23.9. – Kiekeberger Pferdetag

Der diesjährige Pferdetag am Kiekeberger Freilichtmuseum bei Harburg fand unter neuer Leitung statt – und wir sind voll des Lobes! Im Zweifel haben die es sogar geschafft, das so schlecht angesagte Wetter (Orkanböen…) in einen zwar kühlen, aber weitgehend trockenen und nahezu windstillen Tag zu verwandeln. Nur im letzten Schaubild bekamen wir ein bisschen Niesel ab, da wurde es dann auch empfindlich kühl, aber ansonsten hatten wir so ein Glück!

Und was ganz klar der neuen Leitung zu verdanken war – zum ersten Mal fanden wir das ganze Gelände gemäht und gewalzt vor, die Holzstücke, die hier früher auf dem Showplatz rumlagen, waren weg, das war wirklich alles prima vorbereitet. Und – sie schafften es nicht nur, ihre Zeiten einzuhalten (!!), sondern das so gut, dass wir immer hörten „Ihr könnt schon rein, wenn Ihr fertig seid!“ wenn wir noch keineswegs fertig waren. Aber da abreiten ja vollständig überbewertet wird, fingen wir zwei Mal früher an und hatten dafür etwas mehr Zeit. Das war schön.

Ines kommentierte, und ganz offensichtlich hatte sich auch an der Musikanlage etwas verbessert. Keine krachenden Lautsprecher mehr, Musik und Sprecher waren gleichmäßig gut zu hören. Einmal mit Profis arbeiten!
🙂

Wir waren sehr früh da und hatten schön in Ruhe Zeit zum Putzen, einflechten und und und. Nach und nach trafen alle ein, die Stimmung war fröhlich entspannt, wir alberten rum, quatschten, besprachen noch Details. Die Pferde durften grasen.

Nacariño zuckte bei den ersten Kutschen noch ganz schön zusammen und war fluchtbereit, ab der dritten entspannte er sich, und später fuhren die unglaublichsten Sachen an ihm vorbei – es kratzte ihn nichts mehr. Total genial.
Als ich kam, war mir nicht klar, dass ich den Parkplatz neben dem Eingang zum Abreiteplatz erwischt hatte – das erwies sich jetzt als Glücksfall (also, zumindest sehe ich das ja immer so), weil hier alles, aber auch alles an Nacariño vorbei musste. Er stand am Hänger angebunden, mümmelte abwechselnd Gras und Heu und war wunderbar entspannt und zufrieden. Im Schaubild war er dann immer voll da und energiegeladen – im ersten fast ein bisschen zu viel, da kam ich zwei Mal echt kurz in Wohnungnot, als er – warum auch immer… – einen tierischen Satz machte.

Wir durften rein und ich bekam mal gerade noch schnell meine Jacke zu. Großartig finde ich aber, dass ich inzwischen in jeder fremden Umgebung die Zügel einfach ablegen kann und Nacariño, auch wenn er unter Strom ist, gehorsam bleibt. Bis auf wenige Ausnahmen… Hier jedenfalls blieb er gehorsam 🙂

Unser erstes Schaubild war das Barocke Ensemble. Wir waren zu fünft und zeigten die Arbeit an der Hand, am Langen Zügel, Reiten mit Kandare/Unterlegtrense, einhändig blank und im Damensattel. Eine tolle Mischung der klassisch-barocken Reit- und Arbeitsweisen also. Mit einer ebenso tollen Mischung an Pferden! Dabei waren:

…zum ersten Mal überhaupt Bärbel und ihr Cruzado Cortado in der Arbeit an der Hand

Steffi und Friese Rein im Damensattel

Johanna und Welsh-A Tiago am Langen Zügel

Nic und P.R.E. Navarre auf Kandare/Unterlegtrense

und Nacariño einhändig blank

Nacariño war explosiv, aber gehorsam. Abgeritten waren wir ja nun gar nicht, aber ein kurzer Stromausfall verschaffte uns noch etwas Zeit. Da waren wir aber schon auf dem Showplatz. Eine der schönsten Ansagen, die ich je gehört habe, kam dann, als der Strom wieder lief: „Wir bitten alle technisch interessierten Zuschauer (da dachte ich, sie suchen Hilfe…) die Kabel in Ruhe zu lassen, da hier immer wieder einmal Verbindungen gekappt werden, wenn jemand, der die Zusammenhänge nicht kennt, hier etwas auseinander nimmt…“ Großartig! Technisch interessierte Zuschauer, Finger weg von den Kabeln, und wenn doch, können sich ja danach die technisch versierten Zuschauer darum kümmern, dass alles wieder läuft… Sachen gibt’s!
Es blieb der einzige Stromausfall des Tages (den ich mitbekam), danach lief alles. Auch unsere Pferde – ich hätte Nacariño gut zur Stromversorgung anbieten können 🙂

Er war aufgeregt, aber voll da. Ich durfte nicht immer das umsetzen, was ich gerade wollte, aber ich konnte immer seine Angebote annehmen. Ich fragte z.B. einmal Travers, das ging gerade nicht, weil er woanders hingucken musste, da bot er dann aber Schulterherein an und das ging er dann auch prima. Nacariño-Kompromisse sind inzwischen oft so unsichtbar einzugehen, das ist herrlich…

Gleich im ersten Galopp durfte ich Traversalen anfragen und er ging sie sofort – dem großen Platz sei Dank – in beide Richtungen.

Ich wagte es, eine Piaffe anzufragen. Er signalisierte, dass er eine Bande braucht. Die gab es nicht so richtig, aber die eine lange Seite bot ihm etwas Anlehnung. Allerdings lag hier einiges rum, was ein Geradeausreiten erschwerte. Und so fühlte ich zwar den einen oder anderen piaffeähnlichen Tritt…

…aber auch den einen oder anderen Sprung. Dabei gelang es Kerstin, diesen schönen Moment festzuhalten:

Ines las den Rauswurf und ich saß nochmal schnell ab. An ein Ablegen von oben war überhaupt nicht zu denken, und ich war nicht sicher, ob Nacariño sich bei seinem jetzigen Spannungsgrad überhaupt hinlegen würde – aber ich war kaum unten und zeigte mit der Gerte auf den Boden, da fiel mein wunderbarer Weißer um und lag da ganz zufrieden…
Und mir ging wie so oft das Herz auf!

Dieses herrliche Pferd! Draußen strahlten wir uns gegenseitig an, bei den meisten hatte es so geklappt wie erhofft, insgesamt waren wir sehr zufrieden mit diesem schönen Schaubild.
Ich legte Nacariño noch einmal hin – er lag sofort. Und ich durfte mich draufsetzen.

Wir hatten Zeit und rüsteten sehr entspannt um. Etwas zu entspannt, wir wurden wieder deutlich früher als erwartet zum Viereck gerufen. Menno!
Unser nächstes Bild waren die Iberischen Impressionen. Ich war abends zuvor über meine Banderillas gestolpert und dachte, reite ich doch noch ein bisschen freihändig 🙂
Dafür muss ich aber einmal (zumindest für mein Gefühl) kurz galoppieren, um die Gürtellänge richtig einzustellen. Dazu war jetzt keine Chance mehr, ich hielt den Gürtel einmal ungefähr an die Schnalle und machte ihn vorsichtshalber ein Loch länger.
Der Boden war zwar viel besser als in den Vorjahren, aber dennoch war er abschüssig und wies viele Unebenheiten auf. Nacariño darf freihändig nun wirklich nicht ausrutschen.
Das Gefühl im Barocken Ensemble war aber gut genug gewesen, er hatte sich nach einem Rutscher sofort wieder gefangen, und ich hatte Bock auf freihändig!

Bärbel kannten wir ja nun vorher gar nicht, wollten es im Schaubild aber darauf ankommen lassen, uns zu dritt mit der Garrocha auf einem Zirkel zu treffen.

Wir fingen mit Flaggen an – zumindest Nic und ich, Cortado kannte noch keine Flagge, was aber kein Problem sein dürfte, da er sofort problemlos zwischen unsere beiden Pferde ging. Er zeigte sich überhaupt ungeheuer brav, obwohl er sichtlich Feuer hat.
Was für ein feines Pferd!


Wir wechselten an die Garrocha, erst stimmte jeder sein Pferd ein wenig selbst darauf ein.

Und dann trafen wir uns zu dritt und das war gefühlt ein echtes Tages-Highlight.
Das klappte so großartig! Wir wendeten einmal über Kopf und einmal über Kruppe und alles gelang. Nur Schritt, aber das um so schöner! Das Gefühl war einfach wunderbar.

Ich wechselte nun noch an die Banderillas – und ich hätte den Gürtel mal lassen sollen, wie er gehört. Nacariño war ehrgeizig und versammlungsbereit und so musste ich die Länge noch einmal nachstellen. Aber dann passte es und mein wundervoller Weißer ging einfach toll. Unglaublich, mit welcher Selbstverständlichkeit er das inzwischen macht. Zu Hause mache ich das überhaupt nicht, das letzte Mal war im Mai in der Offenen Kür… Und er macht es einfach. Hammer-Gefühl!




So schön!!!
Wir alberten draußen noch rum und probierten, ein Gruppenfoto zu machen.
Mehr oder weniger erfolgreich, aber lustig 🙂

Der Veranstalter bot ein Rasse-Schaubild an, in dem die Rassen kurz vorgestellt wurden und wir ansonsten außen rum gondelten, das machten wir mit, weil wir ja nun eh gerade so schön iberisch aussahen. Nacariño fragte sich ernsthaft, was das denn sollte??

Wieder hatten wir einen Moment Zeit, um für unser letztes Schaubild umzurüsten. Bzw. eher abzurüsten, denn nun waren die „Variationen am Boden“ dran. Es wurde deutlich kühler und fing ein wenig an, zu nieseln. In der Show wurde mir zwar wieder etwas wärmer, aber die feuchte Kälte drang schon in die Knochen.

Aber unser Bodenarbeits-Schaubild wurde toll. Alle Pferde konnten so viele Sachen beitragen, und das oft in unterschiedlicher Form und mit verschiedenen Zäumungen. 
Es machte einfach nur Spaß und war enorm vielseitig. Hier war nun Gerlinde mit dabei, ihre Hannoveranerstute Winja war das sechste Pferd. Zwei Schimmel, zwei Rappen, zwei Braune, fünf Rassen – klasse!

Wir zeigten zuerst diverse Möglichkeiten des Übertretens und der Seitengänge.

Dann Zirzensik und Podest, danach Spanischen Gruß / Schritt / Trab und verschiedene Formen von Galopp an der Hand und schließlich noch Ablegen und Steigen.
Nacariño war mit Feuereifer dabei, zeigte drei volle Drehungen auf dem Podest (!), legte sich mit Begeisterung hin, und das einmal ziemlich nah an Cortado.
Zum ersten Mal hatten wir zwei liegende Pferde in einem Schaubild!


Kompliment und Knien gelang, vom Spanischen Schritt wirkt das Foto allerdings deutlich ruhiger als die Ausführung 🙂


Auf dem Podest stand er mit allen Vieren, aber auch mit Navarre zusammen.

War das schön… Wir machten alles fertig, verluden die Pferde, die auf dem Hänger weiter Heu mümmelten, und gingen noch – endlich…! – mal ein paar Verzehrgutscheine einlösen.
Die Schale Pommes tat gut und stärkte ein wenig für die Rückfahrt – nun leider mit Stau…
Ach, wat soll’s, schließlich waren wir zu Hause und ich ließ meinen wunderbaren Weißen auf die Weide. Nachdem ich alles weggeräumt und den Hänger sauber gemacht hatte, pfiff ich noch einmal nach meinen beiden und sie kamen begeistert angaloppiert. Es gab noch einen Apfel im Abendlicht und einen Gute-Nacht-Kuss für Dón (der ein bisschen beleidigt wirkte) und Nacariño.

Im nächsten Jahr soll wohl umgebaut werden, so dass kein Pferdetag stattfindet.
Nach der tollen Organisation von diesem Jahr hat mich diese Nachricht wirklich betrübt.

Aber 2020 sind wir dann auf jeden Fall wieder dabei!
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