28.8. – Tierfaszination Ruschwedel

Wir hatten uns so auf Ruschwedel gefreut! Mit fünf Pferden reisten wir an, eines davon trat gar nicht an, Dón war mitgekommen für hundert Meter Spanischen Schritt…

So etwas habe ich noch nie erlebt. Es ging ein Gewitter über uns nieder, das war unglaublich. Mit fetten Hagelkörnern (Hagelbällen!), die echt weh taten, um uns herum Blitz und Donner und Unmengen herabstürzendes Wasser – der Wahnsinn.
War meine „Weltuntergangs-Kür“ mit Joya vor 2 Jahren hier das bis dato heftigste, was ich bewusst bei einem Aufritt je erlebt hatte, so ging hier nun gefühlt wirklich die Welt unter.

Aber mal von vorne, denn wir fuhren ja noch bei strahlendem Sonnenschein los. Wir kamen toll durch, fanden in den Schatten gestellte Paddocks vor, die von den Pferden begeistert leer gegrast wurden, danach lag Heu bereit. Wasser gab es direkt an den Paddocks, also mal wieder eine Vorbereitung vom Feinsten, was die Unterbringung der Pferde anging (gutes Wetter vorausgesetzt).

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Während der Fahrt allerdings hatte sich Ines gemeldet, die unsere Schaubilder hätte kommentieren sollen, dass ihr Pferd Kolik-Symptome zeigt und sie nicht kommen könnte. Volles Verständnis von allen Seiten, aber was jetzt??
Das sind so die Katastrophen, für die ich einfach zu alt bin inzwischen…

😮

Ich rief alle an, von denen ich hoffte, dass sie einspringen könnten, konnte so spontan aber keiner. Es gab hier einen Moderator, aber nach einigen gemachten Erfahrungen weiß ich schon sehr genau, warum ich dafür lieber Leute aus unseren Reihen einsetze…

Die Arbeit an der Hand konnte Nic noch kommentieren, da sie hier nicht mitmachte, und die Iberischen Impressionen las schließlich zu unserer großen Freude Alex, die eigentlich zum Zuschauen gekommen war, sich aber nun mit schöner Stimme und gutem Lesen direkt einen neuen Job gesichert hat – so schnell kann’s gehen. Alex, danke!!!

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Ich hatte in einer meiner typischen Nacht- und Nebelaktionen noch „mal eben“ am Vortag diverse Bilder meiner Jungs am Foto-Automaten ausgedruckt und laminiert. Hier standen denn auch immer wieder Leute davor, sahen sich die Bilder an und man kam ins Gespräch. Die absolute Krönung war ein Junge, der sich intensiv alle Bilder anschaute und dann seine Mutter rief „Mama! MAMA! Also ich muss schon sagen, das ist schon ganz schön gut“. Das muss man sich jetzt in einer Altklugheit vorstellen, zu der nur Kinder fähig sind. Ich brach innerlich zusammen vor Lachen und fragte die Mutter, wie alt denn ihr weiser Sprössling sei – SECHS! 

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Alle Sachen waren verstaut, wir warfen immer wieder mal einen Blick auf die Uhr, aber die Lage war entspannt. Einflechten wollte ich erst, wenn die beiden die Köpfe nicht mehr ganz so gierig ins Gras steckten. So ganz klar war mir auch noch nicht, wie ich einflechten sollte, denn ein durchgehener Zopf hatte keine Überlebenschance. Zum zwischendurch neu flechten würde keine Zeit sein, also musste ich irgendwie tricksen.

Ich machte zuvor jedoch noch einen kleinen Rundgang mit der Kamera und freute mich über das tolle Wetter und die hier immer so schöne, eigentümlich familiäre Atmosphäre.

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Es wirkte insgesamt deutlich leerer und in der Halle auch kleiner als in den Vorjahren, zum ersten Mal allerdings ging diese Veranstaltung über zwei Tage, so dass sich alles ein wenig entzerrte. Beim Gang durch die Halle bat zum Glück keiner der dort ausgestellten Vögel darum, von mir gekauft zu werden (einmal kam ich ja mit dreien nach Hause…).

Die Landesjägerschaft hatte etliche sehr gut gemachte Präparate ausgestellt und erklärte rauf und runter etwas zu den Tieren des Waldes. Das war wirklich toll gemacht!

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Auf dem Showplatz konnten Kinder reiten, sich in der Hundekutsche ziehen lassen und hautnah Kontakt zu Ziegen und Eseln aufnehmen.
Da war nicht immer klar, wer hier wen führt 🙂

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Wir setzten uns noch einmal zusammen, machten Lagebesprechung und gingen die einzelnen Schaubilder nochmal durch. Ich vergesse immer wieder, wenn Neue dabei sind, lieber eine Erklärung mehr als eine zu wenig zu geben, weil für mich so vieles selbstverständlich ist, und so war diese kleine Runde sehr gut.

Tanja und ich machten fertig für das Eröffnungs-Schaubild. Flamenco und Dón sollten im Spanischen Schritt aus zwei Ecken heraus auf die kleine Gruppe zugehen, die dann die Begrüßungsworte sprechen würde. Der Spanische Schritt war ein spezieller Wunsch von Günter Poppe, dem Initiator dieser Veranstaltung, der mit seinen mehr als 80 (!) Jahren noch unfassbar rüstig angeradelt kam um zu gucken, ob bei uns alles in Ordnung sei.
Das war es, wir konnten loslegen!

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Die Musik erklang, wir standen in unseren Ecken bereit und fingen an. Dón glotzte sich am Zuschauer-Zelt fest und driftete querwärts seitwärts Richtung Flami, so dass die ersten Schritte nicht sehr ausdrucksvoll wurden und auch von der inzwischen zu Hause so tollen Regelmäßigkeit nichts zu sehen war. Der eine oder andere gute Schritt war dabei, aber das waren mehr Zufallsprodukte. Tja, so ist das eben, das Zelt hatte er sich vorher nicht ansehen können und das fand er ganz unglaublich. Das musste intensiv angeschaut werden.

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Bei der Gruppe angekommen durfte Dón steigen, was er sofort und mit Begeisterung tat.

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Wir stellten uns rechts uns links auf und hörten den typisch spannenden Begrüßungen zu, die hier zuschauerfreundlich kurz gehalten wurden. 

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Danach ging es im Spanischen Schritt wieder raus und hier nun zeigte Dón so ausdrucksvolle und gewaltige Schritte wie noch nie zuvor. Mein toller Junge!!
Er, der vor einem Jahr noch nicht den Funken einer Idee zu dieser Lektion hatte!

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Das war Dóns einziger Auftritt für diesen Tag, aber das wussten wir natürlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die Sonne schien, die Vöglein zwitscherten, kein Unwetter in Sicht.

Dón küssen und sich bei ihm bedanken und dann aber zack-zack Nacariño für die Arbeit an der Hand fertigmachen, denn dazwischen war nur ein Schaubild. Und ab jetzt wurde es die pure Hetze, es waren noch welche ausgefallen und nach der Arbeit an der Hand war die Zeit ohnehin nicht übermäßig großzügig, so dass ich in meiner mir typischen Art schnell wurde, was dann auch gerne echt hektisch wird und mich selbst nervt. Aber wir hatten wirklich nur ein paar Minuten, also husch jetzt!

Nacariño strahlte eine verblüffende Ruhe aus. Wir hatten keine Zeit, draußen noch irgend etwas zu machen – Kostüm wechseln, auftrensen und rein ins Viereck. Er kam mit, machte Kulleraugen auf dem Showplatz, blieb aber brav bei mir und hörte zu und ging sehr gehorsam sofort in die Traversale.
Wir waren zu dritt: Nacariño, Tanja mit P.R.E. Flamenco und – Premiere! – Karo mit Isländer Riddari frá Horni. Hinterher waren wir uns alle einig, dass es ein tolles Schaubild war. Ich sah so gut wie nichts von den anderen, aber Tanja erzählte ganz begeistert, dass Flami so gut piaffiert sei wie noch nie. Nacariño machte großartig mit, ich konnte das ganze Repertoire abfragen und er brachte sich, wie immer, mit großer Energie ein.
Wir fingen mit den Seitengängen an, Nacariño zeigte neben Übertreten und einer Schrittpirouette schöne Trabtraversalen und Schulterherein. 

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Riddi in den Traversalen
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Nacariño hat sich einmal komplett auf dem Podest gedreht!20p200018321_IGP0878

Flamenco auf dem Podest. Stehen und gucken ist immer toll!18_IGP0856

Spanischer Schritt und Spanischer Trab noch nicht regelmäßig, dafür aber um so ausdrucksvoller. Dynamische Spanische Polka also. Aus dem Spanischen Trab machte er dann natürlich auch wieder seinen Spanischen Galopp 🙂

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Kompliment gelang auf beiden Seiten – obwohl Nacariño hier wirklich umweltorientiert war. Dafür mussten dann aber auch drei Sekunden unten bleiben reichen!

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Das nenne ich mal Fotografen-Einsatz! Der warf glatt seine eine Kamera (keine billige, nehme ich an…) auf den Rasen und sich vor Nacariño für eine schöne Perspektive. 12_IGP0864

Nacariño war enorm aufmerksam, blieb aber absolut gehorsam auf dem Podest, so dass ich eine Acht unter seinem Bauch durchlaufen konnte. Er wartete und schaute sich um.13_IGP0870

Tanja und Flamenco zeigten alle Seitengänge11P2000234

Zum Galoppieren war der Boden natürlich toll.
Da kriegt man dann auch mal lässig eine ganze Runde hin.
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Das Steigen wurde so ein Mix aus hoch und nach rechts wegspringen. Nacariño war höchst albern, stieg mit Begeisterung, aber eben immer wieder nach rechts weg. Hmmmm…23_IGP0889

Ich hielt die Gerte auf seine rechte Seite. Kaum macht man’s richtig, schon funktioniert’s!
Er blieb gerade, wurde wunderbar groß und bot an, auf mich zuzuspringen, was ich ihm auch gestattete. Das soll ja schließlich mal eine Laufcourbette werden!24P2000229

Das war schön!!
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Wir strahlten um die Wette. Für Tanja und mich hieß es nun aber wieder hetzen, denn es blieb nicht viel Zeit bis zu den (ja immer etwas aufwändigeren) Iberischen Impressionen.
Ich wurde notgedrungen wieder auf eine Art hektisch, die mir selbst auf den Keks ging, ich fand dafür aber in diesen Minuten auch keinen Ausweg. Und dann kam der für mich gefühlt schönste Moment des Tages (verrückt, wenn man bedenkt, was wir alles erleben, aber dieser Moment war ungeheuer beeindruckend): ich flitze da so von allen Seiten um Nacariño herum, der sich überhaupt nicht stören lässt und ungeheuer brav und geduldig wartet, das Atmen hatte ich schon längst eingestellt, hier passte irgendwas nicht und da fanden wir irgendwas nicht und dort war irgendwas nicht, was vorher noch da gewesen war – und da guckt Nacariño mich an, guckt mir direkt in die Augen, und atmet einmal ganz tief und ruhig und hörbar aus. „Hey, atme mal! Sagst Du sonst immer zu uns…“
Dieser Moment rührte mich fast zu Tränen und blendete für ein paar Sekunden die Umgebung aus. Mein wunderbarer Nacariño… In diesem ganzen irrsinnigen Trubel ist er es, der mich wieder runterholt… Ich atmete tatsächlich aus, fühlte mich sofort besser, nahm seinen Kopf in den Arm und kuschelte einen Moment mit ihm. So viel Zeit muss sein. Danach blieb ich schnell, aber diese Hektik war nicht mehr so schlimm. Wir guckten uns mit Herzchenaugen an und wussten, dass wir uns aufeinander verlassen können.
Was für ein unglaublicher Moment…

Ich wollte unbedingt noch ein paar Runden reiten, bevor unser Bild losging. An der Hand ist das nicht das Thema, aber mit Nacariño „kalt“ auf den Showplatz ist vielleicht noch ein bisschen viel verlangt und nicht fair ihm gegenüber. Einmal sollte er zumindest frei traben und galoppieren können.
Ich saß endlich oben, sortierte mich und ließ ihn gehen. Unter dem Sattel war er dann auch gleich ein anderer als am Boden, es war also gut, noch ein paar Minuten zu haben.
Vor uns war ein Kutschen-Schaubild dran. Ich glaube, Nacariño sah zum ersten Mal Kutschen. Und dieser Fahrer war leider auch noch echt rücksichtslos. Er hielt auf Nacariño zu – jemand mit offenen Augen und Pferdeverstand hätte gesehen, dass mein Pferd den Rückwärtsgang einlegte, aber der brachte es auch noch, direkt neben Nacariño mit der Peitsche zu knallen. Ar…ch. Tschuldigung, aber ist doch wahr!

Dafür war Nacariño – wieder einmal – ungeheuer gehorsam. Ich glaube nicht, dass Dón diesen Moment so weggesteckt hätte. Nacariño war heftig unter Strom und klebte an unseren Paddocks, machte aber keinen ernsthaften Blödsinn und drohte auch keinerlei Frechheiten an. Ich ließ ihn traben und kurz galoppieren und damit musste es gut sein.

Wir nahmen unsere Flaggen in die Hand und ritten ein. Mein ich-bin-vor-Publikum-und-die-Kamera-könnte-auf-mich-gerichtet-sein-Grinsen zog über mein Gesicht, die Show konnte beginnen!

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Flamenco trug Señorita Doris einige Runden um den Platz. Doris sprang schließlich ab und tanzte in der Mitte noch ein wenig mit den Flaggen Spaniens und Andalusiens.
Nacariño zeigte Lektionen der Doma Clásica, während Nic Navarre noch etwas länger mit der spanischen Flagge ritt. 

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Ich spürte einmal ein schier unglaubliches Bergauf-Angaloppieren. Und tatsächlich müsste es dieser Moment gewesen sein, den Karo mit der Kamera erwischt hat:

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Und dann erstarrte Flami. Er rammte alle Viere in den Boden und starrte in den Himmel. Ich hatte mich schon gefragt, was für ein komisches Geräusch das war, und folgte seinem Blick – da flog eine Drohne! Ich dachte, ich fasse es nicht. Die Pferde wurden kurzfristig unhandlich, sie hatten berechtigterweise echt Angst vor diesem unheimlichen Ding. Dass sowas über einem Showplatz flog, regte mich echt auf. Wie bescheuert ist das???

Die Pferde blieben unter Strom, ließen sich aber wieder einigermaßen dirigieren. Ich hatte ich immer wieder mal Lenkungsprobleme, vor allem, wenn sich Flamenco und Navarre nahe am Ausgang aufhielten, Nacariño schlug ein paar Mal mit dem Kopf, ich hatte ganz schön zu tun da oben, aber er ließ sich anfassen und fiel nie in seine früheren Muster zurück. Aber er war ein unglaubliches Power-Paket. Puh!!

Nic und ich nahmen die Garrocha dazu. Ich überlegte kurz, wie lange Nacariño die schon nicht mehr gesehen hat, fiel mir aber nicht ein. Länger. Und oft ja nun auch noch nicht.
Ach, wat soll’s, er macht das schon…!

Und er machte. Als wäre die Stange täglich dabei. Einfach toll. Ich konnte sofort drehen und alles mögliche mit der Garrocha machen – zwar auf engerem Kreis nur im Schritt, für Galopp war er zu dynamisch, aber im Schritt war er super und sehr konzentriert.

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Schließlich rief ich Nic, damit wir etwas zusammen machen konnten. Und das wurde dann echt klasse. Auch nur Schritt, aber ich glaube, das sah auch so beeindruckend genug aus – wir drehten gleichzeitig, ritten mal gegenüber, mal hintereinander, das fühlte sich echt toll an. Das bauen wir aus!

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Das hatte sich klasse angefühlt! Nun ließen wir beide noch einmal galoppieren und ich lechzte nach einem Moment, in dem ich den Zügel auf den Hals legen könnte. Ich bat also Tanja und Nic, mal eben mit mir oben auf dem Zirkel zu bleiben, das taten sie, und in Richtung weg vom Ausgang ritt ich freihändig. Nacariño blieb im Tempo, nur zum Ausgang hin musste ich kurz anfassen und lenken, dann durfte ich den Zügel wieder ablegen. Boah, das ist einfach zu toll! Freihändig in dieser Atmosphäre vor dieser Kulisse! Was ist dieses Pferd für ein Showtalent! Rampensau!!
Er gibt mir wirklich das Gefühl, das zu wollen und da richtig Bock drauf zu haben.
Show, Publikum, sich präsentieren – so groß und mächtig, wie er auf dem unteren Bild aussieht, fühlte er sich auch an. Suchtfaktor, auch wenn er noch eine ungeheure Konzentration verlangt und viel Kraft kostet, aber er wird ganz klar ein ganz Großer!

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Ich kam echt geschafft aus der Bahn, war aber total happy und überdreht und hatte auch null Zeit, über irgend etwas nachzudenken oder mich platt zu fühlen, denn bis zum nächsten Schaubild war noch weniger Zeit. Flagge zeigen! wäre nun dran, aber die dunkle Wolkenwand, die da hinten näher kam, veranlasste den Moderator, durch unschöne Aussagen über das Wetter das Schicksal noch herauszufordern – und das nahm die Herausforderung an. Ein ungleicher Kampf. Es sah aus, als zieht alles vorbei, es fielen ein paar Tropfen, es wurde tatsächlich wieder heller, die graue Wand wurde dunkler, zog aber offenbar seitlich an uns vorbei und so machten wir in rasender Eile die Pferde fertig.

Es fielen ein paar mehr Tropfen und irgendwie hatte die schwarze Wand wohl gedreht. Hin- und her gerissen zwischen warten, das geht gleich vorbei, und was zuerst ins Auto und in Sicherheit (Trockenheit) bringen? Keiner konnte sich vorstellen, was da gleich passieren würde, und so warteten wir, wurden nass, aber meine Güte, das ist nur Wasser und es war ja nicht kalt, irgendwie war das blöd, ja, aber nicht mal so unangenehm.
Man muss sich ja nun auch nicht anstellen.

Die Ansagen wechselten zwischen Pause, bis der Regen aufhört und jetzt schnell dran sein und irgendwie doch nicht, so richtig kam das nicht bei uns an, wir hatten nur noch Fragezeichen (und eine Menge Regentropfen) im Gesicht und wussten nicht so Recht, was tun.
Gefühlt von jetzt auf gleich brach es über uns herein. Der Himmel öffnete alle Schleusen und es schüttete auf uns herunter, da war dann auch nichts mehr mit Sachen ins Trockene bringen. Und wir konnten uns immer noch nicht vorstellen, dass sich das noch steigern würde und hielten tapfer aus.
Es steigerte sich. Es prasselten Hagelkörner auf uns hernieder, die richtig weh taten.
Wir wussten gar nicht wohin. Ich stand da im dünnen T-Shirt, komplett durchnässt, das Wasser stand bereits in den Stiefeln, und nun knallten diese Hagelkörner auf uns runter. Und auf die armen, armen Pferde, die gar nicht wussten, wie ihnen geschah.
Groß schützen konnten wir sie nicht. Ich hatte zum Glück meine blaue Plane mitgenommen und die versuchten wir jetzt irgendwie über die Klamotten zu breiten und mit Kabelbindern festzumachen, während der Sturm, der jetzt wütete, sie uns immer wieder aus der Hand riss. Dón im Paddock daneben setzte an, panisch über das Gitter zu krabbeln, ich schiss ihn zusammen, das wäre seine Plane und er möge sich jetzt bitte zusammenreißen!, wir rissen nun doch den Sattel runter, versuchten zu retten, was zu retten war, alles versank binnen Sekunden in Sturzbächen aus Regen, Hagel und Sturm.

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Ich hatte Angst um die Kameras. Alles würde irgendwie wieder trocken zu kriegen sein. Gut, manches würde verfärbt sein, aber voraussichtlich würde man hinterher nichts wegschmeißen müssen. Es war doch nur Wasser… Aber vor diesen Mengen und diesem Druck kapitulierten die Kamerataschen, und wir hatten zwei ziemlich wertvolle dabei. Und eine nicht so wertvolle, aber auch nur daran gemessen, wie wertvoll die anderen beiden waren… Ich wusste nicht, was tun. Legte mein Schaffell vom Vaquerosattel drüber und wickelte die Taschen in alles ein, in was ich sie einwickeln konnte. Und dann hieß es hoffen. Denn entfernen mochte ich mich jetzt hier auch nicht mehr, wir mussten die Pferde aus den Metallpaddocks holen.
Noch nie hatte ich ein Gewitter so nah erlebt. Die Blitze waren so hell, dass sie blendeten, der sofort danach krachende Donner nahm einem für einen Moment das Gehör.
Ich habe keine Angst vor Gewitter, aber andere und manche Pferde schon. Wir zogen die Pferde aus den Metallgestängen raus und unter die Bäume, um ein wenig Schutz vor diesen Hagelbällen zu haben, und ich dachte so, was wenn hier einer vom Blitz getroffen wird? Wie fühlt sich das an? Was ist, wenn eines unserer Pferde verletzt oder getötet wird? Panik stieg keine in mir auf, aber diese Fragen. Es war so absurd, so weit weg, dass das nicht vorstellbar war. So weit weg allerdings auch wieder nicht, denn es blitzte und donnerte wirklich direkt um uns herum.

Und das dauerte eine ganze Weile. Lange genug jedenfalls, um jeden, der Angst vor Gewitter hat, entweder zu heilen oder völlig verrückt zu machen.
Zwanzig Minuten? Keine Ahnung. Lange. Doris hielt Dón, konnte jedoch nicht die Ruhe ausstrahlen, die er gebraucht hätte, ich hatte Nacariño bei mir, der sich hier mit mir unter den Bäumen fast sofort beruhigte und einfach still in meiner Nähe aushielt. Unglaublich, dieses Pferd. Ich wollte näher an Dón sein, Nacariño mochte aber nicht andersrum stehen. Ich bat und überredete ihn und konnte so schließlich beide Köpfe erreichen und Dón beruhigte sich deutlich.
Der Hagel muss auch den Pferden weh getan haben, aber der ließ dann irgendwann endlich mal nach. Und dann zog endlich auch das Gewitter ein wenig weiter und wir wagten, die Pferde zurück in die Paddocks zu stellen.

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Die Mädels fingen an, zusammenzupacken. Ich wollte es noch nicht wahrhaben, ich Irre wäre ja weiter geritten, als es langsam ruhiger wurde, die anderen guckten mich mal wieder nur mit einem Ausdruck an, mit dem man wohl Psychopathen anguckt. Aber auch ich musste dann wohl einsehen, dass alles, aber auch alles vollkommen nass und durchweicht war und vor allem die Pferde auf dem Platz nicht mehr hätten laufen können. Und ich lege ja keine Sättel auf nasse Pferderücken, da habe ich eine echte Aversion gegen, und so wurde dann auch mir irgendwann klar, dass Ruschwedel 2016 damit beendet war.

Das Wasser stand in meinen Stiefeln und machte bei jedem Schritt interessante Geräusche, wildfremde Leute (also, Männer) nannten mich „Miss Wet-T-Shirt“ und unser Gruppenfoto fiel ganz anders aus als geplant.

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Wir waren uns sehr, sehr einig, wie ungeheuer schade das war. Am härtesten traf es wohl Julia, die zum ersten Mal dabei war mit ihrer erst 5jährigen Drifty, und die nun unverrichteter Dinge, aber mit klatschnassen Sachen wieder nach Hause fahren konnte. Sie wäre in den beiden Schaubildern dabei gewesen, die wir nach der Pause gezeigt hätten, Flagge zeigen! und „Tanzende Hufe“, eine etwas neuartige Variante unserer Variationen zu Pferde. Günter hatte sich diesen Titel gewünscht, weil er meinen „Arbeitstitel“ so mag, aber diese beiden Auftritte blieben uns nun leider verwehrt.

Für Günter und Margret tat es mir extrem Leid. Wer weiß, ob sie so ein Event noch einmal auf die Beine stellen (wollen). Wir hoffen es – wenn, sind wir natürlich mit Freude dabei!

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