24.8. – Tierfaszination Ruschwedel

Das Wetter war so gar nicht schön angesagt. Aber wie war das im letzten Jahr? Überall ging die Welt unter, nur über Ruschwedel hatte jemand eine Plane gespannt?
Wir hofften einfach, das würde nochmal so sein.
War es nicht.
Also nicht dauernd 🙂

Wieder einmal eine großartig organisierte, enorm vielfältige Veranstaltung mit unglaublich vielen Zuschauern. Ehepaar Poppe hatte da wieder so richtig was auf die Beine gestellt. Wir waren mit neun Pferden da und zeigten zehn Schaubilder. Auch die nicht ganz so schnellen Rechner unter uns werden merken, dass da zwischen den einzelnen Bilder nicht in dem Sinne viel Zeit war. Letztes Jahr hatten wir gemerkt, dass die Uhren in Ruschwedel schneller gehen als woanders – plötzlich und unerwartet waren wir dran… Dieses Jahr waren wir darauf eingestellt und alle waren pünktlich zu ihren Auftritten da.

In diesem Jahr gestalteten wir die Eröffnungsparade mit, alle so richtig „in schick“ in einer Reihe, während Günter Poppe, der mit einer Friesen-Kutsche gefahren wurde, die Begrüßungsworte sprach.

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In Anschluss wurden vier weiße Friedenstauben und etliche Brieftauben fliegen gelassen. Ich hatte davon vorher keine Vorstellung und deshalb auch nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, hier nun sah ich, dass die erste Friedenstaube von einem der Herren fliegen gelassen wurde und ergriff, als Margret Poppe gerade jemandem die zweite in die Hand drücken wollte,meine Chance.
„Margret! MARGRET!! Ich möchte auch eine, bitte bitte…“
Günter Poppe verzichtete gern und so durfte ich eine der Tauben fliegen lassen.
Mein Tag war gerettet, bevor er richtig angefangen hatte!

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Nach der Parade machten wir unserer Pferde für die „Arbeit an der Hand“ fertig.
Wir waren zu sechst, das war mal wieder eine schöne große, individuelle Gruppe.

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Wir zeigten zuerst – alle in einer Abteilung – die Seitengänge Schulterherein, Travers, Renvers und Traversale:

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Danach zeigten die Pferde, die es konnten, in den jeweiligen Einzelparts ihr Können, beginnend mit Spanischem Schritt, Trab und Gruß:

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Es folgten Schritt- und Galopp-Pirouette:

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Dann war die Zirzensik dran mit Kompliment und Plié:

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Danach wurde die Arbeit mit dem Podest gezeigt, Joya und Højgaard’s Legro stellten sich sogar – obwohl sie sich überhaupt nicht kannten! – gemeinsam drauf:

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Und danach zeigten wir natürlich noch Steigen und Laufcourbette:

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Das für mich nächste Schaubild war „Nimm zwei!“ – also Reiten mit Handpferd. Ich kam so strahlend raus, es war so toll, ich liebe es, beide Jungs gleichzeitig bei mir zu haben! Das hat einfach pur Spaß gemacht! Ich denke, nicht nur mir 🙂

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Die Mittagspause ließ mir ein wenig Luft zum Atmen – und zu einem Gang durch die Halle, in der Volieren, Aquarien und Kleintierkäfige aufgebaut waren. Wie immer gab es auch für die Kinder Programm mit Ponyreiten, Streichelzoo und vielem anderem, und natürlich kamen auch die Hundefreunde auf ihre Kosten mit diversen Ständen und Show-Vorführungen rund um den Hund. Hier ist wirklich für jeden etwas dabei!

Unser erstes Schaubild nach der Mittagspause waren die „Iberischen Impressionen“ und es wurde gerade rechtzeitig wieder so halbwegs trocken. Das Wetter war leider wie angesagt – sehr durchwachsen und mit einem stetigen Mix aus Sonne, Wind und Regen.
Mit vier Pferden stellten wir die Arbeits- und Reitweisen der iberischen Halbinsel vor. Eines der Pferde war so gar nicht iberer-typisch – Fàscino war dabei! Zum ersten Mal seit seinem Unfall vor nunmehr drei Jahren hatte ich vor einigen Wochen mal wieder vorsichtig den Versuch gewagt, eine Señorita auf seiner Kruppe zu platzieren, und das hatte wunderbar geklappt. Er ließ nicht erkennen, dass ihm das in irgendeiner Form unangenehm sei. Und so war er in Ruschwedel mit Britta und Doris unterwegs, für die diese Form des Reitens bis auf das dreimalige Üben völlig neu war. Es klappte großartig!
Und Joya war natürlich mit dem überdimensionalen Zahnstocher unterwegs 🙂

Zur Beginn trugen Ines und ich die Flaggen von Spanien und Portugal, ich übergab meine Fahne später an Doris – im Galopp!! – und holte mir dann die Garrocha.

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Meine Jungs gemeinsam unter der Garrocha!

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Danach hatten die „Herrinnen der Ringe“ ihren Auftritt – mit sechs Pferden zeigten wir das Reiten bzw. die Bodenarbeit mit Halsring. In dieser Vielfalt dürften die Möglichkeiten des Halsringes selten zu sehen sein!

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Und schließlich sogar mit Rein van Detgum auf dem Podest!

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Ich machte fertig für meine Kür. Geplant war die eigentlich vor unserem Abschlussbild, allerdings gab es eine Ehrung, zu der eine Reiterin aus der Umgebung eine S-Kür hätte zeigen sollen. Die war nun kurzfristig ausgefallen, so dass wir meine Kür vorzogen. Und so hatte diese Kür die einmalige Gelegenheit, als „Weltuntergangs-Kür“ in die Geschichten einzugehen. So nass bin ich noch niemals während eines Rittes geworden – und wenn doch, fehlt mir daran jegliche Erinnerung. Das war unglaublich! Das Wasser fiel nur so aus Kübeln auf den armen Joya und mich herunter. Irgendwann hörte ich jemanden im Sprecherwagen sagen „die lacht ja immer noch“. Daraufhin lachte ich noch mehr, drehte mich im Sattel um und strahlte den Mann an. Das Publikum hatte stapelte sich im Zelt und ich konnte nicht ganz fassen, dass ich immer weiter machte. In der Passage fingen sie an, im Takt zu klatschen, und das Gefühl war so irre, dass Joya auf einmal den Regen vergaß und so richtig loslegte. Bis dahin war er zwar gehorsam, aber toll fand er das wahrlich nicht. Mit dem Applaus kam plötzlich ein Energieschub durch mein Pferd, der sich daraufhin die Beine ausriss, das war echt zu süß. Und dann klatschten sie natürlich so richtig. Und ich war nur noch am Lachen – es war doch egal jetzt, nasser ging es nicht, im linken Stiefel hörte ich bei jeder Bewegung im Bügel ein Quitschen vom Wasser, meine Klamotten sahen aus wie ein Neopren-Anzug, alles glänzte, alles war absolut durchweicht. Mein Zylinder brauchte drei Tage zum Trocknen…

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Zeit zum Trocknen war nicht, und so trocknete ich auf dem nächsten Pferd – Fàscino ging gleich danach in „Takt & Fußfolge“. Ich liebe dieses Schaubild, aber unter den gegebenen Umständen war es semi-spaßig. Ich erfuhr ganz kurz vorher, dass es kein Headset gibt, so dass wir Sandras Haselnussgerte kurzerhand halbierten und das Mikro daran festklebten.
Vier Zügel, Gerte, Mikro am Stock – hmm, relativ viel für zwei Hände. Fàsci nutze die Gelegenheit meiner relativen Hilflosigkeit und verlieh seinem Missfallen über das Wetter Ausdruck, indem er phasenweise lief wie ein Hirsch. Er möchte bitte mit zwei Händen geritten werden und fand es überhaupt nicht komisch, dass ich da ständig versuchte, so in dieses ganz schön wackelige Mikro zu sprechen, dass man mich auch verstand. Die Musik ging auch nicht. Super. Die ist auf die Gangarten abgestimmt und fehlte natürlich. Ich glaube, in dieser Form passte dieses Schaubild an diesem Tag einfach nicht hierher, es ist doch schon sehr fachlich und speziell und eigentlich kein Schaubild, an dem sich Laien einfach erfreuen können, und dann noch im Regen und ohne Musik… Hmmm. Ich war schon etwas enttäuscht. Wir gaben unser bestes, zeigten mit einem Islandpferd, einem Iberer und meinem Hannoveraner anhand farbig bandagierter Beine die Taktfolge in den Gangarten Schritt (incl. Versammlung und Verstärkung), Tölt, Trab (incl. Verstärkung und Passage) und Galopp (incl. Außengalopp und Serienwechsel). Mir gab dieses Schaubild Gelegenheit, zumindest am Oberkörper einigermaßen wieder zu trocknen, ließ doch der Regen nach und hatte ich doch den Frack gegen eine Weste getauscht und nur die Bluse anbehalten. Die war tatsächlich hinterher weitgehend trocken. Die Hose und der Zylinder nahmen diese Chance nicht wahr 🙂

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Die flinken Helfer eilen herbei, um die Schritt-Bandagen zu entfernen und die Galopp-Farben zum Vorschein kommen zu lassen:

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Als letztes Schaubild waren die „Variationen zu Pferde“ geplant. Da es im Verlauf der Veranstaltung zu Zeitverzug gekommen war, wurde ich gebeten, dieses Bild auf fünf Minuten zu kürzen. Das ist ausgerechnet bei diesem Schaubild schlicht nicht möglich, da die Musik auf die einzelnen Reitweisen zugeschnitten ist. Das Schaubild also, das im Vorwege die meiste Arbeit macht, fiel nun aus. Ich zog einen Flunsch und so stellten wir unsere Pferde nur noch einmal „einfach so“ bunt gemischt vor. Schade, aber naja…
Joya hatte etwas überraschend Feierabend, Fàscino hatte immer noch Lust und zeigte unter anderem eine ungeheuer dynamische Passage. Das machte schon nochmal Spaß!

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Der Tag hatte mir überraschend viel Energie gegeben. Damit hatte ich nicht gerechnet, zumal ich in den Tagen zuvor gesundheitlich reichlich angeschlagen war. Und so freute es mich um so mehr, dass der Tag nur schöne Erinnerungen und ein gutes Gefühl hinterließ. Das hing sicherlich auch mit der tollen Gruppe zusammen, wir hatten einige Neulinge dabei, auch unter den Helfern, aber alle harmonierten und verstanden sich bestens.

Hoffen wir, dass am vierten August-Sonntag im Jahre 2015 das Wetter auf unserer Seite ist! Sind Sie dabei? Wir sind es auf jeden Fall!

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