3.10. – Saison-Abschluss in Heist

Wieder einmal hatte ich eine irre Arbeit in unser zweites Outdoor-Turnier vom Team Légèreté gesteckt, und es wurde Zeit, dass die Saison zu Ende ging.
Aber es hat sich so gelohnt!!
Strahlende Gesichter allüberall, und das trotz diverser Regenschauer und einem immer fieser werdenden Boden auf dem Dressurviereck. Die Pferde stapften tapfer durch die Pfützen, der Boden wurde immer schwerer.
Inken Manz war, wie auch im Juli, unsere Richterin, und sie machte ihre Sache wieder ganz großartig. Wohlwollend und immer freundlich zauberte sie jedem Reiter ein Lächeln ins Gesicht und hinterließ motivierte Reiter, die sich auf ein nächstes Mal freuen.

Wir starteten mit der leichten Dressur, in der 9 Pferde an den Start gingen. Die besten 3 waren automatisch startberechtigt in der schweren Dressur, und – selbst Schuld – hatten sie natürlich alle nicht damit gerechnet, hier starten zu dürfen und so kannte keiner die Aufgabe auswendig. Wir hatten aber kurzfristig eine Leserin gefunden, die sich in der leichten Dressur „einlesen“ konnte, die schwere Prüfung las sie dann für eine Premiere ganz schön gut. Vielen Dank, Kerstin!

Meine Jungs waren hochmotiviert, Nacariño war glaube ich noch nie so gut auf den Hänger gegangen – im ersten Anlauf und ohne ein wirkliches Stocken. Und so blieb er auch – willig, fröhlich, aufgeschlossen, neugierig, gehorsam, ehrgeizig. Das wurde wirklich unser Tag. Und damit war nicht wirklich zu rechnen gewesen – er hatte sich zwei Tage zuvor reichlich daneben benommen, als ich es wagte, die Aufgabe ein einziges Mal durchzureiten und noch mal eben zwei Trail-Elemente auszuprobieren, nämlich die Seitwärts-Stange und das Seil-Tor. Nacariño war frech und extrem steigewillig, er klemmte wieder und wieder, haute mir sogar einmal ab, als ich ihn führte (das hatten wir in dieser Form lange nicht mehr…) und bewies damit einmal mehr, dass das Berechenbarste an ihm seine Unberechenbarkeit ist.
Kratzt mich bekanntlich nicht besonders, wenn Generalproben schief gehen sollen, dann war uns das schon mal nahezu perfekt gelungen.
Ich war gespannt.

Er war erster Starter der schweren Dressur und ging so gut wie noch nie. Besser kann er einfach (noch) nicht gehen. Er ließ mich sitzen, schon beim Abreiten, und war auf eine Art und Weise rittig, gehorsam und willig, wie er es wirklich selten ist. Einfach nur toll.

Diese Aufgabe musste geritten werden:

A – X – Einreiten im Mittelschritt
X – Halt, Gruß
X – C – Arbeitstrab, linke Hand
E – X – B – doppelte halbe Volte
A – C – Schlangenlinie 3 Bogen in Rechtsstellung
C – A – Schlangenlinie 3 Bogen in Linksstellung
A – Halten. 3 –
5 Tritte rückwärts richten, danach halten
A – Mittelschritt
K – E – Schulterherein
H – aus der Ecke kehrt
E – K – Travers
A – versammelter Trab
F – B – Schulterherein
M – aus der Ecke kehrt
B – F – Travers
K – B – durch die halbe Bahn wechseln
M – Arbeitsgalopp
C – X – C – Zirkel, an der offenen Zirkelseite Dehnungshaltung
X – aus dem Zirkel wechseln (einfacher oder fliegender Galoppwechsel)
A – X – A Zirkel, an der offenen Seite Sprünge verlängern
A – versammelter Trab, ganze Bahn
K – X – M – Trabverstärkung
C – Mittellinie
G – halbe Traversale (wahlweise rechts oder links)
A – Mittellinie
G – Halt, Gruß


Nacariño bekam die Hammer-Note von 9,0 und ein wunderbares Protokoll. So eins, was man sich echt an die Wand hängen kann. Da kommen so schöne Sachen vor wie „sehr schön leicht und rhythmisch“, „Rahmenerweiterung gut erkennbar“, „schön pendelnder Schweif“, „guter Fleiß, guter Rhythmus“, „sehr schöne harmonische Vorstellung“.
Richtig klasse aber war die Bermerkung zu dem Unterpunkt „Vertrauen zum Reiter, Harmonie, Freude an der Mitarbeit, Leichtigkeit der Darbietung“: PUR 🙂

Es war klar, dass damit schwer zu schlagen sein würde, und ich freute mich wie verrückt, als er dann tatsächlich als Sieger aufgerufen wurde. Sowas großartiges!!

Bei Dón als letztem Starter machte ich einen Fehler – der Boden war inzwischen zum Acker mutiert und ich dachte, der arme Junge wird gleich ganz schön kämpfen müssen. Also setzte ich nach dem ersten Gruß zum Anreiten den Schnalzer einen Hauch zu scharf. Bei Dón gingen alle Lichter an und dann ging er aber los, meine Güte!! Hoho, bravi bravi!! Nix hoho, er stratzte da durch das Viereck und pflügte diesen Boden um, da war überhaupt nicht zu merken, dass er bis zum Fesselgelenk verschwand. Er war dermaßen knackig, dass er vermutlich eine neue persönliche Bestzeit in der Dressur aufstellte. Und so fanden sich in seinem Protokoll so witzige Bemerkungen wie „antraben am Punkt, etwas spritzig“ und „ein etwas übermotiviertes Pferd, was trotzdem stets auf seine Reiterin gehört hat“.
Aber auch so tolle Sätze wie „guter Mittelschritt; Halten geschlossen; antraben vom Fleck; sehr schön im Rhythmus; angaloppieren am Punkt, gut durchgesprungen“.
Er bekam eine Wertnote von 8.5, deren etwas unverdiente Höhe bestimmt zum Teil mal wieder seiner Schönheit und Eleganz zuzuschreiben ist 🙂

Wie auch im Juli ließ der Regen nun nach – einige hatte es ganz schön erwischt. Nun sollte es aber bis auf ein paar Tröpfchen trocken bleiben, und das war auch gut so. Der Boden im Gelände steckte eine Menge Wasser weg, aber auf dem Trail-Parcours standen doch eine ganze Menge Pfützen. Ich hatte die Hindernisse so aufgestellt, dass sie im Trockenen standen, aber man hörte die Pferdehufe doch ganz schön platschen 🙂

Die Geländeprüfungen waren ein Pilotprojekt – und das Konzept ging voll auf. Aus Zeitgründen waren der Geländeritt und der Trail-Parcours mit GHP-Elementen miteinander verbunden. In der leichten Prüfung begannen die Reiter mit drei Hindernissen aus dem Trail-/GHP-Parcours, dann ging es rechts herum durch das Gelände. Direkt im Anschluss folgten die nächsten drei Trail-/GHP-Hindernisse und der zweite Gelände-Teil, der nun links herum ging. So kannten die Pferde die Hindernisse bereits von der einen Seite, es ließ sich eine schöne Strecke mit wenigen verschiedenen Hindernissen erstellen und die Reiter meisterten ihre Aufgaben durchweg mutig und mit viel Freude – die sah man nicht allen so an, meist kam das erst durch, wenn sie ihre Prüfung beendet hatten 🙂

Auch hier gingen nur noch 8 Reiter an den Start, natürlich hatte es leider wieder ein paar Absagen gegeben, wie das ja nunmal immer so ist. Die besten drei waren auch hier automatisch startberechtigt in der schweren Prüfung, dieses Angebot nahm allerdings keiner wahr, obwohl die Sprünge auch ausgelassen werden durften. Das hätte Abzüge gegeben, aber nicht zum Ausschluss geführt. Wollte aber keiner, und so waren Julia mit ihrem Botijo und ich mit meinen Jungs unter uns in dieser Prüfung, die damit sehr P.R.E.-lastig wurde – drei (also nur!) P.R.E.s in der schweren Geländeprüfung!

Und die zeigten eindrucksvoll, dass Spanier sehr wohl springen können. Ich startete mit Dón zuerst und der war immer noch unter Strom. Ich machte vorher auf dem hinteren Geländeteil ein paar Sprünge und die fühlten sich eher fürchterlich an. Er übersprang sich mal wieder maßlos, warf sich regelrecht über manche Sprünge, war heiß und griffig und springgeil. Er sprang unmöglich. Ich war wieder extrem dankbar dafür, im meinem tollen uralten Springsattel zu sitzen. 
Ich hörte auf mit der Springerei, das versprach nicht besser zu werden. Dón war heiß, der wollte los. An Stillstehen war überhaupt nicht mehr zu denken. Da ich mich aber natürlich auch wie verrückt auf diesen Geländeritt freute, vermittelte ich vermutlich auch nicht das Maß an Ruhe, das ich hätte vermitteln sollen. Aber ich war ja selbst heiß auf’s Springen!

Und dann ging es endlich los – allerdings ja erst mit dem Trail-Parcours, der bei uns jeweils vier Hindernisse beinhaltete. Die maximale Punktzahl war 6 pro Hindernis, bei manchen Hindernissen gab es noch 2 Bonuspunkte für 3 Sekunden Stillstand.
Teil 1 ist die rote Linie:
Einreiten, bei den Prüfern halten und grüßen. Nach rechts wenden.
Becher umsetzen (mit der einen Hand hin- und mit der anderen zurück setzen)
Luftballon-Gasse (Bonus-Punkte für Stillstand)
Bälle-Vorhang (Bonus-Punkte für Stillstand, wenn die Bälle das Pferd berühren)
Gasse mit Glocke (vorwärts rein, halten, Glocke läuten, rückwärts raus)
Danach auf Höhe des Walls neben den Prüfern antraben und durch die Senke traben
Fichte am Teich
Kleine Birke neben der Wellenbahn
Birke zwischen den Bäumen
Langholz
Slalom mit drei Volten rechts/links/rechts, zwei davon im Trab, eine im Galopp
durch den Teich (Gangart frei wählbar)
Senke mit Ein- und Aussprung (freie Auswahl des Aussprungs)
Nun folgte der 2. Teil vom Trail (blaue Linie):
seitwärts über die Stange
Seil-Tor öffnen, hindurchreiten und schließen (Bonuspunkte, wenn kein „Rind“ o.ä. entkommen könnte)
Regenschirme (Bonuspunkte für Stillstand wären möglich gewesen. Wir verzichteten aber auf die Schirm-Gasse, da es inzwischen immer wieder mal heftige Windstöße gab und die Schirme ganz schön energisch auf die Pferde zuwehten. Angst provozieren muss man ja nun auch nicht, also entschieden wir, die Gasse wegzulassen)
Flagge vom Ständer nehmen und eine Acht einhändig durch die Stäbe reiten (Bonus-Punkte, wenn die Flagge mehrfach geschwenkt wurde), Flagge wieder in die Halterung
Und dann ging es in den 2. Teil der Geländestrecke:
Stamm mit Steinen
Planen-Gasse (im Trab oder Galopp), danach Trab und Schritt
Slalom: Zick-Zack seitwärts, wahlweise rechts oder links beginnen
Langholz
Birke zwischen den Bäumen
Wellenbahn im Galopp
durch den Teich (Gangart frei wählbar)
Planen-Gasse im Galopp
Stamm mit den Steinen, danach Trab
bei den Richtern halten und grüßen.

So also war die schwere Geländeprüfung vorgesehen – und es machte Spaß pur!!
Dón war erster Starter und des Stillstehens kaum mächtig, und so lavierten uns nach einer unruhigen Grußaufstellung durch ein unruhiges Becher umsetzen („unruhig, aber gehorsam“, 4 Punkte) …

… und genau so auch durch die Luftballon-Gasse:

Dón wollte danach zügig durch den Bällevorhang, ich wollte stehen bleiben. Hatte ich noch nie gemacht, und so war Dón auch entsprechend verblüfft, immerhin hielt er an
(5 + 2 Bonus-Punkte). Inzwischen war bei ihm angekommen, dass es hier noch mehr um Ruhe und Halten ging, fand er blöd, aber er fing an, zuzuhören.

Die Rückwärts-Gasse meisterte er dann auch gut, er wartete brav ab, während ich klingelte (5 Punkte, „rückwärts schön im Zweitakt“).
Dann ging es in den ersten Gelände-Teil! Dón war sofort „an“, er wollte los. Er sprang nicht mehr ganz so unmöglich wie zuvor draußen, da war ich ganz froh drüber, aber nach einer 9 fühlte sich das nicht gerade an. Ich hatte gut zu tun da oben. Er griff alles an, was er sah. Großartig. Was für eine Kraft!

Fichte am Teich

Birke zwischen den Bäumen

auf dem Weg zum Langholz

Slalom rechts/links/rechts, 2 Volten im Trab, eine im Galopp

mit Feuereifer durch den Teich

in einem Linksbogen Richtung Senke

Einsprung in die Senke (Dón übertreibt mal wieder maßlos…)

durch die Senke

Aussprung – wir nahmen den rechten, der war am höchsten 🙂

Feiner Junge! Hoho, schschsch… Hatte das einen Spaß gemacht!
Und so blieb Dón noch einen Moment im Springmodus und zeigte aber auch nicht das allerkleinste Verständnis dafür, seitwärts ruhig über diese Stange gehen zu sollen. Aber so gar keins. Kommentar im Protokoll: „Hindernis zerlegt, Reiterin lächelt!“ – 2 Punkte 🙂

Dón, zuhören! Ruhig, warte… Das Seil-Tor. Auf diese Idee war ich überhaupt erst am 17. in Tangstedt gekommen, da stand unser allererste Tor vor uns. Das war relativ leicht nachzubauen, und so hatte ich das mit in die Prüfung genommen, immer darauf bedacht, Hindernisse dabei zu haben, mit denen auch meine Pferde noch nicht vertraut sind.
Dón hörte wieder zu, wurde ruhiger und konzentrierter und machte das Tor sehr gut. Den Bonus bekamen wir nicht, da hätten wohl Rinder durchgepasst, aber ansonsten volle 6 Punkte!

 

Ich hatte das nicht so richtig mitbekommen, dass wir die Regenschirme weglassen sollten und ritt da hin. Der Wind hielt sich gerade in Grenzen, die Schirme bewegten sich leicht, Dón ging brav in die Gasse und blieb genau so brav stehen – volle Punktzahl incl. Bonus mit dem Kommentar „Vertrauen pur“. Cool!! Diese Punkte flossen aber nicht in die Wertung ein.

Ich war offensichtlich des Zählens nicht mächtig, mich zog es schon wieder ins Gelände, passte auch von der Linienführung her so schön, und so trabte ich nach den Schirmen an und ritt Teil 2 des Geländes. Nach dem Stamm mit den Steinen und der Plane (mutig!!) musste schnell durchpariert werden, denn nun war das Zick-Zack-Slalom dran („Zick-Zack super, auch schön beendet“).

Langholz

Birke zwischen den Bäumen

Wellenbahn

im Galopp über die Plane

Stamm mit Steinen

Och Mann, schon vorbei…!! Wie schade!! Dón und ich kamen fröhlich und begeistert durch das Ziel, wir hatten die Strecke und die Sprünge sehr genossen. Der zweite Teil war viel harmonischer als der erste, so hätten wir noch eine Weile weitermachen können…
Das Protokoll beinhaltete wieder ein paar schöne Kommentare: „Pferd steht etwas unter Strom, bleibt trotzdem gehorsam. Souveräne Reiterin weiß das Pferd zu händeln. Gute Linienführung. Galoppvolte gut in Stellung und Biegung. Plane super! Das Pferd hat Power – manchmal etwas zu viel“ 🙂
Inken fragte, ob ich nicht irgendwas vergessen hätte…? Hä?? „Die Acht mit der Flagge…??“
Ist nicht wahr!! Komplett verdrängt! Verdammt! Nicht zu fassen. Stimmt, steht doch da.
Sowas dämliches! Egal, Pech, ich lachte vor mich hin, freute mich über das tolle Gelände und ritt zum Stall für einen fliegenden Pferde-Wechsel.

Ich freute mich riesig auf den Start mit Nacariño, hatte ein so gutes Gefühl – auch ihn hatte ich vorher im hinteren Gelände ein wenig gesprungen, und er fühlte sich einfach toll an. Ich war etwas vorsichtig und verhalten, rechnete mit Blödsinn seinerseits, er war aber einfach nur gehorsam und sprang super, also meckerte ich mit mir selbst, weil ich so auf der Bremse stand.

Davon war jetzt allerdings nichts mehr zu merken. Es war einfach unser Tag. Die nächsten Minuten gehören mit zu den schönsten, die wir beide bislang zusammen erlebt haben.

Nacariño fing im Trail super an – absolut ruhig und gelassen steckte er beim Becher umsetzen und in der Luftballon-Gasse die volle Punktzahl incl. Bonus-Punkte ein.

Im Bälle-Vorhang verschenkten wir die volle Punktzahl, weil auch Nacariño sehr überrascht war, darunter stehen bleiben zu sollen. Er machte das aber, wenn auch etwas spät. Aber als er erstmal stand, stand er, und die Bälle wehten locker um ihn herum.

Die Rückwärts-Gasse mit Glocke brachte uns noch einmal die volle Punktzahl („souverän“) und ich konnte es gar nicht fassen. Was war denn mit Nacariño los? Das war ja der Hammer!? Ich war total begeistert, er war total ruhig und zufrieden.

Ich trabte an und durch die Senke und da wurde er aber auch sofort wach.

Fichte am Teich

Birke zwischen den Bäumen

Langholz

Slalom mit zwei Trab- und einer Galoppvolte

durch den Teich 

Einsprung in die Senke – was für ein stimmungsvolles Bild!

Einsprung in die Senke aus einer anderen Perspektive

Aussprung der Senke 

Ich mochte gar nicht durchparieren. Musste ich aber. Nacariño reagierte sofort auf den Pfiff und parierte durch, und dann war er sofort wieder ruhig und aufmerksam.
Er ging super über die Seitwärts-Stange – ich konnte es echt nicht fasssen. Kein Vergleich zu dem Versuch vor zwei Tagen. Hier machte er das sehr witzig – ein Bein kam immer wieder hoch, so dass er das seitwärts mehr oder weniger „spanisch“ absolvierte.
Er berührte mit einem Hinterbein die Stange, dadurch „nur“ 5 Punkte, ich saß nur kopfschüttelnd da oben und konnte nicht fassen, wie wunderbar er mitmachte.

Auch das Seil-Tor meisterte er bravourös – ich dachte echt langsam, ich wäre im falschen Film. So einen Nacariño kannte ich noch nicht. Was für eine Coolness. Es sammelte hier die volle Punktzahl incl. Bonus, bei dem Kommentar musste ich allerdings laut loslachen – „Rind wäre abgehauen“.

Mir war ja nicht klar, dass die Schirme nicht gewertet werden, und so ritt ich auch mit Nacariño da hin. Ich überlegte allerdings schon einen Moment, denn es war gerade ziemlich windig. Nacariño guckte, fragte nach, ob er da wirklich hin soll – das war kein echtes Zögern und schon gar nicht seine sonst typische Abwehrhaltung, er fragte einfach nach, gab mir aber das Gefühl, wenn ich sagen würde „mach mal“, dann würde er mir auch vertrauen und das tun. Also bat ich ihn, da hinzugehen. Die Schirme rappelten ganz schön.
Nacariño ging mutig da hin und blieb dann auch noch brav in der Gasse stehen. Auch, als ein happiger Windstoß die Schirme erfasste und den bunten genau in seine Richtung umschlagen ließ. Ich konnte es nicht fassen. Er stand da und wartete auf meine Ansage

Unglaublich. Schier unglaublich. Nun dachte ich aber auch an die Flagge!
Er ließ mich die brav aus der Halterung nehmen und während der Acht konnte ich die natürlich schwenken und ihm auch über den Kopf legen. Unser geringstes Problem!

Ich stellte die Flagge wieder weg und hatte schon jetzt ein Grinsen im Gesicht, das operativ entfernt werden müsste. Nebst einer gewissen Ungläubigkeit. Was war mit diesem Pferd los? Ließ er mich gerade einen Blick in die Zukunft werfen? Er hatte solche Lust, war so zufrieden und neugierig und hörte hundertprozentig zu. Wahnsinn.

Teil 2 der Geländestrecke lag vor uns und wir gingen mit einer solchen Freude und Begeisterung über diese Strecke, das war uns weithin anzusehen. Ich strahlte nur noch, Nacariño ging freudig und ehrgeizig und mit Feuereifer an alle Aufgaben heran.

Als er über dem Stamm mit den Steinen die Plane sah, wurde er sehr, sehr aufmerksam, er war echt auf Zack, ließ sich aber gehorsam zur Plane treiben und sprang auf die drauf. Die machte natürlich Geräusche, zudem standen Pfützen drauf, und so machte er auf der Plane einen mächtigen Satz – und danach nahm er den Kopf zwischen die Beine und bockte fröhlich los. Hoppla!! Keine Zeit für sowas! Kopf hoch, Schritt!!
Nacariño schien echt zu grinsen, ließ sich aber ungeheuer schnell parieren und ging dann super durch das Zick-Zack.

 

Langholz

Birke zwischen den Bäumen

im Galopp über die Wellenbahn

und noch einmal durch das Wasser!

Er sprang noch einmal bockend über die Plane und brachte mich nach dem Stamm mit den Steinen kurz in Wohnungsnot, aber dann parierten wir durch und strahlten um die Wette und waren pur glücklich. War das schön gewesen!!

Gigantisch, wirklich. Unser fantastisches Gefühl wurde vergoldet – Nacariño gewann diese Prüfung mit enormem Abstand. Im Trail wären 48 Punkte erreichbar gewesen, wir hatten 45 (Dón hatte 30…). Unsere Wertnote für das Gelände war, wie in der Dressur, eine 9,0 (Dón hatte 8,7 bekommen). Die Wertnote wurde in Punkte umgerechnet, Nacariño gewann diese Prüfung mit 101 Punkten, was 15 Punkte Abstand zur Zweitplatzierten Julia bedeutete. Irgendwie drückte diese Wahnsinns-Punktzahl auch das Glücksgefühl aus, das diese Prüfung in uns hinterließ. Nacariño war den ganzen Tag über schon so toll gewesen, und nun war er nur noch süß und kuschelig und witzig und albern. Einfach herrlich.

Im Protokoll finden sich so schöne Sätze wie „Top! (bei korrekte Hilfengebung, Handeinwirkung, Gefühl, Souveränität, Tempokontrolle, Überblick); gute Linienführung; Slalom gut in Stellung in Biegung, schöne gleichmäßige Volten; Senke mit Ein- und Aussprung perfekt; Wasserdurchritt souverän; und dann: ein Pferd, was seiner Reiterin voll vertraut. Die Freude ist dem Reiter ins Gesicht geschrieben“

Julia und ich juxten noch mal durch den Teich und sprangen (fast) gemeinsam den Aussprung aus der Senke. Wir hatten so richtig Spaß, die Pferde auch.

Was für ein großartiger Saison-Abschluss!
Ich fuhr mega glücklich nach Hause und machte meine wunderbaren Pferde in Ruhe fertig. Ich putzte nochmal über, machte die Mähnen auf (Einhorn-Mähnen…) und kuschelte immer wieder abwechselnd mit beiden. Was hatten sie für tolle Leistungen gebracht… Und mit welch‘ spürbarer Freude, das ist das Wichtigste.

War
das 
schön!!

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