März

Wow. Das war ein Mix aus Nacariño alt und Nacariño neu 🙂

Anfang März gab es einen wunderbar frühlingshaften Nachmittag, den ich zum Reiten nutzte. Der Platz hatte einige Pfützen, war aber soweit bereitbar. Beim letzten Ritt zwei Tage zuvor war ich mit einem ungeheuer gehfreudigen, aber sehr gehorsamen Nacariño im Gelände.
Dieses Mal ritt ich auf Trense, Nacariño war ähnlich gehfreudig, aber nicht ganz so leicht an der Hand. Das gab sich nach kurzer Zeit, Nacariño wurde durchlässiger und weicher und bot mir von sich aus wieder den Trab an, den man sitzen kann.
Der erste Galopp allerdings war wieder ähnlich wuchtig wie der im Gelände.
Meike war mit Lilly mit auf dem Platz und Fàsci lief frei mit. Eben dieser Fàsci (wir erinnern uns, der fünfundzwanzigjährige…) buckelte auf einmal los – und Lilly und Nacariño machten natürlich mit. Wieder einmal war der „neue“ Nacariño super brav – vor einem halben Jahr hätte ich ihn bei dieser Nummer weder gehalten, noch bin ich nicht sicher, dass ich oben geblieben wäre. Er wollte bocken, er wollte Haken schlagen, er wollte Gas geben, all‘ das war fühlbar, aber er hielt sich genau so weit zurück, dass er händelbar blieb. Die Galopps danach waren anfangs noch griffig und ich musste aufpassen, ich sah aber ständig zu, dass ich zum Loslassen kam.
Das kam ich schließlich, wir galoppierten auf beiden Händen schöne Runden, Nacariño schnaubte und stand danach super entspannt in der Sonne, die wir so sehr genossen.

Ich nahm Nacariño noch an die Hand, hier bekam ich mehrfach zwei bis drei sehr saubere Spanische Schritte. Einen vierten am Stück bietet er noch nicht an, aber immerhin waren mehrfach zwei bis drei sehr gleichmäßig, die ich sehr lobte.

Ich fragte behutsam nach halben Tritten. Und ich durfte ihn verblüffend doll reizen, ich staunte. Nacariño machte toll mit und zeigte ein paar Mal zwei, drei schöne Tritte. 
Seine Übersprungshandlungen danach waren auch deutlich harmloser als beim letzten Mal und er machte keine Anstalten, zu steigen oder abzuhauen.

Ich suchte eine schöne trockene Stelle und fragte nach einem Kompliment. Das machte er links super nur auf die Gerte, ich konnte viel Abstand halten. Rechts hoffte ich natürlich auf ein Knien, aber irgendwie komme ich da nicht in die passende Position.
Nacariño dreht sich sofort so, dass wir uns gegenüber stehen und fragt dann sofort, ob mein Zeichen mit der Gerte für ein Steigen gedacht ist. Nein, ist es nicht, aber ich komme auch nicht so an seine Seite, dass ich erneut das Kompliment anfragen kann. Er geht zu schnell zurück und dreht sich so, dass ich ihn immer wieder neu ausrichten muss. Ich stellte ihn näher an die Ecke, hier hatte er aber am Teich zu viel zu gucken, um sich in die Tiefe zu begeben.
Ich kam nicht ran. Also nahm ich sein rechtes Bein in die Hand, so machte er das Kompliment sofort.
Ich habe gerade das Gefühl, mir da irgendwas kaputt zu machen, ich muss echt aufpassen, was ich da jetzt in der nächsten Zeit wie anfrage und was er daraus macht.
Blöd! Aber gut, sowas passiert. Augen auf in nächster Zeit!

Er durfte nochmal steigen, das klappte natürlich in allen Varianten problemlos.
Ich fragte, ob er sich noch hinlegen wollte, so weit dachte er jedoch nicht.
Also nahm ich aus Spaß einen Stein und warf den ins Gebüsch. Nacariño machte einen riesigen Satz, blieb aber bei mir. Ich lobte, warf den nächsten Stein und Nacariño machte einen noch mächtigeren Satz – und weg war er. Schade.

Ich sammelte ihn wieder ein (wie schön, dass er nicht weg konnte, der Ausgang war zwar offen, aber fünf Meter weiter war alles zu…), ging wieder mit ihm nach hinten und hob den nächsten Stein auf. Als der im Gebüsch aufschlug schoss Nacariño so richtig mit Wucht davon. Er hätte es nicht mehr gebraucht, er wusste, dass das Geräusch kommt und ihm nichts passiert. Jetzt machte er es einfach, weil er’s kann.
Und nun machte ich ein Spiel draus.
Ich lockte ihn mit Singsang, lobte jedes sich-mir-zuwenden sehr und nahm ihn wieder mit. Er haute wieder ab, als der Stein aufprallte, aber gefühlt schon echt nicht mehr wegen des Steins.
Ich lockte wieder mit Singsang, Nacariño hatte zwei Möglichkeiten. Neben dem Platz war der schmale Weg offen, der zu den Weiden führt, an den Weiden war aber alles zu.
Er konnte jetzt also auf den Platz kommen oder 50 Meter den Weg daneben entlang gehen (oder rennen). Er entschied sich für den Weg, donnerte den entlang, drehte am Ende mit Kopf schütteln und bocken um und guckte zu mir rüber.
Ich lockte und rief und nach ein paar Sekunden kam er angaloppiert – aber wie!
Mit Bocken und in der Luft drehen und Kopf schütteln, total schön. Und echt mit Speed.
Ich ließ ihn vorbei, er blieb zwei Meter später an der Litze stehen (die Litze wäre ihm vor einem Jahr noch egal gewesen). Ich lobte ihn wie verrückt und bot ihm nochmal an, Platz oder Weg? Er nahm wieder den Weg, donnerte los, und dieses Mal kam er auf mein Rufen mit noch mehr Speed und Rumtoben zurück gedonnert. Ich lobte wie verrückt.
Meine Idee dahinter war, dass er so langsam mal anfängt, zur Gerte hin zu kommen. Das zweifelt er ja noch massiv an. Dón kommt auf Gerte und Peitsche, Nacariño haut dann lieber doch noch ab. Nun bezog ich die Gerte mit ein, machte Geräusche, schlug sie an meinen Stiefel, passte aber auf, dass ihn das nicht erschreckte.
Priorität also mal ganz fix von Stein auf Gerte geändert 🙂
Ich ließ ihn noch ein drittes Mal kommen, dieses Mal durfte er nicht an mir vorbei, ich breitete ein wenig die Arme aus als er kam und er hielt brav mit Distanz an.
Sah das schön aus, als er da auf mich zukam…

1:1 würde ich sagen. Er ist zwar etliche Male abgehauen, aber er wird jetzt auch mit noch so langem Überlegen nicht darauf kommen, was ihm das gebracht hätte. Außer der Spaß daran. Den soll er haben, irgendwann braucht er das nicht mehr. Ich wage da allerdings keine zeitliche Prognose, denn ich hatte gehofft, dass er es jetzt schon weniger brauchen würde. Aber gut, mit diesem Pferd ist so vieles anders… 🙂

Und dann ein wirklicher Wonnetag im März, purer Frühling, mit einer Sonne, die schon echt Kraft hatte. Totaler Genuss…

Ich saß allerdings mit relativ glatter Hose auf relativ glattem Sattel auf Nacariño, und der behauptete, die planschenden Enten im Teich noch nie – noch NIE! – gesehen zu haben. Navarre sprang hier alle Nase lang weg und nachher schienen die beiden mehr auf den anderen zu achten als auf die Enten, Hauptsache, sie verpassten keine Gelegenheit zum Wegspringen. Das war einerseits nervig, Nacariño startete ein paar Mal ganz schön los, andererseits war aber auch deutlich spürbar, dass er viel durchlässiger, viel besser zu halten geworden ist. Kein Vergleich! Er schoss nie so ab, dass ich ihn gehen lassen musste, er ließ sich immer direkt wieder einfangen und dabei durfte ich gut zufassen – das hätte ich früher nicht gedurft. Und seine Gewalt beim Wegspringen ließ sehr schnell nach.
Er zuckte immer nochmal, aber aus der Grundspannung, die er hatte, konnte ich jetzt ganz andere Sachen machen als früher.

„Früher“, haha… Gerade mal im letzten Jahr…

Ich fragte extrem behutsam nach einem Anpiaffieren. Da kam nicht viel, aber auch keine Gegenwehr. Nacariño wurde auch nicht fest. Ich hielt die Anforderung bewusst gering, ließ ihn von selbst auf die Idee kommen, dass es „mehr ja nicht ist“ und er mir mehr anbieten kann, wenn er will.
Und auf einmal wollte er. Was dann kam, flashte mich stundenlang. Ich ließ ihn Runde um Runde auf dem Hufschlag bleiben auf der rechten Hand und bevorzugt am Teich fragte ich immer wieder nach einem Anpiaffieren. Ich sage bewusst Anpiaffieren und nicht halbe Tritte, denn tatsächlich kam das, was er da machte, phasenweise einer Piaffe viel näher als „nur“ halben Tritten, die ja noch mehr im Vorwärts stattfinden. Er blieb immer wieder fast bzw. ein paar Mal richtig am Platz, anfangs waren es hier mal zwei und da mal zwei Tritte.
Einfach immer wieder ein Mix aus Schritt und Antreten und Pausen im Halten und Sonne genießen… Nach – ja, ich weiß gar nicht, zehn Minuten?  – zeigte er echte erste Piaffen.

Es war ein ungeheures Gefühl, wie losgelassen und durchlässig er war. Er ließ sich nur noch durch den Schnalzer eintakten und in der Energie verändern – obwohl, sicherlich passierten in mir auch noch Energiewechsel, aber bewusst habe ich nur noch still sitzen, ihm einen Rahmen bieten und die Bewegungen durchlassen müssen. Es war der Hammer.

Ich wurde süchtig. Ich konnte nicht aufhören. Er wollte auch gar nicht aufhören.
Er fand so viel Gefallen an dieser immer wieder gleichen und damit für ihn gut einschätzbaren Bewegung, dass er sich von selbst immer mehr steigerte.
Es war mystisch, was hier passierte; in dieser Form habe ich noch nie erlebt, dass ein Pferd sich so an sich selbst begeistert.
Noch nie hat er sein offenbar vorhandenes Piaffe-Talent dermaßen gezeigt.

Immer wieder machten wir Pausen im Halten. Er atmete nach immer kürzerer Zeit hörbar aus und fühlte sich sichtlich wohl. Es war zu und zu schön. Die Enten spornten ihn immer wieder an 🙂

Es ergaben sich sogar ein, zwei Ansätze zu diagonalen Tritten rückwärts – es war weder gewollt noch soll er es in diesem Stadium, er soll ja immer nach vorne denken, aber das, was in diesem Moment noch ein feines kleines Entziehen war, wird sich irgendwann eines schönen Tages in eine Piaffe rückwärts verwandeln lassen.
Merlin hatte uns das angeboten und mich damit sehr begeistert, Nacariño wäre nun mein erstes Pferd, das das kann – und ich gehe im Moment mal davon aus, dass er das eines Tages können wird.

Das sind so diese Dinge – jede Bewegung wahrnehmen, erstmal alles, alles an Bewegungen durchlassen und fühlen und irgendwann etwas daraus machen und die Bewegungen, die im Pferd ja schon angelegt sind, herauslassen, steuerbar und abrufbar machen und dann durch Kraft, Stolz und Freude an der Sache verfeinern und verschönern.
Das ist immer mein Ziel, und dabei lasse ich mich jederzeit gerne überraschen, wann das Pferd welche Bewegungen anbietet. So ein Gefühl wie an dem Tag hat Nacariño mir noch nie vermittelt.

Aus diesen Piaff- und piaffartigen Tritten ließ ich ihn schließlich so weit vor, dass er eine Passage daraus hätte machen können, den Schwung hat er aber noch nicht.
Der versammelte Trab, der dann aber kam, war auch etwas noch nie gefühltes – so hat er mich noch nie in seinen Rücken reingezogen. Er hat mich ja überhaupt noch nie reingezogen, im besten Fall hat er mich im Trab sitzen lassen, aber das hier war irre.
Sein Körper war so elastisch, so durchlässig, er zog mich in die Bewegung.
Meine Güte…

Ich musste ein Ende finden. Ich musste jetzt irgendwo mal ein Ende finden. Diese seine Motivation durfte nicht einen einzigen Funken verlieren. Und so saß ich nach ein paar tollen Tritten ab, wohl wissend, dass unser beider Energie (und Lust) noch für mehr gereicht hätte. Nacariño strahlte mich regelrecht an, suchte ständig Blickkontakt und Nähe und strahlte Stolz und Freude aus.

Das war der unglaublichste Ritt, den wir je hatten. Und er bestand eigentlich aus so wenig Arten von Bewegung – und doch so vielen… – und mal auf jeden Fall wenigen Figuren. 
Aber die Emotion dahinter… Das hatte was esoterisches. Das war überirdisch schön.
Ich bin sehr gespannt auf unseren nächsten Ritt…

Der ergab sich wenige Tage später bei deutlich besseren Platzverhältnissen, aber reichlich viel Wind und ein paar Schneeflocken. Nacariño war echt in Stimmung – zuvor im Stall noch extrem entspannt und kuschelig, kaum auf dem Platz war er zum Abhauen bereit. Versuchte er auch sofort am Teich. Und zwar happig. Er schoss blitzartig so richtig zur Seite, ich fing ihn sofort wieder ein und „strafte“ zum ersten Mal ein Abhauen, indem ich danach einmal ganz leicht die Gerte anlegte. Das in Verbindung mit einem mentalen „Lass das!“ weckte in Nacariño regelrecht Empörung – aber er machte es tatsächlich nicht nochmal. Nicht in dieser Form jedenfalls. Er zuckte etliche Male vor sich hin, riss sich aber enorm zusammen. Ach – darf ich inzwischen tatsächlich so deutlich sagen, was unerwünscht ist? Wow…
„Deutlich“ für Nacariño – „normale“ Pferde hätten das nicht mal wahrgenommen 🙂

So tolle Piaffe-Ideen wie beim letzten Mal bekam ich nicht, Nacariño lud sich durch den Wind und das ganze Geraschel im Gebüsch zu sehr auf, dadurch mischte er wieder und wieder halbe Sprünge in die Tritte, die ich zwar hinnehme, aber nicht zu oft haben will, da sie den Takt versauen. Ich sagte nachher also sehr rhythmisch „Takt, Tatk, Takt…“ vor mich hin und ging, als der Takt sich besserte, behutsam zu Schnalzern bei jedem zweiten Tritt über. Nacariño hörte sich ganz gut rein und wurde rhythmischer.
Da ich nicht zu stark zurücknehmen durfte, weil der Takt dann einfach zu störanfällig war, fragte ich nach Schwung. Versammlung und Schwung, Versammlung und Schwung.
Jeder gute Arbeitstrab hat einen Hauch Passage…

Und so blieb ich in einem versammelten Trab, in dem ich zusah, dass die Schulter immer freier und leichter wurde. Dafür musste er in relativer Aufrichtung bleiben, was er phasenweise zu vermeiden versuchte. Aber nicht doll, er war größtenteils ungeheuer leicht in der Hand. Der Zügel konnte fast durchweg leicht durchhängen.
Ich durfte auch ziemlich viel die Gerte einsetzen, was Nacariño sehr gut annahm und durchließ. Ohnehin waren nachher wieder super durchlässige Phasen dabei, der ganze Körper war in so einer tollen
Grundspannung, dabei aber weich – nicht in Form von lasch, sondern elastisch. Ungeheuer elastisch. Dieser Trab war natürlich wieder gut zu sitzen, das machte echt Spaß. Und so tasteten wir uns heute vielmehr an einen ausdrucksvollen versammelten Trab heran. Ich hätte das so gerne von der Seite gesehen… Wie frei war die Schulter wirklich? Es fühlte sich phasenweise so federnd, so elastisch an, ich hätte zu gerne seine Silhouette gesehen…

Mit zunehmender Taktsicherheit und Ausdrucksstärke wurde Nacariño auch losgelassener und entspannter, er schnaubte viel und schenkte dem Teich immer weniger Beachtung.

Ich galoppierte schließlich auf beiden Händen zwei Mal aus dem Kurzkehrt für ganz wenige Sprünge an, auf beiden Händen war das zweite Angaloppieren super leicht, so dass ich danach aufhörte und sehr, sehr lobte. Nacariño war mal wieder sichtlich stolz auf sich. Zu Recht!

Er machte noch auf beiden Seiten ein tolles Kompliment nur auf Gerte – kein Knien, aber dafür ein tolles Kompliment. Wir gingen super zufrieden zurück in den Stall.

Hmm, und dann ließ ich doch mal den vor zwei Wochen verletzten Finger röntgen.
Mir war beim Tippen aufgefallen, dass es sich anfühlte, als würde sich im Finger etwas zusammenschieben, wenn ich vorne dagegen stieß.
Tja, also was soll ich sagen – gebrochen…! Das wird ja nun interessant mit der formschön und auf meine Persönlichkeit abgestimmten Thermoplast-Schiene 🙂

Endlich mal wieder Fotos!
Wunderbares Frühlingswetter, wunderbar verspielte Pferde. 

Nacariño frei laufend zu fotografieren ist nicht so leicht – er wirkt auf wenigen Bildern so schön, wie er sein kann. Das wirkt unter dem Reiter ganz anders. Aber auch da kommt selten das rüber, was ich auf ihm fühle. Das ist im Moment wirklich gigantisch…
Diese ungeheure Leichtigkeit, die er bekommt (und ja schon hat), dieses Feine, dieses Bewegliche, und inzwischen dabei aber auch dieser Gehorsam und diese Lust, mitzumachen. Was das angeht – Traumpferd… (im Werden) 🙂

Wieder einmal bewährt es sich, einhändig reiten zu können, denn die Schiene behindert schon ganz schön. Drei Pferde mit links zu putzen könnte sich auch in Kürze bemerkbar machen – links ein Popeye-Arm, rechts nix mehr 😮

Nacariños Trab ist viel elastischer geworden, insgesamt wirkt sein ganzer Bewegungsablauf viel geschmeidiger, elastischer und harmonischer. Das hat sich durch das Reiten kolossal verbessert.

Ich hatte mal wieder zwei kleine Bälle auf den Platz geworfen und Nacariño haute natürlich weiträumig ab. Ich ließ ihn also am Strick auf großer Volte immer wieder an der Bande entlang gehen, an der die Bälle lagen, und damit wurde es ziemlich schnell gut. Nachher versuchte Nacariño endlich auch mal, einen Ball ins Maul zu nehmen oder drauf zu treten. Ich lobte wie verrückt. Nun aber zu den Bildern!

  

Am nächsten Tag war die Plane mal wieder im Einsatz. Die hatte Nacariño einige Monate lang nicht mehr gesehen und so traute er sich auch im Freilauf pflichtgemäß nicht näher als zehn Meter ran, und auch das nur unter wildem Geschnorchel. Ich sagte ihm, er sei albern, er zog es vor, noch einen Moment albern zu bleiben. Dabei entstanden aber endlich mal ein paar schöne Bilder im Freilauf. Eines der schönsten ist, wie ich finde, dieses hier:

Dann nahm ich ihn an die Hand und da kam er problemlos sofort hinterher.
Er erschrak noch einmal kurz, als er selbst die Plane mit dem Huf bewegte, danach konnte ich ihn anstandslos auf beiden Händen drüber longieren.
Ich hatte vor, mal einen Sprung auf die Plane zu stellen, dafür standen die beiden Blöcke schon da. Nun hielt ich aber mit einer heilen und einer kaputten Hand Longe, Peitsche und Kamera und fotografierte, dabei konnte ich nicht auch noch sehen, wenn die Longe mal am Block hängen blieb. Tatsächlich ließ sich Nacariño aber nicht mal davon schocken, dass der Block auf einmal neben ihm umfiel.

Toller Junge!! Er ist wirklich sowas von viel cooler geworden und haut vor allem nicht mehr einfach so ab in Momenten, in denen er das früher noch getan hätte.

Dann baute ich tatsächlich den Sprung auf – Nacariño machte das großartig!
Ich bewunderte seine tolle Manier, er springt rund, geschickt und mit Übersicht.
Die Plane kratzte ihn überhaupt nicht, und das ist ja durchaus laut bei der Landung.

Der Wind machte es nicht leichter, der bewegte die Plane natürlich immer mal, gerne auch in Momenten, in denen das überhaupt nicht passte. Vor allem, als ich sie schließlich den Pferden abwechselnd auf den Rücken legte – Nacariño, anfangs noch ganz mutig, als die Plane auf Dón lag, haute ein paar Mal ab, als ich sie ihm auf den Rücken legte und die losknatterte, aber ich konnte ihn immer wieder einsammeln und die Plane erneut auflegen. Nur wenn die über den Platz wehte, das war ihm überhaupt nicht geheuer!

Was Nacariño allerdings so gut machte wie noch nie, war das Kompliment. Um genau zu sein, bot er es von sich aus an und machte es einfach, und das mit so viel Entfernung, dass ich noch fotografieren konnte. Und zwar auf beiden Seiten und mehrfach.

Ich war echt begeistert und das sagte ich ihm auch – daraufhin machte er es gleich nochmal 🙂

Und so sieht daraufhin sein „Keks-Gesicht“ aus.
„Wie heißt das Zauberwort?“
„SOFORT!“
„Nein, das mit zwei t!?“
„FLOTT!“
😀

Dann hatten wir endlich mal wieder eine wunderschöne Handpferde-Runde im Gelände. Anfangs waren beide ziemlich aufgekratzt, dann entspannten sie sich immer mehr, und der erste Galopp war einfach nur traumhaft. Beide am Zwirnsfaden, Nacariño galoppierte sofort mit an und blieb super lässig in jedem Tempo daneben. Zu und zu schön!!

Zwei Tage später fragte ich mich, wo ich diesen fetten blauen Fleck auf dem Oberschenkel herhabe – und dann fiel es mir, Stunden später, ein: bei einer Wendung hatte ein etwas überschwenglicher Nacariño mir fröhlich in den Oberschenkel gebissen. Dafür hatte er eine geknallt bekommen und mich daraufhin verzückt angestrahlt.

Und dann ein super sommerlicher Tag mit 17 Grad… Was für eine Wohltat!
Ich hatte Nic gefragt, ob wir uns gegenseitig fotografieren wollen.
Endlich mal wieder Reitbilder!
Und das, was Nacariño dann hinlegte, war unglaublich.

Das war Nacariño neu 🙂

Er war so dermaßen durchlässig und gehorsam, wir feierten eine Premiere nach der anderen. Zum ersten Mal ließ er mich eine Trabverstärkung über etliche Meter sitzen, ich fühlte, wie die ganze Bewegung durch meine Waden lief, das war ein irres Gefühl.
Zum ersten Mal waren drei, vier Tritte echt der Passage nahe, zum ersten Mal durfte ich ihn, als ich ihn aus der Schritt-Pirouette anspringen ließ und er nach zwei sehr gesetzten Sprüngen ein wenig nach vorne ging, noch einmal zurückführen in ein erneute Wendung. Das hat er noch nie zugelassen. Zudem ging er etliche Sprünge tolles Terre à Terre und die gesamte Trabbewegung wird immer verschiebbarer. Das war einfach nur ganz große Klasse, was er da machte.
Und er geilt sich echt an sich selbst auf – ich lobe, er findet sich toll und steigert sich richtig rein. Und – das Wichtigste – er lässt sich auf einen Hauch an- und vor allem auch wieder abstellen.  Anstellen kann ich meine Pferde ja immer alle mit meiner Energie, aber ihn kriege ich auch wieder aus 🙂
Er hat sich so, so positiv verändert…

Hier ein paar Impressionen:

Piaffe- und Passage-Ideen:

Terre à Terre:

Ein Talent für den Spanischen Trab lässt sich nicht mehr verleugnen:

Wer sich so großartig benimmt, darf auch juxen!
Kein Gedanke mehr an’s Abhauen…

Und dann nahm ich ihn nochmal an die Hand und fragte vorsichtig ein paar Piaff-Tritte an – und siehe da: ich muss gar nicht mehr vorsichtig sein!

Das Kompliment machte er nachher noch mehrere Male von sich aus, einfach so.
Total süß. Knien bietet er im Moment überhaupt nicht an, aber Kompliment rauf und runter. Vorgestern tatsächlich zum ersten Mal beim Hufe auskratzen, obwohl ich bewusst für das Kompliment anders herum stehe. War ihm egal, er ging zu Boden – und ich kratzte den Huf dann halt am Boden aus 🙂

Das war ein Tag, an dem er seine Rolle als mein reiterliches Traumpferd wieder einmal ein wenig mehr absicherte. Das ist nun wahrlich kein Pferd für Jedermann, Nacariño passt vielleicht zu einer Handvoll Menschen (oder wohl eher umgekehrt…), und ich bin so, so dankbar, dass das alles so gekommen ist. Wir gehören einfach zusammen, keine Frage.

Was für ein Wetter… Die Sonne tut so gut! Die Pferde verlieren büschelweise Fell und wenn ich nur genug davon rausziehe, kommt darunter direkt ein wenig weiß hervor 🙂
Einer dieser traumhaft schönen sonnigen Tage betraf beide Pferde, und deshalb haben die Fotos eine eigene Seite – und die ist hier.

Am nächsten Tag nahm ich dann Nacariño mit nach Heist.
War 
das 
toll!!!
Nacariño war einfach wunderbar. Es ging schon mit dem Verladen los, ich passte sehr auf, ihm keine großen Freiräume zu geben, ihn aber auch nicht zu drängen. Und so taperte er nach einigen wenigen Gedenksekunden brav hoch.
In Heist angekommen war er viel entspannter als im letzten Jahr – nicht in dem Sinne entspannt, aber deutlich entspannter. Er war enorm aufmerksam und schaute sich um, ich musste einiges Geschick aufwenden beim Satteln und Aufsitzen. Ich kam nicht gleich hoch, also trabte ich mit ihm an der Hand ein paar Runden, damit etwas Spannung von ihm abfallen konnte. Danach gelang das Aufsitzen und wir ritten los. Schritt war das nicht gerade, aber ich kam recht gut zum Loslassen und Nacariño wollte auch nicht ernsthaft abhauen. Kernig und temperamentvoll war er, ich war wachsam.

Wir ritten ein wenig hier und ein wenig da entlang, ein paar Mal durch die Senke, die man auf verschiedenen Wegen durchreiten konnte, und dabei wurde Nacariño irgendwann so lustig, dass auf einmal eine große Buckelfreude spürbar wurde. Ich war sehr auf Hab Acht und ließ ihn noch nicht galoppieren (wenn ich es verhindern konnte). Ich wollte ihn im Trab zum losgelassenen Schwingen bringen, aber das war leichter gesagt als getan.
Dennoch – im letzten Jahr war seine Spannung viel, viel schlimmer gewesen.

Ich wagte einen ersten gewollten Galopp – hossa!! Und schließlich suchte ich einen möglichst kleinen Sprung, weil ich ahnte, was in der Landung passieren würde.
Passierte gar nicht. Er sprang brav und mit Freude, ich musste nur zusehen, dass er in der Landung den Kopf oben behielt, und alles war gut.

 

Darauf musste ich bei so ziemlich allen Sprüngen achten und zwei, drei Mal bockte Nacariño auch ein bisschen los. Nicht schlimm, er nahm mich mit dabei, aber ich ließ ihm vorsichtshalber nicht allzu viel Spielraum. Er machte tolle Sprünge.

Und dann gingen wir zum Teich. Boah, da ging der Spaß aber richtig los!
Nacariño zögerte nur ganz kurz und war im Wasser. Und dann trabten und galoppierten wir da durch, er ging gehorsam auch über die steile Seite rein, und dann konnte ich ihn auch über einen Sprung in den Teich schicken und und aus dem Teich heraus ebenfalls über den Sprung – er machte alles.
Er griff an, er war mutig, er zog richtig hin, war immer kraftvoll und freudig dabei.
Einfach nur großartig. Wir hatten so einen Spaß miteinander!!

     

Und andersrum – über die kleine Birke rein und über den großen Stamm wieder raus:
   

Beim Aussprung übertrieb er allerdings mächtig. Mein Körper war sofort wieder in früheren Zeiten angekommen, ich ließ den rechten Zügel fallen, Nacariño balancierte sich geschickt aus und wir kamen sicher auf der anderen Seite an.
Nacariño bekam eine wohlverdiente Pause auf dem großen Wall und durfte grasen.

Hmmm… Er war sooooo brav… Steigen lassen??
Hatte ich lange nicht mehr gemacht, er hatte es ewig nicht mehr gegen mich verwendet, und ich sah vor meinem geistigen Auge…
…so ungefähr diese Bilder:

Es machte so einen Spaß… Nacariño war fit und fröhlich und wir hatten beide großen Spaß. Dennoch – ich hörte langsam auf. Soll man ja, wenn’s am Schönsten ist 🙂

Meike hatte so viele wunderbare Bilder gemacht und ihre Kinder durften nun noch einmal auf’s Pferd. Auf dieses Pferd. Nacariño war nur, nur toll. Er war vorsichtig und freundlich.

Klein-Sönke erlebte seine ersten Spanischen Schritte und dann sein erstes Steigen.
Ich bat Nacariño beim ersten Mal „Mach mal ganz wenig“ – und er stieg ganz vorsichtig und ganz wenig. Sönke lachte, Nacariño durfte höher.
Man beachte Sönkes großartigen Sitz!

Nacariño und Sönke strahlten um die Wette und waren glücklich. Rieke durfte nun auch noch rauf und schließlich beide. Nacariño machte alles mit und wirkte total zufrieden.

Nun durfte er sich aber endlich wälzen! Wir trabten gemeinsam zu einer schönen sandigen Stelle und auf dem Weg bot Nacariño zum ersten Mal an, zu spielen. Er drehte sich zu mir, wenn ich wegsprang und suchte richtig verspielt meine Nähe. Das hatte er in dieser Form noch nie gemacht. Da geht einem doch das Herz auf…

  

Das nenne ich mal gelenkig…!

Der Tag war nicht mehr zu verderben, aber Nacariño setzte mit dem Verladen noch eins drauf, indem er ganz alleine hochging:

Was für ein wunderbarer Tag.
Was für ein wunderbares Pferd…

Am nächsten Tag hatten die Jungs frei und durften ein wenig grasen und endlich konnte ich auch mal die Schweife waschen. Das lohnte sich!!!
Zudem hatte ich eine rutschfeste Matte auf mein Podest geklebt und die mussten sie natürlich ausprobieren – beide waren lange nicht mehr auf dem Podest, standen aber nach wenigen Sekunden brav gleichzeitig drauf und fanden das sofort wieder toll.

Einen Tag später nahm ich noch einmal die Plane mit auf den Platz.
Nacariño ging zuvor einfach schön – es waren vier Pferde auf dem Platz, was hier ja durchaus selten der Fall ist und mir bei zwei ihm fremden Pferden einen Vorgeschmack auf die Messe gab. Da ist es ja nicht immer möglich, sich Platz zu schaffen und Nacariño starrte mit steif gespitzten Ohren die fremden Ponys an. Dennoch, er ging prima, sehr entspannt, sehr willig, in weiten Teilen sehr durchlässig.

Als alle vom Platz waren ließ ich mir die Plane geben. Vor einem halben Jahr konnte ich die ja im Galopp über uns flattern lassen – davon waren wir jetzt weit entfernt.
Dass die Plane bei den letzten beiden Malen ein paar Mal an seinen Hinterbeinen festhing und er sie ein paar Meter im Galopp mitzog, hatte ihn offensichtlich nachhaltig verschreckt.

Und so wollte er ziemlich abhauen, als die Plane seine Hinterbeine berührte.
In Heist hatte ich schon gemerkt, dass er im Moment ganz schlecht aushalten kann, wenn die Gräser dort seine Hinterbeine berührt hatten. Jetzt hielt er die Bewegungen der Plane kaum aus, er wollte weg. Ich hatte einen Knoten in die Zügel gemacht, griff die einhändig und rollte die Plane im anderen Arm so weit zusammen, dass sie gerade noch bis zum Boden ging, sich aber nicht um ein Bein wickeln konnte. An der Seite, wo der (zum Glück sehr seichte) Wind sie von ihm wegblies war ziemlich schnell alles gut, an der anderen langen Seite rollte er die Augen und war massiv unter Strom.

Und dann kam irgendein blöder Moment und er dachte wohl, nun wickelt sich die Plane um seine Hinterbeine, er kickte einmal danach und bekam sie nicht weg – und da ging er los.
Karamba.
Und nun kam ich zum ersten Mal echt so richtig in Platznot, er raste panisch los, wir kamen auf den Ausgang zu, der zum Glück offen war und ich hatte vor der Ecke genau einen Galoppsprung Zeit, um zu entscheiden, ihn jetzt nach rechts zu lenken und auf dem Platz zu bleiben oder nach links (raus) und oben zu bleiben. Ich hing durch einen Schlenker, den er gerade gemacht hatte, schon auf halb Acht und nur noch mit dem rechten Knie auf dem Sattel, einen Sprung nach rechts hätte ich nicht mehr gehalten. Lieber raus als runter!!
Also lenkte ich nach links und zum Glück reagiert Nacariño inzwischen ja so schnell und inzwischen mehr auf mich als auf seinen Fluchtreflex, dass er tatsächlich sofort ohne zu fragen nach links vom Platz sprang. Da saßen welche und tranken Kaffee, aber dieser Schluck blieb ihnen vermutlich kurz im Hals stecken 🙂
Dieser schräge Satz brachte mich wieder in den Sattel und fünf Meter später hatte ich Nacariño eingefangen und angehalten. Ich lobte wie verrückt – vor einigen Monaten wäre diese Nummer im Zweifel böse ausgegangen, auf keinen Fall hätte ich ihn so schnell durchparieren können. Das war auf keinen Fall mehr sein früheres Durchgehen, das war einfach ein panisches Davonlaufen, wie Pferde das nun einmal machen.
Er war, so weit er es konnte, die ganze Zeit bei mir und hat sofort auf mich reagiert, er konnte nur mit der Plane an den Hinterbeinen in dem Moment nicht anhalten.
Aber alles danach war ungeheuer gehorsam. Und das sagte ich ihm auch.

Und dann nahm ich die Plane wieder in die Hand, rollte sie noch etwas mehr zusammen und ließ ihm erstmal Zeit im Schritt. Als er sich ein wenig entspannte, trabte ich, immer erst ganz kurze Strecken, immer darauf bedacht, dass er das aushalten konnte.
Genau so machte ich es schließlich mit erst ganz wenigen einzelnen Galoppsprüngen, und schließlich durfte ich am losen Zügel mit der Plane im Arm galoppieren, die Plane berührte ihn an den Beinen, er konnte aber nicht drauftreten. Darauf passte ich auf.

Das konnte er schließlich gut aushalten, er fing an, im Galopp vor sich hin zu schnauben und ließ sich los, und so konnte ich gut aufhören. Das mache ich jetzt demnächst häufiger und dann wird es nicht mehr lange dauern, dass er die Plane wieder in voller Größe über sich aushalten kann. Nur an den Beinen festhängen sollte sie sich möglichst so bald nicht nochmal, das hat ihm echt Angst gemacht.

Eine unserer neuen Einstellerinnen meinte promt, „Das könnte ich mit meinem nicht machen…“ – ach, dieser so typische Satz. Mit keinem kann man’s machen, bis man’s macht. Dass Nacariño jetzt Angst bekommen hat ist kein Grund, die Plane wegzulegen. Das ist nur Grund genug, sein Vertrauen neu herzustellen und zu stärken.
Mit jedem Pferd kann man das machen! Sie müssen nur die Zeit bestimmen dürfen…

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