25.9. – 19. Kiekeberger Pferdetag

Das war ein großartiger Saisonabschluss!

Für ein Wochenende war es alles ein bisschen viel – am Samstag die Vögel bei uns, am Sonntag fünf Schaubilder… Puh!

Aber so war Nacarino zumindest noch halbwegs weiß, als ich morgens in den Stall kam, viel waschen musste ich zum Glück nicht. Ich nahm nur ihn mit, für Querendón sind mir auf dem Kiekeberg die Bodenverhältnisse zu schlecht. Einem Pferd, das nicht immer so sicher im Gleichgewicht ist und sich vielleicht noch nicht so versammeln lässt, kann man da schnell den Schneid abkaufen. Und so war die Entscheidung leicht, nur Nacarino mitzunehmen – ich kann ich in allen Schaubildern einsetzen, er kann schon einiges zeigen, und ihm traute ich einen besseren Umgang mit Boden zu, der leider auch in diesem Jahr wieder echt katastrophal war. Uneben an sich und abschüssig mag ja noch angehen, aber die Pferde stolpern da teilweise von einem Loch ins nächste, um direkt danach über einen Maulwurfshügel zu fallen.

Sehr unschön und für Dón völlig ungeeignet. Nacarino zog es mehrfach die Füße weg, einmal im Galopp ziemlich happig, aber mein toller Junge zog die Füße wieder ran und galoppierte weiter. Seine bereits vorhandene Versammlungsfähigkeit zahlte sich voll aus, er ging mit der Situation super um.

Wir begannen aus gutem Grund mit der Arbeit an der Hand – das machen wir aus mehreren Gründen immer, wenn möglich, denn hierbei können Pferd und Mensch den Platz und den Boden kennenlernen, das Tempo ist noch sehr gemäßigt, und die Pferde sind noch sauber. Wenn durch ein gerittenes Schaubild Pferde ins Schwitzen kommen, können wir meist so schnell die Sattelspuren nicht entfernen, und so sind wir immer froh, wenn wir mit strahlend sauberen Pferden diesen ersten Auftritt haben.

Mir war ein bisschen nach Kitsch und so bekam Nacarino heute mal Rosen in die Mähne.

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Nacarino war reichlich aufgekratzt, haute mir beim Auftrensen direkt ab, marschierte in aller Seelenruhe über den Parkplatz und begrüßte die anderen Pferde, wohl bedacht darauf, dass ihm niemand nahe genug kam, um ihn anfassen zu können. Er verschwand hinter den Hängern, kam wieder zwischen zweien zum Vorschein und da stand Ines.
Hätte sie in dem Moment ihre Hand auch nur einen Millimeter höher gehoben, hätte er kehrt gemacht, aber so wartete er diese eine Sekunde zu lange, die es mir ermöglichte, ihn zu fassen zu kriegen. Ich kuschelte mit ihm, nahm ihn mit zum Hänger, alles war gut, aber er blieb aufgekratzt, ich musste wachsam sein. Hatte er doch mal wieder kurz seine Freiheit gebraucht, na, sei ihm gegönnt…!

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Er ging, wenn auch kernig, super. Zu Anfang zeigten wir die Seitengänge, nicht mehr, wie früher, in einer vorgegebenen Reihenfolge und in der Abteilung, sondern jeder für sich, sodass jedes Pferd die Seitengänge zeigen konnte, die es gut beherrscht. Nacarino ging schöne Traversalen im Schritt und Trab und eine tolle Schrittpirouette.

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Danach ging es an das Podest, hier wurde mein kleines Powerpaket auf einmal ganz ruhig, er genoss den erhöhten Aussichtspunkt und beobachtete interessiert die Zuschauer, so dass ich zwei Mal eine Acht unter ihm durchlaufen konnte. Zudem durfte ich mich vor ihn setzen und Nacarino ging noch eine sehr ruhige, konzentrierte Vorhandwendung auf dem Podest.

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Das war super, reichte ihm dann aber auch mit Ruhe, er wollte wieder etwas mit Bewegung machen! Gleich, warte… Erst mal Spanischer Schritt… Einige Schritte gelangen sehr schön, andere gar nicht, wieder andere hampelig und überdreht – Nacarino eben. Spanischen Trab bekam ich gar nicht, das war ein einziges überdrehtes Gehampel und Gespringe, so dass ich die Idee wieder umlenkte in Spanischen Schritt.

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Nun war das Kompliment an der Reihe – Nacarino blieb auf beiden Seiten ruhig und lange unten, echt klasse! Das übe ich zu Hause eigentlich überhaupt nicht mehr, es gibt so ein paar Sachen, die sind inzwischen einfach abrufbar. Das Kompliment gehört zu meiner großen Freude dazu.

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Aber dann! Endlich! Er durfte galoppieren. Machte er großartig, eine ganze Runde, sehr dynamisch, und hier bekam er einen deutlichen Hinweis auf den Boden. Er rutschte weg, fing sich wieder, ließ sich nicht stören und galoppierte einfach weiter.

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Natürlich durfte auch die Pesade nicht fehlen – Flamenco zeigte diese für ihn noch ganz neue Lektion zum ersten Mal vor Publikum, Nacarino war kaum zu bremsen und wollte nur hoch. Das waren natürlich wieder sehr schöne, beeindruckende Momente.

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Das Schaubild war sehr gut gelaufen, die sehr unterschiedlichen Pferde hatten die vielen die Lektionen sehr abwechslungsreich präsentiert. Wir kamen strahlend aus der Bahn.

Für Tanja, Nic und mich hieß es jetzt aber echt hetzen – nur ein Schaubild war zwischen unserem und der vom Veranstalter organisierten Rasse-Schaubild, an dem teilnehmen durfte, wer wollte. Wir wollten unsere schönen Kostüme noch ein letztes Mal tragen, die ich Montag zurückschicken musste, und so nahmen wir teil. Über spanische Pferde wurde ein unfassbarer Schrott erzählt, ich kriege das gar nicht mehr zusammen, es war schlimm, was da aus dem Mikrofon schallte. Im Laufe des Tages fing ich immer wieder Sätze und Worte auf, bei denen es mir die Fußnägel hochrollte. Ich weiß schon, warum ich immer versuche, für unsere Schaubilder Leser aus den eigenen Reihen zu haben, das war mal wieder ein grauenhafter Beweis dafür, dass man manche Leute einfach nicht an ein Mikrofon lassen darf.

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Unabhängig davon waren unsere drei Pferde einfach wunderschön und so genossen wir das Wetter, die Kostüme, unsere Pferde und versuchten, über das Gesabbel wegzuhören. Gelang nicht immer.

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Nacarino sah zum ersten Mal töltende Isländer und war völlig von den Socken. Er starrte die an und fragte sich ganz offensichtlich, was zum Teufel die da tun. Zu süß!

Nach diesem Schaubild hatten wir Zeit. Als nächstes war das „Barocke Ensemble“ dran und dafür musste ich mich total umziehen und die Mähne anders flechten, dennoch mussten wir nicht hetzen. Das war ungeheuer angenehm und blieb auch für den Rest des Tages so. Tatsächlich wurde der Zeitplan zum ersten Mal ziemlich gut eingehalten, das kannten wir aus den Vorjahren ja auch deutlich anders…

Ich wurde nur kurz panisch, als ich feststellte, dass ich vergessen hatte, für die Kandare einen Trensenzügel aus dem Keller zu holen. Nun stand ich da mit braun/silber und keinem zweiten Zügel. Einhändig blank wollte ich eigentlich nicht, weil ich dachte, dass beidhändig mehr möglich ist und ich ihn im Zweifel besser ausbalancieren kann, wenn er rutschen sollte, zudem wollte ich eigentlich noch absitzen und Zirzensik zeigen. Ines rannte los und holte einen schwarz/silbernen Zügel aus ihrem Auto, ich hielt den dran und verwarf die Idee und ritt schließlich doch einhändig blank. Ich hätte mir weder um das Lektionen-Repertoire noch um Nacarinos Gleichgewicht Sorgen machen müssen, ich ließ nur die Zirzensik weg, das musste auf blanker Kandare nun doch nicht sein. Und so weihte ich in diesem Schaubild das neue Kostüm ein!

Nacarino startete keinen weiteren Versuch, das Gelände zu erkunden, und beim Abreiten zum Barocken Ensemble wirkte er auch schon etwas ruhiger und entspannter. Das besserte sich ab jetzt mit jedem Schaubild, er wurde immer ruhiger und sah nach jedem Schaubild schöner aus… Der Hals schien immer mehr zu werden (und immer runder), er wurde immer schöner und ich immer verliebter 🙂

Im Barocken Ensemble hatten wir etliche sehr schöne Momente und nur ganz wenige nicht so schöne, Nacarino rutschte auch hier einige Mal im Galopp weg, fing sich aber sofort und ließ sich nicht beirren. Er machte das echt toll.

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Er zeigte schöne Traversalen und einen tollen Linksgalopp, vor allem das Anspringen wurde von Mal zu Mal besser und versammelter. Das machte schon so richtig Spaß!

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Unser nächstes Schaubild waren die Variationen zu Pferde, hier zeigte jeder von uns eine andere Reit- bzw. Arbeitsweise, die jeweils mit eigener Musik erklärt und gezeigt wird, während aber immer alle Pferde in der Bahn sind. Ein Schaubild, was immer wieder auf’s Neue für die Toleranz untereinander wirbt und zeigt, dass Pferde aufgrund ihrer Rasse oder der bevorzugten Reitweise des Besitzers einfach nicht in eine Schablone gepresst werden dürfen.
Ich hatte ihn lange nicht mehr angehabt, fühlte mich dennoch wohl darin, aber irgendwie „ganz anders“ – ich ritt in Frack und Zylinder und stellte die klassische Dressur vor. Da hier ja ein deutlicher Fokus auf der Schwungentfaltung liegt, durfte Nacariño im Trab die Beine fliegen lassen. Das tat er verblüffend taktsicher (wenn er so wenig Probleme mit schlechten Böden hat, sollte ich doch nochmal über Military nachdenken…?), und hier machte er mir überraschend ein ganz großartiges Geschenk: er war im Linksgalopp auf einmal so leicht, so fein, dass ich einfach so ganz unauffällig den rechten Schenkel ein wenig mehr anlegte und die Linksstellung hielt – und da waren sie, die ersten fünf, sechs Sprünge Galopptraversale! Einfach so! Mal eben! Er hatte es nicht richtig mitgekriegt (so brauche ich das. Mein Kopf, Deine Beine…) und so wagte ich das frech auch gleich rechts – und bekam auch da unsere allerersten Sprünge Galopptraversale. Ich kriegte mich überhaupt nicht wieder ein, Nacariño merkte nun allerdings, dass er irgendwas tolles gemacht hatte, er wusste bloß nicht genau was und galoppierte daraufhin vorsichtshalber lieber erstmal gar nicht mehr 🙂

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Innerhalb der Variationen hatte ich noch einen zweiten Part – Nic und ich zeigten Flagge!
Navarre und Nacariño ließen sich die Flagge Spaniens wiederholt um den Kopf wirbeln.

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Nacariño war einfach großartig gegangen. Und wenn ich die Bilder so sehe, steht ihm die „klassische Klamotte“ ausgesprochen gut. Macht ihn ganz schön seriös. Oder mich? 🙂

Wir rüsteten noch einmal um, und auf unser letztes Schaubild freute ich mich besonders. Auch hier weihte ich etwas Neues ein – Ines hatte mir aus einem Schlaufenschal (Not macht erfinderisch) einen Rock genäht, der toll zu einem bereits vorhandenen Oberteil passte. Nun flatterte aber auch alles, aber darum ging es hier auch – „Flagge zeigen!“ hieß unser Schaubild und wir stellten neben dem Reiten mit Flagge noch weitere Möglichkeiten vor, dass und wie man Pferde mit beweglichen Gegenständen vertraut machen kann.

Zum Glück zeigte ich Nacariño vor dem Einritt noch einmal die blaue Plane – die wollte ich wieder beim Reiten mitnehmen und das hatte er ja erst ein einziges Mal überhaupt gemacht. Er beäugte die einen Moment, taperte dann brav darüber und dann ging es auch schon los.

Nacariño war der Hammer. Er war nun völlig angekommen hier, die Lautsprecher erschreckten ihn nicht mehr, die Zuschauer ohnehin nicht, der Boden ja sowieso nicht, und so ließen wir die Schmetterlinge fliegen. Zehn Minuten Spaß pur!!

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Ich war hin und weg von meinem großen, tollen Weißen. Das war ein grandioser Saisonabschluss gewesen. Ich wurde gefragt, ob ich mir das vor einem Jahr hätte träumen lassen und ich konnte nur lachen… Natürlich nicht. Nicht auch nur im Ansatz! Vor einem Jahr gehörte er mir ja noch nicht einmal…
Nein, diese Entwicklung war nicht abzusehen. Seit Juli ist Nacariño angekommen, seit Juli hat er so komplett aufgemacht. Seit Juli ist er ein anderes Pferd. Eines dieser geborenen Showpferde, die sich Energie durch solche Veranstaltungen holen und es toll finden, zu sehen und gesehen zu werden. Er ist so einer.

Nun kommt ein Winter mit ruhiger, feiner Arbeit an Details, und dann bin ich sehr, sehr gespannt, was uns das nächste Jahr bringt. Und ich bin so, so dankbar für dieses Jahr und diese ungeheuer vielen Eindrücke und Erlebnisse und das alles so gekommen ist, wie es ist. Wie unglaublich, diese beiden jungen Pferde an meiner Seite zu haben…

Na, dann bis zum nächsten Jahr auf dem Kiekeberg, da müsste es dann der 20. Pferdetag sein und somit ein Jubiläum!
Wir sind dabei!

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