10.-12.3. – Krämer-Jubiläumstage

Bereits Ende Herbst hatte Krämer wieder angefragt, ob ich im März bei den Jubiläumstagen etwas zeigen wolle. Ich glaube, das war eine rein rethorische Frage 🙂

Da ich zu dem Zeitpunkt aber ja noch so überhaupt nicht absehen konnte, was denn im März vorzeigbar sein würde, hielt ich den Text für das Programm äußerst vage:

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Nachdem ich Nacariño ja seit Jahresanfang bewusst immer wieder verladen und nachher auch kurze Strecken gefahren hatte und Dón sich ja inzwischen ohnehin in so vielen Dingen äußerst unkompliziert zeigte, ergab sich so nach und nach der Plan, am Donnerstag nur Nacariño mitzunehmen, der dann einen Tag Pause haben konnte, weil Freitag nur Dón mitkommen sollte und Samstag wollte ich beide mitnehmen. Perfekt.

So machte ich es schließlich auch. Der Bericht von Nacariños Donnerstag ist hier zu lesen, der von Dóns Freitag hier.

Ich war noch völlig hingerissen davon, wie sich die beiden bei ihrem allerersten außer-Haus-Vorführung präsentiert hatten, auch wenn der ungeheuer tiefe und trockene Boden leider kein so schönes Reiten zuließ. Dón hatte hier noch weit mehr zu kämpfen als Nacariño, so dass am Samstag ein Plan B überlegt werden musste. Ich hatte Reiten mit Handpferd geplant und in einem übermütigen Moment sogar einen ersten Sprung mit beiden gemeinsam, das verwarf ich komplett.
Sönke hatte mich noch zu Nacariño gefragt, ob ich einen Plan B habe, und ich konnte nur prusten, weil ich ja nichtmal einen Plan A hatte.
Plan B reifte in der Nacht von Freitag auf Samstag und beinhaltete nun natürlich viel mehr am Boden als unter dem Sattel.

Der Tag ging aber auch anderweitig unschön los – ich kam in den Stall und meine Schimmel standen auf dem schwarzen Matsch-Paddock, obwohl abgesprochen war, dass sie für diese drei Tage genau dort nicht hin sollten. Den Dreck kriegt man nicht einfach so raus. Den Sand vom Reitplatz schon eher. Ich war echt für einen Moment fassunglos. Plan C wäre nun gewesen, nur Dón mitzunehmen, der sich zum Glück noch nicht gewälzt hatte, Plan D wäre Fàscino gewesen, der mitgezählt hatte, als ich Donnerstag Nacariño verlud, Freitag Dón, somit war für ihn klar, dass heute sein Tag wäre. Er guckte auch ganz freudig, als ich den Hänger anhängte, und ich hoffe, er war nicht zu enttäuscht, nicht mitzukommen.

Ich fing an zu putzen. Zum Glück war ich eine Stunde früher gekommen als geplant. Nun schrubbte ich relativ frustriert an Nacariño herum – waschen bei 4 Grad?? Ich war jeden Tag bei 4 Grad hier im Stall angekommen, aber sie fühlten sich jeden Tag kälter an. Heute war es so feucht-kalt, dass ich nur ein bisschen warmes Wasser für die Mistflecken holte, aber ich hätte jetzt keinen Hals waschen wollen.

Die letzten Tage waren trocken gewesen, wofür ich jetzt ungeheuer dankbar war. Der dunkle Dreck ließ sich einigermaßen rausbürsten. Zeitlich war einflechten nun aber nicht mehr drin, macht nichts, dachte ich, da ich ohnehin mehr spielen und rumalbern wollte, konnten sie auch mal offen tragen. Finden die Leute ja eh immer toll und schöne Mähnen haben sie beide. Wenn auch farblich derzeit mehr der Natur angepasst 🙂

Alles fertig, alles eingepackt, verladen. Zum ersten Mal beide zusammen. Ich holte Nacariño, und ich glaube, ich war ein kleines bisschen zu sicher und machte eine Sekunde zu früh ein Kilo zuviel Zug am Strick. Er stemmte sich in den Strick, zog nochmal richtig nach, und dann flogen die Metallteile und Nacariño ergriff die Flucht. Mir war ein Stück des Hakens gegen die Hand geschlagen, der Haken vom Strick und der vom Halfter waren hin. Nacariño donnerte Richtung Straße, machte zum Glück kehrt, rannte über den Hof Richtung Feld, tat so, als sei er in Panik, aber wenn man mal ehrlich ist, sah das nicht sehr glaubwürdig aus. Anfangs kam ich nicht ran, ich ging ihm einfach immer ruhig hinterher oder entgegen, je nachdem, was sich gerade anbot, und irgendwann durfte ich hin und er kam und alles war gut. Neues Halfter und Longe, wieder zum Hänger, in Ruhe alles so hingetüddelt wie wir es sonst auch machen, ein paar Sekunden länger gewartet mit dem Zug, der ihn hoch bittet – und oben war er. Da hätte ich jetzt mit mehr Problemen gerechnet, nachdem es ja gerade geklappt hat, aber nun stand er oben, ich konnte zumachen und Dón holen.
Der, ganz welterfahrene coole Socke, ließ sich vor dem Hänger den Strick über den Hals legen und ging alleine rauf. Genial! 
Ich fragte Nacariño, ob er das gesehen hätte, der verdrehte nur die Augen, als hätte man gerade das größere Geschwisterkind gelobt und dem kleineren gesagt, warum kannst Du das nicht so wie Dein großer Bruder…?

Dón musste nun gleich lernen, dass Beinfreiheit auch begrenzt werden kann, was ihn überhaupt nicht störte. Er hatte zum Rumkratzen immer noch Platz genug und Nacariño machte kollektiv mit.

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Das Fahren ging prima, mit den beiden zusammen ist das also überhaupt kein Problem. Sie rissen sich gegenseitig das Heunetz aus dem Maul und standen immer ruhiger während der Fahrt. Nacariño steht meist ohnehin wie ein Baum, aber Dón ist beim Fahren doch zumindest anfangs immer noch ziemlich in Bewegung.
Bei Krämer angekommen lud ich aus, und nun musste meine Longe dran glauben. Ich machte es wie Donnerstag, band die Longe schon mal am Hänger an und ließ Nacariño runterkommen, so dass er schon direkt angebunden wäre. Gefühlt war das nicht nötig und ich hätte es mal lassen sollen – wie blöd kann man eigentlich sein? Ich hatte die Longe um die Bruststange gelegt… Die hätte natürlich dahinter sein müssen… Nacariño ging ganz entspannt rückwärts, und dann kam auf einmal der Zug , als er auf halber Höhe war, ich konnte nirgendwo mehr etwas los machen, das übernahm er dann mal. Er schmiss sich zurück, wieder flogen Metallteile, der dritte Haken des Tages gab den Geist auf, Nic raste geistesgegenwärtig los und sicherte den Ausgang, weil ich ihr ja erzählt hatte, dass diese beiden Tore hier meine größte Sorge wären, wenn Nacariño abhaut. Der blieb aber in Dóns Nähe und ließ sich sehr schnell wieder einsammeln. Dón fand das alles überhaupt nicht komisch und wollte jetzt bitte runter. Sofort! Durfte er auch.
Ich band beide an samt Heunetz und innerhalb weniger Minuten standen sie sehr entspannt und fraßen und guckten. Dón beäugte noch eine Weile sehr konzentriert die Vorführung, die gerade lief, irgendwann interessierte aber auch das nicht mehr so.

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Es war so richtig fies feucht-kalt, die Sonne ließ sich immer mal kurz blicken und dann war es sofort schön, aber wenn die Wolken davor zogen – brrrrr… Ich entschied mich also schon mal gegen hübsch und für dickere Jacke. Mir war auch einfach kalt, weil mich das Matschpaddock und die bisher zerlegten Einzelteile spürbar Nerven gekostet hatten.

Ich ließ mir Zeit zum Fertigmachen und ging schließlich mit beiden eine Handpferde-Runde über den ganzen Parkplatz. Und das hätte nun echt jemand filmen müssen – netterweise war direkt vor meinem Auftritt noch einmal der Platz abgezogen worden. Dafür war ich sehr dankbar. Nun polterte und schepperte dieser kleine aufsitzrasenmäherähnliche „Trecker“ Richtung Garage. Ich ritt direkt hinterher. Die Jungs wären da fast draufgekrabbelt, so dicht gingen sie dahinter. Völlig angstfrei. Toll!!

Wir gingen auf den Platz, der heute an den zwei möglichen Seiten von einer Menge Zuschauern eingerahmt war. Das war an den beiden Tagen davor deutlich weniger gewesen – bei der Kälte kein Wunder. Schade, dass das so früh im Jahr war, hoffentlich entscheidet, wer auch immer das zu entscheiden hat, nächstes Jahr für einen späteren Termin.

Dón bewegte sich auf dem frisch abgezogenen Platz gut, aber seine kleinen Hufe versanken doch wieder ganz schön. Galopp hatte ich vorab für ihn gedanklich schon gestrichen, Trab strich ich jetzt. Ich kann doch nicht mein junges Pferd zum ersten Mal irgendwo mit hinnehmen und ihm dann den Schneid abkaufen durch so einen Boden. Und man kann ja auch im Schritt mit Handpferd ein bisschen was machen – also das Handpferd kann ein bisschen was machen 🙂

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Und das Handpferd machte. Nacariño war der personifizierte Eifer.
Das hier kann dabei rauskommen, wenn man bei ihm Spanischen Schritt anfragt:

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Und so sieht’s aus, wenn man den in toller Qualität bekommt:

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Das Steigen abzurufen war das allergeringste Problem. Dón zog mal vorsichtshalber den Kopf ein.

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Ich war mir nicht sicher, ob ich mit Handpferd schon je beide auf dem Podest hatte. Eher nein. Nach den guten Spanischen Schritten also im Zweifel die zweite Premiere. Und wir waren noch nicht mal zehn Minuten auf dem Platz 🙂

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Premiere drei. Dón ging runter, Nacariño wollte oben bleiben. Dón mochte nicht stehen bleiben, ging eine Volte um’s Podest, und Nacariño drehte sich eine komplette Runde auf dem Podest mit. Hammer! Merken! Ausbauen!
Immer zu schön, wenn sie sich die Dinge selbst beibringen!

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Ein Teil von Plan B war, dass ich von Dón auf Nacariño umsitzen wollte, ohne abzusteigen. Ich bekam die beiden aber nicht so nebeneinander, dass das funktioniert hätte.
Hmm, schade.
Na dann eben zumindest unorthodox absitzen. Zuvor jedoch wollte ich Nacariño noch einmal steigen lassen, während ich auf Dóns Kruppe kniete. Allerdings durchkreuzten frisch geputzte Stiefel auf frisch geputzter (noch sehr schmaler) Kruppe und ein nicht so recht still stehen wollender Dón diesen Plan – wenn Nacariño jetzt noch vor ihm hochgekommen wäre, hätte mein Absteigen noch viel unorthodoxer ausgesehen.

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Ich sattelte Dón ab, ließ den laufen und schwang mich auf Nacariño. Ich erzählte, wie (schlecht) er Donnerstag mit dem Boden klargekommen war und dass ich jetzt versuchen wolle, ihn ansatzweise zu versammeln, so weit er das eben schon kann, um ihm mit einer anderen Haltung und einem anderen Gleichgewicht den Mut zu machen, sich anders auszubalancieren. Ich sprach Nacariño an, was ich wollte, half ihm in die Form und in die entsprechende Grundspannung und siehe da – er wurde richtig mutig und konnte sich ganz anders bewegen hier als am Donnerstag! Ich brauchte im Trab nicht mal eine Passage-Idee, die Idee vom versammelten Trab reichte, und im Galopp konnte er auf beiden Händen die Stellung halten. Die ging nur einmal kurz verloren, ich spannte ihn neu und er konnte in Stellung weiter galoppieren. Großartig!!

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Zügel fallen lassen, Pfiff, stehen. Er fand sich zu Recht toll. Ich ihn auch. Das war wirklich gut, ihn diese paar Minuten hier noch einmal zu reiten.

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Ich war gute fünfzehn Minuten auf dem Platz und mein Reitprogramm war durch. Es ging am Boden weiter und ich hatte einen Moment Sorge, womit ich die Zeit füllen sollte. Haha… Die Jungs füllten sie. Zum Einen, in dem sie plötzlich nicht mehr in der Lage waren, sich so zu koordinieren, um gemeinsam auf’s Podest zu passen. Einer fiel immer runter. Ich hatte mal wieder viel zu wenig Hände und dachte echt, ich fasse es nicht, sie stellten sich unmöglich an. Das alles mit halb geschlossen Augen, die machten sich hier einen entspannten Mittag und meinten, nicht mehr Herr über ihre Füße zu sein.
Mein Plan war, sie jetzt in die neue Fahne einzuwickeln (die Nacariño noch nie gesehen hatte), aber ich bekam sie nicht mal ansatzweise nebeneinander. Einer schlief immer halb ein und fiel fast um, während der andere auf dem Podest rumstand, dem wurde es dann zu langweilig, der kam runter, dann ging der andere rauf – ein schräges hin und her.
Irgendwann – nach einer gefühlten Ewigkeit – waren sie dann doch beide oben.
Geht doch!

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Während ich die Fahne ausbreitete (auszubreiten versuchte, um genau zu sein, die ist groß und es wehte ein bisschen und natürlich wehte es immer in die falsche Richtung), ging Nacariño vorsichtshalber mal wieder runter, um fliehen zu können. Er ahnte, dass ich irgendwas Neues vorhabe, seine Augen wurden immer größer. Dón chillte derweil vor sich hin, sah im Augenwinkel die Fahne, meinte „Ach, die…“ und machte das Auge wieder zu.

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Ich tat – wie so oft – einfach so, als würden wir das jeden Tag machen. Nacariños Neugier siegte. Er ließ sich sehr unkompliziert die Fahne auflegen und dann zog ich einfach an der rum und schließlich war sein Kopf weg.

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Das war ihm nicht geheuer. Er drehte sich und wickelte damit Dón und sich total ein, was Dón – noch immer eisern auf dem Podest – aushielt, der Gute.

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Ich stellte Nacariño wieder neben Dón, fing nochmal von vorne an, und siehe da:

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Plan für Premiere vier war aber ja dennoch, dass wir drei zusammen zelten gehen. Das muss doch möglich sein – und zwar heute noch 🙂
War es dann schließlich auch…

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Das war ein echt irres Gefühl mit den beiden da drunter. Das ist wirklich wie zelten. Die Geräusche von außen klingen ein bisschen anders und das Licht wirkt ganz anders. Man sieht ja mal nix mehr da drunter. Wir standen da einen Moment in unserem Versteck, irgendwie war das toll.

Aber da war ja noch eine Fahne… Die hatte ich ja beim Reiten ganz vergessen… Die holte ich jetzt, und auch die kannte Nacariño noch nicht. Fahne an sich ja, aber in anderer Farbe. Er beäugte die einen Moment skeptisch, zumal ich die über ihn hob, während er auf dem Podest und ich unten stand. Das fand er einen Augenblick komisch. Aber nicht lange.

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Ich meinte grinsend, dass ich geradezu hören würde, wie einige denke oder sagen „das könnte ich mit meinem nicht machen“ und dass das hier vor wenigen Monaten auch noch Pferde waren, mit denen man das nicht machen konnte. Ich mache es aber. Und zwar mit jedem Pferd. Und sie lassen schließlich immer mehr mit sich machen, wenn man die Dinge einfach macht und immer darauf aufpasst, dass man ihnen keine Angst macht.
Die zweifelnden Gesichter derer, die so einen zu Hause haben, „mit dem man sowas nicht machen kann“ waren zu schön. Wenn auch nur einer es ausprobiert (und damit auch noch Erfolg hat), hätte sich das hier doch schon wieder gelohnt.

Dón wollte auch! Ist schließlich seine!!

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Ich ließ Nacariño los und machte mich Dón ein wenig Arbeit an der Hand. Nacariño stellte sich auf sein Podest und sah zu. Zu süß, er ging immer mal weg und stellte sich dann aber immer wieder drauf und guckte von dort aus zu.

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Schließlich zeigten beide ein Wälzbedürfnis, was ich gnadenlos ausnutze. Ich hatte lange nicht mehr mit ihnen gelegen, die ganzen Wintermonate ja nicht, weil der Platz dazu nicht einlud, das war jetzt das erste Mal wieder. Und ich durfte beide Pferde flach ablegen und sie blieben mehrere Sekunden so liegen. Was für ein Genuss…!

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Danach nahm ich die Trensen runter und ließ sie ganz frei.
Spätestens jetzt kam aber jeder der Zuschauer auf seine Kosten.

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Ach! Dann kann Dón also auch Beine kreuzen! Ein satter Schlag auf die Brust als Hilfe für die Traversale…? Wäre zu überlegen… (Das nimmt jetzt hoffentlich keiner ernst, oder??)

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Ich spielte ein wenig frei mit ihnen, dabei schwankte Nacariño sichtlich zwischen mitmachen wollen und Unsicherheit. Ich ließ mir also nochmal ein Hafter geben und bat ihn, auf mich zuzukommen. Ich erklärte, dass ich später möchte, dass sie, wenn die Gerte mit Schwung auf den Boden tippt und ich rückwärts gehe (laufe), auf mich zukommen.
Die Gerte ist Nacariño in dem Moment noch nicht geheuer, das habe ich auch zu Hause noch nicht so wirklich gemacht. Nacariño war ungeheuer dynamisch, und hätte er sich nicht ab und zu der Schwerkraft beugen müssen, er wäre vermutlich gar nicht mehr runtergekommen.

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Nacariño wurde nochmal auf dem Podest abgestellt, und damit ihm auch ja nicht kalt wird, bekam er nochmal die Fahne über den Rücken. Die war jetzt voll akzeptiert.
Dón machte seine ersten ganz freien Spanischen Schritte – längst nicht so ausdrucksvoll, wie wenn ich ihn mitnehmen kann, aber immerhin!

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Schade, Helm war schon ab, sonst hätte ich jetzt ein bisschen mehr gemacht 🙂

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Und dann zeigte mein Flaschenkind sein wirklich allerschönstes Iberer-Traum-Gesicht beim Anblick seiner – ENDLICH! – Punica-Flasche. Wieder mit Dón-Spezial-Mischung.

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Das war einfach eine versunkene, schöne Spielzeit gewesen. Ich ließ langsam ausklingen, die Zuschauer hatten lange durchgehalten, mein Auftritt war der letzte, so dass mir die Zeit auch völlig egal war. Ich spielte einfach mit den Jungs so vor mich hin. Das war das bestmögliche, was hätte passieren können. Einfach ohne Blick auf die Uhr und ohne bestimmte Ansprüche vor sich hin spielen können. Die Jungs waren total entspannt und zufrieden. Dón winkte zum Abschied noch einmal mit seiner Andalusien-Fahne.

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Natürlich durften sich abschließend noch beide im Laden ein paar Kekse abholen. Mit beiden zusammen war das schon nochmal anders – jeder alleine konzentrierte sich sehr auf mich, beide konzentrierten sich jetzt auf mich, auf den anderen und auf all‘ die vielen Dinge, die hier so zu sehen sind. Als nähmen sie die jetzt viel mehr wahr als an den Tagen zuvor, als jeder alleine mit mir hier drin war. Puh. Ich war ganz froh, dass dieses Mal nicht so viele tatschende Hände kamen – vor beiden hatten die Leute deutlich mehr Respekt als vor einem alleine.
Wir hörten allerdings noch und nöcher, wie unglaublich schön sie seien… Und welche Rasse das denn ist und „unglaublich, dass die noch so jung sind! Und das erste Mal los? Ach, wenn meiner doch auch so wäre…“

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Nun stand „nur noch“ das Thema Verladen an, ich machte mir keinen großen Kopf, beide waren so entspannt, Nacariño würde da jetzt schon raufgehen wie sonst auch, ich passte halt auf, in welchem Stadium ich wie stark forderte und hatte ja Zeit. Ausatmen.

Die Longe lag um die Bruststange, ich hatte die mit dem Halfter verknotet (wir erinnern uns, Haken war ja keiner mehr dran), ich hatte alles mögliche an Ersatz mitgenommen, auch wenn wir lachend feststellten, dass wir hier ja an der Quelle saßen 🙂
Wobei – diese Billig-Karabiner der handelsüblichen Longen springen vermutlich beim Anblick von Nacariño von selbst auseinander. Wo kriege ich jetzt bloß noch mal so eine Longe her…? Dieses neumodische Zeug ist doch nicht zu gebrauchen… Das war noch die Longe, die wir seit Fàscinos Mutter oder gar noch länger in der Familie hatten, also hatte die mal locker ihre 30 Jahre auf dem Buckel. Ich mag diesen glatten Stoff so gerne, ich kann diese Longen mit der Riffelung nicht ausstehen. Zum Glück habe ich eine zweite, brauche ich auch für meine Variante der „Doppel-Longe“, aber nun muss ich hier eben einen neuen, guten Haken dranmachen lassen.

Muss ich nicht. Lohnt nicht mehr. Nach 30 Jahren muss eine gewisse Materialermüdung wohl erlaubt sein. Nacariño stand auf der Rampe, setzte an zum Hochkommen, dachte sich, mal gucken, ob das nochmal klappt, schmiss sich nach hinten – und die Longe riss schlicht in der Mitte durch. Ich stand da etwas fassungslos mit dem Ende in der Hand, während er mit dem anderen Ende am Halfter stiften ging. Nicht weit, Dón war ja da, aber so langsam gingen mir die Mittel aus. Na, der Rest Longe, den ich da hatte, war noch lang genug, also nahm ich kopfschüttelnd den für den nächsten Versuch. Natürlich war Nacariño beunruhigt durch den an der Seite angebundenen, scharrenden Dón. Den hätte ich ja auch zuerst aufladen können. Aber ich möchte unbedingt, dass das schwieriger zu verladende Pferd auf jeden Fall alleine raufgeht, damit der mir nicht irgendwann vorschreibt, dass er nur noch hochgeht, wenn schon einer oben steht. So weit kommt’s noch. Das hatte ich damals mit Franco und das war phasenweise ein ungeheures Problem. Später ging es, aber das dauerte. Nacariño wird immer und jederzeit alleine auf den Hänger gehen, da kann er sich jetzt schon mal sicher sein, auch wenn er in diesem Moment noch nicht davon überzeugt war.

Beim zweiten Versuch stellte sich Nic mal mit der Gerte daneben und streichelte ihn damit. Sie sollte nicht nachtreiben und schon gar keinen Druck aufbauen, einfach nur die Seite einrahmen und mit der Gerte streicheln. Nacariño überlegte einen Moment, diese Gedenkminute gestand ich ihm wie immer gerne zu – und dann war er oben. Ich ließ Nic die Stange einhängen, um vorne bleiben zu können, das klappte, und ich band ihn an.
Pfffffffffffff…

Ich rief Nacariño noch zu, er solle sich jetzt mal angucken, wie das geht, legte Dón den Strick über den Hals und der war ratz-fatz oben. Großartiger Junge!! Sie gingen sofort ans Heunetz, ich verstaute das Podest und was eben noch so zu verstauen war und dann ging es nach Hause.

Dort ließ ich Nacariño zuerst runter, bat ihn direkt wieder hoch, wieder runter und nochmal hoch. Alles gut, wenn auch mit Kulleraugen und nicht so recht überzeugt.

Ok, das Üben geht weiter…!
Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn einfach alles reibungslos geklappt hätte. Die Auftritte an sich waren toll genug gewesen, an denen konnte ich mich einfach nur freuen. Und wenn ich die Bilder sehe… Wenn ich jetzt schon, nach dem ersten Mal, solche Bilder habe, meine Güte, was soll denn da noch kommen?? Einfach toll. Tolle, tolle Pferde!!!

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