3.10. – Saisonabschluss

Am 3. Oktober trafen sich Team-Mitglieder und einige Gastreiter wieder zum Saisonabschluss in Heist. Ausgeschrieben bei unserem 9. Team-Turnier war eine Kür in 2 Schwierigkeitsgraden, eine geführte und eine gerittene Mischung aus Trail und GHP und eine Geländeprüfung in 2 Schwierigkeitsgraden.

Meine Jungs waren morgens, als ich kam, klatschnass – ich hatte gehofft, sie hätten sich in den Offenstall zurückgezogen, hatten sie aber nicht… An Putzen war nicht zu denken. Zum Glück hatte ich sie am Abend vorher geputzt, als sie trocken waren, das war auch noch zu sehen. Tja, deckenlose Offenstall-Schimmel mit erstem Winterfell halt…
Nicht einfach…!

Sie bekamen leichte Decken auf und trockneten so während der Fahrt schon ein wenig, und als sie dann ihre Gastboxen bezogen hatten und ich den Trail zu Ende aufbaute, die Musikanlage in Gang setzte, Ehrenpreise sortierte und überhaupt und so, trockneten sie weiter vor sich hin. Sie wussten, wo sie waren und harrten ge- und entspannt der Dinge, die da kommen würden.

Etwas Zeit verschaffte mir noch die erste Prüfung, da ich erst in der zweiten an den Start gehen würde – wir begannen mit dem leichten Schwierigkeitsgrad der Kür. Ab da spielte Petrus auch wirklich mit – bis auf ein paar Tropfen mittags und etliche frische Böen hielt das Wetter! Das macht ja so viel aus, zumal wenn es schon so herbstlich kühl ist…
Das Licht war teilweise ein Traum und so ergaben sich in allen Prüfungen tolle Momente für schöne Fotos von allen Teilnehmern. Teilweise wirkte das Licht wie im Studio!

In der Kür mit „Schwierigkeitsgrad B“ waren alle Grundgangarten verlangt, Versammlung und Verstärkung und mindestens zwei klassische Seitengänge auf beiden Händen.
Ich hatte original keinen Plan, was ich reiten wollte, hörte meine Kür-Musik von Eutin noch ein paar Mal durch um die Übergänge im Ohr zu haben und wollte einfach gucken, was sich ergibt.

Deshalb kann ich auch leider nicht wiedergeben, in welcher Reihenfolge ich was geritten habe – so spontan improvisiert habe ich nun wirklich noch nie. Leider hakte ausgerechnet meine Musik (im Auto lief sie noch…) und ich war schon geneigt, zu etwas völlig fremdem zu reiten oder ganz ohne – beides blöd…
Ines saß dieses Mal am Richtertisch und ich sagte ihr Bescheid mit einem Grinsen „Du kennst die Musik ja. Ist die, zu der wir in Eutin das Pas de deux geritten sind.“ – „Ach die? Die hab ich noch im Auto!“ sagte sie, sprang auf und holte ihre CD. Wie genial war das denn!! Ihre lief dann tatsächlich auch – bei beiden Pferden mit einigen Hakern und Aussetzern, aber so im Groben ging’s und so war es natürlich viel schöner. Die Gangartwechsel zumindest waren alle ohne Haken zu hören und klappten auch.

Ich hatte überlegt, was ich anziehen wollte und 2 Tage vorher war mir enorm nach Frack und Zylinder. Hatte ich lange nicht angehabt – mit Nacariño ein Mal, mit Dón noch nie.
Für den Trail und das Gelände wollte ich mich dann jeweils komplett umziehen.

Klar war ich erster und letzter Starter, immerhin hatten wir tolle 6 Nennungen in der schweren Kür. Davon nahmen letztlich 5 tatsächlich teil, ich machte mit Dón den Anfang. Ich fühlte mich so wohl in diesem schönen Frack… Ich guckte in der Abreitehalle in den Spiegel und sah dieses schöne, langbeinige, elegante Pferd, was waren wir beide doch für ein schönes Bild…!

Vor wenigen Tagen hatte Dón, der Piaffe unter dem Reiter ja bekennend überflüssig findet, einige schöne Piaffe-Ansätze angeboten. Auf einmal schien da etwas da zu sein. Wenn es irgendwie möglich sein sollte, wollte ich natürlich hier und jetzt alles, aber auch alles einbauen, was meine Pferde zu diesem Zeitpunkt überhaupt nur können (und sei es auch nur im Ansatz), wofür ist so ein Saisonabschluss schließlich da?, und so überlegte ich, wo ich diese Piaffe-Idee so einbauen könnte, dass Dón glauben würde, es sei seine Idee gewesen. Meine Schritt-Tour kam am Anfang und ich musste die Piaffe bei Dón aus dem Schritt anfragen.
Bei Nacariño war das wieder anders – aus dem Schritt wurde gerne ein sehr „taktflexibles“ Gehampel draus, er wiederum bot seit kurzem eine derartige Verschiebbarkeit im Trab an, dass es mir ein paar Mal gelungen war, den Trab bis in die Piaffe zurückzuführen und wieder vorzulassen. Extrem geiles Gefühl und nicht so störanfällig wie aus dem Schritt.

Also spannend, wie immer, konnte komplett nach hinten losgehen innerhalb einer Zehntelsekunde – konnte aber auch klappen…

Dón fühlte sich gut an, hatte spürbar Lust, war versammlungsbereit und gehfreudig. Ich riss mich zusammen, fragte den Piaffe-Ansatz nur einmal so völlig nebenbei an, um zu fühlen, ob das heute und jetzt überhaupt da sein könnte und ließ es sofort wieder fallen, als das Gefühl gut war. Wirklich anfragen würde ich es erst in der Kür, da ich das nicht mehrere Male machen darf. Noch nicht. Später. Bin ja froh, dass da bei ihm überhaupt irgendwas „Klick“ gemacht hat!

Sonne kam durch, Musik lief, Dón fühlte sich einen Hauch zu kernig, aber gut an und ich wollte beginnen. Für die Piaffe war er jetzt in der idealen Stimmung, für alles andere vielleicht einen Hauch zu knackig 🙂

Ich gab kurz vor der kurzen Seite mein Handzeichen, die Musik fing an, ich fing an zu grinsen und fühlte mich wohl. Dón schnaubte und ging in gleichmäßigen Schritten auf die Mittellinie, hielt schön gerade an und wartete mit leichter Ungeduld. Ich grüßte, ritt eine kleine Diagonale im Schritt Richtung Mitte der langen Seite auf die rechte Hand – und piaffierte an. Und dieses wunderbare Pferd machte etliche, gut fühlbare verkürzte Tritte, gerade und ruhig, aber doch mit diesem Hauch Dynamik, den es braucht. Er ging so viele Tritte wie noch nie am Stück. Mein Grinsen war jetzt ins Gesicht gemeißelt, ich ließ ihn aufhören, legte gleich an der kurzen Seite noch Schulterherein und einen Wechsel ins Renvers an, weil ihm Seitengänge rechts immer viel schwerer fallen als links. Da wollte ich gerne gleich zwei auf der rechten Hand hinter mir haben 🙂

Die Trabmusik begann, ich grinste vor mich hin, Dón war zufrieden und sehr fein an den Hilfen. Ich ritt kreuz und quer vor mich hin, da waren Schlangenlinie um die Mittellinie dabei, Diagonale mit zwei Volten, eine schöne Linkstraversale…
In der Galopptour überraschte ich Dón ein bisschen mit der Frage nach einem fliegenden Wechsel, den er sehr verblüfft sprang, aber leider kamen die Hinterbeine nicht mit. Alles gut, ich korrigierte in Ruhe und er blieb ruhig. Das ist bei Wechseln nicht immer der Fall, deswegen habe ich den auch total spontan entschieden. Etwas zu spontan 🙂
Alles andere aber war einfach nur klasse. Er zeigte einen ganzen Mittelzirkel mit schöner Dehnung im Galopp, am Ende in der Trabtour fragte ich auf der Diagonalen noch eine Passage an, die sich klasse anfühlte (so klasse sie sich mit dem jetzt Achtjährigen anfühlen kann – aber es ist fühlbar, was da noch kommen wird!), er war gut im Rhythmus und kraftvoll, das war ein tolles Gefühl. Ich wendete auf die Mittellinie und hielt die Gerte nach vorne, und da kamen etliche herrliche Tritte Spanischen Trabes. Das war einfach genial!
Ich überlegte im Schlussgruß noch eine Zehntelsekunde, ob ich ihn steigen lassen sollte, aber damit hätte ich auch wieder ziemlich überrascht. Er war selbst noch high von der guten Passage und dem Spanischen Trab, das wollte ich nicht kaputt machen.

Ich grüßte und freute, freute, freute mich. Toller Junge! Tolle Kür!





Ich ritt strahlend zurück zu den Boxen, küsste Dón, sattelte um, und dann rauf auf Nacariño, der schon ungeduldig war.
Am Tag zuvor war es genau 3 Jahre her, dass ich den Kaufvertrag für diese Wundertüte unterschrieben hatte. Und gefühlt war das, was dann kam, sein Dank für diese 3 Jahre. Nicht nur die Kür, der ganze Tag. Alle 3 Prüfungen. Nacariño übertraf sich in einer Tour selbst und trieb mir so einiges an Tränen in die Augen. Besser kann er einfach nicht.

Auch seine Kür war bis zum Abwinken improvisiert, auch hier kann ich kaum wiedergeben, was ich gezeigt habe, in der richtigen Reihenfolge weiß ich es schon gar nicht mehr. Ich weiß nur, dass ich so ziemlich alles reinpackte, was er auch nur im Ansatz kann, und das war eine Menge. Und er spielte so großartig mit, war ungeheuer schnell, ließ sich umschalten zwischen Versammlung und Verstärkung (auch wenn ich seine schöne Trabverstärkung heute nicht sitzen konnte – ich hatte mir am Vorabend beim Trail-Aufbau den Rücken verhoben und frühmorgens noch eine Sekunde überlegt, ob ich tatsächlich die Pferde zu Hause lassen solle… In der zweiten Sekunde dachte ich aber, dass Reiten immer hilft, in der dritten Sekunde überlegte ich, wo ich die Ibuprofen hingelegt hatte und nun saß ich diese seine Trabverstärkung halt etwas vorneüber „begleitend“ aus…), nahm jede Hilfe unmittelbar an und bemühte sich unglaublich, alles so gut wie nur möglich zu machen. Da waren zwei doppelte halbe Trabtraversalen drin, eine etwas eilige und eine zweite richtig gute halbe Galopptraversale, eine Traversvolte um die Zirkelmitte im Trab und daraus ein Anspringen in eine Arbeitspirouette genau in den Musikübergang, und so richtig richtig freute mich, dass ich ihn an der kurzen Seite im Trab soweit versammeln durfte, dass ein paar schöne Piaff-Tritte fühlbar waren, daraus ließ er sich leicht wieder in den Trab vorschicken. Ist ja noch ganz neu und fühlte sich einfach nur gut an.
Toll war auch der Beginn im Schritt, in der Abreitehalle hatte er so eine schöne Vorhandwendung auf freier Linie angeboten, die nutzte ich jetzt sofort. 360-Grad-Wendung um die Vorhand auf der Mittellinie, kurz geradeaus, dann eine Schritt-Pirouette, bei der wir allerdings die Mittellinie ein wenig verließen 🙂
Ich spielte nur so mit Seitengängen, seine absolute Stärke.
Und das Gefühls-Highlight war dann der Schlussgruß – der Boden ließ es zu, und so sprang ich auf der Mittelline kurz vor Musikende ab und bat Nacariño, sich hinzulegen. Der wirkte nicht mal überrascht und lag innerhalb von 3 Sekunden. Ich grüßte in die letzten Töne hinein und dann knutschte ich dieses wunderbare Pferd, dass da tiefenentspannt rumlag. Und das, nachdem er zu Beginn derart aufgekratzt war…
Er hat ein einfach großartiges Nervenkostüm. Und Liegen ist inzwischen echt (s)eine ganz große Stärke von ihm. Nächstes Jahr ohne dass ich absitzen muss!









Was für zwei irre Küren. Was für herrliche Pferde. Im Ernst – man sollte echt nicht so viel üben. Da reite ich so gut wie gar nicht, fahre nur hier und da mal irgendwo hin (und springe dann momentan meistens…), improvisiere auf Teufel komm raus und die beiden geben sich eine solche Mühe, sind so schön, gehen so fein und motiviert und gut – meine Güte… Was für ein Zauber… Da fällt mir ein Spruch ein, den Sönke letztens in einem Einhorn-Glückskeks hatte: „Wer das Einhorn nicht ehrt, ist den Zauber nicht wert“.
So viel dazu!!

Ich sah Nacariño vorne. Und wie sonst auch vertat ich mich – wie sonst auch gewann Dón. Ich konnte es nicht glauben, Nacariño hatte so mit Lektionen um sich geschmissen, aber andererseits hatte Dón das durchaus auch. Ines sagte, ihr habe seine Ruhe gefallen. Rückblickend war der versprungene Wechsel der einzige Patzer, ansonsten war Dón wirklich so gut gegangen, wie er einfach nur kann. Da hatte er also wieder gewonnen…
Das war unser 15. Sieg!

Ines hatte wunderbare Protokolle geschrieben. So war bei Nacariño zu lesen:
Halten sicher und gerade. Vorhandpirouette sicher, etwas mehr Ruhe. Schulterherein sicher. Doppelte halbe Volte gut. Doppelte halbe Traversale sehr gut. Trabverstärkung behutsam begleitet. Piaffe-Ansatz gut. Travers auf Zirkellinie sehr sicher, Ansatz Galopp-Pirouette gut gestaltet, große Versammlungsbereitschaft. Galopptraversale sicher, Dehnungshaltung sehr gut. Ablegen sehr sicher.
A-Note: 8,4
Durchlässigkeit und Maultätigkeit: sehr gut
Taktreinheit, Gleichgewicht, Geraderichtung: sehr gut
Vertrauen zum Reiter, Harmonie, Freude an der Mitarbeit: absolut gegeben
Sitz und Hilfengebung, Unsichtbarkeit der Einwirkung: sehr gut
Bestreben des Reiters, die Stirnlinie vor der Senkrechten zu halten: sehr gut
Korrektheit der gezeigten Lektionen: gut
Leichtigkeit der Darbietung: sehr gut
Sichtbare Freude des Reiters: absolut gegeben
B-Note: 8,7
Choreografie, Ideenreichtum, Einteilung und Ausnutzung des Vierecks: gut
Herausgebrachtsein von Reiter und Pferd: schlicht und schön
Zusammenpassen der Kür und der Musik: gut

Dóns Protokoll las sich ähnlich schön:
Halten sicher. Schritt mit schönem Fleiß, Schulterherein sicher, Umstellen ins Renvers gelungen. Schlangenlinie um die Mittellinie gut angelegt trotz Baum 🙂 Wechsel Schulterherein / Travers gelungen, sichere Traversale links, Volte rechts Hinterhand besser begrenzen. Galopp mit gutem Durchsprung, Nase mehr vorn. Fliegender Wechsel hinten nicht durchgesprungen, freundlich korrigiert. Passage Diagonale im Verlauf besser. Spanischer Trab sicher.
A-Note: 8,5
Durchlässigkeit und Maultätigkeit: gut
Taktreinheit, Gleichgewicht, Geraderichtung: sehr gut
Vertrauen zum Reiter, Harmonie, Freude an der Mitarbeit: absolut gegeben
Sitz und Hilfengebung, Unsichtbarkeit der Einwirkung: sehr gut
Bestreben des Reiters, die Stirnlinie vor der Senkrechten zu halten: sehr gut
Korrektheit der gezeigten Lektionen: gut
Leichtigkeit der Darbietung: sehr gut
Sichtbare Freude des Reiters: absolut gegeben
B-Note: 8,7
Choreografie, Ideenreichtum, Einteilung und Ausnutzung des Vierecks: sehr gut
Herausgebrachtsein von Reiter und Pferd: schlicht und schön
Zusammenpassen der Kür und der Musik: gut

Ich zog mich um für den geführten Trail, nicht ohne meine wunderbaren Pferde immer zwischendurch mal wieder zu küssen und zu kuscheln. ich freute mich wieder und wieder riesig, dass beide Küren so gelungen waren und Nacariño so viel gezeigt hatte. Die beiden fühlten sich wohl, mümmelten Heu und guckten interessiert zu, wenn draußen etwas zu sehen war.

Im geführten Trail waren 8 Hindernisse verlangt. Für die Querstange gab es 2x Punkte, da diese nach rechts und nach links geführt werden musste. Beide Pferde gingen schier unglaublich gehorsam und sicher. Auch hier haute Nacariño mich um. Er schlief gefühlt bei jedem Hindernis einmal kurz ein und stellte nichts, aber auch nichts in Frage. 

Es begann mit dem Rappelsack, mit dem eine Acht um die Stäbe geführt werden musste. Dón bekam hier eine 9.

Das Slalom bestand zum ersten Mal aus 6 Pylonen (früher 4), die Distanz zur Stange war relativ weit. Das war schon für einige eine Herausforderung. Dón fragte auch eine Wendung an, ließ sich aber super durch das Slalom führen. Auch hier gab es eine 9 plus 2 Zusatzpunkte, die vergeben wurden, wenn der Führer komplett links von der Stange blieb.

Für die Regenschirm-Gasse gab es eine 10 incl. 2 Zusatzpunkte für Stillstand in der Gasse. Dón ließ sich überhaupt nicht beeindrucken.

Für die Luftballon-Gasse gab es eine 9 incl. 2 Zusatzpunkte für Stillstand.

Die Plane gab wieder die volle Punktzahl mit dem Kommentar „sehr sicher“.
Wohl wahr – während Dón döste, wehte die Plane hinter ihm hoch…

Die Querstange lag zum ersten Mal leicht erhöht und musste nach links (7 Punkte) und rechts (10 Punkte) geführt werden. Kommentar: „sehr geschickte Einleitung“.

Dón ging anstandslos auf die Brücke und hielt oben brav an. 9 Punkte + Zusatzpunkte!

Der Bälle-Vorhang war bei dem Wind heute gut in Bewegung. Dón guckte ein wenig, als die Bälle vor ihm hochflogen. Dann ging er problemlos durch – incl. Stillstand. Kommentar: „leichtes Stocken beim Reingehen“. 9 + 2 Punkte!

Das war super! Damit dürfte mein Trail-Wunder sehr weit vorne sein. Die meisten Pferde gingen gut durch den Parcours, zu den schwierigsten Hindernissen gehörte offenbar die Querstange. Die Plane war auch für manche eine Herausforderung, vor allem natürlich, wenn der Wind drunter griff. Ich war sehr gespannt auf Nacariño!

Der fing gleich mit einer 10 an, indem er den Rappelsack ignorierte.

Im Slalom ließen wir tatsächlich eine Pylone aus, ich bekam Nacariño nicht mehr schnell genug gewendet. Fiel kaum auf, aber Ines hatte es gesehen 🙂
8 + 2 Punkte!

Nacariño ließ sich weder von den Regenschirmen noch von den Luftballons und schon gar nicht von den Plane beeindrucken. Unglaublich. Jeweils 10 + 2 Punkte!


Die Querstange nach links brachte uns 10 Punkte ein, nach rechts gab es 9 Punkte.
Diese Stange kann er super machen, aber er kann sie auch voll versemmeln. Heute machte er das absolut großartig! Kommentar: „sehr sicher“.

Die Brücke meisterte Nacariño super souverän, und ebenso souverän den Bälle-Vorhang. Für beides gab es eine 10 incl. Zusatzpunkte! Wahnsinn…

Das war der Hammer. So unfassbar entspannt und gehorsam war Nacariño noch nie mit einem Trail umgegangen. Ich war high. Aus dem Versuch, mit einem Kompliment am Ende zu grüßen wurde nichts – Nacariño fiel sofort um und lag da völlig entspannt.

Ich war sehr gespannt auf die Siegerehrung, kannte ich doch die Punktzahlen in diesem Moment noch nicht. Und so freute ich mich wie verrückt, dass Nacariño zum ersten Mal einen Trail gewinnen konnte. 100 Punkte wären möglich gewesen, 99 hatte er bekommen! Dón kam mit 94 Punkten auf den dritten Platz. Großartige Leistung meiner tollen Jungs bei immerhin 12 Startern! Ich freute mich riesig!

Der gerittene Trail beinhaltete dieselben Hindernisse, die aber entweder anders gestaltet oder von der anderen Seite angegangen werden mussten. 102 Punkte waren möglich.

Ich startete dieses Mal zuerst mit Nacariño. An den ersten 3 Hindernissen erhielt er direkt wieder die volle Punktzahl (10 + 2) – er war einfach wieder unglaublich gelassen, gehorsam und zufrieden. Trotz Wind.


Die Stäbe standen nun enger zusammen, hier musste der Becher mit der einen Hand in die eine Richtung und mit der anderen Hand in die andere Richtung umgesetzt werden. Nacariño döste und bekam die volle Punktzahl.

So auch für das Zick-Zack – aus 6 Pylonen waren 4 geworden, die Stangen waren weg, um die Pylonen musste ein Zick-Zack seitwärts angelegt werden. Nacariño ging leicht, sicher und willig in beide Richtungen.

Bälle-Vorhang und Brücke gaben wieder 10 + 2 Punkte – Nacariño war nur super.

Die Querstange ging er auch mit einer verblüffenden Leichtigkeit – einwandfrei nach links, allerdings fiel sie auf dem Weg nach rechts runter. Das kostete uns tatsächlich den einen einzigen Punkt, der die maximale Punktzahl verhinderte – Nacariño erhielt 101 von 102 möglichen Punkten! Das wusste ich aber ja da noch nicht, ich ritt sowas von happy zurück zum Stall und konnte es kaum glauben. Das war schlicht unglaublich!

Ich sattelte um und freute mich auf den Trail mit Dón.
Auch er machte das unglaublich gut und sicher, für mein Gefühl hob er sich jedoch recht oft raus. Allerdings schloss auch er bei jedem Hindernis entspannt die Augen. Mir wurde hinterher erzählt, dass der Bälle-Vorhang, während wir drunterstanden, waagerecht in der Luft stand vom Wind – das habe ich überhaupt nicht mitbekommen. Dón auch nicht 🙂






Das unglaubliche geschah – Dón gelang es tatsächlich, 102 von 102 möglichen Punkten zu bekommen. Unfassbar. Er gewann den Trail mit nur einem Punkt Vorsprung zu Nacariño. Ich war sowas von stolz auf meine beiden wunderbaren Jungs!

Es wurde empfindlich kalt, windig, und ein paar Tropfen fielen. Ich besprach mich mit Julia, da ja nur wir beide im schweren Gelände starten würden. Sollte das Wetter schlechter werden, würden wir es ganz lassen. Unseren Trail-Teil nahmen wir schon mal raus, so hatte ich nämlich ein wenig Hilfe beim Abbau, weil das direkt nach dem leichten Gelände stattfinden konnte. Das war eine ziemliche Entlastung. Im leichten Gelände hatten die Reiter zuerst einen Geländeteil, dann 3 Trail-Hindernisse, dann den zweiten Geländeteil und zum Abschluss noch 3 Trail-Hindernisse zu bewältigen.
Im schweren Gelände war ein Geländeteil, dann 5 Trail-Hindernisse und im Anschluss ein zweiter Geländeteil geplant. Ließen wir den Trail weg wurde daraus nun ein richtiger Geländeritt mit immerhin 16 Sprüngen. Na, das kann sich doch sehen lassen 🙂

Während das leichte Gelände lief, machte ich Nacariño fertig und ritt ihn auf dem „Acker“, dem oberen Geländeteil, über ein paar kleine Sprünge. Bewusst sehr kleine, so dass gar nicht erst die Gefahr bestand, dass wir uns verschätzten und ein blödes Gefühl bekamen. Ein paar Tage vorher war ich mit ihm nochmal in Reesdorf gewesen und er hatte sich ein paar Mal vertan und nicht ganz so geschmeidig an den Sprung reiten lassen, wie ich es mir gewünscht hätte, und so gab es ein paar unschöne Momente. Die aber auch nur, weil bei dem Mal davor ein paar blöde Sprünge dabei waren und die in uns nachhingen. Die hatten wir noch nicht überlagert mit genügend neuen guten.
Mit Dón war ich vor ein paar Tagen nochmal hier in Heist gewesen und ich merkte nun bei beiden Pferden, dass ich an das Thema Rhythmus heran muss. Wieder, wieder und wieder habe ich meine Jungs aus dem Trab springen lassen. Sie sind so sehr auf „mittig und gerade“ eingestimmt, dass sie überhaupt nicht in Zweifel ziehen, dass über das, wo ich drauf zu reite, rübergesprungen wird. Nun muss ich es in Angriff nehmen, dass wir auch aus dem Galopp springen und immer mehr Rhythmus finden.
Mit Nacariño wusste ich gerade also gar nicht, wie ich es jetzt hier machen sollte. Und so wollte ich ihm beim Abreiten nur ein Gefühl von Sicherheit und Zutrauen geben und die Strecke nach Gefühl reiten.
Mit Dón hatte ich vor einigen Tagen gewagt, mehr aus dem Galopp anzureiten, was da aber für uns beide noch ein bisschen neu und ungewohnt war. Er war teilweise aber super am Bein und toll an den Hilfen, so dass er auch schon mal am Sprung blitzschnell vor oder zurück kam. Dazwischen gab es aber auch ein paar seiner „Badewannen-Sprünge“, aber nicht so schlimm wie an dem einen Tag in Reesdorf.
Bei ihm hatte ich auf jeden Fall vor, die Strecke weitgehend zu galoppieren.
Sprich: ich war bei beiden sehr gespannt und konnte so gar nicht sagen, wie es laufen würde, außer, dass ich sicher war, dass wir überall rüberkommen würden. Wie war nur die Frage.
Julias Strecke beinhaltete 4 leichtere Sprünge und eine Alternative, die sie aber nicht nutzte. Meine schwereren Sprünge lagen auch noch auf einer echt happigen Linie, während ihre in einem weiteren Bogen schön zu reiten waren. Aber ich finde es schon wichtig, dass meine Strecke die schwerste ist. Meine Pferde sind inzwischen schließlich keine Grünschnäbel mehr.

Der Regen ließ nach, der Wind auch, und so freuten wir uns auf unsere Prüfung.
Nacariño war erster Starter. Die Sprünge beim Abreiten waren alle gut gelungen,
Nacariño zeigte keinerlei Bedenken und hatte richtig Lust. Ich bekam bloß meinen Springsattel irgendwie nicht so Recht zum Liegen, die Unterlage war offenbar zu weich, und so musste ich relativ fest angurten und sehr aufpassen, keine zu dollen Schlenker einzubauen. Na super. Beine zu! Mittig und gerade also auch für mich 🙂

Ich grüßte mit einem breiten Grinsen, das während der Strecke immer breiten wurde.
Nacariño machte seine Sache super! Er war angriffslustig, dabei aber mega gehorsam und wie immer ein herrlich schneller Denker.

Es ging nach dem Gruß aus dem Trab los über das „Weißholz“
 

Der zweite Sprung bestand aus dicken Eisenbahnschwellenbohlen und war aus einer Linksendung heraus anzureiten

Aus einer leichten Rechtswendung heraus ging es über den dritten Sprung, das sehr schmale „Wurzelholz“

Weiter in einem Rechtsbogen über die Birke neben der Wellenbahn, und hier musste ich schon sehr genau den Weg planen, denn für mich ging es jetzt relativ scharf rechts Richtung Sprung 5

Das war ein langer, aber schräg zu reitender Sprung am großen Teich, über dem ich weiter im Rechtsbogen bleiben musste, um zu Sprung 6 zu kommen. Inzwischen blieben wir im Galopp und es fühlte sich gut an

Nacariño machte echt gut mit, sprang schräg und ließ sich über dem Sprung weiter wenden. Das „Y“ verwirrte ihn dann aber, der Sprung sah etwas mächtiger aus und hatte keine Grundlinie. Nacariño zog nach links, ich kam nicht mehr gegenan, und so übersprangen wir hier die kleine seitliche Begrenzung, aber nicht mehr den Sprung an sich. Ich überlegte eine Sekunde, ob ich wenden und neu anreiten sollte, andererseits hatte Nacariño ja einen Sprung gemacht, wenn auch reichlich weit links – ich ritt also weiter. Um eine Tonne herum wurde gewendet und nun kam derselbe Sprung von der anderen Seite – und da ging Nacariño ihn völlig problemlos.

Klasse! Nun über die Wellenbahn…

…direkt dahinter ging es in einer Rechtswendung schräg über ein sehr schmales Weißholz. Nacariño sprang ehrgeizig und sicher und fing an zu suchen, wo ich hingucke. Das geilste Gefühl überhaupt im Gelände, wenn die Pferde anfangen, dem Blick zu folgen und den nächsten Sprung suchen. Er war voll da, mein Grinsen wurde immer breiter.

Es folgte der Einsprung in die Senke, dann bergab in die Senke und bergauf wieder raus, oben über einen von 4 Stämmen. Hier durfte Julia sich einen aussuchen, ich musste Mitte oder rechts anreiten, sie wurden nach rechts immer mächtiger. Ich ritt den ganz rechten an und Nacariño sprang mutig und sicher. Das machte pur Spaß!

Wir umrundeten die beiden Wälle und kamen von der anderen Seite wieder auf die Strecke – über einen kleinen Sprung aus zwei braunen Stämmen ging es nach wenigen Galoppsprüngen auf das Billard. Hier sofort durchparieren, im rechten Winkel nach links und steil abwärts in die kleine Senke.

In der Senke im rechten Winkel nach links und angaloppieren – bergauf und über den Sprung, der eben noch der Einsprung gewesen war, nun wieder hinaus.

Nun in einer Linkswendung Richtung Teich. Hier trabte ich mal wieder.

Der Teich hatte in diesem Sommer so viel Wasser eingebüßt wie nie zuvor, und so durfte im leichten Gelände einfach durch die trockene Stelle geritten werden, für uns steckte nun ein Wimpel im Wasser, um den herum eine Volte geritten werden musste. Nacariño zögerte kurz am Wasser und ging dann brav um den Wimpel. Heraus nach oben mit Schwung und von da aus über die Plane – kein Problem – zu den beiden letzten Sprüngen (oh, schon??) – beides schöne mächtige Stämme, die leicht versetzt zueinander standen und anständig angeritten werden wollten. Nacariño ließ sich wunschgemäß im Galopp seitlich verschieben und sprang beide Sprünge mit Kraft, Ehrgeiz und Übersicht.

Ich strahlte, lachte, lobte – wow, war das toll!!!
Unser erster „richtiger“ Geländeritt!

Ich war so, so froh, dass unsere Unsicherheit und das blöde Gefühl einiger Reesdorf-Sprünge hier vollkommen weggeblasen war. Nacariño ist nicht einfach zu reiten, er ist Sturm und Drang und Kraft und Ehrgeiz, aber er war so klasse am Sprung und hatte mich die gesamte Strecke über spüren lassen, dass er ohne Ende Lust hatte und immer wissen wollte „wohin jetzt??“. Hammer-Gefühl. Ich war so glücklich, dass ich fast überlegte, Dón gar nicht mehr zu reiten. Dämliche Idee, los jetzt, Pferdewechsel!

Julia tobte über ihre Strecke, dennoch bekam ich natürlich ein wenig Zeit, Dón vorzubereiten. Der brauchte allerdings nicht viel Vorbereitung, er ahnte was kam und wollte los. Er fühlte sich nur klasse an und ich wollte unbedingt möglichst viel der Strecke durchgaloppieren. Ich war mega gespannt, Dón war super gut drauf. Ich machte zwei, drei Sprünge. Das Gefühl war super. Es konnte losgehen.
Schnell nochmal nachgurten…

Halten, grüßen, grinsen, konzentrieren, los. Über das Weißholz…

Noch mit etwas Trab dazwischen über die Eisenbahnschwellen


Das schmale Wurzelholz noch hochkonzentriert ruhig angeritten, aber Dón war da. Er guckte hin, er passte auf, er sprang willig und hatte spürbar Lust. Ab dann galoppierte ich im Prinzip durch.

Die Birke neben der Wellenbahn problemlos und hier hatte ich meine schwere Linie nun noch viel genauer im Auge. Dón ließ sich absolut willig über dem Sprung wenden und folgte meinem Blick.

Wir kamen super mittig zu dem Sprung neben dem Teich und auch hier ließ sich Dón schräg reiten und folgte über dem Sprung der Rechtswendung

So gelang auch das „Y“ – hier war Nacariño einen guten Meter weiter links über das kleine Hölzchen gesprungen… Dón sprang wunderbar sicher über die Mitte.

Wir wendeten um die Tonne und kamen lässig über das „Y“ zurück.

Mit gutem Schwung über die Wellenbahn und nach rechts über das schmale Weißholz, und dann über den Einsprung in die Senke. Hier aus 2 Perspektiven:


Durch die Senke und über den Aussprung – auch mit Dón ganz rechts – wieder raus.

In einem Rechtsbogen um die beiden Wälle, über die braunen Stämme und rauf auf das Billard

Durchparieren, Rechtswendung, runter in die Senke, Linkswendung, angaloppieren und bergauf. Raus über den Aussprung. Zu und zu schön!

In einem schönen Rechtsbogen zum Teich, im Teich die Linksvolte um den Wimpel, mit Schwung wieder raus und zur Plane. Dón trabte mutig über die Plane und griff den Sprung danach wunderbar an.


Das tollste aber war der letzte Sprung. Den ging er so großartig, kraftvoll und ehrgeizig, das war die Wonne pur. Dieser Sprung fühlte sich einfach nur fantastisch an.

Von diesem Sprung entstand von der anderen Seite das schönste Bild dieser Prüfung:

Un-glaub-lich!! Das ist ein ganz neues Spring-Gefühl mit Dón! Wir können durchgaloppieren, er war fantastisch am Bein und an der Hand, sprang immer in schöner Manier, meine Güte, war das schön!!

Ich nahm Nacariño mit dazu und Kerstin rief „Ich habe noch 5 Fotos! Machst Du noch was?“ – „Ich komm von da drüben!“ rief ich und ritt sehr spontan etwas, was ich glaube ich in diesem Schwierigkeitsgrad mit Handpferd noch nicht gemacht hatte. Ich ritt über die Plane und den Sprung dahinter. Die Jungs sprangen absolut synchron.
Was für ein Gefühl!!


Der Sieger war nicht so schwer zu erraten. Das Gefühl mit Dón war überirdisch, und er hatte so gut ausgesehen, wie er sich angefühlt hatte. Und so machte er das Triple voll und bekam zum dritten Mal an diesem Tag die goldene Schleife angesteckt. Sagenhaft!!

Ein Blick in die Protokolle:

Bei Nacariño stand:
Nach dem 2. Sprung außen klarer begrenzen, 5. Sprung ausgelassen, Linkswendung sicher, Kiefernsprung sicher, Wellenbahn flüssig, Einsprung Senke sicher, Aussprung klare Linienführung, Billard gut, Linienführung in die Senke klar und sicher, Volte im Teich gut, Plane gut.
Sitz und Einwirkung des Reiters (Elastizität, Bügellänge, Zügellänge, Geschick, Unterstützung des Pferdes am Sprung) sehr gut
Aufgabenbewältigung (Linienführung, Angehen der einzelnen Hindernisse, Klarheit in der Hilfengebung, Mut und Souveränität) sehr klar, absolut gegeben
Vertrauen von Pferd und Reiter (sichtbare Freude des Reiters, Loben, Freude des Pferdes an der Mitarbeit) absolut gegeben
Er bekam die Wertnote 8,7

Bei Dón war zu lesen:
3. Sprung sehr gut begrenzt, guter Fluss, Wendung um die Tonne gelungen, Wellenbahn sicher mit gutem Fluss, Senke sicher, Aussprung gut begrenzt, Billard gut, Linienführung in der Senke sehr sicher, Volte im Teich gut, Plane sicher, klare Linienführung
Sitz und Einwirkung des Reiters (Elastizität, Bügellänge, Zügellänge, Geschick, Unterstützung des Pferdes am Sprung) sehr sicher, gut unterstützt
Aufgabenbewältigung (Linienführung, Angehen der einzelnen Hindernisse, Klarheit in der Hilfengebung, Mut und Souveränität) klare Linien, guter Fluss
Vertrauen von Pferd und Reiter (sichtbare Freude des Reiters, Loben, Freude des Pferdes an der Mitarbeit) absolut gegeben
Er bekam die Wertnote 9,0

Wir dankten Petrus ein um’s andere Mal für das Wetter, die letzten Ehrenpreise wurden verteilt, die Sachen zusammengeräumt, und so nach und nach fuhren alle nach Hause.
Ich war pur glücklich mit diesen wunderbaren Pferden und diesen vielen tollen Erlebnissen des heutigen Tages. Wir fuhren nach Hause, die beiden bekamen einen überdimensionalen Gute-Nacht-Kuss und durften auf die Weide.
Das war ein wunderbarer Saison-Abschluss!
******************************************************************************