9.11. – Prüfer Breitensport *

Acht neue „Prüfer Breitensport *“ hat das Land seit dem 9. November 2014!
Wir waren von Freitag bis Sonntag auf dem Hof Bühring in Alveslohe, wo wir nach zwei Seminartagen am Sonntag von vier Prüfern in diversen Teilstationen geprüft wurden.
Es ging los mit einer Parcours-Abnahme; in diesen Parcours waren etliche Fehler eingebaut, die wir finden mussten. Jeder war alleine mit einem Prüfer unterwegs. Da fühlte ich mich ja noch gut und sicher, das klappte super.

Danach gingen wir in einer Dreier-Gruppe zu zwei verschiedenen Theorie-Stationen. Nachdem ich mich in den zwei Tagen zuvor höchst erfolgreich zum Klassenclown entwickelt hatte, war ich aber auch immer wieder geschockt davon, was sich seit 2000 so getan hat in LPO, APO, WBO (meine ist noch druckfrisch…) etc. (ich war dann immer die, die die Sätze mit „aber damals…“ anfing und sich nach und nach immer älter vorkam…).
Vor der Theorie hatte ich also – sicher nicht ganz unbegründete – Sorgenfalten auf der Stirn. Die ließen nach dem ersten Teil „Regelwerke und Rahmenbedingungen“ nach: Wir wurden abwechselnd zu Praxisthemen befragt; Dinge, die im Leben (insbesondere auf einem Breitensportturnier) passieren können, und wie wir damit umgehen würden? Das war gut, die Prüfer hatten zwar ein Bild vor Augen und eine Idee, was sie hören wollten, was wir natürlich nicht hatten, aber die beiden haben uns immer gut in die Richtung gesabbelt, in die sie uns haben wollten. Das fühlte sich also auch gut an.

Die zweite Station machte mir mehr Sorge – „Tierschutz und Verantwortung des Prüfers“. Nicht zwingend wegen des Themas, sondern eher wegen 50 % des Prüfer-Paares. Diese 50 % waren dann auch wahrlich anders drauf. Die erste von uns dreien sollte erzählen, wie sie einen Vorführ- und Pflege-Wettbewerb durchführt. Sie verhaspelte sich immer mehr und wurde leider von den Prüfern auch nicht an die Hand genommen. Ich finde, das hätte man anders gestalten können. Wie bei Günter Jauch auf dem Sofa fielen mir immer Antworten ein, die sie doch hätte geben können, aber IHR fielen die halt nicht ein.
Die zweite in unserer Runde sollte das Gleiche zum Caprilli-Test erzählen. Das war nicht so ihr’s und wir hätten uns im Nachhinein sehr gewünscht, unsere beiden Themen wären getauscht gewesen… Ihr ging es also nicht viel besser und während sie noch nach Worten suchte dachte ich plötzlich „Sch… – wenn die beiden Themen kriegen, bei denen sie so auflaufen, was für ein Thema um Himmels Willen kriege ich dann?“ Die Prüfer kennen mich ja und wissen sehr wohl, dass ich in Segeberg u. a. die Offene Kür richte und mich so ziemlich keine Reitweise mehr überraschen kann. Und so wurde ich plötzlich ganz klein, als mir klar wurde, dass hier ganz offensichtlich nicht bei allen Gruppen die gleichen Prüfungen gefragt werden, sondern dass ganz gezielt bestimmte Prüfungen bei bestimmten Prüflingen dran waren. Und dann kam’s: „Agility“. Viel schlimmer hätte es nicht kommen können. Kaltblut-Vierkampf oder Holzrücken wäre vielleicht ähnlich schlimm gewesen. Und so wagte ich die Flucht nach vorn, lachte und meinte, sorry, aber im Ernst, das kenne ich nur von den Hunden. Oder auf einer Show mit Pferden, aber mir war nicht klar, dass das eine WBO-Prüfung ist. Es ging um Sicherheit und ich dachte mir von allen Seiten etwas aus, was für Hindernisse ich mir vorstellen könnte und worauf dabei und allgemein zu achten ist und so sabbelte und sabbelte ich und sie wurden immer freundlicher und lenkten mich nachher tatsächlich sogar in die Richtung, in die sie meine Antworten haben wollten. Dafür, dass ich 5 Minuten vorher noch nicht wusste, dass Agility ernsthaft eine WBO-Prüfung ist, durfte ich mit einer Mischung aus „gut aus der Affäre gezogen“ und „Frechheit siegt“ zurück in die kalte Novemberluft. Da man sich ja vor einem Turnier ohnehin mit der Ausschreibung und den Prüfungen, die man richten soll, befassen würde (also ich jedenfalls), würde ich natürlich im wahren Leben nicht ein derart überraschtes Gesicht machen, und das war den beiden offensichtlich auch klar.

Im Anschluss richteten wir eine Springprüfung (in Anlehnung an Kl. E) nach Fehlern und Zeit. Der Springblock war auszufüllen, was an sich kein Problem ist, hier allerdings stoppten wir auch noch die Zeit und hatten nicht wirklich eine Ablage, da wir ganz oben auf der Tribüne standen und die Ritte beobachteten, die in „Echtzeit“ abliefen, also auch zwischen den Startern wurde uns nicht etwa noch eine Schreib-Minute zugestanden.
Ich hielt mich krampfhaft – mit klammen Fingern – an Zettel, Stift, Klemmbrett und Stoppuhr fest, in der Angst, gerade die Stoppuhr (nämlich mein Handy) könnte den Weg nach unten antreten.
Das passierte nicht, wir konnten fehlerfreie und fehlerhafte Ritte notieren, addierten die Fehler und nahmen eine Rangierung vor. Diese Springblöcke wurden abgegeben, damit nicht hinterher noch etwas manipuliert – oder, um es freundlich auszudrücken – verglichen und „korrigiert“ werden konnte 🙂

Mir fiel zwei Stunden später ein, dass ich bei dem einen Ritt einen Fehler gemacht hatte – 42 Sekunden war die Erlaubte Zeit, es gab 0,25 Strafsekunden pro angefangene Sekunde „über der Zeit“, ich hatte 43,irgendwas gestoppt. Ich notierte 0,25 und irgendwann fiel mir – mittendrin – ein, dass es hätten 0,5 sein müssen. Verdammt!

Nach dem Springen richteten wir aber erst einmal eine GHP mit drei geführten und zwei gerittenen Pferden. Für diese Reiter und Pferde war das teilweise völlig neu, und das war natürlich klasse. Da gingen nicht fünf geübte total entspannt über alles rüber, sondern es passierte ziemlich viel von dem, was eben passieren kann. Das war super, um beurteilen und kommentieren zu üben und es ging den Prüfern letztlich ja darum, wie wir unsere Beurteilung (Note und Schlusskommentar) begründen, wenn wir von deren Eindruck abweichen. Das aber kam später, erstmal gaben wir nur unsere Noten ab (die Protokolle behielten wir, damit wir unsere Eindrücke noch einmal durchsehen konnten, bevor wir dazu befragt werden würden. So denn die Schrift später noch wiedererkannt werden würde. Bei mir gar nicht so einfach. In der GHP geht Schreiben UND Gucken schlicht zu schnell).

Wir richteten nun eine Bodenstation des neuen Reitabzeichens Nummer 8. Die sind mir ja nun auch noch reichlich neu und so suchte ich meine Skizze vom Ablauf, fand die nicht, wurde noch von einem Prüfer im Schnack aufgehalten und suchte schließlich die anderen. Ich dachte, das findet in der Stallgasse statt – da war keiner. Als ich die anderen schließlich fand, wurde mir aber schon ein bisschen schlecht – zwei Pferde waren schon durch, zwei noch dran. Ich wurde, glaube ich, ziemlich blass. Ich hatte KEINE Ahnung, was nun wie notiert werden sollte, da ich meine Skizze nicht gefunden hatte, und machte einfach mal so, wie ich dachte. UPS… Hier wäre Platz für ein sehr unschönes Wort. Ich machte mir also Notizen zu den letzen beiden und gab denen Noten, die ersten beiden fehlten. Hinterher erfuhr ich, dass genau das noch einem Prüfling passiert war, aber macht’s das besser? Würden sie mich daran nachher noch aufhängen? Verdammt…
Die beiden Pferde, die ich sah, zeigten diese Station sehr unterschiedlich und so konnte ich wenigstens schön verschiedene Kommentare und Noten schreiben. Und zu denen zu stehen und die zu argumentieren, damit hatte ich ja nun so gar keine Sorge 🙂

Es war Zeit für die Mittagspause, ich las das Gekritzel auf meinen Protokollen nochmal durch und dachte, die werden uns schon nicht durchfallen lassen wollen. Mit der Theorie hoffte ich, das „Schlimmste“ hinter mir zu haben – zumindest für mich selbst.
Mein Gefühl war ziemlich gut. Die Stimmung auch. Ich merkte wieder, wie sehr ich doch Prüfungsmensch bin – ich konnte mich super konzentrieren, hatte ne Menge Spaß und kein Problem mit den Nerven. Das ging anderen anders, die taten mir Leid.

Es ging an den vorletzten Prüfungsteil, das Richten eines Reiterwettbewerbes mit zwei Sprüngen. Wir mussten wenigstens nicht auch noch selbst Kommandos geben, gucken und schreiben war im Prinzip aber auch hier schon zu schnell / zu viel. Es waren vier Reiter, sehr unterschiedlich, und die wurden – Überraschung – gebeten, durcheinander zu reiten und ihre Pferde in allen drei Gangarten und im Leichttraben vorzustellen. Eine Abteilung wäre natürlich viel leichter vergleichbar gewesen. Zum Glück kannten wir die Pferde und Reiter vom Vortag, und da es hier relativ fjordpferdelastig war in diesen Tagen war es ganz gut, dass wir sie schon ein wenig kannten, sonst wäre es noch viel komplizierter geworden, die auseinander zu kriegen auf dem Protokoll. Ich kannte alle Namen und vertüddelte die Kommentare trotzdem noch.
Ich gab jedem eine Note vor dem Springen, die durch das Springen noch beeinflussbar war, und ich wusste so schon, dass meine Siegerin nicht die Siegerin aller anderen sein würde – und deren nicht meine 🙂
Das Springen veränderte meine Rangierung nicht, verbesserte aber bei allen die Note noch einmal und wieder gaben wir nur unsere Endnoten ab und behielten die Protokolle.

Es ging in die letzte Station: Argumentation. Ha! Meins meins meins!!
Und so war es dann auch. Die Prüferpaare waren jetzt anders zusammengesetzt (sehr sinnvoll, wie ich fand, denn auch das sind schließlich nur Menschen mit Vorlieben und Abneigungen). Zuerst musste ich mich für meinen Springblock und die GHP-Noten „rechtfertigen“, was ich gleich mit dem Satz begann „beim Springen müssen 0,25 Zeitfehler dazu, da habe ich zu wenig eingetragen“. Es hätte die Rangierung nicht geändert und den Satz fanden sie natürlich gut. Offenbar hatte ich ihnen damit ein wenig die erste Frage verdorben. Sorry. Meinen Springblock ansonsten fanden sie super ausgefüllt, es gab noch eine Anregung dazu, und bei der Parcoursabnahme morgens hatte ich nur einen Fehler nicht gefunden (das Ziel stand nicht sechs Meter oder näher hinter dem letzten Sprung. Auch so’n Ding, was ich überhaupt nicht (mehr) wusste… Damals… Nee, ich glaube, das war damals auch schon so). Der Teil also war gut.
In der GHP sollte ich meine schlechteste und meine beste Note begründen und nach drei Sätzen winkten sie lächelnd ab und ließen mich die nächste holen. Das war mal kurz und knackig und offensichtlich zufriedenstellend gelöst.

Danach die Prüferin, die etwas, sagen wir mal, „ernster“ war als die anderen. Ihr gegenüber (und ihrer „Beisitzerin“) sollte ich meine Noten in der RA-Station und im Reiterwettbewerb argumentieren. Und da (spätestens) lief ich zu Höchstform auf. Ich wusste, dass sie eine andere Siegerin hatten, nämlich die, die so ungefähr jeder nach vorne gesetzt hätte. Ich argumentierte die beiden in Grund und Boden und stand felsenfest hinter meiner Meinung. Sie erzählten mir ihre Argumente, die ich freundlichst abnickte und offenbar konnten wir gut unsere Argumente nebeneinander stehen lassen. So ist das Leben. Bei mir gewinnt Gefühl. So 🙂

Das war’s dann plötzlich auch schon. Der Tag war toll und hat echt Spaß gemacht und war längst nicht so anstrengend wie erwartet, die happig vollgepackten Seminartage hatten mich das anders erwarten lassen. Für mich war super, dass es so extrem praxisorientiert war. Von zehn haben acht bestanden, was mir natürlich für die beiden Nicht-Besteher echt Leid tat, was aber auch durchaus eine Aussage dafür ist, dass es keine „wir lassen da mal jeden machen“-Prüfung war. Es war sehr umfangreich, und wieder und wieder wurde an die enorme Verantwortung appelliert, die wir tragen, wenn wir bewerten bzw. wenn wir uns um die Organisation breitensportlicher Veranstaltungen und Wettbewerbe kümmern. Gut, dass mir das SO nicht bewusst war, als ich mit Segeberg angefangen habe vor einigen Jahren!
🙂

Ein großes Dankeschön an Maritres Hötger und Antje Voß für die großartige Organisation!

Herzlichen Glückwunsch an die weiteren neuen Prüfer Breitensport: Bianca Aßler, Wibke Behrens, Martina Beck-Broichsitter, Claudia Hansen, Hilke Rudolph-Schümann, Laura Stoepker und Frauke Luckman!

Hier können Sie den Bericht des Pferdesportverbandes lesen.

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