9.6. – Team-Légèreté-Turnier

Achtung – wer das lesen will, sollte sich erst ein Snickers holen.
Das dauert nämlich jetzt etwas länger…   🙂

Was für ein wunderschönes Turnier!
Das war wirklich ein rundum herrlicher Tag. Die Anlage des Reitstalles Kröger war fantastisch hergerichtet, man fühlte sich willkommen und konnte sich so richtig wohlfühlen. Ein dickes Dankeschön hierfür!!

Ich reiste bereits am Samstagnachmittag mit meinen beiden Jungs an und wurde von Ines Lampe, deren Pferde hier stehen, herzlich empfangen. Fàscinos Schwester Arsienne hatte hier jahrelang gestanden, Fàscino war vor zehn Jahren schon einmal hier, als ich während eines Lehrganges, den ich gab, noch mit Fàsci (und damals auch Negócio) den Lehrgangsteilnehmern mittags ein paar Dinge mit meinen Pferden zeigte. Das war ein tolles Wochenende, und es war jetzt schön, zu sehen, wie großartig sich diese Anlage verschönert und verbessert hat.

Kurz nach mir trudelten Ines Diepenbruck mit Sureña und direkt hinter ihr Sandra und Jenny mit Sahabi und Jairami ein. Großes Hallo und gemeinsame Freude über die großartige Vorabeit, die hier von Ines L und ihrem Team geleistet wurde – die Pferde hatten helle luftige Boxen und Stroh und Heu satt.
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Wir hatten sogar eigene Ausrüstungsboxen.
Die brauchte ich auch…
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Wir packten aus und um und ein und überhaupt und so und genossen dann mit unseren Pferden noch die Abendsonne auf dem schön hergerichteten, gepflegten Dressurviereck. Ich hatte mein Podest mit, mit dem wir herumspielten.
Zuvor jedoch wollte ich unbedingt noch einmal Joya reiten, der ja kurz vor der Nordpferd seinen Sattel nicht mehr mochte und mich seitdem durch ein Sattel-Odyssee schickt, wie ich sie noch nicht erlebt habe. Ein Pferd mit einem derart empfindlichen Rücken hatte ich noch nie. Ich steiger also seit Wochen ebay leer (3-2-1-alles meins), bin immer auf der Suche nach ganz ganz weit und viel Widerristfreiheit, was offenbar eine seltene Kombination ist. Nun hatte ich gerade einen, der bislang am besten sitzt, der liegt seit gut zwei Wochen drauf, lässt mich gut sitzen und gibt Joya herrlich viel Schulterfreiheit – und einen Tag vor der Abreise beschließt er, dass der irgendwie, also, hmm, naja…
Von jetzt auch gleich keine Rechtsstellung mehr, kein Rücken, buckeln – ich war ratlos. Nach diesem unschönen Ritt nahm ich den Sattel runter und drückte wirklich nicht zimperlich den Rücken hier und da und dort ab und holte seinen Hals nach rechts – kein Problem. Er stand da total entspannt und genoss alles.
Ich musste also Samstag in Altengamme noch einmal reiten, um eine Idee zu bekommen, ob der Sattel oder nicht der Sattel oder ein anderer Sattel oder was um Himmels Willen, wenn nicht (der) Sattel…??
Ines L bot mir an, Smilys Sattel zu probieren, den sie ganz neu hat und der ja nun an diesem Sonntag nicht gebraucht wird, da Smily – der übrigens ganz, ganz großartig aussieht!! – sich ja noch von der Kolik-OP erholt.
Der Sattel lag technisch sehr gut, also freute ich mich, den ausprobieren zu dürfen. Kammerweite 36…!!
Der war glatt und zog mich so gar nicht rein, aber auf Joya lag er gut. Ich ritt also damit, Joya war heiß und kernig und auf Buckeln eingestellt und extrem albern, also ließ ich ihn buckeln und rumblödeln, das entspannt ihn meist gut. Ganz glücklich war ich nicht, aber ich hatte vor, diesen Sattel zu nutzen und Sonntag ganz früh noch einmal zu reiten.

Wir spielten noch mit den Pferden, meine beiden standen begeistert auf dem Podest und genossen die Sonne und waren verspielt und süß.
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Sahabi und Surena steigen ja inzwischen zuverlässig und so wagten wir den Versuch, unsere Pferde im Quartett steigen zu lassen – cooles Gefühl!!
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Ines L gesellte sich noch dazu und brachte mit Tayeb ein wenig Farbe in unsere Truppe.
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Und schließlich stand auch noch der podest-unerfahrene Sahabi auf selbigem …
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… und erstmals „S & S + J & J“ mit ihren beiden gleichzeitig auf dem guten Stück!
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Wir gingen noch schön essen am Deich, sehr günstig und sehr gut, und da wurde es dann auch langsam frisch. Es sollte in der Nacht noch viel frischer werden – ich hatte mein Nachtquartier neben Joyas Box aufgeschlagen, das war mir aber zu zugig, und so zog ich um in die Ausrüstungsbox neben Fàscino. Der fand’s großartig und brummelte alle halbe Stunde zu mir rüber. Viel geschlafen habe ich nicht, aber es war zu schön, mal wieder eine Nacht neben meinem Großen zu verbringen. Sollte man viel öfter machen…
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Ich war früh wach, fütterte und wollte gerne beide Pferde noch einmal bewegen, weil ich nicht abschätzen konnte, wie viel Abreiten später möglich sein würde. Unsere Richterin hatte aus gesundheitlichen Gründen ganz kurzfristig abgesagt, Ersatz war nicht zu finden auf die Schnelle, ich wollte unbedingt einmal selbst reiten, war aber ja gerne bereit, die anderen Prüfungen zu richten, und da mir immer gesagt wird, ich solle mal delegieren lernen, tat ich genau das. Und so bat ich unsere beiden „Inesse“, zu richten.
Ines L hat schon ein wenig Erfahrung, Gesehenes zu kommentieren, Ines D warf ich damit direkt in’s kalte Wasser. Sie hatte verlauten lassen, gerne mal richten zu wollen – hier war ihre Chance. Ihre Nerven flatterten dann auch, und so wollte ich die erste Prüfung, die auch die teilnehmerstärkste war, noch neben ihr sitzen und sie die zweite alleine richten lassen. Dies waren die beiden leichten Aufgaben (an der Hand und geritten).
Die schwere Aufgabe an der Hand hatten ohnehin nur wir beide genannt, die ließen wir nach der neuesten Entwicklung ganz ausfallen.
Ich schmiss die Zeiteinteilung fünf Mal um, damit es so passend wie möglich für uns drei werden konnte mit Richten und Reiten…
Ines L startete in den beiden leichten Prüfungen mit ihrem Jungspund Tayeb, Ines D und ich starteten nur in den schweren Prüfungen. Zum Durchatmen legte ich die Leichte Kür zwischen unsere ersten beiden Prüfungen und die Offene Kür, und die H 2 ließen wir wie gesagt ganz weg. So sah das alles machbar aus.

Am frühen Sonntagmorgen saß ich dann zuerst auf einem extrem wachen, kulleräugigen Fàscino, mit dem ich dummerweise auf den Springplatz ausweichen musste, weil das Viereck gerade frisch abgezogen wurde. Fàscino verstand die Situation also völlig falsch und geierte die Sprünge an.
Und dann …
… drang von der gegenüberliegenden Seite des Grabens ein lautes „Määähääähäää“ zu uns herüber. Fàscino, schon kaum noch Herr seiner Sinne, flippte vollständig aus.
Es gibt drei Dinge in seiner Weltanschauung, die die Gefährlichkeitsskala nach oben durchbrechen: fahrende Trecker, Esel und Schafe. Letzteres galoppierte fröhlich über die Wiese, Fàscino starrte gebannt da rüber und verlor fast den Verstand.
Mit den Methoden, die ich jetzt ergreifen musste, um überhaupt auch nur irgendwie auf diesem Pferd und diesem Platz zu bleiben, wäre ich auf dem Abreiteplatz eines normalen Turniers nicht aufgefallen. Nix mehr „fein“ und „leicht“ und so. Das war nur noch oben bleiben, Kurve kriegen, nicht auf die Schnauze fallen. Ines L staunte „Kann ja nicht sein. Der war doch schon überall. Der kennt doch alles“ – hmm, ja, eben…
Wir verließen nach einem Unentschieden den Platz, ich war etwas entkräftet, er nicht.
Im Nachhinein muss ich lachen über seine kolossale Kraft und seinen Irrsinn, in dem Moment drang das allerdings noch nicht so durch. Wenn auch nur der Hauch eines Schafes heute Mittag zu sehen oder gar zu hören sein würde, könnte man in meinen Prüfungen sicherlich getrost von Kontrollverlust sprechen.

Ich machte Joya fertig, und Fàsci, der ahnte, dass gleich der Kumpel weggeht, brüllte schon mal prophylaktisch den Stall zusammen. Ich hörte ihn auch hinten auf dem Springplatz noch aus vollem Hals wiehern. Joya ging zum Glück kaum drauf ein und fühlte sich auch entspannter als am Vorabend an, so dass ich nur ganz wenig machte – auf dem harten Grasboden konnte er kaum laufen. Ich testete also mehr oder weniger nur den Sattel und Joyas Motivation, mit ersterem gedachte ich mich zu arrangieren, letzteres war im Überfluss vorhanden.
Kurz bevor ich am Stall ankam hörte Fàscinos Gebrüll auf – nanu?
 Ich kam in die Stallgasse und sehe da einen Fàsci mit weit offenem Maul und zwei Schlaglöchern auf der Stirn. “Der ist eben hingefallen…” meinte eine junge Frau, die sich gerade um ihr Pferd kümmerte. Verdammt! Er hatte sich so bekloppt durch die Box gedreht, dass er ausgerutscht war – und sich ganz offensichtlich heftig auf die Zunge gebissen hatte. Ich suchte ihn ab und verarztete die beiden Stellen am Kopf, weitere fand ich zum Glück nicht. Es gab noch ein zweites Frühstück für die beiden, was in Fàscis Fall etwas reichlicher ausfiel, da Kauen ja durchaus entspannt und Schmerz vergessen lässt. So auch hier, nach wenigen Minuten bewegte er sein Maul wieder normal.
Dinge, die die Welt nicht braucht – und die ich an diesem Morgen ganz sicher nicht auch noch brauchte…

Ich machte meine Outfits so weit fertig, dass für die erste Prüfung alles bereit war, überall wuselten mehr oder weniger aufgeregte Teilnehmer der H 1 (leichte Aufgabe an der Hand) rum, in wenigen Minuten erwarteten wir den ersten Starter in der Bahn. Ines D und ich nahmen nebst Protokollschreiber und Aufgabenleser am Richtertisch Platz. Es war unfassbar kalt, das fiel mir jetzt erst so richtig auf, als ich mich nicht mehr bewegte.
Gegen Ende der Prüfung bat ich Jenny, alle verfügbaren Decken aus meinem Auto zu holen, in die kuschelten wir uns ein, nachdem wir vor Zähneklappern fast nicht mehr sprechen konnten. Danach ging es.

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Ines “richtete sich ein”, die Kommentare wurden im Verlauf flüssiger und abwechslungsreicher, sie bekam ein Gefühl für die Notenfindung und brachte so ihre erste selbst gerichtete Prüfung mit Bravour hinter sich. Ich ließ sie mit gutem Gefühl die folgende Prüfung (KB 1, leichte gerittene Aufgabe) alleine richten und bereitete meine Pferde und mich auf meinen ersten Start vor.
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Die KB 2 (schwere gerittene Aufgabe) sah nach dem Ausfall zweier Pferde leider nur noch Ines D und mich als Starter – sehr schade! Das gleiche traf auch auf die Schwere Kür zu.

So war die KB 2 die nächste Prüfung, ab jetzt saß Ines Lampe am Richtertisch. Und sie meisterte ihre Aufgabe wahrlich souverän, mit schönen freundlichen Kommentaren, die das Wesentliche aufzeigten, eben so, wie wir es bei den Team-Prüfungen haben wollen. Richter dafür zu finden, ist so schwer, weil zum Einen nicht viele ausdrücken können, was sie sehen (und das bestenfalls sogar noch mit Tipps zur weiteren Arbeit), zum Anderen diejenigen, die es denn ausdrücken können, i.d.R. nur sagen können, was nicht gut war. Das aber sofort so zu formulieren, dass es für den Teilnehmer eine Hilfe ist, das können tatsächlich nur ganz wenige. Es verlangt wirklich Übung, aus jeder negativen Feststellung eine positive Formulierung zu machen. Klar kann eine Übung so misslingen, dass das auch gesagt werden kann und sollte, aber dann muss eine Hilfestellung kommen. Und leider sind Personen, die das können, rar (wer welche kennt – ich nehme dankbar deren E-Mail-Adressen entgegen!)

Fàscino sollte hier als erster und in der Kür als letzter gehen, damit er möglichst viel Zeit zwischen seinen Starts hat. Das Schaf schien vergessen, ich war mir aber nicht sicher, ob es sich nicht von gegenüber vielleicht die nächste Prüfung anschauen wollte. Wenn dieses Schaf wüsste, dass es viiiiiel mehr Macht über mein riesiges Pferd hat als ich…
Joya ging also als letzter und als erster und Sureña jeweils zwischen meinen beiden. Ich konnte meine Pferde mit zum Platz nehmen und fand helfende Hände (DAAAAAAANKE!!!!), ohne die der nun folgende so reibungslose Ablauf nie möglich gewesen wäre. Direkt neben dem Viereck konnte ich mich umziehen und das Pferd wechseln, ein Pferd wartete neben dem Einritt während der Prüfung des anderes Pferdes. Optimal!

Ines und ich konnten in der nun endlich wärmenden, herrlichen Mittagssonne abreiten, ich schaffte es, beide Pferde vorzubereiten, so dass wir ohne Verzögerungen direkt hintereinander starten konnten. Kein Schaf weit und breit.

Die KB 2 beinhaltet Figuren und Lektionen wir Schlangenlinie mit 3 Bogen im Trab, einmal komplett in Rechts-, einmal komplett in Linksstellung, außerdem Kurzkehrt, Schulterherein und Travers in Schritt und Trab, eine halbe Trabtraversale (bei der der Reiter die Richtung frei wählen kann), Rückwärtsrichten, Dehnungshaltung im Galopp auf beiden Händen, einen einfachen oder fliegenden Galoppwechsel (auch wieder vom Reiter wählbar), Schritt mit Verstärkung und im Trab eine doppelte halbe Volte.
Also eine recht anspruchsvolle Prüfung, in der es sehr auf Genauigkeit und Übergänge ankommt.
Ich hatte zu Hause lange überlegt, ob ich Fàscino in dieser Prüfung reiten sollte und ritt die einmal durch, um ein Gefühl zu bekommen. Lange Trabtouren erspare ich ihm inzwischen ja möglichst. Er fühlte sich ganz gut an und alles, was außer dem Trab vorkam, lag ihm einfach, so dass ich ihn nannte.
Hier nun fühlte er sich noch besser an als zu Hause, er hatte sich ja vor einer Woche in Hoisbüttel schon gut angefühlt (und hier noch besser), dass ich mich richtig auf die Aufgabe freute und sehr gespannt war. Joya und Sureña sind zwar geschmeidiger, da kommt Fàsci einfach nicht mehr ran, noch dazu ist Sureña ungeheuer taktsicher und hat sich seit dem Frühjahr reiterlich wahnsinnig gemacht, aber an Fàscis Genauigkeit müssen die beiden erstmal rankommen – wenn er denn so genau und sicher geht, wie er es kann. Und kein Schaf kommt.

Er ging so genau und sicher, wie er es kann. Und es kam kein Schaf. Die Prüfung war klasse, auch wenn ich mich sehr konzentrierte, spürte ich doch, wie viel Spaß das machte und wie viel Spaß auch Fàsci daran hatte. In der ersten Trabtour fragte er zwar sehr übermotiviert nach Passage, die ich zum Glück verhindern konnte, aber die Galopptour war schlicht ein Traum, der Schritt absolut sicher und mit Fàscis wahnsinnigem Raumgriff, Kurzkehrt und Rückwärtsrichten leicht und sicher, beide Grußaufstellungen gewohnt geschlossen und ruhig – einzig der Übergang vom Galopp zum Schritt, der uns oft so wunderbar weich und fließend gelingt, war hier etwas abrupt. Und Fàsci hat nicht mehr die Aufrichtung von früher, das Genick ist etwas tiefer, ich habe mehr damit zu tun, ihn oben zu behalten, das ist nicht mehr so einfach wie früher, aber …
… dass so ein Ritt überhaupt noch einmal möglich sein würde, daran war vor über einem Jahr ja überhaupt gar nicht zu denken!! Und so bekam ich feuchte Augen, als ich nach dem Schlussgruß die Zügel hingab und er sich zufrieden und stolz lang machte. War für unglaubliches Pferd! Das war gut! Das war wirklich gut!
Ich kann es immer wieder nicht fassen, dass wir uns seit 21 Jahren “haben” und so, so viel miteinander erlebt haben und es sich doch immer wieder, trotz aller Vertrautheit, so neu, so spannend, so aufregend anfühlen kann. Unglaublich und einfach nur ein Geschenk!

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Noten wurden nicht gesagt, fand ich auch viel spannender so. Ich zog mich um und übernahm Joya, nachdem ich noch eine Weile Fàscis Kopf im Arm hatte. Er war mit der Welt zufrieden und wusste ganz offensichtlich, dass er das verdammt gut gemacht hatte.

Von Sureña sah ich natürlich so gut wie nichts außer einem kurzen sehr schönen Stück Linksgalopp. Das sah großartig aus. Ich ging davon aus, dass die beiden eine saubere Prüfung hinlegten.

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Joya fühlte sich recht gut an, ich wurde mit diesem Sattel nicht warm, aber was soll’s, Hauptsache, er kann damit gehen. Ich fragte kurz einen Trab an, mehr brauchte er nicht, wir konnten starten. Joya war relativ heiß, aber gut zu händeln. Nach dem ersten Gruß ging es im Trab auf die linke Hand in Richtung der doppelten halben Volte. Noch nicht am Richtertisch angekommen meinte Joya “also der Sattel ist es irgendwie auch nicht. Tu den mal weg”. Ich dachte, ich werde irre. Was dann folgte, war ein Vabanquespiel – wenn denn Reiten Kunst ist, dann habe ich hier ein Kunststück vollbracht, nämlich mich permanent zu winden wie ein Aal, um Joya nur ja nicht zu stören, während er wieder und wieder höchst albern hier und da kleine Hüpfer einbaute und grinste und rumblödelte und mich vor eine echte Herausforderung stellte. Ich war nahe dran, aufzuhören, aber da waren auch immer wieder so tolle Momente und er fühlte sich nicht nach Schmerz an, sondern nach kindlich überdrehter Albernheit, dass ich weiterritt und mir nebenbei den Kopf zerbrach, wie das Thema Sattel weitergehen sollte. Der setzte mich in eine Position, die Joya zum Buckeln veranlasste, so dass ich permanent versuchte, dieser Position auszuweichen. Das gelang mehr oder weniger, die Galopptour war am besten, auch wenn er hier den fliegenden Wechsel deutlich vorwegnahm und den sehr dynamisch ausführte (ich sah ihn fast grinsen dabei), die Seitengänge waren super, der Schritt war – lassen wir das. Zum Glück nicht so lang  🙂

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Auch wenn ich von Ines nichts gesehen hatte – wer Dritter war, war klar. Joya stand nach dem Schlussgruß entspannt grinsend und schien zu fragen, was ich denn nun wohl satteltechnisch zu tun gedachte. Ich hatte schlicht keine Ahnung, klar war nur, dass dieser runter musste.
Erst einmal kam aber die Siegerehrung, ich nahm Joya na klar als Handpferd mit. Damit rechnend, dass Ines gewonnen hat, hörte ich gar nicht so richtig zu und tüddelte noch mit meinen Jungs rum, gefühlt schnallte ich erst nach ein paar Sekunden, dass es tatsächlich Fàscino war, der da nach vorne gerufen wurde.
Oh meine Güte, wie toll…!! Ich strahlte, Fàsci stand da voller Stolz.
Ich hatte nach Hoisbüttel kurz so ganz vorsichtig gewagt, davon zu träumen, er möge noch einmal eine Prüfung gewinnen. Aber das war nicht ohne Anspruch – es sollte sich auch nach “verdientem Sieg” anfühlen und nicht nach “geschenktem Sieg”. Wie ich zu meinem Freund sagte: ich wollte nicht gewinnen, weil die anderen schlechter waren, sondern weil er besser war. “Ist doch dasselbe” meinte mein Freund. Nein, ist es nicht.
Er war in Hoisbüttel in der Kür phasenweise etwas eckig und kantig gegangen, aber sollte er noch einmal eine Kür oder Aufgabe weitgehend fehlerlos gehen und noch geschmeidiger (auch wenn ich weiß, dass ihm da inzwischen schlicht Grenzen gesetzt sind), dann ging ich davon aus, dass es durchaus drin wäre, mit ihm noch einmal ganz vorne zu stehen.
Und so war er hier gegangen – viel weicher, sehr genau, sehr sauber, extrem gehorsam und doch mit der ihm eigenen schönen Ausstrahlung – das war das Gefühl, dass ich meine mit “verdientem” und nicht “geschenktem” Sieg. Er bekam eine 8,5. Zum Heulen schön!
Ines war mit sehr geringem Notenabstand dahinter (8,3), der Abstand zu Joya war dann schon größer, hätte nach meinem Gefühl aber auch gerne noch viel größer sein dürfen – die 7,8 hatte er bestimmt nur seinem schelmischen Blick zu verdanken, während er da die Aufgabe weitgehend mitbestimmt hatte.

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Damit Fotos auch nicht langweilig werden, reite ich ja ungerne im selben Outfit nochmal. Zumindest auf derselben Veranstaltung. Und die Aufgabe war ja nun auch deutlich “schlichter” als die Kür – da trugen wir dann auch Prunk und Pracht. Fàscino sollte einmal in rot gehen, was ihm gerade bei diesem herrlichen Licht großartig stand. Joya wurde – passend zu seiner Musik – nun so richtig iberisch. Schön sahen sie aus, meine beiden.

Ich hatte nun aber doch noch schnell den Sattel gewechselt – und zwar zurück zu dem, der zu Hause bis vor zwei Tagen so gut angenommen wurde. Ich hoffe, Joya merkte nicht, dass es der war, den er gerade erst “aussortiert” hatte. Fàscinos hätte ich auch nehmen können, Fásci wäre mit Joyas Sattel zurecht gekommen, er ist da so herrlich unkompliziert, aber der Sattel wiederum war es ja, bei dem Joya direkt vor der Nordpferd ein Veto eingelegt hatte. Also zurück dem noch recht neuen, vor der Kür einmal kurz Trab und Galopp angefragt, um Joya zu fühlen und ihm zu zeigen, dass es sich jetzt anders anfühlt, und siehe da – neuer Sattel, neues Glück.

Joyas Kür wurde ein Traum. Er ging, wie eben nur Joya manchmal gehen kann (und wie ich es davor nur von Negócio kannte) – tänzerisch, leicht, weich, fließend, auf einen Hauch, wie Butter in der Sonne, einfach nur schön. Diese Kür war eine unserer schönsten.
Ich wagte sogar sehr spontan, die Piaffe anzufragen, die ich bewusst so gelegt habe, dass ich sie auch jederzeit weglassen kann, und sie gelang. Der Spanische Schritt war der wohl ausdrucksvollste, den er bislang in einem Viereck gezeigt hat (den zeigen wir ja ohnehin erst seit diesem Jahr unter dem Sattel!), die Galopptour war herrlich, die ganze Kür war von Leichtigkeit durchzogen und ich fühlte, wie ich immer mehr strahlte und es einfach nur genoss und sah das Publikum lächeln und diese Einheit wahrnehmen. Dem konnte man sich wohl nur schwer entziehen, das war wieder einer dieser seltenen, magischen, perfekten Momente.

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Ich musste mich hinterher ein wenig zurückrufen, ich schwebte noch  🙂

Aber da wartete ein Fàscino, das heißt, um genau zu sein, da schlief ein Fàscino in der Sonne, und während ich von Ines genau so wenig mitbekam wie vorher, außer, dass Sureña offenbar an einer Stelle ein Steigen einbaute, an der es, denke ich mal, nicht geplant war, weckte ich meinen Großen, indem ich einmal ganz kurz ein paar Piaff-Tritte anfragte. UPS! Schalter umgelegt. Der war an. Aber wie! Besonders tief kann sein Schlaf nicht gewesen sein. Da wir in Hoisbüttel einen Patzer in den Dreierwechseln hatten, wollte ich die gerne auch noch kurz anfragen, damit er weiß, was gleich kommt. Die Wechsel gelangen, und er wusste, was gleich kommt.
Äähhh… Die Geister, die ich rief…
Ich ließ ihn noch einmal zulegen und alberte mit ihm rum, in der Hoffnung, dass er ein bisschen von der Spannung wieder abbaut, die ich da offenbar verursacht hatte.

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Wir begannen etwas unkonventionell, und der Einritt war super – aus dem Stand in eine Galopptraversale, auf den Punkt mit der Musik Halt und Gruß. Das fühlte sich schon mal saugut an. Danach direkt doppelte Galoppvolte (danke, Solveig, für diese imposante Einstiegs-Idee), fühlte sich total gut an.
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Dann durch die halbe Bahn wechseln …
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… und die Dreierwechsel auf der Linie des Mittelzirkels. Der eine kam erst nach vier Sprüngen, ansonsten gelangen sie alle.
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Super Übergang zum Schritt genau mit der Musik, schöne Schrittverstärkung…
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… und dann spürte Fàsci meine “geistige Eile”, weil dieses Viereck größer wirkte als das in Hoisbüttel, wo ich immer ausbremsen musste, hier musste ich sehen, dass ich rechtzeitig zur Musik am Punkt war (20 x 40 ist eben nicht unbedingt gleich 20 x 40). Ich kürzte schon ab, die Piaffe fing aber recht früh an und Fàsci meinte “schnell kann ich” und bot Terre à Terre (später!!) und Levade (nicht jetzt!!) an, und da ich weiter auf Piaffe bestand, piaffierte er eben, aber nun war er echt geladen. Hui.
Danach die Trabtour mit Schulterherein, Travers und doppelter halber Traversale (so wenig Trab wie möglich…), er mutierte zur Kampfansage und fühlte sich verdammt wuchtig an.
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Danach ein so was von in die Musik reinschmelzender Galoppübergang, hach, war das schön, und da konnten wir auch wieder ein wenig Spannung abbauen, ich hatte gefühlt nichts in der Hand, nur ein kraftvolles, hochversammlungsbereites Pferd unter mir, der eine Pirouette auf dem Teller hinlegte – ich kann immer nicht fassen, wie unglaublich gesetzt dieses große Pferd “pirouettieren” kann. Sagenhaft. Mit einer Lässigkeit, einfach geil.
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Danach kam dann an der langen Seite das Terre à Terre (na endlich!). Er fühlte sich derart gut an, dass ich spontan fragte, ob wir nicht ein bisschen rechts-links einbauen wollen. Er hörte aber nur rechts und schoss nach rechts, Halleluja. Die Tour versemmelten wir dann mal anständig, ich hatte meine liebe Not, ihn zum Hufschlag zurück zu bugsieren, er war nur auf springen! – springen!! – springen!!! aus und war pure Kraft. Nach dem Galopp kam die Passage und was jetzt alles klingt, als wäre Zeit dazwischen, lag ja alles im “langen Sekunden-” bzw. “sehr kurzen Minutenbereich”. Puh!
Fàsci war wieder auf dem Hufschlag und trat in der Passage den Boden tot. Der war drauf! Das war so ganz anders als Joya, aber irgendwie auch so genial, diese Irrsinns-Kraft, diese Versammlung, diese Bereitschaft, mit dieser Kraft und dieser Versammlung umzugehen – Hammer. Ich beschloss in den letzten drei Passage-Tritten, ihn zum Abschluss steigen zu lassen und – ha! Ätsch! – überraschte ihn damit nun doch ein wenig, aber er stieg und wir standen mit dem letzten Ton. Boah, war das klasse! Ich sah zwar deutlich Joya vorne mit diesem leicht und weich und tänzerisch und so, aber dieses Gefühl von purer strotzender Kraft und diesem unglaublichen Können in dieser lektionen-gespickten Kür war wahrlich auch nicht zu verachten.

Ines meinte, Sureña war wohl doch nicht so kraftlos, wie sie sich nach der KB 2 kurz angefühlt hatte – ein Glück! Und Sureña hatte wohl mehrfach ihre eigenen Ideen eingebracht, was dem flüssigen Ablauf wohl ein wenig im Wege gestanden hat  🙂

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Aber wir wollen unsere Pferde ja genau so – sie sollen sich einbringen, sie sollen Angebote machen, auch wenn die dann eben mal unseren Ideen im Wege stehen. Da kommt diese tolle Ausstrahlung unserer Pferde und ihr Stolz ja her. Weil sie eben nicht unterdrückt und dressiert und nur herumkommandiert werden. Sondern weil sie sich einbringen und sich ausdrücken dürfen. Tatsächlich hatte Sureña in diesem Moment also wohl meine Chancen, nochmal vorne zu sein, drastisch erhöht mit ihren kleinen Eskapaden.
Ich sah Joya an der Spitze – Ines L aber holte tatsächlich zum  zweiten Mal meinen großartigen Fàscino nach vorne und erklärte dies mit dem extrem hohen Schwierigkeitsgrad und der ungeheuren Lektionen-Vielfalt, an die die beiden anderen nicht rankommen. Und der Patzer im Terre à Terre hatte daran nichts verändern können (war möglicherweise auch von außen längst nicht so zu sehen wie von oben zu fühlen, ist ja oft so).

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Danach hätte es eigentlich vorbei sein dürfen. Ich war ein bisschen platt und zutiefst glücklich. Aber wir hatten ja noch die Offene Kür mit inzwischen leider nur noch sechs Startern. Ich war die Hälfte davon.

Ich bastelte erstmal wieder ganz viel um – diese Steigbügel da, diese Zäumung hier, diese Gerte dafür und diese Weste hierfür. Ich halte mein Gedächtnis für nicht mehr sehr gut, da sind schon Lücken drin, aber das hier zeigte mir, dass es doch noch funktioniert.
Was ich mir hier an “fliegenden Wechseln” antat war schon heftig. Und da nun noch drei Starts in der offenen Kür anstanden, marschierte ich schließlich mit Joya und Fàscino im Schlepptau und Garrocha und Zylinder und Sombrero und Hosenrock und Weste und Bolero und Zäumung für den zweiten und Zäumung für den dritten Auftritt über’m Arm (über den vier bis fünf Armen…) Richtung Platz. Kann auch mehr gewesen sein, ich verlor langsam den Überblick.
Am Platz zum Glück wieder helfende Hände, so dass auch diese Prüfung ohne Pausen durchgezogen werden konnte.

Ich liebe die Offene Kür. Keine Prüfung stellt auf so wunderbare Weise dar, was so alles möglich ist. Es waren zwar, wie gesagt, nur noch sechs Starter, aber keiner machte auch nur annähernd etwas ähnlich wie die anderen. So eine Prüfung zu bewerten ist sagenhaft schwer. Und – oh ja – wir haben es Ines richtig schwer gemacht. Das war schon ein verdammt hohes Niveau, was hier einem wirklich begeisterten Publikum gezeigt wurde.

Joya war erster Starter mit der Garrocha. Ich hatte eine neue Musik, spanische Gitarre mit minimalem männlichen Stimmeinsatz, recht gleichmäßig, langsam kerniger werdend und dann wieder ganz ruhig – und Joya und ich versanken in dieser Musik. Das war wirklich Hingabe. Er machte ein Angebot, ich machte eines, er hatte eine Idee, ich hatte eine, nichts störte, alles passte, alles floss, das war ein ineinander versinken, wie ich es in der Form glaube ich noch nie erlebt habe. Ich konnte von total entspannt auf dynamisch umschalten – und zurück, durfte wenden, drehen, wie ich wollte, eins ergab das andere, ich spielte mit der Stange und nahm nur noch diese tolle Musik und die Sonne und dieses wunderbare Pferd wahr – das waren drei Minuten, die sich in die Seele brannten. Das wurde eine unserer schönsten Garrocha-Vorstellungen, die wir je hatten. Und wir hatten schon schöne, aber hier war eine Ruhe und eine Selbstverständlichkeit drin, das war so schön!
Das sah das Publikum offenbar genau so. Ich wurde nach der Prüfung von einigen darauf angesprochen. Ich finde es immer etwas unverdient, wenn ich mit so einem Ritt in einer Platzierung (ganz) weit vorne bin. Für mich ist das so leicht, das ist so überhaupt keine Anstrengung, für andere Sachen muss ich so viel mehr tun, mir so viel mehr Mühe geben, mich so viel mehr konzentrieren – aber vermutlich ist es genau das, was diese ungeheure Außenwirkung der Garrocha ausmacht. Joya ist dafür geboren – und ich bin es vielleicht auch.
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Sattel runter, Vaquerokandare runter, Trense rauf, Bolero aus, Sombrero weg, Zylinder auf, Weste an, Gerte in die Hand – fertig zum nächsten Start. Arbeit an der Hand. Währenddessen war Steffi mit Rein (ohne Sattel und nur mit Halsring!) und Lasse in der Bahn. Wieder eine großartige Vorstellung der drei, auch wenn Lasse einmal kurz aus dem Viereck düste, um draußen ganz vielen Hunden freundlich Hallo zu sagen – Steffi holte ihn zurück und machte weiter, souverän, fast schon abgebrüht. Unglaublicher Gehorsam von Pferd und Hund, ganz großartig und beeindruckend. Ines kommentierte das hinterher u.a. mit “ein wunderbares Zusammenspiel dreier Individuen”.
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Danach wären Sandra und Jenny dran gewesen, die aber noch am anderen Ende standen. Das Podest wurde reingetragen und die beiden standen immer noch am anderen Ende. Also ging ich rein. Da kamen sie dann nach vorne, aber flexibel, wie wir sind, war es auch ok, dass ich jetzt startete. Das Podest hatte ich nicht eingeplant, aber nun stand es ja nun mal da, warum also eigentlich nicht…? Und so fing ich völlig anders an (geplant war ohnehin nicht wirklich etwas, ich hatte nichts angefragt vorher und wollte einfach auf mich zukommen lassen, was sich anbot. Ich war noch benebelt von der Garrocha).
Ich stellte Joya auf das Podest, setzte mich davor und grüßte. Ich musste lachen, weil das Gefühl so witzig war.
Die Musik fing an, ich wuselte in einer Acht unter Joyas Bauch um seine Beine herum – er stand reglos auf dem Podest. Ich nahm ihn runter und fing mit einer sehr ruhigen Schritt-Tour an, nachher mit Spanischem Schritt und Piaffe, die schön gelang, und mit dem Moment, als die Musik kernig wurde (“Schwarze Augen”, da wechselt die Musik sehr spontan von ruhig zu heftig, und das jeweils zwei Mal) ließ ich ihn angaloppieren. Das kam echt gut, er galoppierte so leichtfüßig und zog mich mit, dass ich eine doppelte Pirouette wagte. Danach wieder eine ruhige Tour, in der er sich sofort fallen ließ und entspannte, ich kann mich nicht mal mehr erinnern, was ich da noch gezeigt habe, Schulterherein weiß ich noch, irgendwie Seitengänge und so, und dann wurde es wieder kernig. Ich hatte die Seite gewechselt und galoppierte nun ein ganzes Stück auf der anderen Hand und ließ ihn dann spontan los und tobte mit ihm rum. Er sprang mit allen Vieren auf mich zu, stieg fantastisch und machte sogar im Steigen eine halbe Drehung – und mit dem letzten Ton waren wir auf dem Podest, er stand, ich saß und lachte und winkte. Ein etwas unkonventioneller Schlussgruß, aber unkonventionell können wir gut und es hatte so viel Spaß gemacht!
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Sandra und Jenny zeigten – nur mit Halsring und ohne Sattel – verschiedene Lektionen und waren dabei abwechselnd auf dem Pferd oder am Boden. Sehr einfallsreich, tolle Musik, ich hätte mir noch etwas mehr Pas-de-deux-Charakter gewünscht, also nicht zwei Pferde in der Bahn, die etwas zeigen, sondern noch mehr nebeneinander oder spiegelbildlich. Aber trotzdem eine Vorstellung, wo man nicht weggucken wollte, weil es spannend und schön und von Harmonie geprägt war. Toll!

Dann Ines mit Sureña in der Freiarbeit – davon habe ich leider nicht viel gesehen, aber ich weiß ja, dass das einfach großes Kino ist und so richtig was für’s Herz. Das war es hier bestimmt auch wieder. Derweil saß ich allerdings auf Fàsci, nachdem ich Joyas Mähnenbänder rausgetüddelt und ihn von der Trense befreit hatte, um das schneeweiße Halfter draufzutun, ihn noch zu knuddeln für diese beiden Wahnsinns-Auftritte und Fàsci zu wecken. Der ließ sich gerne wecken; machte ich mir noch kurz Sorge, ob es für ihn wohl etwas viel werden könnte, sah er mich jetzt fragend an, was ich damit meine und was wir denn nun machen? Er fühlte sich sofort gut an, er war da, er hatte Lust. Gott, wo nehmen diese Pferde diese Energie her? Ich mache kaum was mit den beiden, geschweige denn, dass ich oft reiten würde, ich hing hier langsam in den Seilen und die waren bereit, alles auszugraben, was sie können.
Na, da kam Handpferd ja gerade Recht, das lieben sie beide.

Meine Sprünge wurden aufgebaut, das Podest stand ja noch, und da ich sehr rasant beenden wollte und es dann fraglich ist, ob sie daraus schnell und sicher zum Schlussgruß nebeneinander auf das Podest gehen würden, entschied ich mich um und fing auch hier mit dem Podest an. Nun hatte ich Zeit, beide raufzustellen (das ist aber auch manchmal eng…), als sie oben standen grüßte ich und die Musik ging los. Sie gingen im Schritt sicher und ruhig nebeneinander eine lange Strecke rückwärts und zum ersten Mal fragte ich konkret Schulterherein und eine Traversale an. Beides gelang. Wozu übt man zu Hause eigentlich irgendwas? Klappt da ja oft nicht. Dann doch lieber gleich woanders, wenn’s geht noch unter Richteraugen, und schon geht alles… Hm, vielleicht kann man das auch nicht verallgemeinern. Aber mit Negócio habe ich die Erfahrung ja auch oft gemacht. Der hat ja alles Neue immer woanders gelernt. Bzw. plötzlich gekonnt. Und ich bin ja inzwischen wahrlich abgebrüht genug, mitten in einer Kür noch was Neues auszuprobieren…
Es stellte sich dazu noch heraus, dass Arbeit an der Hand direkt vorher super ist – Joya, noch ganz auf versammelten Galopp und Pirouette neben mir eingestellt, ging mit ungeheurer Lässigkeit eine doppelte Pirouette als Handpferd. Die Musik wurde dynamischer, die Pferde auch, wir sprangen und schließlich sollte Joya noch steigen.
Der war gerade so kernig drauf, dass er erstmal um mich rumschoss (wäre der Strick länger gewesen hätte ich daraus blitzartig ein Longieren vom Pferd aus gemacht), bei der zweiten Anfrage aus mehr Ruhe heraus stieg er kerzengerade. Sehr beeindruckend!
02.

Ein Tag der Superlative, Luxus-Pferde… Ines brauchte eine ganze Weile für die Notenfindung, was nur zu verständlich war. Sie meinte, sie wolle alle auf Platz 1 setzen, worauf ich ihr zurief, kein Problem, ich könne Schleifen nachbestellen…  🙂

Schließlich hatte sie sich zu einem Ergebnis durchgerungen und dem Publikum noch ein wenig zur Prüfung und zur Notenfindung erklärt. Priorität lag hier auf Harmonie und Vertrauen.
Und tatsächlich gewann Joya – angesagt wurde er mit der Arbeit an der Hand, was mich ein wenig überraschte und sehr freute. Er konnte auch gleich stehen bleiben, denn mit dem “Tanz mit der Garrocha” wurden wir auch noch Zweite. Woraufhin ich auf die anderen zeigte und meinte “die sind auch noch da”.
Laut Noten im Protokoll war allerdings die Garrocha vorne, was ich auch, gerade angesichts der Priorität, für richtig(er) hielt, denn das war nun wirklich pure Harmonie gewesen. Tatsächlich erhielt Joya hier zwei Mal die Traumnote 9,0, während wir für die Arbeit an der Hand mit 8,8 und 9,0 belohnt wurden.

Ines und Sureña wurden Dritte! Die Freiarbeit muss also offensichtlich wieder sehr schön gewesen sein. Auf Platz vier Steffi, Rein und Lasse – klasse!!
Platz fünf belegten meine beiden mit unserem Handpferde-Auftritt und Sandra und Jenny wurden Sechste. Hier fehlte Ines der technische Anspruch. Einer Frau im Publikum passte das nicht, sie rief “das ist unfair!”. Ich fragte, wer da eben gerufen habe, ich sei durchaus bereit, zu tauschen, wolle aber wissen, warum sie das unfair findet. Sie meinte, die beiden “jungen Mädchen” haben sich das getraut in der Öffentlichkeit und das sei bewundernswert! Damit hat sie ja unbestreitbar Recht, nun wollte ich aber wissen, ob die beiden so jung oder ich so alt aussehe… Sie blieb mir die Antwort schuldig und wir hatten auf jeden Fall genug zu lachen.

Warum nicht mehr Fotos der offenen Kür zu sehen sind? Die Akkus meiner Kamera (Jenny, 1000 Dank für die Bilder!) hatten nach der Schweren Kür schlapp gemacht (was ihnen nach dem Tag und dem Abend zuvor nicht zu verübeln war). Nun war Ines‘ Kamera im Einsatz. Jenny nahm den Finger kaum vom Auslöser in der Leichten Kür und auch für die Offene Kür fanden wir einen Fotografen.
Hinterher kam Ines mit echt blassem Gesicht auf mich zu und einem Ausdruck, dass ich dachte, da draußen liegt ne Leiche. Sie hatte die Kamera in der Hand und ich dachte, vielleicht doch keine Leiche, vielleicht hat einer ihre gute Canon fallen lassen. Sie guckt mich an und sagt tonlos „da ist keine Speicherkarte drin“. Ach Du Sch…
Fassungslosigkeit. Und das uns, die wir immer so scharf auf (gute) Bilder sind…
Steffis Sohn hat während der Offenen Kür fotografiert, das sind die oben zu sehenden Bilder (daaanke!!!), und sollte irgendwer, der das liest, zufällig Bilder der Leichten bzw. Offenen Kür (oder auch sonst von dem Tag) haben, würde ich mich riesig freuen, die bekommen zu dürfen!!!

Von diesem Schreckmoment abgesehen war es insgesamt einfach ein rundum gelungenes Turnier mit so vielen großartigen Momenten und Augenblicken, dass man davon lange zehren kann.
Fàscino in der KB 2 – und sein Sieg… Der verdiente in der KB 2 und der geschenkte in der Kür, lach…
Joyas Kür, die Garrocha und die Arbeit an der Hand…
Das waren die vier absolut herausragenden Prüfungen für mich. Und das Gefühl, dass sie die ganze Zeit Lust hatten und wollten und mit voller Seele dabei waren.
Das gute Gefühl, unter so vielen netten Menschen zu sein, die es so gut mit den Pferden meinen.
Das Willkommensein auf der schönen Anlage, das traumhafte Wetter, der tolle Einsatz der vielen Helfer…
Ganz, ganz großartig.

03.

Auszüge aus den Protokollen (den tollen…):

KB 2 – Fàscino
Grußaufstellung korrekt, (doppelte halbe Volte) Pferd geschmeidig in der Anlehnung, (Schlangenlinie 3 Bogen in Rechtsstellung) sehr korrekt gezeigt, (K-E Schulterherein, E-K Travers) Wechsel in Travers sehr gut gelungen, Dehnungshaltung gut, fliegender Wechsel gelungen, guter losgelassener Schritt, halbe Traversale (Trab) gut gelungen.
Vertrauen zum Reiter, Harmonie, Freude an der Mitarbeit, Leichtigkeit der Darbietung – hervorragend gelungen
Sitz des Reiters, Unsichtbarkeit der Einwirkung, Bestreben des Reiters, die Stirnlinie des Pferdes vor der Senkrechten zu halten – ebenfalls hervorragend
8,5

KB 2 – Joya
Gut gehalten, durchparieren zum Schritt fließend, Schulterherein schön gezeigt, Wechsel in Travers gelungen, Kurzkehrt (danach Trab) sehr gut, fliegender Wechsel gut, halbe Traversale (Trab) sehr gut gelungen
Aber – leider…:
Durchlässigkeit des Pferdes, Kautätigkeit – zu viel Spannung
Taktreinheit, Gleichgewicht – nicht immer gegeben
Vertrauen zum Reiter, Harmonie, Freude an der Mitarbeit – Vertrauen gut
Leichtigkeit der Darbietung – durch die Spannung überdeckt
Sitz des Reiters, Unsichtbarkeit der Einwirkung, Bestreben des Reiters, die Stirnlinie des Pferdes vor der Senkrechten zu halten – sehr gut
7,8

Schwere Kür – Joya
schöne Grußaufstellung, Traversale gut gezeigt, Seitengänge schön flüssig, Vorstellung wirkt sehr harmonisch, Musik sehr schön passend dazu, Galopptour sehr schön anzusehen, Galopptraversale sehr ausdrucksstark, fliegender Wechsel harmonisch, starker Galopp schön gezeigt, Schlussaufstellung ungewöhnlich
Sitz und Geschicklichkeit des Reiters – hervorragend
Unsichtbarkeit der Einwirkung – hervorragend
Eifer des Pferdes, Freude an der Mitarbeit – sehr schön zu sehen
Schwierigkeitsgrad – hoch
Einklang von Musik und Bewegung – hervorragend
Leichtigkeit und Harmonie der Darbietung – sehr schön
8,8 und 8,8

Schwere Kür – Fàscino
Einleitung sehr interessant, schöner Galoppwechsel, Galopptour gut gesetzt, Musik macht Lust auf mehr, schönen Schritt gezeigt, gutes Schulterherein, viel Schwung.
Bestreben des Reiters, die Stirnlinie vor der Senkrechten zu halten – hervorragend
Sitz und Geschicklichkeit des Reiters, Unsichtbarkeit der Einwirkung – hervorragend
Eifer des Pferdes, Freude an der Mitarbeit – sehr gut, leicht übermotiviert
Schwierigkeitsgrad – sehr, sehr hoch
Choreographie, Ideenreichtum, Einteilung und Ausnutzung des Vierecks – hoch
Einklang von Musik und Bewegung – gut gelungen
9,0 und 8,8

Offene Kür – Joya – Der Tanz mit der Garrocha
ruhige Einleitung im Schritt, entspannt und guter Ausdruck, sichere Arbeit mit der Stange, super Versammlung im Galopp, Pferd wirkt fleißig, motiviert und leicht, schöne Tempowechsel, hoher Schwierigkeitsgrad, guter Wechsel zwischen Versammlung und starkem Galopp, fliegende Wechsel leicht und gut gelungen, schöner Ausdruck, ansprechende Choreographie, schönes Ende. Große Harmonie und Leichtigkeit.
Übergänge, Korrektheit der gezeigten Figuren – sehr gut
Geschicklichkeit des Reiters, Unsichtbarkeit der Einwirkung – hoch
Eifer des Pferdes, Freude an der Mitarbeit – sehr schön
Vertrauen des Pferdes zum Reiter – gut erkennbar
Gute Balance zwischen Entspannung und Dynamik
9,0 und 9,0

Offene Kür – Joya – Arbeit an der Hand
Sehr interessanter Start, sehr hoher Schwierigkeitsgrad, Pferd sehr souverän, ruhiger Beginn im Schritt, Spanischer Trab verspielt, Pferd konzentriert und durchlässig, schöner Übergang zu ruhigem Arbeiten, ausdrucksstarkes Schulterherein, Galopptour mit anschließendem Steigen imposant und verspielt.
Geschicklichkeit des Führers, Unsichtbarkeit der Einwirkung – sehr gut
Eifer des Pferdes und Freude an der Mitarbeit – überragend
Vertrauen des Pferdes zum Reiter / Führer – sehr hoch
Einklang von Musik und Bewegung, Leichtigkeit und Harmonie – extrem hoch
8,8 und 9,0

Offene Kür – Fàscino und Joya – Reiten mit Handpferd
schwierige Grußaufstellung auf Podest, ruhiger Beginn im Schritt, schönes Rückwärtsrichten, Schulterherein beide Pferde gezeigt, Travers beide parallel, Pferde arbeiten schön zusammen, sehr enge Wendungen beider Pferde im Galopp, mehrfach gezeigte Tempowechsel harmonisch, starker Galopp dynamisch, beide Pferde über’m Sprung, Linienführung schwierig, Steigen vom Handpferd gelungen
Schwierigkeitsgrad – sehr sehr hoch
Geschicklichkeit des Reiters, Unsichtbarkeit der Einwirkung – sehr gut
Eifer der Pferde und Freude an der Mitarbeit – hervorragend
Einklang von Musik und Bewegung – sehr gut
8,3 und 8,0

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