4.6. – Jübeker Pfingstmarkt

Tatsächlich war ich vor 12 (!) Jahren mit Fáscino in Treia gewesen, das war der Vorläufer dieser Veranstaltung, die jetzt im alten Stadion von Jübek ausgerichtet wird.

Am Pfingstsonntag nahm ich Dón mit nach Jübek, am Montag Nacariño.
Es war toll, das so aufteilen zu können; nur mit einem Pferd loszufahren ist doch unendlich viel entspannter als mit beiden. Die Fahrt war lang, ich legte an diesen beiden Tagen insgesamt 600 km zurück (!!), aber es hat sich so gelohnt!

Wir trafen in weiten Teilen sehr gute Bedingungen an – so konnte man sich auf dem Parkplatz aus ursprünglichen Fahr-Hindernissen Paddocks bauen, wenn man denn Longen oder Litze dabei hatte. Wir nutzten das nicht, unsere Pferde standen entspannt am Hänger angebunden und mümmelten Heu oder Gras.
Direkt an den Hängern gab es Wasser; Abreite- und Showplatz waren ganz nah dran.
Nicht so schön war die ungeheure Lautstärke, mit der gefühlt immer dieselbe Musik auf einen eindröhnte, ebenfalls nicht so schön waren die Staubwolken, die die Autos hinter sich herzogen, wenn sie viel zu schnell den Sandweg um den Showplatz herum entlang fuhren. Das war Montag noch schlimmer als Sonntag, da war es trockener.
Das Wetter war gar nicht so schön angesagt, aber 20 km vor Jübek stellte mein Scheibenwischer die Bewegungen ein und tatsächlich bekamen wir in den zwei Tagen keinen Regen ab!

Ich hatte täglich drei Schaubilder, jeweils 20 Minuten durfte ich per Headset live sabbeln. Also meine Lieblings-Variante 🙂
Geplant waren Variationen am Boden, Barockes Ensemble und Iberische Impressionen.

Am Sonntag waren Nic mit Navarre und Tanja mit Flamenco dabei. Wir starteten mit dem Barocken Ensemble und stellten unsere Pferde zuerst unter dem Sattel vor. Ich erzählte und ging dabei zum Einen auf Dinge ein, die ich bei den beiden anderen gerade sah oder kommentierte auch so, dass die beiden wussten, was wir jetzt gemeinsam zeigen sollten.

Dón war anfangs ziemlich aufgeregt, ließ sich aber während des Schaubildes recht schnell und immer besser auf meine Wünsche ein und so konnte ich schön kommentieren, worauf ich bei bestimmten Dingen achte und wie ich manches verbessern kann – zum Beispiel seinen nicht so ausdrucksvollen Trab über die Idee des Spanischen Schrittes / Trabes und das Angaloppieren über einzelne, gesetzte Momente des Anspringens.
Da machte Dón wirklich prima mit.

Wir hatten unsere Podeste mitgebracht und die direkt aneinander gestellt. Nic und Tanja hatten Navarre und Flamenco tags zuvor zum ersten Mal überhaupt gemeinsam auf Nics etwas breiteres Podest gestellt; unser Plan war, mal zu probieren, ob wir alle drei gleichzeitig würden draufstellen können. Und das gelang tatsächlich!

Wir saßen ab, um die Pferde auch noch an der Hand vorzustellen. Nic und Tanja zeigten auch noch einen kurzen Auszug zur kombinierten Arbeit an der Hand.

Dón war, nachdem ich ihn einmal anpiaffiert hatte, nicht mehr dazu zu bewegen, auch nur einen Schritt seitwärts zu gehen. Dafür bekam ich Piaffe, Spanischen Schritt und Spanischen Trab rauf und runter geschenkt von ihm, aber seitwärts war kaputt.
Macht nichts, zeigten die anderen, und ich konnte erzählen, dass manchmal auch Dinge weg sind und man sich davon nicht beeindrucken lassen darf, die kommen auch wieder.
🙂

Zum ersten Mal ließen wir alle drei zusammen steigen, neben der neuen Podest-Variante war dies die zweite „Uraufführung“ des heutigen Tages. Das fühlte sich schon toll an!

Die drei tollen Jungs durften grasen, der sehr graue Himmel wurde etwas heller, die frische Brise hielt an, aber es war nicht mehr ganz so kühl. So machte das Spaß.
Wir „outfitteten“ um auf iberisch.
Señorita Kimi nahm Platz auf Flamis Kruppe, Nic und ich nahmen, nachdem wir anfangs mit den Flaggen ein wenig Vertrauen demonstriert hatten, die Garrochas zur Hand.



Hier begeisterte Dón mich – seine Versammlungsfähigkeit hat sich wirklich deutlich verbessert. Die Pferde fühlten sich auf dem Boden mit dem Galopp nicht so wohl, das ist auf Gras ja häufig so, und auf der Abreitefläche war schon zu spüren, dass sie, wenn überhaupt, sehr vorsichtig und eher unsicher galoppierten. Flami traute sich nachher gar nicht mehr, er braucht wirklich guten Boden, um sicher galoppieren zu können.
Auch Nic wurde mit Galopp extrem zurückhaltend, ich fragte Dón, ob er möchte und ließ ihn bewusst sehr gesetzt nach oben anspringen, und er zeigte, nachdem der Galopp im Barocken Ensemble sich schon gut angefühlt hatte, auch jetzt keine Scheu.

Ich hatte die Garrocha zu Hause erst wenige Tage zuvor nach Monaten endlich mal wieder in die Hand genommen und er drehte die bislang kleinsten Runden. Zum ersten Mal konnte ich die Garrocha über mehrere Runden im Galopp stehen lassen, letztes Jahr musste ich sie immer nochmal wieder mitziehen, da war an ein Stehenlassen im Galopp noch nicht wirklich zu denken. Hier nun – und das auf dem Boden! – konnte ich sie hinstellen, Dón hielt mehrere Runden sicher den Rhythmus und den kleinen Kreis, und ich konnte schlisßlich sogar die Garrocha auf der Schulter ablegen und loslassen, Dón hielt den Kreis. Das war so gut wie noch nie zuvor und ich freute mich und lobte entsprechend.

Mit Nic ergaben sich noch schöne Momente zu zweit im Schritt. Leider gibt es nur sehr wenige Bilder, das Licht war einfach noch zu schlecht bei dem grauen Himmel, und Kimi saß ja die meiste Zeit auf Flamis Kruppe – eigentlich könnte sie aber doch auch von hier aus fotografieren…?? 🙂

Auch in diesem Bild saßen wir noch ab und zeigten die Pferde an der Hand (sonst sind 20 Minuten echt lang…). Wieder bekamen wir ein gemeinsames Steigen hin, alle zeigten Spanischen Schritt, Dón war hochmotiviert und bewegungsfreudig.

Ach, das machte Spaß! Die Pferde machten so schön mit!
Wir boten ihnen etwas zu trinken an und gingen dann mal eine Runde über den Platz mit den Ständen. Der Pferdemarkt war echt gruselig, hier wurde bestimmt der eine oder andere Mitleidskauf getätigt. Die Pommes dauerten ewig (und waren teuer), die Musik dröhnte weiterhin viel zu laut (für mich persönlich schon fast ein Stimmungskiller, ich kann solch eine Lautstärke schwer ertragen), und es war immer noch ziemlich frisch.
Aber immerhin trocken! Also bloß nicht meckern!!
Der Wind wuschelte durch Dón’s Prachtmähne.

Und richtig klasse über den ganzen Tag hinweg war der Moderator Michael Wittig.
Er fragte mich manchmal während des Schaubildes etwas, es machte echt Spaß mit seiner Moderation. Das erleben wir leider viel zu selten in einer solchen Qualität!

Unser letztes Schaubild waren die „Variationen am Boden“. Ich hatte die große Plane mitgebracht, die breiteten wir vorher einmal bei den Hängern aus, damit Navarre und Flami die kennenlernen konnten. Dón hatte die ja auch noch nicht oft gesehen.
Alle gingen brav drauf, das machen sie wirklich prima. Allerdings war es doch noch ganz schön windig (spätestens mit Plane und Flagge merkt man das), die Plane geriet immer wieder in Bewegung. Wir standen nachher schon mit möglichst vielen Füßen drauf, aber der Wind griff immer wieder drunter. Ich freute mich wie Bolle, dass Dón das so gut aushielt, nachdem er ein, zwei Mal gescheut hatte.

Auf dem Showplatz allerdings war es noch ungeschützter als hier, wir würden die Plane also irgendwie sichern müssen, sonst würde die uns gnadenlos über den Platz wehen.
Wir stellten an den schmalen Enden (die Plane ist oval) die Podeste drauf und an den langen Seiten rollten wir die Garrochas ein. Dón schaffte es natürlich mehrfach, auf die Garrocha zu treten, die sich daraufhin rollend bewegte, was er gar nicht witzig fand.

Wir begannen aber erstmal mit der klassischen Arbeit an der Hand, zeigten Seitengänge (Dón fragte schon wieder nach ganz vielen anderen Sachen…), Spanischen Schritt, Piaffe und was unsere Pferde halt so können.




Natürlich bezogen wir die Podeste wieder mit ein und unsere Flaggen und Flami spielte mit Tanja großartig Ball.


Dann bezogen wir die Plane mit ein, gingen zusammen (mehr oder weniger…) im Spanischen Schritt drüber, und ich freute mich wie verrückt, als Dón auf der Plane piaffierte, während die vom Wind bewegt wurde. Das war wie auf Wellen und ein ganz unglaubliches Gefühl. Diese silbern glitzernde Plane sieht aus wie Wasser, und dann dieses Wellen-Gefühl… Hammer!


Er stieg auch extremst lässig, einmal super schön eingerahmt von Navarre und Flami auf den Podesten.

Und dann überlegte ich kurz – und wagte es. Ich nahm auf diesem riesigen Gras(!)platz die Trense ab und ließ Dón frei. Es gab keinen geschlossenen Ausgang, hier war er nun wirklich sehr, sehr frei. Dón nahm begeistert ein Maul voll Gras, ich animierte ihn zum Spiel, und noch kauend legte er los. Und nun gab es einen ständigen Wechsel zwischen voller Begeisterung und Motivation mit mir spielen, sich schnell ein Maul voll Gras rupfen, wieder lostoben und wieder die Nase im Gras versenken. Das war zu süß und so voller Leben und so total echt und ungekünstelt, so völlig „undressiert“, einfach nur toll.
Dón galoppierte in einer Lässigkeit zwei Runden mit mir, und das, nachdem wir erst auf der Nordpferd unsere ersten freien Galoppsprünge überhaupt erlebt hatten!




Ach, was für viele schöne Momente! Und wie man sieht – der Himmel war nicht mehr ganz so grau, die Fotos wurden mehr und besser 🙂


Nic und ich waren hin und weg von unseren Pferden, Tanja hätte sich etwas mehr gewünscht, aber Flami kennt einfach überhaupt nichts und kann sich noch nicht so gut auf solche Dinge einlassen. Er ist dann schon noch deutlich scheuer und zurückhaltender als zu Hause. Er ist 14, wurde in jungen Jahren angeritten, und hat dann tatäschlich 8 Jahre seines Lebens im Garten einer Frau mit zwei Shettys verbracht. Mit 12 kam er erst wieder unter den Sattel und dann zu Tanja. Für ihn ist das alles also natürlich noch einmal ganz anders als für ein Pferd mit Reitpferdemuskulatur und -erfahrung. Das hat er in der Form einfach nicht. Er hat aber so viel gelernt und macht so viele Dinge so großartig, er braucht einfach Routine und die Sicherheit von Tanja, dass schon alles gut ist, wie es ist. Ein Hingucker ist er allemal mit seinem wunderschönen Aussehen, seiner tollen Farbe und seinem ausgesprochen schönen Gesicht. Ach, die drei sind schon ein tolles Trio!

Ich brachte Seine Majestät nach Hause und dann mich selbst. Und freute mich auf den nächsten Tag, den ich mit Nacariño hier sein würde. Danke, mein wunderbarer Dón…

Hier gibt es den Bericht zum Pfingstmontag!

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