20.7. – Breitensportturnier & Non-Stop-Show Eutin-Fissau

Zum ersten Mal, seit ich diese Veranstaltung, die alljährlich am 3. Juli-Sonntag stattfindet, besuche, war das Wetter nicht in eines der Extreme verfallen – bis dato kannte man Eutin nur mit 40 Grad im Schatten oder man ertrank in den Fluten.
Was für eine Wohltat in diesem Jahr der ständige Wind auf dem Parkplatz, der den Pferden eine kühle Pause im Hänger ermöglichte, auf den Reitplätzen war es gegen Nachmittag dann zwar schon brutig heiß, aber der Vormittag war wirklich herrlich mit 25 Grad und fluffigen Wolken. Beste Bedingungen also für die Schwere Kür, die um 12.00 begann. Es starteten sechs Pferde, meine beiden waren erster und letzter Starter, und ich hatte für beide schön in Ruhe Zeit für die Vorbereitung.

Mit Joya hätte es die schönte Kür werden können, die wir je gezeigt haben, die Trab- und Passage-Tour war auch teilweise einfach nur tanzen, nur leicht, nur schön, ich strahlte und lachte, weil es einfach pur Spaß machte. In der Galopp-Tour jedoch versuchte der arme Joya, sich diese beißenden Viecher vom Bauch wegzuschlagen, was ihm nicht gelang, aber zu einer Menge Taktunreinheiten und kuriosen Galoppsprüngen führte. Die versemmelten natürlich das Ergebnis, Joya tat mir Leid, aber der Freude über die unglaublich schöne Trabtour tat das keinen Abbruch. Joya genoss nach der Kür sichtlich das Bauch-Kratzen.

Joyas Kür:

F – G …………… Einreiten über halbe Trabtraversale, Halt, Gruß
G – M ………….. versammelter Trab, rechte Hand
M – B …………… Schulterherein
B – F ……………. Renvers
A – D – M …….. halbe Traversale, danach linke Hand
H – E …………… Schulterherein
E – K ……………. Renvers
F – D – H ……… halbe Traversale, danach linke Hand
zw. C und H versammelter Schritt
H – B ………….. durch die halbe Bahn wechseln im Spanischen Schritt
B – E …………… Mittelzirkel, Zügel aus der Hand kauen lassen
E – H ………….. versammelter Galopp, Schulterherein
C – A ………….. Schlangenlinie durch die Bahn, 3 Bogen, ohne Galoppwechsel
K – X – M …… ganze Traversale, X Pirouette
M ………………. fliegender Galoppwechsel
H – E …………. Travers
E – K …………. Schulterherein
F – X – G …… halbe Traversale, danach rechte Hand
M – F ………… Starker Galopp
A ………………. Passage
E ………………. Mittelzirkel, nach Musik Übergang zum Trab
B ………………. Spanischer Trab, im Bogen auf die Mittellinie
G ………………. Halt, Gruß

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Auszug aus dem Protokoll:
„Einreiten kreativ, etwas schief, Schulterherein sehr gut, Traversale schön, Spanischer Schritt gleichmäßig, Pirouette erste Hälfte gut, zweite etwas hektisch, Seitengänge im Galopp etwas hektisch, Passage sehr ausdrucksstark, Spanischer Trab gelungen. Herausbringen und Musik sehr stimmig, sehr harmonisches Paar“

Und dann kam Fàscino, der brav am Rande gewartet hatte. Er fühlte sich beim Abreiten etwas fest an, ich konnte ihm zum Glück aber Zeit lassen, es waren vier Pferde zwischen meinen beiden Starts, und so konnte ich ihn sich in Ruhe lösen lassen. Die Serienwechsel wollten sich draußen nicht stimmig anfühlen, so dass ich fast erwog, sie wegzulassen, kurz vor dem Einreiten gelangen sie dann aber gewohnt gut. Den Trab ließ ich beim Abreiten fast weg, deutete nur einmal an, dass gleich Seitengänge kommen würde, das reichte Fàsci. Ich piaffierte einmal kurz an, und das stellte ich dann auch sofort wieder zurück, weil die Qualität und die Kraft in seiner Piaffe super war. Also gar nicht so leicht, ihn vorzubereiten, er war zu aller Spannung und zu jedem Krafteinsatz bereit, und ganz so viel wollte ich gar nicht so gerne haben 🙂

Im Viereck drehte er dann auch richtig auf, brüllte zu Joya rüber, der auch noch antwortete, und so saß ich innerhalb von Sekunden auf dem bekannten Feuerstuhl. Die Richter ließen mir noch einen Moment Zeit, während sie das vorherige Protokoll zu Ende schrieben, und so konnte ich Fàscino einigermaßen einnorden, was aber nicht ganz so gelang, wie ich es mir erhofft hatte. Er blieb Mr.-2000-Volt und ging eine Kür unter Strom, aber mit echten Höhepunkten durch diese irrsinnige Versammlungsbereitschaft.

Fàscinos Kür:

K – X …………… Galopptraversale, Halt, Gruß
X – G…………… versammelter Galopp
G ……………….. Volte rechts, fliegender Galoppwechsel, Volte links
C ……………….. linke Hand
H – B …………. durch die halbe Bahn wechseln
B – E ………….. Mittelzirkel, Dreier-Wechsel bis H
C ……………….. Mittelschritt
M – E …………. halbe Diagonale, versammelter Schritt
E – F ………….. halbe Diagonale, Starker Schritt
A ……………….. Piaffe, daraus Trab
K – E ………….. Schulterherein
E – H …………. Travers
C ……………….. Mittellinie, doppelte halbe Traversale, danach linke Hand
vor F …………. versammelter Galopp
F – X – H ……. ganze Traversale mit doppelter Pirouette bei X,
………………….. H fliegender Galoppwechsel
M – F ………… Schulterherein
C ………………. Passage
K – X ………… halbe Traversale, ab X Mittellinie
G ……………… Halt, Pesade, Gruß

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Auszug aus Fàscinos Protokoll:
„Einreiten kreativ, Galopptour sehr harmonisch, fliegende Wechsel prima, Schritt sehr passend zur Musik, Piaffe fleißig, Seitegänge im Trab gut gelungen, Galopppirouette super, Traversale in der Passage klasse, Schlussaufstellung fröhlich.
Musik super passend! Herausbringen ebenfalls, Gesamteindruck: sehr fleißiges Pferd, sehr vertraut und harmonisch“

Ich hatte von den anderen nichts gesehen, rechnete aber nicht damit, dass es für „ganz vorne“ reichen würde – bei Joya die leider leider versemmelte Galopptour, Fàscino auf 180 – hmm. Ich würde Joya vorne sehen, sofern denn zu erkennen war, warum er sich im Galopp so gebärdete. Keine Ahnung, ob das von außen so klar war. Und so stand ich da in der Siegerehrung und war echt gespannt. Und Sekunden später fassungslos.

Für mich ergab sich eine zumindest an erster Position völlig überraschende Platzierung:
1. Fàscino – 8,9 / 9,0
2. Cyrano de Luxe – Denise Oberjat – 9,0 / 8,2
3. Joya – 8,2 / 8,5
4. Dakar – Ilka Klüver – 8,1 / 8,3
5. Walentino – Maria Taugerbeck – 8,1 / 7,5
6. Fey – Julia Wendt – 6,8 / 7,2
7. Sunny – Krista Maria Topf – 6,9 / 6,8

Fàscino hatte diese Kür gewonnen! Meine Güte… Und wie er da so steht mit goldener Schleife, diesem Überraschungssieg, bat ich Jackie um das Mikro. Sie hatte meine Pferde jeweils vorher groß angepriesen und bei Fàsci etwas zu „damals“ erzählt, was für ein Wildfang das gewesen sei, als sie ihn kennenlernte – sein Alter verriet sie aber nicht.
Und so kam völlig spontan aus dem Bauch heraus das, was ich nun sagte – „Dieser Sieg kommt für mich gerade ziemlich überraschend. Dieses großartige Pferd ist seit 22 Jahren an meiner Seite und ich habe soeben beschlossen, dass dies seine letzte Kürprüfung war“.
Mit diesem Satz kam auch der Kloß im Hals – was ist uns beiden nach dem Unfall nicht alles noch geschenkt worden. Er kann einfach nicht mehr besser werden, als er ist, und wie unverhofft kam hier nun die Gelegenheit, mit einem Sieg Schluss zu machen.
Fàsci wird natürlich noch weiterhin ein ganz wichtiges Showpferd für mich sein, aber die Anstrengung einer Kürprüfung tun wir beide uns ab sofort nicht mehr an.
Lieber, geliebter Fàscino… Da gewinnt der diese Kür… Schluck…

Denise, die mit ihrem tollen Cyrano Zweite geworden war, sagte, als ich ihr gratulierte, lachend: „Nächstes Jahr kriege ich Dich!“. Na, mal sehen. Wenn ich für Joya das passende Fliegenspray gefunden habe, will das erstmal ausdiskutiert sein 🙂

Nun hatten wir eine Weile Zeit, die Pferde konnten auf dem Hänger, der so schön vom Wind durchweht wurde, fressen und dösen – der Wind verteilte eine Menge Heu rund um den Hänger…

Am Nachmittag – die frische Brise war, zumindest auf den Reitplätzen, inzwischen leider doch einer happigen Hitze gewichen – war ich für ein Schaubild von 15 Minuten Länge eingeplant, von dem ich erst seit Donnerstag, als ich die Zeiteinteilung sah (und zum Glück etwas genauer durchlas) wusste. Daher ja überhaupt erst spontan der Entschluss, Fàscino mitzunehmen, eigentlich war nur Joya geplant. So aber fragte ich Nic, ob sie Lust auf „Takt & Fußfolge“ hatte – hatte sie, aber eigentlich war ihr Sonntag verplant. So blieb ich denn ideentechnisch an den „Lektionen und Taktverschiebungen der klassisch-barocken Reiterei“ hängen – für diese 15-Minuten-Bilder hatte ich ja nun von Tarmstedt noch die Musiken fertig und die Texte in etwa Kopf. Klar war jedenfalls, dass Fàsci dafür mit musste. Also fragte ich an, ob ich ihn dann nicht für die Kür nachnennen dürfe? „Du kannst reiten, was Du willst“ – solche Antworten mag ich.
Mittags in Eutin warf ich meinen Entschluss aber doch nochmal um. Zum einen wollte ich meinem Kür-Sieger die Anstrengung des barocken Schaubildes nicht antun, zum anderen war es nun schon wirklich heiß und damit suchte auch ich eine Möglichkeit, nicht so viel anziehen zu müssen und vielleicht auch nicht ganz so viel tun zu müssen – denn Fàsci in der Kür zu reiten, war echt anstrengend gewesen. Da kam ich kaum zum Lachen wie bei dem tanzenden Joya. Dieses Powerpaket verlangt echt Konzentration.
Spontaner Entschluss also: Zirzensik & Podest. Ich drückte Britta Joya in die Hand und los ging’s. Das Headset fiel leider wiederholt aus, ich kann also nicht sagen, was gut verständlich war und was nicht, aber man hatte ja auch genug zu sehen, auch wenn mal eine Erklärung nicht durch den Lautsprecher kam. Meine Jungs zeigten Kompliment, Plié, Spanischen Schritt und Joya natürlich auch Spanischen Trab, sie standen neben- und voreinander auf dem Podest, in der zweiten Variante trabte ich eine Acht unter ihren Bäuchen durch, und natürlich stiegen sie auch einzeln und zusammen und Joya zeigte noch seine Laufcourbette.
Das war einfach schön, wir fühlten uns mit diesem Schaubild alle wohl und hatten Spaß.

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13 mein Vollblutköpfchen… Wie alt??

Danach musste relativ schnell fertig gemacht werden für die Offene Kür der Reitweisen. Diese war, wie im Vorjahr, wieder unverständlicherweise in 2 Abteilungen geteilt worden, was dazu führte, da ja kaum jemals alle Nenner auch starten, dass diese Prüfung einmal mit 3, einmal mit vier Startern durchgeführt wurde. Sehr schade, wäre auch für das Publikum sicher schöner, diese Darbietungen alle hintereinander sehen zu können.
Sei’s drum, zwei Pferde zwischen meinen Starts reichten, um das Outfit zu wechseln. Auch hier hatte ich hin- und herüberlegt, was ich zeigen wollte, kam nicht so Recht zu einem Entschluss, und auch als die Reitweisen feststanden, überlegte ich hier doch noch bis kurz vor Beginn, wie ich die Halsring-Kür gestalten wolle. Ich hätte gerne Fàscino frei mitlaufen lassen und ließ ihn probehalber einmal los – er kennt sich hier ganz klar zu gut aus und bleibt nicht so dicht dran wie in Tarmstedt. Das wird also vielleicht nochmal ein Schaubild für Ruschwedel, aber hier verwarf ich die Idee dann doch wieder.

So wurde Joyas erster Start eine Halsring-Kür, in der ich mit Gerte anfing (um Spanischen Schritt und Trab zeigen zu können) und später die Gerte abgab und mir die spanische Flagge holte. Beim Abreiten war Joya ein paar Mal im Galopp so unerhört versammelt, das war die wahre Wonne. In der Prüfung war er nicht ganz so versammelt, leider, aber auch längst nicht so heiß und frech, wie ich ihn nach Tarmstedt erwartet hätte. Also eine schöne Mischung und damit deutlich besser als zu Hause bislang. Er sprang einen fantastischen Wechsel und ging eine tolle Trabtraversale nebst Spanischem Schritt und Trab. Mit der Flagge ist er ja nun wirklich vertraut inzwischen, die konnte ich etliche Galoppsprünge lang über seinem Kopf lassen, konnte ich drehen und wenden, Flagge rauf, Flagge runter, er war cool und sicher. Das machte echt Spaß und war toll!

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Danach schnell Sattel ab, den Zaum mit dem Langen Zügel drauf und noch ein paar Runden gedreht auf dem Abreiteplatz. Meine Güte, ich glaube, so gut war er am Langen Zügel noch nie! Er galoppierte mit einer ungeheuren Versammlung, einfach super. Ich musste nur aufpassen, nicht zu viel zu machen, damit mir noch ein bisschen Luft für die Prüfung blieb.
Er fing super an mit einem großartigen Spanischen Schritt. Danach wartete ich auf die Trab-Musik, die irgendwie nicht kam, mir kam das Stück ohnehin schon viel zu barock vor – es war die falsche Musik. Es dauerte ein wenig, bis die richtige anlief (obwohl die Beschriftung doch eigentlich keinen Zweifel ließ…), und da waren wir irgendwie raus.
Ich fragte im Trab irgendwas an, Joya gab irgendwas anderes, ok, nehme ich, nun aber konzeptlos (nicht, dass ich vorher eines gehabt hätte). Wir hakelten ein bisschen zwischen Trab und Galopp herum und mir rutschten ständig die Füße weg – der Prüfungsplatz war sehr gut gewässert worden, was ich zum Reiten noch unproblematisch fand – zum Laufen war es schlicht unmöglich. Ich schlidderte, Joya wusste nicht, was er sollte, sprang an, holte sich einen Ruck, bremste, ich knallte gegen ihn, er sprang nach vorne – und so weiter. Das Spiel trieben wir gefühlt zwei Minuten lang, da gelangen noch ein paar schöne Zufalls-Pirouetten, aber ansonsten konnte ich so gar nichts mehr ansagen, der Zug war weg, meine Luft war weg, Joya war verwirrt und so ließ ich ihn noch einmal steigen und strich die Segel. Ich konnte nicht mehr. Schade, aber kann passieren.

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So erleichterte ich den Richtern ihre Notenvergabe und die Platzierung, die dennoch leider ganz schön auf sich warten ließ, weil erst noch irgendein Schaubild gezeigt wurde.
Endlich durften wir ins Viereck, Fàscino drohte derweil schon einzuschlafen und umzufallen, hatte er doch nichts mehr zu tun die ganze Zeit, außer zu warten. Hätte ich ihn im Hänger warten lassen, wäre er vermutlich von jeglicher Einschlafgefahr weit entfernt gewesen – und der Hänger inzwischen in seine Einzelteile zerlegt.

Ich ahnte den Sieg, und so war es auch – Ulrike mit ihrer Koekoeksblom und der so schönen Zirzensik. Zweiter wurde Joya mit unserer Halsring-Kür, Dritter Birgit Krickhan, die den Friesen Drewes einhändig blank vorgestellt hatte und Vierter Joya am Langen Zügel. Joyas Ehrenpreis waren zwei Tüten Leckerlies – ich bin sicher, einen besseren Ehrenpreis kann er sich kaum vorstellen. Fàsci hatte für seinen Sieg einen pervers nach Lakritz stinkenden Leckstein – also eher so eine Leckmasse, die an allem klebt, wo sie nicht hingehört – bekommen und sein Gesicht sprach Bände 🙂

So richtig erholt hatte ich mich diesen anstrengenden Minuten und der Warterei nicht, so langsam war ich ganz schön durch. Aber nun waren wir ja auch fertig, ich holte meine Protokolle und packte in Ruhe zusammen. Dann stellten wir uns eine Weile in den Rückreiseverkehr und kamen schließlich reichlich spät, aber müde und zufrieden nach Hause.

Bis nächstes Jahr!

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