2.7. – Team-Légèreté-Turnier

Am 2. Juli veranstaltete das Team Légèreté sein nun schon 6. Turnier – und zum ersten Mal war es ein „Outdoor-Turnier“ mit Trail- und Geländeprüfungen. Hierfür hatten wir das Gelände des Johannenhofes in Heist gemietet. Uns erwarteten neben Gastboxen für alle teilnehmenden Pferde eine frisch durchgezogene Halle zum Abreiten, zwei freundlich zurecht gemachte Geländestrecken, ein idealer Platz für die beiden Trail-Prüfungen und ein leider ziemlich abgesoffenes Dressurviereck. Super zu reiten war es auf dem Waldviereck trotzdem, und wer später das Gelände nicht genannt hatte, konnte zumindest sein Pferd durch Wasser schicken 🙂

Das fanden naturgemäß gar nicht alle Pferde gleich gut, und so erhöhte schon alleine dieses Viereck den Schwierigkeitsgrad. Dem Gelände hatten die Wolkenbrüche der vergangenen Tage nichts anhaben können – nicht einmal in der Senke stand Wasser, und die habe ich schon als Teich erlebt!

Ausgeschrieben hatten wir eine leichte und eine schwere(re) Dressuraufgabe, einen geführten und einen gerittenen Trail (mit GHP-Elementen) und einen leichten und einen schwereren Geländeritt. Wer alle drei Prüfungen eines Schwierigkeitsgrades absolvierte, kam noch in die kombinierte Wertung. Man konnte die Prüfungen aber auch unabhängig davon einzeln nennen.

Von 14 genannten Pferden traten leider nur 9 an. Ausfälle gibt es natürlich immer, aber die traurigsten waren die beiden, deren Stall kurzfristig wegen der infektiösen Anämie gesperrt worden war (obwohl hierfür überhaupt kein Anlass bestand, und das war das ärgerlichste). Das entzerrte zwar den Zeitplan, wir kamen mit den Zeiten sehr gut zurecht und unsere Prüferin, Inken Manz, konnte entspannt richten und die Protokolle in Ruhe fertigstellen, dennoch hätten wir gerade diese beiden Pferde so gerne dabei gehabt, denn beide waren in mehreren Prüfungen genannt und hätten das Bild – alleine schon der Rassevielfalt wegen – deutlich aufgepeppt.

Inken leistete absolut großartige Arbeit. Ich hatte sie und ihre Art zu richten in Hohenlockstedt im vergangenen September kennen- und schätzen gelernt und dachte mir, dass dies zu dem, was wir im Team sehen und hören wollen passt.
Und es passte.
Wohlwollend, pro Pferd und Reiter – auch wenn sie während der ersten Prüfung etwas verwirrt war, wie sie denn nun darauf reagieren solle, dass sich hier nach Strich und Faden verritten wurde (die Aufgaben waren auswendig oder mit eigenem Kommandogeber zu reiten – und alle ritten auswendig. Mit unterschiedlich ausgeprägten Gedächtnislücken).
„Normalerweise könnte ich dafür keine Note geben“ sagte sie, und ich sagte, wenn sie zu viel Verreiten nicht mehr abziehen kann, dann solle sie dennoch eine Note geben, keiner solle hier ausscheiden und alle sollten Noten bekommen. „Dann muss ich eine Vier geben“ – unsere Würfel fangen bei 5 an, meinte ich, und die anderen sollen dann eben lieber eine 7 oder 8 bekommen, auch wenn das auf keinem „normalen“ Turnier so wäre. Wir sind so weit von der FN entfernt (bewusst!), dass sie sich hier, was Motivation für die Reiter ausgeht, austoben dürfe. Und das tat sie dann auch.

Pünktlich um 10.00 startete die Leichte Dressur. Der Regen regnete so vor sich hin, nicht wirklich schlimm, aber auch nicht schön. Naja, bei so viel Wasser von unten war ein bisschen von oben auch egal. Ist doch kein Ponyhof hier. Also, lächeln und reiten!

Ich sah natürlich wieder nicht viel, sondern machte in der Zeit schon meine Jungs für die darauf folgende Dressurprüfung fertig. Diese Aufgabe war etwas schwerer und ich startete – na klar – mit beiden. Die Jungs waren wieder wunderbar unkompliziert gewesen beim Verladen, hier bewohnten sie wieder die beiden Boxen, die sie nun ja schon kannten (sie gingen schon mal vor – „Wir wissen, wohin…“) und fühlten sich augenscheinlich schon ziemlich zu Hause hier. Gegenüber stand Fynn, der es glaube ich ganz gut fand, seine Kumpels so nah bei sich zu haben. Das entschärfte für ihn doch ein wenig diese neue und ziemlich aufregende Situation. Ich fand es total großartig, dass Doris sich mit ihm diesen Prüfungen stellte, wir hatten die Aufgabe mal zusammen geübt und am Tag zuvor hatte ich einfach zwei Cavalettis hingestellt und sie so darüber geschickt, dass sie gar nicht viel Wahl hatte und sofort die richtige Idee bekam – Mitte, geradeaus und „Du gehst da rüber!“. Das machten die beiden klasse und ich war gespannt, wie unsere Pferde das hier heute alles so meistern würden. Tatsächlich wendete Doris genau dieses „Du gehst da rüber!“ später hörbar im leichten Geländeritt an.

Und für mein Empfinden hatte sie den Courage-Preis verdient, denn nach diesem mächtigen Satz von Fynn konnte sie sich nicht oben halten. Sie fiel runter, Fynn blieb bei ihr, sie krabbelte auf den Sprung, saß wieder auf und ritt weiter. Ganz große Klasse!!

Ich hatte Nacariño zuerst gesattelt, er war erster und Dón letzter der nur noch 5 Starter. Ich dachte mir, dass ich für Nacariño mehr Zeit brauchen würde, Dón ist es, der sich normalerweise mit einer sehr kurzen Abreitezeit zufrieden gibt, wenn die geschickt gestaltet wird. Nacariño kann das noch nicht so. Dachte ich.
Ich glaube, heute wäre es egal gewesen – ich war heilfroh um die Mehr-Zeit, die ich mit ihm zum Abreiten hatte, aber er war sofort voll da, aufmerksam, leicht in der Hand, willig, gehorsam. Verblüffend, dass ein Pferd, das so weich im Hals und so leicht in der Hand ist, einen trotzdem so schlecht sitzen lassen kann. Der Trab war anfangs wieder der Schleudersitz, der mir manchmal fast einen Brechreiz verursacht, weil er so schwer durch den Körper durchzulassen ist. Das gab sich nach und nach und genau dafür brauche ich bei Nacariño Zeit.

Gefühlt war es eine ziemlich perfekte Abreite-Zeit gewesen, wir gingen auf das Viereck und Nacariño patschte mit großen Augen und Nüstern durch die Pfützen. Es gab zwei große und drumrum war der Boden zwar nass, aber eben nicht unter Wasser, so dass die Pferde klar abgegrenzte Pfützenränder sahen. Das machte es für viele bestimmt noch schwerer, saubere Bahnfiguren zu reiten. Ich bat Nacariño, einfach schön gerade darauf zu und da durch zu gehen, und nach der dritten, vierten war es für ihn so weit ok. Tatsächlich hatte ich während der Aufgabe auch nicht mehr das Gefühl, dass er noch groß ausweichen wollte. Er planschte da tapfer durch.

Während der Aufgabe war der Spaß am Aufgabe-reiten wieder da – ich mag das einfach, wenn die Aufgaben schöne Linien habe. Hatte diese. Zu Hause achte ich kaum auf Ecken, ich reite zwar schon saubere Figuren, aber nicht mit dieser Genauigkeit, die ich hier jetzt wieder spürte. Die ist nach einer Grußaufstellung plötzlich einfach da. Witzig.

Diese Aufgabe wurde in der schwere(re)n Dressur verlangt:

A Einreiten im Mittelschritt
X Halt, Gruß. Anreiten im Mittelschritt
G – C Arbeitstrab, linke Hand
H – B durch die halbe Bahn wechseln, dabei eine Pferdelänge überstreichen
K – H An der langen Seite eine einfache Schlangenlinie
C Mittelschritt
B Halten. Eine Pferdelänge rückwärts richten, danach halten. Mittelschritt.
F Arbeitstrab.
A – C Schlangenlinie durch die Bahn, 4 Bogen, von Außenstellung zu Außenstellung
E – B – E Mittelzirkel, Arbeitsgalopp
E ganze Bahn, K Arbeitstrab
F – E durch die halbe Bahn wechseln
E – B – E Mittelzirkel, Arbeitsgalopp
E ganze Bahn, H Arbeitstrab
M – B Schulterherein
B – X – E doppelte halbe Volte
E – K Schulterherein
F – X halbe Diagonale
X – G Mittellinie, G Halt, Gruß

Nacariño ließ sich wunderbar punktgenau reiten, hörte toll zu und machte mit.


Schlangenlinie 4 Bogen von Außenstellung zu Außenstellung

Das Rückwärtsrichten gelang leicht zögernd und schwankend, auch im Schritt gab es ein paar Schwanker, da machte ihm der Boden mehr aus als im Trab oder Galopp.

In beiden Galopptouren stand im Protokoll „schön durchgesprungen“, und das fühlte sich auch so an.

Nach der Galopptour vergaß ich kurz, wie es weitergeht, ich trabte, überlegte, versammelte immer mehr, um Zeit zu gewinnen, kam da vorne Schritt…? Oder wo? Oder was? Direkt vor C fiel es mir wieder ein, ich trabte grinsend weiter und dachte, dieses kurze Black-Out kann man eigentlich nicht gesehen haben.

Das Schulterherein im Trab fühlte sich auf beiden Händen gut an, die letzte Grußaufstellung war – UPS – ziemlich schief, aber er stand sicher und ruhig.

Das Protokoll hat noch die Unterpunkte:
Durchlässigkeit und Nachgiebigkeit des Pferdes, hier stand bei uns ein „gut“, bei „Taktreinheit und Gleichgewicht“ stand zu meiner großen Freude nichts, denn Nacariños Takt ist ja immer so ein bisschen Roulette, er baut so ungeheuer schnell mal eine kleine Taktunreinheiten ein, aber ich glaube, da hat uns der Boden tatsächlich geholfen – seine Taktunsauberheiten sahen hier vermutlich einfach wie vom nassen Boden provoziert aus.
Bei „Vertrauen zum Reiter, Freude an der Mitarbeit, Harmonie, Leichtigkeit der Darbietung“ stand ein höchst erfreuliches „sieht man dem Paar an“. Na bitte! Und das, obwohl mich die Konzentration auf ihm noch längst nicht so viel lächeln lässt, wie ich das mit Dón kann.

Ich war total zufrieden mit dieser Aufgabe, das hatte er wirklich prima gemacht. Ich brachte ihn unter Streicheleinheiten zurück und holte Dón. Nun hatte ich nur zwei Pferde zum Abreiten, aber das reichte. Dón ging in dieser Halle, die er nun ja zum dritten Mal sah, wieder besser – beim ersten Mal traute er sich hier überhaupt nicht, zu galoppieren, das war vor einem Jahr gewesen, vor drei Wochen beim Working-Equitation-Turnier merkte ich, wie viel gesetzter sein Galopp geworden war, und dieses Mal stolperte er zwar ein paar Mal, zeigte aber überhaupt keine Angst vor dem Galoppieren. Er fühlte sich gut an, hatte eine schöne Grundspannung und ließ sich willig und entspannt auf alles ein.
Ich hatte, als ich auf das Viereck durfte, auch gar nicht das Gefühl, ich hätte noch Zeit gebraucht, das passte einfach.

Auch Dón durfte erst einmal Pfützen gucken, bis das Protokoll des Vorreiters zu Ende geschrieben war.

Und dann durften wir loslegen. Das Gefühl war gut, mir zog das bekannte Grinsen ins Gesicht, ich fühlte mich wohl auf meinem Grauen, der sich schön reiten ließ. Ich versemmelte ein wenig den Übergang zum Schritt, weil ich ganz kurzfristig vergessen hatte, wie es weitergeht – ach ja, Schritt. Gerade noch am Punkt fiel’s mir ein, so kam der Übergang aber einen Hauch zu spät und zögernd, weil Dón nochmal nachfragte, ob ich wirklich durchparieren wolle. Sorry, Hase, da war ich mir selbst eben nicht ganz sicher…
Ich hatte bewusst beim Abreiten kein Rückwärtsrichten eingeleitet, und so ritt ich das hier jetzt so nebensächlich wie möglich – und es gelang. Im Rückwärts wollte er ausweichen, ließ sich aber korrigieren.
Der Galopp war auf beiden Händen Dón-typsich dynamisch und ausdrucksvoll, aber ich kam sofort zum Nachgeben und Treiben und lachte vor mich hin, weil es einfach Spaß machte. So einen schönen Galopp hatten wir in der letzten Zeit zu Hause nicht mehr gehabt. Das war einfach toll. Die Übergänge zum Trab hätte ich nun wahrlich besser setzen können, aber ich ließ ihn einfach reinfallen, um nur ja im Galopp nicht anfassen zu müssen. Dann lieber den Übergang versauen, dachte ich mir, wenn das Galopp-Problem der letzten Zeit sich hier gerade aufzulösen scheint.


Ende der einfachen Schlangenlinie


Schlangenlinie 4 Bogen in Außenstellung


Überstreichen beim durch-die-halbe-Bahn-wechseln

Bei Schulterherein rechts steht „flüssig“ im Protokoll, und bei der Schluss-Mittellinie steht doch wahrhaftig „schnurgerade“.  Yeah!
In den Unterpunkten steht u.a. „Ein Pferd mit viel Go! Dem Paar sieht man die Freude an“ und bei „Bestreben des Reiters, die Stirnlinie vor der Senkrechten zu haben“: „positiv, wenig Beizäumung mit der Hand“.

Ich lobte meinen feinen Dón, das hatte er wirklich gut gemacht!
Ich holte Nacariño zur Siegerehrung dazu und dachte natürlich wieder, dass Nacariño vor Dón liegen würde. Für mein Gefühl hatte ich Nacariño genauer, akzentuierter reiten können. Wieder einmal überschätzte ich Nacariños und unterschätzte Dóns Ausstrahlung, auch wenn zugegeben das Gefühl endlich mal mit den Fotos übereinstimmt 🙂
Inken rief tatsächlich Dón als Sieger auf mit der sagenhaften (und hier vermutlich nicht ganz ernst zu nehmenden) Wertnote von 9,0. Sie sagte, auf ihm strahle ich eine solche Freude aus – und er strahle das zurück. Man sehe uns so sehr die Freude aneinander an.
Oh Mann, was für ein Richterspruch… Herzchenaugen… Wahnsinn.
Nacariño wurde einer nicht weniger sagenhaften 8,8 Zweiter.

Während wir da mit allen Pferden aus beiden Dressurprüfungen so auf die Siegerehrung warteten und quatschten fiel uns auf, dass wir alle beim Reiten nass – und inzwischen wieder trocken geworden waren. Und mit dieser Prüfung tatsächlich war der Regen vorbei. Das war’s, ab jetzt arbeitete sich die Sonne immer mehr durch, der Tag wurde immer schöner.

Die nächste Prüfung war der geführte Trail, und dies waren die Anforderungen:

Slalom – der Führer geht (und bleibt) auf der linken Seite des Slaloms, das Pferd wird durch das Slalom geführt; vom Führer weg, zum Führer hin, vom Führer weg
Baumscheibe das Pferd mit den Vorderbeinen auf die Baumscheibe stellen, Stillstand
Mülltonne
– Deckel mit der linken Hand aufklappen, das Pferd einmal um die Tonne führen, Deckel mit der rechten Hand zuklappen
Regenschirm & Acht den Schirm aufspannen, zwischen den Stäben hindurch eine Acht führen, den Schirm wieder schließen abstellen
Plane – drüber führen, darauf anhalten
Luftballons – an den Ballons vorbeiführen, daneben anhalten
Rückwärtsgasse vorwärts in die Gasse, bis die Vorderbeine wieder draußen sind. Rückwärts durch die Stangen-Gasse führen, bis das Pferd ganz draußen sind
Rappelsack – den Rappelsack nehmen und mitziehen, das Pferd durch die Gasse führen, der Führer bleibt neben der Gasse. Danach den Rappelsack wieder zurückbringen

Ich hatte Nacariño als ersten an der Hand und konnte noch einen Starter vor mir beobachten. Als ich mit Johannes die Strecken besprochen hatte, war mir eine Baumscheibe aufgefallen, die neben ein paar anderen an einem Stamm lehnte.

Podest kennt doch inzwischen jeder, dachte ich, aber die Vorderhufe auf so eine Baumscheibe zu stellen, das ist doch mal was anderes. Ich ahnte, dass diese Baumscheibe schwierig sein würde – aber nicht so. Es war schon schwer, die geführten Pferde da rauf zu stellen, bei den gerittenen gelang es keinem so richtig. Spannend! Die Pferde verstanden einfach nicht, warum sie da ihre Füße raufstellen sollten. Muss für sie so unlogisch wie ein Gullideckel gewesen sein 🙂

Ich stand am Zaun in der Nähe der Luftballon-Gasse in der Hoffnung, dass Nacariño die wahrnehmen und für gut befinden würde.
Wir waren dran, stellten uns auf, ich grüßte, und los ging’s. Ich lasse mal das Protokoll sprechen:

Slalom: Einleiten flüssiger gewünscht (Nacariño klebte an mir, zu süß, aber hier sollte er doch auf Distanz gehen…), anschließend schön gebogen – 8 Punkte

Baumscheibe: top – 10 Punkte (mein Podest-freudiger Nacariño ließ sich tatsächlich mit beiden Füßen auf der Scheibe abstellen und blieb dort einige Sekunden still stehen. Die Einsicht, dass dies nicht normal war, kam später)

Tonne: top – 10 Punkte

Regenschirm: leicht zögernd, sonst vertrauensvoll gefolgt – 9 Punkte

Plane: viel Vertrauen zur Führerin – 10 Punkte

Luftballons – gut – 10 Punkte (Nacariño kann schielen!)

Rückwärtsgasse: sehr harmonisch, Stange leicht berührt – 9,5 Punkte

Rappelsack: gut, ruhig, folgsam trotz dass dem Pferd der Rappelsack nicht geheuer war – 10 Punkte (auch hier schielte Nacariño anfangs ganz schön, in der Gasse war er super)

Ich freute mich riesig. Das war eine absolut großartige Runde gewesen. Ähnlich überraschend wie der Doma de Campo vor drei Wochen. Ich lobte und lobte und Nacariño war extrem kuschelig. Er hatte mir während der Prüfung schon dauernd seine Nase in den Nacken gedrückt und extrem viel Nähe gesucht. Endlich habe ich das gute Gefühl, dass er wirklich interessiert ist an Dingen, die ich ihm vor die Nase setze – wenn er das Tempo entscheiden darf. Aber er hat nicht eine Zehntelsekunde daran gedacht, sich zu entziehen. Er hat aufmerksam und willig mitgemacht. Das war einfach nur große Klasse!

Ich tauschte meine Pferde und ließ auch Dón in der Nähe der Luftballons gucken. Interssierte ihn überhaupt nicht, er wollte knutschen. Also standen wir da am Rand und küssten uns. Zu süß.

Wir waren dran – und auch hier gebe ich mal das Protokoll wieder:

Slalom: schöne Biegung in allen Bögen, schöne Linienführung – 10 Punkte

Baumscheibe: zögernd, gut gelöst (ich habe schließlich ein Bein raufgestellt, weil er so überhaupt keine Idee zeigte und mit einem zu großen Schritt drüber fiel) – 7,5 Punkte

Tonne: gut und sicher – 10 Punkte

Regenschirm: sehr schön und verbrauensvoll – 10 Punkte

(Von den nächsten drei Hindernissen gibt es keine Fotos – der Akku war leer… Da musste erst schnell die Kamera gewechselt werden… Aber Carsten war schnell wieder am Werk!
By the way… DANKE, Carsten, für diese so vielen super schönen Bilder!!)

Plane: sehr vertrauensvoll und sicher – 10 Punkte

Luftballons: cool und gelassen – 10 Punkte

Rückwärtsgasse: Gasse verlassen, ansonsten vertrauensvoll (beim 2. Mal gut) – 7,5 Punkte

Rappelsack: Pferd vertrauensvoll zur Führerin – 9,5 Punkte

Das hatten meine beiden tollen Pferde ja wohl einzigartig gut gemeistert. Ich freute mich wie verrückt über Dóns enorme Gelassenheit, vor allem über Nacariño. Das war pur großartig! Ausgerechnet er, der so diffizil sein kann mit diesen Dingen, hatte eine so tolle Runde gezeigt. Freu freu freu!!

„Diffizil mit diesen Dingen “ (die er ja nun eigentlich doch alle gerade eben schon gesehen hatte) wurde er nun im gerittenen Trail. Da überkam es ihn dann doch zwischendurch.

Erster Starter war aber erstmal Dón, der eine ähnliche Gelassenheit wie im geführten Trail an den Tag legte. Wie auch beim VFD-Turnier hatte ich allerdings direkt nach dem Aufsitzen einen ganz kurzen Moment, in dem er sich müde und leicht schwankend anfühlte. Ich cancelte gedanklich sofort das Gelände, wenn dieses Gefühl anhalten sollte, aber es waren wieder nur ein paar Meter, hier noch viel weniger als vor drei Wochen. Komisch, das kann ich nicht recht einsortieren. Dóns Motivation war ungebremst.

Die Reihenfolge war dieselbe wir zuvor, manche Hindernisse waren jetzt aber etwas anders anzugehen.
Das Slalom wurde im Zick-Zack im Schritt durchritten, und zwar kurz – lang – lang – kurz. Also gerade darauf zu, eine halbe seitliche Verschiebung bis neben die erste Pylone, eine lange Verschiebung bis neben die mittlere, eine lange Verschiebung bis neben die dritte, von dort noch eine halbe Verschiebung und geradeaus. Zu welcher Seite man beginnt, durfte man frei wählen, ebenso ob als Schenkelweichen oder in Travers-Stellung.
Dann sollten die Pferde wieder mit beiden Vorderbeinen auf der
Baumscheibe stehen.
Neben der Mülltonne wurde dem Reiter jetzt ein Softball angereicht, der vom Pferd aus in die Tonne geworfen werden musste. Die Entfernung war frei wählbar – wer sein Pferd nicht so nah an die Tonne bekam, musste halt besser werfen 🙂
Mit Blick zum Prüfer sollte dann zwischen den Stäben angehalten und der Becher umgesetzt werden.
Danach im Schritt über die Plane, darauf einmal anhalten.
Durch die Luftballon-Gasse, auch hier einmal anhalten.
In die Rückwärts-Gasse, bis die Vorderbeine wieder draußen sind, zurück bis das Pferd ganz wieder draußen ist. Wieder im Schritt rein, in der Gasse antraben.
Im Trab über die Plane, im Trab durch das Ziel, Schritt, vor den Prüfern halten, grüßen.

Dón war konzentriert und aufmerksam, und so legten wir gespannt los.

Slalom: sehr schön, kurz – lang – lang – kurz gut erkennbar – 10 Punkte (auch mit ihm gelang es mir, ganz akkurat die einzelnen Verschiebungen anzulegen, das war flüssig und sauber und fühlte sich total gut an)

Baumscheibe: zögernd, kurz gestanden, leider nicht still – 9 Punkte (ich habe echt nicht gespürt, wann er wo mit welchem Fuß drauf war. Die Scheibe schien immer tiefer in den Boden zu sinken. Ich versuchte es von beiden Seiten. Mir wurde irgendwann zugerufen, dass er drauf war, na dann – ich lachte und ritt weiter)


Ball / Tonne: gut – 10 Punkte (feiner Junge! Braves Halten, problemlose Ball-Übergabab, ruhiges Stehen, konzentrierter Wurf – passt!)

Becher umsetzen: gut – 10 Punkte (völlig cool. Mit warten hinterher. Großartig)

Plane Schritt: vertrauensvoll, gut still gestanden – 10 Punkte

Luftballons: 10 ohne Kommentar

Rückwärtsgasse: ruhig, gleichmäßig, gerade, etwas weniger Handeinwirkung gewünscht – 9 Punkte (schade, zuerst reichte wirklich das Schließen der Knie, aber nach vier Tritten fragte Dón nochmal nach, da brauchte ich dann leider kurz die Hände)

Plane Trab: super  – 10 Punkte

Wie lässig! Wie cool! Dón hatte spürbar Spaß an der Sache, machte ruhig und konzentiert mit und fühlte sich einfach gut an. Von Müdigkeit oder ähnlichen Tagestiefs keine Spur.

Nacariño war letzter Starter. Auch er fing großartig an.

Slalom: super – 10 Punkte (seine seitlichen Verschiebungen waren allerbest und es gelang mir auch, die wirklich akkurat anzulegen. Das fühlte sich toll an).

Baumscheibe: (Schluss mit super. Wie jetzt, da raufstellen? Wieso? Die Baumscheibe sah inzwischen durch matschige Hufe dem Erdboden recht ähnlich, das machte es für die Pferde immer schwieriger. Nacariños Podestfreude hätte bei einer Erhöhung ja angehalten, aber warum er sich hier draufstellen sollte, war ihm nicht klar. Für den Reiter war die Schwierigkeit, dass man nicht fühlte, ob die Pferde drauf waren oder nicht – das war so wenig Erhöhung und die war so schmal, dass ich überhaupt nicht abschätzen konnte, ob mal einer oder beide Füße drauf waren oder ob vielleicht doch eher keiner… Die war echt schwierig! Aber…:) zögernd, aber folgsam auf Reiterkommandos, beide Hufe drauf, aber nicht stillgestanden – 9 Punkte

Ball / Tonne: nicht getroffen (2. Wurf gut) – 8 Punkte
Nicht zu fassen. Da ließ Nacariño es doch nicht zu, dass mir Britta den Ball anreichte. Da war es wieder, das alte Ball-Problem. Und sie machte es schon vorsichtig, aber ich kam nicht ran. An die Tonne dann vorsichtshalber auch nicht mehr  – als ich Britta den Ball im Vorbeireiten schnell aus der Hand genommen hatte kam ich nicht an die Tonne. Zumindest nicht so, dass ich hätte werfen können – Nacariño positionierte sich imm so, dass ich in einem Bogen an ihm hätte vorbei werfen müssen. Ich ritt also ein paar Runden um die Tonne herum und peilte dabei immer einen Wurfmomoenet an, schließlich warf ich – und traf den Rand. Der Softball hüpfte mit einem kühnen Sprung davon. Och nö!! Doch. Ich grinste, nahm Britta den Ball noch einmal im Vorbeireiten aus der Hand, Nacariño wurde langsam unwirsch und fing wieder an, mit einem Vorderbein aufzustampfen, womit er einen nahenden Wutausbruch ankündigt, ich ignorierte das geflissentlich, peilte wieder im Kringel-Reiten die Tonne an – und traf. Na, geht doch! Nacariño war heilfroh, als ich ihn hier weglenkte.

Becher umsetzen: sehr gut – 10 Punkte (war das schön! Nachdem er zu Hause ja zwischen den Stäben nicht mehr anhalten konnte und ich das dann einen Tag ganz bewusst noch und nöcher gemacht habe, stand er wie eine Eins. Augen zu – „Ach, das…“ – super!!)

Plane Schritt: zunächst unruhig, anschließend super still gestanden – 9,5 Punkte

Luftballons – 10 ohne Kommentar (Das war echt großartig. Nahezu desinteressiert)

Rückwärtsgasse: gerne mit weniger Handeinwirkung, aber gut korrigiert – 9 Punkte (die eine Stange kam so bedenklich nahe, als Nacariño so schief ging, da musste ich mal kurz einreifen)

Plane Trab: 10 ohne Kommentar 🙂

Die Siegerehrung war wieder für beide Prüfungen zusammen, zuerst der geführte, dann der gerittene Trail. In dieser Prüfung hatten wir die meisten Starter – 12 hatten genannt und nun waren nur noch 8 übrig geblieben, aber immerhin!
Ich kriegte mich kaum ein vor Freude, als tatsächlich Nacariño als Sieger aufgerufen wurde! Und es war denkbar knapp – nur ein einziger Punkte trennte ihn von der Zweitplatzierten, und wiederum nur ein Punkt trennte diese vom dritten Platz – und das war Dón! Danach wurden die Punktabstände ein bisschen größer, aber die Pferde hatten das durchweg gut gemeistert. Ich freute mich irrsinnig über Nacariños Sieg.

Den gerittenen Trail – und das passte zu meinem Gefühl – gewann Dón mit dieser wunderbar lässigen, sauberen Runde. Und da es offenbar nur meinen beiden Pferden gelungen war, beide Vorderfüße auf die Baumscheibe zu stellen, und diese die anderen vermutlich Punkte gekostet hatte, wurde Nacariño hier auch noch Zweiter.
Hier lagen die Punktzahlen auch schon etwas deutlicher auseinander.

Also ich weiß ja, dass es für die anderen immer so eine Sache ist „gegen mich anzutreten“. Gut, kommt ja ganz auf die Erwartung an, die man hat, wenn man so etwas nennt – will ich den Spaß haben, mich mal bestimmten Anforderungen stellen, mir eine Beurteilung holen von einem Außenstehenden und mit meinem Pferd einfach mal etwas anderes erleben, dann ist es im Prinzip völlig egal, wer noch dabei ist – oder will ich gewinnen. Dann ist es vielleicht nicht mehr so egal. In der Dressur ist es wohl tatsächlich nicht ganz einfach, meine Pferde zu schlagen, wenn die gut gehen und ich anständig reite. Manchmal gelingt mir das ja. Und die beiden gehen trotz ihrer Jugend schon manchmal ganz schön gut.
Im Trail finde ich aber nun, sind die Chancen ziemlich gleich verteilt. Natürlich macht unser großes Grundvertrauen hier einiges aus – aber das können andere zu ihrem Pferd auch herstellen. Ich habe mich mit den Dingen vorher befassst (wobei ich der Fairness bewusst darauf geachtet habe, dass auch meine Pferde nicht alle Hindernisse kannten, obwohl es zum großen Teil meine eigenen sind. Aber allen waren die Anforderungen bekannt, jeder konnte sich vorher damit befassen und das üben und jeder darf auch gerne eigene Hindernisse für so eine Prüfung zur Verfügung stellen, die er dann nur mitbringen muss – sonst sind es halt meine, die meine Pferde natürlich irgendwann dann auch kennen. Jetzt kannten sie einiges noch nicht, weil das erst kurz vorher gebastelt wurde).
Dass ich nun beide Trails gewonnen hatte (schön, mit jedem Pferd einen, fand ich total toll), führte ich darauf zurück, dass ich mich wirklich mit den Anforderungen befasst hatte und – an dieser Stelle ein Dank an Roger und Nicola Rahn, die mir durch den Extreme Trail seit April eine neue Blickrichtung in puncto Genauigkeit geben – dass sich mein Führstil deutlich verbessert hat. Das habe ich hier wirklich gemerkt und es wurde belohnt.

Im Gelände hoffte ich natürlich sehr auf einen Sieg, aber da kann eine Menge passieren. Also mal schön Augen und Ohren offen halten. Ich freute mich den ganzen Tag lang schon wie verrückt auf diesen Geländeritt (in meinem tollen alten Springsattel…), und nun riss so richtig der Himmel auf, die Sonne schien, die Temperatur war perfekt und ich war einfach nur heiß drauf. Das alte Militaryherz schlug, ich merkte, wie ich plötzlich wieder diese Konzentration und Fokussierung von früher fühlte – da stehe ich hier mit zwei jungen Spaniern und habe das riesige Glück, dass beide wunderbar talentiert springen, und die schon totgeglaubte Zeit von Geländeprüfungen ist auf einmal wieder da.

Wir gingen die Strecke mit den Pferden ab, ich natürlich mit Handpferd. Über die Plane ließen wir die leider nur noch 4 Starter einmal im Schritt rübergehen – das ist eine große silberne, auf der standen nun auch noch ein paar kleine Pfützchen, also die war schon nicht ganz einfach. In einer Gasse aus Bäumen und Büschen lag diese Plane.
Die Linienführung war auch deutlich diffiziler als im leichten Kurs, den ebenfalls 4 Starter gerade erfolgreich hinter sich gebracht hatten.

Ich war natürlich wieder erster und letzer Starter, das ließ sich ja auch gar nicht anders machen, und da ich schon auf Dón saß, ging er auch als erstes an den Start.
Ich kann gar nicht beschreiben, was in mir vorging, als ich nach dem Grüßen wendete und auf die Startmarkierung zuritt. Ich fiel wirklich in alte, geliebte Zeiten zurück.
Ich muss nie mehr einen Springparcours reiten, das reizt mich wirklich nicht mehr so, aber Gelände…

Lechz…
Ich wollte mit Nacariño die perfekte Runde hinlegen und hoffte bei Dón nur, ihn halten zu können und dass er mir nicht zu viele Arme ausriss. So der Plan, nachdem ich das letzte Mal hier war. Die Jungs hatten eigene Pläne. Und setzten sie um.

So sah unsere Geländeprüfung aus:
Einreiten im Trab (im Bild unten rechts), vor den Prüfern (vor dem Wall) halten, grüßen
Wenden, durch die Startmarkierung reiten, ab jetzt Gangart frei wählbar
1 – Wellenbahn
Pflichttor
2 – Langholz
3 – Slalom mit drei Volten (rechts / links / rechts), davon mindestens eine in einer anderen Gangart
4 – Gasse mit Plane
5 – kleine Birke
6 – Senke mit Aussprung
7 – Teich
8 – Birke an der Wellenbahn
Pflichttor
9 – Fichte am Teich
10 – Wall
11 – Gasse mit Plane 
12 – Teich

Inken hatte zuvor gesagt, dass wir während eines Hindernisses nicht die Gangart wechseln sollten, dazwischen durften wir alle Gangarten reiten. In der Wellenbahn war das noch relativ unkritisch, für das Wasser, den Wall und die Senke würde das schwierig werden.

In Klammern stehen die Bemerkungen aus dem Protokoll:

Dón trabte hochmotiviert über die Wellenbahn und fügte sich, als ich seine Frage nach einem Angaloppieren ignorierte (guter Weg, rhythmisch, gutes Tempo).

Wir trabten durch das Pflichttor auf das Langholz zu und ich ließ ihn selbständig angaloppieren, als wir auf gerader Linie zum Sprung waren. Es passte, fühlte sich gut an (gehorsam) und ich konnte danach gut wieder durchparieren – nanu?
Offenbar hatten ihm die Prüfungen davor gut getan, er war echt gut händelbar.

Im Slalom mussten drei Volten (rechts / links / rechts) geritten werden, mindesten eine davon in einer anderen Gangart. Ich trabte die beiden ersten und galoppierte die letzte – die wurde etwas ausladend (gut angelegt, Galopp etwas rhythmischer).

Die Gasse mit der Plane machte Dón prima (gut), dann kam ein großer Bogen zur kleinen Birke (guter rhythmischer Trab, gutes Tempo), die kleine Birke ließ ich Dón wieder selbst anziehen und auch die passte und fühlte sich einfach gut an. Das war nicht mein heißer, springgeiler Dón, das war ein rittiger, aufmerksamer, gehorsamer. Meine Güte, war das schön.


Der heiße, springgeile Dón kam allerdings jetzt – in der Senke. Ich galoppierte am Anfang der Senke an, weil wir ja in einer Gangart bleiben sollten und ich den Aussprung schon aus dem Galopp heraus nehmen wollte. Der stand links von einem sehr breiten, einigermaßen kapitalen Stamm. Dón sprang an, galoppierte in die Senke, sah da oben den richtige Sprung und nahm den links daneben kein Stück für voll. Er zerrte zum großen, ich zum kleinen, er dachte, ich habe einen Knall und ließ sich widerwillig nach links dirigieren, umd dann etwas eckig kantig über dieses Nichts von Hindernis (seine Aussage) zu springen. Wieso ich sowas anreite, wenn doch was richtiges daneben steht, war ihm nicht klar. Ich liebte ihn dafür, mir fehlte aber gerade ein wenig die Zeit, ihm zu erklären, warum wir jetzt den und nicht den anderen springen müssen.
Von hinten sah das offenbar nicht so heftig aus, wie es sich anfühlte, denn im Protokoll stand „Weg gut angelegt, Pferd gehorsam“. Naja, stimmte ja irgendwie auch. Schön, dass die uns nur von hinten sehen konnten.

Nun war Dón aber „an“. Holla. Zum Glück kam nicht gleich nochmal Holz, sondern erst der Teich – endlich ins Wasser!! Der wurde zwei Mal durchritten, das erste Mal wollte ich traben, das zweite Mal galoppieren. Das gelang (Weg gut angelegt, Pferd gehorsam).

Es ging in einem Rechtsbogen zur Birke, ich wollte angaloppieren, Dón meinte, die Sache bei der Senke sei noch nicht zu Ende diskutiert und zog dorthin. Er sprang links an. Ich brauchte aber Rechtsgalopp und keine Diskussion über zu kleine Sprünge und korrigierte den Galopp (falsch angaloppiert, gut korrigiert). Ich glaube, es war das erste Mal, dass ich so weit vor einem Sprung angaloppierte. So rittig war Dón am Sprung weiß Gott noch nicht, dass ich fünzig Meter vorher angaloppiere, deswegen reite ich ja alles aus dem Trab an und lasse idealerweise das Pferd selbst anspringen – dann passt es in der Regel immer.
Hier nun war mir nach Buschreiten, ich ließ Dón galoppieren, fixierte die Birke – und der Sprung wurde super. Groß, kraftvoll, einen Hauch zu kernig (Birke sicher).

Im Pflichttor trabte ich kurz, das war eine enge Wendung, danach ließ ich Dón wieder angaloppieren und fixierte die Fichte am Teich. Dieser Sprung wurde noch etwas kerniger, aber auch der passte und das Gefühl war einfach geil. Ich fixierte den großen Wall und das war der Moment, wo Richter und Schreiber diesen verlassen sollten, damit sie nicht in Gefahr sind und das Pferd sie nicht als optische Bremse auf dem Wall empfindet. Von dort oben zu richten bietet sich an, weil man die totale Übersicht, aber für die letzten drei Hindernisse mussten sie da runter, den Rest konnten sie von unten beurteilen.
Sie gingen aber nicht, blickten mir entgegen, ich hatte keine Lust, auch nur einen Hauch Tempo rauszunehmen, fühlte sich gerade zu toll an, also rief ich „Jetzt müsst Ihr runter!“ und – zack! hüpften sie alle vom Wall. Dón sprang mega beherzt da rauf und stoppte sofort auf meine Hilfe, denn nun musste im rechten Winkel gewendet und im Schritt runtergegangen werden. Er machte das einfach großartig (sicher).

  

Auf dem Weg zur Gasse (ich wollte über die Plane galoppieren – fühlte ich Kreuzgalopp. Nanu? Ich korrigerte nicht groß rum, das kann Dón schließlich selbst. Tat er auch. Er ging super über die Plane (Weg zur Plane Kreuzgalopp, Plane sicher) und in der Wendung zum Teich stellte ich klar, dass ich nochmal volle Kraft voraus haben wollte. Das ließ Dón sich nicht zwei Mal sagen. Er galoppierte durch den Teich, dass es nur so eine Wonne war (sehr souverän).

Trab, Wendung, Ziel, Schritt, Halt, Gruß, fertig. Schade…
Weitermachen!!

War das toll…!! Ich war völlig begeistert und spürte förmlich, wie meine Augen leuchteten. Das war richtig, richtig klasse. Gut, die Wendung in der Senke vielleicht, räusper, aber sonst… Military, mein altes Zuhause. Mir war nicht klar, wie sehr ich dieses Gefühl liebe und lebe.

Die Unterpunkte des Protokolls gaben noch folgendes her:
Durchlässigkeit und an-den-Hilfen-stehen des Pferdes: gut
Rhythmus, Übergänge, Gleichgewicht: gut
Freude des Pferdes an der Mitarbeit, Vertrauen zwischen Reiter und Pferd: ist da 🙂

Inken sagte danach zu den anderen „Ich will zwar sonst im Hindernis dieselbe Gangart sehen, aber am Wall müsst Ihr es so machen. Das war perfekt!“

Für mein Gefühl noch perfekter gelang diese Wendung tatsächlich Nacariño. Mit dem ich doch eigentlich den Siegesritt hinlegen wollte. Gut, der Wall gelang hammermäßig, aber zum Sieg gehört noch mehr. Zum Beispiel, dass hinterher alle Sprünge so stehen wie vorher. Öhöm…

Aber von vorne. Ich war noch total beseelt und gleichzeitig völlig heiß auf „nochmal!!“, Nacariño fühlte sich gut an, ruhig, aufmerksam, und hinter seiner Ruhe vermutete ich keinen Moment einen Hauch von Müdigkeit, ich wusste, dass ich ihn auf ein Fingerschnipsen würde anschalten können, also ließ ich ihn bis zum ersten Sprung noch aus, damit er die Wellenbahn in einer Gangart gehen würde.

Ich geierte der Strecke richtig entgegen. Ich hatte solche Lust. Nacariño ahnte, das irgendwas kommt, wusste nicht, was, wollte sich in seine Unsicherheit zurückziehen, das trieb ich ihm mit meiner Vorfreude aber aus, er wusste nicht so recht, was er mit dieser Situation machen sollte. So übermotiviert erlebt er mich vielleicht auch nicht oft. Aber ich war gerade high.

Wir trabten zum Prüfer, grüßten, wendeten, trabten durch den Start und dann ging er wunderbar rhythmisch über die Wellenbahn (sauber angelegt, sauber durchgeritten, Grundgangart und Tempo gut). Er trabte brav durch das Pflichttor, suchte mit dem Blick schon, wohin ich guckte (dieses Pferd hat ein Militaryherz, das ahne ich schon länger), fokussierte mit mir gemeinsam das Langholz, sprang davor von selbst an und ging das lässig und sicher (Weg zum Langholz gut, Langholz souervän).

Nun kam das Slalom mit den drei Volten, und auch mit ihm trabte ich die beden ersten und galoppierte die letzte (gut durchdacht, gute Linienführung, Galopp sehr gut gestellt und gebogen, guter Rhythmus). Wenn das so weitergeht, ist ein Sieg greifbar.

Vor der Gasse machte Nacariño kurz Kulleraugen, schnorchelte einmal, trat mit einem großen Schritt auf die Plane – und ging drüber (kurzes Zögern, gut gelöst).

Es folgte der große Bogen zur kleinen Birke (schöner Leichter Sitz im Trab), die er weich und lässig übersprang.

Wir galoppierten in die Senke – und verschenkten den Sieg. Auch Nacariño zog den rechten Sprung an und nahm den daneben überhaupt nicht für voll, und er ließ sich nicht so leicht überreden, nach links zu gehen, wie Dón. Er zerrte mich zu dem großen Stamm, es wurde eng, zwischen den Sprüngen lag ein schöner dicker Feldstein, „Na dann spring zur Not über den“ dachte ich, allerdings stand da auch ein Bäumchen. Nacariño hatte verstanden, dass es dieses Mal nicht der große Stamm sein sollte und ich hätte nicht gedacht, dass wir den kleinen jetzt noch treffen konnten. Er traf ihn – und zwar mit voller Wucht. Nacariño schaffte es tatsächlich, dieses Stämmchen mitzureißen und umzukippen. UPS… (Hindernis gerissen, Linienführung vielleicht lieber im Trab)

Sowas… Sammeln, weiter! Der Teich. Nacariño war unverändert angriffslustig und richtete seinen Blick auf den Teich. Er trabte sehr gehorsam rein und durch.

In der Rechtswendung danach galoppierte auch er links an, ich ließ ihn weitergaloppieren, weil gleich eine gerade Linie folgte, da war es egal. Ich wollte auch mit ihm die Birke aus einer längeren Galoppstrecke anreiten.

Wie auch mit Dón gelangen die Birke, das Pflichttor im Trab, und die Fichte am Teich aus einer längeren Galoppstrecke souverän. Nacariño ließ sich zurücknehmen und vorschicken, sprang kraftvoll und sicher, es war einfach nur toll. Ich ging völlig auf in diesem Rhythmus, diesem Vorwärts und diesem Kampfgeist.

Wir galoppierten zum Wall – dieses Mal gingen Prüfer und Schreiber von selbst runter – und Nacariño sprang den sicher und kraftvoll hoch und ließ sich dann aber wirklich am Zwirnsfaden oben parieren und wenden. Absolut gigantisch. Er zögerte ganz leicht vor dem Abstieg, ging dann aber sicher und gerade runter (souverän).

Die Plane von der anderen Seite war kein Thema (gehorsam), dahinter galoppierte ich an und ließ vor dem Teich keinen Zweifel, dass wir da durchgaloppieren würden, denn von hier ging es steiler runter in den Teich und Nacariño wollte kurz zögern. Er merkte meine Entschlossenheit und trat in großen Sprüngen das Wasser tot (schön innerhalb einer Gangart).

Wenden, Trab, Ziel (Weg gut), Halten, grüßen (geschlossen, sicher).
Ende. 
Wie schade…

Durchlässigkeit und an-den-Hilfen-stehen des Pferdes: gut
Rhythmus, Übergänge, Gleichgewicht: sicher
Freude des Pferdes an der Mitarbeit, Vertrauen zwischen Reiter und Pferd: sieht man dem Paar an (der schönste Satz in diesem Protokoll)

Trotz des verschobenen Sprunges sah ich nach meinem Gefühl mal wieder Nacariño vorne. Irgendwas stimmt mit meinen Gefühlen nicht. Dón gewann diese Prüfung mit einer 9,0, und offenbar hatten wir es Inken nicht leicht gemacht – wir lagen jeweils nur ein Zehntel auseinander. Nic (die vorher noch sowas sagte wie „gegen mich könne man in sowas ja gar nicht antreten, da könne man ja gar nicht nach vorne kommen) wurde mit Navarre tolle Zweite, Julia und Botijo wurden Dritte und Nacariño Vierter mit 8,7. Verstanden, bei Inken sollte man die Sprünge am Platz lassen 🙂

Und dann gab es ja noch die kombinierte Wertung, für die leider nur noch Nic und ich übrig geblieben waren, da vergoldete Inken meinen Grauen (von dem sie bekennend ein Fan ist, mir war entfallen, dass sie sowas schon letztes Jahr in Hohenlockstedt geäußert hatte, aber hier sagte sie es wieder, sie mag uns beiden zusammen einfach) endgültig.

Wir einigten uns auf eine Ehrenrunde durch den Teich und danach gingen wir noch über die Plane und dann ritt ich doch nochmal den Wall hoch (da wurde Nacariño sehr lustig „im Abgang“) und die kleine Birke… Nacariño als Handpferd legte ein-, zwei Mal einen Stop ein und ließ sich ziehen, nachdem Nic aber einmal von hinten nachgetrieben hatte, lief er toll mit.
Ich warnte die anderen, die hinter mir in den Teich wollten „Passt auf! Kann sein, ich muss gleich bremsen, wenn das Weiße ausgeht!“ – und wie immer, man muss nur mal drüber reden, zog Nacariño im nächsten Moment an Dón vorbei und ging zuerst in den Teich. Einfach unglaublich, dieses Pferd. Es machte einfach nur Spaß mit den beiden.

  

Ich war so happy. Das war so schön. Ich möchte nie wieder einen „normalen Warmblüter“ haben, eigentlich auch nie wieder FN-Turniere reiten, aber über so ein paar Stil-Geländeritte dachte ich auf der Heimfahrt schon nach. Und dann fiel mir ein, was mir insbesondere ein Herr Scheunemann damals so um die Ohren gehauen hat und für was für eine Art Reiterei es heutzutage Achten und Neunen gibt und dann blicke ich doch lieber entspannt auf das zurück, was war und genieße sowas mit diesen beiden Wahnsinns-Pferden jetzt eben ohne die FN. Ich kann auch alleine. So.
Ich habe halt Spaß an Prüfungen, aber die sind mir auf diesem Gebiet dann wohl eher verwehrt. Beim Landesbreitensportturnier gäbe es das noch – da sitze ich zwei Tage am Stück am Richtertisch. Also auch keine Chance, dass ich da mal Busch reiten könnte.

Lade ich halt meine Jungs auf und fahre zu Geländestrecken hin und wir machen uns da einen schönen Tag ohne Prüfungsanforderungen. Heist ist toll, aber Johannes will jetzt die Strecke (zumindest den Innenteil) wieder sperren, also muss ich mal die Geländeplätze in der Umgebung ausfindig machen, zu denen man ohne Trainer oder Lehrgang hinfahren kann. Die Jungs springen beide so gerne und so toll und lassen sich jetzt auch richtig auf was ein, das ist echt ein Geschenk. Nach den Erfahrungen mit Negócio und Joya hätte ich im Leben nicht damit gerechnet, an zwei dermaßen gut und gerne springende Iberer zu geraten! Ein Traum. Und der muss ja kein Traum bleiben. Den kann man ja ein bisschen leben 🙂

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ERGEBNISSE:

Dressur I

1. Julia H. – Fey (22 Haflinger/Dt.Reitpony)  8,5

2. Tanja P. – Flamenco (14 P.R.E.) – 7,8

3. Doris D. – Fynn (7 Trakehner/Quarter-Horse) – 7,5

4. Maja H. – Dancing Doreen (20 Hannoveraner) – 6,8

5. Julia M. – Botijo (8 P.R.E.) – 5,9
(ohne die extrem eigenwillige Linienführung wäre die Note viel besser gewesen)

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Dressur II


1. Querendón – 9,0

2. Nacariño – 8,8

3. Julia H. – Fey – 8,0

4. Nicole Y . – Navarre (7 P.R.E.) – 7,8

5. Gerlinde S. – Winja (16 Hannoveraner) – 7,5

Trail geführt

1. Nacariño – 76,5

2.Gerlinde S. – Winja – 75,5

3. Querendón – 74,5

4. Nicole Y. – Navarre – 72,5

5. Julia H. – Fey – 72

6. Doris D. – Fynn – 67,5

7. Tanja P. –  Flamenco – 66

8. Julia M. – Botijo – 63

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Trail geritten

1. Querendón – 78

2. Nacariño – 75,5

3. Navarre – Nicole Y. – 72

4. Winja – Gerlinde S. – 66,5

5. Fynn – Doris D. – 56

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Gelände I

1. Dancing Doreen – Maja H. – 8,0

2. Fey – Julia H. – 7,9

3. Flamenco – Tanja P. – 7,5

4. Fynn – Doris D. – 7,0

Gelände II

1. Querendón – 9,0

2. Navarre – Nicole Y. – 8,9

3. Botijo – Julia M. – 8,8

4. Nacariño – 8,7

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Kombination I (Dressur I, Trail geführt, Gelände I)
1. Julia H. – Fey – 236 Punkte
2. Tanja P. – Flamenco – 219 Punkte
3. Doris D. – Fynn – 215,5 Punkte

Kombination II (Dressur II, Trail geritten, Gelände II)
1. Querendón – 258 Punkte
2. Nacariño – 250,5 Punkte
3. Navarre Nicole Y. – 239 Punkte

Kurz entschlossen: Fortsetzung folgt am 3. Oktober!! 🙂

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