30.6. – PM-Regionaltagung HH-Horn

Am 30. Juni fand auf der Galopprennbahn in Hamburg-Horn eine Regionaltagung für die persönlichen Mitglieder der FN statt.
Zwischen den Rennen wurden Schaubilder präsentiert – für das Rennpublikum vermutlich ein Ausflug in eine andere Welt :-)

Wir waren mit drei Pferden für zwei Schaubilder angereist. Es wurde ein langer Tag – die Pferde mussten vor 12.30 Uhr auf dem Gelände sein und konnten dieses erst ab 18.30 Uhr (was dann schließlich 19.30 Uhr wurde…) verlassen.

Drei Rennen habe ich sehen können, und – oh, da war er wieder, der Rausch der Geschwindigkeit von früheren Zeiten! Der Anblick der herrlichen Sprünge auf der Jagdbahn hatte es in mir ja schon kribbeln lassen, aber dann diese großartigen Pferde zu sehen und zu hören, das war ein Genuss. Da schlägt das alte Military-Herz doch mal wieder höher…

Die Pferde fanden es sehr spannend, wenn die Galopper um die Bahn gingen – am schlimmsten für sie war, dass sie die donnernden Hufe hörten, die Pferde aber gar nicht so richtig ausmachen konnten. Sie sahen hinter der Hecke nur weiße Jockey-Hintern, die vorbei preschten, das brachte anfangs gerade das Blut der beiden Stuten doch sehr in Wallung. Joya fand es spannend und drehte ein wenig auf, aber das war es nicht, was ihn so massiv unter Strom setzte. Das war dann doch eher im ersten Schaubild (Iberische Impressionen) die Enge der Bahn, die Nähe zu den Menschen (die keine Skrupel hatten, den Pferden ständig vor den Füßen zu stehen oder sie über die Bande mal schnell so im Vorbeireiten anzufassen) und die Nebengeräusche, die mein Headset verursachte, wenn ich den Lautsprechern dann doch etwas zu nahe kam – was ich zu vermeiden suchte, nachdem mir eben jenes übergeben worden war mit in etwa der Botschaft, dass ich explodieren würde (mindestens aber mein Pferd) wenn ich den Lautsprechern so nahe kam, dass der Ton übersteuert würde. Mahlzeit.

Ich kommentierte die Impressionen live, was ja immer Spaß macht. Der hielt sich dieses Mal allerdings angesichts einen Funken sprühenden Joya in Grenzen – ich hörte mich selbst lässig und seelenruhig irgendwas erzählen, während unter mir so ein Gummiball rumsprang, den ich nicht wirklich im Griff hatte. Zeitgleich konnte ich mir das, was wir da verzapften, auch noch auf der Großbildleinwand anschauen. Irgendwie ein echt skurriles Gefühl.

Der Boden war nicht so schön wie erhofft, Joya tat sich recht schwer mit den Unebenheiten und war dann leider auch mit der Garrocha längst nicht so souverän wie sonst. Ich gehe davon aus, wir hatten nicht allzu viel Fachpublikum, so dass das Gesamtbild hoffentlich trotzdem gut ankam.

Ines stellte Sureña erst an der Hand, dann am Langen Zügel vor, während Martina ihre Salida del Sol unter dem Sattel präsentierte. Hier sah ich etliche Lektionen, auf die ich dann ja dank Headset auch immer sofort eingehen konnte. Auf das, was Joya machte, ging ich weniger ein  🙂

Mir sitzt der Tag noch in den Knochen, insgesamt war es einfach massiv anstrengend. Viele (größtenteils höchst überflüssige…) Kleinigkeiten führten dazu, dass sich der Tag im Nachhinein so unentspannt und phasenweise echt gehetzt anfühlte – insbesondere, dass ich stundenlang im Kreis lief, um meine CD los zu werden, für die niemand zuständig war, das Wetter spielte leider nicht so richtig mit, es nieselte fast ununterbrochen, es waren lange Wege zu bewältigen, vorher getroffene Absprachen wurden von den Organisatoren nicht eingehalten und und und. Zum Glück hatten die Pferde Boxen, dick eingestreut, dort mümmelten sie ihr Heu und konnten ein bisschen was beobachten. Das war ein Riesen-Vorteil. So konnten wir auch einmal über das Gelände streifen. Und das eine oder andere Rennen anschauen.

Nun aber erstmal ein paar Bilder! Weiter unten folgt der ausführliche Bericht.

Vollblüter über Vollblüter wurden abgeladen…
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Die Ehrenpreise können sich sehen lassen!
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Unsere Pferde hatten großzügige Boxen
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Es gab auch sehr bunte Pferde hier
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Wo geht’s lang??
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Eine der Großbild-Leinwände
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Iberische Impressionen, live kommentiert
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Ines mit Sureña in der Arbeit an der Hand
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Martina mit Salida del Sol im Spanischen Schritt
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Joya – Mr.-2000-Volt…
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Mit der Garrocha fühlten wir uns dann wohler
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Ines und Sureña – Pesade am Langen Zügel
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Ines und ich – das Lächeln sitzt auch  🙂
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Martina und Salida
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Und wir drei in der Schlussaufstellung
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Ein überlegener Sieg
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Papp de deux!
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zusammengebrochen 🙂
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eine tolle gemeinsame Pirouette
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und ein nicht minder toller gemeinsamer Spanischer Schritt
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Das hat richtig Spaß gemacht!
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Hier nun der Bericht von Ines
mit mehr oder weniger sinnvollen Kommentaren von mir
🙂

Ein Showtag in Hamburg-Horn…
Zum Deutschen Galopp-Derby… (naja, eine Woche vorher, aber immerhin Derby-Woche)
Als ich von der Möglichkeit Wind bekam, war ich spontan sehr angetan von der Idee – „Komm, lass machen!“ Zu dem Zeitpunkt war ich mir noch nicht darüber im Klaren, wie viele Zuschauer auf die Horner Rennbahn passen. Als mir das das klar wurde (nachdem sicher war, das wir teilnehmen würden) wurde ich spontan erst einmal blass.
50.000 (in Worten: fünfzigtausend) ist doch mal ’ne andere Hausnummer als sonst – *schluck*. Es wurden schlussendlich laut Nachberichten etwa 8.000. Trotzdem nicht ganz wenig, aber doch noch überschaubarer. Kam mir weniger vor. Obwohl – während des ersten Schaubildes stand etwa die Hälfte davon auf der Bahn  🙂

Der Tag selbst begann durchwachsen vom Wetter her, allerdings trockener und angenehmer als die Tage davor. Trotzdem, für den 30. Juni könnte man ja eigentlich etwas anderes erwarten als ‚Herbstwetter‘. Bekamen wir aber nicht. Zwischendurch riss der Himmel immer mal wieder auf, aber gen Mittag wurde es immer düsterer und Nieselregen begleitete uns den größten Teil des Tages (wobei es während unserer Auftritte verdächtig trocken war). Smily in grün geht nicht, aber man stelle sich jetzt einfach ein grünes Grinsen vor!

Sureña und ich waren mit genug Vorlaufzeit in den Tag gestartet. Ohne Verlade-Theater (wie langweilig…) kamen wir allerdings auch ordentlich früh auf der Horner Rennbahn an (ich hatte genug Zeit für Verlade-Theater und Stau eingeplant, die ich nun nicht mehr brauchte).

Was mir wirklich den ganzen Tag sehr positiv aufgefallen ist: sämtliche Einweiser auf dem Gelände waren freundlich und hilfsbereit. Ich fragte mich nach der Ankunft zu Parkplatz ‚Z‘ durch und jeder half mit einem Lächeln, wo er/sie nur konnte. Wirklich toll. Dem kann ich nur zustimmen – alle für’n Schnack aufgelegt, alle super hilfsbereit. Gefühlt machten die diversen Helfer hier die Hälfte der 8.000 aus   🙂
Ich war kaum angekommen, da tauchte auch Corinnas Gespann auf – inklusive Einweiser, der sie mit Fahrrad begleitete, um ihr unsere Boxen zu zeigen. Super gut. Drei Boxen für unsere Pferde. Es musste also keiner unserer Iberer den Tag auf dem Hänger verbringen. Mir fiel gleich mal der erste Stein vom Herzen, denn ich hatte schon einen sehr langen Tag auf dem Hänger befürchtet. Wir hätten sie andernfalls einfach laufen lassen. Sureña hätte die Nase freiwillig eh nicht aus dem Gras genommen, Salida wäre mal den Galoppern hinterher (oder vor ihnen weg?) gerannt und Joya hätte jedem freundlich guten Tag gesagt, um ihn dann über den Haufen zu rennen. Bloß nicht draufschreiben, wem sie gehören!!

Corinna hatte ihr Gespann noch nicht geparkt, da gab es für uns einen riesen Schreckensmoment. Die Parkplatzeinweiserin hatte ihr gesagt, wo sie ihr Gespann parken konnte (direkt neben meinem), sie rollt an, die Einweiserin dreht sich weg – und schreit im nächsten Moment auf. Offensichtlich war die Einweiserin noch zu nahe dran und Corinna erfasste sie mit dem Hänger. Helfer waren schnell zur Stelle, doch es schien Glück im Unglück zu gewesen zu sein – nach ein paar Minuten rappelte sich die Einweiserin wieder auf; sie konnte den Fuß belasten und war offensichtlich glimpflich bei der Sache weggekommen. Puh! Ich war völlig von den Socken. So viel breiter ist mein Hänger ja nun auch nicht als mein Auto. Die neben mir meinten nur „sie ist überhaupt nicht weggegangen…“ Ich sah nur, wie sie sich drehte und denke natürlich, sie ist weg. Und man fährt ja nun mit Hänger auch nicht von 0 auf 100 los. Also ICH nicht. Ich habe keine Ahnung, wie das passieren konnte, zum Glück blieb es aber ja bei dem Schrecken.

Kurze Zeit später zogen Sureña und Joya in ihre Gastboxen ein und meine Süsse zeigte keine Einwände dagegen (solange Heu da ist, ist alles gut!). Corinna und ich verbrachten die nächste Zeit damit, uns noch einmal die veränderte Papp-de-deux-Musik zu verinnerlichen (ts ts ts, wer ändert denn sowas auch am Abend vor dem Auftritt…?), bevor wir die CD wegbrachten… Also, so der Plan. Die CD wollte nur keiner haben. Herr Maier (oder Meier? Meyer?), der Tonmeister, war nicht dort, wo er hätte sein sollen.
„Gehen Sie mal in die Members & Owners Lounge. Da ist er gerade“… nur kamen wir da nicht rein (also nicht vor halb zwölf laut Security), außerdem waren die Ordner vor der Members & Owners Lounge gar nicht so sicher, ob ein Herr Maier, Meyer, Meier… dort anwesend war oder nicht.
„Gehen Sie mal zum Renn-Sekretariat. Die wissen, wo der ist.“ Wir also zum Sekretariat: „Ja, der ist gerade in der Members & Owners Lounge.“… Wir berichteten also von unserem Dilemma, aber uns konnte schlussendlich nicht geholfen werden. Wir behielten also erst mal unsere CD (für noch eine ganze Weile…)
Da kommt man früh an, wirklich früh, um was zu sehen, um rumzulaufen, und sicher nicht, um Kilometer zu machen auf der Suche nach einem Herrn M…, der immer gerade angeblich am anderen Ende des Platzes ist. Ich bin bald irre geworden. Zudem hatte ich auch noch einen kleinen Text, zwei Sätze, die vor dem Papp de deux gelesen werden sollten. Die wurde ich natürlich ebenso wenig los. Nebenbei hatte der NDR ein Interview vereinbart, fand ich ja toll, aber es war schon echt schwierig, einen Treffpunkt auszumachen – tags zuvor „können Sie dann und dann in der Pressestelle sein?“ – ich zum Glück wohlweislich „ich weiß nicht, wo die ist, kenne mich da noch überhaupt nicht aus und kann die Wege nicht einschätzen. Dann und dann muss ich beim Pferd sein“ (eine Stunde vor dem Auftritt) – konsterniertes Schweigen. Was ich denn wohl eine Stunde vorher bei meinem Pferd wolle… Die Nummer zog sich dann also auch noch endlos hin, wenn ich gerade Ansage hatte, wo Herr M… sein könnte, rief der NDR an, sie kämen jetzt zu den Boxen. Da war ich aber gerade nicht. Als ich dann da war kam keiner. Der Journalist käme nicht auf den Parkplatz. Dieses Spiel trieben wir eine ganze Weile und im Ernst – es nahm mir den Spaß. Ich war echt genervt. Krönung: Wir sollten, wie uns in diversen Mails vorher angekündigt wurde, zur Bahn gebracht werden vor dem Auftritt. Hielt ich angesichts des straffen Zeitplans und der langen Wege hier für durchaus angebracht. Irgendwann rief mich eine Frau an, mit der ich mich dann auf irgendeinem Stück Rennbahn traf (während ich gerade zwischen Herrn M… und dem NDR hin und her rannte) und erklärte mir, wo wir rumreiten könnten – „hier machen Sie einfach die Absperrung ab…“ – äh, sicher? Das sollen wir tun? Hat die nicht irgendeinen Sinn? Zum Beispiel, etwas abzusperren?? Und ich solle doch bitte noch allen anderen Bescheid sagen, wir kennen uns doch alle untereinander. Es gab mehrere Gruppen, die etwas vorführten, und sicher erkenne ich die meisten, wenn sie mit Pferd autauchen, aber das müssen sie ja erstmal vor meiner Nase tun und wieso überhaupt war ich jetzt plötzlich hier diejenige, die auch noch organisieren sollte, wer wann wohin und überhaupt?? Vielleicht sah ich so aus, als hätte ich sonst nichts zu tun. Den Eindruck muss ich unbedingt ablegen. Der ist nicht gut..
Denen, die ich sah, sagte ich Bescheid. Nur, um später zu erfahren, dass wir noch ganz woanders hätten langreiten sollen und unser Weg viel zu lang war. Egal, wir hatten’s ja gefunden…
Und auch einen Herrn M… fand ich irgendwann und wurde die Musik los, und auch der NDR fand mich irgendwann und machte sein Interview. Wen ich nicht fand – den Herrn, der die Ansage machte. Das war lustigerweise gar nicht der mit der Musik. Aaaaaaahhhhh!!!!
Aber auch den fanden wir irgendwann (währenddessen hätte ich drei Rennen gucken und fünf Crepes essen können. Was ich auch lieber getan hätte!). Und komischerweise war es dann doch wieder ich, die nicht zum Abreiten kam und in wilder Hetze mit fliegenden Fahnen ihr Pferd fertig machte, während die anderen schön in Ruhe ihre Pferde vorbereiteten. Mal im Ernst – an mir lag’s dieses Mal aber ganz sicher nicht!!!
Ich war genervt. Das hätte mal deutlich besser organisiert sein können.

Irgendwie floss uns wieder die Zeit zwischen den Fingern weg, ich weiß gar nicht, womit wir die ersten drei Stunden bis zum Auftritt überhaupt zubrachten (siehe oben…), wie gesagt, diverse CD-Abgabe-Versuche, Martina und Ole begrüßen, noch mal irgendwo rumrennen, Sureña einflechten, Salida einflechten, noch mal wohin…
Und gerade diese „noch mal wohin“-Wege läpperten sich so zusammen. Es war noch nicht mal das erste Showbild rum, da meldeten sich meine Beine schon mal kurz und mahnten ‚drohende Überlastung‘ an. Pah! Und? Wen interessiert das? Also zumindest zu dem Zeitpunkt interessierte mich das mal grad so gar nicht. Körperliche Signale zu hören habe ich mir vor Jaaaaaaahren abgewöhnt  🙂

Das Schaubild rollte heran und es fing an zu kribbeln… aber offensichtlich nicht nur bei mir, sondern auch bei Sureña. Noch während ich die Bänder einflocht, schubste mein Stütchen die Boxentür wieder und wieder auf. ‚Los jetzt, lass uns was machen!‘ schien sie zu sagen. Einfach irre; ich liebe diesen Eifer, diese Vorfreude. Es ist beeindruckend, wie wenig Sureña sich von so vielen Dingen beeinflussen lässt. Fremde Box, fremdes Gelände heißt inzwischen für sie offensichtlich: heute passiert was, heute machen wir was. Sie ließ sich allerding trotzdem beeindrucken… Die Atmosphäre auf dem Gelände schien doch besonders gewesen zu sein, denn beim Warmgehen auf dem Innenbereich, der uns zur Verfügung stand, rannte Sureña im Stechschritt neben mir her, trabte immer wieder an und war generell aufgedreht und überdreht. Und als dann noch ein dichtgepackter Pulk von etwa 10 Pferden keine 50 Meter von uns vorbei donnerte, da fielen meiner Süssen fast die Augen aus dem Kopf. Ja, das war jetzt wirklich aufregend! Vor allem, weil sie die Pferde vermutlich kaum sehen konnte, sondern über die Hecke, die die Bahn abgrenzte, eigentlich nur die Jockeys. Jedenfalls war es danach erst mal um ihre Coolness geschehen. Dass sie trotzdem händelbar blieb und sich zusammenriss rechne ich ihr hoch an. Ich denke, es spricht für das Vertrauen, was inzwischen so tief zwischen uns gewachsen ist. Ich versuchte trotzdem nicht mehr, am Langen Zügel warmzumachen. Ähnlich wie auf der Pferd & JAGD im Dezember hatte ich das Gefühl, Sureña brauchte in diesen Minuten mehr Sicherheit durch meine Präsenz in ihrem Kopf- und Schulterbereich, als irgendwelche Lektionen zur Ablenkung. Im Normalfall sitzen die Lektionen, so dass wir diese vor einem Auftritt nicht nochmal abspulen müssen.

Wir machten uns bald zu dritt auf den Weg zum Platz, wo die Schaubilder stattfinden sollten… also zumindest, wo wir dachten, dass die Schaubilder stattfinden sollten. Eigentlich sollte jede Gruppe von einem Rennbahn-Mitarbeiter abgeholt werden, doch das fiel dann aus. Es waren offensichtlich nicht genug Leute da. So wurde dann nur eine generelle Wegbeschreibung gemacht. „Dort biegen Sie links ab, folgen der Bahn und dann sind sie quasi auch schon da.“ Ahhh, ja. Das auf diesem Weg die Geländesprünge umritten werden mussten, durch geschicktes Ausweichen über einen anderen Weg, und dann zurück auf die Bahn, war in der Wegbeschreibung so nicht mit angegeben. Bin bloß froh, dass ich Fàsci nicht mithatte. Der wäre mal nicht außen um die Sprünge rumgegangen…
Wir irrten also kurz umher, gingen zurück, schlugen neue Wege ein und landeten schlussendlich auch dort, wo wir tatsächlich hin sollten. Kurze Zeit später wurden wir dann auch ausgerufen und dann ging es los. Angeblich wurden wir drei Mal aufgerufen, hörte ich hinterher, aber davon war in dem Teil der Bahn, in dem wir uns aufhielten, nichts zu hören. Wo war doch gleich der Bahn-Mitarbeiter, der uns begleiten sollte…??

Ich startete mit Sureña in der Arbeit an der Hand und wollte im Verlauf des Bildes an den Langen Zügel wechseln. Schon relativ zu Anfang des Schaubildes merkte ich, dass dieses Bild etwas anderes werden würde als erwartet. Du erwartest noch, wie die Bilder werden? Das habe ich mir vorsichtshalber längst abgewöhnt   🙂
Bekannte und eigentlich sichere Lektionen gelangen nicht, dafür klappten andere, die eigentlich noch nicht in unserem Repertoire abgesichert sind. Achtung, jetzt folgt Jammern auf ganz hohem Niveau… Seitengänge wollten nicht so recht funktionieren, in Traversalen brach Sureña prompt in alle Richtungen weg. Andererseits; dafür bekam ich Passagen geschenkt und die Pesaden wurden größer und stolzer und fühlten sich sehr sicher an 🙂
Beide Lektionen profitierten sicherlich von der Spannung, die in der Luft lag. Ich unterbrach unsere Arbeit immer mal wieder für kurze Momente, um einfach die Hand auf die Kruppe zu legen und uns beiden einen Moment Ruhe zu verschaffen.
Haha, Joya sah um sich rum alles steigen und fragte „soll ich auch?“ (geier, geier…!) – ganz klarer Fall für „Später! Viiiiiel später!“ Ich jammer mal mit – er galoppierte schlicht nur. Zehn Minuten am Stück. Er bestimmte, wann wo wie gewendet wurde (insbesondere, wenn die Stuten hinter ihm waren kam es zu spontanen, teilweise rasanten Wendungen, die ich dann dank Headset lässig mit „Vaqueropferde müssen wendig sein“ beschrieb). So ganz leicht war das mal nicht, aber auch nicht unbequem. Schick sah er allemal aus, so mit Kampfblick. Ich machte allerdings einen Fehler: ich sagte (vor Rennpublikum), dass Vaqueropferde auch spurtstark sind – und gab Gas. Da kam aber nix. Ich hatte gerade ein Rennen gesehen (die Zuschauer ja wohl auch) und es fühlte sich an, als bliebe Joya stehen. UPS… Peinlich. Hihi… Später erklärte ich die Garrocha und wofür sie gut ist und meinte, da ja keine Rinder hier sind, ob mir ein paar Vollblüter zur Verfügung gestellt werden würden. Hat sich aber keiner gemeldet. Keine Risikobereitschaft, diese Leute. Schade.

Zum Abschluss wurden wir noch mal gebeten, uns für die Fotografen aufzureihen, die während des Bildes schon ständig vor, neben, hinter und quasi unter uns umherwuselten. Süß war der eine Fotograf, er lag auf dem Boden, als ich auf ihn zuritt, und ich sagte „die Fotografen liegen uns schon zu Füßen“ – hat er gehört, fand er gut, daraufhin krabbelte er allerdings mit allen Vieren auf die Bahn. Lachen musste ich, als Corinna mich bei der Aufstellung fragte, „steigt die noch mal?“ und Sureña schon in den Startlöchern stand. „Die steigt mit Sicherheit noch mal“ (und *zack* war sie auch schon oben). Sorry, gibt eben doch blöde Fragen!

Nach dem Auftritt (ist vor dem Auftritt) brachten wir erst mal die Pferde wieder zurück in die Boxen. Sureña hatte trotz der innerlichen Spannung und Aufregung nicht ein einziges nasses Haar am Körper. Zwischenzeitlich döste sie in ihrer Box, wirkte müde, und trotzdem bin ich mir sicher, dass sie, wenn ich sie erneut aus der Box genommen und für einen Auftritt vorbereitet hätte, wieder hellwach gewesen wäre. Diese Ibererdame weiß einfach, mit sich und ihrer Kraft umzugehen.

Vor dem Papp de deux hatten wir dann doch noch etwas Zeit, schauten uns ein oder zwei Rennen von der Tribüne aus an. Für mich war es der erste Besuch auf einer Galopprennbahn. Es ist schon beeindruckend, diese Geschwindigkeit zu erleben, diese Pferde, die alles geben um die Nüstern nach vorne zu schieben. Was mich tatsächlich am meisten beeindruckt hat, war die Figur der Pferde, diese drahtig hochgezogenen Flanken, die an die Figur eines Windhundes erinnern. Trotz all dem Temperament, das in diesen Pferden steckt, fand ich die meisten, die mir über den Weg liefen, doch ziemlich händelbar… besser als so mancher Freizeitpartner in den normalen Pensionsställen.

Irgendwann war es dann doch Zeit für’s Papp de deux… Anziehen und umziehen. Mann, das dauert… Bis man die Kluft und das Pferd und alles fertig gemacht hat. Hui… Die paar Male, die ich den Lilipuzzaner Hein (Maestoso bitte. Maestoso Hein! So viel Zeit muss sein) jetzt bewegen durfte (zwei, um genau zu sein, oder?), macht er mir wirklich Probleme mit der Zügelführung, die ich gnadenlos immer wieder unter den Trageriemen schnalle, so dass ich die gar nicht vernünftig aufnehmen konnte… Also, alles wieder abschnallen, Zügel ausbasteln, neu anschnallen (Tip: vorher hinter die Ohren legen… Also hinter SEINE Ohren!). Da vergehen mal wieder Minuten. Der Vorteil ist: Hein ist artig, ruhig, bleibt gelassen stehen, während man sich so zurechtmacht und Abreiten muss man den auch nicht 🙂
Jo, das ist mal ein erzogenes Pferd!! Der frisst nicht mal eben und zieht einen durch die Gegend, der äppelt nirgends hin, der beißt nicht, der tritt nicht… Großartig, oder?

Während Corinna Joya abritt, fingen meine Füße in den Gymnastikschuhen an zu frieren. Ja, nasses Gras und kein festes Schuhwerk… yummy. Zudem erschienen mir Heins Fransen doch deutlich länger als bei den bisherigen Proben, so war ich ständig darauf bedacht, nicht auf besagte Fransen zu treten und mal eben schnell über’n Kopf zu gehen. Ich fürchtete schon vor dem Auftritt, das dies lange, wirklich lange, acht Minuten werden würden. Ich heftete mir Hein also immer höher, um nicht auf Fransen zu treten und den Auftritt gleich mal zu ruinieren (inklusive Hein, der einen Sturz vermutlich nicht so gut verkraften würde). Ääääähhhhhhh… Der Auftritt selbst wurde wirklich super und hat viel Spaß gemacht. Joya war viiiiiiel besser als in den Impressionen – er muss ja immer ein zweites Mal auf den Platz kommen, dann ist meist alles gut. So auch hier. Kein Vergleich zu dem irren Hampelmann vom ersten Schaubild. Er ging überall hin, klebte aber fürchterlich an Hein und behielt den sehr wachsam im Auge, dass der (seiner!!) auch nur ja nicht weg geht. Ich fühlte mich wohler und wohler in der Rolle des Quasi-Zentauren. Corinna und ich entspannten uns beide während des Auftritts und spielten zum Schluss fast miteinander. Es macht sich hier bemerkbar, wenn sich beide Parteien gut kennen und schon Ideen und Änderungen des Skriptes antizipieren können. Trotzdem war der Auftritt auch irre anstrengend und kraftraubend. Es war anstrengend, auf dem Boden zu laufen (mit nassen, schweren Füssen), gehindert von Fransen, die durchnässt auch immer länger und schwerer wurden und sich dann auch noch um die Beine wickelten und Bewegungen gleich noch mal verkomplizierten. Probier mal mit einem Oktopus um die Beine eine schöne Traversale zu kreuzen… jaaaa, so ungefähr fühlte sich das Ganze an. Zudem bröckelte auch das Outfit weg… also ich verlor ein Bein… sozusagen. Zuerst hing es noch so auf Halbmast und ich beäugte es mit sorgenvollem Blick, irgendwann machte es *flopp* und es ritt ein Einbeiniger den braven Hein (der sich davon nicht beirren ließ und trotz mangelnder linksseitiger Einwirkung brav sein Repertoire abspulte, der Gute).
Die Highlights in diesem Auftritt: der gemeinsame Spanische Schritt und die Pirouette… die sah schon aus meiner Position gut aus, ich hätte sie gerne von aussen gesehen. Ich war allerdings, zugegebenermaßen, froh, als wir rauskomplimentiert wurden, denn mir ging so langsam die Luft aus. Trotzdem brav lächeln, winken, immer nur winken, und erst im Innenfeld gefühlt zusammenbrechen. Dann Hein versorgen und ins Trockene bringen 🙂
Aaaaahhh, diese Nummer mit dem rauskomplimentieren, das war ja auch wieder so ein Ding. 10 Minuten war absolut strikte Höchstzeit für jedes Schaubild. Ich schneide also, wie immer, brav genau passend die Musik, so, dass sogar noch Zeit war – die Impressionen-Musik hatte knapp 9 Minuten, das Papp de deux ein paar Sekunden über 8.
In den Impressionen geht unsere Musik aus, aber alle hatte noch Zeit für ein Foto von hier, von dort, von oben, von unten und nochmal und überhaupt. Im Papp de deux, was ja nun ganz genau auf unser Schauspiel zugeschnitten ist, wurde man neben uns nervös nach 6 Minuten. „Kommt zum Ende bitte“ – „Zwei Minuten noch“ – „Bitte beenden“ – und ich immer dagegen „die Musik passt, die Länge stimmt, das geht!“. Irgendwann war ich dann sauer, habe in unserem Schluss-Pas de deux (wo es dann ein „richtiges“ Pas de deux wird) nach der so toll gelungenen Pirouette Ines nur noch zugerufen „Passage, geradeaus, raus!“ und noch während der Galoppmusik haben wir dann beendet. Rrrrrrrrrr…

Geschafft, Feierabend, Auftritte erfolgreich überstanden. Grummel, brummel.

Und dann… Warten.

Wir wussten, dass wir erst um 18:30 Uhr von der Bahn durften, wenn das letzte Rennen vorbei war. Da wir ja mit unseren Gespannen auf dem Innenfeld standen und die Bahnüberquerung nicht ständig geöffnet war, mussten wir also warten. Pünktlich um 18:15 rollten die ersten Gespanne und LKWs Richtung Ausgang, nur um dann in einem Stau (der es ohne Probleme mit jedem Stau vor’m Elbtunnel aufnehmen kann – nana, übertreib mal nicht. Auf 20 Kilometer wären sie hier nicht mal gekommen, wenn sie rundrum AUF der Bahn gestanden hätten) zu enden. Corinna und ich schauten uns das Ganze an und beschlossen, unsere Pferde so lange im Stall zu lassen, wie noch so überhaupt gar keine Bewegung zu erkennen war. Eine weise Entscheidung. Das letzte Rennen verzögerte sich deutlich (hatte wohl jemand zu lange Musik, wa…??? Pffff…) und dann ging’s immer noch nicht los und überhaupt wurde da nur rumgestanden. Die Wageninnensassen (inklusive der Pferde hinten drin) wurden unruhig, hupten (ja, super! Sinnvoll! Das hilft!! Wollen Sie nochmal aussteigen? Ich hupe so lange für Sie weiter…) auch schon das eine oder andere Mal (also die Insassen im vorderen Bereich, nicht die hinten, die polterten eher gegen Wände), versuchten zu drängeln, wo drängeln ging (oder auch da, wo nicht), und es ging trotzdem nicht vorwärts. Wohin auch… Und lustigerweise kam nach dem letzten Rennen noch ein Rennen. Und irgendwie noch eins. Wir hatten die Übersicht vollkommen verloren – andere allerdings auch. Schlussendlich holten auch wir irgendwann unsere zwei Iberer ab (Martina und Ole beschlossen nach Blick auf den Stau lieber noch eine Weile auf die Tribüne zu verschwinden und einen Sekt – oder zwei… oder drei… zu trinken – also Martina, die ja einen Chauffeur mit hatte – und erst später zu fahren). Wir ließen Joya und Sureña noch grasen, und als die erste (ernst gemeinte) Bewegung in das Staugeschehen kam, verluden dann auch wir (auch wieder ohne Verlade-Theater *freu*). Auch dann dauerte es noch einige Minuten, bis wir wirklich Richtung Ausgang rollten und um kurz vor acht Uhr abends endgültig die Horner Rennbahn verließen.

Im Gepäck: ein spannender, anstrengender und langer Tag mit (einmal mehr) neuen Erlebnissen und Erkenntnissen und möglicherweise neu abgesicherten Lektionen (das wird sich demnächst herausstellen). Uns unsere fantastischen Pferde, unsere Lusuxpferde. Und ein paar Beutel Leckerlies, und keine CD, weil vergessen, und das Gefühl, dass das einfach nur unnötig anstrengend und stressig gewesen war und zum Glück aber alle Klamotten und ein bisschen Müll und nichts mehr zu trinken – na, was man eben dann alles so mit hat.

Corinna steckt der gestrige Tag in den Knochen… mir steckt er in den Beinen. Noch hält sich der Muskelkater halbwegs in Grenzen, aber die Tatsache, dass er im Verlauf des heutigen Tages eher schlimmer geworden ist, lässt mich sorgenvoll in Richtung morgen schauen. Einfach mal’n Tag im Bett bleiben – aber wem, außer unseren Luxus-Pferden, ist das schon vergönnt…
🙂

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