1.5. – Tag der offenen (Stall)Tür

Wenn Engel reisen… Äh, reiten…
Tagelang Regen und vor noch nicht einmal einer Woche noch Schnee (!!), und am Sonntag strahlender Sonnenschein und bis 18 Grad – was für eine Wohltat!
Und was für ein Wetter für diesen tollen Tag, an dem der Möschenhof in Alvesohe sich am von der FN bundesweit ausgeschriebenen „Tag der offenen Stalltür“ beteiligte. Natürlich mit buntem Showprogramm, von dem wir den Großteil bestritten.

Die Gelegenheit, meine Jungspunde Show-Routine sammeln zu lassen. Ich nahm allerdings kurzentschlossen nur Nacariño mit – und war im Nachhinein heilfroh, so entschieden zu haben, denn er war derart engergiegeladen und übermotiviert, mit der Power war er anstrengend für zwei 🙂

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Aber: Rampensau! Er ging drei Schaubilder, und das waren ja nun die ersten, in denen er bis zu einem gewissen Grade am Punkt „funktionieren“ musste – zumindest in der Arbeit an der Hand, da ist der Ablauf ja ziemlich genau vorgegeben.

Aber mal von vorne – das Verladen zu Hause war so unfassbar lässig, das alleine rettete mir eigentlich schon den Tag. Nacariño ging auch sofort in die ihm zugeteilte Gastbox mit „Seeblick“, er fraß das Heu, trank aus der Tränke, und schmiss sich leider auch erstmal ins Stroh. Zum Glück war das sauber, und so blieb mein Weißer, den ich gestern noch in weiten Teilen gewaschen hatte, weiß. 

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Unser erstes Schaubild war „Flagge zeigen!“. Mit vier Pferden zeigten wir, was man mit Fahnen so alles anstellen kann und dass die Gewöhnung daran eine hervorragende vertrauensbildende Maßnahme ist. Für Tanja und Flamenco war dies das erste Schaubild überhaupt, und er kann sich ja sehr gerne mal an Dingen festglotzen und dann auch zur Hysterie neigen, so waren wir auf ihn also nicht weniger gespannt wie auf Nacariño.

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Beides Rampensäue! Auch Flamenco meisterte seinen Auftritt mit Bravour!
Nacariño hatte ich an der Hand. Ich zeigte, wie man ein junges (vs. unerfahrenes) Pferd an eine Fahne gewöhnen kann. Nacariño wirkte nicht wirklich unerfahren und jung und nahm die Fahne schließlich wiederholt ins Maul und hielt sie fest.

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Tanja und Melanie ritten Flamenco und Josie „normal“, Ines saß ohne Sattel und nur mit Halsring auf Sureña.

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Schließlich wickelte ich Nacariño noch in die große Fahne ein – die sah er zum zweiten Mal überhaupt und tat so, als würde ich ihn seit Jahren täglich darin einwickeln. Völlig cool!

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Das war ja schon mal ein sehr gelungener Auftakt, und obwohl mir dieses Schaubild so völlig unspektakulär vorkam (weil das für mich so selbstverständlich ist, dass die Pferde die Fahne kennen und akzeptieren lernen), bekamen wir hierauf eine Menge Resonanz, dass dieses Bild von den Leuten als ganz faszinierend empfunden wurde und zum Nachahmen anregte. Na, dann hat es doch seinen Zweck erfüllt!

Unser nächstes Schaubild war „Arbeit an der Hand“.

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Da hatten wir nicht so viel Spielraum, gerade mal das zu machen, was geht, da gibt es eine klare Reihenfolge, wann was gezeigt wird. Nacariño war inzwischen so aufgekratzt, dass er nicht in der Lage war, um mich herum überzutreten, und in den dann folgenden Seitengängen drohte er alle Nase lang an, zu steigen, dachte sehr rückwärts / aufwärts, war happig unter Strom, so dass ich nur zusehen konnte, vorwärts zu kommen, was natürlich unsere Abteilung ziemlich auseinander zog. Das war nicht weiter schlimm, das konnte immer wieder ausgeglichen werden, aber ich hatte gehörig zu tun, Nacariño einigermaßen im Fluss zu halten und den jeweils gewünschten Seitengang abzurufen, er wollte alles gleichzeitig und stand sich damit selbst im Weg. Das strengte ganz schön an, weil ich ungeheuer aufpassen und das beste Maß zwischen „vor!“ und „bleib hier“ finden musste.
Ich kann mir vorstellen, dass das nach außen längst nicht so auffiel wie mir; oder sagen wir mal, ich hoffe, dass es nach außen nicht so auffiel 🙂

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Nacariño im Schulterherein

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Sureña im Travers

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Flamenco im Renvers

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Spanischer Schritt (da waren super Schritte bei!)

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Josie im Spanischen Gruß

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Spanischer Trab (ein seltener Moment, größtenteils war das wohl eher Spanischer Galopp)

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Während Sureña und Flamenco Ansätze zur Piaffe zeigten…

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… ließ sich Josie ins Plié und Nacariño ins Kompliment sinken

Und dann Galopp an der Hand! Nacariño galoppierte einfach so eine komplette Runde neben mir her! Total lässig! Zu schön!

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Die Pesade zeigten wir natürlich auch – Nacariños Beine flogen eh nur noch so durch die Luft, aber in den Pesaden stieg er so hoch, das hatte ich noch nie gesehen. Seine Vorderbeine waren ein ganzes Stück über meinem Kopf. Boah, sah das toll aus! 
Ich hoffe, davon gibt es Fotos, bei meinen war keines davon dabei, aber es kommen noch welche…
Ich hatte das Steigen zu Hause ja überhaupt nicht mehr bewusst abgerufen, wohl wissend, dass ich das immer kriegen würde. Das ich es aber in einer derartigen Qualität bekommen würde, damit hätte ich im Leben nicht gerechnet. Nacariño kriegte sich gar nicht mehr ein vor Übereifer.

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Sureña in der Laufcourbette

Nacariño stieg schließlich sogar frei – das war ein sehr spontaner Entschluss, ich ließ im Galopp die Zügel fallen, sprang zurück, er drehte sich sofort zu mir und da passte es einfach. Schön, schön, schön!!

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Das Podest durfte natürlich nicht fehlen – zum ersten Mal lehnte ich mich bei Nacariño an, und danach machte er noch eine komplette Vorhandwendung auf dem Podest. Das hatte er bei Krämer ja zufällig angeboten, geübt hatte ich das nie. Auch nach Krämer nicht mehr. Und hier tatsächlich einmal komplett rum…

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Wieder an der Box angelangt ging Nacariño zwar rein, machte drinnen aber kehrt und kam direkt wieder raus – ich hatte zwar den Strick noch in der Hand, aber hier nun war auf einmal der Betonhals wieder da und er trabte einfach los. Ich kam in Sieben-Meilen-Schritten hinterher, hielt diesen Strick fest und ließ mich mitziehen, loslassen wollte ich erst, wenn gar nichts mehr ging, und nach ein paar Metern fühlte sich das halbherzig an, er wusste schlicht nicht so Recht, wo er hinlaufen sollte. Und so hatte ich das riesige Glück, dass er tatsächlich stoppte, als sich ihm zwei Leute in den Weg stellten, da konnte ich ihn dann direkt wenden und so, als wäre nichts gewesen, zur Box zurück führen.
Der Witzbold! Da ging aber wohl was mit ihm durch, was?

Birgit mit De Piet, Fee mit Iepey und Anja mit Drewes zeigten ein Pas de Trois und hatten sich für diese ja nicht einfache Kombination zwei gerittene Pferde und eines am Langen Zügel eine schöne Choreografie ausgedacht, die von sehr passender Musik untermalt wurde.

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Danach zeigten Ines und Sureña die mit Abstand schönste „Pure Freiheit“, die sie bislang hatten. Zum ersten Mal legte sich Sureña dabei auch unter dem Reiter hin. Das war so richtig was für die Tränendrüse… Einfach nur zauberhaft.

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Und dann stand auch schon unser letztes Schaubild an, die Iberischen Impressionen.
So, wie Nacariño drauf war, musste ich da vorher rauf, für einen Kaltstart war er zu kernig, das hätte an der Garrocha sehr unterhaltsam werden können.
Wurde es auch so, denn das Abreiten beruhigte ihn nicht wirklich, da er bei jeder Runde vehementer Richtung Springplatz zog, da standen etliche Pferde und er wollte bitte jeden einzelnen begrüßen!
Zum ersten Mal buckelte er unter mir, er schlug ein paar Haken, das alles fühlte sich aber so weich an, dass ich trotz glatter Vaquero-Hose auf glattem Sattel nie in Wohnungsnot kam. Abhauen tat er gar nicht, rittiger wurde er aber auch gerade nicht, er zog sich immer mehr hoch. Hmm, das war ja nun nicht die Idee hinter „Abreiten“ gewesen. Ich ritt also Richtung Stall, die anderen waren so weit fertig, aber auch die Nähe der anderen Pferde, die er ja nun kannte, trug nicht zu seiner Beruhigung bei. Er war echt knackig. Das konnte ja lustig werden…

Rampensau, erwähnte ich es schon? Kaum in der Bahn, atmete er aus und gab nach.
Wir ritten zu dritt mit den iberischen Fahnen ein und dieser Anblick war einfach zu schön. Ines und ich legten unsere Fahne relativ bald weg und zeigten Seitengänge und andere Lektionen, Nacariño ging ein super Travers rechts und auch die eine oder andere Rechtstraversale und gutes Schulterherein, ich ließ ihn weitgehend machen und sich entspannen. Er hörte immer besser zu, konnte immer ruhiger werden und so wurde das Gefühl immer besser.

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Nach einigen Minuten tauschten wir alle noch einmal die Arbeitsweise, ich nahm die Garrocha dazu, Ines stellte Sureña jetzt am Langen Zügel vor und Tanja ihren Flamenco an der Hand. Nacariño war teilweise sehr gut an der Garrocha, brach aber auch immer wieder mal ein bisschen aus. Insgesamt aber machte er das großartig!

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Ich war ziemlich geschafft, zumindest körperlich, mental war ich mindestens so aufgekratzt wie mein großartiges, junges Pferd. Er war ganz schön überdreht.
Beim Verladen mauerte er sich nun plötzlich doch mal wieder auf der Rampe fest.
Er zog zwar nicht nach hinten, brauchte aber ein paar Gedenkminuten und schließlich einen sanften Kniff in den hübschen Hintern von Melanie. Der veranlasste ihn dann doch zum Hochgehen. 

Zu Hause lud ich nur eben aus (und ließ ihn, als Flamenco unten war, noch einmal raufgehen – kein Problem) und fuhr nochmal zurück, weil wir noch etwas besprechen wollten. Als ich danach wieder in den Stall kam, lag Nacariño in der Box und döste.
Er sprang aber sofort auf, als er mich sah und hätte direkt weitergemacht, aber dieses Liegen war so süß – das Kind, das einen so aufregenden Tag erlebt hat und nun auf dem Sofa einschläft! Ich glaube, er schläft heute Nacht gut…

Das waren aber auch eine Menge Erlebnisse und Eindrücke!
Was für ein spannender, erlebnis- und erfolgreicher Tag!

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