2019

Im Prinzip standen meine Pferde seit Oktober nur noch rum.
In meinem Leben gab es gerade mal ganz andere Themen – meine Mutter war schwer krank, so dass ich häufiger als sonst zwischen Hessen und Norddeutschland pendelte. Sie starb schließlich im März, was noch einmal viele Fahrten erforderte, da es nun galt, meinen Vater gut unterzubringen. Für ihn fanden wir eine tolle Senioren-Residenz, in der er sich schnell einlebte und wohl fühlt. Das Pendeln wurde aber ja nicht weniger – die Sachen meiner Mutter wollten (aus)sortiert werden, die Sachen meines Vaters danach auch, damit er entscheiden konnte, was er bei sich behalten wollte.
Irgendwie verflogen die Wochen und Monate, die Jungs wurden immer „barocker“ und alberner, weil sie sich langweilten. Das war kein Zustand, ich sah aber auch keine schnelle Lösung, daran etwas zu ändern, während andere Dinge nun einmal einfach im Vordergrund standen.

Begleitet wurde ich von permanenten Schmerzen. Ich suchte eine Schmerztherapie und stieß auf unglaubliche Wartezeiten. Im März wurden insbesondere die Rückenschmerzen so schlimm, dass ein MRT angefertigt wurde und eine Bandscheibenvorwölbung diagnostiziert wurde. Ich war nun eigentlich deutlich gewarnt – und machte weiter.
Mit Stalldienst, mit Kartons schleppen, mit Unmengen Sachen sortieren, mit Schmerzmitteln.

Im April saß ich mal kurz auf den Pferden und konnte mal wieder nicht glauben, dass die sich überhaupt nicht einer so langen Pause anfühlten. Sie waren begeistert und fröhlich und willig. Ich nahm Nacariño mit zur Nordpferd, da mir der Stress mit zwei Schimmeln (waschen…) zu groß war. Er war einfach nur großartig – und das mit ungefähr vier Tagen Vorbereitungszeit… Der Bericht zu der Messe ist hier zu lesen.

Danach musste wieder viel organisiert werden und die Pferde standen wieder nur rum.

Es wurde Juni, es kehrte etwas Ruhe ein, ich fand wieder etwas Zeit für meine Pferde und ritt endlich mal wieder ein wenig.
Ende Juni trafen wir uns bei Doris, einfach um ein wenig Spaß zusammen zu haben mit unseren vier Pferden. Es war ein schöner Tag, an dem Nacariño mir viele tolle Momente schenkte. Mir war überhaupt nicht nach „aufbrezeln“, ich hielt alles schlicht und wollte eigentlich nur ein paar schöne Piaffe-Bilder. Die bekam ich. Und noch mehr.

Wir ließen die Pferde noch zusammen auf die Weide. Andalusier Motó brüllte Nacariño ein paar Mal an, was zu sehr schicken Bewegungen von beiden führte.

Insgesamt ritt ich vielleicht so zehn Mal, dann beugte ich mich Anfang Juli beim Stalldienst über den Heubedampfer – und das war’s.
Es ging nichts mehr.
Dieses MRT zeigte einen Bandscheibenvorfall und damit änderte sich alles. Es war klar, dass ich den Stalldienst nicht mehr würde leisten können, einen Stallwechsel wollte ich aber wenn irgend möglich vermeiden.
Und so mussten nun Lösungen gefunden werden, während gefühlt um mich herum die Welt zusammenbrach.

Die ganzen Überlegungen führten schließlich dazu, dass ich mich Mitte August von Dón trennte. Er fand ein großartiges neues Zuhause, aber es war hart. Dennoch – es war richtig.

Nacariño weinte zwei Tage lang und fand dann ziemlich schnell Gefallen daran, mich jetzt für sich allein zu haben (Fàscino nahm er nicht ernst).
Ich wollte so gerne mal wieder auf’s Pferd, hatte nun mich aber ja nun gerade von dem am besten zu sitzenden getrennt. Ich traute Nacariño eine Menge Blödsinn zu nach der langen Rumgammel-Zeit. Als aber an einem Tag das Gefühl so weit ganz gut war, sattelte ich ihn. Ich dachte nur an Schritt reiten, aber er fühlte sich an, als würde er jeden Tag gymnastiziert werden. Unfassbar.
Er hörte zu, war fein und leicht, und so bat ich ihn, behutsam anzutraben „So weich Du kannst. Trab so weich wie es Dir möglich ist“ – und das tat er. Gefühlt versuchte er, seinen Rücken nicht zu bewegen. Er trabte wirklich so weich, wie er nur konnte. Er nahm wirklich Rücksicht.
Ich war nicht sicher, ob er das auch im Galopp durchhalten würde, Galopp war ja durchaus immer eine Kampfansage bei ihm, aber ich fragte ihn. „Kannst Du so galoppieren? So weich wie möglich, so leicht Du kannst…“ – und er tat es. Auf beiden Händen. Er brachte mich nicht auch nur einen Hauch in Gefahr, er ging nicht ein Gramm gegen die Hand, er bemühte sich um einen weichen Rücken und blieb total im Rhythmus.
Mir war nicht klar, dass ausgerechnet dieses Pferd derart Rücksicht nehmen kann – und dass er es auch noch tut. Ich war echt geflasht.
Es waren vielleicht 15, 20 Minuten, das reichte auch.
Es war wunderbar.
Nun wird sich zeigen, wie (und in welcher Form) Reiten langsam wieder möglich sein wird.