17.9. – Freizeitreiterturnier in Tangstedt

Auf facebook entdeckte ich eine Ausschreibung mit witzigen Prüfungen, die in weiten Teilen dem enstsprachen, was ich mag an Turnieren – u.a. eine Variante der „Offenen Kür der Reitweisen“, hier hieß diese Prüfung „Show your horse“. Daneben reizten mich geführter und gerittener Trail, ein Action-Parcours, den man erst am Turniertag selbst erfahren würde und der Führzügel-Wettbewerb mit Kostüm für Kinder bis 10 Jahren.

Ich fragte an, ob ich als Ausbilder nennen dürfe, und wir besprachen, in welchen Prüfungen ich starten konnte und in welchen lieber nicht (Caprilli reizte mich natürlich. „Wie viel Erfahrung hast Du im Springen?“ – Äh, meine Pferde nicht so viel, aber ich vermutlich mehr als alle anderen zusammen. Hmmm, na gut, dann fairerweise lieber nicht…)

Ich fuhr einen Abend hin, um genau zu wissen, welcher Stall das ist, stiftete noch ein paar kleine Ehrenpreise und einen Pokal, sah mir den Trail-Platz an – und starrte auf einen Vorhang, um genau zu sein, gefühlt eine Wand aus Ikea-Bällen. Lieber Himmel!!
Da sah ich meine Jungs nicht im ersten Anlauf durchgehen. Im zweiten ehrlich gesagt auch nicht. Das mussten sie kennenlernen, wenn da unser Trail nicht zu Ende sein sollte.

Wenige Tage später kamen 200 bunte Bälle bei mir an und dann hatten wir einen äußerst witzigen Abend bei Meike, an dem wir einen Bällevorhang bastelten, der zwar nur etwa halb so groß war wie der in Tangstedt, aber um den Jungs klarzumachen, dass man da einfach so durchlaufen kann, reichte er allemal.

Eine Woche hatte ich noch. Beim ersten Test war klar, dass sie da keinesfalls auf Anhieb durchgegangen wären. Ich hängte den also an drei Tagen auf meine Garrocha und diese in den Stalleingang. So konnte ich durchführen und durchreiten und die zehn Fäden mit jeweils 20 Bällen mit engeren oder weiteren Abständen herunterhängen lassen.
Am ersten Tag Kulleraugen und wildes Geschnorchel, insbesondere bei Nacariño, am dritten Tag gähnten sie bei dem Anblick – „Ach, das…“
Um den Bällevorhang machte ich mir also keinen großen Kopf mehr, war aber super, das vorher gemacht zu haben. Und der Vorhang ist echt witzig!

Ich habe ja auch immer Spaß daran, die Kids auf’s Pferd zu lassen und mit denen was zu machen, Señorita kennen sie inzwischen alle und machen das prima, und hier wollten wir neben unserem schönen Señorita-Bild, das in Eutin so toll geklappt hatte, noch den Kostüm-Führzügel-Wettbewerb mitmachen. Ich gedachte, Nacariño zu führen mit Charleen im Sattel, Meike würde Dón führen mit Sönke im Sattel.
Sönke bekam kurz vorher nochmal eine richtige Angst-Phase und wollte nicht, aber dann erzählte ich ihm nochmal ein bisschen, wie viel Spaß wir da doch haben würden und dass es fast nur Schritt und ganz wenig Trab sei und er so hübsch aussehen würde…
Schließlich wollte er doch wieder.
Wirklich geübt haben wir das Ganze immerhin ein Mal. Mut zum Risiko.

An dem Bälle-Bastel-Abend überlegten wir dann auf den Kostümen herum. Die grobe Idee stand. Meike und Sönke als Schmetterlinge, Charleen und ich als Vaqueros. So wie letztes Jahr mit Kimi beim Führzügel-Trail in Hohenlockstedt. Für mich nicht viel Umzieharbeit, da bei der Zeiteinteilung, die ich inzwischen kannte, schon absehbar war, dass da einiges durcheinander geraten würde und ich zum doll Umziehen keine Chance haben würde.
Charleen fiel aber aus den Vaquero-Sachen noch ziemlich raus, sah ein bisschen doof aus, und irgendwie stand plötzlich Pippi Langstrumpf im Raum. Nacariño als Kleiner Onkel, Charleen als Pippi, ich als Fräulein Prysselius, die „Prusseliese“.
Ich war sofort Feuer und Flamme, sah Nacariño schon als Knabstrupper vor mir, aus einem der Kinderzimmer tauchte ein kleiner Herr Nilsson auf, den Charleen auf die Schulter bekommen sollte – die Idee nahm schnell Form an.
Ich hatte es mir allerdings einfacher vorgestellt, mein Kostüm zusammenzukriegen.
Wir hatten noch einen kleinen Teil eines Pippi-Films angeschaut, in dem die Prusseliese zu sehen war – 60er-Jahre-Kleid, weiße Handschuhe, Handtasche, ganz wichtig: der Hut.
Sollte machbar sein.
Hatte ich schon erwähnt, dass wir noch eine Woche Zeit hatten?

Dem Internet sei Dank. Ich wühlte zwei Nächte lang online in Kleidern, gab dann entnervt auf und färbte eines von meinen um – zwar nicht ganz in dem Stil, den ich suchte, aber immerhin. Es war mal beige und wurde nun längst nicht so blau, wie ich dachte, der Stoff war ziemlich färbeunwillig. Ich kaufte ebay leer und in den nächsten Tagen trudelten ständig Päckchen ein – das machte schon Spaß, ich hatte eine ungeheuer niedliche Handtasche entdeckt, die weißen Handschuhe, einen tollen Hut – alles Sachen, die ich so niemals tragen würde – wobei, der Hut könnte im nächsten Sommer Spaß machen!
Es kamen für Nacariño schwarze Klebepunkte an und ich kaufte Extensions – in bunt mit kleinen Schmetterlingen für meine Kür in „Show your horse“, und einige Elemente aus dem Equipment konnten dann gleich Meike, Sönke und Dón für den Führzügel-Wettbewerb nutzen.
Hatte ich irgendwie mal gesagt, ich sollte nicht zu viele Umzieh-Aktionen planen, weil die Zeit ziemlich knapp werden könnte? Tja, die Prusseliese hatte nichts, aber auch so gar nichts mit irgendeinem meiner sonstigen Outfits zu tun. Unterhose und BH konnte ich anlassen, das war’s dann aber auch. Mehr Umzieh-Action geht nicht, und dann auch noch Dón mit Schmetterlingen bestücken und aus Nacariño einen Knabstrupper machen…

Ich weiß im Nachhinein nicht mehr genau wie, aber wir haben es geschafft. Alle haben mit angefasst, alle Hände wuselten um und an den Pferden, Kindern, Führern herum und wir sahen schließlich einfach nur großartig aus. Wahnsinn!!

Aber mal von vorne, denn der Tag an sich begann für mich mit dem geführten Trail. Folgende Aufgaben waren verlangt:

Im Schritt die Bahn betreten, bei 1 halten und grüßen.
2 – Im Schritt in die Stangengasse, am Ende halten, das Pferd bis zum Ende rückwärts richten, danach vorwärts raus (Bonus: Führer bleibt am Ende der Gasse stehen)
3 – im Schritt durch den Bällevorhang
4 – im Schritt die Brücke überqueren (Bonus: auf der Brücke drei Sekunden Stillstand)

5 – Slalom im Trab
6 – im Schritt über die Matte (Bonus: auf der Matte drei Sekunden Stillstand)
7 – im Schritt über den Stangensalat
8 – Labyrinth im Schritt, auf den Geraden jeweils drei Sekunden Stillstand

9 – Klappersack nehmen, auf dem Boden klappernd bis zum zweiten Ständer ziehen
10 – Halten und grüßen 

Nacariño war erster Starter. Ich wollte zur Grußaufstellung gehen und warten, wurde auf dem Weg dahin aber ausgebremst von einer ziemlichen Rüge, ich sei noch nicht reingerufen worden. Äh, ich wollte ja auch warten da vorne…
Na gut, wieder zurück, halt am Eingang gewartet. Eine der beiden Prüferinnen rief „Ok!“ in meine Richtung, ich ging los, sie rief „Stop!“ und sah mich böse an und nun war ich vollends verwirrt. Mit dem Ok war offenbar nicht ich gemeint.

Irgendwann meinte sie dann tatsächlich mich. Ich grüßte und wurde darüber aufgeklärt, dass ich nicht auf der Liste stünde. Hä?? Ich stehe doch da… Ja, aber da ist kein Haken dran. Ob ich nicht bei der Meldestelle Bescheid gesagt hätte? Äh, nein, da ich ja auf der Liste stand, nicht. Da müsse ich schon Bescheid sagen, dass ich da sei und meinen Umschlag abholen… Ok…
Ich also mit Nacariño an der Hand losgetrabt, an der Meldestelle Hallo gesagt, meine beiden Umschläge geholt, aber mangels Zeit jetzt nicht reingeguckt, zurück auf Los. 
Äh, zum Start.


(Dieses und einige weitere Fotos hat Sabrina Weier gemacht – 1000 Dank dafür!!)

Ich durfte anfangen. Den Bonus in der Rückwärtsgasse überließ ich anderen, da Nacariño noch nicht so rückwärts geht, dass ich vorne stehen bleiben kann. Er geht zwar sehr gehorsam auf Distanz, ich muss ihn nicht berühren, aber mitgehen muss ich schon.
Das machte er sehr schön. Wir bekamen 7 von 8 Punkten.


Er ging lässigst durch den Bällevorhang – super! Der Bastelabend hat sich gelohnt!
4 von 5 Punkten (wo hatte ich denn den einen verschenkt?)


Die Brücke war auf Paletten gebaut, darauf eine gute, feste Matte. Tolle Brücke. Diese war auch noch mit Strohballen eingerahmt, also da konnte im Prinzip nichts schiefgehen.
Ging es auch nicht, Nacariño kam ganz brav mit und blieb ganz ruhig stehen. 6 Punkte, aber ohne Zusatzpunkt, und wieder weiß ich nicht, wo ich den einen verschenkt habe.

Trabslalom war super – jedenfalls für mein Gefühl. Im Protokoll tauchen hier nur 4 von 6 Punkten auf, keine Ahnung, was ich dafür hätte anders machen sollen. Und wieder einmal nerven mich diese 08/15-Protokolle, ohne Kommentare, ohne Anhaltspunkte, warum diese und keine andere Punktzahl. Ohne Aussage, ohne Lerneffekt. Na, sei’s drum.

Auf der Matte blieb Nacariño super brav stehen und wollte dringend das kleine Stoff-Pferd begrüßen. Zu niedlich 🙂
Maximale Punktzahl mit Bonus für den Stillstand wären 9 gewesen. Wir bekamen 7.

Beim „Stangensalat“, der wie die Rückwärtsgasse nicht aus Stangen, sondern aus Dual-„Stangen“ bestand, stieß Nacariño mit einem Vorderhuf an und erschreckte sich natürlich. Dann ging er aber mutig mit und brav drüber. 3 von 5 Punkten, hier mal nachvollziehbar.

Er ließ sich brav durch das Labyrinth führen und genau so brav auf jeder Geraden anhalten. 6 von 8 möglichen Punkten. Aha…??

Ich nahm sehr behutsam den Klappersack vom Ständer, das hatte ich zu Hause nochmal gemacht, aber geheuer war ihm das nicht. Beim Führen ging’s, den vom Pferd aus neben mir herzuziehen war mit Nacariño im Moment ein Thema, an das ich nochmal rangehen musste. Er ging querwärts seitwärts schnorchelnd neben mir her und bekam dafür immerhin 4 von 6 Punkten. Mal eine nachvollziehbare Punktzahl.



Das Halten und Grüßen wurde jeweils bepunktet, maximal 2 Punkte gab es dafür (wusste ich vorher nicht), für das erste Grüßen bekamen wir 2, für das letzte Grüßen einen Punkt.
Und dann gab es noch maximal 3 Punkte für das harmonische Miteinander (Können des Reiters, Kooperationsbereitschaft des Pferdes, Ruhe, Gelassenheit etc.) – wir bekamen 2.
Wie ich später beim Lesen des Protokolls feststellte, war das aber immer noch 1 Punkt mehr als die Harmoniepunkte der Startnr. 27, die die gleiche Gesamtpunktzahl hatte. Aufgrund meines „höheren Harmoniewertes“ waren wir später vor der 27 platziert.
Da wusste ich natürlich von den Protokollen und Punkten noch nichts, die las ich ja erst abends zu Hause. Ich warf nochmal einen Blick auf die Starterliste und stellte fest, dass ich in dieser Prüfung erst mit Dón hätte starten sollen. Ich rollte die Augen – in allen Prüfungen war Nacariño vor Dón, und hier war es andersrum? Sorry, nicht gesehen.

Ich guckte in den Umschlag, da waren „Kopfnummern“ auf Papier drin, ohne Löcher, aber da auf den kleinen Turnieren doch wohl im persönlichen Gespräch geklärt werden kann, welches Pferd gerade in der Bahn ist, dachte ich nicht weiter darüber nach, wie man die am Pferd befestigen sollte. Ich holte Dón und ging zum Trailplatz.
Wir waren auch recht bald dran und ich sagte der Helferin mit der Starterliste, dass dies nun Querendón sei und das vorhin versehentlich Nacariño war. Das erzählte ich der Richterin auch nochmal, die mich offenbar wegen meiner ich-komm-dann-mal-einfach-rein-Aktion schon nicht mehr mochte, und nun stellte sie mit erhobener Stimme fest, dass (1) keine Kopfnummern und (2) vertauschte Pferde und (3) nicht ihre Aufforderung abwarten „auf einem normalen Turnier echt Scheiße wäre!“ Ich war total perplex und starrte sie einen Moment sprachlos an. Äh, genau deswegen war ich auf einem Turnier, das in seiner Ausschreibung mehrfach angab, nicht normal zu sein. Diese Richterin allerdings war aber offensichtlich das, was heutzutage unter Richtern leider so „normal“ ist. Naja… Ein bisschen Recht hatte sie ja, aber was sollte bitte dieser Ton?? ts ts ts…

Ich durfte starten (hatte auch brav ihre Aufforderung abgewartet) und legte los.
Für unseren ersten Gruß gab es einen von 2 Punkten – naja, ich muss, glaube ich, nicht dazu sagen, dass ich nicht weiß, warum.

Dón ging super brav in die Stangengasse und ließ sich mit ziemlicher Distanz rückwärts richten, ich musste allerdings nochmal ein Stückchen mitgehen und nachtreiben.
So ganz flüssig war’s also nicht, 6 von 9 Punkten.
Ein Foto davon gibt es leider nicht, da war gerade der Akku leer. Aber Meike war schnell, bis zum Bällevorhang hatte sie den Akku getauscht.

Dón starrte den Bällevorhang an, ich sagte „Komm, wie zu Hause!“, und Dón duckte sich, machte sich ganz klein und krabbelte ganz fix durch den Vorhang. Hihi, süß…
4 von 5 Punkten, verblüffend viel dafür, dass er sich so klein gemacht hat.


Er ging brav mit auf die Brücke, blieb brav stehen – volle Punktzahl!

(Foto: Sabrina Weier)

Das Trabslalom gelang gut und sicher.
4 von 6 Punkten, außer der Richterin weiß vermutlich niemand, warum.

Er ging vorsichtig auf die Matte, blieb dort stehen, war aber ein wenig unter Spannung.
5 von 9 möglichen Punkten – na, so schlecht war’s nun auch wieder nicht…

Dón ging mutig durch den Stangensalat (4 von 5 Punkten) …

(Foto: Sabrina Weier)

… und sicher und gehorsam durch das Labyrinth. Volle Punktzahl! Geht doch 🙂


Ich nahm den Klappersack vom Ständer, und Dón ging zwar etwas schräg, aber sehr brav neben mir her. Der brachte ihn schon mal nicht sonderlich aus der Fassung.
4 von 6 Punkten, vermutlich für’s Schräggehen. Gleiche Punktzahl wie Nacariño, völlig anderes Gefühl. Naja.

Der Schlussgruß gab immerhin die volle Punktzahl, aber die 1 (von 3) in der Harmonie-Note empfinde ich jetzt fast als Frechheit. Nein, nicht fast. Absolut unverständlich.
Für mich jedenfalls. Ach, was soll’s, Richterurteile eben. Die hatte mich auf dem Kieker.
Pech.


(diese beiden herrlichen Fotos hat auch Sabrina Weier gemacht)

Wir hatten etwas Zeit, ich fing an, zu flechten, trug mit Meike ganz viele Sachen vom Parkplatz zur Box. Diese Box war super, ohnehin fand ich die ganze Organisation im Vorwege wirklich klasse. Hier war an ganz viele Details gedacht worden und alle Helfer, die mir begegneten, waren freundlich und engagiert. Die Anlage war gepflegt und schön hergerichtet, mit den ungeheuer vielen Ehrenpreisen hatten sie sich eine Riesen-Mühe gegeben. Dennoch schwante mir schon, dass die Zeiteinteilung nicht zu halten sein würde, viel zu straff geplant. Aber noch ging’s ja – also nach der ersten Prüfung 🙂


Die für mich nächste Prüfung war „Show your horse“ mit Nacariño, eine der Prüfungen, auf die ich mich am meisten freute. Ich hatte kurz zuvor ein Lied von Adya gehört, dass mit jedem Hören besser zum gerittenen Teil passte und an das ich schließlich noch ein paar Teile eines anderen Liedes anhängte für die Bodenarbeit. So entstand meine Kürmusik, die ich mit Pferd aber nicht mehr proben konnte. Ich hatte von „Papillon“ und „Butterfly“ keine Instrumental-Versionen finden können, so dass sich etwas kurzfristig diese Musik ergab. Machte nichts, ich sah die Kür mehr und mehr vor mir. Ich sah und fühlte schon die Übergänge – wenn diese Kür klappte wie geplant, würde sie einfach wunderschön werden. Wohl wissend, dass das ein reichlich hoher Anspruch an Nacariño war. Aber man wird doch wohl noch träumen dürfen! 

Kurz zuvor kam die Ansage, dass gleich die Platzierung des geführten Trails sein sollte – wenn ich daran teilnahm, würde es im Zweifel eng werden mit der Zeit. Es waren um die 20 Starter, da dauert so eine Platzierung ja auch einen Moment.
Ich ging mit beiden Pferden am Halfter zum Platz, Meike guckte auf die Uhr und hätte mich gegebenenfalls aus dem Viereck gerufen, wenn die Zeit zu knapp werden würde.
Hier wurde immer von hinten platziert und ich wurde verblüffend bald aufgerufen (also ich war darüber verblüfft, andere vielleicht nicht, keine Ahnung, ich hatte keines der anderen Pferde gesehen) – tatsächlich war Dón 13. und Nacariño 10. Nur? Egal, ich fand sie beide toll, sie hatten das prima gemeistert und sich wieder vertrauensvoll auf neue Dinge eingelassen. Rangfolge unwichtig. Und die Zeit passte auch.

Nacariño ließ sich geduldig „anziehen“ und wir gingen zum Abreiteplatz. Ich hatte zum Glück wirklich noch Zeit, denn beim Abreiten wurde deutlich, dass die Variante, die ich vor meinem geistigen Auge gesehen hatte, nicht wahr werden würde.
Nacariño fing gut an, war noch nie so cool zwischen anderen Pferden, konnte in der Sonne (!) stehen und chillen.

Er war wirklich unglaublich entspannt und zufrieden. Ich ritt ein wenig, er ging brav, gehorsam und fein.

Ich schnallte den Gürtel für freihändig zurecht und auch das machte er einfach super.

Ich nahm den Gürtel wieder ab und die Flagge dazu und so langsam musste ich immer mehr treiben. Auf eine Art, die für Nacariño völlig ungewöhnlich ist. Ich durfte nachher regelrecht zutreten, damit er weiterging – er klemmte. Ich wusste nicht, warum.
Ich suchte, fragte ihn, bekam nicht so Recht eine Antwort. Irgend etwas störte ihn.

Die Flagge? Die ist deutlich schwerer als meine anderen durch die aufgeklebten Schmetterlinge, aber stört ihn, dass die schwerer ist?? Komisch. Er klemmte.

Ich gab die Flagge wieder ab, wollte richtig vorwärts reiten. Zulegen im Trab und Galopp. 
Da kam nichts. Er klemmte. Ich war ratlos. Er gab mir keine Antwort. Und dann klemmte er richtig, drohte zu steigen, drehte sich rasant um – und auf einmal war die Antwort da.
Die aufgeklebten Schmetterlinge!! Er hielt die auf dem Fell nicht aus.

Verrückt – mit einem kleinen hatte ich geübt, ob die überhaupt halten, den hatte er wohl nicht so wahrgenommen, die großen jetzt schienen ihn so richtig zu stören. Also nichts wie runter damit! Es waren nicht mehr so viele – ich ließ sowieso schon überall Schmetterlinge fliegen, von der Flagge waren ein paar abgegangen, von Nacariño auch, aber die sollen ja auch fliegen, warum nicht ein paar frei lassen… 🙂

Vom Fell waren alle runter, ich bat Nacariño erneut, zuzulegen. Und da war er wieder, mein gehfreudiger Nacariño! Da spannte nichts mehr, er horchte einen Moment nach hinten und dann trabte und galoppierte er mit alter Freude vorwärts. Oh Gott, ein Glück!

Die Prüfung ging los, das hatte zeitlich ja wirklich genau gepasst. Ich nahm die Flagge zur Hand und ritt zu dem Punkt, von dem aus ich beginnen wollte. Ich grüßte und wartete auf diese wunderschöne Musik, auf die die nächsten Bewegungen genau abgestimmt wären.
Hätte ich sie gehört, hätte ich ja auch angefangen. Ich hörte sie aber erst, als die ersten Takte schon vorbei waren, also passte mein ganzer Start schon nicht mehr. Ich rief „Lauter bitte!“ und ritt los. Doppelte halbe Traversale im Schritt, beim Musikübergang Trab, das klappte, jetzt war die Musik besser zu hören und die Übergänge ab jetzt klappten so wie geplant.

Ich ließ die Flagge über uns wehen, legte sie ihm wiederholt über den Kopf – alles war gut.

Er war schließlich so gut drauf, dass er sich im Galopp mal wieder die Flagge zu schnappen versuchte. Gelang ihm aber nicht, ich war schneller 🙂

Dann kam der Teil in der Musik, in dem ich die Flagge fallen lassen und meinen Freihändig-Gürtel einhängen wollte. Auch das klappte, Klein-Sönke (schon als Schmetterling maskiert), holte die Flagge aus dem Viereck, ich legte freihändig los.
Warum auch immer, von jetzt auf gleich klemmte Nacariño, drohte zu steigen, ich bat ihn behutsam, weiterzugehen, er machte dicht und stieg. Und drehte sich dabei. Und ich an ihm festgebunden. Genau das, was freihändig nicht passieren sollte. Obwohl – dass er dabei umfällt sollte nicht passieren. Oder dass ich runterfalle.

Nichts von beiden passierte, er hielt das Gleichgewicht, obwohl er ganz schön hoch kam – schluck… – aber er kam auch wieder runter und irgendwie ging er dann netterweise brav weiter. Und galoppierte wieder an und dann war alles gut. Ich war ganz froh, dass wir das jetzt einmal hinter uns haben, denn dass er steigt, während mein Bauch an seinen Zügeln festgebunden ist, war das, was uns in unserem Erfahrungsschatz noch fehlte.
Haken dran. Ist ja doch nicht gefährlich.

Er galoppierte, er wendete, er ließ sich durchparieren und wieder angaloppieren – es machte wieder Spaß. Und zwar eine ganze Menge. Ihm auch.


Der nächste Übergang passte auch wieder in die Musik wie geplant – ich saß ab und machte an der Hand weiter.

Die Musik war jetzt genau auf Dynamik und Ruhe abgestimmt, das sollte also klappen, um gut auszusehen – und es klappte. In der Schritt-Traversale ging er über in die Trabtraversale, im Galopp patzen wir einmal kurz, weil Nacariño außen ansprang, schnell korrigiert, dann galoppierte er schön neben mir.

Danach Kompliment – ging ihm auf beiden Seiten etwas zu schnell, er war noch zu aufgedreht und kam nur kurz im Ansatz runter, also schnell ein wenig Spanischen Schritt, dann Zügel über den Hals, und als die Musik nochmal dynamisch wurde, ließ ich ihn steigen. Klar, dass das super klappte 🙂

Direkt in den Schlusston wollte ich im Kompliment neben ihm grüßen – und das klappte, er ließ sich aus dem Steigen heraus super sinken und blieb unten. Wir grüßten und es gab eine Menge Applaus und einen ausgesprochen netten Kommentar vom Richterwagen, dass das sehr beeindruckend war. Ihr war die Verblüffung anzuhören, süß.
Ich fragte noch ein Kompliment rechts an – kein Problem.

Wow. Das war Adrenalin. Das wird mir ihm in irgendeiner Form immer nochmal passieren. Toll aber war, dass er inzwischen so unglaublich schnell umschalten und sich auf Dinge einlassen kann. Die Bereitschaft ist da, das Können ist da, dennoch setzt manchmal noch irgendwas kurz aus. Aber er hat sich so schnell überreden lassen, doch wieder mitzuspielen, das war echt klasse.
Ich hatte mir die Kür etwas anders gewünscht – aber wir haben noch so viel Zeit vor uns, und diese Kür wird eines Tages genau so sein, wie ich sie vor meinem geistigen Auge gesehen habe. Die Zeit des Schmetterlings wird kommen!

Ich hatte mir am Abend vor dem Turnier so ein bisschen aussuchen dürfen, welchen Stress ich mir lieber antun wollte – entgegen dem ersten Plan, nach dem beide Kids in der zweiten Abteilung des Führzügel-Wettbewerbes waren, las ich abends zuvor auf der Liste, dass Charleen in der ersten und Sönke in der zweiten Abteilung reiten sollte. Ähhh…???
Stress-Variante 1: so lassen und ein Pferd eine halbe Stunde lang alleine in der Box lassen. Und wenn ich Nacariño in der ersten Abteilung führe (die direkt im Anschluss an den ersten Teil von „Show your horse“ geplant war, also der mega Umzieh-Stress…), kann ich Dón nicht (mit) fertig machen, da er sofort danach dran wäre. Ich hätte gerne beide Pferde gleichzeitig im Viereck und war mit dieser Neuplanung denkbar unglücklich.
Es gingen ein paar WhattsApp hin und her und so durfte ich wählen zwischen Stress-Variante 2 – beide in der ersten Abteilung und so gut wie keine Zeit um Ummodeln haben – oder beide in der zweiten, dann wäre die Zeit zum zweiten Teil „Show your horse“ verdammt knapp, das wäre das Ummodeln von Pippi / Schmetterling auf Señoritas bzw. ich auf Vaquero. Puh!
Ich hätte gerne die zweite Abteilung gewählt, das war für den Veranstalter schwierig, schließlich waren beide in der ersten und wir hatten also den Stress vorher und danach mehr Ruhe, das erschien uns erstrebenswerter. Dachten wir.

Und erstens kommt es anders…
Direkt nach meiner „Papillon“-Kür wurden die ersten 10 Platzierten des geführten Trails nochmal in die Bahn gebeten, da hatte es einen Rechenfehler gegeben. Ich war mit Nacariño Zehnte. Mir lief die Zeit weg… Ich ging da rein, bekam gesagt, dass ich nun 12. statt 10. sei und dann durfte ich los, ummodeln für den Führzügel-Wettbewerb.
Wieder fassten alle Hände mit an, alles, was sich vorher schon für den Führzügel-Wettbewerb machen ließ, war gemacht, und nun wurde ratz fatz aus meinem P.R.E. ein Knabstrupper – den ich tatsächlich danach selbst kaum erkannte.
Unglaublich, wie ihn die Punkte und diese genialen Extensions veränderten!

Ich durfte mit einem scharfen Messer Pippis Schuhe zerschneiden – also die oben drüber, das war ein Paar ihres Vaters Olaf (der für diese ganzen tollen Bilder verantwortlich ist, die jetzt kommen), da drin steckten Charleens Stiefeletten mit Ringelsocken drüber.
Herr Nilsson hatte auf Pippis Schulter Platz genommen, wir waren fertig. Atmen!
Wir mögen Stress gehabt haben in diesen vielleicht zwanzig Minuten, aber wir hatten dabei auch eine Unmenge Spaß!
Die Prusseliese hatte sogar die Perlen-Ohrringe ausgegraben – nebst (echter!) Perlenkette. Meine Wandlung war nicht weniger wundersam als die meines Pferdes.

Auch Dón war fertig, Sönke sah einfach großartig aus.

Wir zogen los Richtung Viereck und hatten nun noch einen Moment Zeit.

Wir ließen Charleen und Sönke nochmal traben, beschlossen irgendwann, in dem Boden freiwillig keinen Laufschritt mehr zu zeigen und warteten.
Warum war da auf einmal so viel Zeit??

Der Reiterwettbewerb auf dem Hauptplatz war zu Ende und es kamen viele kleine Führzügel-Kinder auf den Platz. Zu viele für die erste Abteilung. Und dann bekamen wir mit, dass diese Abteilung vorgezogen worden war und ihre Prüfung neben dem Trail-Platz absolviert hatte, weil der gerade frei war. Ähhh…????
Wir bekamen Kulleraugen und konnten es nicht fassen. Und nun?? Alles umsonst??
Nach der Siegerehrung der ersten Abteilung sollte hier auf dem Platz die zweite starten, und in der „durften“ unsere beiden nun mitreiten. So ganz fassen konnte ich das gerade nicht. Aber gut, wenigstens konnten sie starten. Alles andere wäre jetzt aber auch der Hammer gewesen.
Wir waren mit vier weiteren Führzügel-Trios auf dem Platz:




Jedes Kind wurde einzeln einmal im Trab außen herum geschickt, um sich dann der Abteilung wieder anzuschließen. Erst im Leichttraben, dann im Aussitzen, und dann bekam noch jeder eine Sonderaufgabe. Charleen musste mit der Hand ihre Fußspitze berühren und Sönke für ein paar Schritte einen Arm hochstrecken.
Beide machten ihre Sache denkbar gut, und meine tollen Jungs fanden diese Prüfung zwar endlos langweilig, machten aber super mit.
Mein elfengleicher Gang wurde besonders gelobt 🙂


Wir hatten Sönke darauf vorbereitet, dass er vermutlich noch der unerfahrenste Reiter war und nicht traurig sein sollte, wenn er Letzter würde. Er wurde Sechster, und das klingt doch viel besser als Letzter! Es wurde von hinten platziert, und so nahm er als erster sein erstes Pokälchen in Empfang.


Charleen wurde Zweite!! Mit diesem zweitem Platz bekundete allerdings das Publikum Unmut – Pippi hätte nach vorne gehört, war die Meinung vieler.
Sei’s drum – wir hatten unseren Spaß, der zweite Platz war toll, und Charleen durfte in der Siegerehrung dann auch nochmal eine Runde galoppieren.

Ich dachte, jetzt hätten wir Zeit. Ich hatte die Uhr nicht mehr im Blick, aber der zweite Teil von „Show your horse“ war doch irgendwie erst in einer Stunde oder so. Dachte ich.
Ich wurde schnell eines Besseren belehrt – zack zack!
Die Prüfung geht in fünf Minuten los!

Hoppla. Nun aber hurtig. Umzieh-Hektik Teil 2, alle fassten wieder mit an und verwandelten die Kinder in Señoritas, ich mich in einen Vaquero, Nacariño wurde wieder zum P.R.E. (er hatte die Klebepunkte im Gegensatz zu den Schmetterlingen fantastisch ausgehalten) und musste nun leider in der Box warten, während Dón, der schnell einen zweiten Zopf bekam und zum Vaquero-Pferd wurde, seiner Kür entgegen blickte.
Derweil musste Sönke durch das Abschminken durch. Iiiiiihhhh!!

Und wir schafften es wieder – atmen! – und marschierten Richtung Abreiteplatz.
Wir waren letzter Starter in dieser Abteilung, somit hatten wir jetzt doch noch einen Augenblick Zeit. Dón war eifrig und hochmotiviert, meine Güte! Er hatte sich wirklich gelangweilt im Führzügel-Wettbewerb, jetzt wollte er los. Endlich passierte was!
Er trabte und galoppierte mit einer Dynamik, das war einfach der Hammer.
Ich wollte nun doch mal Spanischen Schritt in die Kür einbauen und dann die Gerte bei den Señoritas fallen lassen, weil ich für Charleen und die Zügel je eine Hand brauchte.
Ich fragte Spanischen Schritt an – super!

Charleen kam auf die Kruppe, wir trabten und galoppierten noch ein wenig, sie lachte. Dón war knackig, aber ungeheuer gehorsam, mir scheint, er gestaltet inzwischen von selbst die Übergänge weich, wenn Charleen oben ist.
Er macht das echt super mit Señorita.

Die Garrocha nahm ich gar nicht mehr in die Hand. Hatte ich zu Hause auch nicht mehr getan, ich war sicher, dass die inzwischen so etabliert ist, dass ich das nicht vorbereiten muss. Der Starter vor uns war fertig, wir gingen ins Viereck, die Musik begann, wir auch.



Ich ließ Charleen runter, sie gab mir die Garrocha – und was Dón dann zeigte, war der Hammer. Er war die pure Kampfansage, ungeheuer dynamisch, gehfreudig, dabei aber wendig und von einer Reaktionsschnelle, keine Sekunde vor irgend etwas Angst, das war einfach unglaublich. So genial war er an der Garrocha noch nie!

In einer Wendung blieb ich am Sombrero hängen. Ich begriff es nicht – wann war die Krempe so gewachsen? Oder mein Arm so geschrumpft?? Was war da los?
Ich kam nicht mit dem Arm über meinen Hut hinweg, hing da fest, zog schließlich den Sombrero nach hinten, um zumindest den Arm wieder auf der richtigen Seite zu haben. Nicht einmal das brachte Dón aus der Fassung, sowas ist ja sonst nichts für ihn. Er war voller Tatendrang und hörte großartig zu.

Der Sombrero hing hinten, ich musste aus Verzweiflung lachen, die Situation war einfach zu blöd, und da bewährte es sich, dass ich meine Pferde auch mal jederzeit ohne Zügel reiten kann – ich ließ los, sortierte mit einer Hand meinen Sombrero, die andere hielt die Garrocha fest, und dann machten wir temperamentvoll weiter. Ich wendete allerdings nicht nochmal über meinen Kopf, gibt ja auch andere Wendemöglichkeiten 🙂

Boah, Hammer. Was war das denn?? Schade mit dem Hut, aber Dón war schlicht der Hammer gewesen. Kein feuchtes Haar, nur Sturm und Drang und genau die Art von Gehorsam, die ich liebe – denkt selber mit, hat Spaß an der Sache und hört immer zu.
Genau so, wie ich es liebe. Das war wirklich richtig toll.
Ganz anders als in Eutin, aber diese Kür wird jedes Mal anders sein.

So hatte ich nun also mit jedem Pferd einen richtigen Patzer, aber auch viele super tolle Momente in den Küren gehabt. Da war ich schon gespannt auf die Platzierung.

Der gerittene Trail war offenbar deutlich schneller gegangen als geplant – ich sollte da nämlich jetzt rüberkommen, sonst wären die gleich fertig. Äh… Hier Siegerehrung oder da Trail? Schnell Trail, vielleicht klappt ja beides. Das zweite Pferd würde ich im Trail dann ohnehin nicht mehr reiten können. Jetzt war es auch nicht meine Schuld, dass ich nicht auf dem saß, der zuerst in der Liste stand!
Ich ritt in voller Vaquero-Montur zum Trailplatz und beschloss, das Ganze stilecht einhändig zu reiten. Half ja vielleicht bei der Punktevergabe, denn ich ahnte schon, wer auch bei diesem Trail am Richtertisch sitzen würde. Und dann wäre ein guter Eindruck nicht verkehrt. Ich hatte sogar eine Startnummer am Sattel – wir hatten irgendwann zwischendurch festgestellt, dass das pfiffigerweise Aufkleber waren! Gute Idee!

Ich guckte mir bei der Vorreiterin noch schnell die Hindernis-Reihenfolge an, wartete dann brav, bis ich aufgerufen wurde (doch noch lernfähig), ritt ein, grüßte (2 von 2 Punkten) freundlich lächelnd und meinte „Sorry, nicht ganz im richtigen Outfit vielleicht“ – „Och das macht nichts! Toll! Dann sehen wir davon auch mal was!“ strahlte mich die Richterin an.
Nanu? Na dann…

Ich startete und Dón legte eine wirklich tolle Runde hin. So gehorsam, so cool und zuverlässig, das war großartig. Er stockte kurz in der Rückwärtsgasse, hielt dann aber brav an, damit ich dieses winzige Glöckchen läuten konnte (das in dem roten Kreis, wirklich winzig! Man musste also schon genau einparken) und ging brav rückwärts wieder raus.
6 von 8 Punkten.

Bällevorhang – lässig… 4 von 5 Punkten.

Dann musste ein Kleeblatt um drei Pylonen getrabt werden. Kein Problem.
5 von 6 Punkten. Ich kriege also aus Prinzip nicht die volle Punktzahl…

Im Schritt über den Stangensalat – 3 von 5 Punkten. Keinen Schimmer, warum.

Im Schritt durch das Labyrinth mit Stillstand auf jeder Geraden – 6 von 8 Punkten.
Ich glaube, wären die Punkte imme sofort angezeigt worden, wäre ich sauer geworden.

Rappelsack nehmen, neben dem Pferd herziehen, wieder über den Ständer hängen.
Er machte das einfach großartig. 4 von 6 Punkten. Augen roll…

Und nun kam das erste Tor unseres Lebens – wollte ich mit zu Hause eigentlich noch aufgebaut haben, hatte ich aber nicht mehr gemacht. Hier war es ein Seiltor und ich war mega gespannt, wie Dón das machen würde. Ich wollte es natürlich gleich so machen, dass kein Rind (o. ä.) hindurchlaufen konnte. Also so, wie es sich gehört.
Dón fixierte immer wieder ein Pferd, das irgendwo dahinten lang lief, reagierte aber fein am Bein und hörte trotz Abgelenktseins echt gut zu. Wenn die Richterin ihre zu tiefen Punktzahlen also mit irgend etwas rechtfertigen wollen würde, dann könnte sie es maximal damit tun, dass Dón immer wieder guckte, ob das Pferd auch noch da war.
Ich bekam das Seil gut zu fassen, konnte Dón super da durch lenken und rückwärts so ausrichten, dass ich es wieder hätte schließen können, allerdings ging Dón dann noch zwei Tritte weiter. Da kam ich nicht mehr ran. Es dauerte einen Moment, bis ich ihn nochmal zu zwei Schritten nach vorne überredet hatte, weil ihm das Seil in meiner Hand nicht ganz geheuer war. Dann aber konnte ich das „Tor“ einhängen. Super Klasse!!!
Unser erstes Tor! Freu!!!
4 von 6 Punkten. Ach, wen interessiert das…

Man glaubt es nicht. Unfassbar. Ich kann nämlich doch die volle Punktzahl bekommen! 
Wir bekamen sie auf der Matte. Dón ging ruhig drauf und blieb absolut still stehen.
Obwohl er wieder gucken musste, ob das Pferd noch da war. War es.
9 von 9 Punkten!

Halten und Grüßen gaben noch einmal 2 von 2 Punkten, und das ergab tatsächlich einen tollen 7. Platz (also hier und für mich bei dieser Richterin war ein 7. Platz toll).
Wusste ich in diesem Moment noch nicht, erst kam die Siegerehrung beider Abteilungen „Show your horse“. Leider wurden beide zusammen gewertet. Und meine Frage nach Protokollen wurde beantwortet mit „Gibt es nicht. Diese Prüfung kann man ja ohnehin nicht so richtig bewerten“. Geiler Satz. Sie wurde doch bewertet?? Zumindest wurde eine Rangfolge festgelegt, und auch hier fand ich mich mit beiden Pferden unter „ferner liefen“ wieder.
Hier konnte ich damit einverstanden sein, denn mit beiden hatte es ja jeweils einen happigen Patzer gegeben – Nacariños sehr ausdrucksvolles, aber unerwünschtes Steigen unter dem Reiter und bei Dón die Nummer mit meinem viel zu großen Hut bzw. viel zu kurzen Arm 🙂

Dón wurde zum Kinderpferd – Rieke vor mir, Charleen und Sönke hinter mir, daneben Nacariño als Handpferd, so marschierten wir in die Siegerehrung. Dón war so brav!!
Zum ersten Mal ging er so viele Meter mit drei Kindern, er hatte ja beim kleinen Showtag in Auufer zum ersten Mal überhaupt alle drei auf dem Rücken gehabt, aber nur im Stand.
Toller, toller Junge!! Ich ließ dann Sönke und Rieke aber nach einiger Zeit wieder runter, weil es Dón nun doch recht schwer wurde.
12 Nennungen waren es, ich glaube aber nur 11 Starter, ich weiß es nicht genau. Nacariño wurde an 9. Stelle platziert, unser Señorita-Schaubild kam auf den 6. Platz.
Ebenfalls nicht wichtig. Die Schleifenfarben hier waren größtenteils bunt gemischt und entsprachen nicht den Platzierungen, ist so aber ja auch hübsch 🙂

Die kleine Señorita ist müde…

Danach wurde noch der gerittene Trail platziert. Es war der 7. und kein 6. Platz, weil ich gegen die punktgleiche Reiterin ein Stechen hätte reiten sollen (erfuhr ich erst, als die Pferde abgesattelt in der Box standen und ich schon wieder umgezogen war), das aus einer einhändig gerittenen Acht im Trab um Pylonen und einem Rückwärts-L bestanden hätte. Bei der Acht hätte noch ein winziges Deutschland-Fähnchen geschwenkt werden sollen, worauf ich fragte, ob ich eine richtige Flagge mitbringen soll…? „Oh ja, wenn Sie eine haben…!“
Ich fragte, um welche Plätze es eigentlich ging und nahm in meinem jugendlichen Leichtsinn an, dass es sich um ganz vordere handeln müsste, da Dón das so klasse gemacht hatte. Es ging um Platz 6 und 7, was mich sofort entscheiden ließ, dass ich mein tolles Pferd dafür nicht nochmal aus der Box hole. Da verzichte ich doch freiwillig und gebe Platz 6 ab.
Dafür bedankte sich die Richterin in der Siegerehrung noch einmal ausdrücklich.

Nacariños gerittenen Trail schaffte ich leider nicht mehr (nicht so schlimm), den Action-Parcours ließ ich auch weg, es fing an zu regnen und ich wollte meinen Hänger von dem lehmigen Untergrund runterhaben. Ich hatte mich morgens direkt festgefahren und fuhr nun den leeren Hänger an die Straße und verlud dort. Meine Jungs machten das großartig – schräg auf dem Bürgersteig stehende Rampe, aber sie taperten brav da hoch.
Hinter uns war der Himmel schwarz, in Hamburg ging wohl ein ordentliches Gewitter runter, von dem wir nichts mehr abbekamen. Ich fuhr die tollen Jungs nach Hause und genoss dann noch die halbe Nacht lang die vielen schönen Fotos, die Olaf gemacht hatte.
Vielen vielen Dank an dieser Stelle dafür und an meine Señoritas Gerda, Meike, Charleen, Sönke und Rieke und die helfenden Hände von Caro, Jo, Anja, Jasmin, Alex und Kimi!

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