bewies hier neben aller Überdrehtheit auch eine enorme Coolness, also würden wir da schon was Schönes hinkriegen.

Wir kriegten etwas Schönes hin. Nacariño übertraf sich wirklich selbst. Ich nutzte die Größe der Halle gnadenlos aus, zumal er auch sofort gut außen herum ging und sich von der Bandenwerbung kaum schocken ließ, so dass sich Traversalen im Trab und Galopp in beide Richtungen ergaben, nach rechts wunderbar fließend, nach links hier und da stockend und nicht so biegsam, was ich aber gleich wieder kommentieren konnte. Sein erstes Galopptraversalen-Angebot hatte ich überhaupt erst vor zwei Jahren hier in dieser Halle bekommen. Nun zog er hier Galopptraversalen durch, dass es eine Wonne war.
Anhalten auf Pfiff gelang auch aus jedem Tempo heraus sofort, wobei ich mich fragte, wie er den Pfiff hören bzw. von den anderen Geräuschen unterscheiden konnte – das ist schon irre, was hier an Geräuschen auf die Pferde einstürmt.



Das größte aber waren seine Trabverschiebungen. Ich hätte nicht gedacht, dass er ohne Anlehnung an eine Bande piaffiert – aber er dachte so herrlich nach vorne und wartete nur auf mein „Go!“, dass er einfach am Platz blieb und rhytmisch weiter“trabte“, während er auf das Signal wartete, die Energie nach vorne lassen zu dürfen. Und er ließ sie nach vorne! So einen Tab hatte ich überhaupt noch nie auch nur annähernd gespürt bei ihm. Sagenhaft. Er zog mich mit, es war eine Wonne!


Un-glaub-lich!!!
Und natürlich saß ich noch ab und spielte ein wenig. Ich ließ ihn zum Steigen los und wusste im selben Moment, dass ich dafür zu weit in der Mitte war. Er stieg großartig – und raste bockend Richtung Ausgang, um da direkt die Büsche anzufressen. Unfassbar, dieses Pferd. Ich sammelte ihn lachend wieder ein und behielt die Zügel mal lieber in der Hand 🙂

Am Samstag lag Schnee !!! und ich fuhr im Schneegriesel zum Stall. Na super. Nacariños Rücken war schneebedeckt und er sah längst nicht mehr so weiß aus wie gestern. Oha.
Ich bürstete mir einen Wolf und bekam ihn ziemlich gut wieder hin.
Aber die Finger froren ab! Brrrr!!!

Am Samstag hatte ich 10 Minuten im Tagesprogramm, und ich hatte gelesen, dass Andrea Schmitz direkt nach mir dran war. Also schrieb ich sie im Vorwege an, ob wir 20 Minuten zusammen machen wollen – ich hatte „Positive Bestärkung“ und sie „Klassisch-barocke Reiterei“ und ich wusste, dass unsere Texte und Vorstellungen sehr gut zusammenpassten. 
Sie freute sich und war dabei, wir sprachen uns in der Abreitehalle ein wenig ab, wollten das meiste aber den Gegebenheiten überlassen. Wir bekamen zwei Headsets und konnten uns so mit dem Kommentieren abwechseln.

Unsere Pferde fanden sich sympapthisch und so beschlossen wir, nebeneinander anzufangen mit Schulterherein, Traversale links, Traversale rechts. Das klappte, derweil stellte ich uns beide vor, weil Andreas Headset nicht ging. Nach den Traversalen trennten wir uns – und ich saß plötzlich auf einem bockenden Nacariño, der regelrecht empört war, dass Ponderoso jetzt wegtrabte. Hoppla, da waren aber ein paar anständige Sprünge dabei!
Ich lachte und ging darauf ein, Andreas Headset wurde zum Laufen gebracht, und dann erzählten wir abwechselnd.




Ich legte Nacariño noch hin und Andrea tastete sich ran, um in einer Volte um ihn herum zu galoppieren. Nacariño stand einmal auf, legte sich aber gleich wieder hin und tatsächlich klappte die Galoppvolte um ihn herum! Hammer!

Tatsächlich ergaben sich dann aber leider Gründe, dass ich am Sonntag nicht noch einmal zur Messe fuhr. Ich war aber so glücklich über – vor allem – die Momente am Freitag, die kaum besser hätten sein können.
Wunderbarer Nacariño, 1000 Dank, dass Du mir diese Augenblicke geschenkt hast!
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