Mai

Seit dem 28. April wohnen die Jungs nun in Auufer. Beide wirkten schnell heimisch. Doris war begeistert, wie gut erzogen sie sind – boah, Glück gehabt…! Vor Nacariños manchmal ja doch recht eigentümlichen Ideen hatte ich sicherheitshalber ausdrücklich gewarnt.

Ich ließ uns Zeit, ich war selbst von den letzten Wochen so angeschlagen, dass von mir keine großen Aktivitäten ausgingen außer denen, die im Zuge dieser ganzen Umzieherei nötig waren – und das war weiß Gott genug. Uns läuft ja nichts weg…

Die Fahrerei nervte mich fast sofort, ich weiß nicht, wie lange ich das durchhalte. Eine halbe Stunde pro Weg… Aber die Boxenpreiserhöhung von 250,- auf 380,- Euro (!!) ist einfach unrealistisch – erst Recht mit drei Pferden. Nicht machbar.
Hier haben die Jungs ein tolles Zuhause und ich muss einfach mit der Zeit gucken, wie ich am besten mit der Fahrerei zurecht komme.

Am Freitag hatten sie das Paddock und die eine Weide kennengelernt, über den Zaun auch Connemara „Conny“ und Trakehner-Quarter-Mix „Fynn“, die beiden hübschen Falben von Doris, die auf der anderen Weide standen. Es war hier perfekt möglich, die Pferde anfangs zu trennen, aber so, dass sie sich immer beschnuppern konnten. Mit Dón und Fynn sah ich kein Problem. Die beiden haben nun auch die Boxen nebeneinander, und natürlich steht Dón zwischen ihm und Nacariño, der die Eckbox bezogen hat.

Am Samstag nahm ich jeden einzeln an der Hand mit auf den Reitplatz, das gab ein bisschen Hinterher-Geschreie, aber sie ließen sich schon mal relativ unkompliziert trennen. Auf dem Platz gab es natürlich viel zu gucken (und zu erschrecken), Nacariño war sehr aufgeregt, vor allem hatte er Angst vor der Bremsenfalle am Eingang, allerdings nur, wenn die „Klock“ machte, wenn der Wind sie bewegte. Dann schoss er los. Ich ließ ihn machen, bis er sich relativ entspannt zeigte und meine Nähe suchte.

Am Sonntag ließ ich ihn auf dem Platz frei, dabei lernte er einen der roten Ringe kennen – davon hat Doris einige, und die rasseln auch noch. Um ein Pferd in Bewegung zu setzen muss man also nicht mehr tun, als diesen Ring ein bisschen zu bewegen – Nacariño zeigte ein verblüffendes Bewegungspotential und haute wieder und wieder ab. Ich legte den Ring in der Nähe vom Einritt auf den Boden, das war eine der Ecken, in der er immer sehr rasant bremste. Ich war heilfroh, dass er die hauchdünnen Umrandungslitzen ernst nahm.

Nun trat er natürlich mehrfach in den Ring (trat? Rannte!) und keilte sich den von den Füßen. Er begriff aber auch erst ziemlich langsam, dass er dem Ring ausweichen könnte. Das dauerte eine ganze Weile. Eine Menge hausgemachter Stress also. Ich ließ ihn selber machen und lernen. Aushalten… 🙂

Dienstag setzte ich mich rauf. Ich hatte zuvor auf Dón schon gemerkt, wie angreifbar mein Nervenkostüm gerade ist. Die Fahrt hatte mich genervt, die Unruhe beim Putzen nervte, Nacariño war nur in Bewegung, und so rechnete ich schlimmstenfalls mit einem Abgang.
Ich überlegte, ob reiten sinnvoll war und fragte mich, wo dieses blöde Gefühl herkommt, das schon fast einen Hauch Angst beinhaltete. Provozieren muss ich ja nun auch nichts, und ich merke einfach, dass ich im Moment nicht gut aufgehoben bin auf Pferden, die an jeder Ecke Gespenster sehen. Ich muss erstmal wieder zur Ruhe kommen. Aber die Möglichkeit ist ja nun da.

Ich tat Nacariño mit meiner Sorge Unrecht. Er war extrem beherrscht, trotz der klockenden Bremsenfalle und des Sturms. Es war echt erstaunlich. Ich fühlte noch nach, ob von ihm eine Warnung käme, mich lieber nicht raufzusetzen, aber da kam nichts; dass er mich aber noch beschützen würde, das ist relativ neu. Er schien wirklich auf mich aufzupassen und nutzte meine sicherlich spürbare Schwäche nicht eine Sekunde lang aus.
Für dieses Mitdenken, das er so und anders so oft zeigt, liebe ich ihn wirklich.

Ich ritt länger als anfangs geplant, und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, mich im Galopp wohler zu fühlen als im Trab und so ließ ichNacariño nach wenigen Trabtritten gleich angaloppieren. Er entspannte sich im Galopp so schön, dass wir etliche Runden in gleichmäßigem Tempo mit durchhängendem Zügel vor uns hingaloppierten.

Wenige Tage nach dem Umzug war ich bei der Ärztin, die ich durch den gebrochenen Finger kennengelernt hatte.  Diese Bekanntschaft verdanke ich also Nacariño 🙂
Und dieser Ärztin gelang es innerhalb weniger Minuten und Handgriffe, mich wieder zum Laufen zu bringen. Seit drei Jahren (!) knicken mir wiederholt die Beine weg, es ging mit dem linken los, dann war’s das rechte, das war alles kein Zustand. 

Natürlich war ich damit hier und da und dort. Und niemand kam auf die so einfache Idee, die sie hatte. „Stellen Sie sich mal hin!“ – Beckenschiefstand von fast 2 cm. „Legen Sie sich mal auf den Bauch…“ – sie rüttelte und schüttelte und zog im richtigen Moment an meinen Beinen und mobilisierte damit das ISG – mehr war es nicht. Ein blockiertes Illio-Sakral-Gelenk. Das war alles. Ich konnte es nicht fassen. Ich lief den Gang rauf und runter und versuchte wirklich, das Bein wieder „kaputt zu machen“, aber es gelang mir nicht. Es hielt. Das ISG wurde getapet und ich hatte ein völlig neues Gehgefühl.

Eigentlich nicht wichtig an dieser Stelle, aber natürlich sorgte das für ein Hochgefühl, und so fuhr ich Mittwoch deutlich entspannter zu den Jungs und merkte, dass mich die Fahrt nicht mehr so nervte. Nacariño war deutlich entspannter beim Putzen, ich konnte beide Pferde ohne Halfter trennen. den einen zurückbringen und den nächsten holen, das war große Klasse. Als ich kam war noch großes Wohlfühlwälzen angesagt, nachdem mir beide zehn Minuten nicht von der Pelle rückten. Zu süß. Das tat so richtig gut.

Dieses Mal ritt ich einhändig blank. Es wurde ein wirklich schöner Ritt. Ich bekam mehrfach ein paar wunderbare Ansätze zu Übergängen Schritt-Pirouette in die Galopp-Pirouette. Es waren mal ein, mal zwei, einmal sogar drei sehr gute Sprünge.
Einfach toll!

Nacariño hörte zwar das Klocken der Bremsenfalle, ignorierte es aber gehorsamst.
Nach dem Absitzen warf er sich regelrecht in Kompliment links, Kompliment rechts, und als ich ihn noch steigen ließ, machte er zum ersten Mal so mehr aus Versehen einen kleinen Schritt auf mich zu, kam danach aber sofort runter. 
Hammer!!

Und dann ließen wir das hübsche Quartett zum ersten Mal zusammen.
Nacariño ignorierte die beiden anfangs, was mich echt überraschte.

Conny hatte über den Zaun schon mehrfach eine Menge Lärm gemacht, aber jetzt ging der Chef vom Hof echt ab. Er brüllte und prügelte beherzt auf Dón ein. Meine Güte, ließ der die Hufe fliegen. Nacariño kam ihm blöderweise in die Quere und kriegte sofort was ab.
Conny vermöbelte meine Jungs nach Strich und Faden und brüllte dabei die ganze Gegend zusammen. Meine hauten nicht schlecht zurück, aber Nacariño erstaunte mich sehr – er versuchte eher, sich rauszuhalten und wegzugehen, er griff nicht einmal von sich aus an. Er haute aber sattschmatzend zurück, als Conny ihm ein Trommelfeuer verpasste.



Es war klar, dass das einmal geklärt werden muss – und sie klärten es ziemlich schnell und gründlich. Doris konnte kaum hinsehen, ich hielt die Kamera drauf. In dem Moment kann eh keiner was tun. Ich hoffte nur, dass sie alle heil blieben, aber ich ahnte hier schon, dass das etliche „blaue Flecken“ geben würde. Nacariño hatte eine Menge Hufabdrücke auf dem Pelz. Aber keiner ging lahm, nichts war ernsthaft kaputt – mal sehen, wie sie sich bewegen, wenn das Adrenalin nachlässt…

Ich bin sicher, das geht gut mit den Vieren, ich hätte allerdings nicht gedacht, dass Conny dermaßen heftig losprügeln wurde. Nach einigen Minuten war das Schlimmste vorbei, sie gingen getrennte Wege, behielten sich aber im Auge. Fynn kam einmal an, als Nacariño etwas ungünstig in der Ecke stand, die beiden beschnüffelten sich und blieben ruhig. Conny wird die Rangfolge mit Sicherheit nochmal in Frage stellen, aber das Schlimmste dürfte vorbei sein. Und Nacariño scheint tatsächlich nur auf Provokation zu reagieren.
Ich staune.

Am nächsten Morgen traf ich das pure Idyll an – alle vier grasten, es waren nicht mehr als 20 Meter Abstand zwischen den Pferden. Ganz klar neuer Herdenchef: Querendón.
Nacariño hat Narrenfreiheit in dieser Konstellation, die er offensichtlich genießt. Es ist schließlich nie verkehrt, gut Freund mit dem Chef zu sein 🙂

Gefühlt habe ich Nacariño in den letzten Wochen noch einmal viel besser kennengelernt – Messe, Umzug, die Klärung der Rangfolge unter den Vieren hier.
Dón ist „echt“ – entweder entspannt oder unentspannt, ängstlich oder mutig, ruhig oder hektisch. Der spielt nichts vor.
Nacariño tatsächlich täuscht ganz oft etwas vor, was gar nicht stimmt. Ich weiß jetzt nicht, was zuerst da war – sein Talent zum Vortäuschen oder Situationen, in denen er das gelernt hat. Ganz offensichtlich aber gab es Situationen, in denen er das brauchte oder sich damit geschützt hat, denn dazu gehören schon ein paar Erfahrungen, typisch für ein Pferd ist das nicht. Das verlangt ein ziemliches Maß an dreideminsionalem Denken – „Wenn der das tut und ich dann so und so tue, dann folgt darauf die und die Reaktion“. Kaum ein Pferd tut das und wenn dann erst nach etlichen gemachten Erfahrungen.
Nacariño hat mir auf der Messe eine Gelassenheit vorgespielt, die nicht echt war. Er trug die Erlebnisse der Messe noch eine Weile mit sich herum, da gärt etwas in ihm, und irgendwann muss sich das Raum verschaffen, und dann bringt man das vielleicht gar nicht mehr mit der Ursache in Verbindung.
Dann der Umzug – auch da war zu merken, dass er zwar schnell „angekommen“ wirkte, aber durchaus mit der Veränderung zu tun hat.
Nun die Konfrontation gestern – da hätte ich gedacht, dass Nacariño viel mehr angreifen und beißen würde. Er hat es tatsächlich weitgehend an sich abprallen lassen und wirkte fast stoisch. Heute morgen war seine enorme innere Unruhe wieder spürbar, an der ich langsam erkenne, dass Dinge in ihm arbeiten, die Stunden oder Tage zurückliegen.

Sehr spannend. Und extrem unterschiedlich, meine beiden. Gut so, hält mich flexibel 🙂

Mit den roten Rassel-Ringen (RRR…) hatte Nacariño ja so überhaupt keinen Vertrag. Die machten ihm echt Angst. Und so baute ich die natürlich wieder mit ein.

Ich legte alle 6 Ringe kreuz und quer hin und longierte. Nacariño sollte sich den besten Weg suchen, ich gab mit der Longenlänge nur vor, dass er nicht mit zehn Meter Abstand außen rum laufen durfte. Er versuchte etliche Male, kehrt zu machen, einige Male gelang ihm das auch – aber dann musste er halt von der anderen Seite hin. Er musste schon irgendwie durch die Ringe durch, aber es war möglich, keinen zu berühren, wenn man denn guckt, was man tut. Das tat Nacariño schließlich, er trabte ungeheuer geschickt mit einer Wahnsinns-Aktion zwischen den Ringen durch.

Er berührte aber doch immer wieder mal einen Ring und sprang dann los. Nicht mehr mit so einem herrlichen alle-Viere-Katzensprung wie beim ersten Mal, aber immer noch beherzt genug. Er versuchte wirklich, den Boden nicht mehr zu berühren. Gelang ihm bloß nicht, und so machte es hier und da nochmal „Tock“, was einen höchst dynamischen Nacariño nach sich zog.

Und dann sprang doch tatsächlich einer dieser Ringe hoch und ihm um’s Bein!!
Da ging aber die Post ab!
Aber genau solche Sachen sind es, in denen Nacariño vor einem Jahr noch ganz anders ausgerastet wäre. Ich halte mich in dem Moment völlig raus, lasse ihn machen und lernen. Ich habe nur die Spannung an der Longe gehalten (die ihn vor einem Jahr auch keinen Deut interessiert hätte – jetzt nimmt er sie an) und ihn ansonsten die Situation wahrnehmen lassen. Er galoppierte sich einfach diesen Ring wieder vom Bein und fünf Sprünge später konnte er wieder klar denken. Das war schon ziemlich klasse.

Genug Ringe für heute. Das machen wir öfter. Ich schätze, Nacariño ahnt schon, dass ihn diese Ringe jetzt eine Weile begleiten werden. Feiner Junge!!

Ich machte den Kappzaum ab. Kompliment allein auf Gertensignal gelang leicht und sicher, Nacariño warf sich geradezu auf den Boden. So leicht hat noch nie eines meiner Pferde Kompliment gemacht. Total großartig! Nur Knieen ist leider kaputt 🙂

Ich ließ ihn nochmal steigen, die Stimmung war gerade einfach danach, das machte er sofort und prima, und dann machte er mir ein ungeheures Geschenk.
Na klar steigt er schon mal frei, aber so immer und überall abrufbar ist das nicht, er geht auch durchaus noch mal weg dabei. Hier nun kein Gedanke an’s Weggehen, er war völlig auf mich fixiert, ich durfte die Grundspannung so sehr steigern wie noch nie, und dann ergaben sich plötzlich die allerersten echten Schritte auf mich zu.

Er kam nach diesem einen Schritt wieder runter. Ich war baff. Lobte. Und fragte das nochmal an. Und er machte den nächsten Schritt auf mich zu!

Ich war völlig geflasht. Das konnte ich nicht fassen. Wie geil war das denn bitte??
Ich lobte wie verrückt, Nacariño strahlte und fand sich zu Recht total toll. Er wich mir keinen Zentimeter von der Seite und hatte einen wunderbaren Gesichtsausdruck.
Das war ja wirklich unglaublich!

Und dann ritt ich mal wieder mit Halsring. Wie lange war das her…??
Ich war noch total begeistert von einem unglaublich feinen Dón und so kam ich mit einem ziemlich hohen Anspruch in den Sattel – der Anspruch war etwas zu hoch für Nacariño, der sich doch etwas mehr gegen den Halsring legt und flacher und eiliger wird. 
Dennoch machte er seine Sache echt gut, lässige Linkstraversalen (nach rechts war keine Stellung möglich in den Traversalen, aber Schulterherein klappte auf beiden Händen), und was wirklich toll war: gegen Ende galoppierte ich einmal aus der Schrittpirouette an, so wie Nacariño das inzwischen ja ganz gut kennt, und so sprang er einmal richtig toll an und hielt drei extrem versammelte Sprünge mit Pirouetten-Idee. Da war ihm überhaupt nicht bewusst, dass es „nur“ der Halsring war. Diese Sprünge lobte ich mächtig und saß ab.

Andere haben ihren Hund auf dem Schoß – ich Nacariño  

An einem weiteren schönen sonnigen Tag baute ich mir ein bisschen was auf auf dem Platz. Ich nahm, was ich fand – aus drei umgedrehten Eimern wurde ein Slalom, aus den Rasselringen eine sehr groß angelegte Gasse, das Cavaletti lag dort, meine Springblöcke bildeten einen schmalen Durchgang, eine Stange lag so in der Ecke, dass sich daraus eine „Box“ ergab, in der ich wenden lassen konnte, und ein einzelner Ring lag noch extra.
Außerdem hatte ich noch eine Regalrückwand, ca. 80 x 80 cm groß und so eine Art dunkellila. Die lag einfach flach auf dem Boden.

Nacariño zögerte ein wenig, als er sah, was da alles lag, wir gingen also erstmal eine ruhige Runde herum. Nacariño schnorchelte ein wenig, kam aber brav mit. Ich tat, als wären die Ringe nicht da und fing mit dem Cavaletti an.  Ich konnte Nacariño so führen und anhalten, dass er mit den Vorderbeinen drüber trat und dann stehen blieb. Seine Vorderhufe suchten aber immer die Stange, er blieb ganz dicht dran stehen. Mit den Hinterbeinen machte er es genau so, das war ganz witzig, er suchte immer mit den Hufen, wo genau die Stange lag. Ich ließ ihn machen und beobachtete ihn, das war echt interessant, wie er damit umging.

Zwischen den Springblöcken anhalten war auch unproblematisch, aber genau wie Dón wollte er die zu gerne als Podest missbrauchen. Die Slalom-Eimer beeindruckten ihn nicht, sie interessierten ihn – überhaupt war er ungeheuer interessiert an allem, er sah sich alles genau an, und sein Gesichtsausdruck veränderte sich langsam. Er wurde kindlich, er wurde „echt“, er spielte nicht irgend etwas vor, er benahm sich genau so, wie ein Pferd das in seinem Alter tun sollte, das mit unbekannten Dingen konfrontiert wird. So „echt“ sehe ich ihn wirklich selten. Aber es wird mehr. Er wird immer wieder mal das kindliche junge Pferd, das er sein sollte. Das Ganze war also ungeheuer spannend zu beobachten.
Nacariño wurde immer entspannter, immer interessierter, immer aufgeschlossener.
Und so ging ich so ganz nebenbei zu den Rasselringen und schickte ihn da immer mal um einen der Ringe herum. Er wollte kurz albern werden und überlegte, abzuhauen, blieb dann aber doch in seiner neuen Rolle als aufgeschlossenes junges Pferd und ging gehorsam dahin, wohin ich ihn bat. Das war echt klasse. Nach einigen Malen lobte ich und ließ ihn weggehen. Er dachte einen Moment verblüfft darüber nach, wie unspektakulär das war.

Wir gingen zu der Platte, die Nacariño kurz anschnorchelte, um dann aber ziemlich schnell vorsichtig einen Fuß draufzusetzen – und kurz darauf ging er von allen Seiten lässig darüber oder hielt auf Wunsch auf darauf an. Verrückt, dass er damit so unproblematisch ist, während ihm diese Ringe eine derartige Angst einjagen. Na gut, die rasseln ja auch noch…

Ich ließ ihn nochmal durch das Slalom gehen, schickte ihn seitwärts über das Cavaletti, ließ ihn einen Moment an dem einzelnen Ring schnuffeln, ohne hier mehr zu wollen, und ging noch einmal zu den Rasselringen. Er schaffte es irgendwie, auf einen so draufzutreten, dass der hoch und um seine Vorderbeine sprang. Ich hatte das Seil schon losgelassen, als er losschoss. Er machte zwei, drei irre Sätze, dann war der Ring ab, Nacariño lief zum Ausgang, wurde aber noch auf dem Weg dahin schon wieder ruhiger. Also auch hier scheint die ganz große Panik vorbei zu sein. Super!

Ich ging nochmal über die Platte – problemlos. Dann nochmal zu dem einzelnen Ring (der nicht rasselt), und dieses Mal blieb ich hier einfach ganz lange stehen, wartete und ließ ihn machen. Tatsächlich wurde er nach einiger Zeit so mutig, dass er den Ring ins Maul nahm und ein bisschen anhob. Ich lobte wieder und wieder. Er war so süß! Und so mutig!
Wir hörten sehr zufrieden und entspannt auf. Nacariño sah wirklich mal wie ein ganz junges, interessiertes, neugieriges Pferd aus. So, wie er eben aussehen soll.
Nicht so altklug und arrogant wie manchmal, nicht so „alt“, wie er noch gar nicht ist.
Das war wirklich toll. Mache ich jetzt öfter!

Am 20. Mai war ich endlich mal wieder bei Richard Hinrichs. Es ist ja immer egal, welches Thema das Seminar hat – es geht letztlich doch immer um die Piaffe 🙂
Um sich also innere Bilder für Piaffe, Passage und überhaupt Versammlung zu holen, ist man hier durchaus richtig. So auch dieses Mal. 
Am nächsten Tag strahlte die Sonne vom Himmel und das Gefühl auf Nacariño war gigantisch. Ich war angefüllt mit inneren Bildern, Nacariño ließ sich begeistert darauf ein und ging wirklich so gut wie noch nie. Es gab Momente, in denen er so voll positiver Spannung war, dass die Verschiebbarkeit des Versammlungsgrades im Trab eine neue Dimension erreichte. Ich ließ ihn in relativ freier Haltung gehen, holte mir nur ohne Ende das Hinterbein heran und den Widerrist nach oben. Solche Momente hatten wir wirklich noch nie. Und ich konnte über weite Strecken gut sitzen. Einfach nur toll, toll, toll!!!

  

Diese beiden Bilder sind so wunderbar…:

Hammer. Unglaublich. Zu toll, dieses Gefühl. Nacariño begeisterte sich an sich selbst und hatte einen großartigen Ehrgeiz.
Sönke hatte die Spiegelung im Teich entdeckt und mit der musste ich natürlich noch kurz rumspielen. Wir beide mit geschlossenen Augen…

Kurz darauf nahm ich ihn mal wieder am Langen Zügel mit auf den Platz. Das hatte ich lange nicht gemacht und ich merkte, wie sehr die drei Jahre mit meinen nicht immer so gut funktionierenden Beinen meine Schrittweite verkürzt haben. Nicht schön…
Lange konnte ich nicht mitgehen, aber Nacariño machte das echt prima. Travers war tatsächlich relativ gut abrufbar, und so ein bisschen zufällig gelang auch eine Traversale. 
Er trabte lässig und schließlich bekam ich sogar einige Spanische Schritte, wobei ich da höllisch schnell sein muss – ich muss sehr auf die Gertenposition achten, sonst fragt er nach oben, so richtig Zug ist da nicht drin, also fragte ich immer mal hier einen und dort einen Schritt an und das klappte nachher (zum ersten Mal!) ziemlich gut.
Ein Kompliment durfte ich auch von relativ weit hinten abrufen. Freu!

Und dann machte ich einen Zügel ab und nahm ihn noch „normal“ an die Hand. Hier gelangen schöne Traversalen und etliche Galoppsprünge, allerdings machten meine Beine jetzt langsam nicht mehr mit. Verdammt!! Ich hoffe, das lässt sich nochmal wieder verbessern.

Und dann plötzlich ergab sich ein Knien. Das erste war Glück, Nacariño bot es an, als ich ihn etwas länger im Kompliment halten wollte. Da zog er auf einmal das zweite Bein unter sich. Ich lobte wie verrückt und wollte nun natürlich versuchen, das abzurufen.
Ich fragte also, sobald er ein Bein abknickte, sofort nach dem zweiten Bein.
„Beide! Nimm beide Beine! Beide!“ – und dann nahm er noch einmal beide Beine und kniete. Ich lobte, fütterte, er blieb relativ lange unten.

Er kam wieder hoch. Ich überlegte. Ein drittes Mal anfragen und riskieren, dass er es nicht nochmal macht oder es drauf ankommen lassen und mit Glück die Hilfe festigen?
Ich wagte ein drittes Mal. Nacariño kam ziemlich schnell ins Knien und blieb richtig lange unten. Er ließ sich immer weiter sinken und hätte sich daraus im Prinzip auch ablegen können. Tat er nicht, total egal, das Knien war große Klasse!!
Ich lobte überschwenglich und freute mich wie verrückt. 
Das Knien ist wieder da!!