23.10. – Seminar

„Seitengänge“

Bei diesem Seminar standen mir zur Seite: Sabine Tanneberg mit Ousado (15j. Lusitano), Ines Diepenbruck mit Sureña (11j. Lusitano – die Stute war zu diesem Zeitpunkt genau zwei Wochen in ihrem Besitz!), Fiona Steenbuck mit Welcome (9j. Hannoveraner), Ebba Woywode mit Loftsteinn v. Krukow (20j. Islandpferd) und Martina Stöhr mit Sueño (9j. P.R.E.). Und natürlich bereicherten meine drei Jungs Fàscino, Esperanzador und Negócio das Programm.

Vormittags wurden die Seitengänge im theoretischen Teil erläutert und definiert.
Was gehört zu den Seitengängen, was nicht?
Wie unterscheiden sich die einzelnen Seitengänge?
Welche Lektionen gibt es, die „seitwärts“ beinhalten?
Und wozu ist das Ganze überhaupt gut??

Bis zur Mittagspause war danach noch ein wenig Zeit „übrig“, so dass die Zuschauer Wünsche äußern durften. Und so stellte Martina Stöhr ihren P.R.E. Sueño vor, an ihm demonstrierte Ines Lampe Möglichkeiten der Desensibilisierung sehr empfindlicher Pferde.
Danach erfüllte ich mit Esperanzador den Wunsch nach dem Anpiaffieren eines Pferdes, Louis war jedoch der Meinung, aus dem Alter des Anpiaffierens heraus zu sein und zeigte an der Hand wunderbare Tritte, schließlich sogar vollständig ohne inneren Zügel auf die Zuschauerfrage, wie viel der innere Zügel denn noch zu halten habe.
Danach „führte“ er mich Runde um Runde begeistert und verspielt durch die Halle, während ich Fragen beantwortete. Mein Ärmel war ziemlich durchweicht hinterher – aber Louis glücklich. Natürlich lag er auch noch und brummelte vor sich hin dabei, wie immer herzallerliebst.

Nach diesem ereignisreichen und spannenden Vormittag wurde im Vereinsraum zusammen gegessen, wir bewirteten die mehr als 20 Teilnehmer mit Tomatensuppe, Brot und Würstchen. Natürlich gab es im Vor- und Nachmittagsteil auch Pausen mit Kaffee, Tee, Keksen und selbst gebrackenem Kuchen. Hier ein Dank an Wiebke für diesen herrlichen Apfelkuchen…!

Im praktischen Teil zeigten Sabine, Ines, Fiona und Ebba vorbereitende Übungen und die Seitengänge Schulterherein, Travers, Renvers und Traversale an der Hand.
Wie immer durften danach auch die Zuschauer an’s Pferd. Das Ausprobieren-dürfen wurde reichlich genutzt.

Der Nachmittag begann mit einem „bunten“ Pferd – der mit vier verschiedenen Farben bandagierte Fàscino demonstrierte die Fußfolge im Schritt, die anhand der Farben (hier bekam der morgens geäußerte Satz „merkt Euch mal weiß – gelb – blau – grün…“ endlich eine Bedeutung…) gut nachzuvollziehen war. Um in den Seitengängen korrekt einwirken zu können, muss die Fußfolge absolut vertraut sein!
Fàscino bot ein enormes Repertoire: so zeigte er neben verschiedenen Schritt-Tempi (Mittelschritt, Starker Schritt, versammelter und Schulschritt) Kurzkehrt, Hinterhandwendung, Schritt- und Galopp-Pirouette, und die Volltraversale (auch mit Halsring) und – ein besonderer Leckerbissen und selten zu sehen – im Terre á Terre geradeaus und seitwärts. Und es gelangen auch einige Galoppsprünge rückwärts!

Mein herrlicher Fàscino spielte nur so mit seinen körperlichen Möglichkeiten und zeigte ein in sich völlig geradegerichtetes Pferd, als er an der Langen Seite geduldig jeweils drei Mal reiten gerade, reiten in Stellung, Schultervor, Schulterherein auf drei und auf vier Hufspuren, Travers und Renvers demonstrierte. Die Zuschauer sahen ihn, in drei Gruppen aufgeteilt, jeweils von vorne, von hinten und von der Seite. Dass diese Anstrengung nichts mit Überforderung zu tun hatte, bewies der 18jährige, nachdem er nach seinem Auftritt frei in der Halle herumtoben und sich wälzen durfte. Hierbei strahlte er pure Lebensfreude aus und suchte immer wieder Kontakt zu den Zuschauern und zu mir, die ich inzwischen Negócio bei mir hatte. Ich habe Fàscino glaube ich noch nie so zugänglich erlebt, er geht ja eher ungerne auf Leute zu. Es war einfach zu schön.

Nach einer Pause erfolgte eine Demonstration der Seitengänge im Trab und Galopp und der Möglichkeiten, diese miteinander oder mit Lektionen zu kombinieren. Ebba stellte hier Loftstein v. Krukow vor und ich ließ Negócio tanzen. Er zeigte z.B. den Übergang von der Piaff- in die Galopp-Pirouette und weitere Highlights.
Danach demonstrieren Sabine, Ines und Fiona die Folgen von Sitz- und Einwirkungsfehlern. Zudem wurde auf den Reitersitz (insbesondere beim Aussitzen im Trab) und auf die Hilfengebung im Detail eingegangen.

Nach einer Abschlussrunde verließen die Zuschauer gegen 18.00 Uhr, angefüllt mit Informationen, neuem Wissen und vielen Eindrücken, den Reitstall Wüstenkate.

Das schönste Feedback habe ich wohl Louis und Fàscino zu verdanken – auf die Frage, was für die Teilnehmer völlig neu war, war eine Antwort: „Dass es Pferde gibt, die so lustig sind!“

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