21.7. – Breitensportturnier Eutin-Fissau

Ein Bericht von Corinna mit mehr oder weniger sinnvollen Ergänzungen von Ines    🙂

Meine Güte, war das heiß…
Eutin gibt es ja bekanntlich nur bei Weltuntergangswetter oder bei 40 Grad im Schatten. Dieses Mal können’s auch mehr gewesen sein. Durchaus möglich. Gefühlt floss der Schweiß jedenfalls in Sturzbächen.

Die Offene Kür der Reitweisen hatte immerhin stolze 12 Nennungen, woraus dann leider in der Zeiteinteilung 2 Abteilungen wurden. Da sowieso nie alle starten, hätte man das auch gut zusammen lassen können, denn so wurde es spät und später und noch später…
Na ja, vor allem, wenn allein fünf der Nennungen auf zwei Starter fallen… das hätte schon jemandem auffallen können…

Aber mal von vorne. Stimmt sowieso nicht, was ich gerade geschriebe habe. Die Schwere Kür trat den Gegenbeweis an. Von wegen, es starten sowie nie alle, die genannt haben. Hier hatten 9 Reiter genannt und 11 sind gestartet   🙂

Joya war erstes Pferd und Sönke hatte versucht, zu seinem Start mit der Kamera bereit zu stehen – das hatten allerdings diverse Ostsee-Ausflügler verhindert, die vor ihm auf den Straßen rumstanden. Menno!! Trotzdem gibt es von ihm Bilder, ich hoffe, ich bekomme alle…

Er ging auf dem Abreiteplatz weitgehend entspannt. Das Gefühl war gut und wird langsam besser als zu Hause – aber gut, da steht mir seit Wochen nichts mit 20 x 40m zur Verfügung und die Halle war ja durch den letzten Weltuntergang einige Wochen überhaupt nicht bereitbar, so dass zu Hause mehr oder weniger juxen und Quatsch machen auf dem Programm standen. Wozu üben, was er sowieso kann… Somit kam ich zwar mit wunderbar geputzten Sachen in Eutin an, aber weitgehend ungeübt. Dilettantenstadl halt  🙂

Wie immer musste er sich kurz mit der Atmosphäre arrangieren und so war ich Jackie sehr dankbar, dass sie die Kür und einige Teilnehmer lang und breit vorstellte und ich zwei Runden außen herum reiten konnte. Die Trabtour war noch unter Strom, wenn auch nicht so schlimm wie sonst manchmal, aber Joya bot schon permanent Galopp an, wenn ich mich auch nur bewegte. Die Traversalen waren leicht und sicher, aber Schulterherein und Travers waren schon arg galopp-gefährdet. Aber – geschafft! Im Trab!
Der Spanische Schritt gelang, und auch die Piaffe danach. Er hielt sie lange durch, auch wenn ein paar ungleiche Tritte dabei waren. Das Angaloppieren leicht und sicher, das Schulterherein danach absolut leichtfüßig – das ist wirklich eine seiner Parade-Lektionen, Schulterherein im Galopp. Das macht er einfach großartig. In der Schlangenlinie 3 Bogen mit einem Bogen Außengalopp schnaubte er ab und war da. Danach waren beide Traversalen gut im Vorwärts, beide Volten in schöner Biegung und gesetzt – Joya war da. Aufmerksam, leichtfüßig, so dass man nur noch lachen kann da oben und genießen. Er genoss offentsichtlich auch. Die Passage dann wurde der Hammer. Jeder Tritt genau in der Musik, das war unglaublich. Die letzte Traversale vergaß ich glatt, warum auch immer dachte ich, die Zeit reicht nicht, was totaler Quatsch war, und so ritt ich die Mittellinie bis auf den Richtertisch geradeaus.

Richter Thieß Witt fand Joya in den beiden letzten Jahren beides Mal zu spannig in der Kür und für mich hatte sich die Anfangs-Trabtour und die Piaffe so angefühlt, dass ich dachte, auch in diesem Jahr war das wohl auch Hauch Spannung zu viel, auch wenn Joya aber der Galopptour wirklich ein Traum war. Ich sah und hörte keine Punktzahlen und kümmerte mich um Fàscino, der zwischenzeitlich ausprobiert hatte, wie stabil der Zaun war, an dem ich ihn angebunden hatte, weil ich nicht glaubte, genug Zeit zu haben, um zum Hänger und zurück zu gehen und jeweils ein Pferd dort zu lassen. Das hätte nun bei 12 Startern natürlich geklappt, aber von denen wusste ich ja anfangs noch nichts. Fàsci war also mit auf dem Abreiteplatz, allerdings nicht mehr da, wo ich ihn gelassen hatte, als ich zur Kür ging. Die ganze Zeit, während ich abritt, stand er da friedlich und guckte dem Shettyfohlen zu, dass auf der Weide rumsprang. Ja, aber nicht mehr, als Du weg warst. Da machte Fàsci sich sein eigenes Programm. Ich hörte es nur scheppern und da zerrte der Große am Halfter. Ich hoffte nur, dass er das Tor nicht hinter sich herziehen würde, aber der Strick gab noch vorher nach. Ich rief ihn mehrfach, aber mich hatte er nicht auf dem Zettel. In der Zwischenzeit hatte mich aber wohl jemand als möglichen Besitzer ausgemacht. Ein Mädchen fing Fàsci wieder ein und wollte mit ihm zu mir und Sureña kommen. Ich winkte ab und fragte, ob sie sich um ihn kümmern könne, bis Du wiederkommst, was sie dann ja auch tat.

Ich warf etwas nervöse Blicke und suchte den großen Braunen und fand ihn – er trotte seelenruhig neben einem jungen Mädchen her, dass sich im Anschluss auch super süß um Joya kümmerte. Da Ines und mir in letzter Sekunde die Helfer abgesprungen waren und 2 Pferde für 2 Hände tatsächlich zu viel sind, war ich ihr unglaublich dankbar. Zumal Joya ja extrem unhandlich werden kann, den hätte ich sehr ungerne angebunden, der zerlegt ja auch mal das eine oder andere Halfter bei solchen Aktionen…

Bis dahin war aber auch Sönke samt Kamera eingetroffen und zu meiner großen Freude kam auch noch ganz unerwartet Sandra, die mir bis zum Schluss half. Daaaaaaanke!!!
Ja, das war toll. Ich ritt irgendwann an ihr vorbei und schaute zweimal hin… Sandra? Ja! Sandra!!!

Nun konnte ich also mal atmen. Wurde auch Zeit. Die Sonne war erbarmungslos und machte Gedächtnisübungen, um bei Sinnen zu bleiben. Das ging aber nur so weit, dass ich versuchte, mich an meinen Namen zu erinnern und was ich gleich reiten sollte, für viel mehr reichte es nicht.

14.

Ines‘ Kür sah ich leider nicht, auch Birgit mit Corianders Otto und Andrea mit Flores of blue waren irgendwie durch, bevor ich mit Umtüddeln fertig war und auf Fàsci saß  – und Zeit zum Gucken gehabt hätte. Schade! Bei Ines bekam ich nur mit, dass ihre Musik nicht lief, sie später starten durfte und dabei tatsächlich ihr I-Pod zum Laufen brachte. In ihrer Offenen Kür fiel dann schließlich der Strom aus – sie hatte irgendwie so richtig Pech musiktechnisch! Ja, das fand ich auch. Musiktechnisch hab ich’s in Eutin nicht so, glaub ich… Letztes Jahr fiel bereits zu Anfang der Offenen Kür die Musik aus, dieses Jahr nun Musik-Probleme in beiden Küren… mieses Karma. Vielleicht doch singen lernen… oder einen Chor mitbringen… hmmm, auch ’ne Idee… aber so viel Glück wie wir mit Helfer-Anwesenheit haben, sollte man sich darauf vielleicht auch nicht verlassen. Auf den Chor oder auf’s Singen?? Mach mal, bin gespannt. Anky van Grunsven macht das schließlich auch! SO wird man Olympiasieger! Lach…

10.

Fàsci fühlte sich gut an. Er war cool und locker, ich fragte Dreierwechsel an, die großartig gelangen, Piaffe vergaß ich, die frage ich sonst vor einer Prüfung auch gerne an, aber mein Hirn war schon am Schmelzen.

Es zog sich hin, ich quatschte mit anderen Teilnehmern, eine auf einem Fuchs rief „ich habe 128 Punkte! Ich bin Zweiter bis jetzt!“ oder so ähnlich, was mich auf die Idee brachte, doch mal rauszukriegen, wie viel Punkte Joya denn hat. Sandra suchte und fand – 138! Huch? Vorne?? Ja, Joya lag vorne! Wow, ich freute mich riesig. Und hörte kurz danach ein sehr gutes Pferd mit 117 aus dem Viereck kommen. Freu!! Aber da kamen ja noch ein paar.

Und dann war Fàsci als elftes und letztes Pferd auch endlich dran, kam in’s Viereck, kullerte mit den Augen und war auf 180. Ich muss glaube ich mal fünf Mal hintereinander in ein Viereck kommen und nur im Schritt die Zügel lang lassen. Als ob der Professor sich dadurch verwirren lassen würde. Der dreht auf, sobald er weiß, dass er in einer Prüfung ist, das ist ja unglaublich. Ich bin immer zwischen lachen und mich darüber freuen und gleichzeitig ärgern, dass er sich nicht mal benehmen kann. Nö, kann er nicht, tat er nicht. Er trat den Boden tot und war eine einzige Kampfansage, als seine Musik losging. Jo, das sah man. Ich stand am Vierecksrand (schwitzend) und dachte nur: „Oh, der ist grell. Da hat Corinna jetzt alle Hände voll zu tun.“ Und so mangelte es natürlich an Durchlässigkeit, er kam ganz schön auf die Hand phasenweise, ich wagte gar nicht, mich hinzusetzen, dann wäre er weg gewesen. Bei der Kraft, die er versprühte, wagte ich eine doppelte Pirouette – kein Problem – und die Piaff-Tritte waren auch sehr gut und zahlreich, viel besser als in Hoisbüttel oder Altengamme. Dafür versuchte er leider aber auch, mir alle zwanzig Meter alles aus der Hand zu reißen und abzugehen. Der war drauf!! Meine Güte… Jaaaa, das Terre-à-Terre zur Seite nahm er wie in Hoisbüttel selbst in die Hand… ähhh Hufe

13.

12..

014

013

012

Dass er damit nicht sehr weit nach vorne kommen würde, war klar. Er grinste vor sich hin und entspannte sich sofort, als die Musik zu Ende war. Was für ein genialer, verrückter Kerl…

Ich holte mir Joya als Handpferd dazu für die Siegerehrung und Jackie sagte während ihrer Ansage, als wir alle in’s Viereck kamen „… und Corinna hat nicht nur ihr Siegerpferd, sondern auch ihr zweites Pferd dabei …“ Mein Siegerpferd?? Echt??
Ja, echt – Joya gewann die Kür!

15.

Hier die Ergebnisse der Schweren Kür:

1. Joya – Corinna Scholz – 138
2. Cyrano deluxe – Denise Oberjat – 134
3. Walentino – Maria Taugerbeck – 129
4. Nillis – Vanessa Michna – 117
5. Fàscino – Corinna Scholz – 115
6. Sureña – Ines Diepenbruck – 109
7. Flores of blue – Andrea Blochwitz – 102
7. Orange blue – Yasmin Schermer – 102
9. Indian Manitou – Maria Bathmann – 93
10. Coriander’s Otto – Birgit Krickhan – 89
11. Beatle Dancer – Gabriele Saathoff – 81

16

Jackie meinte nach der ersten Runde der Siegerehrung, wir sollen doch mal juxen – und das tat ich. Die Jungs gaben Gas und das war etwas zu viel für die Rechtskurve am oberen Vierecksrand – Fàsci zog es die Füße weg, er stürzte aus full speed, Joya sprang beiseite und schützte mich damit sicher noch, während Fàsci auf die Seite knallte und ich zwischen beiden Pferden auf den Boden fiel. Mit rechts Joya festhaltend versuchte ich mit links nach Fàsci zu greifen, der etwas bedröpselt schon wieder aufstand, ich kam aus diesem Sand nicht hoch und krabbelte ihm auf Knien entgegen und rappelte mich an ihm hoch. Wir waren alle drei ziemlich erschrocken, aber es war weiter nichts passiert. Und wieder hat niemand die Kamera draufgehalten…
Fàsci und ich waren überall sandig, bei Fàsci fand ich ein paar zum Glück winzige Stellen, als ich ihn etwas später abbürstete, meine rechte Seite hatte einen abgekriegt, davon merkte ich nach zehn Minuten aber nichts mehr.

Am nächsten Morgen aber… Oha! Aber gut, mal wieder runtergeflogen zu sein, so ein Mal im Jahr tut das ja ganz gut und nimmt wieder die Scheu vor’m nächsten Mal  🙂

Birgit war bei der Siegerehrung gar nicht dabei, sie machte schon fertig für das Pas de deux. Auch dieses war in zwei Schwierigkeitsgraden ausgeschrieben, und mit ihrer Partnerin Anja Engler mit Drewes wurden sie Dritte.

17

Im Anschluss an das leichte Pas de deux folgte die 1. Abteilung der Offenen Kür. Diese war nach Reiter-Alter geteilt worden, so dass Ines das Glück hatte, jetzt schon dran zu sein. Glück, Pech, wie auch immer. Die eigentlich geplante Stunde zwischen den Prüfungen wurde verflucht eng, da die Siegerehrung von der schweren Kür ja erst nach einem Schaubild stattfand. Es wurde so doch recht hektisch, obwohl ich für die Offene Kür eigentlich nur Equipment vom Pferd herunternehmen musste, und nichts umrüsten musste. Trotzdem war’s gefühlt hektisch.
Und ich hatte das Glück, in dieser Pause nach der Kür alles für die nächsten Prüfungen fertig machen zu können – neu flechten, was trinken, Steigbügel und Schabracken ab und andere dran bei beiden Sätteln, was trinken, Kostüme sortieren, was trinken, Pferde kuscheln, was trinken – naja, und so weiter. Die Sonne setzte mir langsam wirklich zu. So ein Sonnenhütchen wäre was gewesen. Hatte ich aber nicht. Dafür dunkle Haare und lauter schwarze Hüte. Super.

Ines zeigte in der Offenen Kür ihre schöne Freiarbeit und wurde damit Zweite! 
Mit einem mehr oder weniger kooperationsbereitem Stütchen. Die hätte die Freiheit liebend gern für anderes genutzt so ganz frei meinst Du?? und war dementsprechend zu allem möglichen Quatsch bereit, der nicht für die Prüfung geplant war. Andererseits… dafür, dass wir die Freiarbeit noch nicht so lange machen und dafür, dass ich sie in Eutin zum ersten Mal auf einem umzäumungslosen Viereck wagte… keine Beschwerden. 🙂
Der Verschreiber ist gut, den lass ich drin! Meintest Du beim Viereck nicht vielleicht Zaun statt Zaum?? Lach…

18.

Birgit stellte Otto am Langen Zügel vor – mal sehen, ob es davon später noch Bilder gibt…? Die beiden wurden Vierte.

Ich hatte Joya bereits Pas-de-deux-fertig mitgenommen und Fàscino im Hänger gelassen. Unverschämtheit!!
Er war hochgradig empört und setzte das ganze Geschoss in Bewegung bei dem Versuch, den Hänger zu zerlegen. Sönke meinte irgendwann, ich solle ihn holen. Schlechtes Benehmen belohnen? Naja, ihn oben zu lassen war als Erziehungsmaßnahme sichtlich unbrauchbar, also holte ich ihn zu uns. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, aus seinen Nüstern kam Feuer. Kann mich aber auch getäuscht haben.
Kaum bei uns war alles gut und er die Ruhe selbst. Je oller…

Ines musste ein wenig hetzen – zunächst ja, aber als dann die Musik von Birgit nicht anging, weil der Strom ausgefallen war (was ja eigentlich schon während meiner Kür passiert war, nur da hat es irgendwie niemand mitbekommen) wurde es dann fast entspannt – denn nach ihrer Offenen Kür begann das Schwere Pas de deux – mit nur zwei Paaren, immerhin ein Fortschritt gegenüber dem Vorjahr, in dem wir mit Merlin und Sureña alleine gewesen waren!

Ines‘ großartige Näharbeiten haben sich gelohnt und wurden gewürdigt – wir bekamen für „Gesamteindruck / Erscheinungsbild des Paares“ und Herausgebrachtsein von Pferd und Reiter“ jeweils die Note 10!
Ja, die endlosen Stunden haben sich gelohnt!!!
Ansonsten gab Ines hinterher freimütig zu, den Sieg versemmelt zu haben – in der Schlusstour verritt sie sich. Oh, peinliche Nummer, echt. Ich hatte schon am Ende der Galopptour irgendwie den Faden etwas verloren, da spielte das Hirn aber noch mit und zeigte dann doch kurzfristig den Weg auf. Die Schlusslinien jedoch – aus die Maus. Da war nichts mehr. Joya trug zum zweiten Platz bei, indem er plötzlich mal wieder daran erinnerte, dass dieser Sattel zwickt… Aaaaahhh! Ich werde irre. In der Kür kein Problem und mitten im Pas de deux plötzlich buckeln, umspringen, klemmen… Ich ritt irgendwie drüber weg, aber auch sonst hatten wir den einen oder anderen Haker drin. Insgesamt fühlte es sich trotzdem größten Teils gut an, die Musik wurde noch gelobt und dass die Pferde gut zusammen passten. Das hätte ich gar nicht unbedingt gedacht, aber tatsächlich fand ich es auf den Fotos auch. Ja, ging mir auch so. Auf den Fotos wirken die richtig super zusammen. So verschieden sie auch sind, sie gingen im Trab aber auch immer wieder im Gleichtakt! Also, nächster Versuch im nächsten Jahr! Vielleicht dann auch mit weniger Tempo meinerseits 🙂 Und gleicher Linienführung?? Hihi…

19.

Im Protokoll standen so hübsche Sachen wie „harmonischer Gesamteindruck“, „Pferde passen gut zusammen“und „Spanischer Schritt mäßig, aber harmonisch“, am schönsten aber finde ich „Durchlässigkeit bei Ines nicht immer gegeben“ – bei Sureña offenbar schon! Lach...  Lach auch – ich vermute ja, bei beiden nicht… Obwohl ich mich eigentlich noch recht durchlässig fand… Sureña nicht.

Andrea mit Flores of blue und Maren Kruse mit Cesar gewannen das Pas de deux, während Thieß mehrfach betonte, wie knapp das war – aber das, was ich von den biden gesehen hatte, so wenig es auch leider war, war schick. Sie waren auf jeden Fall deutlich mehr nebeneinander als wir, während wir alles spiegelbildlich angelegt hatten. Also offenbar zwei sehr unterschiedliche Vorstellungen. Hmm… sollten wir auch mal drüber nachdenken… nebeneinander im Galopp, ich die Außenseite, so dass Sureña schneller darf… Formulierungsfehler. Nicht „Sureña schneller“ sondern „Joya langsamer = versammelter“. Lässt sich drüber reden. Ich Pirouette, Du Volte? Au ja!

20.

Nun hatte ich wieder Zeit, denn meine Abteilung der Offenen Kür sollte erst in einer Stunde beginnen. Wir waren bereit.

1.

Tat sie aber nicht. Also die Prüfung. Beginnen. Nach einer Stunde.
Noch ein Schaubild. Und noch eins. Und weil’s so schön gleich noch eins. Zu dem Zeitpunkt befand ich mich schon auf dem Heimweg. Ich hatte geplant, bis zum Ende von Corinnas Prüfungen zu bleiben, merkte aber, wie mir der Tag in den Knochen steckte und wie das Bedürfnis, das Stütchen möglichst vor der großen Rückreisewelle am Sonntagabend wieder nach Hause zu bringen stieg. Ich hatte mit der Entscheidung gehadert, war aber schlussendlich sehr froh, denn mein Plan ging auf und wir kamen staufrei nach Hause.

Ich hatte Schleier vor den Augen und sehr plötzlich das sehr heftige Bedürfnis, aus der Sonne rauszukommen. Schatten – Fehlanzeige. Es gab einen Fleck unter einem Baum, da standen immer wieder mal ein paar Pferde, sonst gab es schlicht keinen Schatten. Keinen zumindest, der noch oben ankam, wenn man auf dem Pferd saß. Ich konnte nicht mehr.

2.

Ich gesellte mich zu den anderen unter dem Baum und mir wurde schlecht. Ich wand mich wie ein Aal, wollte nicht absteigen, dachte, jeden Moment geht die Prüfung los. Meinen „mittleren“ Start hatte ich ohnehin schon gecancelt. Geplant war die gleiche Reihenfolge wie in Altengamme – Garrocha, Arbeit an der Hand, Reiten mit Handpferd. Die Arbeit an der Hand hatte ich irgendwann am Hänger zu den Akten gelegt – und im nächsten Moment gemerkt, dass ich dafür tatsächlich die Trense vergessen hatte.
Joya und ich waren also garrocha-fertig. ich fauchte ihn auf dem Abreiteplatz ein paar Mal an, weil er schon wieder zu einer Tube Pattex mutierte und an jedem Pferd klebte, dass er schon mal gesehen hatte oder auch nicht, er ist da irgendwann nicht mehr wählerisch. Schließlich aber fanden wir uns im Schatten unter dem Baum wieder und irgendwann kam dann doch der Moment, wo ich runter musste. Die Alternative wäre tatsächlich gewesen, dass ich jetzt alles, was ich gar nicht gegessen hatte, ausspucke. Die Mädels stellten besorgt fest, dass ich total grau aussehe, während ich – freiwillig! – zum Sanitätswagen gehen wollte. Bloß war Gehen gerade eine total blöde Idee. Ich saß da im Gras, mir war schlecht, und ich überlegte, wer meine Pferde nach Hause fahren könnte. Ich sah mich nicht mehr reiten und auch überhaupt nichts anderes mehr tun. Da ging grad mal nichts mehr. Hätte die Prüfung jetzt angefangen, wäre es das für mich gewesen.

Jackie ließ über Mikro Eis bringen, das fand ich ja wieder total süß – „bringt den Barocken da hinten mal ne Kugel Eis!“. Und das passierte, ich lutschte an einer Kugel Bananeneis rum, die schneller schmolz, als man sie essen konnte, und diese Kugel Eis rettete mir in dem Moment glaube ich das Leben. Ich kam wieder zu mir, konnte auf’s Pferd, als es denn nun tatsächlich losgehen sollte, riss Joya aus der Dämmerung und ritt ein.
Wir könnten in diesem Jahr den Hattrick schaffen – zum dritten Mal in Folge die Offene Kür mit der Garrocha gewinnen. Das gelang uns einerseits tatsächlich, andererseits aber auch wieder nicht – auch wenn wir mir goldenen Schleifen den Schauplatz verließen. Thieß war nicht mehr entscheidungsfreudig und überreichte tatsächlich allen goldene Schleifen.

Ich hätte mit der Garrocha aber gefühlt nicht gewonnen in diesem Jahr – Joya klemmte und zog überhaupt nicht, dann wieder eine gute Phase, dann wieder klemmen. Ich stellte die ganze Kür auf das ein, was er gerade anbot und so wurde die sehr ruhig mit viel Schritt 🙂
Das sah vermutlich immer noch gut aus, aber das Gefühl war nicht so schön wie sonst.

3.

Ulrike zeigte gewohnt souveräne Zirzensische Lektionen mit Koekoeksblom…

5

… und Andrea stellte Flores natürlich unter dem Damensattel vor.

4.

Den Abschluss machte ich mit meinen beiden und unserem „Reiten mit Handpferd“. Auch wenn ich einiges vergaß, wie den Spanischen Schritt, und mir diese nicht ganz 4 Minuten ungeheuer lang vorkamen – die Nummer war gut. Die Jungs waren mit Feuereifer dabei, standen super auf dem Podest, sprangen etliche Male das Cavaletti, Joya ging eine tolle Pirouette und stieg na klar zum Schluss. Nach der Erfahrung vom letzten Fotoshooting mit der aalglatten Kruppe versuchte ich gar nicht erst, mich hinzustellen, sondern kniete – war auch besser so, ich hätte vermutlich sowieso nicht mehr stehen können…

6.

8.

7.

9

Die Atmosphäre in der Siegerehrung strahlte das aus, was ich an Eutin so liebe – es ist kein Gegen-, es ist ein Miteinander, und gerade in dieser Abteilung der Offenen Kür war das – auch wegen der gemeinsamen Warterei vorher – so schön zu spüren.

hp

Ich fand das – rein von der Prüfung her gesehen – nicht so glücklich mit „gold für alle“, hätte lieber eine klare Bewertung gehabt und siehe da – als ich auf der Heimfahrt im Stau stand und Protokolle las, standen da tatsächlich Wertnoten! Da wusste ich dann ja schon mal meine beiden, und die waren verschieden. Und tatsächlich war hier Joya vorne. Zudem fand ich am nächsten Morgen im Internet alle Ergebnislisten. Somit weiß ich also doch, wie die Platzierung gewesen wäre und den Hattrick, 3x hintereinander als Sieger aus dieser Prüfung zu gehen, haben Joya und ich tatsächlich geschafft. Die Noten waren aber nicht sehr vielseitig und engst beieinander. Mein Start mit der Garrocha und Ulrikes Zirkuslektionen wurden mit 8,0 bewertet, Andreas Ritt im Damensattel und mein Reiten mit Handpferd mit 7,9.

Wie so oft sieht man das Gefühl aber ja von außen nicht immer so. Bei der Garrocha sah es ganz offensichtlich viel schöner aus, als es sich anfühlte. Im Protokoll stand „Stilechtes Outfit, schönes Erscheinungsbild“, „gute Biegung im Schritt“, „Schritt ruhig und gleichmäßig“, „angaloppieren geregelt“, „gute, saubere Wechsel“, „Pferd durchweg am Zügel“, „Gangarten immer geregelt“ und „Musik sehr passend“.

Im Protokoll vom Reiten mit Handpferd war u. a. zu lesen: „Seitengang sehr gut, gleichmäßig und harmonisch“, „Rückwärtsrichten gleichmäßig, geregelt“, „Galopppirouette Schimmel sehr gut“, „guter Einbau von Showeffekten“ und „Schlussverabschiedung sehr gut und spektakulär“

Hier noch ein paar Auszüge aus den Protokollen der Schweren Kür – bei Fàscino stand u.a.: „Sehr gelungene Eröffnung“, „Galopppirouette gut“ – der Rest der Kommentare zeigte deutlich an, dass mehr Lastaufnahme und Bergauftendenz wünschenswert gewesen wäre. Schön war hier eine Schreibweise für eine ja nicht soooo bekannte Lektion: „terater“ – da musste ich selbst einen Moment überlegen 🙂
Immerhin gab es aber eine 9 für „Einklang von Musik und Bewegung“!

Joyas Protokoll liest sich natürlich viel schöner:
„Gutes Outfit (auch da musste ich eine Weile überlegen. Geschrieben steht da: Autfitt…)“, „Linkstraversale geregelt, gut“, „Gute Eröffnung“, „insgesamt harmonischer Bewegungsablauf“, „Spanischer Schritt gleichmäßig gerade“, „Fliegender Wechsel sehr gut“, „Galopptraversale links sehr gut“, „Passage gleichmäßig“, „gelungene, runde Kür!“
Die Schlussnoten waren auch großartig:
Takt, Losgelassenheit, Schwung, Versammlung – 8
Grundgangarten, Übergänge – 8
Korrektheit der Figuren / Lektionen – 8
Schwierigkeitsgrad (dem Können angemessen?) – 9
Gesamteindruck / Harmonie zwischen Reiter und Pferd – 9
Herausgebrachtsein des Reiters – 9
Herausgebrachtsein des Pferdes – 10
Choreographie / Ideenreichtum / Einteilung – 10
Einklang von Musik und Bewegung – 10

Auf Wiedersehen in Eutin am dritten Juli-Sonntag 2014 zur 25. Non-Stop-Show!

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